Erst lesen. Dann schreiben

von Olaf Kutzmutz 
4,1 Sterne bei8 Bewertungen
Erst lesen. Dann schreiben
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Inhaltsangabe zu "Erst lesen. Dann schreiben"

Kreatives Schreiben – lässt sich das lernen?
Autoren wie Daniel Kehlmann, Robert Gernhard, Marcel Beyer oder Ulrike Draesner und Hanns-Josef Ortheil erläutern im Detail, wie sie sich Vorbilder gesucht und an den Texten dieser Autoren schreiben erlernt haben. Damit geben eine große Anzahl namhafter Schriftsteller in diesem Band Einblick in den intimen Vorgang, wie ihre Werke entstehen. Daraus können nicht nur diejenigen lernen, die mit dem Schreiben selber ernst machen wollen. Diese Selbstauskünfte geben auch den Lesern, die an den Autoren dieses Bandes interessiert sind, welche alle zu den wichtigen der heute schreibenden Schriftstellern gehören, überraschende und äußerst informative Einblicke in ihre Werke.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783630621159
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Sammlung Luchterhand
Erscheinungsdatum:11.06.2007

Rezensionen und Bewertungen

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    leseflusss avatar
    leseflussvor 3 Monaten
    Über die literarische Inspiration

    Der Schreibratgeber von Stephan Pormobka und Olaf Kutzmutz ist eine erkenntnisreiche Lektüre für alle, die von den Großen lernen wollen und wurde Robert Gernhardt gewidmet.

     

    "Zweimal zwei nicht vier" beginnt Robert Gernhardts Essay, der erste von 22 Autoren, die über ihre Lehrmeister und von Büchern, die sie literarisch inspiriert haben, berichtet. Der unlängst verschiedene Satiriker und Karikaturist bewunderte Georg Christoph Lichtenberg, sein "Sudelbuch" und dessen Lust, Zweifel zu streuen: "Immer sich zu fragen, sollte hier nicht ein Betrug stattfinden ... Zweifel an allem wenigstens EINMAL, und wäre es der Satz: zweimal 2 ist 4." Von ihm hat Gernhardt viel gelernt für seine schriftstellerische Tätigkeit und gibt das Wissen  großzügig an die Leser des Schreibratgebers von Stephan Pormobka und Olaf Kutzmutz weiter.  Da sein Beitrag die Herausgeber an seinem Todestag erreichte, haben sie ihren Band "Erst lesen. Dann schreiben" kurzerhand dem Unvergesslichen gewidmet.

     

    1 % Inspiration  - die Großen sind "Beobachtungs-Maniacs"

    Ulrike Draesner, Daniel Kehlmann, Antje Rávic Strubel und weitere sehr unterschiedliche Autoren schreiben über bedeutende, aber auch über unbekannte Bücher, der Besonderheit ihrer Verfasser und was man von ihnen lernen kann. Das Buch setzt auf produktives Lesen und erörtert das "Wie" des Schreibens, legt Wert auf Details und untersucht das sagbar gemachte Unsägliche durch die Großen. Da geht es um den "Beobachtungs-Maniac" Genazino oder um Nabokovs faszinierende Fähigkeit der "deutlichen Worte", die zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur Vorbilder zu haben, sondern auch Verschmähte klar abzulehnen.

     

    Einmal lautet die Frage, wie Georges Simenon in seine Figuren eintauchte und selbst zum Romancharakter wurde. Hans-Ulrich Treichel fordert dann die "Nachahmung als wichtige Technik zur Initiation in die literarische Tätigkeit". An anderer Stelle stellt Ulrich Greiner jedoch zerstörend fest, "dass Vorbilder nichts taugen, wenn man sich nicht von ihnen freihalten kann".

     

    Hinter jedem Essay verbirgt sich eine Aufgabe

    Am Ende ihrer Essays stellen die Autoren dem Leser jeweils eine Schreibaufgabe. Dies, um die "Schwelle zwischen Lesen und Schreiben abzusenken", wie es im Vorwort heißt. Nicht selten sind die Aufgaben nur mit ausdauernder Übung und immensem Zeitaufwand verbunden. Dafür kommt man aber seiner eigenen Stilvervollkommnung näher, schärft die persönliche Beobachtungsgabe und wird reich entlassen mit neuen Erkentnissen.

     

    99 % Transpiration

    Nicht jeder Essay versprüht jedoch den begehrten kreative Funken und regt zur eigenen literarischen Produktion an. Durch manche Ausführungen quält man sich beinahe, was sich wiederum mit Edisons Genie-Formel "1 % Inspiration und 99 % Transpiration" trösten lässt.

     

    Ein solch schwer zu lesender und kaum nachvollziehbarer Aufsatz kommt von Michael Rutschky. Er titelt seine Abhandlung mit "Besuche in der Unterwelt" und schildert die prosaische Wirkung des phänomenalen Sigmund Freuds. Bei Freud liefere außerdem das Scheitern die eigentliche Pointe, stellt Rutschky fest, führt aber nicht eindeutig aus, wie sich das denn offenbart. Woran Rutschky letztendlich selbst scheitert, ist seine Unverständlichkeit, die mal hier, mal da Freuds Schreiben und Wirken anpackt, sich aber immer nur vage herantastet mit Sätzen und Phrasen wie: "Jetzt beginnt so etwas wie Deutung", "mit mehr-minder starkem Befremden", bis er schließlich zugibt: "Womöglich weiß ich selber nur undeutlich, was ich sagen will." Besser gleich das Original lesen.

     

    "Erst lesen. Dann schreiben" ist ein anschaulicher technischer Ratgeber und eine Ermutigung, seine schriftstellerischen Vorbilder zu suchen und ihnen zu folgen. Aber Vorsicht sei geboten: Nicht die reine Nachahmung, sondern Umgestaltung und Abgrenzung bringt Autoren voran.

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    SVs avatar
    SVvor 11 Jahren
    Rezension zu "Erst lesen. Dann schreiben" von Stephan Porombka

    Lesen!
    „22 Autoren schreiben über Autoren und Bücher, von denen sie gelernt haben und die sie bewundern.“ – so stehts auf dem Buch, der vollständige Titel beschreibt den Inhalt schon genauer: ERST LESEN. DANN SCHREIBEN.
    Es geht darum, was man von genauer Lektüre lernen kann und was fürs eigene Schreiben dabei herauskommt. Dazu gibts am Ende jedes Kapitels eine Aufgabe.
    Eine Schreibschule also.
    Es gibt viel Diskussion um Schreibschulen, um creative writing, viele denken man braucht so etwas nicht.
    Ulrich Greiner, schätzenswerter Kritiker, und lernfähig, erzählt von einer Begegnung mit Juli Zeh, die am Literaturinstitut in Leipzig studiert hat (und unbedingt lesenswerte Bücher schreibt!): Sie sagt: warum sollen Maler, Musiker ihr Handwerk lernen und für Schriftsteller soll das nicht gelten?
    Das ändert die Sicht, die Herr Greiner aufs Schriftsteller-Handwerk-Lernen hat (er hat kürzlich Silke Scheuermanns neuen Roman „Die Stunde zwischen Hund und Wolf“ als
    Die Liebesgeschichte für das 21. Jahrhundert bezeichnet (wörtlich weiß ichs leider nicht mehr), was mir ein wenig übertrieben vorkommt, auch wenn ich ein großer Verehrer der Kunst von Frau Scheuermann bin, ausgelöst durch das immer noch Lieblingsgedicht „FLÜSTERNDE DÖRFER“.
    Da fällt mir ein, eine gute Gelegenheit, einmal wieder zu zitieren, ganz, vollständig, natürlich, unpassend ein wenig hier, jetzt, in diesem Zusammenhang, aber „es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Hier also:

    FLÜSTERNDE DÖRFER

    Obwohl unsere Städte ständig versuchen
    uns den Himmel vertrauter zu machen
    indem sie Aussichtspunkte
    Balkone Terrassen bereitstellen
    Obwohl sie behaupten man sehe von oben
    den womöglich zärtlichsten
    Punkt im All
    eine übergroße Murmel mit blauem Zentrum
    und sie uns Treppen und Aufzüge hochlocken
    uns die Sicherheiten zeigen
    Geländer und Netze
    die Schönheit
    der Leuchtreklamen
    Laster so klein dass wir uns selber
    riesig vorkommen
    Obwohl wir vom Lärm da unten
    fast schon betört sind
    hören wir manchmal das Flüstern der Dörfer
    und manchmal glauben wir etwas davon
    und springen
    wie Supermann

    Aus:
    Silke Scheuermann - Der zärtlichste Punkt im All. Gedichte
    So, genug Abschweifung, Klammer zu)

    Herr Greiner schreibt einen klugen Text über „Witiko“ von Adalbert Stifter. Selten, dass man so viel Vergnügen daran hat, wenn ein Roman auf Bauweise und Funktion hin untersucht wird.
    Ulrike Draesner untersucht „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert – grandios! Was für feine, kluge Entdeckungen man machen kann, wenn man mit ihr geht.
    Robert Gernhardt, dem der Band auch gewidmet ist, macht sich Gedanken über Lichtenberg. Natürlich, ein bisschen Lichtenberg kennt jeder, aber Gernhardt ist, völlig zu Recht, sehr streng er sagt: Nur wörtlich zitieren darf man Lichtenberg und gibt ein paar Beispiele wie Zitate getötet werden, verwässert, verstümmelt – ein Aufruf zur Genauigkeit also, im Zitieren genauso wie im Denken.
    Wann hätte man eine Schreibschule schon einmal von vorne bis hinten lesen wollen – hier gibt’s da keinen Zweifel!
    Wäre das Buch nur für Schreibambitionierte, müsste man nicht groß darüber reden, aber jeder Leser kann darin Hinweise, Hilfen, Anregungen finden. Ich denke man kann gut, mit dem Instrumentarium das einem hier von den 22 Autoren angeboten wird, vieles neu und wieder lesen, wird vielleicht mit geschärftem Blick und Verständnis an eines der feinsten Dinge herangehen dies gibt: Bücher

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    TheRavenkingvor 4 Jahren
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    IssieMuguetvor 6 Jahren
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    janett_marposnelvor 7 Jahren
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    Lisbetvor 8 Jahren
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    Julilangstrumpfvor 9 Jahren

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