Nuruddin Farah Gekapert

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Inhaltsangabe zu „Gekapert“ von Nuruddin Farah

Mit 'Gekapert' vollendet der große afrikanische Erzähler Nuruddin Farah den Romanzyklus über seine Heimat Somalia. Er zeichnet ein tief bewegendes und bestürzendes Bild eines zerrissenen Landes.

Jebleeh, der seit Jahren in Amerika lebt, kehrt für einen Besuch in seine Heimatstadt zurück, begleitet von seinem Schwiegersohn Malik, einem Journalisten, der über die Unruhen in der Region schreiben will. Im Jahr 2006 ist Mogadischu vom Bürgerkrieg gezeichnet, die Stimmung beklemmend. Das Chaos einer von Warlords besetzten Stadt, das Jebleeh von seinem letzten Besuch erinnert, ist nun einer unheimlichen Ruhe gewichen, die von den allgegenwärtigen peitschentragenden Männern in weißen Mänteln – den Schergen der islamistischen Organisation Al-Shabaab – noch verstärkt wird.

Unterdessen landet Maliks Bruder Ahl auf der Suche nach seinem verschwundenen Sohn in Puntland, einer Region, die allgemein als Unterschlupf der Piraten bekannt ist. Und während die Somalier sich gegen die äthiopische Invasion wappnen, Piraten die Seewege verunsichern, werden die Brüder immer tiefer in die Wirren des Bürgerkriegs hineingezogen.

Ein so wichtiger, wie schwieriger afrikanischer Roman über die Verhältnisse in Somalia.

— TinaGer

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  • Gekapert - Nuruddin Farah

    Gekapert

    TinaGer

    17. November 2014 um 14:43

    Somalia - Mogadishu - Djibouti - Eritrea - Äthiopien - Kenia - Puntland. Ich gebe es zu, ich hatte den Faden schon verloren, bevor Farah seine Geschichte entfalten konnte. Was ich verstanden habe, ist dass Krieg herrscht, dass die Warlords und Islamisten, die Piraten und Einheimischen irgendwie alle zu überleben suchen und sich dabei vor allem gegenseitig töten. Irgendwie sind alle Länder auf Grund irgendwelcher Bürgerkriege miteinander verfeindet. Alles ist irrsinnig vertrackt und wahnsinnig schwer durch Sinneshülsen wie Logik oder Vernunft durchdringen zu wollen.  Dabei hat Farah nicht für den Afrikaner diesen Roman geschrieben - nein, er hat ihn für den Ausländer, den Unwissenden verfasst. Seitenweise bietet er im Dokumentarstil politische und landeskundliche Nachhilfe, doch bei mir hätte er wohl bei Adam und Eva anfangen müssen. Ich hatte nicht nur keine Bilder im Kopf, sondern war vollkommen verloren in Versatzstücken, die für Farah offenbar rote Fäden darstellten. Im Zentrum sucht ein Vater seinen Stiefsohn und ein Journalist die Wahrheit. Das wären sicherlich gute rote Fäden gewesen, wenn ich etwas mehr Vorbildung mitgebracht hätte. Wer also ein bisschen und sei es nur ansatzweise im Thema ist, dem sei das Buch wärmstens ans Herz gelegt, es bietet interessante Details und Innenansichten, die ich so noch nirgendwo gelesen habe.

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  • Bürgerkrieg, Piraten und Not

    Gekapert

    michael_lehmann-pape

    03. June 2013 um 12:46

      „Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt ist Jeebleh wieder in Mogadischu..... Beunruhigt mustert Malik ein Halbdutzend bärtiger Männer in weißen Gewändern und mit Peitschen in der Hand“.   Und das ist erst der erste Eindruck, den Schweigervater und Schwiegersohn direkt nach der Landung in Mogadischu erhalten. Im Kopf noch die Ereignisse und die Stimmung von vor einem Jahrzehnt, Bürgerkriegs- und Warlordzeit, weicht die bedrohliche Atmosphäre, die unnatürliche Ruhe, die tief gedrückte, angstvolle Stimmung in Mogadishu und im Land den beiden Reisenden nicht von der Seite.   Und nicht nur die beiden sind aus einer Gemengelage von Gründen aus Amerika, ihrer neuen Heimat, wieder nach Somalia gereist. Auch der Bruder des Schwiegersohns Malik, Ahl, betritt an anderer Stelle das Land. Sein Stiefsohn ist in den Wirren verschwunden, die Spur führt zu den gefährlichen Gruppen der Piraten, die im Puntland einen ihrer zentralen Orte gesichert haben.   Alles in allem eine gefährliche Lage von allen Seiten, die Farah ganz hervorragend in seiner lebendigen und dichten Sprache fühlbar in den Raum setzt. Radikale islamische Kräfte, welche die Herrschaft mehr und mehr übernehmen, dabei selbst unter ausländischen Druck geraten, brutale Kriminelle, die als Piraten über Leichen gehen und mitten drin eine Bevölkerung in Angststarre. Ein Land, ein Klima, dass Fremden gegenüber hoch misstrauisch ist, wo ein Funke, eine falsche Bemerkung genügt, umgehend mit Gewalt beantwortet zu werden. Was jeder der Besucher am eigenen Leib erleben wird und mit eigenen Augen zu sehen bekommt.   Eine Entwicklung über Jahre und Jahrzehnte hinweg, so vertieft es Farah, die „im Volk“ steckt, die aus der Tradition, der Prägung des Landes immer wieder sich heraus gebildet hat und sich in Gewalt, aber auch absolutem Elend und tiefer Verzweiflung Bahn bricht. Eine Beklemmung und Ausweglosigkeit, die Farah nie aus den Augen lässt, ebenso, wie er die Konflikte der Region mit einarbeitet.   „Alle großen Nachrichtenagenturen zitieren den äthiopischen Regierungssprecher, der in einer kurzen Erklärung die Bombardierung der beiden Flughäfen in Mogadischu rechtfertigt. Als Antwort auf die Übergriff der „Union“ ..... so dass kein unbefugtes Flugzug landen kann“. Und die Reaktion der „Union“, umgehe in Äthiopien einzumarschieren (fraglich, ob dafür die Mittel überhaupt ausreichen würden), natürlich „mit Gottes Hilfe“. Aufgeladen ist die Atmosphäre, einerseits, resigniert andererseits. Ein Freitagsgebet zeigt auf, dass die Menschen kaum mehr auf die Gewalt um sie herum reagieren, selbst die üblichen Verdammungspredigten gegen alle möglichen Feinde lassen nach.   Jeden kann es jederzeit treffen, Irgendetwas, diese latente Bedrohung lässt Farah als roten Faden durch seine Geschichte laufen und reiht an diesem Faden Kriminalität, Stammestraditionen und Stammeskonflikte, religiöse Auseinandersetzungen und Krieg mit dem Nachbarland ebenso auf, wie die Resignation der Somalier und den ständigen Drang nach einem Überleben in zerstörter, trostloser Umgebung.   Im Stil fast wie eine Dokumentation vertieft Farah seine Darstellungen und Einsichten in den „Ist-Zustand“ durch die einzelnen Geschichten um seine Personen herum (allerdings nicht selten sehr, sehr ausufernd) und bietet so dem Leser auch einen emotionalen Einblick, ein Mitgehen in das gebeutelte Land.   Resignation, Radikalisierung und international organisierte Kriminalität ergeben eine explosive und undurchschaubare Melange, die Farah Stück für Stück ans Licht rückt.   Ein beeindruckender afrikanischer Roman, der teilweise spannend, teilweise sehr kleinteilig zu lesen ist und der sehr differenziert und genau in die Verhältnisse Somalias „von Innen her“ eindringt.

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