Olga Tokarczuk

 3.9 Sterne bei 97 Bewertungen
Autorin von Unrast, Gesang der Fledermäuse und weiteren Büchern.
Autorenbild von Olga Tokarczuk (©Jacek Kołodziejski)

Lebenslauf von Olga Tokarczuk

Eine der bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart: Olga Nawoja Tokarczuk, geboren am 29. Januar 1962 in Sulecow, ist eine polnische Schriftstellerin und Psychologin. Sie wuchs bei Zielona Gora auf und zog später nach Kietrz, wo sie ihr Abitur machte. Sie studierte Psychologie an der Universität Warschau und arbeitete nebenbei in einem Heim für Jugendliche. Nach ihrem Abschluss fing sie an Therapeutin zu arbeiten. 

Schon zu Studienzeiten schrieb die Autorin Artikel für das Jugendmagazin unter dem Pseudonym „Natasza Borodin“. 1989 gab sie dann ihr offizielles Debüt mit ihrem Roman „Städte in Spiegeln“. Ihren literarischen Durchbruch schaffte sie mit ihrem dritten Roman „Ur und andere Zeiten“. Dieser wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und wurde zu einem der wichtigsten Werken der polnischen Gegenwartsliteratur. Darüber hinaus veröffentlichte sie Prosatexte und Essays. 

Für ihre Arbeiten wurde Tokarczuk u.a. mit dem Usedomer Literaturpreis, dem Internationalen Brückepreis, dem Man Booker International Prize, dem Nike-Publikumspreis sowie mit zahlreichen Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. 

Zudem ist sie die Gewinnerin des Literaturnobelpreises 2019. Die Autorin zählt heute zu den bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart.

Heute lebt die zusammen mit ihrer Familie in Breslau.

Neue Bücher

Gesang der Fledermäuse

Erscheint am 23.07.2020 als Taschenbuch bei Kampa Verlag.

Die grünen Kinder

Erscheint am 27.08.2020 als Hardcover bei Kampa Verlag.

Letzte Geschichten

Erscheint am 27.08.2020 als Hardcover bei Kampa Verlag.

Letzte Geschichten

Erscheint am 21.08.2020 als Hörbuch bei Der Audio Verlag.

Alle Bücher von Olga Tokarczuk

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Buchformat:
Cover des Buches Gesang der Fledermäuse9783311100225

Gesang der Fledermäuse

 (14)
Erschienen am 28.11.2019
Cover des Buches Ur und andere Zeiten9783311701583

Ur und andere Zeiten

 (13)
Erschienen am 29.11.2019
Cover des Buches Unrast9783442741342

Unrast

 (16)
Erschienen am 11.04.2011
Cover des Buches Taghaus, Nachthaus9783311701590

Taghaus, Nachthaus

 (9)
Erschienen am 29.11.2019
Cover des Buches Der Schrank9783423129237

Der Schrank

 (7)
Erschienen am 01.11.2001
Cover des Buches Die Jakobsbücher9783311100140

Die Jakobsbücher

 (7)
Erschienen am 01.10.2019
Cover des Buches Letzte Geschichten9783421059024

Letzte Geschichten

 (5)
Erschienen am 07.02.2006
Cover des Buches Spiel auf vielen Trommeln9783882211078

Spiel auf vielen Trommeln

 (5)
Erschienen am 13.03.2006

Videos zum Autor

Neue Rezensionen zu Olga Tokarczuk

Neu

Rezension zu "Gesang der Fledermäuse" von Olga Tokarczuk

Crossover in Polen.
Gulanvor 14 Tagen

Ich entschloss mich, heute trotz Schmerzen den Abhang hinaufzugehen und alles von oben zu betrachten. Sicher wäre die Welt noch an ihrem Ort. Vielleicht würde mich das beruhigen und bewirken, dass sich meine Kehle lockerte und es mir besser ginge. […] Ich blickte auf die schwarz-weiße Landschaft des Hochplateaus, und mir war klar, dass Traurigkeit ein wichtiges Wort bei der Definition der Welt war. Sie liegt allem zugrunde, sie ist das fünfte Element, die Quintessenz. (Auszug Seiten 59-60)


In einer kleinen Siedlung auf einem Hochplateau an der polnisch-tschechischen Grenze leben im Winter nur wenige Menschen, unter anderem Janina Duszejko und ihr Nachbar Matoga. Beide finden einen dritten Nachbarn jämmerlich an einem Rehknochen erstickt in seiner Hütte vor. Ein Unfall, wenngleich unter merkwürdigen Umständen. Die Polizei ermittelt nur kurz. Wenig später findet Janina die nächste Leiche, der ermittelnde Kommissar ist kopfüber in einen alten Brunnen am Wegesrand gestürzt. Rund um den Brunnen finden sich ganz viele Rehspuren. Janina ist sich sicher, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Schlägt etwa die Natur zurück? Sie ermittelt auf eigene Faust.

Janina Duszejko ist eine ältere Dame, die als Lehrerin für Englisch einige Stunden noch arbeitet. Sie lebt in einer kleinen Hütte in der abgelegenen Siedlung, in der die meisten Häuser nur im Sommer bewohnt werden. Regelmäßig besucht sie noch ein ehemaliger Schüler, mit dem sie Gedichte des von ihr geschätzten englischen Lyrikers William Blake (Auszüge aus den Gedichten ziehen sich symbolträchtig durch das ganze Buch) übersetzt. Ansonsten bleibt sie lieber unter sich und im Einklang mit der Natur. Sie gilt den meisten Mitmenschen als verschroben oder sogar Schlimmeres, denn sie spricht unter anderem mit den Tieren und widmet sich ausführlich der Astrologie. Vor allem prangert sie den Umgang der Menschen untereinander und vor allem gegenüber der Tierwelt an. Doch Gehör findet sie nicht.


Ich ging bis in den Wald hinein, dort hätte ich endlos herumstromern können. Im Wald war es plötzlich still, eine riesige und behagliche Tiefe tat sich auf, in der man sich gut verstecken konnte. Der Wald schaukelte meine Gedanken. Hier musste ich mein unangenehmstes Leiden nicht verstecken – mein Weinen. Ich konnte die Tränen fließen lassen, sie konnten die Augen spülen und die Sicht verbessern. Vielleicht konnte ich deshalb mehr sehen als Menschen mit trockenen Augen. (Seite 174)


Autorin Olga Tokarczuk ist Psychologin und die wohl aktuell wichtigste polnische Schriftstellerin. Im letzten Jahr gewann sie rückwirkend für 2018 den Literaturnobelpreis. Leider ging ihre Würdigung ein wenig im Streit um den anderen Preisträger dieser Doppelverleihung – Peter Handke – etwas unter. Das Nobelkomitee würdigte „ihre erzählerische Vorstellungskraft, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als Lebensform darstellt“. Eine Überschreitung sämtlicher Genregrenzen ist dabei ihr 2009 im Original erschienener Roman Gesang der Fledermäuse. Neben philosophischen und moralischen Betrachtungen, ein wenig Mystik, Gesellschafts- und Zivilisationskritik, handelt es sich hier in Teilen auch um einen Kriminalroman mit der schrulligen Janina als Ich-Erzählerin und Ermittlerin. Diese Figur mit ihrer Melancholie, dem immer mal durchscheinenden trockenen Humor, der verschrobenen Liebenswürdigkeit und großen Moral trägt für mich auch den Roman, der an manchen Stellen vielleicht etwas pathetisch und mystisch wird, aber in seiner kritischen Haltung für mehr Respekt gegenüber den Tieren und seinen Mitmenschen dennoch überzeugt. Insgesamt aber eine lesenswerte Begegnung mit der polnischen Nobelpreisträgerin.

Das Buch wurde übrigens von der bekannten polnischen Regisseurin Agnieszka Holland verfilmt. Die Spur (Originaltitel: „Pokot“) wurde 2017 bei der Berlinale uraufgeführt und gewann dort den Silbernen Bären. Der Film hält sich grundsätzlich an die Romanvorlage, Olga Tukarczuk war auch am Drehbuch beteiligt. Besonders eindrucksvoll war für mich die Inszenierung der Landschaft und Tierwelt und das Spiel von Agnieszka Mandat-Grąbka als Janina Duszejko. Ich fand den Film generell etwas plakativer in Sachen Feminismus, Zivilisationskritik und vor allem Kritik am Umgang mit Tieren. Die Kriminalhandlung, die im Buch noch deutlicher aufblitzt, kam mir im Film etwas zu kurz. Dennoch hat mir auch der Film gefallen.

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Rezension zu "Unrast" von Olga Tokarczuk

Zerstückelte Trivialität
LeseFuchsvor einem Monat

In der Erwartung durch eine interessante Handlung geleitet zu werden – so etwas impliziert die Buchkategorie Roman – erhält der Leser Bruchstücke. Einzig die Kapitel zu Kunicki, dem tragisch Verlassenen auf der kroatischen Ferieninsel, besitzen einen spannenden Zusammenhalt, bis sie, bereits durch viele Einsprengungen zerrissen, abrupt enden, keine Weiterführung erfahren. Gerade in dieser Geschichte lag das Potenzial für einen Roman. Frau und Kind verschwinden auf einer Insel, auf der niemand verloren gehen kann. Dieser Stoff wäre offen für viele Richtungen, sei es für die Tragödie oder einen Kriminalroman.

Natürlich, die Tokarczuk besitzt ein erzählerisches Talent, allein die Zerstückelung setzt diesem Grenzen. Der Titel Unrast ist gut gewählt, die Kategorie Roman dagegen führt den Leser auf die falsche Fährte. 

Nicht jedes gute Buch wird auch zum Lesegenuss!


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Rezension zu "Gesang der Fledermäuse" von Olga Tokarczuk

Ausgefallen, manchmal etwas langatmig, philosophisch-astrologische Gedanken
Federfeevor 2 Monaten

Die alte Janina lebt allein in einem Häuschen in der Einsamkeit der Glatzer Höhe (Polen), unweit der tschechischen Grenze. Als in der Umgebung Morde passieren, versucht sie, die Polizei zu überzeugen, dass sich die Tiere an den Opfern - alle Jäger - gerächt und sie umgebracht haben, wegen Missachtung der Tiere und der Natur.

Janina ist eine sympathische Alte, die mit wenigen guten Freunden Kontakt pflegt und sich viele Gedanken um die Welt, die Natur, die Menschen und das Leben macht. Seit Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Astrologie, mit dem Einfluss der Sterne auf den Charakter und das Leben der Menschen.

Und wer hat nun die Jäger ermordet? ...

Es ist ein behäbiges Buch mit wenig Handlung, was es im Ganzen ein wenig langatmig wirken lässt. Dennoch habe ich es gerne gelesen, auch wegen der Gedankenanstöße und der schönen Sprache.

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Olga Tokarczuk wurde am 29. Januar 1963 in Sulecow (Polen) geboren.

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