Olga Grjasnowa Der Russe ist einer, der Birken liebt

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Inhaltsangabe zu „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ von Olga Grjasnowa

Anna-Seghers-Preis 2012Mascha ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend. Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer erkrankt. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Ebenso tragisch wie komisch, mit Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat.

Ein beeindruckendes Debüt!

— Bibliomania

Nicht ganz, was ich erwartet hatte, aber echt interessant und prägend

— Sofie-Lilly

Eine junge Frau, die von der Vergangenheit verfolgt nicht zur Ruhe kommt. Eine rastlose Suche ohne erkennbaren Fortschritt.

— black_horse

Viele sprachliche und inhaltliche Schwächen, unlogische Elemente, aber immerhin ewas interessanter als der Nachfolger.

— Schmiesen

Ein Werk über den Verlust von Heimat, die ewige Suche nach Geborgenheit und die eindrucksvolle Bedeutung von Sprache...

— FrauLehrerin

Ich verstehe warum viele es so loben, allerdings hat es auch die ein oder andere Schwäche

— Das_Leseleben

Schonungslos, authentisch wird hier d. paläst.-israel. Konflikt u. das Innenleben einer Traumatisierten gezeigt.

— simone_richter

Interessanter Plot allerdings viele Klischees und stellenweise satirisch zu sehr überspitzt. Wurde über Gebühr gehyped. Trotzdem lesenswert.

— FranzHelle

Berührendes Werk über die Suche nach Identität und Heimat

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Klasse Literatur. Über eine junge Frau die ihren Platz in dieser Welt sucht..

— Ay73

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 24.09.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   239 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  646 Punkte Beust                                          ---   302 Punkte Bibliomania                               ---   201 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  397,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 253 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   130,5 Punkte Code-between-lines                ---  136 Punkte eilatan123                                 ---   53 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   168 Punkte Frenx51                                     ---  82 Punkte glanzente                                  ---   82 Punkte GrOtEsQuE                               ---   78 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   157 Punkte Hortensia13                             ---   130 Punkte Igelchen                                    ---   25 Punkte Igelmanu66                              ---  178 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   122 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte katha_strophe                        ---   53 Punkte Kattii                                         ---   78 Punkte Katykate                                  ---   110 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   142 Punkte Kuhni77                                   ---   114 Punkte KymLuca                                  ---   103 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   259 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   226 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   92 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  131 Punkte Nelebooks                               ---  235 Punkte niknak                                       ----  285 Punkte nordfrau                                   ---   97 Punkte PMelittaM                                 ---   213 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   115 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 65 PunkteSandkuchen                              ---   205 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   178 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   279 Punkte SomeBody                                ---   178,5 Punkte Sommerleser                           ---   198 Punkte StefanieFreigericht                  ---   213,5 Punkte tlow                                            ---   149 Punkte Veritas666                                 ---   117 Punkteverruecktnachbuechern         ---   61 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   179 Punkte Yolande                                       --   171 Punkte

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    Bibliomania

    28. September 2017 um 18:46
  • Rastlos - ratlos

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    black_horse

    19. June 2017 um 23:05

    Ich habe mir dieses Buch aus dem Empfehlungsregal einer Buchhandlung ausgewählt, weil es eine sehr ungewöhnliche Geschichte verspricht.In der Hinsicht wurde ich auch nicht enttäuscht. Es ist schwer zu beschreiben, was dieses Buch bietet: eine verzweifelte Protagonistin, die nach harten Schicksalsschlägen auf der Flucht vor den eigenen Erinnerungen ist. Hintergründe zu Konflikten in Aserbaidschan und in Israel. Überbordende Emotionen. Religiöse Differenzen.Das Buch lässt mich ratlos zurück. Was will die Autorin? Blitzlichter, Anektoden, Begegnungen, Rastlosigkeit. Mir ist es nicht gelungen, eine wirkliche Beziehung zur Protagonistin Mascha aufzubauen, die vor sich selbst davonläuft, aber irgendwie nicht schnell genug ist.Das Ende kam ziemlich abrupt. So schemenhaft, wie Mascha durch das Buch geirrt ist, so lässt sie den Leser am Ende einfach mitten auf einem Feld in Palästina stehen.

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  • Was ist Heimat?

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    serendipity3012

    04. December 2016 um 10:56

    Was ist Heimat?Olga Grjasnowa, so ist in einem Artikel auf Zeit Online von 2012 kurz vor Erscheinen ihres hier besprochenen Debütromans zu lesen, ist eine ungeheuer präsente Person. Genau wie ihre Hauptfigur in „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, so mein erster Gedanke, die junge Mascha, die der Leser in der Geschichte ein Stück in ihrem Leben begleitet.Mascha ist als Kind mit ihren Eltern aus Aserbaidschan geflohen. Der Krieg hat Spuren hinterlassen, die sie nicht abschütteln kann, die Bilder verfolgen sie auch noch Jahre später. In Deutschland hat sie schnell gelernt, dass man ihr als Ausländerin von vornherein weniger zutraut und dass dies umso mehr gilt, wenn man die Sprache nicht oder (noch) nicht fließend spricht. Mascha beißt sich durch, lernt schnell Deutsch und weitere Sprachen, wird schließlich Dolmetscherin. Die Kenntnis der Sprachen öffnet ihr Wege, macht ihr die Welt zugänglicher, eine Welt, in der Mascha ohnehin keine wirkliche Heimat hat. Sie hat einen deutschen Pass, ist mit einem Deutschen zusammen, mit einem Türken befreundet und war mit einem Libanesen liiert, eine Beziehung, die immer noch nachwirkt. Sie ist Jüdin, aber nicht religiös. Eigentlich will sie gerade beruflich richtig durchstarten und bei den UN anfangen, doch es kommt anders. Mascha macht sich auf so etwas wie eine Suche nach sich selbst und nach ihrer Identität.Ich habe Grjasnowas Roman gelesen, ohne viel über den Inhalt zu wissen. Oft erschienen mir die Möglichkeiten vielfältig, wie die Geschichte sich hätte weiter entwickeln können, nie habe ich den Fortgang der Handlung als vorhersehbar empfunden. Das Buch hat mich gepackt und berührt, teilweise atemlos habe ich weiterlesen müssen, musste unbedingt wissen, wie es mit der Protagonistin weitergeht. Zur Handlung möchte ich daher nicht viel verraten, war es für mich doch ein großer Reiz, unbedarft an die Lektüre heranzugehen.Der Roman lebt von seiner Hauptfigur: Mascha ist eine starke, eigensinnige junge Frau, die gelernt hat, allein zurechtzukommen, die sich auf keinen Fall jemandem aufdrängen oder unterordnen will, obwohl sie sich andererseits danach sehnt, schwach sein zu dürfen. Ihre Erfahrungen haben sie sehr geprägt, die Erkenntnis, dass es für sie immer ein wenig schwerer war, als für andere, dass sie immer anders behandelt wurde und wird. All dies hat sie nicht kapitulieren lassen, sondern hat eher eine trotzige Jetz-erst-recht-Haltung zur Folge. Grjasnowa ist mit dieser Mascha eine authentische, starke Figur gelungen, eine mit Widersprüchen, mit Schwächen, eine aus Fleisch und Blut.Die Geschichte kennt kein Innehalten. Wie atemlos folgt der Leser Mascha durch ihr Leben und auch um die Welt, wenn sie schließlich einen Job in Israel annimmt. Grjasnowas Sprache ist direkt und geradeheraus, hier wird nicht um den heißen Brei herumgeredet. Da Mascha selbst die Geschichte erzählt, ist man immer ganz bei ihr und könnte nicht tiefer in das Geschehen eintauchen.Der Titel „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ weckte zunächst gänzlich andere Assoziationen bei mir, als letztlich im Roman zum Thema wurden. Es ist ein Satz, der stellvertretend für die vielen Klischees steht, in denen wir denken – obwohl wir es oftmals gar nicht wollen. Klischees, denen sich Mascha täglich ausgesetzt fühlt. Olga Grjasnowas Debüt ist stark, trotzig, eigensinnig und macht Lust auf das, was von der Autorin noch zu lesen sein wird. Bei Binge Reader war gerade in einer Kurzbesprechung ihr zweiter Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ Thema, Grjasnowas dritter Roman „Gott ist nicht schüchtern“ ist für März 2017 im Aufbau Verlag angekündigt.

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    • 2
  • Das Spiegelbild einer ganzen Generation

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    Das_Leseleben

    11. August 2016 um 16:27

    ‚Der Russe ist einer der Birken liebt‘ ist in letzter Zeit wirklich in aller Munde, sei es auf Bloggs, Booktube, in meinem privaten Umfeld oder am Maxim Gorki Theater, als Stück inszeniert. Also musste ich es lesen, das ein Teil des Buches in Israel / Palästina spielt hat mich nur noch mehr gereizt. Mein Taschenbuch hat 283 Seiten und ist im August 2013 in der dtv Verlagsgesellschaft erschienen. Inhalt: Mascha ist Immigrantin, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin und nach Bedarf auch Türkin oder Französin. Mascha ist besonders ergeizig sie spricht fünf Sprachen fließend und ist ein ‚Musterbeispiel‘ für gut integrierte Immigranten. Sie plant grade ihre Karriere bei der UNO als ihr Freund schwer erkrankt. Alte Wunden brechen auf, aus lauter Verzweiflung flieht sie nach Israel. Meine Meinung: Mascha ist distanziert und professionell, schwer lässt sie ihre Mitmenschen an sich heran kommen. Vorurteilen, begegnet sie mit einer gewissen Ironie. Allen Fragen nach ihrer Flucht weicht sie geschickt aus, sei es mit ihren Spitzenleistungen oder ihrer Lebensweise. Auch wenn Mascha im „Berufsleben“ sehr strikt ist, wirkt es im Privatleben überhaupt nicht so, dort ist sie eher etwas flatterhaft. Aber genau diese beiden Seiten passen sehr gut zusammen, denn sie machen deutlich was Mascha am meisten fürchtet: Die Kontrolle zu verlieren und machtlos zu sein. Ich konnte nicht immer Mascha nachvollziehen, grade im weiteren Verlauf hätte ich sie nur ganz gerne mal in den Arm genommen oder bei Bedarf geschüttelt. Die kurze und knackige Schreibweise Olga Grjasnowas passt sehr gut zu Maschas Charakter. Ein Stilmittel, dass dem Leser im Buch immer wieder begegnet: wenn Mascha ihre Mitmenschen trifft, dann schweift sie oft in Gedanken dahin ab, wie sie die Menschen kennengelernt haben oder anderen gemeinsamen Erlebnissen. Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben, dies nimmt den Abschweifungen ihre Distanziertheit.  ‚Der Russe ist einer der Birken liebt‘ möchte aufzeigen mit welchen Druck und mit welchen Vorurteilen Menschen mit Migration zu leben haben, oft auch untereinander. Ein weiterer Aspekt ist die Entwurzelung und die Suche nach sich selbst. Leider muss ich sagen. das mir die erste Hälfte sehr gut gefallen hat, da ich in dem Moment Olga Grjasnowa abgenommen habe worüber sie schreibt. Auch konnte ich mich mit den Figuren identifizieren. Irgendwie habe ich die Schwierigkeiten /Probleme als typisch für meine Generation empfunden. Vor allem den Druck du musst „alles geben, um etwas zu sein“. Den großen Wunsch als Mensch war genommen zu werden. Die andere Hälfte des Buches wurde für mich etwas schlechter, die Handlung wirkt für mich sehr gestellt. Irgendwie empfand ich das Olga Grjasnowa sich dachte ich müsste unbedingt noch eine deutlichere politischere Note reinbringen, darum lasse ich ein Teil der Handlung in Israel/Palästina spielen. Sie spielt zwar auf den Konflikt an, trotzdem wirkte es auf mich teilweise sehr abgehackt und etwas Zusammenhangslos, vielleicht liegt es daran, dass die Autoren für meinen Geschmack zu viele Themen anreißt. Trotz meiner teilweise kritischen Meinung kann ich nachvollziehen, das es viele Menschen begeistert sind, Olga Grjasnowa dafür mit den Anna-Seghers-Preis-2012 gewonnen hat und sogar Masterarbeiten über das Buch geschrieben werden. Aber trotz alle dem hat mir zeitweise die Echtheit gefehlt. Trotzdem ist es ein gutes Werk. ‚Der Russe ist einer der Birken liebt‘ ist ein Buch für Jeden, der Bücher über Identitätssuche mag.

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  • Suche nach Heimat

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    FrauLehrerin

    19. June 2016 um 11:30

    Mascha Kogan kann aufgrund ihrer verschiedenen nationalen, religiösen und kulturellen Identitäten scheinbar überall leben, doch einer Heimat fühlt sie sich nicht verbunden. Der Verlust ihrer Heimat, den sie schon mit acht Jahren erleben musste, begleitet sie als schmerzliche Wunde durch ihr Leben. Mascha und ihre Familie flohen vor dem ethnisch motivierten Bürgerkrieg in Baku und kamen als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Schon früh lernte Mascha, dass Heimat nicht Sicherheit bedeutet und ein gewisses Gewaltpotenzial in sich birgt. "Wonach ich mich sehnte, war ein vertrauter Ort. Eigentlich hielt ich nichts von vertrauten Orten - der Begriff Heimat implizierte für mich stets den Progrom." Dennoch sucht Mascha nach Sicherheit und Geborgenheit, die wesentliche Kennzeichen des traditionell-konservativen Heimatbegriffs sind. Sie findet sie bei Elias. Er ist der Mensch, der ihr Halt im Leben gibt. Sein plötzlicher Tod wirft Mascha vollkommen aus der Bahn. Sie flüchtet sich nach Israel und in zahlreiche Beziehungen, mit denen sie versucht die Nähe zu Elias zu ersetzen. Doch auch hier findet sie keine Heimat... Mascha erscheint in Olga Grjasnowas Roman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" als rastlose Kosmopolitin. Sie erkennt schnell, dass Sprache in einer globalisierten Welt Macht bedeutet und nimmt ein Dolmetscher-Studium auf. Sie beherrscht fünf Fremdsprachen fließend. Das bloße Übersetzen gibt Mascha einen gewissen Halt, da sie es kontrollieren kann: "Ich versuchte die Leere in mir mit Vokabeln zu füllen". Beim Dolmetschen muss sie nichts deuten, nichts interpretieren - nur übersetzen. Das Verhalten der Protagonistin Mascha ist nicht immer nachvollziehbar. Aber genau das ist das besonderes dieses Romans! Olga Grjasnowa beabsichtigt nicht, dass man sich mit den Figuren identifizieren kann. Es geht nicht darum, ob wir selbst so handeln würden wie Mascha. Der Roman soll zum Nachdenken anregen - Und das ist Olga Grjasnowa eindrucksvoll gelungen.

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  • Schwer, eine Meinung zu finden

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    Mizuiro

    09. January 2016 um 09:35

    Meine Meinung zu diesem Buch hat sich interessant entwickelt. Der Russe ist einer, der Birken liebt behandelt das Leben einer in Aserbeidschan geborenen und in Deutschland lebenden Dolmetschstudentin Mascha. Im Lauf der Erzählung werden die Ereignisse in Aserbeidschan zum Schwarzen Januar sowie andere kriegerische Unruhen in der Welt thematisiert. Am Anfang wollte ich am liebsten wieder aufhören. Die Protagonistin war mir so wahnsinnig unsympathisch, dass ich sie nur noch anschreien wollte. Ein Grund dafür könnte unter anderem der Schreibstil gewesen sein. Die Protagonistin erzählt ihre Geschichte mit einer Eiseskälte (was wohl die am Klappentext erwähnte "Ironie" sein soll), die mich fast zur Verzweiflung getrieben hat. Grundsätzlich mag ich diese Art der Erzählweise meistens, hier hat sie mich aber ganz furchtbar gestört. Vielleicht, weil in der Geschichte Dinge passiert sind auf die man anders hätte reagieren sollen als mit ironischer Kälte, vielleicht hat mir aber auch nur der nötige Grad an Identifikationspotential gefehlt. Die Protagonistin ist Dolmetschstudentin in Deutschland und leider auch ein arroganter Eisblock. Da sie sich vor allem am Anfang penetrant weigert zu erzählen WAS ihr im Leben passiert ist, dass sie so geworden ist, fällt es einem schwer, sie zu mögen. Viel zu sehr liegt der Fokus zu Beginn darauf, wie viel sie schon gereist ist und wie viele Sprachen sie spricht. Kurz gesagt also: Wie unglaublich großartig sie ist. Erst nach und nach erfährt man ihre Geschichte und die für ihren Charakter wichtigen Details kommen meiner Meinung nach zu spät. Vor Allem am Anfang mochte ich das Buch also so gar nicht, mit der Zeit (beziehungsweise mit den Seiten) hat ich das dann aber geändert. Die Geschichte wird plötzlich interessanter und dazu kommen wichtige Informationen über die handelnden Figuren. Stellenweise war es mir dann sogar möglich, mit der Protagonistin mitzufühlen und sie zu verstehen, auch wenn ich die Erzählung oft nicht ganz stimmig fand... Die merkwürdigen Handlungsweisen Maschas konnte man am Ende immer mit einem erlittenen Trauma rechtfertigen. Die Themen, die in dem Roman behandelt werden - Trauma, die Bedeutung nationaler Identität und verschiedene politische Entwicklungen in der Welt - machen das Buch grundsätzlich interessant. Der Russe ist einer, der Birken liebt hat wohl gleich zwei Literaturpreise gewonnen. Diese allgemeine Begeisterung kann ich trotzdem nicht so ganz nachvollziehen. Dazu hat es mir zu lange gedauert, bis ich mich auf Maschas Geschichte einlassen konnte.

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  • Heimatsuche einer Heimatlosen

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    05. October 2015 um 08:41

    Mascha Kogan kann aufgrund ihrer verschiedenen nationalen, religiösen und kulturellen Identitäten scheinbar überall leben, doch einer Heimat fühlt sie sich nicht verbunden. Der Verlust ihrer Heimat, den sie schon mit acht Jahren erleben musste, begleitet sie als schmerzliche Wunde durch ihr Leben. Mascha und ihre Familie flohen vor dem ethnisch motivierten Bürgerkrieg in Baku und kamen als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Schon früh lernte Mascha, dass Heimat nicht Sicherheit bedeutet und ein gewisses Gewaltpotenzial in sich birgt. "Wonach ich mich sehnte, war ein vertrauter Ort. Eigentlich hielt ich nichts von vertrauten Orten - der Begriff Heimat implizierte für mich stets den Progrom." Dennoch sucht Mascha nach Sicherheit und Geborgenheit, die wesentliche Kennzeichen des traditionell-konservativen Heimatbegriffs sind. Sie findet sie bei Elias. Er ist der Mensch, der ihr Halt im Leben gibt. Sein plötzlicher Tod wirft Mascha vollkommen aus der Bahn. Sie flüchtet sich nach Israel und in zahlreiche Beziehungen, mit denen sie versucht die Nähe zu Elias zu ersetzen. Doch auch hier findet sie keine Heimat... Mascha erscheint in Olga Grjasnowas Roman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" als rastlose Kosmopolitin. Sie erkennt schnell, dass Sprache in einer globalisierten Welt Macht bedeutet und nimmt ein Dolmetscher-Studium auf. Sie beherrscht fünf Fremdsprachen fließend. Das bloße Übersetzen gibt Mascha einen gewissen Halt, da sie es kontrollieren kann: "Ich versuchte die Leere in mir mit Vokabeln zu füllen". Beim Dolmetschen muss sie nichts deuten, nichts interpretieren - nur übersetzen. Das Verhalten der Protagonistin Mascha ist nicht immer nachvollziehbar. Aber genau das ist das besonderes dieses Romans! Olga Grjasnowa beabsichtigt nicht, dass man sich mit den Figuren identifizieren kann. Es geht nicht darum, ob wir selbst so handeln würden wie Mascha. Der Roman soll zum Nachdenken anregen - Und das ist Olga Grjasnowa eindrucksvoll gelungen

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  • Der Russe ist einer, der Birken liebt -

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    Ay73

    01. June 2015 um 16:00

    Dieses Buch ist ein Welt-Klasse-Buch um eine Junge Frau in Deutschland die versucht ihr Trauma zu bearbeiten. Mascha, jung, Übersetzerin und Dometscherin lebt mit ihrem Freund Elias zusammen, der sich leider beim Fußball spielen verletzt. Mascha ist in Aserbaidschan, Baku geboren als Deutsche Jüdin, ihre Großeltern haben den Holocaust überlebt. Aber die Eltern wollen nicht nach Israel umsiedeln, lieber nach Deutschland. Und so kommen sie Anfang der 90er Jahre in die Nähe von Frankfurt. Mascha wächst so ziemlich multi-kulti auf und hat ein Faible für Sprachen. Ihre Freunde sind der Türke Cem und der ehemalige Lover Sami, ein Libanese. Mascha beherrscht so viele Sprachen, Deutsch, Türksich, Russisch, Englisch, Französisch, Arabisch... Aber das Glück währt nicht lang, der Elias stirbt an den Folgen seienr Fußball-Verletzung und Mascha kommt mit diesem Verlust nicht zurecht. Cem und Sami sind bemüht um Mascha, damit sie sich selber nichts antut. Als Mascha merkt, dass es nicht mehr weitergeht, beschließt sie nach Israel zu gehen und dort als Übersetzerin für eine deutsche NGO zu arbeiten. Aber die Probleme in Tel Aviv beginnen schon am Flughafen, da wird ihr Laptop von den Israelis erschossen, weil es arabische Schriften hat und sie als Jüdin kein Hebräisch kann. Sie versucht in den Tag zu leben, zu arbeiten, am Strand die Stunden zu vergeuden, aber es hilft nichts.. immer wieder ist Elias da. Oder sie hat einfach Sex und danach bereut sie es. Wird Mascha ihre Trauer und auch ihr Trauma verarbeiten können? Hat sie die Möglichkeit, wieder zu sich zu finden.. sie ist so oft hin- und hergerissen, das man liebsten sie zu einer Seite wegebewegen möchte. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, auch wie fürsorglich ihre Freunde und ihre Familie hinter ihr stehen.

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  • Hin und wieder ein Lichtblick

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    07. May 2015 um 20:01

    »Ich hatte mal ein Buch gelesen, in dem es um Menschen mit traumatischen Störungen ging, so hätte ich mich selber niemals bezeichnet, aber es stand darin, dass wir die Menschen, die wir lieben, vernichten würden.« Der Anfang war wunderbar. Wirklich. Ich fand es schon spannend, bevor ich überhaupt ein Wort gelassen hatte, denn ich wusste, dass dies von einer Autorin geschrieben wurde, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Und sofort schaltete sich der linguistische Teil meines Gehirns an und ich bemerkte Worte und Satzkonstruktionen, die so nicht von einem Muttersprachler benutzt worden wären. Ein großes Kompliment hier an das Lektorat von dtv, die sich dazu entschieden haben, diesen Charme beizubehalten. (Ein Beispiel: „Zahnbögen“ statt wie es normalerweise heißt „Zahnreihen“) Der Schreibstil war wirklich schön (Am Anfang!), viele klare Sätze, abwechselnd kurze und lange Satzstrukturen und mich abholend/mitnehmend.  Ich hatte keine Erwartungen, was den Inhalt des Buches anging. Klar, der Titel lässt einen vermuten, dass es irgendetwas mit Russland/Sowjetunion zu tun haben könnte, aber es lässt Spezifisches offen und so lernte ich Mascha Kogan unvoreingenommen kennen. Direkt zu Beginn wird sie in eine schwierige Situation geworfen, als ihr Freund Elias beim Fußballspielen ein Beinbruch erleidet. Aber noch vorher, also auf Seite vier erfahren wir, dass in ihrer Beziehung durchaus Reizpunkte bestehen – Maschas Migrationshintergrund. Mit sechs Jahren war sie von Baku nach Deutschland eingewandert als sogenannte Kontingentflüchtlinge. Jüdische Flüchtlinge, die jedoch nicht offiziell als politisch verfolgt galten, da Deutschland ›keinen Stress mit Russland‹ haben wollte. Kommen wir aber wieder zum Anfang. Nämlich auf Seite 1. Die einzige Seite, auf der noch alles in Ordnung ist und Mascha mit Elias im Bett liegt und aufwacht. Oh, Moment, das stimmt nicht, denn auf Seite eins wird die Idylle schon durch ein »Abgewichste Bullenschwuchtel, ich bring dich um!« eines Betrunkenen gestört. Es gibt keine Idylle in diesem Buch. Es gibt Mascha und es gibt Menschen, die sie umkreisen, als wäre sie die Sonne in persona. Sie wühlt und räkelt und badet in Selbstmitleid, hangelt sich von Beziehung [nicht immer sexueller Art] zu Beziehung, kriegt hysterische Anfälle und Panikattacken. Immer. Und. Immer. Wieder.  Irgendwann war ich so weit, dass ich mein Buch geschüttelt habe, obwohl ich eigentlich sie hatte schütteln wollten. Versteht mich nicht falsch, es war furchtbar interessant, die Geschichte rund um Baku/Israel/Judentum/Rassismus zu lesen; die Erfahrungen und Erlebnisse der Menschen, denen Mascha begegnet, doch sie als Person hat alles zerstört. »Wonach ich mich sehnte, waren vertraute Menschen, der war der eine tot, und die anderen ertrug ich nicht mehr. Weil sie lebten.« Sie war passiv und anstrengend. Sie hat kein Rückgrat und obwohl sie anscheinend ein schlaues Mädchen ist, kann sie ihren Grips nicht einsetzen. Ab Seite 25 widerte sie mich an und hätte ich das Buch nicht lesen müssen für ein Seminar, hätte ich gleich dort oder spätestens 100 Seiten weiter mit dem Lesen aufgehört. Olga Grjasnowa wollte meiner Meinung nach zu viel in einem Roman. Das Buch bringt nichts mit; schenkt dem Leser nichts. War dies die Intention der Autorin? Die Passivität, die Gestörtheit einer Generation zu verdeutlichen, ohne eine Lösungsansatz zu bieten? Ja, so ist ihr dies gelungen, doch es ist kein Roman, den ich [nochmal] lesen möchte.

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  • Ein ganz erstaunliches Debüt

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    WinfriedStanzick

    09. September 2013 um 12:59

      Das vorliegende Buch ist sicher eines der bemerkenswertesten Romandebüts dieses Jahres. Die 27- jährige, in Baku in Armenien geborene Olga Grjasnowa hat es geschrieben und mit der Hauptfigur des Buches auch viel von ihrem eigenen Leben erzählt und verarbeitet. Als Kind erlebte sie die blutigen Kämpfe zwischen Aserbaidschanern und Armeniern (Berg Karabach), kam als jüdischer Kontingentflüchtling mit ihren Eltern nach Deutschland und lebte dort in einer hessischen Kleinstadt in der Nähe von Frankfurt. Sie spricht mehrere Sprachen, hat schon viele Preise und Stipendien erhalten, ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und blickt auf längere Auslandsaufenthalte in Russland, Polen und Israel zurück. Nun hat sie mit der Geschichte von Maria Kogon, auch Mascha genannt, ein deutlich autobiographisches Buch veröffentlicht, das sehr eigensinnig einen neuen literarischen Ton anschlägt und zu Recht von vielen Kritikern gelobt wurde. Maschas lebt als Dolmetscherin in Frankfurt. Sie lebt ein chaotisches Leben, ist selbst sehr beweglich und flexibel, hoch intelligent. Mascha ist eine junge Frau, die, obwohl sie sie sucht, Nähe kaum wirklich erträgt. Und so flieht sie durch ihr Leben, und kann weder bei ihrer Familie noch bei ihrem Freund einen Halt finden. Auch ihr Beruf befriedigt sie nicht. Eines Tages wird ihr Freund Elias beim Fußballsspielen schwer verletzt. Eine auf den ersten Blick normale Oberschenkelfraktur wächst sich zu einer quälend schmerzhaften Sache aus, und nach langen Wochen der Pflege stirbt Elias an einer Sepsis. Mascha ist verzweifelt. Sie wird von Schuldgefühlen geplagt, die zu den permanenten traumatischen Kindheitserinnerungen noch dazu kommen. Mascha flieht vor ihrer Vergangenheit nach Israel, um dort als Dolmetscherin zu arbeiten. Sie fährt ohne Illusionen dorthin und ist doch erschüttert von den Auseinandersetzungen und dem Hass zwischen Juden und Palästinensern. Sie trifft dort viele Menschen, macht Bekanntschaften und hat Affären, doch ihre innere Leere bleibt. Die Trauer über ihren Freund Elias ist übermächtig und überlagert alles. In Sami, einem früheren Freund hat sie einen Vertrauten, der immer zu ihr steht, und nach dem Tod von Elias die einzige wirkliche Konstante in ihrem wurzellosen Leben darstellt. Alle Figuren dieses Romans haben ähnliche Züge. Sie sind politisch engagiert, denken und fühlen multiethnisch und haben wie selbstverständlich ein kosmopolitisches Bewusstsein. Doch obwohl sie hochintelligent und extrem beweglich sind, schaffen sie es nicht, ihre Lebenskraft und Kreativität umzusetzen, irgendwo anzukommen und Wurzeln zu schlagen. Ich bin auf die nächsten Romane dieser außergewöhnlichen Frau gespannt. Gespannt darauf, wie sie weiter ihr Leben reflektiert und es in großer Prosa umsetzt.

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  • Rezension zu "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    kalanthia

    26. November 2012 um 17:28

    Olga, eine junge Frau, die zerrissen zwischen ihrer osteuropäischen Wurzeln, ihrer jüdischen Herkunft und ihrer momentanen Heimat Deutschland ist, verliert völlig den Boden unter den Füßen, als ihr Freund aufgrund Komplikationen mit seinem gebrochenen Bein stirbt. Zuerst flüchtet sie sich in die Arme eines Dozenten, danach nach Isreal, wo sie sich in eine lieblose Beziehung mit einer Frau stürzt. Ich war anfangs beim Lesen ein wenig skeptisch, wie sich die Handlung entwickelt, da sich die traumatisierte Hauptfigur selbt eben kaum entwickelt, sondern immer wieder von ihren Kindheitserinnerungen im Krieg und dem Tod ihres Freundes, den sie nicht verkraftet kann, eingeholt wird. Olga kämpft mit ihrer Situation und kapselt sich von sich selbst ab bis hin zur Selbstaufgabe. Wer sich wie ich für Traumatheorie und Psychologie interessiert, wird Olgas Werdegang gespannt mitverfolgen; aber auch für Leser, die über den Nahen Osten oder menschliche Schicksalsschläge lesen möchten, bietet das Buch einiges zum Nachdenken.

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  • Rezension zu "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    WinfriedStanzick

    05. November 2012 um 10:41

    Das vorliegende Buch ist sicher eines der bemerkenswertesten Romandebüts dieses Jahres. Die 27- jährige, in Baku in Armenien geborene Olga Grjasnowa hat es geschrieben und mit der Hauptfigur des Buches auch viel von ihrem eigenen Leben erzählt und verarbeitet. Als Kind erlebte sie die blutigen Kämpfe zwischen Aserbaidschanern und Armeniern (Berg Karabach), kam als jüdischer Kontingentflüchtling mit ihren Eltern nach Deutschland und lebte dort in einer hessischen Kleinstadt in der Nähe von Frankfurt. Sie spricht mehrere Sprachen, hat schon viele Preise und Stipendien erhalten, ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und blickt auf längere Auslandsaufenthalte in Russland, Polen und Israel zurück. Nun hat sie mit der Geschichte von Maria Kogon, auch Mascha genannt, ein deutlich autobiographisches Buch veröffentlicht, das sehr eigensinnig einen neuen literarischen Ton anschlägt und zu Recht von vielen Kritikern gelobt wurde. Maschas lebt als Dolmetscherin in Frankfurt. Sie lebt ein chaotisches Leben, ist selbst sehr beweglich und flexibel, hoch intelligent. Mascha ist eine junge Frau, die, obwohl sie sie sucht, Nähe kaum wirklich erträgt. Und so flieht sie durch ihr Leben, und kann weder bei ihrer Familie noch bei ihrem Freund einen Halt finden. Auch ihr Beruf befriedigt sie nicht. Eines Tages wird ihr Freund Elias beim Fußballsspielen schwer verletzt. Eine auf den ersten Blick normale Oberschenkelfraktur wächst sich zu einer quälend schmerzhaften Sache aus, und nach langen Wochen der Pflege stirbt Elias an einer Sepsis. Mascha ist verzweifelt. Sie wird von Schuldgefühlen geplagt, die zu den permanenten traumatischen Kindheitserinnerungen noch dazu kommen. Mascha flieht vor ihrer Vergangenheit nach Israel, um dort als Dolmetscherin zu arbeiten. Sie fährt ohne Illusionen dorthin und ist doch erschüttert von den Auseinandersetzungen und dem Hass zwischen Juden und Palästinensern. Sie trifft dort viele Menschen, macht Bekanntschaften und hat Affären, doch ihre innere Leere bleibt. Die Trauer über ihren Freund Elias ist übermächtig und überlagert alles. In Sami, einem früheren Freund hat sie einen Vertrauten, der immer zu ihr steht, und nach dem Tod von Elias die einzige wirkliche Konstante in ihrem wurzellosen Leben darstellt. Alle Figuren dieses Romans haben ähnliche Züge. Sie sind politisch engagiert, denken und fühlen multiethnisch und haben wie selbstverständlich ein kosmopolitisches Bewusstsein. Doch obwohl sie hochintelligent und extrem beweglich sind, schaffen sie es nicht, ihre Lebenskraft und Kreativität umzusetzen, irgendwo anzukommen und Wurzeln zu schlagen. Ich bin auf die nächsten Romane dieser außergewöhnlichen Frau gespannt. Gespannt darauf, wie sie weiter ihr Leben reflektiert und es in großer Prosa umsetzt.

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  • Rezension zu "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    hexhex

    19. October 2012 um 21:56

    Ein beeindruckender Roman, der mir deutlich vor Augen geführt hat, wie wenig man eigentlich über die ganzen politischen Konflikte dieser Welt weiß. Hatte irgendwie das Gefühl, dass alle in diesem Buch erwähnt wurden und manchmal konnte ich der Geschichte nicht folgen, da mir die Hintergründe völlig unklar waren. Sehr interessant fand ich den Teil der Geschichte, der in Israel spielte und teilweise völlig absurd war. Eine Jüdin, die perfekt Arabisch spricht und dadurch immer wieder Probleme hat. Ein Buch, dass man durchaus zweimal lesen kann!

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  • Leserunde zu "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    olga

    Liebe Leser, mein Roman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" erschien vor einem Monat beim Hanser Verlag. Heute möchte ich eine Leserunde starten und freue mich schon sehr auf sie. Ich verlose 20 Bücher. In "meinem Russen" geht um um Mascha: Sie ist Jüdin, Deutsche, Russin, Aserbaidschanerin und, wenn nötig, Türkin oder Französin. Sie ist polyglott, anpassungsfähig und immer zum raschen Davonlaufen bereit. Als Kind hat sie das Pogrom an den Armeniern in Baku und die kaukasischen Kriege miterlebt. Über die Angst und die Machtlosigkeit von damals legte sich in Deutschland die Erfahrung der Immigration und der Sprachlosigkeit. Sie ist stets auf der Suche nach etwas, das ihr Stabilität bieten kann – sei es ein Ort oder eine Person, Mann oder Frau. Bei ihrem Freund Elias kommt Mascha endlich zur Ruhe. Sie steht kurz vor einem Studienabschluss der Dolmetscherwissenschaften und hat große Pläne, was ihre Karriere angeht. Nach außen hin ist Mascha glücklich und selbstbewusst. Innerlich ist sie unsicher und misstrauisch. Ihre Eltern sind an Deutschland gescheitert: Ein verhinderter Kosmonaut und eine alternde Konzertpianistin waren nicht genau das, worauf Deutschland gewartet hatte. Wonach Mascha sich sehnt ist keine Identität, die ist ihrer Meinung nach in heutigen Metropolen nicht mehr aktuell. Mascha und ihre Freunde, junge Erwachsene mit Hochschulabschüssen und „Migrationshintergrund“, setzten eher auf Staatsbürgerschaften, Visa und Aufenthaltsgenehmigungen, als auf die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv. Trotzdem treffen in ihrem Kreis immer wieder unterschiedliche Traditionen, Lebensentwürfe und Verletzungen aufeinander. Die meisten davon wurden bereits von früheren Generationen eingeschleppt, aber dadurch sind sie nicht weniger mächtig. Elias stirbt unerwartet an den Folgen eines Oberschenkelknochenbruchs. Sein Tod löst bei Mascha einen Schock aus: Zuerst versucht sie, seinen Tod zu verdrängen. Doch die Realität holt sie ein und vermischt sich allmählich mit den Erinnerungen an das Pogrom. Als der Verlust von Elias von ihrem Kriegstrauma überlagert wird, beschließt sie, die Trauer mit einer weiteren Migration zu überschreiben. Sie geht nach Israel. Doch auch das Gelobte Land entpuppt sich als Enttäuschung. Ich freue mich auf euch!

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  • Rezension zu "Der Russe ist einer, der Birken liebt" von Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

    Pennelo

    31. July 2012 um 20:44

    Klappentext Mascha ist jung und eigenwillig, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, und wenn nötig auch Türkin und Französin. Als Immigrantin musste sie in Deutschland früh die Erfahrung der Sprachlosigkeit machen. Nun spricht sie fünf Sprachen fließend und ein paar weitere so “wie die Ballermann-Touristen Deutsch”. Sie plant gerade ihre Karriere bei der UNO, als ihr Freund Elias schwer krank wird. Verzweifelt flieht sie nach Israel und wird schließlich von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Mit perfekter Ausgewogenheit von Tragik und Komik und mit einem bemerkenswerten Sinn für das Wesentliche erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte einer Generation, die keine Grenzen kennt, aber auch keine Heimat hat. Meine Meinung: Wieder zuerst zum Cover. Ich muss sagen, diesmal hätte ich dieses Buch im Laden wohl nie entdeckt, denn das grün mit der großen Schrift spricht mich gar nicht an. Der Klappentext dafür umso mehr. Der erste Teil der Geschichte ist unheimlich herzzerreißend. Ich hatte teilweise echt Bauchschmerzen und habe mit Mascha gelitten. Doch je länger die Handlung dauerte umso weniger sympathisch wurde Mascha mir. Sie ist nicht wirklich beständig, will immer wieder was Neues und am Schlimmsten finde ich ihr Problem, dass sie sich “superschnell verliebt” und nicht bei einem Partner bleiben kann. Auch dass sie immer wieder zu Sari zurück geht finde ich eher seltsam, denn aus meiner Sicht hat es ja einen Grund gegeben die Beziehung zu beenden. Das Thema ist ganz aktuell und ich finde Olga hat es sehr gut getroffen mit den Problemen, die man als Kind ehemaliger Einwanderer hat. Man gehört nicht zu dem Land der Väter, man gehört aber auch nicht richtig nach Deutschland. Jedenfalls nicht für viele Deutsche. Und wenn man wie Mascha selbst in der Herkunft “gemischt” ist, wird es nur noch schwieriger. Sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin, dann mal wieder etwas anderes und meistens so, wie es dem Umfeld am besten passt. In Israel wird sie seltsam angeschaut, da sie fließend arabisch spricht. Sie hat es in ihrem ganzen Leben nicht einfach und durch den Verlust ihres wichtigsten Ruhepols wirkt sie nur noch verunsichert. Und ich muss sagen, dass Ende.. Ja, also ich habe es nicht wirklich verstanden, ich hätte mir ein geschlossenes und kein offenes Ende gewünscht, wobei dass dann wahrscheinlich nicht zu Mascha passen würde… Sprachlich lässt sich das Buch sehr gut lesen, es ist flüssig und nicht zu verschachtelt geschrieben. Ich hatte keine Probleme das Buch zu lesen. Mascha als Hauptcharakter wird sehr klar charakterisiert: Sie ist unzufrieden, sprachbegabt, von ihrer Geschichte geprägt und ein Stück weit zerstört, heimatlos, ruhelos, bisexuell… All das deutet auf ihr Grundproblem hin, denn sie weiß glaube ich selbst nicht wer sie ist. Fazit: Ein spannendes Thema, nämlich der Identitätsverlust oder eben die Probleme mit der eigenen Identität, die viele deutsche Jugendliche mit “ausländischen Wurzeln” haben. Da ich Probleme hatte mich mit Mascha zu identifizieren gebe ich dem Buch nur drei Federn. Ich denke aber, dass Olga damit ein wunderbares Debüt gelungen ist und das jeder es lesen und sich selbst ein Bild machen sollte, denn das ist es auf jeden Fall wert.

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