Norman Domeier Der Eulenburg-Skandal

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Inhaltsangabe zu „Der Eulenburg-Skandal“ von Norman Domeier

Der Skandal um Fürst Eulenburg, den besten Freund und zeitweise wichtigsten Berater Kaiser Wilhelms II., erschütterte seit 1906 die Monarchie. Anhand zahlreicher Quellen, darunter rund 5000 Presseartikel, geht Norman Domeier dem Skandal nach und liefert eine Kulturgeschichte der Politik im Kaiserreich. Er zeigt, dass es weniger um die Homosexualität des Fürsten ging: Der Eulenburg- Skandal war vor allem die Initialzündung für eine moderne, kritische Öffentlichkeit in Deutschland. Gleichzeitig aber bot er Gelegenheit, den kommenden Weltkrieg nicht nur politisch, militärisch und ökonomisch, sondern auch moralisch zu rechtfertigen.

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  • Rezension zu "Der Eulenburg-Skandal" von Norman Domeier

    Der Eulenburg-Skandal

    TheSaint

    13. January 2012 um 00:16

    Wenn man ein an Geschichte und Politik interessierter Mensch ist und gern Bücher zu solchen Themen liest, dann mag ein fiktionaler Historien- oder Polit-Thriller zu fesseln und zu unterhalten verstehen. Das aber das wahre Leben noch immer die faszinierendsten und verschachteltsten Geschichten zu erzählen weiß, bringt uns Norman Domeier mit diesem Buch über den keimenden Skandaljournalismus zur Zeit der Regentschaft Kaiser Wilhelms II in Deutschland näher. Das Buch schildert komplex und detailliert, wie der dem Regierungsstil Wilhelms II kritisch gegenüber stehende Journalist Maximilian Harden ihm zu Ohren gekommene Gerüchte über homoerotische Beziehungen innerhalb des Beraterkreises des Monarchen dazu nützt, das Land in seinen Grundfesten zu erschüttern. Dieser Kreis von Beratern, der als "Liebenberger Kreis" in die Geschichte einging, war nach Ansicht Hardens dafür verantwortlich, dass sich der Kaiser nicht zu einem Krieg mit Frankreich entschließen konnte. Harden spielte mit der damaligen Ansicht der Gesellschaft, dass Homosexuelle verweichlichte Persönlichkeiten und somit nicht zu einem entschlossenen Machtgebrauch in der Lage seien. Um diesen Beraterkreis zu sprengen und die Politik des Kaisers zur Diskussion zu stellen, bediente sich der Journalist einer Karikatur, die auf Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld und sein "Schätzchen" Kuno von Moltke anspielte. Kuno von Moltke sah sich genötigt, einen Prozess gegen den Journalisten anzustreben. Dieser fiel in eine Zeit des Umbruchs... gesellschaftliche und moralische Werte wurden in Frage gestellt, die starre und steife wilhelminische Zeit wurde brüchig und die Preußen sahen sich plötzlich durch die Presse mit Homosexualität und wüsten Orgien der obersten Gesellschaftsschicht konfrontiert. Begriffe wie Ehre, Ehe und Männerfreundschaft gerieten durch die Berichterstattung in schiefes Licht. Im Laufe der sich ergebenden Prozesse zwischen Harden und Moltke, in welchen Eulenburg auch wegen Meineids angeklagt wurde, mutierte aufgrund von Zeugenaussagen die elegante Ausgehuniform des Regiments Gardes du Corps (Leibwache des Kaisers - blendend weiße Uniformen mit rotem Saum und markanten schwarzen Stulpenstiefeln bis übers Knie reichend) - in welchem Eulenburg seine militärische Ausbildung absolviert hatte - zu einer Art "Prostituiertentracht": Soldaten hatten in ihren Aussagen über homoerotische Vorfälle im Regiment auch davon erzählt, dass diese Uniform zu einer Art "Erkennungszeichen" für Homosexuelle geworden war - besonders in der männlichen Prostituiertenszene Berlins. Das Volk war von den täglichen Anschuldigungen über die Verfehlungen des Adels zutiefst entsetzt, der Monarch wie auch die gesamte preußische Akkuranz und Starre nicht in der Lage, richtig und überzeugend zu agieren. Die Berichterstattung erfolgte in ganz Europa und brachte nicht nur das Ansehen des Kaisers in Verruf, sondern auch das der Justiz und vor allem das der Armee. Um den Schaden zu begrenzen, ließ Kaiser Wilhelm II seine ehemals "engsten Freunde" fallen und distanzierte sich von ihnen. Auch schlug er einen härteren militärischen Weg ein, der wohl auch dazu beigetragen haben mag, dass das zweite deutsche Kaiserreich sein Ende fand. Domeier schildert klar und packend die Entstehung des Skandaljournalismus in Deutschland in einer Zeit, in der allein schon der Verdacht, homosexuell zu sein, bei der damaligen Moralvorstellung zur gesellschaftlichen und politischen Ächtung geführt hätte. Er berichtet über die Geburtswehen der Sexualwissenschaft und des Klassenkampfes und zeigt auf, dass es nicht wirklich um die sexuellen Präferenzen der Herren Moltke und Eulenburg und anderer Männer im Umfeld des Monarchen ging, sondern dieses Thema als Initialzündung für eine modernere und kritischere Öffentlichkeit in Deutschland zu verstehen war und auch die Gelegenheit bot, den kommenden Weltkrieg nicht nur politisch, militärisch und ökonomisch, sondern auch moralisch zu rechtfertigen. Allen an deutscher Geschichte interessierten Lesern zu empfehlen!

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