Die Geschichte Karthagos

von Olde Hansen 
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Die Geschichte Karthagos
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flott übersetzt und mit hervorragendem Apparat - ein Gewinn für alle Karthago-Interessierten!

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Inhaltsangabe zu "Die Geschichte Karthagos"

„Dies ist die Geschichte Karthagos von Hannibal dem Kleinen von Portus Magonis, Sohn der Bilmit und des Adherbal von Karthago. Ich schreibe diese Worte im vierzigsten Jahr nach der Zerstörung der Stadt. Die Geschichte Karthagos soll nicht verschwinden wie ihre Bewohner, Schiffe, Mauern, Manufakturen und Lagerhäuser.“ Mit diesen Zeilen beginnt die Geschichte Karthagos von Hannibal Minor.
Hannibal lebte um 100 v. Chr. als Nachkomme einer alten karthagischen Familie auf der Balearen-Insel Menorca. Im vergangenen Jahr wurde seine „Karthagische Geschichte“ im dänischen Sakskøbing unter glücklichen Umständen entdeckt. Sie entpuppte sich schnell als eine wissenschaftliche Sensation und wird hiermit erstmals in deutscher Übersetzung vorgelegt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746735191
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:108 Seiten
Verlag:epubli
Erscheinungsdatum:20.06.2018

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    Beusts avatar
    Beustvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: flott übersetzt und mit hervorragendem Apparat - ein Gewinn für alle Karthago-Interessierten!
    Ein großer Schritt für die Karthago-Forschung

    Die Geschichte Karthagos aus der Feder Hannibal Minors kann – so schreibt es der kundige Herausgeber Olde Hansen in seinem Nachwort – zurecht eine „Sensation“ genannt werden, allerdings nicht nur eine „kleine“ (S. 93). Im Gegenteil: Mit diesem schmalen Band ist es gelungen, einer breiten Öffentlichkeit wie auch der Fachwelt eine authentische karthagische Stimme über Karthago – ja: aus Karthago sprechen zu lassen, wo sonst nur die Feinde der Stadt gesprochen haben. Die Geschichte wird von den Siegern gemacht, dieser Grundsatz ist Karthagos ewiges Verhängnis – gewesen. Denn mit der Darstellung Hannibals Minor ist nun die Stimme eines zeitgenössischen Historikers erklungen, die nicht eine „Verlierer-“ , sondern eine „Erfolgsgeschichte“ erzählen kann (S. 94). Wie die antike Handschrift überliefert und wiederaufgefunden wurde, ist eine dieser erstaunlichen Entdeckungsgeschichten der Kodikologie, wie sie über Parzivalhandschriften, den Codex Seraphinianus oder die Merseburger Zaubersprüche erzählt werden können. Die Übersetzer des lateinische Textes, Aake Jensen und Leif Sörensen, legen diese Geschichte in der Einleitung dar und fügen der Krone ihrer Alma Mater, der ehrwürdigen Universität Saksköbing, eine weitere Perle hinzu.

    Die Geschichte Karthagos aus der Feder Hannibals Minor stellt die Entwicklung Karthagos von den sagenhaften Anfängen bis zu ihrer Zerstörung durch die Legionen Roms dar. Dabei erweist sich Hannibal Minor sowohl als guter Erzähler wie auch als kundiger Kenner der Historien sowie der zeitgenössischen Politik, Technik und Geographie.

    Ausdrücklich zu loben ist der ausgezeichnete Anmerkungsapparat, den Herausgeber Hansen dem Text beifügt. Hier werden die Bezüge zu den historischen Ereignissen und zu den parallelen Überlieferungen der antiken Literatur und Geschichtswissenschaft in Kontext gesetzt und bewertet. Es zeigt sich insbesondere durch diesen gelehrten Kommentar, wie erstaunlich passgenau der kathagische Text die Lücken des bisher bekannten schließt und die bekannten Informationen auf wunderbare Weise verbindet.

    Dennoch ist das vorliegende Werk sicherlich nur ein erster Schritt zu einer umfassenderen und textkritischen Ausgabe der Historia Carthaginiensis, die auch mit einigen Lässlichkeiten der Herausgeber aufräumen sollte. Zunächst ist es bedauerlich, dass der Text nur in der deutschen Übersetzung vorliegt. Eine Edition des lateinischen Textes in einer zweisprachigen Ausgabe wäre mehr als wünschenswert gewesen, um die bisweilen doch sehr lässige Jensen/Sörensen-Übersetzung umgehen zu können.  Das Lektorat des Kommentarapparates ist für diesen Verlag ebenfalls ungewöhnlich nachlässig.

    Insbesondere aber stellen sich weder Einleitung noch Kommentar noch Nachwort der in der Forschung aktuell vordringlich diskutierten Frage, ob Hannibal Minor tatsächlich der Autor dieses Textes ist. Die Selbstauskunft des Autors (HM I, 1) stellt für einen Teil der Antikeforschung eine Quellenfiktion dar, die die eigentliche Entstehungszeit des Textes verschleiern soll. Angesichts der Fülle an Detailinformationen aus der Zeit der vermeintlichen Abfassung des Textes erscheint es logisch abzuleiten, dass „Die Geschichte Karthagos“ später verfasst worden sein muss, da ein Autor im Jahre 106 v. Chr. Unmöglich diese Fülle an Informationen gehabt haben kann. Der Zweifel an der Entstehungszeit des Textes korrespondiert mit der Diskussion über den Namen des Autors. Hannibal „der Kleinere“ (hier haben Jensen/Sörensen aus unbekannten Gründen den Komparativ nicht übersetzt, sondern schreiben „der Kleine“) gibt sich den Namen des berühmtesten Karthagers. „Gibt sich“ ist hier die richtigere Formulierung, denn mit dem Komparativ vergleicht sich der Historiker Hannibal Minor mit dem Feldherrn Hannibal magnus – ein Vergleich, den kein Historiker dieser Zeit für sich in Anspruch genommen hätte. Auch aus der Namensgebung des fiktiven Autors ergibt sich eine vermutlich spätere Autorschaft eines Nachkommen karthagischer Flüchtlinge. Eine im Sinne der „Material Philology“ vorgenommene Analyse der Originalhandschrift offenbart ja in der Buchstabenzeichnung Verwandtschaft zum Voynich-Manuskript und legt zumindest eine in Oberitalien zu vermutende Abschrift des Textes nahe.

    Abgesehen von diesen – vielleicht nur dem Experten auffallenden – Mängeln ist das von Hansen herausgegebene Bändchen für die Lektüre in Schule und Universitäten auch deshalb bestens geeignet, weil sie in frischer Übersetzung zu erschwinglichem Peis eine Rundschau über die Fachliteratur zu Karthago und vor allem eine nahezu vollständige Übersicht über die Karthago betreffenden antiken Quellen liefert.

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