Olaf Jessen Verdun 1916

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Inhaltsangabe zu „Verdun 1916“ von Olaf Jessen

"So furchtbar kann nicht einmal die Hölle sein", entsetzte sich ein Augenzeuge. Nie wieder starben mehr Soldaten auf so engem Raum wie in Verdun 1916. Olaf Jessen zeichnet auf der Grundlage vergessener Dokumente ein neues Bild der Schlüsselschlacht des Ersten Weltkrieges. Glänzend erzählt und unter die Haut gehend: für alle, die den Großen Krieg aus Sicht der Frontsoldaten und Heerführer beider Seiten neu kennenlernen wollen. Warum Verdun? Um den Sinn der "Blutmühle" strategisch zu erklären, verweisen Historiker gewöhnlich auf Erich von Falkenhayn. Die französische Armee, so hatte der Generalstabschef behauptet, sollte bei Verdun "verbluten". Doch vergessene Quellen belegen: "Operation Gericht" zielte auf den Durchbruch und die Rückkehr zum Bewegungskrieg. 300 Tage und 300 Nächte tobte die Urschlacht des Jahrhunderts. Sie durchkreuzte die alliierten Pläne an der Somme, beschleunigte den Kriegseintritt der USA, verschärfte den Niedergang des deutschen Heeres, befeuerte die Dolchstoßlegende und stieß die Entwicklung moderner Luftwaffen an. Und sie legte den Keim für Frankreichs Katastrophe 1940 im "Blitzkrieg" der Wehrmacht. Es ist kein Zufall, dass gerade Verdun später zum Erinnerungsort der deutsch-französischen Freundschaft wurde.

Minutiöse Beschreibung einer grauenvollen Schlacht

— Matzbach
Matzbach

Hervorragend recherchiertes Buch, das mit Mythen aufräumt und ein differenziertes Bild zeichnet. Leider ist das Kartenmaterial suboptimal.

— MichaelWhite
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  • Die "Urschlacht" des 20. Jahrhunderts

    Verdun 1916
    Matzbach

    Matzbach

    01. January 2016 um 12:33

    Siebenhunderttausend (!) deutsche und französische Soldaten sterben auf engstem Raum während der ca. 300 Tage dauernden Schlacht. Vorwärts stürmende Angreifer müssen durch einen Morast aus verwesenden Leichen waten, um ihr Kampfziel zu erreichen. Giftgas, Flammenwerfer und Granatenregen gehören zum Alltag. Überlebende sind körperlich und seelisch gezeichnete Menschen. All das sind die Begleiterscheinungen und Folgen der Schlacht um die Festung Verdun, die bis heute Grauen erregt. Zahlreiche Familien sind von diesem Gemetzel betroffen, so auch die meinige. Meine Großmutter verlor zwei Brüder dort, die offiziell als verschollen gelten. Dabei ist das Zynische an der Angelegenheit, dass der Besitz der Stadt eigentlich strategisch bedeutungslos war, er verschaffte weder der einen noch der anderen Seite deutliche Vorteile. Doch als der Kampf entbrannte, wurde er schnell zu einer Prestigefrage für beide beteiligten Nationen. Für die deutsche Seite kam ein Rückzug in die Ausgangsstellungen nach deutlichen Erfolgen in der Eingangsphase nicht mehr in Frage, für die Franzosen war die Aufgabe der Stadt, die nicht wesentlich geschwächt hätte und von einigen Generalen auch durchaus angedacht war, aus politischen Gründen undenkbar. So begann das blutige Ringen um jeden Quadratmeter. Olaf Jessen beschreibt in seinem Buch minutiös den Verlauf dieser "Urschlacht" des 20. Jahrhunderts, die viel von dem Schrecken des 2. Weltkriegs vorwegnahm. Dabei widmet er sich auch ausgiebig den strategischen Überlegungen, die die damals verantwortliche Heeresleitung und ihren Stabschaf, Erich von Falkenhayn, zu diesem Wahnsinnsunternehmen getrieben haben. Deutlich wird, dass Verdun anfangs nicht Selbstzweck war, sondern der Versuch, die Alliierten zu einer Reaktion zu zwingen, nämlich einem überhasteten Entlastungsangriff der als wenig kampfstark angesehenen britischen Truppen in Flandern. Nach dessen erfolgreicher Abwehr sollten nachstoßenden deutsche Reservedivisionen den Stellungskrieg aufbrechen und den Gegner moralisch zermürben, so die Planungen der OHL. Doch das Ausbleiben des erwarteten britischen Gegenstoßes verlagerte den Schwerpunkt der Kriegsführung dann eben doch auf Verdun. Später rechtfertige sich Falkenhayn in seinen Memoiren mit Begriffen wie "Saugpumpe", "Knochenmühle" und "Weißbluten". Demnach sei es sein Plan gewesen, die Franzosen zu Angriffen auf die gut befestigten Stellungen der Deutschen zu nötigen, was zu einem extrem hohen Verlust französischer Soldaten geführt habe. Dass dabei auch deutsche Soldaten über Gebühr geopfert wurden, ist wohl der militärischen Logik geschuldet. Dieses "Ausbluten" der französischen Truppen war dann auch das Argument, mit dem Forderungen anderer deutscher Generale, den sinnlosen Kampf abzubrechen, abgeschmettert wurden. Dabei wurde durchaus mit falschen Zahlen jongliert, dem Kaiser und andern Befehlshabern wurde suggeriert, die Zahl der getöteten Franzosen sei etwa doppelt so hoch wie die der deutschen. Tatsächlich halten sich die Opferzahlen in etwa die Waage.

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  • 300 Schlacht-Tage

    Verdun 1916
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    03. March 2014 um 09:45

    300 Schlacht-Tage „Fest und treu steht die Wacht am Rhein“. Das war zu Kriegsbeginn eine der durchschlagenden deutschen Parolen. Und ganz anders als in solch mythischer Überhöhung gedacht, stand tatsächlich in diesem Krieg (fast) alles lange still. Stellungskrieg, zermürbendes Verbluten um ein paar Meter Raumgewinn oder Raumverlust. Ein Zustand, das belegen die aktuellen Auswertungen der Quellen, die aktuelle historische Diskussion und die Darstellung Jessens im Buch, der durch Verdun beendet werden sollte. Die feststeckenden Fronten auflösen, einen „Bewegungskrieg“ wieder initiieren, in die Offensive gelangen, vielfach und sehr akribisch und fundiert legt Olaf Jessen in diesem Buch nicht nur die Schlacht und deren Verlauf dar, sondern zeigt die Überlegungen und Ziele vor der Schlacht auf, wie er auch ebenso sorgfältig den weiteren Folgen der Schlacht (auch den durch Verdun 1916 beschleunigten Eintritt der USA in den Krieg) nachgeht. Die längste Schlacht der Weltgeschichte, das „Sinnbild des totalen Krieges“ mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Über 700.000 gefallene Soldaten, „furchtbarer als die Hölle“. Verdun 1916 ist einer der entscheidenden Wendepunkte der „Urkatastrophe“ des ersten Weltkrieges mit all seinen Folgen für die Neuordnung der Landkarte Europas, die Entstehung der Sowjetunion, die Vorbereitung des Bodens für den zweiten Weltkrieg. Die „Urschlacht des Jahrhunderts“, wie Jessen diese 300 Tage benennt. Eine Schlacht, die nicht nur im Blick auf die hundertausendfachen einzelnen Menschenleben unfassbare Folgen hatte, sondern in der auch eine nie zuvor erlebte Materialschlacht tobte, den Krieg auf eine ganz andere Ebene hob, die moderne Luftwaffe in ihrer Entwicklung entscheidend anstieß und für starke Verschiebungen auf politischer Ebene und jener der Heerführung beider Seiten sorgte. All dies legt Jessen dem Leser intensiv und sehr verständlich argumentiert und verfasst vor Augen. Dabei geht er auch auf die zivilisatorische Bedeutung der Schlacht ein. „Vorher Licht – nachher Schatten“, mithin der „Abschluss des bürgerlichen (zivilisierten) Zeitalters“. Und es ging nicht um die Idee einiger Heerführer (wie derer eines Erich von Falkenhayn vom „Verbluten der französischen Armee“), es ging um den „unmenschlichsten strategischen Plan des ganzen Krieges“. Was aber genau ging vor in der deutschen Heerführung`? Warum nahm die französische Seite überhaupt diese Schlacht in dieser Form an? So schaut Jessen auf den gut 400 Seiten sorgfältig hinter die Kulissen, wechselnd beständig die Perspektive und zeigt auf, dass hier durchaus strategische Planung in zivilisatorischer Perversion wirkte, dass die „Schlächterei“ keine „geistlose“ war, wie Sebastian Haffner formulierte, sondern durchaus von kühler Überlegung angegangen wurde. „Wir müssen mehr Feinde töten, als die von unserer Seite töten können“, das ist mit eines der Denkmuster, an dem sich die Grenzen humanistischen Denkens aufzeigen, das nicht erst seit 1916 und nicht nur bis 1918 die Geisteshaltungen Europas mit prägte. Von den Plänen über den Aufmarsch, das wogende hin und her, die Zermürbung über die entscheidende Krise bis zur letzten Entscheidung und das Nachspiel dieser Schlacht findet der Leser im Buch in bester Form den aktuellen Stand der Quellenauswertung und eine klare Positionierung Jessens in der historischen Bewertung, die das Buch zu einer sehr empfehlenswerten und beeindruckenden Lektüre gestaltet. Viel mehr schwingt in den Interpretationen und Darstellungen mit, als nur eine Beschreibung jener 300 Tage. Und das in jederzeit flüssiger und verständlicher Darstellung in Form und Stil des Buches und mit außerordentlich breiten Literatur- und Quellenverweisen versehen.

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