Norman Ohler

 4.2 Sterne bei 34 Bewertungen

Alle Bücher von Norman Ohler

Norman OhlerDer totale Rausch: Drogen im Dritten Reich
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der totale Rausch: Drogen im Dritten Reich
Der totale Rausch: Drogen im Dritten Reich
 (16)
Erschienen am 10.09.2015
Norman OhlerDie Gleichung des Lebens
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Gleichung des Lebens
Die Gleichung des Lebens
 (9)
Erschienen am 07.09.2017
Norman OhlerMitte
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Mitte
Mitte
 (4)
Erschienen am 01.02.2002
Norman OhlerStadt des Goldes
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Stadt des Goldes
Stadt des Goldes
 (2)
Erschienen am 01.04.2002
Norman OhlerDie Quotenmaschine
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Quotenmaschine
Norman OhlerDer totale Rausch
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der totale Rausch
Der totale Rausch
 (1)
Erschienen am 12.01.2017
Norman OhlerDer schwarze Vorhang / Der Reporter
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der schwarze Vorhang / Der Reporter
Der schwarze Vorhang / Der Reporter
 (0)
Erschienen am 12.10.2009
Norman OhlerDie Gleichung des Lebens
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Die Gleichung des Lebens
Die Gleichung des Lebens
 (0)
Erschienen am 21.09.2017

Neue Rezensionen zu Norman Ohler

Neu
Giselle74s avatar

Rezension zu "Die Gleichung des Lebens" von Norman Ohler

Erdtoffeln
Giselle74vor 2 Monaten

1747. Friedrich der Große möchte aus Teilen des Oderbruchs Ackerland schaffen, um dort Kolonisten anzusiedeln und somit die Bevölkerungszahl Preussens schnell zu erhöhen. Ernährt werden sollen die Neubürger mit den bislang noch relativ unbekannten "Erdtoffeln", sprich mit Kartoffeln. Die bisherigen Bewohner der Gegend, traditionell Fischer, sind nicht erfreut, Widerstand beginnt sich zu regen. Als der zuständige Ingenieur Mahistre tot aufgefunden wird, beruft der König den Mathematiker Leonhard Euler auf den Plan, der den Fall mit der ihm eigenen Logik lösen und dabei auch das Gebiet gleich ausmessen soll.
Eine grandiose Mischung aus Geschichtslektion und Krimi legt Ohler hier vor. Während man Euler durch das Oderbruch folgt, erfährt man wie nebenbei viel über die ursprüngliche Lebensweise dort, über die Landschaft, über Traditionen und schlußendlich auch darüber, dass Geschichte zu Wiederholungen neigt. Denn zum einen ist eine Trockenlegung natürlich ein riesiger Eingriff in die Natur mit nicht berechenbaren Folgen und zum anderen führt eine großräumige Neuansiedlung ebenso natürlich nicht zu Jubelgeschrei der bereits Anwesenden. Friedrich kümmert das herzlich wenig. Der König bestimmt und seine Untertanen mögen... nein, gehorchen nicht, verstehen und beipflichten sollen sie ihm, der ja nur ihr Bestes will. Das sein Plan nur am Reißbrett entworfen wurde, ohne wirkliche Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, ist dabei zweitrangig.
Scheinbar gründlich recherchiert, hat mich der Roman auf ganzer Linie überzeugt. Selbst die Sprache, mit verschachtelten Endlossätzen, normalerweise der Tod jedweder Spannung, erscheint hier nur richtig und passend. Erinnern die Formulierungen doch an die damals übliche Redeweise. Die Charaktere sind schlüssig, wenn auch nicht alle gleich gut ausgearbeitet, das wäre aber auch rahmensprengend gewesen. Die Erinnerung an Preussens Verknüpfung mit dem Sklavenhandel in Westafrika fand ich äußerst interessant, war mir das Wirken der Brandenburgisch-Afrikanischen Companie doch gänzlich unbekannt. Ohler führt einige hoch spannende Fäden zusammen und gibt damit Einblick in eine Zeit, die romantechnisch noch ziemliches Brachland ist. Wer also Bücher mit historischem Hintergrund mag, der dürfte mit diesem Roman sicherlich glücklich werden.

Kommentieren0
3
Teilen
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Der totale Rausch" von Norman Ohler

"Fliegerschokolade" und "Kokainkaugummi" - Drogen im Dritten Reich
Bellis-Perennisvor einem Jahr

Mir war wohl bekannt, dass die deutsche Wehrmacht ihre Soldaten des Zweiten Weltkriegs mit Drogen ausgestattet hat. 
Die Ausmaße des Drogenkonsums und der Produktion war mir allerdings nicht ganz so geläufig. Auch, dass Göring und Co. Morphinisten waren, ist mir vertraut.

Die Ardennenoffensive ein Höllenritt auf Methamphetamin, damals besser bekannt unter „Pervitin“ (heute als „Crystal Meth“ gerne konsumiert) – hunderte Kilometer im Panzer, anhalten nur um zu tanken. Schlafen, Essen – unnötig. Die kleinen Muntermacher machen’s möglich. 

„Der Erfolg liegt in der Schnelligkeit. Es kommt darauf an, die Verteidiger immer zu überraschen.“ (Angriffsbefehl Panzergruppe von Kleist, S.96).

Dieser größte jemals eingesetzte motorisierte Verband von 41.140 Fahrzeugen produziert einen Megaustau von über 250 km. (Der längste Stau in Europa bis heute.)

Allein das Abwehramt/Ausland (ver)brauchte im Jahr 1943 568 kg reines Kokain und 60 kg reines Heroin. Ein vielfaches, des medizinischen Jahresbedarfs im ganzen Reich. Haben das die Soldaten alles konsumiert oder wurde einiges zur Devisenbeschaffung „vercheckt“? Das Deutsche Reich als Großdealer?

Die Eigentümer aller großen und kleinen Pharmafirmen (von Temmel bis Merck) profitierten in mehrfacher Hinsicht von der Gier. Einerseits wurden die Firmen, wenn sie im jüdischen Besitz waren, einfach arisiert. Die Umstellung auf staatlich geförderte Drogen brachte höchste Gewinne. 

Hauptabnehmer ist die Wehrmacht. Die Luftwaffe kann ohne Pervitin gar nicht (mehr) fliegen und die Soldaten in den U-Booten erhielten die Drogen für ihre Himmelfahrtskommandos.

Doch der Drogenmissbrauch im großen Stil macht auch vor Adolf Hitler nicht Halt. Sein Leibarzt Dr. Morell pumpt ihn mit allen möglichen Suchtgiften voll. Daneben experimentiert Morell mit allerlei Hormonen herum. So lässt er Tonnen von tierischen Innereien aus der Ukraine in seine Pharmafabriken liefern, um sie dort zu Aufputschmitteln zu verarbeiten. Diese Extrakte spritzt er auch Hitler, der recht bald nach diesem Zeug süchtig wird.

Doch nicht nur die Soldaten (egal welchen Dienstgrades) schlucken die Tabletten (anfangs sogar ohne Gebrauchsanweisung und daher viel zu viel), nein auch die Hausfrauen erhalten ihren Teil: als „Hausfrauenschokolade“ (solange es noch Schokolade gab) oder als Konfekt. Diese Drogen sind ganz normal ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Erst als sich die ersten Nebenwirkungen (Todesfälle durch Herzstillstand, Bluthochdruck etc.) einstellen, wird die Rezeptpflicht eingeführt. Die jedoch von der Wehrmacht auf Grund der riesigen Mengen im Einkauf umgangen wird. Wenn von einer Lieferung von 2.000 Pervitin die Rede ist, so sind das 2.000 Röhrchen mit je 30 Tabletten.
Weitere leistungssteigernde Medikamente werden KZs getestet. Man probiert es mit Kokainkaugummi und ähnlichem.

Auch Heinrich Böll hat als junger Soldat mit Methamphetamin Bekanntschaft gemacht.

Meine Meinung:

Der Autor Norman Ohler ist Journalist und hat sich dieses Themas angenommen. Er stützt sich vor allem auf den Nachlass des Dr. Theo Morell, der ab 1936 Hitlers Leibarzt war. In seiner Kartei hat er die Behandlungen seines Patienten A akribisch, wenn auch verschlüsselt, vermerkt. Das Buch enthält neben einer Reihe von Fotos auch Faksimiles der Patientenakten.

Hin und wieder erscheinen seine Überschriften ein wenig flapsig: „Sieg high“ oder „High Hitler“ oder „Last exit Führerbunker“. Ich vermute, dass ohne diesen Anflug von Galgenhumor die Unterlagen nicht zu sichten gewesen wären.

Was mir persönlich fehlt ist, wie die überlebenden Soldaten ihre Drogensucht wieder losgeworden sind. Hat man ihnen weiterhin Tabletten (Psychopharmaka) verschrieben oder sind sie nahtlos auf Schnaps umgestiegen?

Fazit:

Ein Buch das gelesen werden sollte. Auch um die Auswirkung von „Crystal Meth“ vor Augen geführt zu bekommen.

Kommentare: 3
17
Teilen
oblomovs avatar

Rezension zu "Die Gleichung des Lebens" von Norman Ohler

Jeder kennt die Kanäle, aber unter welchen Umständen sie erbaut wurden das beschreibt Norman Ohler
oblomovvor einem Jahr

Norman Ohler nimmt seine Leser in seinem Roman mit in den Sommer 1747, in dem Friedrich einen neuen Kanal baute, Preußen modernisierte und ein Mord geschah. Daher Roman trifft es nur halb , ein historischer Krimi wäre treffender. Schauplatz ist das Oderbruch, in dem der Mathematiker Leonhard Euler eine Intrige aufzulösen versucht.

Ein gutes Buch, das in der aktuellen Zeit und politischen Lage, mit der Angst vor Flüchtlingen und vor dem Fremden eine gute Debatte wiederspiegelt. Die weisen Worte des Königs, die platte die Angst seiner Untertanen, sowie den intriganten Nutznießern seiner Entscheidungen werden in Dialoge gegossen, die aktueller nicht sein könnten.

„Ein Staat, der Ausländer den Eingeborenen vorzieht“ begann Schmettau vorsichtig, aber klar in der Wortwahl, da er wußte, dass Friedrich die deutliche Aussprache schätzte, „erweckt den Neid seiner Untertanen und verschließt sich ihre Herzen. Welcher Vater nährt fremde Kinder und läßt die eigenen darben? […]“

Die Sprache ist blumig und die Landschaften werden umfangreich, aber nicht ausufernd beschrieben. Die Charaktere sind historische Figuren, die eingangs, wie in einem klassischen Bühnenstück aufgezählt werden. Euler ist der Protargonist, der sympatisch schrullig dargestellt und mit allerlei Bezug zu seinen mathematischen Arbeiten versehen, einen Mordfall auflöst.

Aber es bleibt ein seichter Roman, der mich durch die, bereits erwähnte Aufzählung der Figuren auf den ersten Seiten an ein Reclam Heft erinnerte und die hier und da nett eingeflochtene Begrifflichkeiten auch in so manche Geschichtsstunde zurückversetzten.

„Wir locken diese Menschen in unser Land.“ Friedrich nahm das Tuch entgegen. […] „Wir geben ihnen gratis Holz und ein Stück Land, dazu Werkzeuge, um es zu bebauen – und Tiere. Und weisst du, weshalb wir so sind? Sie werden es uns durch ihre ehrliche Arbeit noch tausendfach vergüten. Ja, ich will das Preußen ein Land der Verheißung wird. Anders, ohne diese Fremden, die zu uns wollen, können wir morgen die Nase nicht vornehaben. […] Gereade hier in Preußen, einem, wie Voltaire sagt, abstrakten Staat, der nicht auf einem Volksgedanken basiert wie beispielsweise Frankreich. Wie beispielsweise Frankreich: Wir müssen uns das Volk erst erschaffen.

Als Fazit finde ich, dass obwohl der Titel fehlleitet, der Roman eigentlich ein Krimi ist, es sich um ein außerordentlich gut recherchiertes Buch handelt. Es hat auch an die 10 Jahre gedauert, bis es fertiggestellt war. Am Ende konnte ich es kaum noch aus der Hand lesen, das es mich, durch die dichte Atmosphäre und sympathischen Charaktere stark in seinen Bann gezogen hat.

Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 62 Bibliotheken

auf 16 Wunschlisten

von 3 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks