Olga Flor Kollateralschaden

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Inhaltsangabe zu „Kollateralschaden“ von Olga Flor

Eine Stunde am frühen Abend in und um einen Supermarkt. Lichter, Autos, Menschen. Eine Allegorie des Alltäglichen. In ihrem neuen Roman stellt uns Olga Flor eine Reihe von Personen vor, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet: die 29-jährige Doris etwa, die hier regelmäßig und fast immer kalorienbewusst einkauft; den Rentner Horst, ehedem im Stadtbauamt tätig und nun für die Pflege seiner krebskranken Frau zuständig; Anton, einen Obdachlosen ... Im Takt der Minuten beobachtet die Autorin das Treiben, dem keiner unbeschädigt entkommt. Man folgt den Gedanken und Handlungen dieser Menschen. Ihre Sehnsüchte und Schwächen kommen einem dabei ebenso nahe wie das unmittelbare Geschehen selbst, das in einem Überfall kulminiert. Ein packendes Stück Gegenwartsliteratur von analytischer Schärfe.

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  • Rezension zu "Kollateralschaden" von Olga Flor

    Kollateralschaden
    ZwergPinguin

    ZwergPinguin

    06. March 2009 um 16:34

    Wieder ein Buch aus Österreich - diesmal ist es Olga Flor. Sie schildert auf über zweihundert Seiten die Ereignisse einer einzigen Stunde in und vor einem ganz gewöhnlichen Supermarkt. Aus der Perspektive verschiedener Beteiligter beschreibt sie den Schauplat einer Attacke. Der schnelle Wechsel zwischen einer Vielzahl von Personen und Einzelschicksalen wirkt am Anfang etwas unübersichtlich. Da ist zum Beispiel der Rentner Horst, der hilflos versucht, sich mit Einkaufen davon abzulenken, dass seine Frau gerade an Krebs operiert wird und er Angst vor der Zukunft hat. Doris, 29 und Single, ist auf dem Weg zu einem Ernährungstreffen mit Bekannten, die ihr eigentlich nichts bedeuten, und fühlt sich innerlich leer und allein. Der Obdachlose Anton möchte einfach nur etwas zu essen kaufen, er hat sogar Geld und wird trotzdem vor die Tür gesetzt. Luise H.-W., Politikerin Mitte 40 mit etwas komplizierten Männergeschichten und unangenehmen Erinnerungen an eine Wahlveranstaltung, hat eigentlich keine Zeit und hetzt durch den Supermarkt, ständig bemüht ihre Schwächen zu kaschieren und ihre Wirkung auf andere abzuschätzen… Tobias, der Lehrling im Supermarkt, dem seine Lehre so gar nicht gefällt, der Teenager Mo (Morgan), der mit seinem Leben unzufrieden ist und die Menschen aufrütteln möchte, Anna K. verheiratet mit einem Alkoholiker mit der Sehnsuchtnach Wärme und Essen, Stephanie, die Frau mit dem Kinderwagen, Oswald, der in Scheidung lebt……. Die Liste ist lang. Eigentlich haben diese Menschen nichts gemeinsam - und doch verknüpft die Autorin ihr Schicksal miteinander, webt ein Netz durch die Gedanken der einzelnen, die sich gegenseitig mal mehr mal weniger beim Einkaufen wahrnehmen. Es liegt eine Spannung in der Luft, viele Andeutungen werden gemacht,und als schließlich etwas geschieht und die Situation eskaliert, ist der Leser selbst zum Zuschauer geworden, der hier und da ein Stückchen Leben der anderen aufgeschnappt hat, der selbst nicht alles kennt und nicht alles versteht. Wie ein großes Puzzle setzt sich schließlich die Geschichte zusammen - und man bleibt letztlich atemlos zurück und fragt sich, wie aus dem ganz normalen Alltag eine Katastrophe werden konnte. Dieses Buch ist beeindruckend, auch wenn es nicht gerade einfach ist. Stückchenweisesollte man es besser nicht lesen, da man sonst schwer die Schicksale der einzelnen Personen auseinander halten kann. Gerade weil er so viele Personen sind (es gibt kein Personenregister, das geht auch gar nicht, weil es entweder nur eine Auflistung von Namen wäre oder schon zuviel verraten würde), bietet es sich an, wenn man als Leser Notizen anfertigt um die kleinen Schnipsel von verschienden Leben, die die Autorin einem nach und nach serviert, zusammensetzten zu können. Die Handlung selbst lässt sich kaum wiedergeben, sie steht auch nicht im Mittelpunkt - sondern das Bild, das entworfen wird: die Beziehungen der Menschen untereinander, Selbstbild, Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung - das sind die eigenltlichen Themen dieses kleinen Kunstwerks.

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  • Rezension zu "Kollateralschaden" von Olga Flor

    Kollateralschaden
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. August 2008 um 15:23

    Menschen kommen, Menschen gehen. In keiner Einrichtung ist dies so gut zu beobachten wie in einem Supermarkt. Genau 60 Minuten lang leuchtet die Autorin Olga Flor das Leben verschiedenster Charaktere bis hin zu den tiefsten Winkeln ihrer Seelen aus. Zufällige Menschen mit den unterschiedlichsten Lebenshintergründen treffen hier als Unbekannte aufeinander. Sei es eine allein lebende Singlefrau, eine Politikerin, ein abgehalfterter Journalist oder auch nur der Kaufmannslehrling des Supermarktes. Jede dieser Figuren hat ihre Geschichte, eine mehr die andere weniger. Und durch dieses Gewirr von Gedanken, Wünschen und Ansichten windet sich der Leser ohne erkennbare Handlung bis sich gegen Ende hin alles zu verdichten scheint und mit einem Knall alles umgeworfen wird und die Charaktere zu kollidieren beginnen. Wie bereits geschrieben gibt es in Olga Flors neuen Roman [b]Kollateralschaden[/b] keine eindeutige Handlung im herkömmlichen Sinne. Der Leser folgt eher vielen kleineren Handlungen gleichzeitig deren einziger Dreh- und Angelpunkt die Zeitebene ist auf der sich alles zur selben Zeit abspielt. Minute für Minute, Absatz für Absatz schreitet das Buch voran. Gerade in dieser -ich nehm jetzt 6 Kurzgeschichten und tu alles in den Mixer- Schreibweise sehe ich als Leser auch das größte Manko des Buches. Auch wenn die Geschichten zum Teil ineinander fließen und sich überschneiden muss man des öffteren nachdenken mit wem man es nun wieder zu tun hat und bei welcher Geschichte man den Faden wieder aufnehmen muss. Verschmerzt man dies und hat sich mal daran gewöhnt erwartet den Leser mit [b]Kollateralschaden[/b] ein überraschend scharfsinniges und mit guten Blick für Details geschriebenes Buch dessen Sprache sich von Charakter zu Charakter ändert. Wie eine Fotografin scheint Flor einfach mit ihrer Kammara draufzuhalten und abzudrücken ohne jedoch vorher durch den Sucher geblickt zu haben. Was auf den Bildern zu sehen ist sind zufällige Menschen von denen jeder seinen eigenen Weg geht. Manchmal sind die Bilder etwas unscharf was aber nicht störend wirkt da die Feder der Autorin die scheinbar banale Realität so preziese einfängt das ich mir als Leser immer wieder sagen musste -das kennst du doch von wo-. Dies ist auch die große Stärke des Buches. Charaktere wie auch Handlung völlig zufällig wirken zu lassen. Nicht jetzt eine Hand voll Personen mit Problemen und Komplexen in einen Supermarkt zu sperren sondern alles völlig freiwillig wirken zu lassen. Schon fast so als ob Flor keinen Einfluss mehr auf ihre Charaktere hätte. Und jene vielgeschriebene Zufälligkeit ist es dann auch am Ende des Buches daß einen auffahren und die Soziale/Gesellschaftliche Kritik wahrnehmen lässt die sich schon die ganze Zeit über, bitterböse und makaber, in den Unterton der Erzählung gemengt hat. Mit Präzision und scharfer Klinge häutet Olga Flor hier diese Zwiebel. Für Freunde deutscher Literatur äußerst empfehlenswert.

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