Die Gleichung des Lebens

von Norman Ohler 
3,9 Sterne bei9 Bewertungen
Die Gleichung des Lebens
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Ein spannender Roman mit sehr gut recherchiertem historischem Hintergrund. Oderbruch - auch heute noch eine sehenswerte Landschaft.

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Eine Krimi im Gewand eines Historienromans

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Inhaltsangabe zu "Die Gleichung des Lebens"

Friedrich der Große, der Mathematiker Leonhard Euler und die Trockenlegung des Oderbruchs.
Sommer 1747. Friedrich II. will das unwegsame, von aufsässigen wendischen Fischern bewohnte Oderbruch in Ackerland verwandeln. Das Mathematikgenie Leonhard Euler soll die nötigen Berechnungen durchführen. Doch als ein Ingenieur des Königs ermordet wird, verliert sich Euler in diesem preußischen Amazonien, das dem Untergang geweiht ist, sich aber mit allen Mitteln wehrt.Friedrich II. will die Sumpfgebiete östlich von Berlin trockenlegen, um dort Flüchtlinge anzusiedeln. Wo noch Fische, Schildkröten und Wasservögel in überwältigender Artenvielfalt leben, sollen Kühe grasen und die Kartoffel wachsen. Es ist die Zeit vor der gewaltigen Johanniflut, die das Bruch wie seit Urzeiten überschwemmen wird. Unter den Fischern herrscht Unruhe, sie fürchten den Untergang ihrer Welt. Als der Ingenieur Mahistre tot am Oderstrand angetrieben wird, übernimmt Leonhard Euler die Ermittlungen und gerät plötzlich selbst ins Visier. Nur die Begegnung mit Oda, der Tochter des Anführers der Wenden, kann sein Leben noch retten.Ein hervorragend recherchierter, atmosphärisch dichter Roman mit einer erstaunlichen Vielfalt an Figuren und Stimmungen: Vor dem Hintergrund des 18. Jahrhunderts entsteht ein Tableau um Verdrängung, Angst vor dem Fremden und Kolonialisierung, das wie ein Spiegelbild unserer Gegenwart wirkt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462049688
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:416 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:07.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 21.09.2017 bei Argon erschienen.

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    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 2 Monaten
    Erdtoffeln

    1747. Friedrich der Große möchte aus Teilen des Oderbruchs Ackerland schaffen, um dort Kolonisten anzusiedeln und somit die Bevölkerungszahl Preussens schnell zu erhöhen. Ernährt werden sollen die Neubürger mit den bislang noch relativ unbekannten "Erdtoffeln", sprich mit Kartoffeln. Die bisherigen Bewohner der Gegend, traditionell Fischer, sind nicht erfreut, Widerstand beginnt sich zu regen. Als der zuständige Ingenieur Mahistre tot aufgefunden wird, beruft der König den Mathematiker Leonhard Euler auf den Plan, der den Fall mit der ihm eigenen Logik lösen und dabei auch das Gebiet gleich ausmessen soll.
    Eine grandiose Mischung aus Geschichtslektion und Krimi legt Ohler hier vor. Während man Euler durch das Oderbruch folgt, erfährt man wie nebenbei viel über die ursprüngliche Lebensweise dort, über die Landschaft, über Traditionen und schlußendlich auch darüber, dass Geschichte zu Wiederholungen neigt. Denn zum einen ist eine Trockenlegung natürlich ein riesiger Eingriff in die Natur mit nicht berechenbaren Folgen und zum anderen führt eine großräumige Neuansiedlung ebenso natürlich nicht zu Jubelgeschrei der bereits Anwesenden. Friedrich kümmert das herzlich wenig. Der König bestimmt und seine Untertanen mögen... nein, gehorchen nicht, verstehen und beipflichten sollen sie ihm, der ja nur ihr Bestes will. Das sein Plan nur am Reißbrett entworfen wurde, ohne wirkliche Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten, ist dabei zweitrangig.
    Scheinbar gründlich recherchiert, hat mich der Roman auf ganzer Linie überzeugt. Selbst die Sprache, mit verschachtelten Endlossätzen, normalerweise der Tod jedweder Spannung, erscheint hier nur richtig und passend. Erinnern die Formulierungen doch an die damals übliche Redeweise. Die Charaktere sind schlüssig, wenn auch nicht alle gleich gut ausgearbeitet, das wäre aber auch rahmensprengend gewesen. Die Erinnerung an Preussens Verknüpfung mit dem Sklavenhandel in Westafrika fand ich äußerst interessant, war mir das Wirken der Brandenburgisch-Afrikanischen Companie doch gänzlich unbekannt. Ohler führt einige hoch spannende Fäden zusammen und gibt damit Einblick in eine Zeit, die romantechnisch noch ziemliches Brachland ist. Wer also Bücher mit historischem Hintergrund mag, der dürfte mit diesem Roman sicherlich glücklich werden.

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    oblomovs avatar
    oblomovvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Krimi im Gewand eines Historienromans
    Jeder kennt die Kanäle, aber unter welchen Umständen sie erbaut wurden das beschreibt Norman Ohler

    Norman Ohler nimmt seine Leser in seinem Roman mit in den Sommer 1747, in dem Friedrich einen neuen Kanal baute, Preußen modernisierte und ein Mord geschah. Daher Roman trifft es nur halb , ein historischer Krimi wäre treffender. Schauplatz ist das Oderbruch, in dem der Mathematiker Leonhard Euler eine Intrige aufzulösen versucht.

    Ein gutes Buch, das in der aktuellen Zeit und politischen Lage, mit der Angst vor Flüchtlingen und vor dem Fremden eine gute Debatte wiederspiegelt. Die weisen Worte des Königs, die platte die Angst seiner Untertanen, sowie den intriganten Nutznießern seiner Entscheidungen werden in Dialoge gegossen, die aktueller nicht sein könnten.

    „Ein Staat, der Ausländer den Eingeborenen vorzieht“ begann Schmettau vorsichtig, aber klar in der Wortwahl, da er wußte, dass Friedrich die deutliche Aussprache schätzte, „erweckt den Neid seiner Untertanen und verschließt sich ihre Herzen. Welcher Vater nährt fremde Kinder und läßt die eigenen darben? […]“

    Die Sprache ist blumig und die Landschaften werden umfangreich, aber nicht ausufernd beschrieben. Die Charaktere sind historische Figuren, die eingangs, wie in einem klassischen Bühnenstück aufgezählt werden. Euler ist der Protargonist, der sympatisch schrullig dargestellt und mit allerlei Bezug zu seinen mathematischen Arbeiten versehen, einen Mordfall auflöst.

    Aber es bleibt ein seichter Roman, der mich durch die, bereits erwähnte Aufzählung der Figuren auf den ersten Seiten an ein Reclam Heft erinnerte und die hier und da nett eingeflochtene Begrifflichkeiten auch in so manche Geschichtsstunde zurückversetzten.

    „Wir locken diese Menschen in unser Land.“ Friedrich nahm das Tuch entgegen. […] „Wir geben ihnen gratis Holz und ein Stück Land, dazu Werkzeuge, um es zu bebauen – und Tiere. Und weisst du, weshalb wir so sind? Sie werden es uns durch ihre ehrliche Arbeit noch tausendfach vergüten. Ja, ich will das Preußen ein Land der Verheißung wird. Anders, ohne diese Fremden, die zu uns wollen, können wir morgen die Nase nicht vornehaben. […] Gereade hier in Preußen, einem, wie Voltaire sagt, abstrakten Staat, der nicht auf einem Volksgedanken basiert wie beispielsweise Frankreich. Wie beispielsweise Frankreich: Wir müssen uns das Volk erst erschaffen.

    Als Fazit finde ich, dass obwohl der Titel fehlleitet, der Roman eigentlich ein Krimi ist, es sich um ein außerordentlich gut recherchiertes Buch handelt. Es hat auch an die 10 Jahre gedauert, bis es fertiggestellt war. Am Ende konnte ich es kaum noch aus der Hand lesen, das es mich, durch die dichte Atmosphäre und sympathischen Charaktere stark in seinen Bann gezogen hat.

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    Naburas avatar
    Naburavor einem Jahr
    Atmosphärisch dicht erzählte Geschichte über die Trockenlegung des Oderbruchs


    Im Jahr 1747 erhält das Mathematikgenie Leonard Euler von König Friedrich dem Zweiten einen ungewöhnlichen Auftrag. Friedrich will das Oderbruch, ein Sumpfgebiet östlich von Berlin, trockenlegen, um dort Flüchtlinge anzusiedeln und Kartoffeln anbauen zu lassen. Euler soll Realisierbarkeit, Dauer und Kosten berechnen – aber nicht in der Akademie, sondern vor Ort. Die Dimension der Aufgabe lasse sich dort erst richtig begreifen. So recht überzeugt ist Euler nicht, doch auf Befehl des Königs macht er sich auf den Weg. Die Arbeiten am neuen Kanal sind schon in vollem Gange und werden vom mysteriösen Tod des leitenden Ingenieurs überschattet. Ob Euler dieses Rätsel nicht lösen könne…? Gleichzeitig betrachten die Bewohner des Gebietes, die von der Fischerei leben, die Entwicklungen mit Sorge. Werden sie die Pläne unterstützen oder Widerstand leisten?

    Das ganz in grün gehaltene Cover des Buches zeigt die Sumpflandschaft des Oderbruchs und gibt einen Vorgeschmack auf den Schauplatz der Geschichte. Gleich zu Beginn wird ein Toter gefunden: Der Aufseher des Fischmarkts von Wrietzen findet den französischen Ingenieur für den neues Kanal tot im Wasser treibend. Als Todesursache wird ein Stich ins Herz festgestellt mit einer Waffe, wie sie nur die beiden Einflussreichsten Familien der Brücher besitzen. Beide weisen von sich, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Doch die Zukunft des Bruchs führt bei ihnen trotzdem zu hitzigen Diskussionen.

    Nach einem ersten Einblick, was im Bruch vor sich geht, springt die Geschichte nach Berlin und man trifft auf den Mathematiker Leonard Euler. Er lebt für die Wissenschaft und hat es bislang aus seiner Sicht erfolgreich vermieden, nach Sanssouci zu reisen. Doch nun muss er seine Forschung für einen Tag pausieren und dem Ruf des Königs folgen. Euler machte für mich den Eindruck eines leicht chaotischen Genies. Er geht an Neues kritisch heran und wird davon angetrieben, Dinge herausfinden zu wollen. Wenn die Sprache auf den König kommt ist er etwas mürrisch, doch im Grunde genommen ist er aufrichtig und wissensdurstig, weshalb ich ihn mochte.

    König Friedrich lernt man bei Eulers Besuch als Visionär kennen. Er hat große Pläne und will, dass sie realisiert werden. Aufgeben ist für ihn keine Option. In seinem Plan rund um die Trockenlegung des Oderbruchs, die Ansiedlung von Flüchtlingen und der Nutzung des Bodens für den Anbau der frisch aus Amerika importierten Kartoffel ist Euler ein wichtiges Rad im Getriebe, weshalb er zur Recherche vor Ort ausgesandt wird.

    Bald trifft auch Euler im Oderbruch ein und beginnt, sich umzuschauen. Gleichzeitig versucht er, unauffällig mehr über den Tod des Ingenieurs in Erfahrung zu bringen. Dem Autor ist es insbesondere bei allen Szenen im Oderbruch außerordentlich gut gelungen, die Atmosphäre einzufangen. Die schwüle Luft, das Surren der Mücken, das Schmatzen der Kutschenräder auf dem nassen Boden… die Szenerie wurde vor meinem inneren Auge lebendig. Ebenso wurden die Vor- und Nachteile der Trockenlegung gut dargestellt: Der Aufwand der Arbeiten am Kanal, die Verunsicherung der Fischer und die Hoffnung der neuen Siedler.

    Als Leser erhält man einen umfassenden Eindruck der Situation. Die Handlung hätte aber noch straffer und schwungvoller erzählt sein dürfen. Viele einzelne Szenen lassen ein umfassendes Gesamtbild entstehen, doch die Ermittlungen zum Mordfall, der meine Neugier gleich zu Beginn weckte, geraten immer wieder in den Hintergrund und auch die Brücher brauchen lange, bis sie eine Entscheidung treffen und nach ihr handeln. Zum Ende hin erlebte ich schließlich einige Überraschungen und es wurde richtig spannend – ein gelungener Abschluss der Geschichte.

    In „Die Gleichung des Lebens“ wird Leonard Euler vom König ins Oderbruch geschickt, um Berechnungen anzustellen. Bald ermittelt er darüber hinaus in einem Mordfall und setzt sich mit dem Für und Wider einer Trockenlegung auseinander. Die Handlung hätte noch straffer sein können, während mir die Charaktere und die Darstellung der verzwickten Situation sehr gut gefallen haben. Eine atmosphärisch dicht erzählte Geschichte, die das Oderbruch vor meinem inneren Auge lebendig werden ließ. Historisch interessierten Lesern kann ich das Buch klar empfehlen! 

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    WJ050vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein spannender Roman mit sehr gut recherchiertem historischem Hintergrund. Oderbruch - auch heute noch eine sehenswerte Landschaft.
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    pantu_wibavor 5 Monaten
    Marduks avatar
    Mardukvor 7 Monaten
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    Liseronvor 10 Monaten
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    hundertwasservor einem Jahr
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    jedigirlvor einem Jahr

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