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Boergdahl

vor 4 Jahren

Bewerbung/Ich möchte mitlesen

Die Journale – Vorwort

von Ole R. Börgdahl

Meine Frau und ich möchten noch einige Erläuterungen zu den Texten geben, die wir in dem vorliegenden Buch herausgebracht haben. Ausgangspunkt für unsere Arbeit war ein Artikel, den wir 1998 in einer deutschen Kunstzeitschrift veröffentlicht haben und der seinerzeit von einigen anderen Magazinen übernommen wurde. Dort haben wir unsere erfolgreiche Recherche nach der Herkunft eines noch unbekannten Gemäldes des französischen Malers Eugène Henri Paul Gauguin beschrieben. Die Entstehungsgeschichte des Bildes war dabei in erheblichem Maße mit dem Schicksal der Familie Jasoline verknüpft, da ein Mitglied dieser Familie, die Tochter Julie, auf dem oben genannten Meisterwerk abgebildet war. Ich benutze bewusst die Vergangenheitsform, weil das Bild heute nicht mehr existiert. Es wurde während einer Ausstellung durch einen Brand vernichtet. Die Angelegenheit war für uns damit vollständig abgeschlossen.

Dies hat sich allerdings geändert, als uns neue Dokumente zugespielt wurden. Im Zuge meiner Recherchen bin ich seinerzeit in Paris auf eine Adresse gestoßen, unter der eine weitere Tochter der Familie Jasoline gelebt hat. Es handelte sich um Madame Thérèse Pallet, der Zwillingsschwester von Madame Julie Jasoline. Besagte Dokumente wurden im Nachlass von Madame Pallet gefunden und uns freundlicherweise von den Behörden überlassen. Schon bei der ersten Sichtung keimte in uns der Wunsch auf, die Geschichte der Familie Jasoline zu erzählen.

Für diejenigen, die unseren damaligen Bericht über das Gauguin-Gemälde nicht kennen, möchten wir noch einmal kurz rekapitulieren. Das Ehepaar Yvette und Victor Jasoline hatte zwei Töchter, die Zwillingsschwestern Julie und Thérèse. Anfang des 20.-Jahrhunderts sind diese Menschen dem französischen Maler Paul Gauguin auf der Marquesas-Insel Hiva Oa in Französisch-Polynesien begegnet. Die Begegnung hatte für den weiteren Lebensweg der Familie Jasoline keinerlei Bedeutung. Wir sahen darin aber den Auslöser, uns noch einmal näher mit der Geschichte der Familie Jasoline zu beschäftigen.

Wir haben lange überlegt, in welcher Form uns dies gelingen könnte. Wir haben schließlich entschieden die betroffenen Personen in übertragenem Sinne selbst sprechen zu lassen. Die Dokumente, die uns überlassen wurden, boten sich für ein solches Vorgehen geradezu an, da es sich um Journale handelte, also um Tagebücher. In dem Nachlass von Madame Pallet wurden eben diese Journale gefunden. Das Material wurde von uns vollständig gesichtet. Uns interessierte vor allem der Zeitraum ab 1895, dem Geburtsjahr der Zwillinge Thérèse und Julie. Von der Mutter Yvette Jasoline gab es noch Aufzeichnungen aus den Jahren 1881 bis 1895. Wir haben uns dann entschieden, bis ins Jahr 1890 zurückzugehen, weil sich Victor und Yvette etwa in dieser Zeit kennengelernt haben und hier auch über die Gründe berichtet wird, warum die Eheleute nach Französisch-Polynesien übersiedelten.

Es hätte Bände gefüllt, jedes geschriebene Wort aus den Tagebüchern zu übernehmen. Yvette und ihre Töchter konnten jedoch nicht mehr selbst entscheiden, welche Passagen aus ihren Texten für eine Veröffentlichung verwendet werden sollten. Diese Entscheidung mussten wir übernehmen. Mit der Sichtung des Materials, nach wiederholtem Lesen, nach vielen Diskussionen zwischen meiner Frau und mir, haben wir schließlich die wesentlichen Ereignisse herausgefiltert. Wir haben auch auf die Lesbarkeit geachtet und betroffene Passagen geändert, ohne dabei den Gesamtzusammenhang der Lebensereignisse zu verfälschen. Bei den abgedruckten Tagebucheinträgen handelt es sich also um Auszüge. Der erste von uns verwendete Eintrag, geschrieben von der noch unverheirateten Madame Yvette Jasoline, geborene Malkoue, datiert vom 31. März 1890, der Letzte, geschrieben von ihrer Tochter Madame Thérèse Pallet, stammt vom 31. Dezember 1961. Dazwischen liegen einundsiebzig Jahre im Leben der Autorinnen. Wir hoffen mit den kleinen redaktionellen Änderungen sowie mit der Auswahl der Tagebucheinträge im Interesse der Betroffenen gehandelt zu haben.

Taiohae, im Dezember 2005 – Florence Uzar und Georg Staffa

Autor: Ole R. Börgdahl
Buch: Ströme meines Ozeans
1 Foto

Boergdahl

vor 4 Jahren

Hallo,

für die Leserunde stelle ich eBooks zur Verfügung, und zwar in den Formaten mobi (Kindle), ePub und PDF.
Das Buch liegt leider nicht in gedruckter Form vor.

Gruß

Ole R. Börgdahl

bs1958

vor 4 Jahren

Bewerbung/Ich möchte mitlesen

Heute mache wohl ich mal den Anfang :-)

Sehr gerne würde ich die Familie in diesem Teil der 71 Jahre begleiten. Vermutlich muss ich mir dann auch noch die restlichen Jahre "reinziehen", aber dieses Risiko (SuB-Aufbau und nicht Abbau) gehe ich gerne ein. Mein bevorzugtes Format wäre für den Kindle.

Schaue meiner Glücksfee ganz tief in die Augen und springe kopfüber in den Lostopf.

Eine Rezi von mir würde es selbstverständlich hier bei FB, bei Amazon und auf meinem Blog geben.

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bs1958

vor 3 Jahren

Leserunde: Yvette 1890 - 1914
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So, nun zu meinem Fazit für den ersten Abschnitt.

Bis jetzt, unglaublich interessant, man kann sein bereits wieder vergessenes Schulwissen auffrischen. Bei mir liegt der Geschichtsunterricht doch schon einige Zeit zurück.
Die Beschreibungen der Reisen sind toll, fast möchte man die Routen selbst einmal abschippern. Der Lesegeschmack von Yvette ist ja anfänglich ziemlich dürftig ausgeprägt. Außer Sir Doyle's Romanen, die ich auch alle kenne und liebe, liest sie ja nur “Reisebeschreibungen“. Wobei, ich muss gestehen, Jule Verne's “Reisebericht“ habe ich auch gelesen und im Regal stehen. Faro könnte man fast auch dort ansiedeln ;-)

Yvette hat durch ein Schiffsunglück eine Tochter verloren, ein wirklich harter Schicksalsschlag. Ihre erste Reaktion ist ja noch verständlich, aber dann geht es mir wie ihrem Vater. Sie hätte zumindest eine Aussprache mit Victor zulassen sollen/müssen. Er trauert ja schließlich auch um seine Tochter und wird sich schwere Vorwürfe machen. Wenn man es näher betrachtet, wurde ihm ja auch noch seine zweite Tochter genommen.
Das Verhalten von Thérèse finde ich, gelinde gesagt, sehr merkwürdig, sie versucht nicht einmal Kontakt zu ihrem Vater herzustellen. Der Großvater hätte ihr mit Sicherheit geholfen. Victor war doch ein liebevoller Vater, wenn man so liest, was er alles für die Mädchen gebaut/gebastelt hat.

In einem Tagebuch wird leider immer nur eine Seite beleuchtet. Cool wäre es, wenn er auch Tagebuch geführt hätte und die zufällig noch auftauchen würden. Über sein Leben danach würde auch gerne mehr erfahren.

Jetzt lieber Ole, würde mich aber auch noch interessieren, ob die Originale wirklich so nüchtern geschrieben sind? Ist eventuell das Zwischenmenschliche Deinem “Rotstift“ zum Opfer gefallen (in Faro ist es ja auch ein bisschen knapp ausgeprägt)? Meiner Meinung nach schreibt eine Frau wesentlich gefühlvollere Einträge, war Yvette wirklich so kühl und distanziert von ihrem Wesen her? Oder menschelt es evtl. in den weiteren Abschnitten, wenn die “Tagebuchschreiberin“ wechselt?

Jetzt beginnt ja der Erste WK, werde mal tief in meinen Erinnerungen graben und hoffentlich die Erzählungen von meinem Opa zu Tage fördern können, der wurde nämlich bei der Schlacht um Verdun verletzt.

Noch eine kurze Info. Trotz manchmal großer Leseabstände, lese gerade 4 Bücher gleichzeitig und das auch noch auf dem Handy, habe ich das Personenverzeichnis bis jetzt noch nicht zu Rate ziehen müssen. Die Personen bleiben durch ihre Ausarbeitung oder Taten recht gut im Gedächtnis haften (allerdings ist mein Personengedächtnis auch irgendwie viel ausgeprägter als mein geschichtliches Jahreszahlengedächtnis).

Stürze mich jetzt in den zweiten Abschnitt.

Boergdahl

vor 3 Jahren

Fazit
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@Sporttante

Hallo,

so schnell konnte ich gar nicht schauen, wie Du heute geschrieben hast.
Hast Du die Wäsche jetzt in trockenen Tüchern?

Es freut mich, dass es Dir ein wenig gefallen hat.
Deine Rezension ist wirklich schön und Du hast ja auch so zahlreiche Kommentare abgegeben, die ich immer sehr interessant fand.
Vielleicht könntest Du die Rezension noch dort veröffentlichen, wo Du sonst Deine Bücher kaufst. Das würde mich sehr freuen.

Leider ist uns bs1958 bei der Leserunde abhandengekommen und so bist Du die Einzige...
Ich werde aber mal vorsichtig bei ihr nachfragen.

"Ströme meines Ozeans" war so nicht geplant.
Schau Dir bitte den Link an und Du verstehst vielleicht, was ich meine.

http://boergdahl.wordpress.com/falschung-und-die-journale/

Es war also mehr ein Experiment, kein klassischer Roman.

Als Autor hatte eigentlich vorgesehen, dass die Leser mit "Fälschung" beginnen und dann mit den Tagebuchromanen weitermachen.

Viele Leser haben mir aber geschrieben, dass es auch anders geht.

Wenn Dich der Rest auch noch interessiert, dann sag es mir.
Natürlich ganz unverbindlich...
Bei eBooks braucht man je keine Angst zu haben, dass sie im Regal verstauben.

Ja, Julie lebt. In "Zwischen meinen Inseln" kommt sie zu Wort und später noch einmal Therese.
Und in "Fälschung" erfährst Du, wie ich überhaupt zur Familie Jasoline gekommen bin.

Nochmals danke für Deine Beteiligung an der Leserunde.

Gruß

Ole

Sporttante

vor 3 Jahren

Fazit

Habe ich gerade gemacht!

Boergdahl

vor 3 Jahren

Leserunde: Yvette 1890 - 1914
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@bs1958

Hallo,
da hast Du ja kräftig losgelegt.

Ja, ich bin schon öfter angesprochen worden, ob es nicht mehr von Victor gibt. Aber mal sehen...

Ja, es gibt mehrere Gründe, warum der Schreibstil nüchtern ist.
Natürlich ist zu intimes tatsächlich dem "Rotstift" zum Opfer gefallen.
Dann lebt Yvette im ausgehenden 19.-Jahrhundert. Obwohl sie ihr persönliches Tagebuch führt, hält sie sich zurück, weil sie so erzogen wurde.
Ein andere Grund mag sein, dass ich was die Gefühle betrifft noch üben muss... Aber vielleicht mache ich das ja alles mit Absicht.

Wie gesagt, das Personenverzeichnis ist kein Muss.
Ich schaue allerdings selbst ganz gerne hinein, um meine Erinnerungen aufzufrischen.

Ich freue mich über weitere Kommentare von Dir, lass Dir aber Zeit...

bs1958

vor 3 Jahren

Leserunde: Yvette 1915 - 1938
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So lieber Ole, Schulung beendet Prüfung bestanden und endlich Zeit zum Weiterlesen vorhanden.

Der plötzliche Tod von Yvette hat mich überrascht. Tendiere zum Freitod und nicht zum Unfall. So ganz genau hast Du es ja nicht erklärt, oder ist mir da etwas unter der Lesebrille durchgerutscht?

Bin mir ziemlich sicher, dass sie wirklich Julie gesehen hat. Hätte sie mal lieber die Briefe von Victor vor dem Verbrennen gelesen. Wie sagt man so schön? C'est la vie

Die Reise in die nähere Vergangenheit ist faszinierend. So sollte man im Geschichtsunterricht die wichtigen Jahreszahlen und Ereignisse erklärt bekommen, dann blieben sie auch im Kopf.

Hut ab, vor der Deiner Recherchearbeit, die muss ja enorm gewesen sein und sehr viel Zeit in Anspruch genommen haben.

Deine Idee von einem Roman in reinem Tagebuch-Format ist doch eher ungewöhnlich, hat aber auf jeden Fall einen gewissen Reiz. Jetzt kommt allerdings mein kleines oder großes aaaber.

Mir geht es gerade wieder wie bei Faro, es wird zuwenig Gefühl transportiert. Ein Tagebuch ist doch etwas ganz persönliches, da schreibt man doch seine wirklichen Empfindungen hinein, und nicht die, die man den anderen zeigt. Also so mache ich das jedenfalls ;-)

Bei Yvette kommt es mir vor, als ob sie absolut gar keine eigene Meinung hat. Sie schreibt nur nieder, was sie gelesen hat oder was ihr jemand gesagt hat. Das ist mir persönlich viel zu wenig. Sie zeigt nur ein paar wenige Male angedeutete Gefühle, zum Beispiel beim Verbrennen der Briefe (und das war meiner Meinung nach ein Fehler, sie hätte evtl. ein viel schöneres Leben mit ihrer ganzen Familie haben können). Das wollte wohl der Autor aus dramaturgischen Gründen so ;-)

Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht und ob Therese vlt. "menschlichere" Einträge in ihr Tagebuch macht. Über Ihre Gefühle über den Verlust des geliebten Mannes und warum sie sich nicht wieder wirklich für eine neue Beziehung öffnet erfahren wir ja von ihrer Mutter leider nicht. Das Zwischenmenschliche kam zwischen den beiden Damen sowieso irgendwie etwas zu kurz.

Ich hoffe Du bist mir nicht böse, aber das sind meine Empfindungen.

LG,
Birgit

Boergdahl

vor 3 Jahren

Leserunde: Yvette 1915 - 1938
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@bs1958

Hallo,

schön, dass Du noch dabei bist.
Ja die Gefühle...
Was soll ich sagen...
Du kennst meinen Stil...
Gruß
Ole

Boergdahl

vor 3 Jahren

Leserunde: Yvette 1915 - 1938
@bs1958

Birgit,

jetzt schaue ich jeden Tagen auf die Leserunde, wo mir Deine Meinung doch wichtig ist...

Gruß
Ole

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