Olga Tokarczuk

 4 Sterne bei 298 Bewertungen
Autorin von Gesang der Fledermäuse, Empusion und weiteren Büchern.
Autorenbild von Olga Tokarczuk (©Jacek Kołodziejski)

Lebenslauf

Eine der bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart: Olga Nawoja Tokarczuk, geboren am 29. Januar 1962 in Sulecow, ist eine polnische Schriftstellerin und Psychologin. Sie wuchs bei Zielona Gora auf und zog später nach Kietrz, wo sie ihr Abitur machte. Sie studierte Psychologie an der Universität Warschau und arbeitete nebenbei in einem Heim für Jugendliche. Nach ihrem Abschluss fing sie an Therapeutin zu arbeiten. 

Schon zu Studienzeiten schrieb die Autorin Artikel für das Jugendmagazin unter dem Pseudonym „Natasza Borodin“. 1989 gab sie dann ihr offizielles Debüt mit ihrem Roman „Städte in Spiegeln“. Ihren literarischen Durchbruch schaffte sie mit ihrem dritten Roman „Ur und andere Zeiten“. Dieser wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und wurde zu einem der wichtigsten Werken der polnischen Gegenwartsliteratur. Darüber hinaus veröffentlichte sie Prosatexte und Essays. 

Für ihre Arbeiten wurde Tokarczuk u.a. mit dem Usedomer Literaturpreis, dem Internationalen Brückepreis, dem Man Booker International Prize, dem Nike-Publikumspreis sowie mit zahlreichen Ehrendoktorwürden ausgezeichnet. 

Zudem ist sie die Gewinnerin des Literaturnobelpreises 2019. Die Autorin zählt heute zu den bedeutendsten europäischen Autorinnen der Gegenwart.

Heute lebt die zusammen mit ihrer Familie in Breslau.

Neue Bücher

Cover des Buches Gesang der Fledermäuse (ISBN: 9783311105008)

Gesang der Fledermäuse

(90)
Erscheint am 08.10.2026 als Gebundenes Buch bei Kampa Verlag.
Cover des Buches Die Jakobsbücher (ISBN: 9783311100140)

Die Jakobsbücher

(13)
Erscheint am 08.10.2026 als Gebundenes Buch bei Kampa Verlag.
Cover des Buches N. N. (26.2) (ISBN: 9783311101994)

N. N. (26.2)

Erscheint am 08.10.2026 als Gebundenes Buch bei Kampa Verlag.

Alle Bücher von Olga Tokarczuk

Cover des Buches Gesang der Fledermäuse (ISBN: 9783311105008)

Gesang der Fledermäuse

(90)
Erscheint am 08.10.2026
Cover des Buches Empusion (ISBN: 9783311150978)

Empusion

(34)
Erschienen am 11.07.2024
Cover des Buches Ur und andere Zeiten (ISBN: 9783311100188)

Ur und andere Zeiten

(22)
Erschienen am 28.11.2019
Cover des Buches Unrast (ISBN: 9783311100126)

Unrast

(20)
Erschienen am 11.02.2019
Cover des Buches Anna In (ISBN: 9783311150558)

Anna In

(15)
Erschienen am 20.03.2024
Cover des Buches Die Jakobsbücher (ISBN: 9783311100140)

Die Jakobsbücher

(13)
Erscheint am 08.10.2026
Cover des Buches E.E. (ISBN: 9783311101390)

E.E.

(10)
Erschienen am 17.09.2024
Cover des Buches Der Schrank (ISBN: 9783423129237)

Der Schrank

(10)
Erschienen am 01.11.2001

Neue Rezensionen zu Olga Tokarczuk

Cover des Buches Empusion (ISBN: 9783311150978)
dracomas avatar

Rezension zu "Empusion" von Olga Tokarczuk

dracoma
Witzig und originell - und ein wenig düster!

Ein kleiner Kurort im schlesischen Gebirge kurz vor Ausbruch des I. Weltkrieges: hier verortet die Autorin die Erlebnisse und Beobachtungen ihres jungen Protagonisten. Der Klappentext verrät schon die Nähe zu Thomas Manns „Zauberberg“, die tatsächlich unübersehbar ist. Aber die Autorin gibt dieser Reverenz vor dem Altmeister ihre ganz besondere Färbung. Sie ahmt nicht nach, sondern sie erzählt selbstbewusst eine ganz eigene Geschichte – was man schon am Genre des Schauerromans sieht. Olga Tokarczuk fährt einen großen Reigen an Schauermotiven auf: unerklärliche Todesfälle, zwei hexenartige alte Frauen, geheimnisvolle nächtliche Geräusche, dunkle Andeutungen, irritierende Beobachtungen und einiges mehr, und all das verwebt sie mit den dunklen Sagen und Legenden der Gegend.

In einem „Gästehaus für Herren“ sammeln sich die Kranken, darunter der junge Protagonist, ein Student aus Lemberg, der seinem Vater und dessen dringlicher Erziehung zur Männlichkeit entkommen will. Die Bewohner des Gästehauses führen Gespräche über Gott und die Welt, oft unterstützt vom heilsamen Likör „Schwärmerei“, und um was es auch geht: die Gespräche wenden sich den Frauen zu. Auch wenn ihre Ausführungen oft von Husten und Atemnot unterbrochen werden und sie sich nur mit großen Anstrengungen noch weiterbewegen können, so sind sie sich doch einig, dem weiblichen Geschlecht meilenweit überlegen zu sein. Hier versammelt die Autorin mit genussvollem Spott ein ganzes Kaleidoskop an misogynen Urteilen der Philosophiegeschichte. Dieser Gegensatz zwischen Unvermögen und Arroganz gibt dem Roman eine skurrile und heitere Note, auch wenn das Unterschwellig-Düstere-Drohende immer präsent bleibt.

Aber es naht Rache. Diesem Männerstammtisch setzt die Autorin eine Schar von weiblichen Dämonen entgegen, den Empusen, die sich wie die Harpyien der griechischen Mythologie im Brausewind nähern und ihr Opfer, bevorzugt einen jungen Mann, mit ihren Klauen zerreißen. Das auserwählte Opfer ist der junge Student, der Klappentext verrät es schon. Wunderbar, wie hier die Erzählinstanz wechselt und ein geheimnisvoller mythischer Wir-Erzähler auftritt, der schließlich auch das letzte Wort hat, und dazu sehr schöne, lyrische Naturbeschreibungen und witzig-originelle Sprachbilder.

Insgesamt hat mir die Komposition des Romans hervorragend gefallen: wie der Leser sukzessive das Anders-Sein des Protagonisten entdeckt, wie dieses Anderssein sein Leben rettet und wie er sich schließlich selbstbewusst damit arrangiert.

Ein Lese-Genuss!


 

 



 

Cover des Buches Gesang der Fledermäuse (ISBN: 9783742415530)
Jorokas avatar

Rezension zu "Gesang der Fledermäuse" von Olga Tokarczuk

Joroka
Die Rache der Wildtiere

Eine sehr eigenwillige Frau lebt ganz abgeschieden in einem polnischen Mittelgebirge an der Grenze nach Tschechien. Sie ist überzeugte Vegetarierin und Hobbyastrologin. Auf Kriegsfuß steht sie vor allem mit der Jagdgemeinschaft des naheliegenden Dorfes, die aus ihrer Sicht fortwährend morden.


Dann erstickt ihr Nachbar an einem Knochen von einem gewildertem Reh. Weitere mysteriöse Todesfälle häufen sich. Alle Männer gehörten zu der Jagdgemeinschaft. Für die besagte Frau ist es ganz klar: Die Wildtiere schlagen zurück..


Eine ungewöhnliche Geschichte. Jonathan Foer hätte sicherlich seine Freude an ihr. Auch mich brachte sie zum Nachdenken über unseren Umgang mit der Ware Fleisch.


Die astrologischen Rückschlüsse konnte ich hingegen getrost belächeln. Jedenfalls eine ganz außergewöhnliche Mischung für einen Krimi? Nun es gibt Mordopfer, doch der Aufbau der Handlung verläuft nach einem ziemlich ungewöhnlichen Muster. Vielleicht doch kein Krimi?


Aber, aus meiner Sicht, einfach gut gemacht. Die ungekürzte Lesung wird passenderweise von einer älteren Frau und zwar Angelika Thomas gelesen und ihre Stimme passt ganz hervorragend. Die Laufzeit beträgt 8h 40 min.


Fazit: ungewöhnlich, überraschende Wendung, empfehlenswert





Cover des Buches Empusion (ISBN: 9783311150978)
irmakvakiflis avatar

Rezension zu "Empusion" von Olga Tokarczuk

irmakvakifli
Ein dichter Raum – doch ohne erzählerische Entladung

Empusion war mein erster Roman von Olga Tokarczuk nach der Verleihung des Literaturnobelpreises – und ich gestehe, dass meine Erwartungen vielleicht zu hoch angesetzt waren.

Tokarczuk bleibt auch hier unverkennbar: ihre Stimme ist eigen, ihre Sprache kunstvoll, die Atmosphäre dicht und klug konstruiert. Und dennoch hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass sich diese erzählerische Dichte nicht in eine entsprechende emotionale oder gedankliche Wucht auflöst.

Der Roman spielt im Jahr 1913, in einem Sanatorium, das in seiner abgeschlossenen, fast klaustrophobischen Welt eine Mischung aus Theaterkulisse und Denkraum bietet. Dabei musste ich unweigerlich an Dürrenmatts Die Physiker denken – auch dort eine Art Kammerspiel mit philosophischem Unterbau und verstörender Grundspannung.

Gleichzeitig erinnerte mich Empusion durch seine skurrilen Figuren und leicht absurde Atmosphäre an moderne Filme/Serien wie Grand Budapest Hotel oder Nine Perfect Strangers. Nur dass hier die Pointierung fehlt.

Die Dialoge zwischen den Figuren, die Reflexionen über Philosophie, Krankheit, Geschlecht und Gesellschaft – all das hat Potenzial, doch es bleibt oft andeutungsweise, ohne erzählerische Zuspitzung. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Geschichte an bestimmten Stellen traut, radikaler zu sein, klarer eine Linie zu verfolgen oder mehr erzählerische Bewegung zu entwickeln.

Trotzdem – und das muss betont werden – hebt sich Tokarczuks Roman durch Stil und Anspruch deutlich vom literarischen Mainstream ab. Er wirkt wie eine Hommage an große literarische und intellektuelle Traditionen. Vielleicht ist Empusion genau das: eine kluge, aber kühle Referenzarbeit.

Ein Buch für Leserinnen und Leser, die Sprache und Atmosphäre mehr schätzen als Plot und Spannung.

Gespräche aus der Community

Spontane Leserunde mit eigenen Exemplaren

387 Beiträge
FrancieNolans avatar
Letzter Beitrag von  FrancieNolan

Das ist schön zu lesen.

Wir wollen im *Juni 2022* gemeinsam dieses kleine feine Buch der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk lesen. :)

Es gibt keine Bücher zu gewinnen! Jeder kann sehr gerne mit seinem eigenen Exemplar an der Runde teilnehmen.

155 Beiträge
Corisos avatar
Letzter Beitrag von  Coriso

Mit einigem Abstand habe ich heute die Rezension geschrieben. Es ist mir echt schwer gefallen.

Aber vielen Dank für die tolle Leserunde und den bereichernden Gedankenaustausch.

https://www.lovelybooks.de/autor/Olga-Tokarczuk/Anna-In-2936248235-w/rezension/5923911070/

Zusätzliche Informationen

Olga Tokarczuk wurde am 29. Januar 1963 in Sulecow (Polen) geboren.

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