Olga Manj

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Alle Bücher von Olga Manj

Olga ManjHochzeitssuppen
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Hochzeitssuppen
Hochzeitssuppen
 (2)
Erschienen am 14.01.2013
Olga ManjDie schöne Bäckerin
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Die schöne Bäckerin
Die schöne Bäckerin
 (1)
Erschienen am 01.05.2007

Neue Rezensionen zu Olga Manj

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Rezension zu "Hochzeitssuppen" von Olga Manj

Lustvoll verwickelte Begegnung der Kulturen
ArnoldFlexvor 6 Jahren

Wenn sich vier überkreuz verlieben, ist das schon kompliziert genug. Was aber geschieht, wenn dabei noch streng gezogene Grenzen zwischen gänzlich verschiedenen Kulturkreisen eine bedeutsame Rolle spielen? Hier beginnt die Novelle "Hochzeitssuppen" von Olga Manj.

 Der türkische Muslim Durusan verliebt sich in Magdalena, die aus einer streng katholischen polnischen Familie stammt. Sein bester Freund Wladislav, ein Pole,. Ist Feuer und Flamme für die Türkin Meral . Die jungen Frauen haben jedoch ganz eigene Vorstellungen von der Liebe, so dass einige turbulente Umwege gegangen werden müssen. Ort der Komödie ist unverkennbar das heutige Mannheim.

 Die Figuren sind lebendig und authentisch gezeichnet, die entstehenden Konflikte treten dadurch plastisch hervor. Einfühlsam geschildert und in sich stimmig wirken die sozialen und familiären Hintergründe, sodass die Handlung darin ihren lustvoll verwickelten Weg finden kann. In der Wahl der sprachlichen Mittel für diese Burleske erweist sich die Mannheimer Autorin als sehr stilsicher. Auch die erotischen Szenen können überzeugen, hat doch die Autorin in diesem Genre schon an anderer Stelle (u.a. in einschlägigen Zeitschriften) Überzeugendes vorgelegt.

 Dies ist das zweite Buch aus der Reihe "Kurpfälzer Dekameron" von Olga Manj. Die Urform dazu, das "Decamerone", stammt bekanntermaßen von dem Florentiner Autor Giovanni Boccaccio (1313–1375). Hier geht es um den lustvollen Kampf der Geschlechter, der unterhaltsam aufs Korn genommen wird. Kommentar der Autorin: "Und ganz zum Schluss muss die gewohnte Moral einer neuen, ungewöhnlichen weichen, damit das Märchen gut ausgeht und alle bis an ihr Lebensende glücklich sein können."

 "Hochzeitssuppen" ist eine moderne Liebeskomödie, mit Witz und Spannung erzählt, und daher als Lesestoff für Lebensfrohe sehr zu empfehlen.

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Rezension zu "Hochzeitssuppen" von Olga Manj

Liebe und Eifersucht in der Kurpfalz
Rivavor 6 Jahren


Durusan und Wladyslaw kommen vom Rande Europas, der eine aus der Türkei, der andere aus Polen, und begegnen sich in Mannheim, was ungefähr in der Mitte des Kontinents liegt. Die  beiden arbeiten nicht nur zusammen in einer Montagehalle von Benz, wo sie Busse zusammenschrauben, sie sind auch die besten Freunde. In ihrer Freizeit treiben sie gemeinsam Sport, unternehmen Ausflüge oder wundern sich über die seltsamen Bräuche der Eingeborenen. Männerfreundschaften könnten völlig problemlos sein – wenn es keine Frauen gäbe. In diesem Fall heißt das Verhängnis Magdalena, arbeitet als Barkeeperin, stammt ebenfalls aus Polen und interessiert sich für ihren Landsmann Wladyslaw. Dummerweise verliebt sich Durusan in Magdalena, was die Sache nicht einfacher macht. Weil Wladyslaw aber ein guter Freund ist, versucht er Durusan zu helfen, Magdalena zu beeindrucken. Er bringt ihn zu jeder ihrer Verabredungen mit, macht dadurch aber alles nur noch schlimmer, denn nun denkt Magdalena, die beiden würden eine homosexuelle Beziehung führen.
Doch es wird noch vertrackter. Auftritt Meral. Auch sie ist Türkin, auch sie arbeitet beim Benz, allerdings als Reinigungskraft. In dieser Funktion begegnet sie den beiden Männern. Und wieder zielt Amor ziemlich schlecht. Wladyslaw verliebt sich in Meral, Meral verliebt  sich in Durusan, Durusan interessiert sich nicht für Meral. Aber weil auch Durusan ein guter Freund ist, versucht er Wladyslaw zu helfen, bei Meral Punkte zu sammeln. Wieder kommt es anders, als man denkt. Beide Frauen werden schwanger, zwei Ehen werden arrangiert, jedoch nicht unter den biologischen Eltern. Letztlich kann nur eine polnische Urgroßmutter die Situation retten…


Missverständnisse zwischen Männern und Frauen sind bereits kompliziert, noch schwieriger wird es, wenn kulturelle Missverständnisse hinzukommen. In "Hochzeitssuppen" sind die polnische und die türkische Kultur beteiligt, die badische und kurpfälzische, sowie der Katholizismus und der Islam. Daraus entwickelt sich eine amüsante Geschichte über Liebe und Freundschaft, Skurriles und alltägliche Probleme. Obwohl die Handlung teils abenteuerliche Haken schlägt, wirkt sie doch nie überzogen. Der Autorin gelingt es, das Gleichgewicht zwischen den Figuren und den Kulturen zu halten. Jeder hat seine starken und seine schwachen Momente, jeder kriegt sein Fett weg - fast wie im richtigen Leben.
Apropos Fett. "Hochzeitssuppen" ist eine sehr sinnliche Erzählung. Hier wird gekocht und gebacken, nach polnischen und türkischen Rezepten, es wird gegessen und getrunken, gelacht und getanzt, geliebt und gestritten. Das Ganze findet statt vor der Kulisse der Kurpfalz, also der Gegend zwischen Mannheim und Heidelberg. Einheimische werden vieles wiedererkennen, Fremde werden viel Neues entdecken.
Fazit: "Hochzeitssuppen" setzt das Kurpfälzer Dekameron fort, eine Reihe, die auf zehn Teile angelegt ist. Mit viel Fantasie, Wortwitz und liebenswerten Charakteren schafft es Olga Manj zum zweiten Mal, den Leser zu verzaubern.

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Rezension zu "Die schöne Bäckerin" von Olga Manj

Rezension zu "Die schöne Bäckerin: Kurpfälzer Dekameron" von Olga Manj
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Sex, Intrigen und Voyeurismus in der Provinz.

Inhalt:

Jutta lebt in einem Dorf, irgendwo in der Kurpfalz. Sie hat einen Mann und einen erwachsenen Sohn, auf dem gemeinsamen Bauernhof kümmert sie sich um die Buchhaltung. Dabei findet sie zufällig eine Sammlung von erotischen Bildern, junge Frauen in mehr oder minder geschmackvollen Posen, die ihr Mann aus dem Internet heruntergeladen und auf dem Computer versteckt hat. Jutta nimmt das zum Anlass, ihrerseits ein bisschen im Netz herumzustöbern und eine eigene Kollektion von Bildern anzulegen, die – ihrem Interesse entsprechend – junge Männer in ähnlichen Posen zeigen. Peinlich wird die Sache erst, als der Computer kaputtgeht und von Simon, einem jungen Mann aus der Nachbarschaft, repariert werden soll. Der entdeckt die Fotodateien prompt, bleibt aber gelassen, weil so etwas längst zum Standard gehört. Jutta verliert nun endgültig ihre Scheu, sie lässt sich von Simon erklären, wie man Dateien effektiv versteckt und erteilt ihm im Gegenzug Unterricht in Liebesdingen.
Die beiden beginnen eine Affäre, die so lange andauert, bis Simon zum Militärdienst eingezogen wird. Zur Erinnerung an Jutta möchte er einen kleinen Film von ihr drehen, was dieser gar nicht behagt. Jutta ist unsicher, fühlt sich wenig attraktiv und denkt einzig an ihre Problemzonen. Einwilligen tut sie nur, weil sie zur Belohnung auch einen Film von Simon drehen darf. Anfangs kommt sie mit der Technik nicht zurecht, aber sie findet Spaß an der Sache. Jutta lässt sich in Kameratechnik und Filmschnitt einweisen, macht ihre eigenen Experimente und am Ende kommt ein ansehnlicher Film dabei heraus. Bei diesem einen möchte sie es aber nicht belassen. Um Simon bei Laune zu halten, besinnt sie sich auf eine weitere Leidenschaft von ihr, dem Backen von leckeren Obsttorten. Damit lockt sie nicht nur Simon in den alten Stall, den sie schrittweise zum Studio umbaut, sondern auch weitere junge Männer. Jutta dreht eine ganze Serie von Erotikfilmen und verteilt Kopien an die anderen Landfrauen, ohne die Herkunft der Werke preiszugeben. Das Unternehmen wächst sich aus – und irgendwann wächst es Jutta über den Kopf. Der Pfarrer der kleinen Gemeinde erfährt davon, es kommt zu Eifersüchteleien zwischen den Landfrauen und Juttas Mann wird misstrauisch. Nun gilt es, den Landfrieden zu wahren…

Bewertung:

Der Untertitel lautet Kurpfälzer Dekameron und ist durchaus passend gewählt. Um 1350 schuf Giovanni Boccaccio sein Hauptwerk Il Decamerone, eine Sammlung von einhundert Novellen, mit der erstmals Sinnlichkeit und Erotik in die Literatur einzogen. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern deka (zehn) und hemera (Tag) zusammen und verweist damit auf die Rahmenhandlung. Bei Boccaccio treffen sich zehn Männer und Frauen in einem Landhaus nahe Florenz, um der Pest zu entgehen. Während der zehntägigen Wartezeit muss sich jeder eine Geschichte am Tag ausdenken und erzählen.
Heutzutage muss zum Glück niemand mehr vor der Pest flüchten, doch es finden andere Fluchten statt. Menschen flüchten vor der Realität in virtuelle Welten, Ehepartner flüchten voreinander, Kinder fliehen vor ihren Eltern. Olga Manj hat dieses Phänomen zum Gegenstand ihrer Erzählung gemacht und ähnlich wie Boccaccio umgesetzt. Die Autorin spricht über Moral, ohne zu belehren, sie beobachtet das Treiben ihrer Mitmenschen, ohne sie an den Pranger zu stellen. Nicht nur zur Zeit Boccaccios gab es Verbote und Abhängigkeiten, wir kennen sie ebenso, nur tragen sie heute andere Namen. Schlimmer noch, was früher klar geregelt war, versteckt sich nun in Erwartungen und gesellschaftlichen Zwängen. Und noch immer trifft es vor allem die Frauen. Bei einem reifen Mann gilt die junge Geliebte als Zeichen von Potenz und Männlichkeit, im umgekehrten Fall rümpft so mancher seine Nase. Die schöne Bäckerin jedoch beklagt sich nicht über diese Ungerechtigkeit, sie spielt damit, sie dreht den Spießbürgern eine lange Nase. Jutta hat nicht den Ehrgeiz, das Kommando auf dem Narrenschiff zu übernehmen, sie tanzt lieber im Ballsaal. Tabus sind dazu da, gebrochen zu werden.
Die Mittel, die sie wählt, entsprechen ihrer Zeit. Jutta erzählt ihre Geschichten nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern, sie nutzt die moderne Technik, auch wenn sie sie nicht vollständig versteht. Aber sie versteht es, zu verführen, mit ihrer Kochkunst, ihrer Leidenschaft und Fantasie. Technische Daten, wie Alter, Größe oder Gewicht, spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Es kommt darauf an, was man daraus macht.
Mit ihrer Novelle zeichnet Olga Manj ein treffendes Bild einer Landschaft und einer Gesellschaft, ihre Farben sind lebensprall und sinnenfreudig, aber niemals derb oder aggressiv. Das originale Dekameron besteht aus einhundert Novellen. Das heißt, Olga Manj schuldet uns weitere neunundneunzig Teile. Freuen wir uns darauf.

Fazit:

Leichte, lust- und humorvolle Lektüre. Ideal für kalte und verregnete Tage.

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