Nuran David Calis

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Nuran David CalisDer Mond ist unsere Sonne
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Der Mond ist unsere Sonne
Der Mond ist unsere Sonne
 (5)
Erschienen am 12.08.2011
Nuran David CalisTheater Theater 17
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Theater Theater 17
Theater Theater 17
 (1)
Erschienen am 01.12.2007

Neue Rezensionen zu Nuran David Calis

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j125s avatar

Rezension zu "Der Mond ist unsere Sonne" von Nuran David Calis

Beeindruckend in seiner Sprache
j125vor 4 Jahren

Inhalt:
Alen ist 19 Jahre alt, hat die Schule geschmissen und verdient sich sein Geld als Türsteher, seit sein Vater gestorben ist. Zusammen mit seiner Mutter lebt er in Baumheide, das man als Ghetto bezeichnen würde, läge es nicht in Bielefeld, sondern in Berlin oder New York. Bisher schien Alen ganz zufrieden mit seinem Leben, oder hatte es zumindest akzeptiert - er hatte ja keine Wahl. Wer einmal drin ist in Baumheide, kommt meist nur an zwei andere Orte: Knast oder Grab. Doch dann beginnt Alen sich Gedanken zu machen, über das Leben im allgemeinen und da Leben in Baumheide im speziellen und ob man nicht doch ausbrechen kann, irgendwie.

Meine Meinung:
Vor Jahren habe ich Ausschnitte dieses Buches in einer Radiolesung gehört und musste es daraufhin unbedingt haben. Lange stand es auf meiner Wunschliste, dann im Regal und als ich es dann zur Hand genommen habe, war ich mir nicht mehr sicher warum ich das Buch unbedingt lesen wollte. Nun bin ich froh, dass ich es gelesen habe, auch wenn es mir anfangs nicht ganz so gefallen hat. Man muss sich - jedenfalls war es bei mir so - an den Aufbau des Buches gewöhnen. Es besteht aus einem Haupterzählstrang, der Alen bei seiner Arbeit als Türsteher in einem Club bezeichnet. Da die Nächte aber sehr lang sind, denkt er zurück an sein Leben in Baumheide, seine Familie, seine Freunde, Dinge die er erlebt hat. Anfangs fehlte mir häufiger die Verknüpfung zwischen zwei Absätzen, sodass ich nicht wusste ob dieser Abschnitt unmittelbar folgt, oder einfach eine Erinnerung und schon längst passiert ist.  Irgendwann gehwöhnt man sich daran und ungefähr ab der Hälfte, dann wenn sich die Lage allmälich zuspitzt, ist das Buch klar strukturiert durch Zeitangaben.
Negativ aufgefallen ist mir außerdem, dass es einige Wiederholungen gibt, wie zum Beispiel wie lang sein Vater schon tot ist, oder das er als Türsteher arbeitet und deshalb die Schule geschmißen hat. Für meinen Geschmack hätten die Kapitel auch ein bisschen kürzer sein können.

Sprachlich hat mir das Buch wirklich großartig gefallen. Ich kann es leider nicht so gut beschreiben, aber der Ausdruck war sehr klar, aber gleichzeitig... bildhaft. Es gibt immer wieder HipHop oder Rap Songtexte, welche die Situationen unterstreichen, auch der Titel des Buches "Der Mond ist unsere Sonne" ist ein Songtitel. Er beschreibt Alen perfekt.

Fazit:
Ein sprachlich tolles Buch, über einen jungen Mann, der sich selbst sucht, der den Sinn in seinem Leben sucht. Zu Beginn ein wenig unstrukturiert, aber es wird besser!

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M

Rezension zu "Der Mond ist unsere Sonne" von Nuran David Calis

Rezension zu "Der Mond ist unsere Sonne" von Nuran David Calis
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Literarischer Rap

Das Vorurteil, das Türsteher sämtliche Lebensenergie zum einen in den Oberarmen einlagern und zum anderen sich stets auf halbseidenen Fäden durchs Leben bewegen, widerlegt Calis in diesem Buch eindruckvoll. Aber schon sein Werdegang ist sicherlich nicht sonderlich typisch in der Verbindung seiner Tätigkeit zu Zeiten als Türsteher und seines Studiums der Regie samt beruflicher Erfahrungen dann im Regiefach.

Beides aber fließt im Buch in bester Weise zusammen. Die harte, wie rappende Sprache. Direkt, klar. Die Szenen wie mit schnellen Schnitten aneinandergereiht und dennoch mit einem roten Faden verbunden. Autobiographische Züge tun ihr Übriges, um die Geschichte nah an der Realität stattfinden zu lassen. Diese Welt des Nachts, die kennt Calis gut.

Wie Calis selbst ist seine Hauptfigur, Alen, Türsteher in Bielefeld mit armenischen Wurzeln. Anders als Calis aber hat Alen nichts, was ihn in die Zukunft tragen könnte, lebt nur den Tag, das Umfeld, seine Freundin. Bis dieses Leben vor die Wand fährt und alles ins Wanken gerät.

Innere Rettung und eine ganz andere Perspektive bietet Alen dann erst die Geschichte seines Onkels über einen Schatz, der in der alten Heimat vergraben liegt. Ein Schatz, der eng verbunden ist mit der Geschichte der Familie väterlicherseits. Wurzeln auch des eigenen Lebens, die sich hier andeuten.

Alen macht sich auf den Weg. Nicht nur zu einem vermeintlichen „Gewinn“ hin, sondern auch weg aus den alten Bezügen, hin zu den Orten der heimatlichen Wurzeln, hin auch zu sich selbst. Eine „innere Entdeckungsreise“, auch das ist es, was Calis intensiv und teils fast schmerzlich direkt zu erzählen versteht, eingebunden in die äußere, harte Schale Alens und die zumeist kompromisslose Umgangsweise untereinander in seinen Kreisen.

Tief sitzt sie, eine gewisse Unversöhnlichkeit, in den Figuren. Eine „in sich eingeschlossen Sein“, dass es fast unmöglich macht, wirklich miteinander in innere Beziehungen zu treten. Und tief reichen die Folgen dieser ungewollten und unkontrollierbaren Abschottung.

„Entweder ziehst Du Dich hier raus, oder Du versinkst bedeutungslos im Sumpf der Geschichte..... Aber Nein, Du hältst inne und holst aus und fängst an zu schlagen“. So sieht sie aus, die fast immer letzte Konsequenz des Handelns in Alens Welt. Einer Welt, in der für ihn eines feststeht: „Ich werde nicht ohne Grabstein in der (fremden) Erde liegen“. Nicht, ohne Bedeutung gehabt zu haben. Irgendwo und irgendwie.

So lässt Nuran David Calis den Leser fast wie ein Türsteher mit hinein in die Welt seines „Clubs“, dessen Türen er in diesem Buch weit öffnet. Eine Welt „von unten“, mit Kraft und Dynamik, oft aber ungerichteter Kräfte, die ihren wirklichen Weg nur schwer finden und sich all zu oft selber im Wege stehen. Kräfte, die dennoch von der Hoffnung getragen sind, anzukommen.

Temporeich, schnell, hart, rau im Ton und doch erkennbar nicht ohne Emotion legt Nuran David Calis ein authentisches und rasant zu lesendes Buch vor, in dem die Handschrift des Regisseurs und die Erfahrungen mit Hip-Hop Musikclips deutlich erkennbar ist in einer Migrations-Welt, die zwischen Abend und Tag stattfindet.

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hproentgens avatar

Rezension zu "Der Mond ist unsere Sonne" von Nuran David Calis

Rezension zu "Der Mond ist unsere Sonne" von Nuran David Calis
hproentgenvor 7 Jahren

»Ich werde zurückkehren und Anschluss finden. Ich werde mich einnisten wie ein Parasit. In einer Gesellschaft, die ich mir nicht aussuchen konnte. Ich werde ein Held sein, wenn man in mir einen Helden sehen will. Ein Vorbild, wenn es sein muss. Ein abschreckendes Wesen, wenn es sein muss. Ich werde der Teufel sein, wenn sie in mir den Teufel sehen wollen. Ich werde spalten, ich werde zusammenführen. Ich werde Grenzen überwinden und Grenzen ziehen. Ich werde ein guter Junge sein, ich werde ein schlechter Junge sein. Ich werde meinen Namen, mein Geburtsdatum ändern, um dem Bild zu genügen, das man von mir haben möchte. Ich werde nicht ohne Grabstein und zu Asche verbrannt unter der Erde liegen. In einer Erde, in der ich nicht liegen will. Ich will nicht darauf hoffen, dass mich jemand dorthin bringt, wohin ich eigentlich gehöre. Ich will an dem Ort sein, an den ich mich sehne. Ich will nicht auf einem Berg verstreut werden. Von einem Sohn, der dort nicht zu Hause ist. Ich werde keine Kinder und keine Frau hinterlassen, die nicht das Geld haben, mein Grab zu pflegen und mir einen Grabstein aufzustellen. Ich will meine Familie und meine Freunde nicht in Trauer und Wut über mich zurücklassen.
Nur, weil ich arbeitslos geworden bin und das Trinken an gefangen habe. Ich werde anders sein. Ich werde ein Teil dieser Gesellschaft sein.«

Bielefeld Baumheide, dort kommt Alen her. Ein Stadtteil ohne Jugendzentrum, aber mit drei Moscheen, gebaut von saudischen oder iranischem Geld, wer weiß das schon, ein Stadtteil, in dem es keine Hoffnung gibt, so sagen sie alle.

Flo lebt nur einige Kilometer weiter, in der Innenstadt, grün-alternatives Bürgertum und die beiden sehen sich erst, weil sie an der gleichen Bushaltestelle umsteigen müssen, sprechen miteinander und dann verlieben sie sich. Romeo und Julia in Bielefeld? Nicht ganz, die Eltern sind nicht dagegen, das Umfeld aber schon. Und die Geschichte, soviel sei verraten, geht auch ganz anders aus.

Alen jedenfalls hat die Schule geschmissen nach dem Tod seines Vaters, war sowieso nur Gesamtschule. Flo macht das Abitur. Alen wird Türsteher in einem Club, er hält den Kopf für seinen Chef hin, hohes Risiko, deshalb gutes Geld. Aber was gibt es sonst noch? Geld, Geld ist das wichtigste in der Welt, das ist seine Überzeugung. In Flos Kreisen spricht man nie über Geld.

Und dann ist da Alens Cousin Karim. Auf ihn muss er aufpassen, das hat er der Großmutter auf dem Sterbebett versprochen. Doch Karim ist Straße: "Wenn er erkennt, dass es keine Chance für etwas gibt, dann hört er auf, darüber nachzudenken. Das ist Straße. Alles liegenlassen, was einen nicht sofort weiterbringt. Deshalb ist Liebe für Karim auch Schwäche."

Eine wunderschöne Liebesgeschichte, eine Wanderung zwischen zwei Welten, Geschichten aus einem Slum ganz ohne Sozialkitsch hat Nuran Calis geschrieben und auch eine Geschichte voller Hoffnung, wo es scheinbar keine gibt.

Rau, poetisch und fesselnd. Lesen!

Leseprobe: http://www.fischerverlage.de/sixcms/media.php/308/LP_978-3-10-010236-2.pdf
Die Welt über den Autor: http://www.welt.de/weltprint/article1023287/Manmussnichtsosterbenwiemangeboren_wurde.html

Der Mond ist unsere Sonne, Roman, Nuran David Calis, S.Fischer, August 2011
ISBN-13: 978-3-10-010236-2, gebunden, 206 Seiten, Euro 17,95

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