Oda Schaefer Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren

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Inhaltsangabe zu „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“ von Oda Schaefer

Die literarische Grundlage zu "Poll - Der Film".. ein antiquarisches Schätzchen - aber eben nicht ganz vergriffen;-))

— Mr. Rail
Mr. Rail
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  • Rezension zu "Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren" von Oda Schaefer

    Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren
    Mr. Rail

    Mr. Rail

    22. April 2011 um 17:53

    Film und Literatur stehen oftmals in einer nicht unproblematischen Beziehung zueinander. Als Leser geht man mit geprägten individuellen Lesegefühlen ins Kino und erlebt häufig Enttäuschungen, wenn der Film so gar nicht das Gelesene widerspiegelt. Ich kenne allerdings auch Filme, denen etwas ganz Besonderes gelungen ist. Durch die Adaption einer literarischen Vorlage wurden Autoren wiederentdeckt, das Interesse für Bücher geweckt, die schon lange nur noch bei tiefen Insidern überhaupt für lesenswert erachtet wurden. Einer dieser großen Filme, die solche Brücken schlagen können ist zweifelsohne „Poll“. Nur ein Hauch von Lebenserinnerungen der deutschen Lyrikerin Oda Schaefer (geb. 1900 gest. 1988 in München) bildet hier die Grundlage für ein optisches und inhaltliches Großereignis auf der Leinwand. Keines ihrer Bücher ist derzeit lieferbar, ausschließlich ein Glückstreffer bei modernen Antiquariaten kann dazu führen, ihre Autobiographie „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“ in Händen halten zu dürfen, an der sich die Handlung des Films sehr lose aber eindringlich orientiert. Tief bewegt habe ich den Film betrachtet, in den opulenten Bildern geschwelgt und in der Charakterzeichnung der jungen Oda Schaefer am Vorabend des Ersten Weltkrieges eine solche Vielschichtigkeit entdeckt, die mich veranlasste, mich auf die Suche nach der Schriftstellerin zu begeben. Im Film kehrt die junge Oda mit ihrer toten Mutter im Gepäck auf das Landgut ihres Vaters zurück. Poll in Estland. Ein Herrenhaus im Widerstreit zwischen Verfall und Größe – ein Mahnmal längst vergangener Gutsherrenzeiten. Odas Vater, ein von der Fachwelt verschmähter Pathologe, versucht sich dort in einem privaten Laboratorium auf seine Wiederentdeckung als anerkannter Wissenschaftler vorzubereiten. Russische Soldaten „beliefern“ ihn regelmäßig mit den Leichen getöteter Rebellen. Als eines Tages ein junger Anarchist das Landgut Poll ausnahmsweise nicht durch den Lieferanteneingang betritt, sondern schwer verletzt Schutz sucht, wird er in aller Heimlichkeit von Oda gepflegt. Zwischen beiden entwickelt sich eine Liaison auf der Grundlage ungelebter Träume, nie verwirklichter Wünsche und verborgener Talente. Oda entdeckt den freigeistigen Schriftsteller hinter der Fassade des Flüchtlings und dieser weckt in ihr den Wunsch, auch schreiben und erzählen zu wollen. Die geheimen Tage auf Poll werden für beide zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bis er eines Tages entdeckt, welchen Weg seine Freunde in das Haus von Odas Vater gefunden haben. Das Drama nimmt seinen Lauf und Oda ist ihrem Schicksal gnadenlos ausgeliefert. Ein paar gezielte Anrufe, ein freundlicher Antiquar und ein Zufall sind nun dafür verantwortlich, dass eine gut erhaltene Ausgabe von „Auch wenn Du träumst, gehen die Uhren“, 1970 erschienen im Piper-Verlag, mit der persönlichen Notiz des ehemaligen Besitzers „Weihnachten 1971“ auf meinem Stapel der großen Kostbarkeiten liegt. Schon beim ersten Stöbern in den einzelnen Kapiteln findet man sich in wundervoll melancholischen Gedichten und schließlich auch in Oda Schäfers Poll zu Beginn des Jahres 1914 wieder. Ihre Worte von einst lassen das Gefühl des Films auch in diesem beeindruckenden Buch lebendig werden. Zeigen das Erwachen einer jungen Schriftstellerin im Wechselspiel zwischen Licht und Schatten der eigenen Jugend und dem aufziehenden Kriegsgewitter. Ich lehne mich zurück und genieße die Zeilen, lasse die Bilder der Leinwand mit den Wortbildern Odas ineinander fließen und bin dankbar um die Erfahrung, eine vergessene Autorin für mich wiederentdeckt zu haben. Eines habe ich bereits gelernt von Oda Schaefer. Eine fast vergessene Lehre, die mich inspiriert und nachdenklich macht. Sie schrieb: HABENT SUA FATA LIBELLI Bücher haben Schicksale. Dieser Überschrift widmet sie ein ganzes Kapitel ihres Lebens. Ich kann dies nachvollziehen und mir fallen viele literarische Schätze ein, auf die das lateinische Sprichwort uneingeschränkt zutrifft!

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