Olga Grjasnowa

 4 Sterne bei 324 Bewertungen
Autorenbild von Olga Grjasnowa (© René Fietzeck)

Lebenslauf von Olga Grjasnowa

Die deutsche Schriftstellerin Olga Grjasnowa wurde am 14.11.1984 in Baku, Aserbaidschan geboren. Sie wuchs im Kaukasus auf. 1996 zog sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Deutschland, wo sie noch heute in Berlin lebt. Nach ihrem Abitur nahm sie zunächst im Jahr 2005 ein Studium der Kunstgeschichte in Göttingen auf, ehe sie dann aber ans Deutsche Literaturinstitut Leipzig wechselte. Neben Studienaufenthalten in Polen und Israel studierte sie auch an der UDK in Berlin und am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau. Olga Grjasnowa nahm 2007 am Klagenfurter Literaturkurs teil und wurde ein Jahr später Stipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung. 2010 besuchte sie die Jürgen-Ponto-Schreibwerkstatt. Im gleichen Jahr wurde sie mit dem Dramatikerpreis der Wiener Wortstätten für ihr Debütstück "Mitfühlende Deutsche" ausgezeichnet. 2011 erhielt sie das Grenzgängerstipendium der Robert Bosch Stiftung. Mit ihrem 2012 erschienenen Romandebüt "Der Russe ist einer, der Birken liebt" geriet sie sofort in den Fokus der Öffentlichkeit und wurde von bedeutenden Kritikern in diversen Feuilletons gewürdigt. Ihr Debütroman schaffte auf Anhieb den Sprung in die Longlist des Deutschen Buchpreises 2012.

Alle Bücher von Olga Grjasnowa

Cover des Buches Der Russe ist einer, der Birken liebt (ISBN: 9783423142465)

Der Russe ist einer, der Birken liebt

 (177)
Erschienen am 01.09.2013
Cover des Buches Gott ist nicht schüchtern (ISBN: 9783746634395)

Gott ist nicht schüchtern

 (82)
Erschienen am 17.08.2018
Cover des Buches Die juristische Unschärfe einer Ehe (ISBN: 9783423144902)

Die juristische Unschärfe einer Ehe

 (32)
Erschienen am 22.04.2016
Cover des Buches Der verlorene Sohn (ISBN: 9783351037833)

Der verlorene Sohn

 (18)
Erschienen am 07.09.2020
Cover des Buches Gott ist nicht schüchtern: Roman (ISBN: 9783841212863)

Gott ist nicht schüchtern: Roman

 (4)
Erschienen am 17.03.2017
Cover des Buches Der verlorene Sohn: Roman (ISBN: B08736JJQ4)

Der verlorene Sohn: Roman

 (2)
Erschienen am 07.09.2020
Cover des Buches Die Macht der Mehrsprachigkeit (ISBN: 9783411756582)

Die Macht der Mehrsprachigkeit

 (0)
Erschienen am 16.03.2021
Cover des Buches Der Russe ist einer, der Birken liebt (ISBN: 9783899033649)

Der Russe ist einer, der Birken liebt

 (7)
Erschienen am 17.02.2012

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Olga Grjasnowa

Cover des Buches Der Russe ist einer, der Birken liebt (ISBN: 9783423142465)Wortgebastel-Buchrezensionens avatar

Rezension zu "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa

Ausdrucksstark, kosmopolitisch und multikulturell.
Wortgebastel-Buchrezensionenvor einem Monat

Handlung:

Was in Der Russe ist einer, der Birken liebt passiert, lässt sich schwer zusammenfassen, denn auf den wenigen 283 passiert so unglaublich viel und die Spoilergefahr ist groß. Trotzdem möchte ich euch zumindest einen groben Überblick über die Handlungen des Buchs geben:

Die deutsch-aserbaidschanische Maria Kogan (aka Mascha) beißt sich durch. In Baku geboren, emigrierte sie im jungen Alter von 12 Jahren als jüdischer Flüchtling mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie in der Schule zurückgestuft und immer wieder rassistischen Äußerungen ausgesetzt ist. Sie erlernt fünf Sprachen, denn schon früh merkt sie: Sprache bedeutet Macht. Sie studiert Arabistik und Dolmetscherwissenschaften, plant eine Karriere bei der UNO, doch als ihr Freund Elias schwer krank wird, geraten all ihre Pläne durcheinander. Mascha will weg, raus, woanders hin und nimmt kurzerhand einen Job bei einer deutschen Stiftung in Israel an. Dort holt sie ihre traumatische Vergangenheit immer wieder ein. 

Figuren:

Die Protagonistin, Mascha, ist eigenwillig und ehrgeizig. Sie ist verletzlich, aber auch verletzend zu anderen. Sie versucht stark zu sein und ihre Gefühle nicht zu zeigen. Sie ist auf der Suche nach ihrer Identität, fühlt sich entwurzelt, überall fremd und nirgendwo zuhause. 

Mit ihrem Freund Elias führt sie eine tragische Liebesbeziehung. Er ist Fotograf, kommt aus einer ostdeutschen Alkoholiker-Familie und wurde in der Vergangenheit oft von seinem Vater geschlagen. Mascha und Elias wohnen zusammen, streiten sich aber auch oft. Selbst als Elias schwer verletzt im Krankenhaus liegt, geraten die beiden aneinander. 

Grund für einen Streit ist Sami, Maschas Ex-Freund, zu dem sie weiterhin Kontakt hat, wenn auch komplizierten. Anders ist das bei Cem, mit ihm kann Mascha offener reden. Er ist einfühlsam und versucht sie zu unterstützen so gut er kann. 


Rezension:

Mit diesem fast schon autobiografisch wirkenden Buch liefert die in Baku geborene Autorin Olga Grjasnowa einen bemerkenswerten Demüt-Roman. Sei zeigt was es heißt als Einwanderer in Deutschland zu leben und macht aufs neue bewusst, wie erschwerend sich religiöse und nationale Vorurteile auswirken können. Der Roman eröffnet spannende Perspektiven und Einblicke, überliefert Inneneinsichten in den Nahostkonflikt, die Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan.  Themen wie der Umgang mit Trauer und die Auswirkungen von Krieg, Terror, Heimatlosigkeit und Rassismus werden auf berührende Weise aufgearbeitet. Grjasnowas Schreibstil ist lakonisch, doch transportiert er eine ehrliche Emotionalität, die ohne viele Adjektive auskommt. 

Der Russe ist einer der Birken liebt wird mich noch länger gedanklich beschäftigen und nicht so schnell in Vergessenheit geraten. Eine absolute Leseempfehlung für alle Kulturinteressierten unter euch.

Wenn euch diese Rezension gefallen hat, schaut gerne auch auf meinem Blog vorbei: wortgebastel-buchrezensionen.de . Dort findet ihr Rezensionen zu ähnlichen Büchern 📙💫

Oder folgt mir bei bei Bookstagram: https://www.instagram.com/wortgebastel.buchrezensionen/


Kommentieren0
0
Teilen
Cover des Buches Der verlorene Sohn (ISBN: 9783351037833)gsts avatar

Rezension zu "Der verlorene Sohn" von Olga Grjasnowa

Wie entwickelt sich Identität?
gstvor 5 Monaten

Jamelludin war neun Jahre alt, als er von den Russen zur Geisel genommen wurde. Sie verschleppten ihn in der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts aus dem Nordkaukasus. Nach vier Wochen erreichte der Sohn des Imam Schamil und Liebling seiner Mutter Moskau, wo er vom Zar in die besten Schulen geschickt wurde.
 Mit ruhiger, unaufgeregter Schreibe führt uns die Autorin in die Kulturunterschiede zwischen den Awaren und Russen ein. Den Großteil des Buches füllt das Leben am Zarenhof und in Petersburg, ehe zum Schluss noch ein wenig Spannung aufkommt.

Olga Grjasnowa, geboren 1984 in Baku, Aserbaidschan, kann auf längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, Israel und der Türkei zurückblicken. Seit 1996 lebt sie in Deutschland, wo sie schon mehrere Bücher veröffentlicht hat. Ihre Themen sind Immigration und deren Folgen.

Auch in diesem Buch bleibt sie ihrem Themenkomplex treu. Allerdings ist hier der Ortswechsel nicht durch eigenen Antrieb (Flucht wie in „Gott ist nicht schüchtern“) ausgelöst, sondern durch außen (Entführung in ein fremdes Land) verursacht. Dem Kind Jamalludin bleibt nichts anderes übrig als sich zu fügen. Obwohl er sich in der neuen Umgebung assimiliert, bleibt er trotz seiner hervorragenden Ausbildung durch das Beibehalten seines muslimischen Glaubens ein Außenseiter.

Die Autorin ahmt in weiten Strecken Tolstojs ausufernden Erzählstil nach, allerdings fehlt ihr sein Esprit, weshalb so manche Szene fast langweilig wirkt. Auf der anderen Seite merkt man, dass Grjasnowa weiß, wovon sie schreibt, wenn es um Sprachen- und Religionsvielfalt geht. Der Erzählstil selbst war mir in diesem Buch allerdings zu emotionslos, so dass ich bei der Bewertung nicht über drei Sterne hinaus komme.

Kommentare: 2
8
Teilen
Cover des Buches Gott ist nicht schüchtern (ISBN: 9783746634395)solveigs avatar

Rezension zu "Gott ist nicht schüchtern" von Olga Grjasnowa

Eine "neue Rasse"
solveigvor 6 Monaten

Dieser Roman lädt absolut nicht zum Entspannen ein, im Gegenteil. Mit der sehr persönlichen Geschichte dreier Flüchtlinge aus Syrien trifft Olga Grjasnowa einen Nerv; denn  Situationen, in denen Menschen um ihr  Leben fürchten und fliehen müssen,  bestehen (leider) in vielen Ländern.

Aber Grjasnowas Buch erzählt mehr als die Flucht von Menschen, die sich in ihrem Land politisch engagieren und dafür Repressalien, Haft und sogar denTod fürchten müssen. Es beschäftigt sich mit den Hintergründen, den Motivationen zum Verlassen des eigenen Landes. Da ist Hammoudi, dem in Paris eine vielversprechende Karriere als Chirurg offensteht. Doch ihm wird bei seiner Besuchsreise in die Heimat die Verlängerung seines Reisepasses verweigert. Gezwungen, in Syrien zu bleiben, engagiert er sich schon bald für verletzte Widerstandskämpfer und zivile Opfer des Terrorregimes Assads. Er gerät ins Visier der regierungstreuen Truppen und muss um sein Leben fürchten. Auch Amal, die bislang ein finanziell abgesichertes Leben führte, drohen wegen ihrer Beteiligung an Demonstrationen Haft und Folter. Und doch wägt sie lange ab, bis sie sich zur Flucht entschließt.

Sehr bildhaft schildert die Autorin die Situation ihrer beiden Hauptfiguren, die sich allerdings erst viel später  -  bereits im Exil  -  kurz begegnen. Sie berichtet nüchtern, aber eindrucksvoll von den waghalsigen Fluchtmanövern, in die Türkei, über das Mittelmeer weiter zum europäischen Festland  -  ein Thema, das bestimmt nicht erfreulich ist, das man aber nicht verdrängen darf. Und schließlich ihr Ankommen in Deutschland. „Ankommen" jedoch nur im physischen Sinn; denn sehr schnell wird ihnen klar, dass sie hier nicht dazugehören: "Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge…“.

 

Kommentieren0
4
Teilen

Gespräche aus der Community

Liebe Leser, mein Roman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" erschien vor einem Monat beim Hanser Verlag. Heute möchte ich eine Leserunde starten und freue mich schon sehr auf sie. Ich verlose 20 Bücher. In "meinem Russen" geht um um Mascha: Sie ist Jüdin, Deutsche, Russin, Aserbaidschanerin und, wenn nötig, Türkin oder Französin. Sie ist polyglott, anpassungsfähig und immer zum raschen Davonlaufen bereit. Als Kind hat sie das Pogrom an den Armeniern in Baku und die kaukasischen Kriege miterlebt. Über die Angst und die Machtlosigkeit von damals legte sich in Deutschland die Erfahrung der Immigration und der Sprachlosigkeit. Sie ist stets auf der Suche nach etwas, das ihr Stabilität bieten kann – sei es ein Ort oder eine Person, Mann oder Frau. Bei ihrem Freund Elias kommt Mascha endlich zur Ruhe. Sie steht kurz vor einem Studienabschluss der Dolmetscherwissenschaften und hat große Pläne, was ihre Karriere angeht. Nach außen hin ist Mascha glücklich und selbstbewusst. Innerlich ist sie unsicher und misstrauisch. Ihre Eltern sind an Deutschland gescheitert: Ein verhinderter Kosmonaut und eine alternde Konzertpianistin waren nicht genau das, worauf Deutschland gewartet hatte. Wonach Mascha sich sehnt ist keine Identität, die ist ihrer Meinung nach in heutigen Metropolen nicht mehr aktuell. Mascha und ihre Freunde, junge Erwachsene mit Hochschulabschüssen und „Migrationshintergrund“, setzten eher auf Staatsbürgerschaften, Visa und Aufenthaltsgenehmigungen, als auf die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv. Trotzdem treffen in ihrem Kreis immer wieder unterschiedliche Traditionen, Lebensentwürfe und Verletzungen aufeinander. Die meisten davon wurden bereits von früheren Generationen eingeschleppt, aber dadurch sind sie nicht weniger mächtig. Elias stirbt unerwartet an den Folgen eines Oberschenkelknochenbruchs. Sein Tod löst bei Mascha einen Schock aus: Zuerst versucht sie, seinen Tod zu verdrängen. Doch die Realität holt sie ein und vermischt sich allmählich mit den Erinnerungen an das Pogrom. Als der Verlust von Elias von ihrem Kriegstrauma überlagert wird, beschließt sie, die Trauer mit einer weiteren Migration zu überschreiben. Sie geht nach Israel. Doch auch das Gelobte Land entpuppt sich als Enttäuschung. Ich freue mich auf euch!
411 Beiträge

Zusätzliche Informationen

Olga Grjasnowa wurde am 14. November 1984 in Baku (Aserbaidschan) geboren.

Olga Grjasnowa im Netz:

Community-Statistik

in 445 Bibliotheken

von 129 Lesern aktuell gelesen

von 7 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks