Nuruddin Farah

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 (6)
Erschienen am 25.02.2008
Maps

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 (7)
Erschienen am 21.07.2007
Gekapert

Gekapert

 (3)
Erschienen am 15.04.2013
Duniyas Gaben

Duniyas Gaben

 (2)
Erschienen am 29.08.2001
Wie eine nackte Nadel

Wie eine nackte Nadel

 (1)
Erschienen am 24.09.2001
Geheimnisse

Geheimnisse

 (1)
Erschienen am 23.07.2001
Yesterday, Tomorrow

Yesterday, Tomorrow

 (1)
Erschienen am 25.08.2003
Bruder Zwilling

Bruder Zwilling

 (1)
Erschienen am 21.06.2010

Neue Rezensionen zu Nuruddin Farah

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Rezension zu "Gekapert" von Nuruddin Farah

Gekapert - Nuruddin Farah
TinaGervor 4 Jahren

Somalia - Mogadishu - Djibouti - Eritrea - Äthiopien - Kenia - Puntland. Ich gebe es zu, ich hatte den Faden schon verloren, bevor Farah seine Geschichte entfalten konnte. Was ich verstanden habe, ist dass Krieg herrscht, dass die Warlords und Islamisten, die Piraten und Einheimischen irgendwie alle zu überleben suchen und sich dabei vor allem gegenseitig töten. Irgendwie sind alle Länder auf Grund irgendwelcher Bürgerkriege miteinander verfeindet. Alles ist irrsinnig vertrackt und wahnsinnig schwer durch Sinneshülsen wie Logik oder Vernunft durchdringen zu wollen. 

Dabei hat Farah nicht für den Afrikaner diesen Roman geschrieben - nein, er hat ihn für den Ausländer, den Unwissenden verfasst. Seitenweise bietet er im Dokumentarstil politische und landeskundliche Nachhilfe, doch bei mir hätte er wohl bei Adam und Eva anfangen müssen. Ich hatte nicht nur keine Bilder im Kopf, sondern war vollkommen verloren in Versatzstücken, die für Farah offenbar rote Fäden darstellten. Im Zentrum sucht ein Vater seinen Stiefsohn und ein Journalist die Wahrheit. Das wären sicherlich gute rote Fäden gewesen, wenn ich etwas mehr Vorbildung mitgebracht hätte.

Wer also ein bisschen und sei es nur ansatzweise im Thema ist, dem sei das Buch wärmstens ans Herz gelegt, es bietet interessante Details und Innenansichten, die ich so noch nirgendwo gelesen habe.

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M

Rezension zu "Gekapert" von Nuruddin Farah

Bürgerkrieg, Piraten und Not
michael_lehmann-papevor 6 Jahren

 

„Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ist Jeebleh wieder in Mogadischu..... Beunruhigt mustert Malik ein Halbdutzend bärtiger Männer in weißen Gewändern und mit Peitschen in der Hand“.

 

Und das ist erst der erste Eindruck, den Schweigervater und Schwiegersohn direkt nach der Landung in Mogadischu erhalten. Im Kopf noch die Ereignisse und die Stimmung von vor einem Jahrzehnt, Bürgerkriegs- und Warlordzeit, weicht die bedrohliche Atmosphäre, die unnatürliche Ruhe, die tief gedrückte, angstvolle Stimmung in Mogadishu und im Land den beiden Reisenden nicht von der Seite.

 

Und nicht nur die beiden sind aus einer Gemengelage von Gründen aus Amerika, ihrer neuen Heimat, wieder nach Somalia gereist. Auch der Bruder des Schwiegersohns Malik, Ahl, betritt an anderer Stelle das Land. Sein Stiefsohn ist in den Wirren verschwunden, die Spur führt zu den gefährlichen Gruppen der Piraten, die im Puntland einen ihrer zentralen Orte gesichert haben.

 

Alles in allem eine gefährliche Lage von allen Seiten, die Farah ganz hervorragend in seiner lebendigen und dichten Sprache fühlbar in den Raum setzt. Radikale islamische Kräfte, welche die Herrschaft mehr und mehr übernehmen, dabei selbst unter ausländischen Druck geraten, brutale Kriminelle, die als Piraten über Leichen gehen und mitten drin eine Bevölkerung in Angststarre. Ein Land, ein Klima, dass Fremden gegenüber hoch misstrauisch ist, wo ein Funke, eine falsche Bemerkung genügt, umgehend mit Gewalt beantwortet zu werden. Was jeder der Besucher am eigenen Leib erleben wird und mit eigenen Augen zu sehen bekommt.

 

Eine Entwicklung über Jahre und Jahrzehnte hinweg, so vertieft es Farah, die „im Volk“ steckt, die aus der Tradition, der Prägung des Landes immer wieder sich heraus gebildet hat und sich in Gewalt, aber auch absolutem Elend und tiefer Verzweiflung Bahn bricht. Eine Beklemmung und Ausweglosigkeit, die Farah nie aus den Augen lässt, ebenso, wie er die Konflikte der Region mit einarbeitet.

 

„Alle großen Nachrichtenagenturen zitieren den äthiopischen Regierungssprecher, der in einer kurzen Erklärung die Bombardierung der beiden Flughäfen in Mogadischu rechtfertigt. Als Antwort auf die Übergriff der „Union“ ..... so dass kein unbefugtes Flugzug landen kann“. Und die Reaktion der „Union“, umgehe in Äthiopien einzumarschieren (fraglich, ob dafür die Mittel überhaupt ausreichen würden), natürlich „mit Gottes Hilfe“. Aufgeladen ist die Atmosphäre, einerseits, resigniert andererseits. Ein Freitagsgebet zeigt auf, dass die Menschen kaum mehr auf die Gewalt um sie herum reagieren, selbst die üblichen Verdammungspredigten gegen alle möglichen Feinde lassen nach.

 

Jeden kann es jederzeit treffen, Irgendetwas, diese latente Bedrohung lässt Farah als roten Faden durch seine Geschichte laufen und reiht an diesem Faden Kriminalität, Stammestraditionen und Stammeskonflikte, religiöse Auseinandersetzungen und Krieg mit dem Nachbarland ebenso auf, wie die Resignation der Somalier und den ständigen Drang nach einem Überleben in zerstörter, trostloser Umgebung.

 

Im Stil fast wie eine Dokumentation vertieft Farah seine Darstellungen und Einsichten in den „Ist-Zustand“ durch die einzelnen Geschichten um seine Personen herum (allerdings nicht selten sehr, sehr ausufernd) und bietet so dem Leser auch einen emotionalen Einblick, ein Mitgehen in das gebeutelte Land.

 

Resignation, Radikalisierung und international organisierte Kriminalität ergeben eine explosive und undurchschaubare Melange, die Farah Stück für Stück ans Licht rückt.

 

Ein beeindruckender afrikanischer Roman, der teilweise spannend, teilweise sehr kleinteilig zu lesen ist und der sehr differenziert und genau in die Verhältnisse Somalias „von Innen her“ eindringt.

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Rezension zu "Bruder Zwilling" von Nuruddin Farah

Rezension zu "Bruder Zwilling" von Nuruddin Farah
Wolkenatlasvor 9 Jahren

Stillleben - die 1970er-Jahre in Somalia und die Diktatur

Nuruddin Farahs 1979 unter dem Originaltitel "Sweet and Sour Milk" veröffentlichter zweiter Roman beginnt mit dem Tod von Soyaan, der in den Armen seines Zwillingsbruders Loyaan stirbt. Loyaan spürt schnell, dass sein Bruder, entgegen allen Behauptungen, kein treuer Regierungsmitarbeiter war, sondern dass er ein Doppelleben geführt hat.

Unklarheit über die wirkliche Todesursache und ein Interview des Vaters, in dem er fälschlicherweise behauptet, beim letzten Atemzug Soyaans anwesend gewesen zu sein, sind mehr als genug Indizien für Loyaan, um zu verstehen, dass hier dunkle Seiten verborgen liegen, Geheimnisse, die er lüften möchte.

In diesem Interview mit der regierungstreuen Tageszeitung behauptet der Vater, dass Soyaans letzte Worte "Arbeit ist Ehre, und es gibt keinen General außer unserem General" gewesen wären, was auf absurde Weise zu einer posthumen Ehrung und der Benennung einer Straße nach Soyaan führen soll.
Loyaan will sich nicht damit abfinden, die Ehre seines Bruders durch diese posthume Schönredung politisch eingefärbt zu sehen und begibt sich auf eine abenteuerliche, gefährliche Reise ins Epizentrum der Macht und Gewalt, um seinen Bruder von der Ehre der Staatstreue reinzuwaschen. Auf diesem Weg wird er von vielen Menschen auf Teilstücken begleitet, unter Anderem auch von Soyaans letzter Freundin.

Zudem ist das Verhältnis zum gemeinsamen Vater, der seine Familie nach vielen Jahren wegen einer Zweitfrau verlassen hat, der aber trotzdem beansprucht, eine Art "Zweitgeneral" zu sein, mehr als gespannt.

"Die Methoden des Generals sind nicht anders als die des KGB, das kann ich Ihnen sagen. Befehle: Kenne jeden, der dich nicht kennt. Pflanze die Saat des Misstrauens in jeden denkenden Verstand und mach ihn so 'nicht denkend'."

In fast jeder Zeile spürt man die Ohnmacht des um jeden Preis gegen die Diktatur und Gewalt Anrennens. Auch traditionelle Riten und Stammesbräuche werden, in Gegenüberstellung zur Diktatur, erklärt, teilweise auch angeklagt. So schlägt sich Loyaan entgegen der Anweisung des Vaters auf die Seite seiner Mutter und Schwester.

"Jetzt sagte er: Soyaan sagte immer, wenn wir auch die Hernie der Unfähigkeit nicht restlos beseitigen können, so können wir doch versuchen, die Pusteln am Körper dieses politischen Systems zum Bluten zu bringen. Wir haben ein schwieriges Problem zu lösen ..."

Nuruddin Farah erzählt so eine spannende und brutal grausame Geschichte der Auflehnung im Sinne der moralischen Integrität, eine Erzählung, die er jedoch immer wieder bewusst durch surreal anmutende Gedankenströme aufbricht bzw. durch bewusst gesteuertes Verwischen der Erzählstruktur. Komplexe Prosa, die jedoch immer wieder von fast banalen und literarisch inkohärent anmutenden Momenten gestört wird. Dadurch entsteht ein bruchstückhafter Gestus, der im Gesamtbild dann doch zu wenig zwingend ist. Hinweise und Verbindungen zur Mythologie Afrikas sowie Parallelen zum Koran erweitern die Bandbreite von Nuruddin Farahs Prosa.

Die immer wieder, quasi als Leitmotiv der Doktors, in Erinnerung gerufenen Folterszenen sind detailgenaue Belege für die grausame Unmenschlichkeit der empathielosen Mitläufer und Opportunisten, die speziell in Diktaturen leicht zu finden sind.

Dem Rezensenten drängt sich jedoch die Frage auf, ob die politische Seite dieses Romans nicht zu sehr Mittel zum Zweck ist, bzw. ob sich die Erzählung nicht zu sehr der Bemühung unterordnet, eine politische Aussage abzugeben. Zu offensichtlich verschwindet die Erzählung zu Gunsten politischer Erklärungen in der zweiten Reihe.

"Der Meister der Großen Bedeutungslosigkeit? Nein, Medina irrt sich. Dieser Mann mordet. Dieser Mann hat genaue Pläne für unser Leben. Dieser Mann kann einen Menschen ausradieren und dann seine Seele in Besitz nehmen und ihn dann in den Augen seiner Freunde und derjenigen, die mit ihm gearbeitet und protestiert haben, diskreditieren ..."

Je weiter Loyaan in dieses Netz der Intrigen und Gewalt eindringt, desto undurchsichtiger wird das, was der Leser wahrnimmt. Verbindungen zum KGB erweitern das Netz, das möglicherweise doch zu viel strapaziert wird.
"Bruder Zwilling" ist ein wichtiger, früher Roman eines großen und wichtigen Schriftstellers, der hier schon viele Ansätze seiner reifen Werke erkennen lässt; ein Roman, der jedoch noch einige Unstimmigkeiten aufweist. Ein Roman, der zu viel will und dadurch nicht das erreicht, was er, mit feinerem Pinsel aufgetragen, erreichen hätte können. Eine stilistische Einzigartigkeit, die Nuruddin Farah in späteren Romanen präzise und überzeugend verfeinert hat.

(Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 07/2010)

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