Gott ist nicht schüchtern

von Olga Grjasnowa 
4,4 Sterne bei58 Bewertungen
Gott ist nicht schüchtern
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Aufwühlende Schilderung der Ereignisse in Syrien, die zeigt, wie schnell sich alles ändern kann...

Antigone8s avatar

Nüchtern vorgetragene Beobachtung über die Auflösung Syriens und eine der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit! Unbedingt lesen!

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Inhaltsangabe zu "Gott ist nicht schüchtern"

»Eindrucksvoll und berührend.« ZDF aspekte

Amal und Hammoudi sind jung, schön und privilegiert, und sie glauben an die Revolution in ihrem Land. Doch plötzlich verlieren sie alles und müssen ums Überleben kämpfen. Sie fliehen.
Ein erschütterndes, direktes und unvergessliches Buch.

„Amal schaut den Frauen auf der Straße nach. Plötzlich wird ihr bewusst, dass sie nicht mehr dazugehört. Niemand beachtet sie mehr. Wo ist ihr Haus? Ihre Karriere? Und ihre Straße, die immer nach Jasmin roch? Wo sind ihre Bücher und Schallplatten? Wo die Freunde und Verwandten? Die Partys und der Sommer vor dem Pool?
Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge, Refugees, Muslime oder Newcomer. Die Herablassung ist in jedem Atemzug spürbar.“

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783351036652
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:309 Seiten
Verlag:Aufbau Verlag
Erscheinungsdatum:17.03.2017

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Rezensionen und Bewertungen

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    ElkeMZs avatar
    ElkeMZvor 3 Tagen
    Kurzmeinung: Aufwühlende Schilderung der Ereignisse in Syrien, die zeigt, wie schnell sich alles ändern kann...
    Die Mächtigen und die Machtlosen...ist Gott alles egal?

    Amal, Youssef und Hammoudi sind die Protagonisten in diesem Roman, der in Damaskus 2011 seinen Ausgang nimmt. Hammoudi hat in Frankreich studiert und möchte eigentlich nur seinen Pass verlängern, als ihn die Ereignisse überrollen und er schlicht nicht mehr außer Landes kommt. Die Schauspielschülerin Amal und ihr späterer Fluchtbegleiter Youssef treffen sich bei einer Demonstration und hoffen auf eine friedliche Revolution - vergebens, wie wir wissen. Das Buch der in Aserbaischam geborenen Schriftstellerin Olga Grjasnowa ist nicht autobiografisch, beinhaltet aber Elemente der Flucht ihres syrischen Mannes, und beruht auf Gesprächen mit diversen geflüchteten Menschen, die sie als Jüdin auch aus der eigenen Familiengeschichte kennt oder in Lagern in Griechenland besucht hat. Die Autorin lebt außerdem in Berlin ganz in der Nähe der Sonnenallee ("der syrischen Straße"). Bezeichnend für das Buch ist, dass es als Protagonisten finanziell gut gestellte, eher intellektuelle Syrer gewählt hat, deren Leben eher dem westlich Priviligierter entspricht, als unserem heutzutage gerne bemühten Klischeebild des "typischen Flüchtlings". Dass, und wie flüchtende Menschen, dazu genau durch die Flucht werden, hat die Autorin mit ihrem Buch m.E. sehr gut dargelegt, genau wie sie über die unausweichliche Identifikation des Lesers mit den handelnden Figuren dafür sorgt, dass man relativ tief in die Geschichte eintauchen kann - so tief, wie man es gerade noch erträgt. Denn schonen tut sie den Leser nicht. Die Bedrohung und auch die Gewalt des Krieges, der Folter werden deutlich geschildert, obgleich nicht überstrapaziert. Es sieht sehr nach Fakten aus, da muss der Leser wohl durch. Sobald der Staat ausholt, ist Ende mit der "schönen (westlichen) Welt", genauso wie jeder in Syrien überlegen muss, wo er steht, und mit Menschen, die er zu kennen glaubte, seine Überraschungen erleben kann. So wie später auf der Flucht, wenn es um Schlepper oder Schwimmwesten geht. Die, die verloren haben, sind ausgeliefert, Die die noch im Rennen sind, wollen ihre Vorteile ziehen. Soweit kommt vor, was der Mensch an Schlechtigkeit zu bieten hat...und das wird eben realistisch geschildert. Und erstmal nicht sehr hoffnungsfroh. Selbst wer gerettet wird, fragt sich nach der Rettung, was der Sinn des Ganzen ist und ob sich der Gang der Welt je ändern wird. Den Tod kann man auch in Sicherheit erleiden, und er scheint nie gerecht zu sein, sonst wären zuhause längst Andere gestorben. Aber die leben weiter und sind an der Macht. Das alles erzählt in einer klaren, fast schnörkellosen, doch sehr lebendig wirkenden Sprache, die eher schlicht und gleichwohl eindrucksvoll ist, für mich an keiner Stelle langweilig. Kleine Pausen sind beim Lesen dennoch zu empfehlen, denn trotz allem, was vielleicht auch schon vorhersehbar war, ging mir der Stoff sehr nah. Das Ende hat mich überrascht, oder auch schockiert, auch wenn mancheiner es vllt. für überzogen halten mag. Fazit: Für mich war dieses Buch sehr beeindruckend, obwohl es nicht ganz neu ist und insofern auch nichts wirklich Neues erzählt hat. Man kann phasenweise nicht alle Figuren ausreichend ausgearbeitet finden, vllt. ist zumindest ein Protagonist auch etwas zu "edel" geraten. Im Vergleich zu anderen Büchern dieser Thematik gelingt es ihm aber, den Leser in die Rolle der Protagonisten zu versetzen und so auf der Gefühlsebene zu erfassen, was flüchtende Menschen bewegen mag, zumindest eine Ahnung zu bekommen, die viel mit der herrschenden Realität zu tun hat und nachdenklich macht. In jedem Fall dürfte es jedem vor Augen führen, dass die momentane Umwelt immer fragil ist, und es der Welten viele gibt, die auch zu ihrem Recht kommen sollten. Nicht nur Gott ist gefragt, sondern wir. Klare Leseempfehlung.

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    Antigone8s avatar
    Antigone8vor 7 Tagen
    Kurzmeinung: Nüchtern vorgetragene Beobachtung über die Auflösung Syriens und eine der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit! Unbedingt lesen!
    Sonst anonyme Menschen erhalten ein Gesicht

    Zunächst einige Worte zur Autorin: Olga Grjasnowa wurde 1984 in Baku, Aserbaidschan geboren. Sie lebte in Polen, Russland, Israel und der Türkei und ließ sich schließlich mit ihrer Familie in Berlin nieder. Bereits einige ihrer Werke wurden mit renomierten Preisen ausgezeichnet und auf die Bühne gebracht. 


    In "Gott ist nicht schüchtern" treffen wir zunächst auf Amal und Hammoudi. Diese Personen sind die Hauptprotagonisten des Buches und wir werden die Erzählung aus diesen beiden Perspektiven verfolgen. Amal studiert Schauspiel in Damaskus und gehört aufgrund des wohlhabenden Vaters zur priviligierten Schicht des Landes. Die Schilderungen über ihren Alltag könnten ohne Probleme in eine europäische Metropole verlegt werden, was das weitere Geschehen für den Leser umso schockierender Gestaltet. Hammoudi hat Syrien bereits verlassen, im Ausland Medizin studiert, einen Job an einem Vorzeigekrankenhaus in Paris erhalten und führt eine Beziehung zu einer schönen und intelligenten Frau. Er kehrt nur deswegen in seine Heimat zurück, weil er letzte Formalitäten erledigen muss. Zunächst haben beide nicht viele Gemeinsamkeiten, bis die Revolution sie erfasst und sie um ihr Überleben kämpfen müssen

    Der Roman wirkt aufgrund der sehr nüchternen, teilweise distanzierten Vortragsweise eher wie eine Reportage denn wie Prosa. Trozdem entwickelt das Buch einen ungemeinen Sog. Anhand der Erlebnisse von Amal und Hammoudi erfährt der Leser eine unglaubliche Katastrophe auf sehr persönliche Weise mit. Die Flüchtlinge, die uns aus den Nachrichten nur noch als Masse erreichen, erhalten hier wieder ein Gesicht und eine Identität. Olga Grjasnowa lässt den Leser am Ende mit einem Unbehagen zurück, dass bei dieser Thematik absolut angebracht ist und macht zugleich darauf aufmerksam, wie fragil scheinbar unumstößliche Sicherheiten sind. Erschütternd, sehr menschlich und auf jeden Fall lesenswert.

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    eulenmatzs avatar
    eulenmatzvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr nüchtern und gleichzeitig erschütternd. Ein wichtiges Buch über syrische Leben, die einfach zu zerbechen.
    Ein eindrucksvolles Buch

    INHALT:

    Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird.
    Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen.


    MEINUNG:

    Die Flucht aus Syrien ist ein Thema, was uns in Deutschland schon viele Jahre nun beschäftigt, weil es direkte Auswirkung auf uns hat. Trotz aller möglichen journalistischen Publikationen, die man dazu lesen, hören oder sehen kann, habe ich mich nie ernsthaft damit auseinandergesetzt, was einen Menschen dazu bringt aus seiner Heimat mehrere tausend Kilometer zu fliehen. Die Palette an Faktoren dabei ist sicherlich vielfältig. Literatur ist für mich immer ein Weg sich mit solchen Themen zu beschäftigen, um die Gedanken und Gefühle solcher Menschen besser verstehen zu können. Auch wenn Romane fiktiv sind, ist doch immer viel Wahres dran.


    Auch der Roman von Olga Grjasnowa liest als ein solcher. Es wird abwechselnd aus der Sicht von Amal und Hammoudi erzählt. Beide haben zunächst nicht wirklich viele Berührungspunkte miteinander, sondern sie stellen zwei beispielhafte Lebensläufe einer syrischen Frau und eines syrischen Mannes dar. Die Sprache von Olga Grjasnowa ist sehr nüchtern. Der Roman wirkte zunächst auf mich mehr wie ein Bericht als ein Roman. Zunächst lernt man Amal und Hammoudi kennen. Hierzu verrät der Klappentext schon einiges, sodass ich das an dieser Stelle nicht noch einmal wiederhole.


    Ich habe mich bisher nicht wirklich mit dem Konflikt in Syrien beschäftigt, also wann das losging und was die Auslöser waren. Das Buch lädt dazu sich damit parallel ein wenig zu beschäftigen, denn im Verlaufes des Romans wird deutlich spürbar, dass sich die Lage zuspitzt. Viele Leute verlassen das Land, Es gibt Zerstörungen. Leute werden getötet. Man weiß nicht mehr, wem man vertrauen kann. Sich gedanklich und auch durch Taten einer Form Widerstand anzuschließen ist lebensgefährlich. Die Autorin beschreibt diese Tatsachen in aller Nüchternheit und Klarheit. Sie schreibt so, wie es vermutlich auch ist. In dem Moment ist man als Leser froh im richtigen Land geboren zu sein.


    Auch die Einblicke als sie Europa/ Deutschland ankommen sind sehr eindringlich, wenn auch relativ kurz, da das Buch ja auch nur gute 300 Seiten hat. Dennoch reicht es um zu verstehen. In Syrien waren Amal und Hammoudi angesehene Leute, hatten ein Job, Familie und Freunde. In Deutschland sind sie Fremde und müssen sich mühsam wieder einen gewissen Lebensstandard erarbeiten und die Sehnsucht nach der Heimat bleibt ein stetiger Begleiter.

     

     

    FAZIT:

    Gott ist nicht schüchtern ist eine Geschichte, die man mal gelesen haben sollte, um Syrer besser verstehen zu können und warum man aus diesem Land flieht. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es sich mehr wie ein Tatsachenbericht las als ein klassischer Roman.

    Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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    K
    Kira113vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein ebenso schockierendes, wie geniales Buch, dass ich jedem empfehlen kann, der sich für die Thematik interessiert.
    Ein erschreckend realistisches, aber großartiges Buch

    In Gott ist nicht Schüchtern geht es um zwei junge Syrer, die ein normales Leben in Syrien führen. Als jedoch die Proteste beginnen und die Lage sich immer weiter zuspitzt sind sie schließlich gezwungen ihre Heimat zu verlassen, um als Flüchtlinge ihren Weg nach Europa zu beschreiten.
    Das Buch beschreibt auf seinen knapp 300 Seiten die Lage in Syrien erschreckend realistisch und ungeschönt, sodass ich manches Mal eine Gänsehaut hatte. Ich habe das Buch vor einigen Monaten begonnen und mich in der Mitte etwas festgebissen, doch als ich es wieder zur Hand genommen habe, war es als hätte ich nie aufgehört.
    Die Autorin schreibt sehr flüssig, aber nüchtern und dennoch schaffte sie es in meinem Kopf ein sehr genaues Bild der Umstände zu Schaffen. Beim Lesen selbst habe ich mich vor allem in Hammoudi sehr gut hineinversetzen können, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich selbst in einem Krankenhaus arbeite. Bei ihm hatte ich oft das Gefühl, direkt neben ihm zu Stehen. Mit Amal hatte ich als Charakter offen gestanden meine Schwierigkeiten, dennoch waren mir beide Charaktere mehr und mehr sympathisch.

    Die Handlung hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass sie sehr schwankend war und ich wie gesagt die Teile mit Hammoudi mehr genossen habe, als mit Amal. Dennoch war das Buch insgesamt sehr gut und spannend, auch wenn es mich mit einem frustrierten/beklemmenden Gefühl zurückließ, da ich es erschreckend fand, wie innerhalb der kurzen, beschrieben Zeit ein modernes Land wie Syrien einfach in sich zerfiel.  Ich gebe ihm 4,5 Sterne und kann es nur jedem wärmstens empfehlen, der sich für diese Thematik interessiert.

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch, welches fesselnd geschrieben ist.
    Die Flucht aus Syrien

    Es werden die Lebensustände von Hammoudi und Amal in Syrien beleuchtet. Wie das Leben dort ist und was sie beide zur Flucht aus Syrien getrieben hat. Wie die Flucht gelingt und die ersten Schritte ins neue Leben.
    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Man hat diese Geschichte und die Flucht in Deutschland sehr oft durch die Medien erlebt. Jetzt haben die Flüchtlinge Namen und eine Geschichte. Es ist spannend beschrieben worden. Als Leser flog ich über die Seiten und am Ende war ich traurig. Über das Ende und dass das Buch zuende ist.

    Fazit:
    Ein Must- Read!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein bewegendes Zeitdokument, das nachwirkt.
    Ein Roman über Syrien

    Amal lebt in Syrien, ist Schauspielerin und stammt aus einer Familie die das Assad-Regime unterstützt. Hammoudi ist für sein Medizinstudium nach Paris gezogen und dort bereits gut integriert. Eigentlich wollte er nur für kurze Zeit zurück nach Syrien, um seinen Pass zu verlängern. Doch dann darf er plötzlich nicht mehr ausreisen.

    Olga Grjasnowa erzählt hier die Geschichte zweier junger Menschen aus Syrien, die – jeder auf seine eigene Weise – den Anfang der Revolution erleben und sich ihr anschließen.

    Jedoch als sich die Situation für sie immer gefährlicher gestaltet und zuspitzt, bleibt ihnen am Ende nur noch die Flucht aus ihrem Land.

    Der Schreibstil ist zwar zunächst eher nüchtern und sachlich, (so dass ich anfangs etwas brauchte, mit der Geschichte warm zu werden), wird aber im Verlauf noch emotionaler.

    So gibt dieses Buch erschütternde Einblicke in ein zerbrochenes Land, in dem Menschen leben, die sich ihr Schicksal nicht aussuchen konnten, die Träume und Hoffnungen haben wie du und ich und doch gezwungen sind, alles hinter sich zu lassen. Ein bewegendes Zeitdokument, das lange nachwirkt.


    www.madame-vegan.de

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    Caro_Lesemausvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Ein aktuelles Zeugnis über den Syrienkrieg und Umstände einer Flucht
    Syrien - Ein brandaktuelles Thema in der heutigen Zeit

    In diesem Buch werden die Schicksale zweier junger Syrer kurz vor Ausbruch des Krieges beschrieben. Amal studiert Schauspiel in Damaskus und nimmt regelmäßig an Demonstrationen teil. Zusammen mit dem Regiestudenten Youssef hofft sie auf die Revolution und das Ende der Geheimdienstherrschaft. Hammoudi ist Arzt und hat die letzten Jahre in Paris gelebt und gearbeitet. Regelmäßig muss er in sein Heimatland reisen, um seinen Pass verlängern zu lassen. Plötzlich will das Amt ihm keine neue Ausreisegenehmigung erteilen und Hammoudi steckt in seiner Heimatstadt Daiz az-Zaur fest. Nach Ausbruch des Krieges arbeitet er als einziger Arzt im Ort in verbotenen Untergrundkrankenhäusern weiter. Irgendwann sind beide, Amal und Hammoudi, aus unterschiedlichen Gründen gezwungen zu fliehen, wenn sie weiterleben wollen. Beide gelangen auf unterschiedlichen Wegen über die Türkei schließlich nach Deutschland.


    Ich empfand das Buch zum größten Teil als eine Art Tatsachenbericht. Zwischen den Beschreibungen der Figuren bzw. ihrer Tätigkeiten ist kaum Platz für Prosa über das "rundherum". So könnte ich zum Beispiel kein nachhallendes Zitat auswählen, da alles recht nüchtern und sachlich beschrieben ist. Ich hätte mir gerade bei diesem Thema mehr emotionalen Tiefgang gewünscht. Ich konnte zwar die Angst und Verzweiflung der Figuren nachvollziehen, richtig nahe gegangen sind sie mir aber nicht. Die Flucht der beiden geschieht ab der Türkei über unterschiedliche Routen. Dieser Abschnitt hätte gern noch ausgebaut werden können. Die Kapitel über die beiden Schicksale wechseln sich meist ab und Hammoudis Flucht geschieht erst auf den letzten 50 Seiten - das war mir wirklich zu kurz. Wie der Titel zustande kommt, wird nicht explizit klar. Vielleicht ist damit gemeint, dass einem viel Leid widerfahren kann, auch wenn man gottgläubig ist? Ich weiß es nicht so genau. Schön wäre außerdem ein Glossar zu den verwendeten arabischen Wörtern gewesen, die auch im laufenden Text zumeist nicht erklärt wurden.


    Fazit:
    Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch von Menschen gelesen würde, die eine abwertende Meinung über flüchtende Menschen haben oder gar den Syrienkrieg verharmlosen. Leider ist es jedoch meist so, dass solche Meinungen sehr gefestigt sind und ein solcher Roman abgelehnt wird, da er Wahrheiten enthalten könnte, die man nicht hören möchte, um nicht zugeben zu müssen, dass man Unrecht hatte. Alles in allem ist es ein empfehlenswertes Buch mit einem aktuellen Zeitzeugnis.

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    HibiscusFlowervor 10 Monaten
    Nüchtern wird das Grauen in den Mittelpunkt gerückt

    Klappentext des Verlages:
    Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird.
    Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen.


    Obwohl die Autorin von Beginn an einen nüchternen Schreibstil anschlägt, gelingt es ihr mit dem Verlauf, die Schilderungen des Geschehens eindringlicher werden zu lassen. Während man das Grauen und das Leid verfolgt, drängt unweigerlich eine Empathie an die Oberfläche, die mehr mit dem entsetzlichen Geschehen als mit den beiden Protagonisten verbunden ist.

    Mit Amal lernt man eine junge Frau kennen, die ein sehr westliches, gut situiertes Leben führt, das ihr durch ihren Vater ermöglicht wird. Vieles hat er schon für sie gerade gebogen, doch während sich die Lage um die Revolution zuspitzt, durchläuft Amal eine Veränderung, bei der sie selbst agieren muss. Sie verlässt ihre Heimat und das Leben, das sie wollte. Sie muss selbst etwas tun, um zu überleben.

    Hammoudis Geschichte steht gerade anfänglich für die Willkür des Regimes, bei der es keinerlei Rolle spielt, was für ein Leben er sich aufgebaut hat und von jetzt auf gleich verliert. Trotz Anlaufschwierigkeiten hat er etwas gefunden, mit dem er zwischen all dem Chaos und der Zerstörung helfen kann, selbst wenn er dabei jegliche Grenzen überschreiten und letztendlich aufgeben muss.

    Auch wenn ich es vermisst habe, näher an den Protagonisten zu sein, empfinde ich den Abstand als (hoffentlich) bewusst von der Autorin so gewählt, da ihre Flucht vor dem Kriegsgeschehen für so viele steht und somit das damit verbundene Grauen in den Mittelpunkt gerückt wird. Vielleicht hadere ich deshalb mit dem Ende, das auf mich sehr schnell herbeigeführt, leicht erzwungen und etwas offen daherkam.

    Anders als erwartet, so muss ich gestehen. Dennoch ist es Olga Grjasnowa gelungen, eindringlich den Fokus auf dieses aktuelle, erschütternde Thema zu lenken.

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    naninkavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr gutes, aktuelles, erschütterndes Buch, zeitweilen nüchtern und brutal. Ein Lesemuss...
    Die Welt hat eine neue Rasse hervorgebracht - die der Flüchtlinge....

    Es ist die Geschichte von Amal und Hammoudi. Sie kennen sich noch nicht. Sie kommen aus verschiedenen Städten und im Verlauf der Geschichte kreuzen sich ihre Wege mehrmals. Beide stehen voll im Leben, beide sind erfolgsverwöhnt und gehören zu der wohlhabenden oberen Mittelschicht. 


    Hammoudi studiert in Paris Medizin, schliesst sein Studium mit Auszeichnung ab und findet die Stelle, die er sich wünscht. Er ist glücklich und liiert in Paris. Nichts ahnend reist er für ein paar Tage nach Syrien, um seinen Pass zu erneuern. Doch dieser Pass wird nicht erneuert, er kann nicht ausreisen und aus Demonstrationen und kleinen Scharmützeln entwickelt sich ein Krieg, dessen Tragweite und Brutalität sich nicht erahnen liess. 


    Amal ist eine erfolgreiche Schauspielerin. Sie lebt gut und geniesst das Leben. Als sie bei einer Demonstration mitmacht wird sie aufgegriffen und lernt die Brutalität der Miliz kennen. Ihr Vater schafft es mit Geld und Einfluss, sie freizukaufen. Sie steht ihrem Vater nahe und doch erfährt sie Dinge, die sie sich nie hätte erträumen lassen... 


    Doch das alles ist nur der Anfang. Das Leben wird rauh, brutal und unerträglich. Viele flüchten, doch viele lehnen sich gegen das Regiment auf, bis auch sie gebrochen werden, resignieren und flüchten. Die Menschen werden stumpf und sterben innerlich. 


    Wir erleben die Fluchtgeschichten von Amal und Hammoudi. Beide machen unerträgliches durch, werden gefoltert, erleben eine traumatische und traurige Fluchtgeschichte. Beide sind tapfer und setzen sich für ihr Land ein. Hammoudi bleibt und versucht so viele Leben wie möglich zu retten in improvisierten Krankenstationen im Verborgenen bis klar wird, dass man ihn dafür aufs brutalste töten wird. Abgestumpft und erschöpft zögert er die Flucht hinaus. 


    Im dritten Teil des Buches wird ihre Ankunft in Europa geschildert, die vielen Formalitäten, der Kampf ums Überleben als Flüchtlinge. Amal und Hammoudi begegnen sich und obwohl nur kurze Begegnungen geschildert werden, finden sie Trost, Zuflucht und Vertrauen in einander.... 


    Mich hat das Buch zutiefst berührt. Die vielen Brutalitäten haben das Lesen zeitweilen zur Qual gemacht, doch diese zwei Schicksale haben mir auf spannende, authentische Weise die Kultur näher gebracht und auch wie unberechenbar dieser Krieg, die Härte und Brutalität des Regimes ist. 


    „Die Welt hat eine neue Rasse hervorgebracht, die der Flüchtlinge...“ Und jeden kann es treffen...

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    Mary2s avatar
    Mary2vor einem Jahr
    "Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge......."

    Die Autorin erzählt das fiktive Schicksal zweier junger Syrer aus der Mittelschicht und beginnt im Jahr 2011, als die Revolution in Syrien Fuß zu fassen sucht.

    Amal und Hammoudi kennen sich nicht und stammen aus verschiedenen syrischen Städten.

    Aus verschiedenen Gründen verlassen sie ihr Land in Richtung Europa.

    Ihre Wege kreuzen sich im Laufe des Buches mehrmals.

    Am Ende werden sie Deutschland erreicht haben und damit auch dem Leser sehr nahe gekommen sein. Unklar bleibt der zeitliche Ablauf der Geschehnisse, am Schluss des Buches dürfte das Jahr 2015 erreicht sein.

    Für den westlichen Leser ergeben sich vielfältige Einblicke in das Alltags-Leben der syrischen Mittelschicht. Dies ist ausgesprochen aufschlussreich.

    Freunde, Musik, Partys einerseits, aber auch Korruption, Geheimdienst und ein verhasstes Regime andererseits.

    Amal und Hammoudi haben beide einen Beruf: Sie ist Schauspielerin mit ersten TV-Engagements, er hat in Paris Medizin studiert und möchte dort auch weiterhin als Arzt tätig sein. Durch die verschiedenen Hintergründe ist der Einblick in das syrische Leben der Jahre 2011-2015 vielfältig.

    Das Buch ist in drei unterschiedlich lange Teile gegliedert:

    Teil I umfasst nahezu die Hälfte des Romans und führt in das Leben und die Hintergründe ein. Die Revolution in Syrien beginnt mit Demonstrationen. Diese Einführung ist sicherlich notwendig, um die Flucht-Geschichte vorzubereiten, allerdings auch sehr langwierig.

    Ein Satz von Amal fasst diesen Teil zusammen: „Das ist ein böses Omen.“

    Im zweiten Teil bricht Amal aus ihrer Heimat auf und gelangt zunächst nach Beirut, während Hammoudi in einem geheimen Krankenhaus als Chirurg tätig ist und täglich mit dem Krieg konfrontiert ist. Hier fällt der Satz

    „Ich dachte, wir machen eine Revolution und zetteln keinen Krieg an.“

    Zerstörung und Willkür, Bombardierung und Scharfschützen machen das Überleben schwierig. Der sinnlose Tod ist allgegnwärtig. Hammoudi bleibt dennoch vor Ort, denn er ist hier der einzige Arzt.

    Amals Schicksal führt sie mit ihrem Gefährten Youssef nach Istanbul – Zwischenstation nach Europa.

    Am Ende dieses Teils ist dann auch Hammoudi unterwegs und gelangt über die Türkei und Griechenland nach Serbien und schließlich nach Mitteleuropa.

    Beide Fluchtgeschichten sind sehr dramatisch und reich an Grenzerfahrungen.

    Da die Autorin nur episodenhaft erzählt, hat auch der Leser lediglich eine beobachtende Rolle.

    Der kurze Teil III erzählt schließlich die Vorkommnisse in Deutschland: Asylantrag, Flüchtlingsunterkunft, Sprachkurs, die erste Arbeitsstelle.

    „Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge,…“

    Hier geht für mein Empfinden vieles zu schnell, ich konnte nicht alles nachvollziehen und einige Aspekte (Anerkennung als Flüchtling) werden nur tangiert.

    Sprachlich ist der Roman sehr geradlinig. Meist im Präsens erzählt, einige Passagen jedoch als Rückblende. Die Auswahl scheint willkürlich. Häufig wechselt die Perspektive zwischen Amal und Hammoudi. Die Abschnitte enden oft abrupt – Spotlight aus. Manches Mal hätte ich mir eine Abrundung des Kapitels gewünscht.

    Ich habe dieses Buch fasziniert gelesen, wenngleich die Lektüre nicht immer leichtfiel.

    Das Flucht-Thema in einem Roman zu thematisieren halte ich für eine wichtige Sache.

    Sprachlich ist der Roman sehr geradlinig, manchmal einfach. Die teilweise episodenhafte Erzählweise, in der längere Zeitabschnitte kaum beleuchtet werden, war für mich gewöhnungsbedürftig.

    Fazit:

    Ein wichtiges Buch, aber kein einfaches Buch.

    Die Erzählweise sprach mich nur begrenzt an. Daher gibt es von mir 3,5 Sterne, die ich hier aufrunde.

    Eine Leseempfehlung: Ja!

    Die Vermarktung als „Flucht-Geschichte“ trifft allerdings nur begrenzt, nämlich auf Teil II, zu. Das sollte der Leser vorher wissen, um nicht enttäuscht zu werden.

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