Olga Grjasnowa Gott ist nicht schüchtern

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Inhaltsangabe zu „Gott ist nicht schüchtern“ von Olga Grjasnowa

„Hier kommt die Welt zu Ihnen, wie sie noch nie zu Ihnen gekommen ist.“ Elmar Krekeler, DIE WELT. Amal und Hammoudi sind jung, schön und privilegiert, und sie glauben an die Revolution in ihrem Land. Doch plötzlich verlieren sie alles und müssen ums Überleben kämpfen. Sie fliehen. Ein erschütterndes, direktes und unvergessliches Buch. „Amal schaut den Frauen auf der Straße nach. Plötzlich wird ihr bewusst, dass sie nicht mehr dazugehört. Niemand beachtet sie mehr. Wo ist ihr Haus? Ihre Karriere? Und ihre Straße, die immer nach Jasmin roch? Wo sind ihre Bücher und Schallplatten? Wo die Freunde und Verwandten? Die Partys und der Sommer vor dem Pool? Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge, Refugees, Muslime oder Newcomer. Die Herablassung ist in jedem Atemzug spürbar.“ Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird. Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen. Olga Grjasnowas Romane erinnern uns immer wieder daran, dass es nicht nur diese eine Welt vor unserer Haustür gibt, sondern sehr viele Welten, und dass es sich lohnt, sie kennenzulernen. Ihr neues Buch ist ein erschütterndes Dokument unserer Zeit.

Ein sehr gutes, aktuelles, erschütterndes Buch, zeitweilen nüchtern und brutal. Ein Lesemuss...

— naninka

Wer sich für das aktuelle Zeitgeschehen interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.

— Buecherwurm1973

Syrienkrieg ist im Zentrum des Buches und liefert viele interessante Einblicke. Dafür kam mir die Flucht zu kurz.

— histeriker

Ein starkes Buch über die Angst und Perspektivenlosigkeit im Leben der Flüchtlinge aber auch über die Willkür eines sinnlosen Krieges.

— jenvo82

unbedingt empfehlenswert aber keine heitere Urlaubslektüre

— readmore

Eine direkte, ernste und realitätsnahe Geschichte, die mich unerwartet in ihren Bann gezogen hat.

— Bandelo

Ein absolutes Lesemuss!

— raven1711

Thematisch zweifellos ein wichtiger und großer Roman, dessen Umsetzung jedoch Schwächen aufweist. Nichtsdestotrotz: Lesen!

— leselea

Leider fehlt das Gefühl im Schreibstil

— StMoonlight

Trotz nüchterne Sprache, eindringliches Buch über das Drama in Syrien!

— Mira20

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  • Die Welt hat eine neue Rasse hervorgebracht - die der Flüchtlinge....

    Gott ist nicht schüchtern

    naninka

    21. October 2017 um 21:17

    Es ist die Geschichte von Amal und Hammoudi. Sie kennen sich noch nicht. Sie kommen aus verschiedenen Städten und im Verlauf der Geschichte kreuzen sich ihre Wege mehrmals. Beide stehen voll im Leben, beide sind erfolgsverwöhnt und gehören zu der wohlhabenden oberen Mittelschicht. Hammoudi studiert in Paris Medizin, schliesst sein Studium mit Auszeichnung ab und findet die Stelle, die er sich wünscht. Er ist glücklich und liiert in Paris. Nichts ahnend reist er für ein paar Tage nach Syrien, um seinen Pass zu erneuern. Doch dieser Pass wird nicht erneuert, er kann nicht ausreisen und aus Demonstrationen und kleinen Scharmützeln entwickelt sich ein Krieg, dessen Tragweite und Brutalität sich nicht erahnen liess. Amal ist eine erfolgreiche Schauspielerin. Sie lebt gut und geniesst das Leben. Als sie bei einer Demonstration mitmacht wird sie aufgegriffen und lernt die Brutalität der Miliz kennen. Ihr Vater schafft es mit Geld und Einfluss, sie freizukaufen. Sie steht ihrem Vater nahe und doch erfährt sie Dinge, die sie sich nie hätte erträumen lassen... Doch das alles ist nur der Anfang. Das Leben wird rauh, brutal und unerträglich. Viele flüchten, doch viele lehnen sich gegen das Regiment auf, bis auch sie gebrochen werden, resignieren und flüchten. Die Menschen werden stumpf und sterben innerlich. Wir erleben die Fluchtgeschichten von Amal und Hammoudi. Beide machen unerträgliches durch, werden gefoltert, erleben eine traumatische und traurige Fluchtgeschichte. Beide sind tapfer und setzen sich für ihr Land ein. Hammoudi bleibt und versucht so viele Leben wie möglich zu retten in improvisierten Krankenstationen im verborgenen bis klar wird, dass man ihn dafür aufs brutalste töten wird. Abgestumpft und erschöpft zögert er die Flucht hinaus. Im dritten Teil des Buches wird ihre Ankunft in Europa geschildert, die vielen Formalitäten, der Kampf ums Überleben als Flüchtlinge. Amal und Hammoudi begegnen sich und obwohl nur kurze Begegnungen geschildert werden, finden sie Trost, Zuflucht und Vertrauen in einander.... Mich hat das Buch zutiefst berührt. Die vielen Brutalitäten haben das Lesen zeitweilen zur Qual gemacht, doch diese zwei Schicksale haben mir auf spannende, authentische Weise die Kultur näher gebracht und auch wie unberechenbar dieser Krieg, die Härte und Brutalität des Regimes ist. „Die Welt hat eine neue Rasse hervorgebracht, die der Flüchtlinge...“ Und jeden kann es treffen...

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  • "Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge......."

    Gott ist nicht schüchtern

    Mary2

    18. September 2017 um 06:29

    Die Autorin erzählt das fiktive Schicksal zweier junger Syrer aus der Mittelschicht und beginnt im Jahr 2011, als die Revolution in Syrien Fuß zu fassen sucht. Amal und Hammoudi kennen sich nicht und stammen aus verschiedenen syrischen Städten. Aus verschiedenen Gründen verlassen sie ihr Land in Richtung Europa. Ihre Wege kreuzen sich im Laufe des Buches mehrmals. Am Ende werden sie Deutschland erreicht haben und damit auch dem Leser sehr nahe gekommen sein. Unklar bleibt der zeitliche Ablauf der Geschehnisse, am Schluss des Buches dürfte das Jahr 2015 erreicht sein. Für den westlichen Leser ergeben sich vielfältige Einblicke in das Alltags-Leben der syrischen Mittelschicht. Dies ist ausgesprochen aufschlussreich. Freunde, Musik, Partys einerseits, aber auch Korruption, Geheimdienst und ein verhasstes Regime andererseits. Amal und Hammoudi haben beide einen Beruf: Sie ist Schauspielerin mit ersten TV-Engagements, er hat in Paris Medizin studiert und möchte dort auch weiterhin als Arzt tätig sein. Durch die verschiedenen Hintergründe ist der Einblick in das syrische Leben der Jahre 2011-2015 vielfältig. Das Buch ist in drei unterschiedlich lange Teile gegliedert: Teil I umfasst nahezu die Hälfte des Romans und führt in das Leben und die Hintergründe ein. Die Revolution in Syrien beginnt mit Demonstrationen. Diese Einführung ist sicherlich notwendig, um die Flucht-Geschichte vorzubereiten, allerdings auch sehr langwierig. Ein Satz von Amal fasst diesen Teil zusammen: „Das ist ein böses Omen.“ Im zweiten Teil bricht Amal aus ihrer Heimat auf und gelangt zunächst nach Beirut, während Hammoudi in einem geheimen Krankenhaus als Chirurg tätig ist und täglich mit dem Krieg konfrontiert ist. Hier fällt der Satz „Ich dachte, wir machen eine Revolution und zetteln keinen Krieg an.“ Zerstörung und Willkür, Bombardierung und Scharfschützen machen das Überleben schwierig. Der sinnlose Tod ist allgegnwärtig. Hammoudi bleibt dennoch vor Ort, denn er ist hier der einzige Arzt. Amals Schicksal führt sie mit ihrem Gefährten Youssef nach Istanbul – Zwischenstation nach Europa. Am Ende dieses Teils ist dann auch Hammoudi unterwegs und gelangt über die Türkei und Griechenland nach Serbien und schließlich nach Mitteleuropa. Beide Fluchtgeschichten sind sehr dramatisch und reich an Grenzerfahrungen. Da die Autorin nur episodenhaft erzählt, hat auch der Leser lediglich eine beobachtende Rolle. Der kurze Teil III erzählt schließlich die Vorkommnisse in Deutschland: Asylantrag, Flüchtlingsunterkunft, Sprachkurs, die erste Arbeitsstelle. „Die Welt hat eine neue Rasse erfunden, die der Flüchtlinge,…“ Hier geht für mein Empfinden vieles zu schnell, ich konnte nicht alles nachvollziehen und einige Aspekte (Anerkennung als Flüchtling) werden nur tangiert. Sprachlich ist der Roman sehr geradlinig. Meist im Präsens erzählt, einige Passagen jedoch als Rückblende. Die Auswahl scheint willkürlich. Häufig wechselt die Perspektive zwischen Amal und Hammoudi. Die Abschnitte enden oft abrupt – Spotlight aus. Manches Mal hätte ich mir eine Abrundung des Kapitels gewünscht. Ich habe dieses Buch fasziniert gelesen, wenngleich die Lektüre nicht immer leichtfiel. Das Flucht-Thema in einem Roman zu thematisieren halte ich für eine wichtige Sache. Sprachlich ist der Roman sehr geradlinig, manchmal einfach. Die teilweise episodenhafte Erzählweise, in der längere Zeitabschnitte kaum beleuchtet werden, war für mich gewöhnungsbedürftig. Fazit: Ein wichtiges Buch, aber kein einfaches Buch. Die Erzählweise sprach mich nur begrenzt an. Daher gibt es von mir 3,5 Sterne, die ich hier aufrunde. Eine Leseempfehlung: Ja! Die Vermarktung als „Flucht-Geschichte“ trifft allerdings nur begrenzt, nämlich auf Teil II, zu. Das sollte der Leser vorher wissen, um nicht enttäuscht zu werden.

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  • dieses Buch kann Augen öffnen

    Gott ist nicht schüchtern

    robbylesegern

    31. August 2017 um 19:50

    Ich habe schon einige Bücher über Flüchtlingsschicksale gelesen ,gerade über Flüchtlinge aus Syrien, doch dieses Buch bietet soviel mehr . Es öffnet dem Leser die Augen, warum Menschen ihre Heimat verlassen und wie der Alltag in Syrien aussieht. Anhand zweier Schicksale erzählt dieses Buch die Flucht von zwei Syrern , denen nichts anders bleibt als die Hoffnung.Amal und Hammoudi sind die Protagonisten dieses Buches. Amal, Schauspielerin und in einer previligierten Familie aufgewachsen, da ihr Vater das Assad Regime unterstützt und Hammoudi, der in Frankreich Medizin studierte und einfach nur seinen Pass im Heimatland verlängern will, da er ein gute Stelle in Paris angeboten bekommen hat. Beide erleben die politischen Veränderungen in ihrem Heimatland mit und entschließen sich für die Revolution zu kämpfen.Wir als Deutsche, die in einem friedlichen und demokratischen Land aufgewachsen sind, denen Wohlstand in Form von regelmäßigem Essen , einem Bett und einem Dach über dem Kopf , Kleidung und Bildung, meistens sogar noch viel mehr, als selbstverständlich erscheint , können uns glaube ich gar nicht vorstellen, was es heißt in einem Land wie Syrien zu leben. Mich hat es sehr betroffen gemacht zu lesen, unter welchen Bedingungen dort die Menschen auch schon vor dem Krieg gelebt haben.Absolute Kontrolle durch Geheimdienste , Willkür ,Korruption , Bedingungen, die uns z. T. vielleicht aus der ehemaligen DDR bekannt sind ,die wir aber immer als sehr negativ empfunden haben. Alltag in Syrien vor dem Krieg. Das , was dann die Revolution zur Folge hatte ist nur noch grausam und für mich ein sehr eindeutiger Grund sein Heimatland zu verlassen und dies sicherlich nicht leichtfertig und mit dem Hintergrund die Sozialsysteme der westlichen Länder auszunutzen. Wer dies auch heute noch annimmt, der sollte dieses Buch lesen und sich die Augen öffnen lassen über ein Land, dass der Westen viel zu lange im Stich gelassen hat.

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  • Gott ist nicht schüchtern

    Gott ist nicht schüchtern

    Buecherwurm1973

    07. August 2017 um 18:06

    Anhand der Geschichten von Amal und Hammoudi erfahren wir, wie die Revolution in Syrien ihren Anfang genommen hat. Amal ist eine junge Schauspielerin, die an vielen Demonstrationen teilnimmt. Mit der Bekanntschaft mit Youssef gerät sie ins Visier des Geheimdienstes. Irgendwann bleibt ihr als einziger Ausweg die Flucht.Hammoudi hat in Paris studiert und ist mit Claire verlobt. Er muss in seine Heimat reisen, um seinen Pass zu verlängern. Was nach einer Kleinigkeit tönt, wird für Hammoudi zu einer Odyssee. Sein Pass wird nicht verlängert und kann somit nicht mehr nach Frankreich zurückreisen. Die beiden jungen Menschen haben eine Gemeinsamkeit. Sie stammen aus reichem Haus und haben die richtigen Verbindungen, die sie warnen können. Die beiden werden sich auch ein paar Mal begegnen. Die Autorin hat einen sachlichen und klaren Schreibstil. Dennoch kann man Düfte und Aromen förmlich riechen oder schmecken. Man muss sich für das Buch Zeit nehmen, so kann man die Geschichte auch bildlich vor dem inneren Auge verfolgen. Ich brauchte auf jeden Fall länger für das Buch als üblich. Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass ich einige Informationen erst einmal verarbeiten und einordnen musste. Anhand den Schicksalen von Amal und Hammoudi erhält der Leser einen Eindruck, wie so eine Flucht ablaufen kann und welche Ängste ein Flüchtling aushalten muss. Beeindruckend ist auch, wieviel Reichtum die Flüchtlinge zurücklassen oder welche Wertsachen sie in Geld umwandeln, welches kaum zum Leben reicht. Das Buch bringt viel Hintergrundwissen zu den täglichen Nachrichten, die uns rundum das Thema „Flüchtlinge“ erreichen. Mein Fazit zu diesem Buch: Wer sich für das aktuelle Zeitgeschehen interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. 

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  • Syrienkrieg und Flucht

    Gott ist nicht schüchtern

    histeriker

    28. July 2017 um 17:49

    Inhalt:Anhand der Schicksale von Amal und Hammoudi wird die Situation in Syrien eit 2011 dargestellt. Die Geschichte endet kurz nach dem die Protagonisten in Berlin ankommen.Bewertung:Nach dem ich den Klappentext gelesen habe, habe ich mich darauf eingestellt, ein Buch über Flucht zu lesen. Das war aber für mich nicht der Fall, die Flucht beginnt wirklich erst nach der Hälfte des Buches und auch da wird es nur exemplarisch abgehandelt. Das ist der Grund, wieso das Buch nur 4 Sterne bekommt. Meine Erwartungen waren halt anders als das Buch.Was das Buch für mich trotzdem wertvoll macht und es die 4 Sterne wert ist?Zuerst die Charaktere. Sie sind sehr gut gewählt, man kann sich mit ihnen identifizieren und ihre Handlungen sind mehrheitlich nachvollziehbar. Durch ihren Lebeslauf zeigen sie die Probleme in Syrien sehr deutlich und man hat den Eindruck mit ihnen das ganze miterlebt zu haben.Zweitens Syrien. Ich bezeichne mich als politischen Menschen, auf jeden Fall als informiert. Trotzdem hat mir das Buch vor Augen geführt, welche Kenntnisse ich nicht habe und wie ich viele Sachen unterschätze. Die Situation in Deir az-Zour war mir völlig unbekannt, für mich hat sich vieles auf Aleppo reduziert und da hat dieser Roman sehr geholfen, mich mit neuen Sachen auseinanderzusetzten.Der Stil der Autorin ist angenehm und unaufgeregt, auch schlimme Erlebnisse kann man ohne Effekthascherei beschreiben und trotzdem fühlbar und nachlebbar machen.Ein Buch, dass mich sehr beeinflusst hat.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1787
  • Eine Odyssee in Richtung Zukunft

    Gott ist nicht schüchtern

    jenvo82

    24. July 2017 um 09:00

    „Er weiß, dass er genau in diesem Moment zu einem Sohn seiner Stadt werden könnte. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben. Seine Stadt steht vor einem Wendepunkt, und alle wissen, dass es kein Zurück mehr gibt.“ Inhalt Während der junge Arzt Hammoudi nur noch einmal in seine syrische Heimat zurückkehren muss, um sich eine Verlängerung für seine auslaufende französische Aufenthaltsgenehmigung zu holen, möchte die Syrerin Amal ein freies Leben in ihrer Heimatstadt Deir az-Zour und schließt sich dem Widerstand an. Sie wünscht sich ein schönes Zuhause, einen freien, intakten Freundeskreis und ein echtes berufliches Auskommen ohne Bestechung und ohne ständige Beschattung durch den Staat. Doch die politischen Unruhen greifen bereits drastisch um sich und verändern den Lebensalltag der Bevölkerung sehr nachhaltig und rivalisierende Untergrundbewegungen bringen weiteres Unheil über unschuldige Menschen. Für Hammoudi bleibt die Rückkehr ins friedliche Europa verwehrt, so dass er beschließt, den Menschen in seinem Land zu helfen – Menschen, die keine medizinische Versorgung bekommen, weil sie ins Kreuzfeuer der feindlichen Armeen geraten sind. Und erst als ihm bewusst wird, dass sein eigenes Leben in Syrien überhaupt keinen Wert mehr besitzt, schlägt er den Weg vieler anderer Flüchtlinge über das Mittelmeer ein. Und auch Amal muss erkennen, dass sie in ihrer Heimat keine Zukunftsperspektive haben wird und nimmt die Anstrengungen einer Flucht auf sich, selbst wenn das bedeutet, die eigene Identität aufgeben zu müssen … Meinung Dieser zeitgenössische Roman greift den aktuellen Anlass einer zerrütteten, desolaten Nahostpolitik auf und setzt ihn in Verbindung mit scheinbar willkürlichen Menschenschicksalen, die erst durch die Dramatik der Kriegshandlungen einen unausweichlichen Charakter annehmen. Der Fokus der aus Ascherbaidschan stammenden Autorin Olga Grjasnowa liegt auf der Machtlosigkeit des Einzelnen, der zu Gunsten einer militanten Politik immer weiter ins Hintertreffen gerät. Dabei schont sie den Leser in keiner Weise, sie beschreibt vielmehr sachlich und ausreichend distanziert die Gräuel und Schandtaten im Alltag eines vernichtenden Bürgerkrieges. Terroristen und Selbstmörder treffen auf Unschuldige und jeden Tag, immer wieder aufs Neue entscheidet sich, ob es ein „morgen“ geben wird und wie es denn aussehen mag. Gerade diese Erzählweise, die Abstand zu Emotionen und Menschen hält, hat mir in diesem Kontext besonders gut gefallen, weil dadurch die Protagonisten fast austauschbar erscheinen, ihre Namen ebenso verblassen, wie die bittere Realität tausender Betroffener. Es sind weniger die starken Charaktere mit ihren persönlichen Entscheidungen, die diesem Roman ein Gesicht verleihen, als vielmehr die gnadenlose, sinnlos erscheinende Notwendigkeit kriegerischer Handlungen, die so viele Menschen mit Unbarmherzigkeit in die heimatlose Ungewissheit treibt. Fazit Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen hochaktuellen, zeitgenössischen Roman über die vielfältigen Ursachen der Flüchtlingswelle, der mich auf ungewöhnliche Blickwinkel aufmerksam machen konnte und viel Inhalt mit schierem Entsetzen koppelt. Ein Buch, welches Perspektiven zeigt aber auch deutliche Grenzen sichtbar macht – Grenzen, die Menschen geschaffen haben um sie auf Leben und Tod zu verteidigen unter dem Schutzmantel einer fragwürdigen Ideologie. Zeitlos und bewegend zugleich kann der Leser eintauchen in eine Welt, die er eigentlich nicht kennen möchte.

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    • 8
  • Die Wirklichkeit in Syrien ist mindestens genauso schlimm

    Gott ist nicht schüchtern

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    20. July 2017 um 20:50

    In Syrien wurden auch viele privilegierte Menschen zu Flüchtlingen. Die Beschreibungen im Buch kommen mir keinesfalls übertrieben vor. Von  meiner Arbeit in der Flüchtlingshilfe kenne ich eine Reihe von Schilderungen, die sich mit denen des Buches decken. Wer das Buch gelesen hat und immer noch behauptet, dass die Flüchtlinge nur zu uns kommen um versorgt zu sein, der hat nichts verstanden.Der nüchterne Schreibstil passt dazu, weil bei solchen Schicksalen persönliche Gefühle verkümmern. Ein aktuelles, realistisches und manchmal schwer erträgliches Buch.

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  • Unerwartet gut

    Gott ist nicht schüchtern

    Bandelo

    19. July 2017 um 13:15

    Erster Satz: Durch das Bullauge des Flugzeugs sind bereits die ersten Felder zu sehen, ihnen folgt ein Häusermeer und verschwindet wieder, dann schwenkt die Tragfläche nach oben, und durch das Fenster ist nur noch das Himmelblau zu sehen.       Wie komme ich zu dem Buch? Es ist in der Top 3 Voting Challenge im Juli gewählt worden.                  Cover und Einband: Das Cover zeigt einen Schwarm Vögel, davor der Schriftzug in Gelb-Gold. Es hat nichts mit der Geschichte zu tun und passt doch irgendwie.          Layout: Die Kapitel sind weder durchnummeriert, noch haben sie Überschriften. Lediglich der erste Buchstabe ist größer und zeigt so den Anfang eines neuen Kapitels. Das Buch ist in drei Teile geteilt, vor jedem ist eine Landkarte mit dem jeweils relevanten Ausschnitt für den Abschnitt. Die Seitenzahlen sind dick gedruckt und in einer sehr hübschen Schrift.     Inhalt und Schreibstil: Es ist die Geschichte von der Revolution in Syrien und der Flucht. Es gibt, wie schon aus dem Klappentext zu entnehmen ist, zwei Protagonisten, die viel erleben und sich dann entscheiden zu fliehen. Die Beschreibung der Geschichte ist direkt, hart offen und doch sehr lebendig und anschaulich. Sie weckt im Leser Gefühle, die auch über das Lesen hinaus andauern und stimmt nachdenklich. Dieses Buch ist eindeutig nichts für Menschen mit schwachen Nerven und erfordert volle Aufmerksamkeit. Doch zwischen all der harten Wirklichkeit versteckt sich immer ein Stückchen schöner Realität, zum Beispiel das Zubereiten der Speisen...   Fazit: Wer eine schöne Geschichte mit Verknüpfung der beiden Protagonisten erwartet, wird hier enttäuscht werden. Doch für alle anderen ist dies ein lesenswertes Buch! Es hat mich in seinen Bann gezogen.       Ich empfehle euch das Buch wenn... ... ihr eine direkte, ernste und realitätsnahe Geschichte sucht, die sich mit dem nahen Osten und dem Flüchtlingsthema beschäftigt.     Zitat: Nachdem Youssef endlich gegangen ist, wagt Amal sich hinaus. Sie schmeißt die Blumen in den Mülleimer und stöpselt ihr Telefon aus der Leitung, dann stellt sie auch ihr Handy und ihre Hausklingel auf lautlos. Sie ist voller ungesagter Worte, und sie weiß, dass sie diese niemals aussprechen wird, zumindest nicht so lange Baschar al-Assad und seine verfluchte Familie an der Macht sind. Sie tigert durch ihre Wohnung und findet keinen Platz für sich, nicht auf dem Sofa, nicht in der Küche und schon gar nicht auf der Veranda. Sie kann niemanden anrufen, da ihr Telefon mit Sicherheit überwacht wird, und hinauszugehen traut sie sich nicht. Sie schließt alle Fenster und zieht die Vorhänge zu. Nur ein winziges Nachtlicht lässt sie brennen. (S. 99)

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  • "Ich dachte,wir machen eine Revolution und zetteln keinen Krieg an"

    Gott ist nicht schüchtern

    czytelniczka73

    14. July 2017 um 08:58

    "Sein ganzes Leben lang wurde ihm eingetrichtet,dass es hier keine Zukunft gebe(...)Das Leben,das er in Syrien gelebt hatte,hat die Vorbehalte bestätig"(Seite 11) Inhalt: "Amal und Hammoudi sind jung, schön und privilegiert, und sie glauben an die Revolution in ihrem Land. Doch plötzlich verlieren sie alles und müssen ums Überleben kämpfen. Sie fliehen" Meinung: Ich glaube meine Bewertung sag schon alles-5 Sterne,also hat mich das Buch völlig überzeugt.Sehr aktuelles und wichtiges Thema,an das man zur Zeit (auch in der Literatur ) nicht vorbei kommt,ich habe auch schon mehrere Bücher über Syrien und Flüchtlinge gelesen.Solche Geschichten sind immer bewegend und erschütternd,es liegt  an dem Thema selbst,diese hier ist gleichzeitig wirklich gut geschrieben,mir hat der Schreibstil sehr gefallen.Die Sprache ist einfach und nüchtern,es wirkt bisschen distanziert,normwlerweise empfinde ich so was als trocken und mag es nicht,aber diesmal finde ich,passt es perfekt zum Inhalt.Es ist ein bisschen wie eine Dokumentation,bei der man kein Kommentar braucht,weil die Bilder für sich sprechen.Auffäligerweise verändert sich der Ton der Erzählung nicht,wenn plötzlich was Schlimmes passiert,so wird es noch mal beeindruckend betont,dass so was in Syrien zum Allteg gehörte.Es war schlau von der Autorin sich für zwei Protagonisten zu entscheiden ,die sich im Buch nur zwei mal kurz begegnen,so hat man ein breiteres Spektrum an Erreignisen und folgt unterschiedlichen Schicksalen.Während Amal auf Demos geht,verhaftet und verfolgt wird,arbeitet Hammoudi als Arzt und versucht Menschen zu retten.Vor allem Hammoudis Geschichte fand ich sehr interresant,weil ich einfach beeindruckend finde,was die Ärzte in den Kriegsgebieten leisten.Aber so unterschiedlich die Geschichten von Amal und Hammoudi auch sind,irgendwie sind sie auch gleich-am Ende ist die Flucht die einzige Möglichkeit. Ich fand das Buch bewegend,berührend und gleichzeitig informativ.Ob man den Schreibstil mag,ist natürlich Geschmacksache,aber schon der Inhalt mach die Geschichte wichtig und lesenswert. Fazit: Ein überzeugendes Bild von unserer Welt ,die verrückt geworden und aus den Fugen geratten ist.

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  • ‚Die Angst steht den Menschen im Gesicht geschrieben.'

    Gott ist nicht schüchtern

    sabatayn76

    06. July 2017 um 22:46

    ‚Die Angst steht den Menschen im Gesicht geschrieben. Man wartet darauf, dass die Revolution die Stadt erobert.‘Der Syrer Hammoudi hat sich in Paris ein neues Leben mit seiner Freundin Claire aufgebaut und gerade seine Facharztausbildung zum plastischen Chirurgen abgeschlossen. Nun reist er zurück nach Syrien, um seinen Pass zu verlängern - eigentlich eine reine Formsache, doch er darf Syrien nicht mehr verlassen. Amal lebt in Damaskus und feiert gerade erste Erfolge als Schauspielerin. Den Ausbruch der Revolution in Syrien erlebt sie anfangs als aufregend und als Auftakt einer dringend notwendigen Veränderung. Sie beteiligt sich an Demonstrationen gegen den Assad-Clan und wird schließlich verhaftet. ‚Gott ist nicht schüchtern‘ war mein erstes Buch von Olga Grjasnowa, aber noch während der Lektüre habe ich ‚Der Russe ist einer der Birken liebt‘ bestellt, da mich die Autorin durch ihren Roman über Syrien ganz für sich einnehmen, mich begeistern und neugierig auf ihre anderen Romane machen konnte. ‚Gott ist nicht schüchtern‘ ist ein ebenso beeindruckendes wie weises Buch und besticht durch die klare Sprache Grjasnowas und den direkten Einstieg ins Buch, der mir sofort Zugang zur Geschichte und den beiden Hauptprotagonisten verschafft hat. Dadurch, dass sich die Erzählstränge um Amal und Hammoudi abwechseln, baut Grjasnowa zudem viel Spannung auf und hält den Leser so Seite für Seite in ihrer Geschichte. Der Roman ermöglicht es nicht nur, Zeuge der ersten Demonstrationen in Syrien zu werden, den Beginn der Revolution und damit des Bürgerkrieges mitzuerleben, sondern macht den Krieg real und gibt ihm ein Gesicht. Dabei beschreibt Grjasnowa Damaskus und Deir az-Zour sowie die Stimmung im Land auf eindringliche und detaillierte Weise, wobei die Schilderungen im Verlauf des Buches zwar sehr explizit und brutal werden, doch auch stets hoffnungsvoll bleiben.

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  • Ein Stück Geschichte

    Gott ist nicht schüchtern

    Galladan

    30. June 2017 um 16:41

    Gott ist nicht schüchtern von Olga Grjasnowa, erschienen im Aufbau Verlag am 17.03.2017 Hammoudi, ein junger syrischer Mann der in Paris Medizin studiert hat und jetzt seine erste Anstellung als Schoenheitschirurg hat kommt für einen Besuch nach Syrien um seinen Pass zu verlängern. Die Verlaengerung bekommt er, darf aber ab sofort nicht mehr ausreisen. Sein Studium wird nur nach einer Prüfung anerkannt, die er aber wiederholen muss. Wesentlich ist nicht sein Können, sondern das Schmiergeld welches gezahlt werden muss. Amal ist jung, schön und kommt aus einer reichen syrischen Familie. Ihre russische Mutter hat sie im Kindesalter alleine mit Vater und Bruder gelassen aber Amal ist auch so zu einer glücklichen Frau herangewachsen. Als 2011 die Proteste gegen den Präsidenten beginnen ist sie unter den Demonstranten und bekommt schnell Ärger den der reiche Papi aber erst noch durch Geldzahlungen abwenden kann. Das Buch von Olga Grjasnowa erzählt Geschichten aus der privilegierten Mittelschicht der Syrer. Die handelnden Personen sind zwar Muslime, handeln aber innerhalb ihrer westlichen Ueberzeugung. Es wird getrunken, Party gemacht und man hat Sex. Dadurch erscheinen einem die handelnden Personen nah. Man hat den Eindruck, dass man das selbst sein könnte. Das Buch handelt zum größten Teil davon, was die Protagonisten zur Flucht bewogen hat, wie sie als privilegierte Menschen plötzlich gezwungen sind aus dem Land zu flüchten und was sie auf der Flucht erlebt haben. Es sind fiktive Personen, die eigentlich austauschbar bleiben. Man entwickelt nicht wirklich eine Beziehung zu ihnen und viel mit der Wirklichkeit was in Deutschland als Fluechtling angekommen ist scheint das auch nicht zu tun zu haben. Wichtig ist, dass man sich in leicht erzählter Form mit dem Thema warum Menschen aus Syrien fliehen auseinander setzt. Das ist natürlich nur eine Zeitaufnahme, da die Protagonisten zu den Demonstranten der ersten Stunde gehörten und mit dem Regime aneinander geraten sind. Inzwischen haben sich die Gründe zu fliehen vermutlich vervielfacht.

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  • Die zweite Seite der Medaille

    Gott ist nicht schüchtern

    BettinaR87

    30. June 2017 um 11:25

    Es sind zwei einzelne Schicksale, mit denen die Autorin Olga Grjasnowa den Krieg in Syrien in Worten richtiggehend illustrieren möchte – und geht mit dieser beklemmend realistischen Darstellung richtig tief unter die Haut. Der Arzt Hammoudi und die junge Schauspielerin Amal sind beide in Syrien geboren. Sie ist die Tochter eines reichen Mannes, der wenn nicht politisch, dann aber finanziell mit dem syrischen Regime auf gutem Fuße steht. Das nutzt natürlich auch Amal, dennoch geht sie auf Demonstrationen, fordert die Revolution und wird als Feindin des Regimes identifiziert – es folgt ein Kidnapping mit Folter, Spione des Regimes im Freundeskreis, ein Steckbrief mit ihrem Gesicht und Unsummen an Bestechungsgeld, damit Amal wieder nach Damaskus zurückkehren kann. Doch aus der Revolution entsteht ein brutaler Bürgerkrieg, dem tausende Menschen innerhalb weniger Tage zu Opfer fallen – Amals eigene Zukunft wird immer ungewisser. Ganz nebenbei lernt sie Hammoudi kennen, doch ihre Bekanntschaft bleibt so lose wie das Treffen flüchtig. Hammoudi hat in Paris Medizin studiert und wollte nur für einen Kurzurlaub nach Syrien zurückkehren – und um seine Familie zu besuchen und seinen Pass verlängern zu lassen. Danach möchte er zu seinem Pariser Leben und seiner Freundin zurückfliegen, doch die Behörden machen ihm einen Strich durch die Rechnung: Der Pass wird nicht verlängert. Notgedrungen schleppt Hammoudi sich durch die langweiligen Tage, lange Familienfeste, Hitzewellen und gefährliche Gespräche über den sogenannten Arabischen Frühling. Er erkennt, dass sich die Lage zuspitzt und möchte am Liebsten das Land verlassen. Doch er bleibt – und steht als Arzt plötzlich direkt an der Front der Grausamkeit. Die Kritik Das Buch hat mehrere Themen, die zur Sprache gebracht werden und gar nicht zeitgemäßer sein könnten. Jetzt, wo Trumps Reisebann in Teilen geltendes Recht ist, erleben amerikanische Syrer ihre Geschichte erneut in der Gegenwart: „Feindliche“ Menschen dürfen die Grenze nicht überschreiten. Was als „feindlich“ gilt, schreibt in Syrien das Regime vor. Genau das passiert einer der beiden Hauptpersonen und beleuchtet es aus einer anderen Sicht. Überhaupt ist das Buch ein wahnsinnig gutes Beispiel dafür, als Leser mal die Position zu wechseln. Denn es illustriert auf so einfache, aber extrem deutliche Art, wie der Krieg ein Land innerhalb kurzer Zeit schlichtweg komplett überrennt und alles aus den Fugen hebt – selbst wenn es dort festgeschraubt wird. Auffällig ist, dass beide Hauptprotagonisten aus einer sehr guten Schicht entstammen und über Geld verfügen. Warum hat die Autorin diese Wahl getroffen? Ihre Charaktere den sozial Schwachen zuzuordnen, würde natürlich keinen Sinn machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese in den ersten Tagen gestorben wären, ist viel zu hoch (so zumindest die Beschreibung km Buch). Außerdem hätten sie es finanziell kaum überhaupt in Betracht ziehen können, das Land zu verlassen. Anders gesagt: Wenn selbst die gut situierten Personen mit absolut nichts in der Hand in Europa angekommen sind – wie muss es dann erst der normalen Bevölkerung ergangen sein? Eine wichtige Frage, die die Autorin mit ihren Hauptpersonen aufwirft. Gleichzeitig hält sie ein wenig den Spiegel vor: Wer nur Flüchtlinge sieht und sagt, vergisst, wer wirklich dahinter steckt – Menschen wie du und ich, Einzelschicksale mit Liebe, Freunden, Feinden, Spaß, Angst und nur relativ selten einem politischen Bezug. Denn die Syrer hatten zum Großteil keine Wahl, der Krieg kam schnell und gnadenlos über sie. So viele Seiten, auf die sie sich schlagen konnten, hatten sie gar nicht. Dazu gibt die Autorin einige Botschaften mit, die sich unterschiedliche Leser vermutlich genauso unterschiedlich erschließen werden: Das (eine) abrupte Ende könnte man mit „Das Leben ist kurz“ titulieren, das andere mit „Geld allein macht nicht glücklich“ oder „Freunde sind die Familie, die man sich aussucht“. Das schnelle und harte Ende ist insgesamt der Geschichte angemessen, denn als Leser kommt man so nicht umhin, sich weitere Gedanken zu machen. Und wie findet eine solche Geschichte überhaupt ein Ende, ohne in eine komplette Biografie von Hammoudi und Amal auszuarten? Fazit: Eine persönliche und effektive Art, die Kehrseite der Flüchtlingsströme zu betrachten. Ein Spiegelbild, das sich jeder hierzulande mal „gönnen“ sollte.

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  • Ein absolutes Lesemuss!

    Gott ist nicht schüchtern

    raven1711

    30. June 2017 um 09:49

    Rezension Olga Grjasnowa - Gott ist nicht schüchtern Klappentext:Amal und Hammoudi sind jung, schön und privilegiert, und sie glauben an die Revolution in ihrem Land. Doch plötzlich verlieren sie alles und müssen ums Überleben kämpfen. Sie fliehen. Ein erschütterndes, direktes und unvergessliches Buch.Meinung:Mit Entsetzen verfolgen wir im Fernsehen das Geschehen in Syrien, sehen Menschen auf der Flucht, Bilder von überfüllten Schiffen und Booten und immer wieder Meldungen von gekenterten Flüchtlingsschiffen. Doch was treibt einen Menschen so weit, dieses Risiko einzugehen? Wie leben die Menschen in Syrien und was geht dort genau vor sich, von dem nicht in den Nachrichten berichtet wird.Gott ist nicht schüchtern erzählt die Geschichte von Amal und Hammoudi, syrische Staatsbürger die die Anfänge des Bürgerkrieges hautnah miterleben. Hammoudi ist ein frisch promovierter Arzt, der eigentlich in Frankreich lebt, eine Freundin dort hat und auf den eine Arbeitsstelle wartet. Doch als er nach Syrien reist, um seinen Reisepass zu verlängern, wird ihm die Ausreise verwehrt. Amal kommt aus einer privilegierten Familie, ist Schauspielerin und lebt ein Leben, wie es auch bei uns Alltag sein kann. Doch nach und nach mehren sich die Demonstrationen und Amal und Hammoudie geraten in den Fokus der Kämpfe. Terror und Tod mehren sich und ihrer beider Leben ist bedroht. Flucht scheint die einzige Möglichkeit zu sein, doch so leicht es klingt, die Umsetzung erfordert so viel mehr als nur Mut.Ganz ehrlich, dieser Roman hat mich sehr erschüttert. Eigentlich hält man sich ja für einen weitsichtigen, offenen Menschen. Und doch hat mir Olga Grjasnova eine neue Seite der syrischen Kultur und Gesellschaft gezeigt. Schonungslos schildert sie den Terror und zeigt, wie das Regime seine Bürger unterdrückt. Aber sie zeigt auch, wie nahe unsere Kulturen sind, was die Bedürfnisse betrifft. Auch im Nahen Osten sind Handys, Facebook und Co. gang und gebe. Umso mehr zeigt es sich, wie wichtig dieses Buch ist um Verständnis und Toleranz zu stärken und den Menschen begreiflich zu machen, was in einem Terrorregime mit den Menschen passiert.Denn Amal und Hammoudi sind Menschen wie du und ich, sind nicht übertrieben religiös und weltoffen in ihren Einstellungen, gebildet und mit den gleichen kulturellen Bedürfnissen ausgestattet, wie die westliche Bevölkerung. Die sprachliche Umsetzung des Stoffes ist fesselnd, einnehmend und schonungslos erzählt und umgesetzt. Olga Grjasnowa versteht es, die syrische Kultur und Landschaft lebendig werden zu lassen. Sie fängt mich mit Amals und Hammoudis Schicksal ein und lässt mich tief erschüttert zurück. Fazit:Gott ist nicht schüchtern hat mich gepackt und erschüttert. Bewegend erzählt und ergreifend porträtiert, hat die Autorin hier ein Werk geschaffen, das meiner Meinung nach zur Pflichtlektüre gehört, um jedem begreiflich zu machen, was Krieg und Verfolgung anrichten kann.Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung! 5 von 5 Punkten.Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar.

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  • Flüchtlingsroman

    Gott ist nicht schüchtern

    leselea

    Hammoudi ahnt, dass die Revolution gescheitert ist. Es wird kein neues Syrien geben. Etwas Grässliches wird an seine Stelle treten... (S. 101) Flüchtlingskrise! Flüchtlingswelle, ja Flüchtlingsansturm! Daher eine Flüchtlingsobergrenze, definitiv! Seit dem Sommer 2015 beschäftigt die große Zuwanderung von Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak die deutsche Politik, die deutschen Medien und die deutsche Bevölkerung. Unsere Sprache hat mit ihrer schieren Kompositionsfreudigkeit dabei solche Wortfloskeln wie die oberen hervorgebracht, die seitdem weder in den offiziellen Diskussionen noch an den Stammtischen fehlen dürfen. Doch wer versteckt sich hinter dieser Welle? Welche tragischen Schicksale führten zu dieser Krise? Und was wollen wir hier eigentlich begrenzen? Die Verwendung der Abstrakta macht es möglich, die Menschen, die hinter ihnen stehen, auszublenden. Und genau diesem Ausblenden setzt Olga Grjasnowa im Frühjahr 2017 ihren dritten Roman Gott ist nicht schüchtern entgegen. Erzählt wird ganz konkret von Amal und Hammoudi, zwei Syrern. Die eine ist Schauspielerin, die mit einer Soap in ihrem Heimatland erste Erfolge feiern konnten, der andere ist Chirug, lebt in Frankreich und ist befindet sich auf Heimatbesuch, um seinen Pass zu verlängern. Beide sind nicht großartig politisch, sondern in erster Linie an einem guten Leben interessiert: Sie sind dem Westen und seinen Werten zugewandt, sprechen mehrere Sprachen und lieben das globalisierte Leben mit seinen Errungenschaften. Doch 2011 erblüht auch in Syrien der Arabische Frühling und Amal und Hammoudi werden wie viele ihrer Landsleute mitgerissen: Sie finden sich auf Demonstrationen wieder, prangern die Korruption und die Macht der Geheimdienste an und fordern die Freiheit der Gedanken. Doch die Revolution scheitert, der Bürgerkrieg beginnt und Amal und Hammoudi geraten in Gefahr. Als ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt, machen sie sich auf nach Europa – ein Weg, der nicht weniger gefährlich ist als die Situation, aus der sie fliehen… Thematisch halte ich Olga Grjasnowas Roman Gott ist nicht schüchtern für ein zweifellos wichtiges Buch, das eine uneingeschränkte Leseempfehlung erhält. Detailliert schildert sie den Alltag in Syrien, die Mentalität der Bewohner, den kulturellen Reichtum des Landes, aber eben auch die Omnipräsenz von Bestechung, Bespitzlung und Beschneidung grundsätzlicher Freiheiten. Sie zeigt, aus was für einem normalen Leben viele Syrer durch die Revolution und den Bürgerkrieg gerissen wurden und verdeutlicht, dass zurzeit Tausende Menschen ein Land verlassen, das sie über alles lieben, das ihnen aber kein Schutz mehr bieten, sondern im Gegenteil nur noch den Tod bringen kann. Bei der Lektüre ist man nah an den Menschen, denn es wird offensichtlich: Unter den schlimmsten Umständen kann diese Situation jeden treffen – auch uns Deutsche, die aus einer sehr privilegierten (weil sicheren) Situation heraus darüber diskutieren, wann unsere Hilfe ihre Grenze erreicht. Dieses große Thema, das Olga Grjasnowa hier engagiert und mit Überzeugung angeht, hätte meiner Meinung nach eine ebenso große Umsetzung verdient gehabt. Leider hapert es daran (und streckenweise nicht zu knapp), sodass ich Gott ist nicht schüchtern bei aller Wichtigkeit nur 4 Sterne geben kann. Das liegt vor allem am Erzählstil des Romans: Die Geschichte ist sprachlich sehr einfach und sehr schlicht gehalten, der Text besteht – ähnlich wie eine journalistische Reportage – hauptsächlich aus Beschreibungen, Einordnungen und Erläuterungen. Große Emotionen oder auch Nähe zu den Figuren bleiben dabei auf der Strecke. Das muss zwar nicht immer negativ sein – gerade mit dieser kühlen Sachlichkeit erzeugt Grjasnowa immer wieder Szenen mit Wucht, die Schilderung der Flucht über das Mittelmeer beispielsweise eignet sich eindrucksvoll zur Pflichtlektüre -, doch insgesamt macht sie es dem Leser meiner Meinung nach damit zu leicht: Zu einfach kann man bei der Lektüre auf Distanz gehen, zu sehr die Gräueltaten überlesen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie den (westlichen) Leser hier mehr fordert, ja eigentlich alles von ihm abverlangt und ihn zwingt, sich seiner Verantwortung zu stellen. Das kann sie, wie Szenen wie die oben erwähnte zeigen, doch sie tut es mir auf über 300 Seiten zu wenig und nicht konsequent genug. Hinzu kommen zu viele unnötige Schlenker in der Handlung (vor allem in der Geschichte um Amal), die für die eigentliche Erzählung und ihre Botschaft unerheblich sind und gerade darin zu stark mit der stilistischen Knappheit kontrastieren. Zuletzt fällt das Ende (vor allem im Vergleich zu dem sehr starken Mittelteil) zu sehr ab: Hier hätte ich mir einen scharfen Blick auf das Asylverfahren gewünscht, eine kontinuierliche Weiterentwicklung der vorangegangenen Analyse. Stattdessen entspinnt sich vor allem um die Figur der Amal eine unglaubwürdige Story, während Hammoudis Schicksal zu plakativ politisch instrumentalisiert wird. Gott ist nicht schüchtern trägt eindeutig Grjasnowas Handschrift, ist für mich aber kaum mit ihrem Debüt Der Russe ist einer der Birken liebt und ihrem zweiten Roman Die juristische Unschärfe einer Ehe zu vergleichen: Das Motiv der Heimatsuche kommt in einem neuen Gewand daher, in ihrer klaren Sprache verzichtet sie auf die Energie, die vor allem in ihrem Erstling stark zu spüren war. Ich gestehe, dass mir der Ton in den beiden Vorgängerbüchern lieber war, dass ich die Änderungen gleichzeitig aber interessant finde und gespannt auf die weitere Entwicklung der Autorin blicke.

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