Olaf Schwarzbach Forelle Grau

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Inhaltsangabe zu „Forelle Grau“ von Olaf Schwarzbach

»Mit Tränen in den Augen sitze ich auf Ingrids Couch, wippe vor und zurück. Der Schmerz ist unerträglich. Im Fernsehen Trabis, die sich hupend durch jauchzende Menschenmassen schieben. Sechs Stunden zuvor war mir der linke untere Weisheitszahn gezogen worden. Auch das noch, ist alles, was ich denken kann.« OL (bürgerlich Olaf Schwarzbach) ist Teil der kreativen Untergrundszene von Ostberlin. Sie warten auf die Ausreise, machen das Beste aus ihrer Zeit. Sie haben kaum Perspektiven, wenig Respekt und führen ein lustvolles Leben. Mit sechzehn hat er zum ersten Mal Kontakt zur Staatssicherheit, die ihn fortan Forelle nennt - vielleicht wegen seines Nachnamens, vielleicht weil seine Persönlichkeit so schillernd ist wie eine Regenbogenforelle. Als die Stasi während der Durchsuchung einer Wohnungsausstellung Kopien seiner systemkritischen Comics findet, verbrennt er die Originalzeichnungen und flieht. Eigentlich wollte er nie in den Westen. Direkt und ohne Eitelkeit erzählt OL seine ganz persönliche tragikomische Ost-West-Geschichte - weil er genervt ist von Erzählungen und Mythen über den Osten, die so gar nicht seinen Erinnerungen entsprechen, und vieles sieht er anders. Vor allem mit einer großen Portion Humor und Selbstironie.

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    Forelle Grau

    jamal_tuschick

    14. February 2015 um 11:49

    „Forelle Grau“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der im Großraum Berlin zwei Wohnungen für insgesamt fünfzig Mark Miete besaß und dann kam die Wende „Andere Kinder hatten liebevolle Großeltern. Ich hatte Pech.“ Man möchte hinzufügen: Auf der ganzen Linie. Die Mutter nimmt sich elf Tage vor seinem dritten Geburtstag das Leben. Das Kind kommt zu Leuten (Verwandten) und sagt Mutti zu der Frau, die da ist. Sechzehn Jahre später greift die Staatssicherheit den Fall auf und ordnet ihn unter „Forelle grau“ ein. Grau wie Schwarz und Forelle wie Bach. Schwarzbach erzählt sein Leben als OL. Der Cartoonist Olaf S. war „ein Mauerkind, großgeworden mit Wachtürmen, Flutlichtern, Patrouillen, Signaldrähten, Hunden und Elektrozäunen“. Nichts davon steht im Weg, als er kurz bevor die DDR „wie eine überhitzte Leberwurst platzt“ mit Apfelsaft, doch „ohne Mückenspray“ in Ungarn durch eines „der größten Sumpfgebiete Europas“ und den eisernen Vorhang nach Österreich gleitet. Schwarzbach schlägt in seinen Memoiren den lockeren „Bluesbruder“-Ton der unangepassten DDR-Jugend an. Den Anfang macht das Ende der Geschichte, der Künstler lebt gerade in Brighton, er beobachtet den Abflug der Stare im Land der richtigen Musik. Es scheint nichts Besonderes in Olaf zu stecken, er ist faul, fernsehsüchtig, Fußball ist auch egal. Die leibliche Tochter seiner Pflegeeltern haut ihm jahrelang die Hucke voll. Die „Oma“ beklaut ihn und mokiert sich über „die Memme“, die indes ungemein in die Höhe schießt. Olaf lässt sich vom „Neuen Deutschland“ zum Facharbeiter für Offsetdruck ausbilden. Der Meister sieht aus wie Lemmy Kilmister: „Eines Tages fing ich ihn auf, als er im Treppenhaus vom obersten Absatz herunter … stürzte. „Danke Jungs, weitermachen!“ lallte er.“ Ein Alltagstrott mit viel Alkohol bestimmt das Texttempo, die Sache bleibt trotzdem interessant. Schwarzbach archiviert die Schliche der Staatsferne. Er erinnert an idyllenmalerische Subversion so wie an den „Paragraf zur Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“. Im Arbeiter- und Bauernstaat müssen die Bluesbrüder und –schwestern „eine geregelte Arbeit“ nachweisen. Sie schustern sich gegenseitig Hausmeisterjobs und Toilettendienste zu. Sie erzeugen eine beträchtliche Akademikerdichte in der Friedhofspflege. Sie kontern die Selbstherrlichkeit der SED-Macht mit Fluxus-Methoden. Nach der Tschernobyl-Katastrophe gibt es plötzlich jede Menge Obst und Gemüse, das für den Westen bestimmt war, da aber keine Abnehmer findet. Inzwischen ist Schwarzbach paradiesisch in Prenzlauer Berg zuhause, er unterhält zwei Wohnungen für insgesamt fünfzig Mark Miete. Er weiß noch nicht, dass jetzt die Party stattfindet, die viele in der Zukunft vermuten. In der Greifenhagener Straße lernt er den Umgang mit einer Handhebelpresse. Mit seiner Korona praktiziert er das Prinzip „Saufen, bis der Kellner kotzt.“ So geht das immer lesenswert weiter. Ich verstehe „Die Geschichte von OL“ als Dokument der Geschichtsaneignung, als ein gelungener Versuch, die eigene Biografie nicht auf westlichen Allgemeinplätzen verkommen zu lassen.

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