Olga Grjasnowa Die juristische Unschärfe einer Ehe

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Inhaltsangabe zu „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ von Olga Grjasnowa

Seitdem Leyla denken kann, wollte sie nur eins: tanzen. Doch nach einem Unfall muss sie das Moskauer Bolschoi-Theater verlassen. Altay ist Psychiater. Nachdem sich seine große Liebe umgebracht hat, lässt er keinen Mann mehr an sich heran. Leyla und Altay führen eine Scheinehe, um ihre Familien ruhigzustellen. Als die beiden in Berlin von vorne anfangen, tritt Jonoun in ihr Leben. Jonoun ist chaotisch, verfressen und unberechenbar. Und sie liebt Leyla. Aber das kann Altay nicht zulassen. Olga Grjasnowa erzählt von zwei Frauen und einem Mann, die von Liebe träumen, aber nicht wissen, wie man mit der Liebe lebt. Eine rasante Dreiecksgeschichte und ein ungeheuer direkt erzählter Roman über Glück und Unglück in einer Zeit, da alles möglich scheint.

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    Die juristische Unschärfe einer Ehe
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    18. September 2014 um 08:58

     Ein Vertrag kommt zustande durch Angebot und Annahme. Was auf die Fließbänder des Verhaltens gepackt wird, muss nicht besprochen werden. Konkludentes Handeln reicht. Beispiel: Sie ist affiziert und zeigt das an. Ein Gang zum Klo kriegt Aufforderungscharakter. Das Klo ist versifft, die Leidenschaft lacht den Dreck weg. In Olga Grjasnowas neuem Roman konkretisiert sich dieser Ablauf ohne Worte in einer Kreuzberger Kneipe. Da nimmt Jonoun das Interesse einer Frau wahr. Sie geht ihr voran zum Klo und folgt Leyla dann nach Hause, irritiert, aber nicht aus der Fassung gebracht vom Ehering der Bekanntschaft. Sie selbst hat mit Mitte Zwanzig schon eine Ehe hinter sich. In der fremden Wohnung lernt sie Altay kennen. Die in einem Kibbuz aufgewachsene Jonoun ist an ein Ehepaar aus Baku geraten. Leyla und Altay gehen erotisch getrennte Wege, ihre Ehe dient der Wahrung eines Anscheins. Dahinter steht das Prestige der Herkunftsfamilien, die eine Durchbrechung der postsowjetischen Ordnung sanktionieren müssten. Ein Tisch und drei Leute auf der Bühne - Thomas Wodianka, Mareike Beykirch und Anastasia Gubareva lesen im Maxim Gorki Theater aus Grjasnowas „Die juristische Unschärfe einer Ehe“. Sie korrigieren sich gegenseitig bei der Aussprache von Namen. Sie steigen krass ein, Leyla sitzt in Baku im Knast. Festgenommen wurde sie wegen der Teilnahme an einem illegalen Autorennen. Diese Konkurrenzen sind wohl ein Gipfel des Radical Chic, um einmal wieder an Tom Wolfe zu erinnern. Kinder reicher Leute begreifen sie als „letzte Möglichkeit der Revolte“. Das Vergnügen besteht darin, „Autos, auf die man früher jahrelang warten musste“, zu Schrott zu fahren. Immer nachts und immer in belebten Gegenden. Zwar steht diese Jeunesse dorée einer Clangesellschaft über dem Gesetz, aber das arrogante Rowdytum bringt den Polizeichef von Baku so auf die Palme, dass er eine Ausnahme macht und die rasende Blüte des Landes einbuchtet als sei sie Hänsel und Krethi – und nicht einflussreich bis nach Saudi-Arabien. Leyla war bis zu einem Unfall Tänzerin am Bolschoi Ballett. Sie gehört auch zur Crème de la Crème von Aserbaidschan, nur auf post-sowjetisch mit Heldengroßeltern, für die Schmerz pädagogisch wertvoll war. Deshalb Ballett, da „lernt man die drei Schmerzgrundarten“. Leyla fehlt das Ballett wie eine Droge. Eine gelungene Bewegung „macht sie high“. Ohne Training „fremdelt sie im eigenen Körper“. Das ist alles sehr interessant sortiert im Roman, soweit der Vortrag reicht. Die Schauspieler scheinen mit Spaß auf der Arbeit zu sein, doch bei Schauspielern weiß man nie. Zwei Polizeischüler, einer weist „eine schlecht operierte Hasenscharte“ vor, erniedrigen Leyla von Amts wegen. Die Schüler scheitern am „undurchdringlichen Hochmut“ der Gefangenen. Ich möchte noch einmal auf die jungen Autofahrer in Baku zurückkommen. Grjasnowa behauptet, ihre Revolte geschähe „aus Langeweile“. Der Westen habe sie enttäuscht. Er sei ihrer Kaufkraft nicht gewachsen. Sie verstehen sich runderneuerte Gauche Kaviar. Der Roman erfüllt Aufgaben einer Zeitung. In Aserbaidschan gilt „Homosexualität als Trend aus den Vereinigten Staaten von Amerika“. Derangierte „Sexarbeiter“ landen in der Psychiatrie. Leylas Mutter war „Muse der gesamten südkaukasischen Kulturlandschaft“. Sie sorgte dafür, „dass der Wille zu funktionieren zum Fundament der Persönlichkeit“ ihrer Tochter wurde. Altay holt Leyla aus dem Gefängnis. Er überrascht sie mit seinem Kinderwunsch. Zugleich klärt er auf „Gay Romeo“ was in Baku geht. Wieder bringt Grjasnowa Fakten. Außerhalb von Baku annoncieren nur vier Männer ihre Interessen auf der Plattform. In Baku sind es dreihundert, hauptsächlich Ausländer. Olga Grjasnowas Roman „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ , Hanser Verlag, 272 Seiten, Euro 19.90,-

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