Oleg Jurjew

 2.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Unbekannte Briefe, Die russische Fracht und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Oleg Jurjew

Oleg Jurjew wurde 1959 in Leningrad als Sohn einer Hochschullehrerin für englische Sprache und eines Violinisten und Konservatoriumsdozenten geboren. An der Leningrader Hochschule für Volkswirtschaft und Finanzen absolvierte er ein Studium in der Fachrichtung »Wirtschaftliche Mathematik und Theorie der Systeme«. Sein schriftstellerisches Arbeiten begann 1970. 1989 erschien der erste Lyrikband Gedichte über den himmlischen Satz, 1990 ein Buch mit zwei Theaterstücken unter dem Titel Zwei kurze Stücke (Leningrad 1990). 1991 übersiedelte Oleg Jurjew mit seiner Familie nach Deutschland. Ein Jahr später wurden drei Theaterstücke, Kleiner Pogrom im Bahnhofsbuffet, Miriam und Sulamith oder Die Kinder Jerusalems ins Deutsche übersetzt und an deutschen Theatern inszeniert. Ein erster Prosaband mit dem Titel Spaziergänge unter dem Hohlmond erschien 1993 in Russland und wurde für den russischen Booker-Preis nominiert. Eine Auswahl kam ein Jahr später in deutscher Übersetzung unter dem Titel Leningrader Geschichten heraus. 1996 veröffentlichte er auf russisch den Prosaband Der Frankfurter Stier, der im selben Jahr in deutscher Übersetzung erschien. 1999 wurde in Deutschland der Roman Halbinsel Judatin publiziert. Die russische Ausgabe wurde 2000 für den russischen Booker-Preis und den Nationalen Bestseller-Preis nominiert. Jurjew übertrug russische Texte ins Deutsche und schrieb auch selber auf deutsch – zum Beispiel die Kolumnen »Jurjews Klassiker« für den Berliner Tagesspiegel. 2002 erschien der kaleidoskopische Roman Spaziergänge unter dem Hohlmond in der edition suhrkamp, ein Jahr später, ebenfalls bei Suhrkamp, der Roman Der neue Golem oder Der Krieg der Kinder und Greise. Es folgten zwei Lyrikbände, die bislang noch nicht in deutscher Übertragung vorliegen. In jüngster Zeit sind von ihm im Insel Verlag der Band Zwanzig Facetten der russischen Natur mit Bildern von Kusma Petrow-Wodkin erschienen (2008) und bei Suhrkamp der Roman Die russische Fracht (2009). Jurjew verstarb am 5. Juli 2018 in Frankfurt am Main.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Oleg Jurjew

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Cover des Buches Unbekannte Briefe (ISBN: 9783957322333)

Unbekannte Briefe

 (1)
Erschienen am 20.03.2017
Cover des Buches Die russische Fracht (ISBN: 9783518420768)

Die russische Fracht

 (1)
Erschienen am 23.02.2009
Cover des Buches Zwanzig Facetten der russischen Natur (ISBN: 9783458193074)

Zwanzig Facetten der russischen Natur

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Erschienen am 22.09.2008
Cover des Buches Von Orten. Ein Poem (ISBN: 9783936826760)

Von Orten. Ein Poem

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Erschienen am 10.10.2015
Cover des Buches Spaziergänge unter dem Hohlmond (ISBN: 9783518122402)

Spaziergänge unter dem Hohlmond

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Erschienen am 24.04.2002
Cover des Buches Das Buch Nero (ISBN: 9783884233283)

Das Buch Nero

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Erschienen am 01.07.2009
Cover des Buches Von Zeiten. Ein Poem (ISBN: 9783936826777)

Von Zeiten. Ein Poem

 (0)
Erschienen am 10.10.2015

Neue Rezensionen zu Oleg Jurjew

Neu

Rezension zu "Unbekannte Briefe" von Oleg Jurjew

schon sehr speziell
Gwhynwhyfarvor 3 Jahren

»Ins ›Eisenhüttenarchiv‹ lässt man mich nicht, obgleich ich das beruflich brauche, ich muss ja für das Buch über die Dekabristen an der Petrinischen Eisenhütte recherchieren. Allerdings ist dort sowieso beinahe nichts mehr zu finden, denn der Wächter Puchow versoff die Archivakten in der Schänke beim Turutanow oder verkaufte sie als Hüllpapier an die Juden und an die Händler Podosjonow.«

Leningrader Künstlerzirkel, russische Schriftsteller, Oleg Jurjew behauptet fiktiv, er sei in den Besitz einiger Briefe gekommen: nicht abgeschickte Briefe des Schriftstellers Leonid Iwanowitsch Dobytschin an den Literaturkritiker Kornei Iwanowitsch Tschukowski und die von Iwan Pryschow an Dostojewski, ein Brief von Jakob Michael Reinhold Lenz Nikolai Michailowitsch Karamsin.

»Die Maus Tischurilka-Sarnatsch! Was des Katzens Freud, das der Mäuse Leid, nun zahlt der Kater den Preis fürs Mausen: Für den Betrug mit der ›Befreiung der Leibeignen‹, für das Elend und die Erniedrigung des russischen Volkes, für die Leiden der Vorkämpfer des Volksgücks, die in die Gefängnisse und Zuchthäuser gesteckt wurden, für den Strafgefangenen Iwan Pryschow, den man der Wissenschaft, dem kultivierten Umgang entriss, der seine besten Lebensjahre in den Kasematten verlor.«

Man muss vorsichtig sein in einem Land der Spitzel und trotzdem muss manches gesagt werden. Aus den Briefeschreibern sprudeln die Worte heraus. Der Schriftsteller Dobytschin schreibt verärgert, Sowchose Schuscharen würde eine halbe Planstelle als Wirtschaftsstatistiker besetzen. Das habe ihn in den Suizid getrieben. Bisher nahm man an, der Leningrader Schriftstellerverbands habe ihn in den Tod getrieben, der unter Stalin die Kreativität gegen Bürokratie eintauschte.

»Haha, Ihren ›Semjon Jakowlewitsch‹ aus dem Kapitel der ›Dämonen‹, in dem eine Gesellschaft liberaler Ironiker den greisen Narren in Christo besucht, hat der reiche Dostojewski ja beim armen Pryschow ausgeliehen, aus seinem Buch über Iwan Jakowlewitsch Korejscha, dem berühmtesten Moskauer Sonderling, Abgott aller Abergläubigen und Tartüffe! Beklaut wie Leiche, sagt das russische Volk! Zwar ist Pryschow beinahe eine Leiche, im sibirischen Grabe, doch immer noch beinahe!«

Schon 1859 machte der Wodkahandel in Russland 20 Prozent des inneren Warenumsatzes und fast 46 Prozent der Staatseinnahmen aus. 1982 machte die Alkoholsteuer ein Drittel der Steuereinnahmen und ein Drittel des gesamten Konsums aus. Iwan Pryschow hat über die Entstehung der russischen Kaba, »Tinkhäuser« und die staatliche Pflicht des Saufens ein Buch geschrieben, ein wichtiger russischer Schriftsteller. Ich hatte etwas Mühe mit dem Buch. Mich interessiert russische Literatur und ich kenne sicher einige Namen. Unzählige russische Literaten werden in diesem Buch aufgezählt, Verhältnisse gegeneinandergestellt. Es war mir zu müßig sie alle zu googeln, denn das allein hätte mir zum Verständnis der Zankereien auch nicht weitergeholfen.
Es wird über Gulags berichtet, über das Einfrieren der Gedanken und es wird verdammt viel über Kollegen hergezogen. Neid unter Schriftstellern. Kauzige Typen, Groteske, wer hat vom wem abgeschrieben und wer hat wen in seinen Büchern karikiert? Allein, dass man sich selbst im Roman des Kollegen wiederzuerkennen vermag, zeigt anscheinend, wie berühmt und wichtig man ist. Diese Stellen sind amüsant.

Rückblick in die russische Literatur, in die Vergangenheit des Stalinismus, mit dem Spiegelbild der heutigen Gesellschaft der Angst. Ein interessantes Buch, sicher. Aber richtig interessant wird es wohl nur für die Leser, die sich ziemlich tief in der russischen Literatur auskennen.

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