Olaf Geramanis Organisation und Intimität

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Inhaltsangabe zu „Organisation und Intimität“ von Olaf Geramanis

Was haben Organisationen mit Intimität zu tun? Wenn man auf Zweckorientierung, Arbeitsteilung und bürokratische Formalisierung schaut, nichts. Schaut man stattdessen auf die schöne neue Arbeitswelt postindustrieller Unternehmen, dann sehr viel: In der kreativen und innovativen Wissens- und Dienstleistungsarbeit können sich die Menschen ganz hingeben und selbst verwirklichen. Die neuen Informations- und Kommunikations-Technologien lassen die Grenzen zwischen dienstlich und privat verschwinden, da man immer und überall erreichbar ist. Hingabe und Intimität werden mehr denn je angefragt, da wir leidenschaftlich arbeiten, emotional intelligent, intuitiv und authentisch sein sollen. In diesem Buch wird das Begriffspaar "Organisation und Intimität" aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet. Die Grunddifferenz ist die Unterscheidung von öffentlich und privat. In Familie und der Gemeinschaft von Befreundeten befindet man sich jenseits der Dominanz ökonomischer Kalküle. Liebe oder Freundschaft gelten als Inbegriff des Intimen und Intimes gehört nicht an die Öffentlichkeit. Demgegenüber muss die Organisation primär sachlichen Aufgaben und Zielen gerecht werden. Formalisierte, asymmetrische Machtstrukturen und die prinzipielle Austauschbarkeit der Funktionsträger sind hierbei die Bedingung der Möglichkeit. Wie viel Nähe und Emotionalität ist für ein optimales Funktionieren tatsächlich wünschenswert? Inwieweit kommt die Organisation den sozialen Grundbedürfnissen der Mitarbeitenden entgegen oder wird die Ausbeutung der Intimität lediglich auf die Spitze getrieben? Ist es die Aufgabe von Führung und Beratung, mehr individuelle Grenzen einzureissen, oder ist es ihre Aufgabe, die Individuen in ihrer Abgegrenztheit zu respektieren und zu unterstützen?

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  • Ein Teil der „neuen Arbeitswelt“?

    Organisation und Intimität

    michael_lehmann-pape

    25. August 2014 um 11:49

    Ein Teil der „neuen Arbeitswelt“? „Intimität“ ist in der Regel ein Begriff des rein privaten Lebens. Im Blick auf Organisation, Effektivität, Rendite und das Ziel bestmöglicher Erledigung von Sachaufgaben scheint der Begriff daher zunächst fehl am Platze zu sein. Auch wenn an konkreten Schnittstellen der Arbeitswelt (vor allem da, wo es um die Arbeit im Team und den konstruktiven Kontakt zu Kunden geht), eine bestimmte Intimität auch funktional von Bedeutung ist, in Form der „guten Beziehungsgestaltung“, die über ein sachliches Verhältnis von der Beschreibung mancher Aufgaben her schon hinausgeht. Im Zuge der stetig voranschreitenden Veränderungen in der Arbeitswelt und damit einhergehend der Bedeutung „weicher Faktoren“ für das berufliche Leben, bekommt nun aber auch „das Intime“ (genuin nicht-Öffentliche) eine zunehmende Bedeutung auch für den „öffentlichen“ Bereich des Lebens. Eine Entwicklung und Bedeutung, denen die Autoren im Buch mit offenem Blick und sehr sorgfältig darlegend nachgehen. Nicht ohne die allgemein soziale Entwicklung vor allem durch die massive Entfaltung der social media dabei grundlegend mit im Blick zu halten. „… gehen wir heute wie selbstverständlich davon aus, dass jedes Tabu umstandslos aufgedeckt und gebrochen werden darf. Für Tabubrüche in der Öffentlichkeit „sozialer“ Netzwerke ist weder eine Begründung noch eine Entschuldigung erforderlich“. Wenn nun das „sich selbst outen“ um sich greift, Menschen ihre „Intimsphäre“ von sich aus bereits in weiten Teilen öffentlich machen und an vielen, auch beruflichen, Orten vom „inneren Gefühl“ argumentativ her gesprochen wird („Ich fühle das eben so), fällt dann zunehmend die Grenze zwischen „vertraut und fremd“? Sachlogisch ist dies eigentlich kaum möglich, denn nur einer von beiden Zuständen kann an konkretem Ort zur konkreten Zeit vorherrschen. Dieses Spannungsfeld bearbeiten die Autoren im Buch und führen interessant aus, wie „die Organisation“ mehr und mehr die Rolle und den Stellenwert dessen einnimmt, was in früheren Zeiten „die Familie“ war. Und somit „die Organisation“ auch ein Ort der Intimität faktisch wird. Wie aber kann es gelingen, „interpersonale Grenzen“ zu halten innerhalb von Gruppen und Teams der Organisation? Und wie lassen sich diese Grenzen zum Bedürfnis nach Verbundenheit und Vertrautheit ausbalancieren? Wobei im Lauf der Lektüre klar wird, dass einerseits ein „zurück zur reinen Sachlichkeit“ den modernen Gegebenheiten in Organisationen nicht mehr entspricht und vielfach auch gar nicht gewollt ist, andererseits eine „Schamlosigkeit“ oder „absolute Aufrichtigkeit“ ebenso wenig der individuellen Entfaltung wirklich entsprechen würde. „Überschreite keine Schwelle, hinter die du nicht mehr ohne Verluste zurückkehren kannst“ ist und bleibt ein wichtiger Kernsatz zur Orientierung für das eigene Mitteilungsbedürfnis. So kommt der Einlassung von Olaf Geramanis im Buch eine wichtige Bedeutung zu (und bildet einen durchaus guten Start in die Thematik): „Kann man Teams vertrauen?“. Wie in dieser Frage so zeigen sich auch in allen anderen Zugängen zum Thema im Buch (essayistisch, theoretisch oder aus Sicht der Organisationen her), dass „Organisation und Intimität“ zwar ein noch „ungelöstes Dilemma“ mit vielen „Paradoxien“ behaftet darstellt, das aber sich die Fragen und Ansätze dieses Buches in Richtung einer näheren Betrachtung dieser Grundthemen gegenwärtig durch die Entwicklungen aufdrängen. Für diese bis dato noch wenig diskutierte Frage nach der zunehmenden „öffentlichen Intimität“, deren Bedeutung für Organisationen und die Bedeutung von Organisationen an sich für das soziale Leben und wieweit faktisch und wieweit es vielleicht konstruktiv wäre, das es „zunehmend menschelt“ auch im beruflichen Feld, bietet dieses Werk vielfache, interdisziplinär angelegte Anregungen und erste Zugangswege, die für die weitere Diskussion sehr befruchtend sein werden.

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