Olaf Kutzmutz

 4.2 Sterne bei 12 Bewertungen

Alle Bücher von Olaf Kutzmutz

Erst lesen. Dann schreiben

Erst lesen. Dann schreiben

 (8)
Erschienen am 11.06.2007
Bestseller. Das Beispiel Charlotte Link

Bestseller. Das Beispiel Charlotte Link

 (3)
Erschienen am 01.04.2010
Lektüreschlüssel zu Max Frisch: Andorra

Lektüreschlüssel zu Max Frisch: Andorra

 (1)
Erschienen am 01.04.2004
Jurek Becker

Jurek Becker

 (0)
Erschienen am 22.06.2008

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Rezension zu "Erst lesen. Dann schreiben" von Olaf Kutzmutz

Über die literarische Inspiration
leseflussvor 5 Monaten

Der Schreibratgeber von Stephan Pormobka und Olaf Kutzmutz ist eine erkenntnisreiche Lektüre für alle, die von den Großen lernen wollen und wurde Robert Gernhardt gewidmet.

 

"Zweimal zwei nicht vier" beginnt Robert Gernhardts Essay, der erste von 22 Autoren, die über ihre Lehrmeister und von Büchern, die sie literarisch inspiriert haben, berichtet. Der unlängst verschiedene Satiriker und Karikaturist bewunderte Georg Christoph Lichtenberg, sein "Sudelbuch" und dessen Lust, Zweifel zu streuen: "Immer sich zu fragen, sollte hier nicht ein Betrug stattfinden ... Zweifel an allem wenigstens EINMAL, und wäre es der Satz: zweimal 2 ist 4." Von ihm hat Gernhardt viel gelernt für seine schriftstellerische Tätigkeit und gibt das Wissen  großzügig an die Leser des Schreibratgebers von Stephan Pormobka und Olaf Kutzmutz weiter.  Da sein Beitrag die Herausgeber an seinem Todestag erreichte, haben sie ihren Band "Erst lesen. Dann schreiben" kurzerhand dem Unvergesslichen gewidmet.

 

1 % Inspiration  - die Großen sind "Beobachtungs-Maniacs"

Ulrike Draesner, Daniel Kehlmann, Antje Rávic Strubel und weitere sehr unterschiedliche Autoren schreiben über bedeutende, aber auch über unbekannte Bücher, der Besonderheit ihrer Verfasser und was man von ihnen lernen kann. Das Buch setzt auf produktives Lesen und erörtert das "Wie" des Schreibens, legt Wert auf Details und untersucht das sagbar gemachte Unsägliche durch die Großen. Da geht es um den "Beobachtungs-Maniac" Genazino oder um Nabokovs faszinierende Fähigkeit der "deutlichen Worte", die zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur Vorbilder zu haben, sondern auch Verschmähte klar abzulehnen.

 

Einmal lautet die Frage, wie Georges Simenon in seine Figuren eintauchte und selbst zum Romancharakter wurde. Hans-Ulrich Treichel fordert dann die "Nachahmung als wichtige Technik zur Initiation in die literarische Tätigkeit". An anderer Stelle stellt Ulrich Greiner jedoch zerstörend fest, "dass Vorbilder nichts taugen, wenn man sich nicht von ihnen freihalten kann".

 

Hinter jedem Essay verbirgt sich eine Aufgabe

Am Ende ihrer Essays stellen die Autoren dem Leser jeweils eine Schreibaufgabe. Dies, um die "Schwelle zwischen Lesen und Schreiben abzusenken", wie es im Vorwort heißt. Nicht selten sind die Aufgaben nur mit ausdauernder Übung und immensem Zeitaufwand verbunden. Dafür kommt man aber seiner eigenen Stilvervollkommnung näher, schärft die persönliche Beobachtungsgabe und wird reich entlassen mit neuen Erkentnissen.

 

99 % Transpiration

Nicht jeder Essay versprüht jedoch den begehrten kreative Funken und regt zur eigenen literarischen Produktion an. Durch manche Ausführungen quält man sich beinahe, was sich wiederum mit Edisons Genie-Formel "1 % Inspiration und 99 % Transpiration" trösten lässt.

 

Ein solch schwer zu lesender und kaum nachvollziehbarer Aufsatz kommt von Michael Rutschky. Er titelt seine Abhandlung mit "Besuche in der Unterwelt" und schildert die prosaische Wirkung des phänomenalen Sigmund Freuds. Bei Freud liefere außerdem das Scheitern die eigentliche Pointe, stellt Rutschky fest, führt aber nicht eindeutig aus, wie sich das denn offenbart. Woran Rutschky letztendlich selbst scheitert, ist seine Unverständlichkeit, die mal hier, mal da Freuds Schreiben und Wirken anpackt, sich aber immer nur vage herantastet mit Sätzen und Phrasen wie: "Jetzt beginnt so etwas wie Deutung", "mit mehr-minder starkem Befremden", bis er schließlich zugibt: "Womöglich weiß ich selber nur undeutlich, was ich sagen will." Besser gleich das Original lesen.

 

"Erst lesen. Dann schreiben" ist ein anschaulicher technischer Ratgeber und eine Ermutigung, seine schriftstellerischen Vorbilder zu suchen und ihnen zu folgen. Aber Vorsicht sei geboten: Nicht die reine Nachahmung, sondern Umgestaltung und Abgrenzung bringt Autoren voran.

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Rezension zu "Bestseller. Das Beispiel Charlotte Link" von Olaf Kutzmutz

Rezension zu "Bestseller. Das Beispiel Charlotte Link" von Olaf Kutzmutz
ChristianeLvor 8 Jahren

Klappentext
In diesem Tagungsband fragen wir, was ein Buch zum Bestseller macht, aber wir suchen weniger nach Rezepturen für Erfolgsliteratur, sondern schauen vor allem darauf, wie sich der literarische Betrieb in den Höhen des Verkaufs darstellt und was das in unserem Fall für die Autorin Charlotte Link und ihr Umfeld bedeutet.
Wer folglich nach einer Bestseller-Formel sucht, wird sie in diesem Tagungsband nicht finden. Dafür jedoch jede Menge guter Gedanken, die sich um das Traumbild Bestseller und die (typisch deutsche) Grenze zwischen unterhaltender und ernster Literatur ranken: aus Sicht eines Verlegers, einer Agentin, eines Bestsellerforschers, einer Journalistin und eines Schriftstellers.

Meine Meinung
Der Sammelband, Dokumentation einer Tagung 2009, nähert sich dem Phänomen "Bestseller" aus unterschiedlichen Perspektiven und für Autorinnen und Autoren interessant und einsichtsreich. Herausgeber ist Olaf Kutzmutz, Programmleiter Literatur der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel.

Werner Faulstich, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Lüneburg, fragt in seinem Beitrag: "Was macht ein Buch zum Bestseller?" Nach einer knappen Einführung in die Bestsellerforschung verdeutlicht Werner Faulstich seinen Ansatz am Beispiel der Bestseller Love Storyvon Erich Segal, Der Pate von Mario Puzo sowie Und Jimmy ging zum Regenbogen, indem er das Gemeinsame der drei Romane aufzeigt. In sechs Thesen nähert er sich dem Phänomen Bestseller am Beispiel der Romane Charlotte Links. Man muss die wissenschaftliche Sprache mögen. So lautet These 4: "Die Romane rekurrieren auf eine historische Konstante der letzten zwanzig Jahre: den Pluralismus von Lebensstilen und die Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Geschlechterrollen." (S. 22).

Zwei Interviews mit Charlotte Link, die Olaf Kutzmutz führte, geben Einblicke in die Anfänge der Autorin, die Rolle des Verlagsteams (nach einem Wechsel der Ansprechpartnerinnen ihres ersten Verlags wechselte Charlotte Link ebenfalls den Verlag) sowie Anforderungen und Auswüchse der Medien- und Pressearbeit. Im ersten Interview kommt Doris Brohn, die Entdeckerin Charlotte Links, zu Wort.

Mein persönlicher Favorit ist der Beitrag von Franziska Wolffheim, Journalistin und Brigitte-Autorin, die die Frage "Hat der Erfolg ein Rezept?" kenntnisreich in sechs Thesen nähert, die sie mit Beispielen unterlegt. Franziska Wolffheim geht unter anderem auf die Rolle des Marketings ein, unter der Überschrift "Bestseller wollen gemacht werden!"

"Lieber gute Unterhaltung als schlechte Literatur. Wie eine Agentin auf dem Unterhaltungsmarkt arbeitet" hat Petra Hermanns von der Agentur scripts for sale ihren Beitrag überschrieben. Amüsant und eindrücklich schildert sie die Arbeitsweise einer Agentur und die Anforderungen, mit denen Unterhaltungsautorinnen und -autoren konfrontiert werden: Der Verlag wünscht, dass du den Schauplatz des fertigen Romans von Irland nach Australien verlegst.

Nach einem Einstieg, der sprachlich anforderungsreicher als der Wissenschaftstext war, entwickelte sich "Reine Glückssache?", der Beitrag von Georg Reuchlein, Verleger bei Goldmann, btb und Luchterhand, zu einem spannenden Einblick ins Verlagsgeschäft. Neben harten Zahlen, die Autorinnen und Autoren wahrscheinlich deprimieren, zeichnet Georg Reuchlein den Weg von Charlotte Link nach. Für mich sehr lehrreich waren die Hinweise auf die unterschiedlichen Vermarktungsstrategien, die sich aus dem Verlagswechsel ergaben, und deren Folgen.

Der letzte Beitrag von Burkhard Spinnen "Ey, das ist doch U. Oder: Gibt es einen Mauerfall zwischen unterhaltender und ernster Literatur?" nähert sich der Bestseller-Frage aus eher literaturwissenschaftlicher Sicht und zeichnet die Entwicklung des Literaturbetriebs in den letzen zwanzig Jahren nach.

Mein Fazit: Unbedingt lesenswert! Nicht durch den Titel, der Charlotte Link so sehr in den Mittelpunkt stellt, ablenken lassen. Der Sammelband widmet sich - wie versprochen - der Frage, was ein Buch zum Bestseller macht. Dabei gehen die Beiträge unterschiedlich stark auf das Beispiel Charlotte Link ein.
Für mich eines der besten Bücher über das Schreiben und Veröffentlichen.

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Rezension zu "Bestseller. Das Beispiel Charlotte Link" von Olaf Kutzmutz

Rezension zu "Bestseller. Das Beispiel Charlotte Link" von Olaf Kutzmutz
Wortklaubervor 8 Jahren

Band 46 der Wolfenbütteler Akademie-Texte legt die Vorträge und Interviews einer Tagung zum Thema „Bestseller“ am Beispiel der Autorin Charlotte Link (und darüber hinaus) in gedruckter Form vor – und betont schon auf der Umschlagrückseite: Eine Bestseller-Formel gibt es nicht!

In den von Olaf Kutzmutz geführten Interviews erzählt Charlotte Link u. a. vom Beginn ihrer Karriere, ihrem persönlichen Arbeitsprozess, ihrer Auffassung vom Schreiben und ihren Schwierigkeiten mit der Popularität bzw. Vermarktung ihrer Person als Bestseller-Autorin (falsches bzw. verfälschendes Zitieren in der Presse, das eigene Pferd ist nicht schön genug, also muss ein edles Ross fürs Pressefoto her, gestellte Designer-Kleidung etc.).

Werner Faulstich, Professor für Medienwissenschaft, erläutert eingangs, was ein Bestseller überhaupt ist: „Bestseller“ bezeichnet immer nur ein aktuelles Buch, während einer klar abgegrenzten Zeit (z. B. einer Woche), auf ein klar umrissenes Gebiet (z. B. ein Land) bezogen. Manchmal wird auch ein Autor selbst als Bestseller bezeichnet, wenn dieser einen Verkaufsschlager nach dem anderen abliefert.
Faulstich erklärt, was Erich Segals „Love Story“, Mario Puzos „Paten“ und Johannes Mario Simmels „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, drei Bestsellerromanen des Jahres 1970, gemein ist und welchen Widerhall dies in der Gesellschaft gefunden haben könnte.

Kulturredakteurin Franziska Wolffheim stellt die These auf, dass (u. a.) wenige Bestseller kalkulierbar sind, Bestseller Moden unterliegen können und gemacht werden wollen, und hebt hervor, dass Mund-Propaganda Bestseller generieren können. Bestseller-Formeln gäbe es nur für bestimmte Autoren der so genannten U-Literatur und deren Leserkreis. Beispielhaft nennt sie John Grisham, Donna Leon und Ildikó von Kürthy. Das „Strickmuster“ ist immer gleich – der Leser bekommt, was er erwartet. Diese Formeln seien aber nicht übertragbar - obwohl man versuchen kann, ein Buch mit einem Etikett zu versehen à la „Wenn Sie XY lieben, werden Sie auch dieses Buch verschlingen“. Dem entgegengesetzt sind Bestseller (wie Charlotte Roches „Feuchtgebiete“), die (zunächst) nicht vergleichbar sind, etwas „Neues“, „nie da Gewesenes“ versprechen; unabhängig von literarischer Qualität. Wolffheim referiert weiter über Vermarktung, die Vorteile eines attraktiven Autorengesichts, Marketingstrategien.

Petra Hermanns erzählt von ihrer Arbeit als Agentin auf dem Unterhaltungsmarkt – und schließt mit Zitaten aus „fünf typischen Telefonaten“: „was der Unterhaltungsmarkt von Autoren fordert“, fordern kann: mehr Dekolleté auf dem Cover, mehr Sex, Verlegung des Handlungsortes, wenn der ursprüngliche schon „abgegrast“ ist ...

Georg Reuchlein steuert Ansichten und Erfahrungen aus Verlegersicht bei, erläutert, warum der „Bestseller ... den Sündenfall der Literatur markiert“, wie sich die Branche in den letzten Jahrzehnten, z. B. durch Buchhandelsketten und Verlagskonglomerate, grundlegend verändert hat, wie Bücher kalkuliert werden, wie abhängig ein Verlag von erfolgreichen Büchern ist. Bestseller (abgesehen von bekannten Autorengrößen), so Reuchlein, scheinen – wenn überhaupt – nur nachträglich erklärt werden zu können. Im Nachhinein sei es „sonnenklar“, warum ein Buch erfolgreich war – das hülfe leider nicht, den nächsten Bestseller zu generieren; zumal der Erfolg eines Buches von vielen verschiedenen Faktoren abhinge.

Der Autor (und Germanist) Burkhard Spinnen beleuchtet zum Abschluss noch einmal die Trennung zwischen „E“ und „U“, das einstige Naserümpfen über alles Erzählte, welches mit einem Mal als trivial galt, im Gegensatz zu sprachlichen Experimenten der literarischen Moderne, die sich abgrenzen wollte von der Sprache der Massenmedien, begrüßt aber selbst „die Rückgewinnung des Erzählerischen für die E-Literatur“ – was jedoch leider bedeute, dass manches Buch heute in der Kritik nicht mehr auf seinen zweifellos vorhandenen tieferen Sinn befragt würde, da dessen „Anliegen und Aussagen mehr und mehr hinter der Story zu verschwinden drohe“.

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