Olga Manj Die schöne Bäckerin

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Inhaltsangabe zu „Die schöne Bäckerin“ von Olga Manj

Lustvolle Geschichte von einer Landfrau, die gerne sommerliche Obsttorten backt. Über dem alten Stall hat sie heimlich ein Pornofilmstudio eingerichtet, wo sie junge Männer beim sexy Tortenessen fürs Publikum abfilmt und gelegentlich auch vernascht. Doch ihr Mann kommt dahinter.

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  • Rezension zu "Die schöne Bäckerin: Kurpfälzer Dekameron" von Olga Manj

    Die schöne Bäckerin

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. November 2012 um 23:13

    Sex, Intrigen und Voyeurismus in der Provinz. Inhalt: Jutta lebt in einem Dorf, irgendwo in der Kurpfalz. Sie hat einen Mann und einen erwachsenen Sohn, auf dem gemeinsamen Bauernhof kümmert sie sich um die Buchhaltung. Dabei findet sie zufällig eine Sammlung von erotischen Bildern, junge Frauen in mehr oder minder geschmackvollen Posen, die ihr Mann aus dem Internet heruntergeladen und auf dem Computer versteckt hat. Jutta nimmt das zum Anlass, ihrerseits ein bisschen im Netz herumzustöbern und eine eigene Kollektion von Bildern anzulegen, die – ihrem Interesse entsprechend – junge Männer in ähnlichen Posen zeigen. Peinlich wird die Sache erst, als der Computer kaputtgeht und von Simon, einem jungen Mann aus der Nachbarschaft, repariert werden soll. Der entdeckt die Fotodateien prompt, bleibt aber gelassen, weil so etwas längst zum Standard gehört. Jutta verliert nun endgültig ihre Scheu, sie lässt sich von Simon erklären, wie man Dateien effektiv versteckt und erteilt ihm im Gegenzug Unterricht in Liebesdingen. Die beiden beginnen eine Affäre, die so lange andauert, bis Simon zum Militärdienst eingezogen wird. Zur Erinnerung an Jutta möchte er einen kleinen Film von ihr drehen, was dieser gar nicht behagt. Jutta ist unsicher, fühlt sich wenig attraktiv und denkt einzig an ihre Problemzonen. Einwilligen tut sie nur, weil sie zur Belohnung auch einen Film von Simon drehen darf. Anfangs kommt sie mit der Technik nicht zurecht, aber sie findet Spaß an der Sache. Jutta lässt sich in Kameratechnik und Filmschnitt einweisen, macht ihre eigenen Experimente und am Ende kommt ein ansehnlicher Film dabei heraus. Bei diesem einen möchte sie es aber nicht belassen. Um Simon bei Laune zu halten, besinnt sie sich auf eine weitere Leidenschaft von ihr, dem Backen von leckeren Obsttorten. Damit lockt sie nicht nur Simon in den alten Stall, den sie schrittweise zum Studio umbaut, sondern auch weitere junge Männer. Jutta dreht eine ganze Serie von Erotikfilmen und verteilt Kopien an die anderen Landfrauen, ohne die Herkunft der Werke preiszugeben. Das Unternehmen wächst sich aus – und irgendwann wächst es Jutta über den Kopf. Der Pfarrer der kleinen Gemeinde erfährt davon, es kommt zu Eifersüchteleien zwischen den Landfrauen und Juttas Mann wird misstrauisch. Nun gilt es, den Landfrieden zu wahren… Bewertung: Der Untertitel lautet Kurpfälzer Dekameron und ist durchaus passend gewählt. Um 1350 schuf Giovanni Boccaccio sein Hauptwerk Il Decamerone, eine Sammlung von einhundert Novellen, mit der erstmals Sinnlichkeit und Erotik in die Literatur einzogen. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern deka (zehn) und hemera (Tag) zusammen und verweist damit auf die Rahmenhandlung. Bei Boccaccio treffen sich zehn Männer und Frauen in einem Landhaus nahe Florenz, um der Pest zu entgehen. Während der zehntägigen Wartezeit muss sich jeder eine Geschichte am Tag ausdenken und erzählen. Heutzutage muss zum Glück niemand mehr vor der Pest flüchten, doch es finden andere Fluchten statt. Menschen flüchten vor der Realität in virtuelle Welten, Ehepartner flüchten voreinander, Kinder fliehen vor ihren Eltern. Olga Manj hat dieses Phänomen zum Gegenstand ihrer Erzählung gemacht und ähnlich wie Boccaccio umgesetzt. Die Autorin spricht über Moral, ohne zu belehren, sie beobachtet das Treiben ihrer Mitmenschen, ohne sie an den Pranger zu stellen. Nicht nur zur Zeit Boccaccios gab es Verbote und Abhängigkeiten, wir kennen sie ebenso, nur tragen sie heute andere Namen. Schlimmer noch, was früher klar geregelt war, versteckt sich nun in Erwartungen und gesellschaftlichen Zwängen. Und noch immer trifft es vor allem die Frauen. Bei einem reifen Mann gilt die junge Geliebte als Zeichen von Potenz und Männlichkeit, im umgekehrten Fall rümpft so mancher seine Nase. Die schöne Bäckerin jedoch beklagt sich nicht über diese Ungerechtigkeit, sie spielt damit, sie dreht den Spießbürgern eine lange Nase. Jutta hat nicht den Ehrgeiz, das Kommando auf dem Narrenschiff zu übernehmen, sie tanzt lieber im Ballsaal. Tabus sind dazu da, gebrochen zu werden. Die Mittel, die sie wählt, entsprechen ihrer Zeit. Jutta erzählt ihre Geschichten nicht nur mit Worten, sondern auch mit Bildern, sie nutzt die moderne Technik, auch wenn sie sie nicht vollständig versteht. Aber sie versteht es, zu verführen, mit ihrer Kochkunst, ihrer Leidenschaft und Fantasie. Technische Daten, wie Alter, Größe oder Gewicht, spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Mit ihrer Novelle zeichnet Olga Manj ein treffendes Bild einer Landschaft und einer Gesellschaft, ihre Farben sind lebensprall und sinnenfreudig, aber niemals derb oder aggressiv. Das originale Dekameron besteht aus einhundert Novellen. Das heißt, Olga Manj schuldet uns weitere neunundneunzig Teile. Freuen wir uns darauf. Fazit: Leichte, lust- und humorvolle Lektüre. Ideal für kalte und verregnete Tage.

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