Oh Jung-Hee Vögel

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Inhaltsangabe zu „Vögel“ von Oh Jung-Hee

'Die Ansicht, dass die Kinderwelt naiv, hell und glücklich sei', stellt für Oh Jung-Hee 'ein furchtbares Missverständnis der Erwachsenen' dar. Die Geschichte zweier südkoreanischer Kinder erzählt sie denn auch konsequent aus der Sicht des Mädchens Uumi, das allein für sich und seinen jüngeren Bruder Unil sorgt. Die beiden Geschwister leben, nachdem sie zuerst von der Mutter, dann auch vom Vater verlassen worden sind, in einer ärmlichen Hinterhofwohnung, die ihnen Nest und Käfig zugleich ist. Der Bruder möchte am liebsten fliegen können wie der Weltraumjunge Toto im Fernsehen, der für Gerechtigkeit kämpft. Und Uumi sehnt sich danach, so schnell wie möglich erwachsen zu werden, um in die Zukunft aufzubrechen. Unbeirrbar halten sie an ihren Träumen fest. 'Die Welt aus der Kinderperspektive – wütend, provokativ und weise.' Alice Grünfelder, Der Tagesspiegel 'Ein Buch, in dem sich die Gezeiten innerhalb eines einzigen Satzes ändern; ein Buch, das voll Nostalgie und Trauer, aber auch voll Hoffnung ist.' Literatour 'Oh Jung-Hee gelingt es, ein Phänomen, das auch bei uns sehr gerne verschwiegen wird, ohne falsches Pathos, ohne moralisierenden Zeigefinger und ohne heroisierenden Tenor darzustellen.' Jeremy Gaines in der Begründung der Jury des LiBeraturpreises

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  • Rezension zu "Vögel" von Oh Jung-Hee

    Vögel
    dzaushang

    dzaushang

    04. July 2010 um 20:47

    Oh Jung-Hee erzählt von zwei Kindern, Uumi und Uuil, Schwester und Bruder. Die Handlung spielt im Korea der 1990 Jahre. Beide haben keinen guten Start ins Leben. Die wichtigsten Eindrücke ihrer frühesten Kindheit sind geprägt von Gewalt, Angst und Flucht. Der Vater schlägt die Mutter, immer wieder. Als die es nicht mehr länger aushält verlässt sie die Familie. Der Vater mit den Geschwistern allein gelassen, wirft das jüngere Kind, seinen Sohn, in seiner Wut aus dem Fenster, doch Uuil überlebt den Sturz wie durch ein Wunder. Ein anderer Versuch, seine Kinder in der Großstadt einfach auszusetzen, scheitert ebenfalls. So gibt er die Kinder zu Verwandten der Mutter in Obhut und verschwindet ohne Spur. Dort werden sie jedoch mehrfach zwischen den Familien hin und her gereicht und bleiben bis zu dem Tag, als der Vater plötzlich wieder in der Tür steht, ungeliebt. Nun soll alles anders werden. Der Vater startet einen Neuanfang, holt seine Kinder wieder zu sich, in eine ärmliche, immerhin frisch renovierte, Behausung. Die Kinder nehmen es hin, was sollen sie sonst auch tun. Einen Tag später präsentiert er ihnen dann seine neue Geliebte, die er, offensichtlich mit vielen Versprechungen auf ein besseres Leben, mehr oder weniger für sich interessieren konnte. Diese Frau, die Kinder sollen am besten gleich Mama zu ihr sagen, zieht gleich bei ihnen ein. Und mit ihr zieht auch ein wenig Luxus ins Leben der Kinder: ein Fernseher, ein Telefon und dergleichen Dinge mehr, die sich der Vater vom Mund abspart, um der Frau zu imponieren. Lange geht das aber nicht gut, die Frau jammert beständig über ihr weiterhin ärmliches Leben, der Vater arbeitet auf Baustellen weit entfernt von zu Hause, um der Frau all das bieten zu können, wonach es sie verlangt und dennoch: eines Tages ist sie so plötzlich weg, wie sie aufgetaucht ist. Den Kindern ist das gleich, der Vater scheint am Boden zerstört, denn er verschwindet erneut, diesmal für immer. Die Kinder bleiben auf sich allein gestellt. Die Schwester wird für den Bruder zur Lehrerin und zur Mutter, sie kümmert sich, so gut sie kann um ihn, dennoch entgleitet er ihrem Einfluss immer schneller. Als sie spürt, dass sie für ihren Bruder, der langsam den Verstand verliert, nichts mehr tun kann, tut sie dass, was sie von den Erwachsenen bisher immer vorgelebt bekommen hat... Aus der Perspektive der gerade einmal zwölfjährigen Uumi wird die Handlung des Romans erzählt. Das verstärkt die ganze Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit der Geschwister, unabhängig von den Widrigkeiten mit denen sie zu kämpfen haben, noch einmal zusätzlich. Die beiden haben von Anfang an keine Chance behütet aufzuwachsen, die Eltern, die Erwachsenen sehen ihre Bedürfnisse nicht einmal im Ansatz. Sie sind nicht wirklich mehr wert als die in den Straßen herum streunenden Hunde, bestenfalls geduldetes, eher aber lästiges Zierwerk für das Abbild von Familie und einer Gesellschaft, in der die früher einmal prägenden, alles durchdringenden konfuzianischen Ideale des Zusammenlebens nicht mehr Sinn stiften und tragen. Mitte der 1990 Jahre gibt es in Korea noch keine gesellschaftliche Institution, wie z.B. bei uns in Deutschland das Jugendamt, das sich um allein lebende Kinder kümmern könnte. Die Großfamilie, die früher solche Probleme aufgefangen hat, befindet sich im Zerfall, so gibt es eben viele „Familien“ mit einem Kind oder Jugendlichen als Familienoberhaupt. „Vögel“ ist ein absolut den Leser verstörendes, ja schockierendes, sich zugleich aber auch sehr in die kindliche Psyche einfühlendes Buch. Oh Jung-Hee beschreibt in schlichter Sprache die verzweifelte Suche nach einer Spur von Glück in einer Welt, in der es so etwas wie Glück aber nicht zu geben scheint. Es beschreibt eine Welt, in der ein Kind kein Kind sein darf, will es überleben. Und doch entlässt Oh den Leser nicht aus dem Geschehen ohne einen allerletzten kleinen Funken Hoffnung. Wenn auch der kleine Bruder sein Trauma, nach dem Sturz aus dem Fenster, dadurch zu verarbeiten sucht, dass er gerne wie die Vögel am Himmel fliegen können möchte und, ohne jede Unterstützung und Hilfe, letztlich zum scheitern verurteilt ist, so hat seine „große“ Schwester doch die Hoffnung auf ein besseres Leben noch nicht ganz aufgegeben. Sie tut dafür einen Schritt in die richtige Richtung auch wenn sie noch einmal einen hohen Preis bezahlen muss.

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  • Rezension zu "Vögel" von Oh Jung-Hee

    Vögel
    krimtango

    krimtango

    27. May 2007 um 13:02

    Die Autorin erhielt für dieses Buch den LiBeraturpreis 2003