Olaf Blumberg Ficken sag ich selten

(32)

Lovelybooks Bewertung

  • 31 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 0 Leser
  • 16 Rezensionen
(16)
(13)
(3)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Ficken sag ich selten“ von Olaf Blumberg

Wie wäre es, den Chef hemmungslos zu beschimpfen? Eine fremde Frau direkt zum Sex aufzufordern? Fensterscheiben abzulecken? Sich selbst zu verletzen? Olaf Blumberg weiß, wie das ist. Er hat Tourette. Olaf Blumberg flucht, bellt, zuckt unwillkürlich, unkontrolliert, und das meistens in den unpassendsten Situationen – in der Bahn, in der Uni, in der Kirche, bei der neuen Freundin. Als die Krankheit Olaf mit Anfang 20 voll erwischt, ist er verzweifelt. Er muss sein Sportstudium abbrechen, denn wer will schon einen krass fluchenden Lehrer? Viele Freunde wenden sich von ihm ab. Er muss sein Leben neu erfinden. Aber Tourette hat auch sein Gutes: Olaf ist inzwischen gnadenlos ehrlich – zu sich und zu anderen. In diesem Buch erzählt er, wie er gelernt hat, mit dem Dämon Tourette zu leben, wie es ist, wenn man ständig Dinge tut oder sagt, die „normale“ Menschen nur denken. Ein tragikomisches, anrührendes Buch über ein Leben mit einer unberechenbaren Krankheit.

Das Buch macht auf eine Krankheit aufmerksam, die ungewollt Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sehr berührend!

— AuroraBorealis
AuroraBorealis

...ein mutiges Buch. Sehr informativ und dabei unterhaltsam!

— dimrodiel
dimrodiel

Informativ, authentisch und unglaublich ehrlich. Mut, der leider viel zu selten gewürdigt wird. Danke für diesen Einblick!

— Turtlestar
Turtlestar

Selten hat mich eine Biografie so unterhalten, Informationen geliefert und mich den Mut des Protagonisten fühlen lassen! Danke!

— dieFlo
dieFlo

Wie ein Gespräch mit einem guten Freund: ehrlich, echt und tief!

— WortGestalt
WortGestalt

Stöbern in Biografie

Von Beruf Schriftsteller

Ein sehr lesenswerter Einblick in das Leben des berühmten Schriftstellers Haruki Murakami - nicht nur für Bibliophile!

DieBuchkolumnistin

Nachtlichter

Welch kraftvoller, einzigartiger Roman über Schattenseiten und den Kampf zurück ans Licht, über die heilende Wildheit der rauen See ...

DieBuchkolumnistin

Gegen alle Regeln

Sehr berührende Lebensgeschichte einer Jüdin

omami

Das Ja-Experiment – Year of Yes

Ein inspirierendes und humorvoll geschriebenes Buch einer warmherzigen, authentischen Frau! Sehr empfehlenswert!

FrauTinaMueller

Believe Me

Nicht so gefühlvoll

EvyHeart

Hans Fallada

Peter Walther zeigt nicht nur den erfolgreichen Schriftsteller, sondern auch die Abgründe, in denen Fallada lebte.

Ein LovelyBooks-Nutzer

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein aufrichtiger Erfahrungsbericht

    Ficken sag ich selten
    WildRose

    WildRose

    27. July 2017 um 06:32

    Komische Angewohnheiten hat doch eigentlich jeder, oder? Auch Olaf Blomberg hatte immer schon ein paar merkwürdige Angewohnheiten, auf die er manchmal sogar angesprochen wurde. Doch als Olaf Anfang zwanzig ist und mitten im Lehramtsstudium steckt, fängt er an, sehr heftig zu "ticcen". Plötzlich hat er den Drang, ständig laut zu schimpfen und Leute zu beleidigen. Gegen den heftigen Zwang kann Olaf nichts tun, wenn es ihm gelingt, sich einen Tic ein paar Sekunden lang zu verkneifen, wird dieser dafür danach oft umso heftiger. So erhält Olaf dann die Diagnose Tourette. Plötzlich ist sein ganzes Leben von dieser mysteriösen Krankheit geprägt. Kann er sein Studium überhaupt fortsetzen? Wie reagieren fremde Leute, wenn er sie auf der Straße beschimpft? Wird er je eine glückliche Beziehung führen können? Aufrichtig und unsentimental berichtet Olaf Blumberg in seinem Buch von seinem Leben mit dem Tourette-Syndrom. Dabei konzentriert er sich vor allem auf den sozialen Aspekt - denn Tourette fällt nun einmal auf und nicht jeder kann damit umgehen - sowie auf das Studium, das ihm so viel bedeutet - aufgrund seines Tourettes kann er sein Lehramtsstudium nicht fortsetzen und entscheidet sich stattdessen für ein Studium sozialer Arbeit. Das Buch zeigt sehr gut, mit welchen Herausforderungen und Problemen gerade junge Menschen mit Tourette im Alltag konfrontiert sind. Darum ist es auf jeden Fall lesenswert.Ein kleiner Minuspunkt war für mich an manchen Stellen der betont locker-flockige Schreibstil. Mir persönlich gefiel dieser weniger gut, aber Geschmäcker sind natürlich verschieden und der Inhalt des Buches - so mutig und ehrlich - lohnt die Lektüre.

    Mehr
  • Ficken sag ich selten

    Ficken sag ich selten
    coffeeandbooks

    coffeeandbooks

    13. June 2015 um 13:20

    In seinem Buch "Ficken sag ich selten" erzählt Olaf Blumberg, wie sein Leben durch die Diagnose "Tourette-Syndrom" völlig auf den Kopf und infrage gestellt wird. Angefangen bei der eigenen Verwirrung, über die Reaktionen fremder und vertrauter Menschen, bis hin zu existenziellen Entscheidungen und Fragen nach der Zukunft sind alle Zweifel, Ängste und Probleme vertreten. Nach und nach lernt Olaf sich selbst und seine Krankneit besser kennen, erprobt verschiedene Wege, mit der Diagnose umzugehen und zu leben, bis er irgendwann seinen Weg findet. Auf diesem Weg gewinnt er viele neue Erkenntnisse und auch Freunde, muss aber auch die Erfahrung machen, wie negativ manche Menschen und auch Freunde auf ihn und seine Krankheit reagieren können. Olaf Blumberg lässt den Leser an diesem Weg teilhaben, beschreibt auf teilweise ernste, dramatische und oft auf humorvolle Art und Weise sein Erleben. Während man eine interessante Geschichte über einen jungen Mann liest, der mit Anfang 20 in seinem Leben nochmal ganz von vorne anfangen muss und wird ganz nebenbei aufgeklärt und sensibilisiert für die Probleme, mit denen viele Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft konfrontiert werden. Es liest sich angenehm und flüssig. Durch den Wechsel zwischen lustigen Anekdoten und ernsten, schwierigen Phasen in seinem Leben, wird das Buch abwechslungsreich und durch seinen Sprachstil scheint es sehr lebensnah. Alles in allem, halte ich es für ein sehr gelungenes, interessantes, sowie unterhaltsames Buch. Ich hatte Freude beim Lesen und denke es wurden viele wichtige Aspekte auf eine sehr intelligente Art und Weise angesprochen und eine Haltungsart gegenüber Menschen mit Behinderung indirekt gefordert, ohne dass der Leser dies direkt merkt. Man wird zum Nachdenken angeregt und das gefällt mir!

    Mehr
  • Komisch, bewegend, facettenreich!

    Ficken sag ich selten
    splitterherz

    splitterherz

    05. March 2014 um 21:04

    "Wieso, frage ich mich, braucht es eigentlich einen Behinderten, um etwas ganz Normales zu tun? [...] Und wieso fällt es den 'normalen' Menschen so schwer, über ihren eigenen Schatten zu springen? Sind vielleicht gerade diejenigen, die sich für normal halten, am Ende die behinderten?" ["Ficken sag ich selten" // Olaf Blumberg // S. 183] Erster Satz: Der Tag, an dem mein bisheriges Leben zu Ende ging, war ein wunderschöner Sonntag im Spätsommer. Inhalt: Als Olaf Blumberg eines Tages zum Joggen rausgeht, trifft es ihn völlig unvermittelt. Einfach so aus dem Nichts beginnt er zu bellen und weiß selbst nicht, was mit ihm nicht stimmt. Der innere Zwang diese Laute herauszulassen ist so stark, dass er sein Studium hängen lässt und sich völlig isoliert bis er sich schließlich traut und einen Arzt auf sucht. Olaf,Anfang zwanzig, hat das Tourette Syndrom und mit dieser Diagnose krempelt sich sein Leben völlig um. Von nun an zweifelt er immer mehr an sich und seinem Leben und muss einige Kliniken aufsuchen und die verschiedensten Menschen treffen, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Schreibstil: Olaf Blumberg schreibt, als würde er sich bis tief in die Nacht mit einem guten Freund unterhalten und dabei neben einigen Erinnerungen auch über Gott und die Welt reden. Dabei ist sein Schreibstil nicht anspruchslos oder allzu simpel gehalten - vielmehr würde ich ihn als ehrlich, echt und bewegend beschreiben. Blumberg schafft es sein Leben in Worte zu verpacken, die für jeden Menschen verständlich sein dürfte, ganz egal, wie es ihm im Leben getroffen hat und so ist das Verhältnis zwischen Erzähler und Leser schon von Anfang an sehr locker und verständnisvoll. Mit viel Charme und Witz, aber auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Tiefe erzählt Blumberg von seinem Leben und gewährt uns einen Blick in seine andersartige Welt. Meine Meinung: Wie kann man überhaupt ein Buch bewerten, dass die Lebensgeschichte eines Menschen erzählt? Im Grunde doch gar nicht. Was sollte man auch sagen? "Die Hauptfigur war mir unsympathisch und der Inhalt pathetisch?" Wohl kaum. Und nicht nur, weil man so etwas einfach nicht schreibt/sagt, sondern einfach, weil es nicht der Fall ist. Olaf Blumberg wurde auf knapp zweihundert Seiten zu einem guten Freund, dessen Geschichte man erzählt bekommt, der erst vielleicht ein wenig befremdlich sein mag, mit der Zeit aber völlig normal wird. Oder anders gesagt: Olaf Blumbergs Geschichte hat mich beeindruckt und mir seine Krankheit und den Umgang damit um einiges näher gebracht. Daher bewerte ich hier auf keinen Fall den Inhalt, sondern mehr das, was Blumberg mit dieser Biographie an den Leser bringt und wie er es bewerkstelligt, ein authentisch wirkendes Bild auf so kurzen Seiten zu erschaffen. Denn kurz ist das Buch wirklich, gerade für ein Thema, das sicherlich an noch viel mehr Stellen aneckt, als man es in "Ficken sag ich selten" mitbekommt. Das bleibt auch mein einziger Kritikpunkt - einige Dinge werden nicht angeschnitten. Einerseits verständlich, weil es irgendwann ja doch sehr privat werden würde, andererseits hätte ich aber so gerne noch viel länger und mehr gelesen, weil es mich einfach berühren konnte. Was mich beispielsweise noch interessiert hätte, wäre das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn, die Frage, wie die Krankheit in der Familie "wirkt" und noch ein wenig mehr Blicke hinter die Kulissen. Vielleicht ist es aber auch gerade dieser kurze Einblick in Blumbergs Leben, der das Buch so authentisch macht - schließlich ist sein Leben nicht vorbei, es geht weiter und es kommt noch viel mehr. Das Buch vermittelt einfach zu jeder Zeit Lebensfreude und Lebenslust trotz "Stolpersteine" und berührt den Leser tief, sodass man nicht umhin kommt Olaf Blumberg zu bewundern. "Tourette ist manchmal wie ein Kind, das wunderbar singen kann, aber immer dann schweigt, wenn es vorsingen soll." [S. 28] Ich habe oben geschrieben, dass ich Blumbergs Geschichte beeindruckend finde, aber ich finde auch ihn als Menschen sehr faszinierend - nicht, dass ich ihn kennen würde, aber seine Worte haben mir das Gefühl gegeben, ich würde ihn eben doch kennen. Die Entwicklung die er durchmacht, all das, was sich verändert und was er über das Leben herausfindet, ist einfach beeindruckend und lässt einen trotz der schweren Thematik lächeln, denn Blumberg hat eine ganz besondere Art mit sich selbst und seinem Leben umzugehen, die ihn sehr stark wirken lässt. Er porträtiert das Leben in all seinen Facetten und schafft es auch schlimme, rührende und bewegende Momente aufzulockern und eingängig zu gestalten, sodass einen oft das Gefühl bekommt, Blumberg würde das Leben viel intensiver wahrnehmen, als man selbst - zumindest hatte ich einfach oft den Gedanken, dass er das Leben viel deutlicher beschreiben und erklären kann, viel mehr aus einer Situation mitnehmen kann. "Ficken sag ich selten" ist ein Einblick in eine Krankheit, die mir zuvor immer sehr befremdlich erschien und von der ich auch nicht mehr wusste, als man aus Medien und co. mitbekommt. Mit Olaf Blumbergs Geschichte wurde sie etwas greifbares, etwas, dass nicht meilenweit entfernt ist und dass jedem passieren kann. Dennoch geht es nicht nur um Tourette selbst, sondern auch darum mit einer Krankheit umzugehen, es geht um Toleranz, Freundschaft, Menschen, Schicksale und einfach das Leben selbst. Verpackt in humorvolle und dennoch eindringliche Worte, ist "Ficken sag ich selten" ein Buch, dass man auf jeden Fall lesen sollte, wenn man einen tieferen Einblick in die Thematik bekommen oder einfach nur einen unglaublich charismatischen Menschen für ein kurzes Stück in seinem Leben begleiten will. Ein Buch, das mich unterhalten hat, wie ein Roman, mitgerissen hat, wie ein Thriller und gleichzeitig traurig und glücklich gemacht - wie das Leben selbst eben. Eine absolut lesenswerte Biographie. Fazit: Ficken sagt Olaf Blumberg tatsächlich selten (in seiner Biographie kommt das Wort fast gar nicht vor!), dafür gewährt er uns einen Einblick in das Krankheitsbild des Tourette Syndroms und schildert auf komische, witzige, rührende und sympathische Art und Weise sein Leben mit der Krankheit. Dabei ist das Buch gut geschrieben, als würde man sich mit einem Freund über Gott und die Welt unterhalten - nur das eben noch Tourette dabei ist - und bringt einen gleichzeitig zum Nachdenken und Lächeln. Wer mehr über Tourette und seine Eigenschaften, das Leben und das Schicksal erfahren und dabei einen symapthischen jungen Mann kennenlernen möchte, sollte sich "Ficken sag ich selten" definitiv mal ansehen!

    Mehr
  • Der fluchende Philosoph

    Ficken sag ich selten
    monja1995

    monja1995

    27. December 2013 um 09:09

    Klappentext: Olaf Blumberg flucht, bellt, zuckt heftig und unwillkürlich, und das meistens in den unpassendsten Situationen – in der Bahn, in der Uni, in der Kirche, bei der neuen Freundin. Olaf hat Tourette. Hier erzählt er, wie er gelernt hat, diesen Dämon zu akzeptieren. Ein tragikomisches, anrührendes Buch über ein Leben mit einer unberechenbaren Krankheit. „Tourette ist ein Clown, ein Kind, ein Freund, ein Diktator und ein fluchender Philosph.“ Mein Umriss: Olaf Blumberg wurde 1984 geboren und schon als Kind zeigten sich die Anfänge seiner lebenslangen Krankheit. In dieser Zeit wurden seine Tics, wie das ruckartige Bewegen des Kopfes und das Bellen, wie er es nennt, nicht als Krankheit, sondern eher als schlechte Angewohnheit gesehen. Diese „Angewohnheit“ brachte ihm einigen Tadel, wie auch Frotzeleien durch Gleichaltrige ein. Er selbst erkannte die Tics auch nicht als solche, sondern wunderte sich nur immer wieder über die seltsamen Reaktionen seiner Mitmenschen in gewissen Situationen. Mit zunehmendem Alter verstärkten sich seine Tics. Im Studentenalter tickte er laut und unflätig. Die Ausdrücke zielten meist unter die Gürtellinie seiner Mitmenschen oder gipfelten im verbalen Hitlergruß. Irgendwann sah er ein, dass er sich untersuchen lassen mußte und ein Ärztemarathon begann für ihn. Da viele Ärzte jedoch noch nie etwas mit dem Tourette-Syndrom zu tun hatten, konnten sie auch nicht qualifiziert helfen. Es wurde versucht, den jungen Mann mit Medikamenten ruhig zu stellen, was die Tics teilweise verstärkte oder ihn so dämpfte, dass er fast nicht mehr in der Lage war, am normalen Leben teilzunehmen. Eine betroffene junge Frau die er kennenlernte gab ihm den Rat, sich selbst in die Psychiatrie einzuweisen. Wobei die erst Klinik für ihn ein Flop war. Erst in der zweiten Klinik fühlte er sich gut aufgehoben und auch ernst genommen. Dort wurde ihm empfohlen, sich um ein Studium zu kümmern, das er besser mit seiner Krankheit in Einklang bringen kann. Somit wechselte vom Lehramtsstudium im Bereich Germanistik in den sozialen Bereich, in dem er seine Berufung fand. Irgendwann war ihm klar, er muss den Rest seines Lebens mit Tourette klar kommen. Er hat keine andere Wahl…. Mein Eindruck: Olaf Blumberg erzählt seinen langen Weg von der Erkenntnis, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmen kann, bis zur Diagnose Tourette, die ihm erstmal den Boden unter den Füssen wegzog. Seinen Leidensweg mit diversen Medikamenten läßt er ebenso wenig aus, wie das Gefühl aus einem normalen Leben von seinen Mitmenschen ausgeschlossen zu sein. Er schreibt offen und unverblümt über seine Tics und die Reaktionen seiner Mitmenschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Seine Offenheit über die Krankheit zu schreiben, ohne mit ihr zu kokettieren macht ihn unwahrscheinlich sympathisch, auch wenn man als Leser sicherlich nicht sagen kann, wie man auf ihn reagieren würde, stünde er plötzlich vor einem und ticct. Dass diese Krankheit eine Behinderung darstellt, erwähnt Blumberg eher am Rande. Olaf Blumberg brachte zu Papier, was viele Betroffene wahrscheinlich totschweigen und dafür verdient er vollsten Respekt. Mein Fazit: Ein junger Mann von seiner Krankheit scheinbar ins Abseits gedrängt, schafft den Weg ins Leben.

    Mehr
  • Leserunde zu "Ficken sag ich selten" von Olaf Blumberg

    Ficken sag ich selten
    OlafBlumberg

    OlafBlumberg

    Hallo liebe Leser, ein Buch zu schreiben, dass einen fiktiven Inhalt hat, ist sicherlich spannend. Ein Buch über ein Thema zu schreiben, dass einen persönlich betrifft noch wesentlich spannender und vor allem sehr viel emotionaler. Das Thema Tourette-Syndrom als Thema für ein Buch , hatte ich mir zunächst sehr schwierig vorgestellt, bis die einzelnen Episoden und Ereignisse, an die ich mich nach und nach erinnerte, so zahlreich wurden, dass es mehr als genug Stoff gab. Aber wer bin ich überhaupt? Ich bin (noch) ein 29jähgriger Student der Sozialen Arbeit, der sich fluchend und kläffend durch sein Studium gebissen hat und nun kurz vor dem Ende steht. Während der gesamten Studienzeit und auch schon davor, wurde ich von einem kleinen und dann immer größer werdenden Dämon begleitet, der mich veralberte, quälte, lenkte und manchmal sogar leitete. Wie das genau geschah, beschreibe ich in meinem Buch. Wenn ihr wissen möchtet, was mir da alles passierte, dann bewerbt euch doch um ein Freiexemplar und beantwortet mir folgende Frage: "Was gehört deiner / eurer Meinung nach zu den nervigsten Nebeneffekten des Tourette-Syndroms?" Ich möchte dazu sagen, dass es keine richtigen und falschen Antworten gibt. Allerdings werden viele von euch wahrscheinlich noch nie einen Tourette-Patienten "live" erlebt habe und mich würde interessieren, was ihr euch unter möglichen Reaktionen und Situationen so vorstellen könnt. Das müssen keine medizinisch fundierten Sätze sein. Ich bin gespannt auf eure Ideen, Herzliche Grüße, euer Olaf

    Mehr
    • 226
  • Leben mit Tourette

    Ficken sag ich selten
    Turtlestar

    Turtlestar

    08. December 2013 um 16:46

    Oft denke ich mir, wie ungerecht mein Lebenist, warum bei mir immer alles schief läuft oder womit ich das verdient habe und dann lese ich dieses Buch und mein Leben ist ein Traum. Ich komme mir dumm und egoistisch vor. Olaf Blumenberg, ein junger Mann, steht am Anfang seines Lebens. Als angehender Lehrer genießt er sein Studentenleben zwischen lernen und feiern. Eines Morgens beim Joggen verspürrt Olaf ein Gribbeln. Was ist denn jetzt los, was ist das? Und im nächsten Moment gibt er ein bellendes Geräusch von sich. Olaf ist verunsichert und versteht nicht, was mit ihm los ist. Wo kommt das Gribbeln her, was hat das zu bedeuten? Geht es wieder weg? Im Laufe des Buches beschreibt Olaf sein Leben nach seinem ersten "Bellen". Er geht nicht mehr zur Uni, kauft nur noch abends kurz vor Ladenschluss ein, geht Umwege durch dunkle, einsame Gassen, nur damit ihn niemand sieht und zieht sich komplett aus dem Leben zurück. Zum Arzt geht er nicht, er hat Angst, er vertraut sich auch niemanden richtig an. Seine Größte Angst ... er wird als  verrückt bezeichnet und muss eingewiesen werden. Irgendwann geht er doch zum Arzt und Dr. Wackeldackel verweist ihn an einen Spezialisten. Er erhält die Diagnose. Tourette! Aber was bedeutet dies? Was hat das alles zu sagen? In einem Forum lernt er Ludwig kennen. Ludwig ist Pfarrer und hilft ihm mehr, als er wahrscheinlich selber vorher geahnt hat. Olaf muss die verschiedenen Erfahrungen machen. Vom Verlust von Freunden und liebgewonnen Menschen, bis hin zu neuen Menschen, die ihn aktzeptieren wie er eben ist. Olaf lässt sich in eine Klinik einweisen und genießt das Leben dort, ohne Verantwortung. Aber er wacht auf und beschliesst sich nicht länger zurück zu ziehen. Er braucht eine Aufgabe, eine Zukunft. Doch das ist leichter gesagt, als getan. Aber sein Studium möchte er noch beenden und nimmt Kontakt zu seiner Uni auf. Dort wird er als behindert eingestuft, was ihn zuerst wieder verunsichter. Aber er wird trotzdem einen Beratungstermin wahrnehmen. Und wieder hilft ihm Ludwig. Er ist ein wahrer  Freund in dieser schweren Situation. Olaf wohnt sogar bei Ludwig. Er geht aber so gut wie nie mit Ludwig in die Messe. Was ihm allerdings in der schweren Zeit hilft, sind Gespräche mit Gott. Er betet nicht, er redet einfach mit ihm, erzählt ihm alles, was ihn bedrückt, welche Ängste und Sorgen er hat. Ebenso erfährt man im Laufe des Buches, dass Olfas wahrscheinlich schon in seiner Kindheit getickt hat. Was aber damals nicht erkannt wurde als Tourette. Mich hat diese Buch zutiefst beweget. Olaf Blumenberg hat so authentisch wie nur möglich über seine Krankheit geschrieben. Ich bin allerdings zutiefst erschüttert, wie verständnislos und intolerant die Gesellschaft immer noch ist. Es ist so traurig, dass in diesem Zeitalter die Mensche immer noch so befremdent und teilweise auch aggresiv auf (sorry, wenn ich es nun so sage) behinderte Menschen reagieren. Es hat doch jeder Mensch das Recht zu Leben und sein Leben so zu Leben wie er möchte. Genauso hat jeder Mensch, der in irgendeiner Form eine Behinderung hat oder eben anders ist, das Recht zu leben. Leider ist unsere Gesellschaft auch immer noch nicht behindertenfreundlich, allein von der Umgebung her. Ich muss gestehen, in dem Fall von Olaf hätte ich bestimmt auch etwas irritiert geguckt, eventuell sogar gelacht, aber ich denke mir, dass dies oft durch unwissen kommt und man einfach nicht mit dieser Situation umgehen kann. Mir hat das Buch ein wenig die Augen geöffnet und ich bin froh, dass Olfa seinen Weg geht. Er hat Freunde und eine Familie, die ihm beisteht und er hat eine Zukunft, er weiß, was er machen will. Ich wünsche ihm die Kraft dazu, dass er steinalt wird und ich hoffe, dass er eines Tages ganz unbeschwert durch die Stadt laufen kann, da die Toleranz endlich jeden erreicht hat. LESEEMPFEHLUNG MIT 5 STERNEN!!!

    Mehr
  • Rezension zu "Ficken sag ich selten" (Olaf Blumberg)

    Ficken sag ich selten
    Anchesenamun

    Anchesenamun

    10. November 2013 um 14:22

    Zum Inhalt Ein lautes „Heil Hitler“, ein freundliches Bellen – Olaf Blumberg fällt in der Regel auf, wenn er durch die Straßen geht, denn er leidet am Tourette-Syndrom. Die schockierende Diagnose wird erst mit Anfang 20 bei ihm gestellt, und so muss der Lehramtsstudent von heute auf morgen sein Leben völlig umkrempeln und auf die harte Tour lernen, mit seinen vielen Tics klarzukommen. Nicht nur mit den Reaktionen Außenstehender, die von Unverständnis bis hin zu körperlichen Angriffen reichen, muss Olaf kämpfen, sondern auch mit sich selbst und seinem Tourette, das ihn immer wieder in unangenehme Situationen bugsiert und die Kontrolle über seinen Körper übernimmt. In seiner Autobiographie begleiten wir Olaf Blumberg auf seinem steinigen Weg, vom Zeitpunkt der Diagnose über die verschiedensten Therapieversuche bis hin zur völligen Neuordnung seines Lebens, in dem er lernen muss, mit dem Tourette-Syndrom zu leben und seine Krankheit anzunehmen. Meine Meinung Spätestens seit Filmen wie „Vincent will Meer“ oder „Ein Tick anders“ ist das Tourette-Syndrom in der Öffentlichkeit weitgehend bekannt. Oft kichern wir belustigt vor uns hin, wenn wir sehen, wie ein Mensch unkontrollierte Laute von sich gibt, wild umherzuckt und laut Dinge wie „Ficken“ oder „Heil Hitler“ ruft. Was es jedoch für die Betroffenen bedeutet, am Tourette-Syndrom zu leiden, wie schlimm nicht nur die Reaktionen der Anderen für solche Menschen sind, sondern auch der Kontrollverlust über den eigenen Körper, und welche Kräfte mobilisiert werden müssen, um die Tics einigermaßen in Zaum zu halten, davon erfahren wir in Olaf Blumbergs Roman „Ficken sag ich eher selten“. Der Leser erhält einen intensiven Einblick in das Leben des Autors von dem Zeitpunkt an, an dem sich die ersten Tics lautstark bemerkbar machen und er mit der Diagnose Tourette zum 1. Mal konfrontiert wird. Hierbei ist bereits erstaunlich, dass bei Olaf Blumberg erst mit Anfang 20 die Krankheit entdeckt wird. Zwar leidet er bereits als Kind an kleineren Tics, doch werden diese von den Erwachsenen ignoriert und als Versuch, Aufmerksamkeit zu erhalten, abgestempelt. Wir lernen also auch, dass Tourette erst im Erwachsenenalter mit voller Kraft ausbrechen kann, ein Umstand, der mir vorher nicht bekannt war. Der Autor schafft es, den Leser teilhaben zu lassen an seinen Emotionen. Man leidet förmlich mit ihm, wenn er wieder einen Schub hat, wenn ihn die Leute anstarren, wenn er sich schämt und von allen abkapselt. Er beschönigt nichts, schreibt auch ehrlich über seine Gefühle, wenn er wieder mal an seiner Krankheit verzweifelt und weinend in seinem Zimmer sitzt. Außerdem ist er auch selbstkritisch, z. B. als er anderen Betroffenen begegnet und sich dabei selbst bei dem ein oder anderen Tic das Lachen verkneifen muss. Interessant waren auch diese Begegnungen mit anderen Betroffenen. Mit der gleichaltrigen Marion, die schon seit ihrer Kindheit mit der Diagnose lebt, aber es trotzdem nie geschafft hat, sie anzunehmen. Oder mit Christian, dem Begründer der Seite www.tourette.de, dessen Erkrankung viel stärker ausgeprägt ist als Olafs. Wusstet ihr eigentlich, dass sich Tourette-Betroffene (natürlich ungewollt) gegenseitig Tics abschauen und sie übernehmen? Ich nicht, und solche Informationen fand ich sehr faszinierend. Mithilfe von Zwiegesprächen mit seinem Inneren, mit seinem Tourette, die teilweise recht amüsant sein können, zeigt uns der Autor noch einmal deutlich die „Intentionen“ dieser Krankheit, wenn man es denn so nennen kann. Einfach ausgedrückt, will das Tourette-Syndrom seinen „Wirt“ bloßstellen, es kommt genau dann am stärksten hervor, wenn es sich der größtmöglichen Aufmerksamkeit sicher sein darf, wenn der Moment am Unpassendsten ist. Diese inneren Dialoge zeigen, wie sehr Olaf Blumberg mit seiner Krankheit ringen muss und wie schwer es ihm fiel, sie letzten Endes annehmen und mit ihr koexistieren zu können. Zwei Kritikpunkte habe ich noch: Erstens habe ich es etwas vermisst, von den Reaktionen der Freunde und Familie zu erfahren. Nur ganz kurz wird mal erwähnt, dass Olaf Blumberg viele Freunde verloren hat, aber wie genau die Reaktionen verliefen, erfährt man nicht. Das hätte mich doch sehr interessiert. Zweitens gefiel mir der christliche Aspekt am Ende des Buches nicht so sehr, der für mich auch sehr überraschend kam und in meinen Augen nicht so recht mit dem Bild, das ich vom Autor bis dato hatte, zusammenpassen wollte. Da dies jedoch nunmal eine Autobiographie und kein fiktiver Roman ist, kann und will ich diesen Umstand aber selbstverständlich nicht negativ bewerten. Das Buch liest sich flüssig, der Schreibstil ist schnörkellos, direkt, ehrlich. Der Autor bemitleidet sich nicht selbst, im Gegenteil, ich finde, dass er oft eine gewisse Selbstironie mit reinpackt und manche Sachen auch sehr humorvoll beschrieben werden. Mit „Ficken sag ich selten“ liegt hier eine interessante und unterhaltsame Autobiographie eines Tourette-Betroffenen vor, die ich jedem wärmstens empfehlen kann.

    Mehr
  • Mein Leben mit Tourette - Olaf Blumberg

    Ficken sag ich selten
    thursdaynext

    thursdaynext

    Gut so, war meine Reaktion auf das fettgedruckte Vulgärwort, welches in eindringlicher blauer Sprechblase hervorstach, als mein Blick über das (von der Farbzusammenstellung fragwürdige) Cover von Olaf Blumbergs Buch über sein Leben mit Tourette glitt. Vulgär sells - scheint hier die Grundüberlegung gewesen zu sein, was allerdings gut zu einer Krankheit passt, die Betroffene zwingt unkontrolliert Tabus zu brechen und damit am zivilisatorischen Lack der „Normgesellschaft“ zu kratzen, deren Toleranzschwelle auszuloten. „....ich mache Dinge die ich nicht machen will. Aber irgendwie muss ich sie machen. Wenn ich sie nicht gleich mache, muss ich sie später machen, und dann umso heftiger, und das nervt total....Verstehen sie was ich meine ?....“ Unprätentiös, humorvoll, erschreckend, berührend und niemals so marktschreierisch Aufmerksamkeit heischend wie auf dem Cover, das stark vom Tabuverb beherrscht wird und so wohl leider auch etliche Leser abschreckt, bevor sie am unteren Rand „mein Leben mit Tourette“ ins Blickfeld bekommen, gewährt Blumberg Einblicke in eine fremde Welt, die sich mit der Welt, wie sie die „Normalen“ kennen, der er sich vor den ersten Symtptomen selbstverständlich zurechnet, überschneidet. Es ist sein persönliches Tourette, ist das Syndrom doch eine persönliche Erkrankung die unterschiedlichste Formen annehmen kann, abhängig von der psychischen Verfassung und den Charakteristika der einzelnen Erkrankten. Heilbar ist es nicht. Leben kann man damit sehr wohl, wenn man es schafft das anzunehmen und zu akzeptieren. Was sich einfach anhört beinhaltet eine lange Leidensgeschichte, einen harten Kampf, viel innnere Stärke und Unterstützung durch Freunde und Familie. Die Vorstellung plötzlich unerwartet keine Kontrolle mehr über seinen Körper und seine Lautäußerungen zu haben ist schrecklich. Sicher hat jeder schon einmal erst den Mund aufgemacht und kurz darauf das Hirn eingeschaltet, die Reaktionen der Umwelt sind unangenehm bis schmerzhaft, wenn diese plötzlich zum unpassenden Zeitpunkt mit direkter Wahrheit konfrontiert wird. Leichtes Tourette in Form von erboster Gestik/Mimik und nicht alltagstauglichen verbaläußerungen bei Auto – oder Motorradfahrern scheint mittlerweile ja Usus, aber der absolute Kontrollverlust bei klarem Verstand wie ihn Blumberg hier beschreibt, die Ängste und die Verzweiflung die dieses Verhalten auslöst, der Teufelskreis der Angst vor dem nächsten Ausbruch, die Vermeidungsstrategien und peinlichen Szenen lassen diese Zwangserkrankung nicht mehr witzig erscheinen. Unter Betroffenheitslektüre fällt das Buch dennoch nie, dafür schreibt der Autor zu gut. Die Beschreibungen den ersten Konfrontationen mit Ärzten und Gesundheitssystem sind humorvoll, authentisch. Nach der Diagnose der Zwangserkrankung sind Medikamente wohlfeil, aber Zeit ist Geld. Es gibt Pillen und Nebenwirkungen bis zum abwinken, psychische und emotionale Unterstützung hingegen nicht. Fesselnd wie Blumberg sich sein Leben gegen innere und äußere Widerstände zurückerobert ohne sich von der Verzweiflung vollends unterkriegen zu lassen. Dabei lassen einen die Innenansichten der Psychatrie, der solidarische Klapsenflashmob, die Reaktionen des weiblichen Geschlechts auf seine Krankheit oftmals laut lachen. „Ficken sag ich selten“ ist ein der Realität entsprungenes authentisches Abenteuerbuch, ein emotional packender Pageturner, frei von Voyeurismus, mit leisen, dafür umso eindringlicheren Untertönen. Ein Mutmachbuch voller Kraft, die sich auch aus dem Witz der sicher oft der Verzweiflung entsprungen ist, nährt. Denkanstösse und Selbstreflexion mit inbegriffen. Wer gerne mal über den eigenen Tellerrand schauen möchte kann hier in der Welt der Non - Fiktion einen Glücksgriff landen.

    Mehr
    • 4
    awogfli

    awogfli

    08. November 2013 um 08:16
  • Der hat Schwuchtel zu mir gesagt!

    Ficken sag ich selten
    Grandville

    Grandville

    07. November 2013 um 21:38

    "Ficken sag ich selten" ist das erste Werk von Olaf Blumberg. Es ist ein ganz normaler Tag: früh aufstehen, joggen gehen und was dann halt so anfällt, z.B. den Sonntag genießen und sich von der Party am Abend davor erholen. Mitten im Lauf durch ein ruhiges Wohngebiet passiert es dann plötzlich: der Drang zu jaulen wie ein Hund, schreien... alles sehr laut. Olaf kann nicht aufhören, er muss immer weiter machen. Die Ratlosigkeit ist groß. Doch dieser Sonntagmorgen ist er der Anfang.   Olaf Blumberg erzählt rückblickend, bis in die Gegenwart und zeigt eindrucksvoll wie sich das anfühlt, wenn man an dem Tourette-Syndrom erkrankt und diese Zwanghaften verbalen oder körperlichen Aktionen ausführen zu müssen - man am Anfang schlicht nicht weiß, was los ist. Wie es sich anfühlt zwar eine Diagnose zu bekommen, aber noch genauso hilflos und auch ratlos zu sein wie vorher - vielleicht jetzt sogar noch mehr. Von Ärzten, die ebenso ratlos sind bzw. nur Medikamente in Unmengen verschreiben oder von Kliniken, die auf Tourette-Patienten nicht vorbereitet sind. Die Angst vor sich selbst und anderen Menschen bzw. deren Reaktionen, den Problemen im alltäglichen Leben. Ein sehr persönliches Buch.   Ich selbst kenne niemanden, der an Tourette erkrankt ist und kann keine Vergleiche heranziehen oder Rücksprache halten. Trotzdem bin ich der Meinung, dass man einen Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt eines bzw. dieses Betroffenen erhält. Sicherlich kratzt dieses Buch verhältnismäßig nur an der Oberfläche, aber es zeigt deutlich wie es einem Betroffenen geht und hilft, meiner Meinung nach, anderen gegenüber mehr Verständnis und Einfühlungsvermörgen aufzubringen. Nicht nur Tourette-Betroffenen gegenüber. Es erweitert sozusagen den Horizont und stellt diese doch recht unbekannte Krankheit aus dem Schatten in das Licht.   Der Stil hat mir gefallen. In lockerem, angenehmen und schnörkellosem Ton erzählt Olaf Blumberg. Es wird nicht langweilig und lässt sich gut und flüssig lesen. Das Cover finde ich gut. Es ist schlicht und mit dem berühmten F-Wort im Titel auf jedenfall ein Hingucker.   Eine Biographie (mit Schwerpunkt auf der Krankheit), in einem angenehmen Ton geschrieben. Fesselnd und berührend, wie Olaf sich sein Leben zurückerobert und Tourette nicht sein Leben bestimmen lässt. Ich kann das Buch empfehlen.

    Mehr
  • Leben mit Tourette

    Ficken sag ich selten
    micluvsds

    micluvsds

    06. November 2013 um 12:18

    Leben mit Tourette „Tourette? Ach ja, sind das nicht diese Leute die andere die ganze Zeit beschimpfen?“ So oder ähnlich wird wohl bei vielen der erste Gedanke sein, wenn man den Begriff „Tourette“ hört. Autor Olaf Blumberg bekam die Diagnose Tourette erst als Erwachsener. An ein Weiterführen des bisherigen „normalen“ Lebens ist danach nicht zu denken.  In seinem autobiographischen Buch beschreibt er, wie er die Diagnose bekam, wie sich sein Leben mit und durch das Tourette-Syndrom verändert hat und wie er lernen musste, sich mit seiner Krankheit zu arrangieren. Dabei beschreibt er sehr ehrlich nicht nur sein eigenes Empfinden, sondern auch die sehr unterschiedlichen Reaktionen seiner Umwelt auf ihn – oder besser gesagt: auf die Krankheit. Ich hatte erst vor kurzem einen Radiobeitrag zum Thema „Tourette“ verfolgt, und war daher sehr gespannt, wie der Autor das Thema beschrieben hat. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass das Buch meine Erwartungen übertroffen hat. Gerade durch die Art, wie der Autor verschiedene Situationen und auch seine Gefühle beschreibt, bekommt man einen sehr guten Eindruck in das Leben eines Menschen, der an Tourette leidet. Mich hat das Buch an vielen Stellen sehr berührt. Die sehr unterschiedlichen Reaktionen der Menschen in seiner Umgebung, die Art wie Ärzte mit der Krankheit umgehen aber vor allem die Beschreibung des Weges, den der Autor auf seinem Weg zum Umgang mit seiner Krankheit macht, alles wird auf eine auf den ersten Blick eher nüchterne Art beschrieben, die aber dennoch sehr eindringlich ist. Mir selber hat das Buchende nicht ganz so gut gefallen, was aber reine Geschmackssache sein dürfte. Im Großen und Ganzen aber ein Buch, das ich sehr empfehlen kann.

    Mehr
  • Ficken sag ich selten von Olaf Blumberg

    Ficken sag ich selten
    thenight

    thenight

    06. November 2013 um 06:15

    Olaf Blumberg, erzählt von seinem Leben mit dem Tourette Syndrom, von den ersten von ihm wahrgenommenen Symptomen bis zur Diagnose, von seiner Odyssee zu diversen Ärzten und natürlich auch von seinen Erfahrungen mit den Menschen die ihn umgeben, von denen die ihn verurteilen für seine verbalen und körperlich Tics und von denen die versuchen Verständnis aufzubringen und teilweise daran scheitern, bis zu seinem persönlichen Neuanfang. Meine Meinung: Als ich den Titel las, wollte ich an dem Buch vorbeigehen ohne ihm einen weiteren Blick zu schenken, es gibt zu viele Bücher mir provozierendem Titel, die am Ende nur *lustig* sein wollen, allerdings blieb mein Blick am Untertitel hängen Mein Leben mit Tourette Tourette, das hatte ich schon mal gehört, irgendwo etwas gelesen und auch schon mal eine Doku gesehen, hier hatte ich also die Gelegenheit einem Betroffenen zuzuhören, jemandem der vielleicht im Bus sitzt und kontinuierlich *Ficken* sagt, oder mit dem Kopf an die Scheibe solange bis der Anfall vorbei ist, jemandem der genau weiß wie es sich anfühlt, sich nicht gegen die Tics wehren kann und nie weiß wann es wieder geschieht. Sitzen wir mit ihm im Bus, haben wir nur eine Momentaufnahme, einen Moment der Empörung, des Fremdschämens des Mitleids, denn wir können nicht wissen aus welchem Grund unser Gegenüber all diese Dinge tut, am Ziel steigen wir aus dem Bus aus unser Gegenüber nimmt sein Tourette mit sich. Ich will nicht behaupten das ich nach der Lektüre erkennen könnte ob jemand der kontinuierlich unflätige oder sinnlose Worte aus stößt, schlecht erzogen oder krank ist aber das ist auch nicht das Ziel dieses Buches, es will eher etwas Verständnis wecken, so das man sich vielleicht mal traut Fragen zu stellen, bevor man urteilt. Bewerten kann ich Olafs Geschichte nicht, wie auch soll man das Leben bewerten, es ist keine Fiktion die sich der Autor ausgedacht hat, er konnte seinen Lesern am Ende kein Happy End bieten *Hurra ich bin geheilt, hab eine Frau und 5 Kinder ein Haus einen Hund und einen tollen Job* Geschichten die das Leben schreibt, enden selten so. Aber den Schreibstil, kann ich bewerten, er ist erstaunlich locker mit einer gehörigen Prise Humor, so das ich trotz des ernsten Themas öfter schmunzeln musste. Ich gebe dem Buch eine absolute Leseempfehlung.

    Mehr
  • Rauer Stoff, der einen kratzt

    Ficken sag ich selten
    WortGestalt

    WortGestalt

    05. November 2013 um 23:14

    "Wie ein Gespräch mit einem guten Freund: ehrlich, echt und tief" Und so fühlt es sich beim Lesen von "Ficken sag ich selten. Mein Leben mit Tourette." auch an. Als würde man mit dem jungen Studenten Olaf Blumberg in einem Café sitzen und sich unterhalten. Nur das diese Situation im echten Leben für den Autor ein Kraftakt wäre. Denn Olaf Blumberg hat Tourette. Wie er die Krankheit erträgt, erduldet und erlebt, schildert er in seinem Erstlingswerk. Dieses Buch ist etwas besonderes, denn obwohl der Autor eigentlich autobiografisches erzählt, fühlt der Leser sich bereits nach den ersten Seiten in einem Roman angekommen, der es versteht, den Leser abzuholen. Mit einer bildhaften Sprache und einem ungezwungenen Stil strickt Olaf Blumberg eine gut sitzende und angenehm passende Geschichte um den Leser. Nur das es sich hier um kein Seemannsgarn handelt. Sondern um einen rauen Stoff, der am Leser kratzen wird. Olaf Blumberg steht am Anfang, er studiert gerade Deutsch und Sport auf Lehramt als ihn die ersten Symptome erwischen. Wie von inneren Dämonen getrieben, erlebt er, wie sich plötzlich verbale und motorische Zwänge in ihm breit machen und ihn zwingen, sich in aller Öffentlichkeit und auch in aller Abgeschiedenheit zum Kasper zu machen. Ob unter der Dusche, in seinem Wohnheimzimmer, im Supermarkt oder im Café, die Tics suchen sich ihren Weg und machen Olaf das Leben zur Hölle. Der Weg bis zur Diagnose ist schwer, der Weg danach noch schwerer, denn das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom ist nicht heilbar. Und was genauso schlimm ist, nicht ausreichend erforscht. Was folgt, sind Facharzttermine, Klinikaufenthalte, diverse Medikamente und immer wieder enttäuschte Hoffnungen. Der Leser begleitet den Autor bei all diesen Erlebnissen und wird Zeuge, wie ein junger Mann von einer Erkrankung zu Boden gerungen wird und sich einen verdammt schweren Weg zurück in den Alltag erkämpft. Dabei erzählt Olaf Blumberg seine Geschichte so unprätentiös und so schonungslos ehrlich, dass er den Leser voll trifft. Ohne Mitleid zu heischen oder zu jammern, vermittelt er einen klaren Eindruck davon, wie sehr man unter einer so folgenstarken Erkrankung leiden muss und schafft es trotzdem, eine leichte humoristische Note einfließen zu lassen, die der Leser dankbar annimmt. In diesem Buch geht es aber nicht nur um das Tourette-Syndrom. Die Krankheit wäre austauschbar gegen alle biestigen Erkrankungen, die jungen Menschen in des Lebens Suppe spucken wollen. Unabhängig von der Krankheit erfährt man in diesem Buch, was es bedeutet, wenn man gerade loslegen will, am Anfang von allem ist und plötzlich alles anders kommt. Dieses Buch bekommt eine absolute Leseempfehlung, denn es erzählt ohne moralisch zu werden, aber mit der nötigen Emotionalität, eine Geschichte, die keine ist. Es erzählt eine Geschichte, die Leben ist.

    Mehr
  • Unheimlich ehrlich

    Ficken sag ich selten
    dieFlo

    dieFlo

    05. November 2013 um 20:27

    Ein Titel,der vielleicht im ersten Moment abschreckt oder aber eben wegen seiner bunten Sprechblasen das Interesse des Lesers weckt. Provokativ eben. Ich glaube, genau das sollte dieses Buch sein, es sollte all den Menschen, die Menschen mit Behinderungen skeptisch oder gar negativ gegenüber eingestellt sind, sagen: "Hallo, du A.... - ich bin genau soviel wert wie du" In unserer heutigen Zeit soll und muss alles perfekt sein und wenn es das nicht ist, bricht eine Welt für uns und unsere Mitmenschen zusammen. Olaf steckt mitten im Studium als sein kleiner Freund Tourette der Meinung ist, jetzt mache ich ihm das Leben erst mal schwer, so richtig schwer. Olaf möchte Lehrer werden. Diese Biografie nimmt den Leser bei der Hand und mit genau den richtigen Worten erleben wir, wie Olaf seine Welt ins Wanken gerät, seine Zukunft erst einmal den Bach herunter geht. Wie Mitmenschen ihn voller Zweifel ansehen oder sich abwenden, wie das Wort Toleranz eine eigene Bedeutung bekommt. Aber es zeigt auch, dass man sich nicht von einer Krankheit dominieren lassen kann und soll, dass es immer irgendwo Menschen gibt und Ziele, die es Wert sind diesen Weg zu gehen. Auch Olaf ist am Ende einen neuen, anderen WEg gegangen. Er hat gelernt mit  Tourette zu leben, er akzeptiert sich und seine Tics und hat einen Beruf gefunden, der ihn glücklich macht. Unheimlich ehrlich, mit klaren Worten war dieses Buch viel zu schnell zu Ende!

    Mehr
  • Rezension "Ficken sag ich selten" von Olaf Blumberg

    Ficken sag ich selten
    lucky_snakes

    lucky_snakes

    05. November 2013 um 16:22

    Olaf Blumberg hat das Tourette-Syndrom. Davon und von seinen Erfahrungen und seinem Leben mit der Krankheit handelt das Buch "Ficken sag ich selten". Der Autor hat die Diagnose recht spät erhalten, um so härter wurde er davon getroffen. Ich fand die Schilderung von Olaf Blumberg sehr persönlich und eindringlich geschrieben. Das Buch ist sehr angenehm zu lesen und ich konnte es kaum weglegen. Es ist sehr interessant, aus erster Hand durch einen direkt Betroffenen an den Erfahrungen, die man mit dem Tourette-Syndrom hat, bzw. haben kann, teilhaben zu dürfen. Ich fand das Buch eine sehr beeindruckende Leseerfahrung und kann diese nur jedem empfehlen.

    Mehr
  • Herr Tourette und ich

    Ficken sag ich selten
    buchfeemelanie

    buchfeemelanie

    04. November 2013 um 18:59

    Mit Anfang 20 ändert sich das Leben von Olaf plötzlich und unerwartet. Als Kind manchmal ein bisschen seltsam und von den Lehrern als unhöflich und schlecht erzogen abgestempelt, muss er nun sein Leben  neu ordnen. Er lernt mit einer Krankheit akzeptieren zu müssen, die er nicht will und die doch sein Leben beherrscht. Besonders in unpassenden Situationen.  Das Cover finde ich okay. Der Titel hingegen springt einen sofort ins Auge, bleibt im Gedächtnis und macht Lust, sich das Buch näher anzusehen.   Der Schreibstil gefällt mir gut. Flüssig und ehrlich geschrieben, mit Komik und Selbstironie. Ohne Mitleid erhaschend zu sein und zum Nachdenken anregend. Dem Leser wird gut verdeutlicht, wie sich ein Tic anfühlt - und auch die Reaktionen darauf. Ich gebe ehrlich zu, dass manche Situation, die wir real auf Straße erleben würden auch erst einmal abstempeln. Wenn sich der eine Typ da seltsam verhält, ist es zu einem darüber lächeln nicht weit - auch wenn dies nicht unbedingt abwertend oder gar bösartig sein muss. Es ist für viele einfach ungewohnt ( viel ungewohnter als ein Hinken, Rollstuhlfahrer oder auch jemand mit Down - Syndrom). Man weiß als Beobachter nicht, ob dieser Mensch krank/behindert ist, auffallen will, oder einfach nur unsozial ist. Wenn wir jemand "Heil Hitler" rufen hören, ohne ihn zu sehen, ordnen wir ihn schließlich eher der rechten Szene ein, den die wenigsten werden bei so einen Ausruf sagen " Ganz klar - der hat eindeutig Tourette". Deshalb bin ich so froh, dass ich dieses Buch lesen durfte. Es klärt über die Krankheit auf, geht aber viel mehr auf die Gefühle der Betroffenen ein. Ich musste auch mal lachen, allerdings stimmte mich die ein oder andere Situation traurig oder lud fast zum fremdschämen ein.   Und zum Schluss kommt der Leser (hoffentlich!) zu der Erkenntnis, nicht sofort zu reagieren sondern einfühlsam nachzudenken, sich seines Lebens bewusst zu werden und Menschen, die ein Schicksal annehmen müssen Respekt zu zollen.

    Mehr
  • weitere