Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

von Oliver Bottini 
4,5 Sterne bei42 Bewertungen
Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens
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Zeitgeschichte. Rumänien wird ausverkauft. Ich fands trotzdem nicht so prickelnd.

H

Ein echter grandioser Bottini. So soll ein Krimi sein. Spannend, tolle Charaktere und viel Zeitgeschichte. Wirklich ein tolles Lesevergnügen

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Inhaltsangabe zu "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens"

'Platz 1 Deutscher Krimipreis 2018'

Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg – und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will …
Oliver Bottini zeigt, wie sich die radikale Einsamkeit des Menschen durch Gier und Machthunger noch verstärkt. Doch eines bricht sich immer wieder Bahn – der Glaube an etwas Gutes und an Menschlichkeit. Die Spannung zwischen diesen Polen ist es, durch die ›Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens‹ eine existenzielle Wucht entfaltet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783832197766
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:414 Seiten
Verlag:DuMont Buchverlag
Erscheinungsdatum:09.08.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    wandablues avatar
    wandabluevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Zeitgeschichte. Rumänien wird ausverkauft. Ich fands trotzdem nicht so prickelnd.
    In Rumänien läuft es nicht rund.

    In Rumänien läuft es nicht rund.
    Oliver Bottini hat den Deutschen Krimipreis bereits viermal gewonnen! Auch das besprochene Buch, "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ wurde 2018 damit ausgezeichnet. Das ist sicherlich berechtigt, weil sich sein Roman von herkömmlichen Kriminalromanen durch die authentische Verarbeitung europäischer Zeitgeschichte unterscheidet und jede Menge Recherche im Buch steckt. Warum mich sein Roman dennoch nicht vom Hocker reißt, liegt an der fehlenden Aura des Romans.

    Die Story dreht sich um Rumäniens Ausverkauf der Landwirtschaft an ausländische Investoren. Große Teile der Geschichte spielen in Temeswar, einem Dorf an der begradigten Bega. Ein anderer Schauplatz liegt in Mecklenburg-Vorpommerns verschlafenem Ort Prenzlin.

    Das große Plus von „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist es, dass es sich bei den geschilderten Begebenheiten um wahres Geschehen handelt. Schon der tragische Verkehrsunfall auf der Autobahn, mit dem der Autor in seine Geschichte einsteigt, hat sich im Jahr 2011 in der Nähe von Rostock wirklich ereignet. Ein plötzlicher Sandsturm verursachte eine Massenkarambolage.
    Und Rumänien ist momentan tatsächlich ungefähr zu vierzig Prozent in ausländischer Investorenhand. Insoweit ist der Roman mehr als ein Kriminalroman, er ist ein Wachrüttler, Informationsgeber und ein Zeugnis der Zeitgeschichte. Das ist sein Verdienst. Insofern ist der Preis berechtigt, zumal auch die Sprache floskelfrei gehändelt wird. Der Roman ist gut zu lesen, zieht sich aber in epischer Breite und Länge.

    Wo ist der Fall? Die Tochter eines deutschen Agrarunternehmers, der sich in Temeswar, Rumänien, angesiedelt hat, wird umgebracht. Der Vater ist begeisterter Landwirt und denkt nicht daran, die erworbenen Agrarflächen an die großen Aufkäufer aus aller Herren Länder zu verhökern. Ein Schachern ohnegleichen beginnt.

    Ein rumänisches Ermittlerduo, das Altlasten aus der Ceaușescu-Zeit mit sich herumschleppt, ist einmal etwas anderes als die immer gleichen Ermittlerpaare. Doch die Figuren bleiben meines Erachtens dennoch zu unausgeformt und farblos. Sie tragen ihre Toten mit sich herum, sprechen mit ihnen, sind von Albträumen geplagt, versuchen sich am Alltag und bleiben literarisch stecken. Sie sind trotz allem Andersartigen viel zu langweilig, wachen nur kurzzeitig auf, wenn eine schöne Frau auftaucht. Dann kaufen sie sich einen neuen Anzug. Bleiben wieder stecken. Reden wieder mit den Toten. So what?

    Die Atmosphäre des ländlichen Rumäniens mit seinen teils schrulligen Einwohnern plastisch herzustellen und rüberzubringen, gelingt nur teilweise. Ich sehe die Landschaft nicht, rieche sie nicht, fühle sie nicht. Nicht einmal das stille Prenzin, dicht vor meiner Haustür, mit seiner unglaublichen Schönheit, Lieblichkeit und seinem alten Charme, ersteht vor mir. Nur die riesigen Traktoren sehe ich und rieche ich. Immerhin!

    Die Dialoge sind natürlich, aber keinesfalls prickelnd, und die Handlung ist kompliziert. Dennoch mag ich es, dass sie ohne Brutalität daherkommt und Oliver Bottini sich vom herkömmlichen platten Kriminalroman durchaus dadurch unterscheidet, dass er sich ans Zeitgeschehen gebunden hat. Leider können die Protagonisten nicht mithalten.

    Die Lösung des Falls schließlich wird psychologisch nicht aufgedröselt. Hier ist der Täter. Das ist eben so. Punktum. Das ist mir zu platt nach der umständlichen Vorgeschichte. Man hätte sich intensiver in die Täterperspektive einarbeiten müssen und mit einem gloriosen Showdown aufwarten müssen. Wo ist sonst die Belohnung für 400 Seiten geduldigen Lesens und allerhand Langeweile?

    So scheint mir „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ bei aller Aufklärung der Machenschaften ausländischer Investoren und über die Ausweitung der Monokultur in der Landwirtschaft und seiner verheerenden Folgen doch eher aus Zufall ein Kriminalroman geworden zu sein denn aus Leidenschaft. Das ist die Kritik: Leidenschaft und Aura fehlen.

    Fazit: In Rumänien läuft es nicht rund. Gut zu wissen. Ich bleibe zuhause.

    Kategorie: Kriminalroman / Deutscher Krimipreis 2018
    Verlag: Dumont, 2017

    Kommentare: 3
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    EvelynMs avatar
    EvelynMvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Schwere Kost, aber unglaublich spannend, düster und detaillreich!
    Ein Krimi, der es in sich hat!

    Klappentext:
    Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg - und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will ...
    Oliver Bottini zeigt, wie sich die radikale Einsamkeit des Menschen durch Gier und Machthunger noch verstärkt. Doch eines bricht sich immer wieder Bahn - der Glaube an etwas Gutes und an Menschlichkeit. Die Spannung zwischen diesen Polen ist es, durch die „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ eine existenzielle Wucht entfaltet.

    Meine Meinung:

    „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist viel mehr als ein Kriminalroman und erfordert viel Aufmerksamkeit beim Lesen.

    Der Kommissar Iona Cozma steht kurz vor seiner Pensionierung und ist gedanklich schon auf dem Absprung. Am liebsten würde er mit seinem Kollegen Ciprian Ruzu eine ruhige, restliche Zeit bei der Polizei verbringen. Leider ist ihm dies nicht vergönnt, denn er wird aus ganz verschiedenen Gründen von seinem Vorgesetzten mit der Aufklärung des Mordes an einer jungen, deutschen Frau betraut. Vorrangiges Ziel dabei ist, den Fall möglichst schnell zu den Akten legen zu können. Doch dies weckt den kriminalistischen Instinkt des Kommissars und schnell wird Cozma klar, dass es mit der Ruhe vorbei ist und seine unrühmliche Vergangenheit aus der Zeit Ceausescus droht ans Tageslicht zu kommen. Somit könnte sein letzter Fall zu seinem Schicksal werden. Schnell ist ein Verdächtiger gefunden: der junge Arbeiter Adrian. Doch ist er wirklich der Mörder?

    Die Hauptcharaktere Michael Winter und Ana Desmerean sowie Jörg Marthen vereint ein schlimmes Schicksal. Träume, gelebt oder ungelebt, verbinden Menschen aus Deutschland und Rumänien. Dadurch entwickelt der Autor zwischen den Handelnden über die verschiedenen Handlungsstränge hinweg ein spürbares, starkes Band.

    Die Kommissare Cozma und Ruzu sind keine Vorzeigepolizisten und nicht immer sympathisch. Doch als Cozma beginnt, hinter die Kulissen zu schauen und die Hintermänner zu verfolgen, konnte ich mich langsam mit ihm anfreunden. Wie ein einsamer Wolf streicht er durch die Gegend und macht vieles mit sich alleine aus.

    Der Schreibstil ist geprägt von kurzen Sätzen und Gedanken. Dabei geht es oft grausam und brutal zu, ohne dass es übertrieben wirkt. Auch sind das Leid und die Verletzungen der Protagonisten ganz deutlich zu spüren, was die Charaktere durchweg menschlich macht und keinen „Helden“ hervorbringt. Neben dem hohen Grad an Spannung kommen auch die deutsche und vor allem rumänische Politik und der Bodenraub durch ausländische Großkonzerne und deren Monokulturen ins Spiel. Oliver Bottini gelingt es, diese komplexen Themen mit der Mordermittlung und der Vergangenheit der Charaktere geschickt und realistisch zu verknüpfen. Allerdings verlangt er damit seinem Leser ein hohes Maß an Aufmerksamkeit ab und verzeiht keine großen Lesepausen, da sonst der Faden verloren zu gehen droht. Der Autor schickt seinen Kommissar hinter dem Tatverdächtigen nach Deutschland hinterher. Dabei stellt der Leser fest, dass die Gegebenheiten in Rumänien denen im Osten Deutschlands nach 1989 ähneln. Der Mord an der jungen Frau tritt bald in den Hintergrund, da ein viel größeres Thema Verbrechen anzieht: der Ausverkauf Rumäniens. Die Geschichte der Landwirtschaft in der ehemaligen DDR und in Rumänien finde ich sehr interessant. Es war mir bisher nicht bewusst, wie hier um jeden Hektar Land geschachert und betrogen wird.

    Um dem Geschehen besser folgen zu können, gibt es eine Landkarte und Infos zu Personen und Orten im Buch. Diese geben zwar einen kleinen Teil der Handlung preis, helfen aber dabei, den Überblick bei der großen Anzahl an Personen zu behalten.

    Ich finde Oliver Bottinis Krimi absolut außergewöhnlich und überraschend. Er ist sehr spannend, informativ und komplex in seiner Themenvielfalt. Den 1. Platz des Deutschen Krimipreises 2018 hat dieser Roman absolut verdient!

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    Sigismundvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Politkrimi mit Nachhaltigkeit
    Ein Politkrimi mit Nachhaltigkeit

    Alles beginnt 2011 mit einer Massenkarambolage auf der A19 in Mecklenburg mit elf Todesopfern und endet drei Jahre später mit einem Showdown und drei Toten nahe Temeswar in Rumänien. Dennoch ist der mit dem Deutschen Krimipreis 2018 ausgezeichnete Roman „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ kein typischer Krimi. Der im November im Dumont-Verlag erschienene Roman von Oliver Bottini (47), der als einer der bedeutendsten Krimiautoren Deutschlands gelobt wird und mit inzwischen fünfmaliger Auszeichnung auf den Deutschen Krimipreis abonniert zu sein scheint, ist eher eine spannende, gleichsam berührende, vor allem beklemmende Mischung aus Politthriller, Gesellschaftsroman und Krimi. Es geht um die negativen Auswirkungen großflächig betriebener Landwirtschaft, um Globalisierung, um die Auswüchse des Kapitalismus: Sowohl im Osten Deutschlands als auch in Rumänien gehört der einfache Mensch wieder zu den Verlierern. Der Autor versteht es ausgezeichnet, den Wechsel sowohl vom kommunistischen System der DDR als auch dem diktatorischen Ceaușescu-Regime Rumäniens in ein demokratische Staatssystem zu analysieren. Das Ergebnis seiner Analyse ist niederschmetternd: „Da hatten sie für die Demokratie gekämpft und den glitzernden Kapitalismus bekommen – und gaben sich damit zufrieden“, zieht der rumänische Kriminalkommissar Ioan Cozma resigniert sein Fazit. Denn im Grunde hat sich hier wie dort kaum etwas geändert: In Rumänien wie in Ostdeutschland sitzen die alten Funktionäre und Eliten noch immer an den Hebeln der Macht oder sie wurden durch Großkonzerne ersetzt. "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens" zeigt die Dramatik der Globalisierung, den Ausverkauf des eigenen Landes an internationale Agrarkonzerne und die sich daraus ergebenden Folgen. Bottini schildert eindringlich den Überlebenskampf des "kleinen Mannes" in Ostdeutschland und Rumänien nach der Wende, erzählt von Trauer und Leid und von Menschen, die trotz erlittener Tragödien und aller Ohnmacht immer noch den Mut aufbringen, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben. Bottinis Roman scheint durchgängig von Hoffnungslosigkeit und Trauer geprägt: Maik Winter verliert bei der Massenkarambolage auf der A19 die Ehefrau und beide Kinder, er bleibt allein zurück und versucht, in Rumänien bei seinem Jugendfreund Jörg Marthen sich ein neues Leben aufzubauen. Landwirt Marthen, dessen Familie im mecklenburgischen Prenzlin nach der Wende durch betrügerische Machenschaften ein zweites Mal um ihr Eigentum gebracht wurde, hat sich in Westrumänien sein Neu-Prenzlin aufgebaut. Doch andere wollen das Land und lassen seine Tochter Lisa ermorden, um Marthen gefügig zu machen oder aus Rumänien zu vertreiben. Letztlich verkauft Marthen seine rumänischen Ländereien an einen arabischen Großkonzern und baut sich in Mecklenburg eine neue Existenz auf. Bei aller Hoffnungslosigkeit schimmert erst am Ende des Romans doch noch der Glaube an Gutes und an Menschlichkeit durch. „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist ein Roman mit starker Nachhaltigkeit: Auch wenn das letzte Kapitel längst gelesen ist, lässt einen das Buch noch lange nicht los ….

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    Bella5s avatar
    Bella5vor 9 Monaten
    Europäische Zeitgeschichte in Krimiform


    „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ oszilliert zwischen dem Banat und Ostdeutschland.
    Kripo-Kommissar Ioan Cozma will eigentlich nur seine Ruhe haben und „unter dem Radar“ segeln, da es nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung sind. Im Kommunismus waren seine Methoden nicht immer human und er war kein erklärter Gegner des Systems. Im Jahr 2014 ist jedoch Schluss mit der Ruhe – er soll den Mord an einer jungen Deutschen untersuchen. Lisa Marthen, Tochter eines deutschen Großbauern, wird erstochen aufgefunden, und schnell fällt der Verdacht auf den jungen Feldarbeiter Adrian. Lisa hatte seine Liebe nicht erwidert. Die Ermittlungen führen Kommissar Cozma nach Mecklenburg in Deutschland…
    Oliver Bottinis Roman ist mehr als ein schnöder Krimi. Der Autor hat unheimlich sorgfältig gearbeitet und akribisch recherchiert. „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ analysiert auch zeitgeschichtliche Verwicklungen und im Kern ist der Kriminalroman eine Globalisierungskritik.
    Reiche Nationen wie etwa Deutschland profitieren nämlich am meisten vom Zusammenbruch des Kommunismus in (Süd)osteuropa. Nachdem Rumänien das Joch eines Diktators abgeschüttelt hatte, hielt eine Pseudodemokratie Einzug. Alte Kader wurden nicht selten lupenreine Demokraten, die Korruption hielt in großem Stil Einzug oder sie verschwand nicht einfach mit dem Zusammenbruch der Blöcke. Land konnte extrem billig erworben werden – von ausländischen Investoren. So begann der Ausverkauf eines Landes. Ähnliches geschah in vielen anderen Ländern Ostmitteleuropas, Südosteuropas und auch in Ostdeutschland. Hier zieht der Autor ganz klare Parallelen und er erklärt so (aber entschuldigt nicht), woher die Frustration vieler Menschen kommt. Die Rumänen, die stets stolz auf ihr lateinisches Spracherbe waren (trotz des Vorhandenseins von slawischem Lehngut im Rumänischen), können am europäischen Wohlstand nicht wirklich partizipieren. Dies ist eigenverschuldet, aber zu großen Teilen eben auch fremdverschuldet. Daher ist Bottinis Krimi ein Roman, der das enge nationalstaatliche Korsett abstreift. Bottini hat einen Thriller geschrieben, der ein wahrhaft europäischer Krimi ist. Dabei legt er das Augenmerk auf Prozesse und Personen. Seine Figuren sind wirklich „rund“ und nicht immer sind sie Sympathieträger. Glücklicherweise umschifft Bottini alle Klischeeklippen. Obwohl er mit dem Buch stark gesellschaftskritische Töne anschlägt, bietet er keine simplen Lösungen an. So ist das Ende der Geschichte folgerichtig ein ambivalentes, aber kein hoffnungsloses. Bottini wirft Fragen nach Schuld und Sühne auf. Der Leser muss etwas Sitzfleisch mitbringen, aber es lohnt sich. Der Roman ist spannend und lesenswert, eine facettenreiche Kritik an herrschenden Verhältnissen, aber kein Thriller, den man en passant lesen kann. Es gibt keine Spannung um der Spannung willen und es ist kein Ermittlungskrimi nach Schema F. Daher vergebe ich für das Buch die volle Punktzahl – fünf Sterne.

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    Nadl17835s avatar
    Nadl17835vor 10 Monaten
    Atmosphärischer Kriminalroman

    Eigentlich will sich Ermittler Ioan Cozma in den letzten Jahren vor seiner Pensionierung bedeckt halten und keine Aufmerksamkeit erregenden Fälle mehr bearbeiten. Doch die Vergangenheit holt ihn ein und fordert ihren Tribut, sodass er sich mit dem Mordfall einer 18-jährigen Deutschen beschäftigen muss, der ihn nicht nur bis nach Deutschland führt, sondern auch in seine eigene Vergangenheit...


    Der Einstieg fiel mir schwer, da es mehrere Handlungsstränge gab mit verschiedenen Personen an verschiedenen Orten, die so schnell wechselten, dass ich dem Verlauf der Handlungen nur schwerlich folgen konnte. Der auf mich abgehackt wirkende Schreibstil war anfangs ebenfalls nicht so mein Fall. Mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und die Orts-, und Personennamen konnte ich gut zuordnen. Die Atmosphäre des Buches schien mir erst nicht so greifbar und stimmungsvoll, auch das hat sich zum Ende hin gewaltig geändert, sodass mir die schwermütige, bedrückende Atmosphäre sehr gut gefallen hat und mich überzeugen konnte. Die Handlung gleicht eher einer Hexenjagd und die Täter bleiben lange im Verborgenen, ebenso die Motive der Taten. Es geschehen viele unerwartete Wendungen und dabei kommt auch der ein oder andere zu Schaden. Die Protagonisten wirkten sehr distanziert und geheimnisvoll, als umgäbe sie ein Nebel, der sie undurchdringlich machte. Das Ende war überraschend bedrückend, da es irgendwie kein gutes oder schlechtes Ende hatte, sondern eher etwas dazwischen. Der kulturelle und geschichtliche Hintergrund der Geschichte Rumäniens hat mir dieses Land etwas näher gebracht, da ich bisher noch nicht viel darüber wusste.


    In jedem Fall ein atmosphärischer Kriminalroman mit vielen unschönen Enthüllungen, die sich allerdings verdichten und in ruhiger und subtiler Art und Weise ihr Ende finden und die so Geschichte perfekt und rund abschließen.

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    ulrikerabes avatar
    ulrikerabevor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Schuld und Verantortung ist das zentrale Thema dieses Buches.. Dabei voll Traurigkeit und sprachlicher Feinheit.
    Kluger, trauriger, sozialpolitisch aktueller Krimi

    In Coruia, Rumänien wird Lisa Marthen, eine junge deutsche Frau brutal ermordet. Ihr Vater Jörg hat dort gemeinsam mit seinem Freund Winter große Agrarflächen aufgekauft um Landwirtschaft im großen Stil zu kleinen Mitteln zu betreiben. Die beiden Männer verbindet eine langjährige Freundschaft noch zu DDR Zeiten. Maik Winter hatte etliche Jahre vor dem Mord an Lisa seine Familie bei einem Autounfall verloren.
    Mit den Ermittlungen wird Ioan Cozma, Polizist aus Temesvar betraut. Bald wird klar, dass der junge Adrian, der als Verdächtiger auf dem Silbertablett präsentiert wird, nicht der Mörder sein kann. Trotzdem setzt sich der junge Mann nach Prenzlin in Deutschland, der Heimat Lisas, ab. Eine Flucht mit schrecklichen Konsequenzen.
    Bottini zeichnet seine Figuren mit großer Sorgfalt, egal ob einem die handelnden Personen sympathisch sind oder nicht, sie nehmen einen mit. Mit leisen aber eindringlichen Worten beschreibt er den ermittelnden Polizisten Cozma, als einen Mann, der sämtliche Perspektiven verloren hat, resigniert und mit den Geistern der Vergangenheit kämpfend. Schuld, Wut und Zorn haben aus dem einstigen Handlanger des rumänischen Regimes zu dem Mann gemacht, der er heute ist, gebrochen einerseits, geläutert andererseits mit der Bereitschaft für Vergangenes gerade zu stehen. Das zentrale Motiv , die Verantwortung für echtes oder vermeintliches Unrecht aus der Vergangenheit zu übernehmen, beherrscht aber auch andere Figuren dieses Buches.
    Die Geschichte hinter der Krimihandlung ist erschütternd. Die Gier nach Macht und Geld hat die Menschen korrumpiert. Die sozialpolitische Kritik an der Globalisierung und dem Ausverkauf an Land ist vorherrschendes Thema. Das Schlagwort Landraub muss gar nicht erst bis nach Südostasien verfolgt werden. Es passiert hier in Europa, quasi vor unserer Tür. Die ländliche Bevölkerung Rumäniens, die außer ihrem Land nichts hatte, wird in die Lohnsklaverei gennötigt, um dann im Ausland, wie in der Geschichte im ehemaligen Osten Deutschlands, für einen Bettel zu schuften auf Landflächen die auf unredliche Weise ins Eigentum der jetzigen Großbesitzer gelangten.
    Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens ist kein Reißer, kein hektisch vorwärts getriebener Krimi mit rasantem Showdown, obwohl es mehrere Tote gibt es keine blutrünstige Effekthascherei. Im Gegenteil hebt sich dieser Krimi mit seiner langsamen, melancholischen und anspruchsvollen Art der Handlung und Sprache von der Masse ab. Zu Recht hat Oliver Bottini für sein Werk den deutschen Krimipreis 2018 erhalten.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Die Gier nach Geld und Macht mobilisiert die Verbrecher - ein dichter, schlüssiger Krimi mit viel Hintergrund und plausiblen Handlungen.
    Der erbitterte Kampf im eigenen Käfig

    „Er sei froh, sagte er schließlich, dass er nur noch im eigenen Käfig kämpfe. Man wisse, wo er beginne und wo er ende. Das sei viel. Solange er außerhalb des eigenen Käfigs gekämpft habe, sei er im Draußen immer mehr verloren gegangen, wo zugegeben vieles sein möge, die Fantasie, die Moral, das Abenteuer, der Ruhm nur eines eben nicht: er selbst, sein Kern.“


    Inhalt


    Der kurz vor der Pensionierung stehende Kriminalkommissar Ioan Cozma bekommt einen heiklen Fall zugeteilt. Ein junges Mädchen wurde brutal ermordet, angeblich von ihrem Liebhaber Adrian Lascu– doch schon bald wird klar, dass es zwischen dem Flüchtigen und dem Mordopfer gar keine sexuelle Beziehung gab, stattdessen finden sich an dem Opfer Spuren eines anderen Mannes. Und dieser wurde wahrscheinlich von Lascu beobachtet. Die Spur führt in die Heimat der Ermordeten, hinein ins beschauliche Prenzlin und Cozma erkennt, dass hinter dem Mord noch weit mehr steckt als ein persönliches Rachemotiv. Seine Ermittlungsarbeit deckt einen unmittelbaren Bezug zu einer ominösen rumänischen Firma auf, die immer wieder kleine Parzellen Agrarland von privaten Besitzern aufkauft, um diese gewinnbringend zu vermarkten. Das organisierte Verbrechen streckt diesmal seine Hand aus und wirft die Frage nach dem übergeordneten Plan und den Drahtziehern im Hintergrund auf. Cozma und sein gleichaltriger Kollege Cippo wühlen tief in den korrupten Machenschaften der Verantwortlichen und geraten bald selbst in die Schusslinie der Unberechenbarkeit …


    Meinung


    Der deutsche Erfolgsautor Oliver Bottini, der bereits mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde, konzentriert sich mit dem vorliegenden Roman auf ein dunkles Kapitel der jüngeren Vergangenheit, welches gesellschaftskritisch und sachlich inspiriert über Verbindungen zwischen europäischen Staaten berichtet und weit mehr Input bietet, als ein herkömmlicher Kriminalroman. Besonders intensiv und ungewöhnlich fand ich die Kombination aus persönlichen Schicksalen, Ermittlern mit Profil, Nebencharakteren mit dramatischen Lebensgeschichten und ganz generell dem Vorhandensein einer großen, erzählenswerten Geschichte.


     Dieser stille, doch keineswegs spannungsarme Krimi, setzt den Fokus auf eine Hintergrundhandlung, die erst aus dem Zusammenspiel der Charaktere und deren Verfehlungen, sowie auf einer großen Gemeinsamkeit beruht. Einerseits sind da die Guten, die für Gerechtigkeit sorgen, die objektiv und unparteiisch handeln und mit Integrität aufwarten und zum anderen die Bösen, die sich mittels Macht und Gier auf jede Unwegbarkeit einlassen und voller Skrupellosigkeit vor Mord und Gewalt nicht zurückschrecken. Der Knackpunkt jedoch ist der, dass es der Autor vermag, glaubwürdige Charaktere zu schaffen, die Ecken und Kanten haben, die sich nicht immer geradlinig durchs Leben bewegen und denen man als Leser eine große Authentizität zuschreibt.


    Besonders hervorheben möchte ich auch die Vielschichtigkeit, mit der Bottini aufwartet. Zwar spürt man durchaus die Ermittlungstätigkeit der Beamten und auch die Angst der Opfer, selbst die unglückliche Involvierung diverser Randfiguren, doch letztlich ist es das Geflecht aller Begebenheiten, die diesen Kriminalroman so gut und andersartig gestalten. Als Leser hat man das Gefühl, immer tiefer in eine Geschichte einzutauchen, die sich erst nach und nach in ihrer vollen Dimension entfaltet. Und so ist es nicht nur die einprägsame Sprache, die Nachhall bringt, sondern in erster Linie ein geradliniger, umfassender Plot, der sich nicht vordergründig auf Action und Gewalt stützt, dafür aber immer mehr vermittelt, als man es aus manch anderer kriminalistischer Erzählung gewöhnt ist.


    Fazit


    Ich vergebe 5 Lesesterne und eine unbedingte Leseempfehlung für diesen Kriminalroman, der mit leichter Hand eine bedrückende Geschichte der Menschen erzählt, der Gefühle wie Machtlosigkeit, Hoffnungsschimmer und Einsamkeit thematisiert und selbst Werte wie Freundschaft, Loyalität und Aufrichtigkeit aufgreift. Für mich eine belletristische Glanzleistung, die sich sehr positiv von anderen Romanen abhebt und einen unverwechselbaren Erzählton anschlägt. Für alle Leser, die Bücher mit Substanz mögen und sich gerne mit diversen Charakteren auseinandersetzen – eine gelungene Mischung, die mir lange in Erinnerung bleiben wird.

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    Gulans avatar
    Gulanvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Eine tote junge Frau, Kampf ums Agrarland, Einsamkeit, Trauer: Großartiger literarischer Krimi.
    Landraub.

    Aber sie hörte einfach nicht auf, sich zu wehren, selbst jetzt nicht, als er schwer auf ihr lag. Sie biss und kratzte und versuchte, zu schreien und zu treten, und da musste er sie wieder schlagen, bis sie endlich stillhielt.

    Als er fertig war, fuhr ihm der Schreck über das, was er getan hatte, in die Knochen, und mit dem Schreck kam die Wut.
    „Adrian...!“, schrie sie unter seiner Hand und fing wieder an, sich zu wehren, und seine Wut wuchs immer mehr.
    Da griff er zum Messer und befreite sich von der Angst und der Wut. (S.30-31)

    Im rumänischen Banat, nahe der Stadt Temeswar, wird die junge Deutsche Lisa Marthen ermordet aufgefunden. Ihr Vater ist einer der zahlreichen ausländischen Großgrundbesitzer. Zeitgleich mit ihrer Ermordung ist der junge Feldarbeiter Adrian spurlos verschwunden. Zu Hause hatte er sich noch schnell umgezogen und versucht, seine blutige Kleidung zu verbrennen. Wie sich schnell herausstellt, Blut von Lisa. Der Fall scheint eindeutig und dennoch ist Kommissar Ioan Cozma vorsichtig. Vor allem irritiert ihn, dass ein solch brisanter Fall ihm übertragen wurde.

    Lisa und Adrian waren befreundet, seine Verliebtheit wurde von ihr aber wohl nicht geteilt. Ein Mord aus verschmähter Liebe? Cozma hat von Beginn an Zweifel, zumal es nahe des Tatorts noch Spuren eines Fahrzeugs gibt, das nicht von Adrian ist. Im fruchtbaren Banat haben ausländische Investoren weite Teile der landwirtschaftlichen Fläche übernommen. Es herrscht ein heftiger Bieterkampf um weitere Flächen. Marthen erhielt mehrfach Angebote, die er bisher ablehnte. Ergibt sich hier ein mögliches weiteres Motiv?


    Der stille Winkel

    Kommissar Ioan Cozma ist ein stiller, einsamer Mann. Seine Frau hat ihn schon länger verlassen, zu Hause warten nur seine eigene Dämonen: Sein früh verstorbener jüdischer Vater und sein früheres zorniges Ich, das unter der Ceauşescu-Regime als Polizist an den brutalen Verfolgung von Regimegegnern beteiligt war. Cozma hat es nicht mehr lange bis zu seiner Pensionierung. Er fliegt bis dahin unter dem Radar. Mit seinem Chef hat er eigentlich eine stillschweigende Übereinkunft, dass er keine großen Mordermittlungen mehr übernehmen muss. Doch in diesem Fall wird Cozma aus seinem stillen Winkel vertrieben. Irgendjemand weiter oben zieht die Fäden und verspricht sich etwas davon, dass ausgerechnet er den Fall bearbeitet. Doch Cozma ist gewissenhaft und nicht gewillt, den Fall schnell zu beenden. Dabei erhält er durch die Antikorruptions-Staatsanwältin Valentina Olar unerwartete Unterstützung. Doch schon bald erhält er auch erste Warnungen vor allzu tiefgreifenden Ermittlungen.


    Mecklenburg

    Ein weiterer Schauplatz dieses Buches ist außerdem Mecklenburg. Aus dem kleinen Dorf Prenzlin stammt die Familie Marthen und Maik Winter, Betriebsleiter von Marthen in Rumänien. Winter ist so etwas wie der zweite Protagonist des Buches. Er hat im Jahr 2011 bei einer Massenkarambolage auf der A 19 wegen eines Sandsturms seine Familie verloren (hiermit beginnt das Buch) und nun in Rumänien neu angefangen. Winter hat sich seiner Trauer nur bedingt gestellt und als er nun nach Prenzlin reist, weil der Gesuchte Adrian dorthin flüchtet, holt ihn die Vergangenheit mit voller Wucht ein, inklusive seiner Jugendfreundin Anett, der Schwester von Marthen. Auch Cozma reist nach Deutschland auf der Suche nach der Wahrheit in diesem Fall.


    Vielseitigkeit

    Oliver Bottini ist wahrlich kein Unbekannter mehr in der deutschen Krimiszene, u.a. mehrfacher Preisträger des Deutschen Krimi Preises. Seine Reihe um die Kommissarin Louise Boní ist inzwischen schon fürs Fernsehen verfilmt worden. Daneben schreibt Bottini aber immer wieder Stand-Alones. Zuletzt den großartigen und vielseitigen Politthriller „Ein paar Tage Licht“. Auch „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist von einer faszinierenden Vielschichtigkeit. Dabei schafft es der Autor aber spielend, gesellschaftliche, politische Themen mit persönlichen Schicksalen zu verbinden und europäische Verbindungen aufzuzeigen. Hier sind es Themen wie der Ausverkauf der landwirtschaftlichen Flächen damals in Mecklenburg wie heute in Rumänien, der Kampf der jungen Demokratie in Rumänien gegen Korruption und Vetternwirtschaft inklusive die Aufarbeitung der Verbrechen während des kommunistischen Regimes.


    An einem Metallschild mit der Aufschrift 'JM Romania' bogen sie auf eine nicht asphaltierte Privatstraße ab, passierten ein schlichtes Holzschild mit einem Ortsnamen, 'Neu-Prenzlin'.

    „Was soll das bedeuten?“
    „Sie kommen aus Prenzlin“, sagte Cozma. „Prenzlin in Deutschland. Das alte Prenzlin vielleicht.“
    „Und in Rumänien haben sie ein neues Prenzlin gebaut, ja?“
    „Wir wollten in die EU, Cippo. So ist das nun mal.“
    „Gehe ich nach Deutschland und baue ein neues Firiteaz?“
    „Du könntest es wahrscheinlich.“ (S.64)


    Figuren

    Doch keine Angst für diejenigen, die solche Themen nur am Rande interessieren. Das Faszinierende an diesem Buch ist Bottinis Umgang mit seinen Figuren. In seiner multiperspektiven Erzählweise erlangen nicht nur die Hauptfiguren eine beeindruckende Tiefe. Er schafft es, auch den Nebenfiguren Leben einzuhauchen, Konturen zu verpassen. Zum Beispiel der Hubschrauberpilotin Ana, die das Grab ihrer während des Regimes ermordeten und verscharrten Eltern sucht. Oder Cozmas Kollege Cippo, der nur schwer von der 'Großen Rumänischen Krankheit' – Bestechung/Schmiergeld – lassen kann.

    Der Roman handelt von Schuld und Gier. Was viele der Figuren aber miteinander verbindet ist eine tiefe Einsamkeit und zum Teil auch Trauer. Der Mord an Lisa Marthen ist dann wie der Beginn eines Strudels, in dem sich schließlich alle verfangen.

    Kurz vor Weihnachten hatte ich das Buch beendet und musste es dann auch noch in unbedingt in meine Jahresbestenliste aufnehmen. „Der Tod in den stillen Winkel des Lebens“ ist für mich ein herausragendes Werk und sowohl sprachlich als auch vom Plot und den Figuren sehr überzeugend.

    Kommentare: 7
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    wampys avatar
    wampyvor einem Jahr
    Einfach richtig gut

    Buchmeinung zu Oliver Bottini – Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

    „Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens“ ist ein Kriminalroman von Oliver Bottini, der 2017 bei DuMont Buchverlag als Hardcover erschienen ist.

    Zum Autor:
    Oliver Bottini, 1965 in Nürnberg geboren, in München aufgewachsen, familiärer Hintergrund mathematisch/pastoral. Nach dem Abitur Zivildienst, anschließend sechs Monate Neuseeland und Australien als Wanderer, Aprikosenpflücker und lästiger Tür-zu-Tür-Verkäufer von großformatigen Air-Brush-Gemälden. Zurück in München Jobs als Hotelrezeptionist und Hausmeister im Mädchenpensionat, parallel dazu Studium der Neueren deutschen Literatur, Italianistik und Markt- und Werbepsychologie sowie, schweißtreibender, von Kung Fu und Qi Gong. Seit 1995 Autor und freier Lektor. Berufsbegleitend von 2001 bis 2003 Ausbildung zum Familien- und Wirtschaftsmediator. Mehrere Kriminalromane, Sachbücher, Kurzgeschichten. 2008 den Weg nach Berlin gefunden, hängengeblieben, aber der Süden ... ruft ...

    Klappentext:
    Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg – und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will …


    Meine Meinung:
    Dieses Buch ist nicht leicht zu lesen, denn sowohl Sprache als auch Handlung sind fordernd. Die Hauptfigur Ioan Cozma ist ein erfahrener Ermittler mit dunkler Vergangenheit, der nur mit seinem Kollegen Ciprian Ruzu die Zeit bis zur Rente absitzen will. Doch dann wird er mit der Leitung der Ermittlungen in einem Mordfall an einer jungen Deutschen beauftragt. Bald merkt er, dass er den Fall schnell und mit einem gewünschten Ergebnis abschliessen soll.

    Cozma ist wie sein Kollege Ruzu kein ausgesprochener Sympathieträger und doch fiebert man mit ihm mit, weil er den Kampf gegen die Strippenzieher im Hintergrund aufnimmt. Im Laufe der Geschichte erfährt man viel über die Vergangenheit der beiden Ermittler und versteht, warum sie so geworden sind wie sie sind. Diese Vergangenheit droht sie einzuholen und doch lassen sie sich nicht abhalten, weiter zu ermitteln. Der Roman schildert ein dunkles Bild Rumäniens nach der totalitären Zeit unter Ceausescu. Es gibt fast nur Verlierer und die Gewinner haben es nicht verdient. Der Autor sieht Gemeinsamkeiten mit den Zuständen in Ostdeutschland nach der Wende. Cozma folgt dem Tatverdächtigen nach Deutschland und trifft dort auf Menschen, die ihren Weg gefunden haben, mit den Zuständen zu leben. Dieser Roman enthält Stellen großer Grausamkeit und Brutalität, die dennoch angemessen wirken. Cozma will den Fall lösen und lässt sich nicht einschüchtern. Das Gefühl, eine Marionette in der Hand der mächtigen Hintermänner zu sein, will er unbedingt los werden. Es gibt den kleinen Kriminalfall mit dem Mord und den großen Kriminalfall mit Wirtschaftskriminalität, in dem es um unglaublich viel Geld geht. Der kleine Fall ist spannend, auch wenn der Täter bald bekannt ist. Die spannende Frage danach ist, ob die Hintermänner ermittelt und überführt werden können.

    Das düstere Bild Rumäniens und auch Ostdeutschlands wird durch die angeschlagenen Figuren verstärkt. Alle tragen zusätzlich noch eine Last aus vergangener Zeit mit sich, die ihr Leben weiter erschwert. Aber auch einige der Gewinner sind unglücklich und suchen nach Wegen, ihre Schuld abzutragen. Ganz sicher ist dies ein starker Roman mit einer klaren politischen Aussage.

    Fazit:
    Ein starker Roman in präziser Sprache mit akkurat gezeichneten Figuren. Die Handlung ist komplex und läuft auf mehreren Ebenen ab. Dieser Roman hat mich trotz einiger sehr brutalen Stellen überzeugt. Gerne vergebe ich fünf von fünf Sternen (95 von 100 Punkten). Ich empfehle das Buch gerne an Leser, die bereit sind, sich intensiv mit dem Buch zu befassen.

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    tardyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Düster, spannend, literarisch, ein Krimi aus Meisterhand
    Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens

    Der rumänische Kommissar Ioan Cozma würde die letzten Jahre bis zu seiner Pensionierung am liebsten in aller Ruhe absitzen. Vielleicht merkt dann auch keiner mehr, was er selbst an Dreck am Stecken hat. Doch dann wird ihm ein schrecklicher Fall zugewiesen. Lisa Marthen, die Tochter eines Großgrundbesitzers, wird erstochen aufgefunden. Der Verdacht fällt auf den jungen Feldarbeiter Adrian, der in die junge Deutsche verliebt war. Da dieser flüchtet, scheint der Fall klar. Seine Spur führt nach Mecklenburg und Cozma, der ihm nachfolgt, dringt tief in düstere Geheimnisse ein, auch in seine eigenen.

    Mit seiner dicht gepackten, literarischen, in Zügen, sogar als poetisch zu bezeichnenden Sprache macht Oliver Bottini aus seinem Buch so viel mehr, als nur einen schnöden Krimi. Er erzählt eine Geschichte, die vielschichtig und stark politisch ist. Die Geschichte Rumäniens, die immer schon keine einfache war.

    Der Roman dringt tief in die aktuelle und vergangene Politik Rumäniens ein, die sich seit der Wende eigentlich nur wieder zu Ungunsten der einfachen Bevölkerung verändert hat und zeigt dem Leser, wie Geld Menschen verändern und manipulieren kann.
    Im Grunde hat sich nicht viel getan, Machtgier, Korruption, Bestechung sind noch genauso an der Tagesordnung, wie zu kommunistischen Zeiten. Der Autor verschont uns auch nicht mit harter Gesellschaftskritik und lässt uns an den schrecklichen Machenschaften von Politik und Machtinhabern teilhaben.

    Aufgelockert wird die fast durchgängig sehr düstere Stimmung nur durch die teilweise witzigen Dialoge des Ermittlerteams Cozma/Cippo, die als langjähriges, eingespieltes Gespann sehr gut die Macken des anderen kennen. Bottinis Protagonisten sind alles Menschen mit vielschichtigen und nicht geradlinigen Biographien. Von denen gibt es nicht wenige, was mich anfangs ein wenig ins Schwimmen gebracht hat. Die mir ungewohnten Namen waren nicht leicht zu unterscheiden und schwer zu merken. Dies erfordert viel Aufmerksamkeit beim Lesen. Dass es ein Personenregister am Ende des Romans gibt, habe ich leider erst zu spät bemerkt. Ich tendiere nicht dazu, zu den letzten Seiten eines Romans zu blättern.

    Der Kriminalfall selbst fügt sich nahtlos in die reale Rahmenhandlung ein und bleibt bis zum Ende hin sehr spannend und aufwühlend. Er geizt nicht mit brutalen Elementen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber in diesem Zusammenhang kann man nichts beschönigen, sondern muss klar und realistisch bleiben. In diesem Milieu geht es eben so zur Sache, da wird nicht lange gefackelt und ein Menschenleben spielt keine große Rolle.

    Der ungewöhnliche, spannende, brisante Roman, der höchst emotional und kritisch daherkommt, hat mich sehr erschüttert und wird mir nachhaltig in Erinnerung bleiben. Kein Wunder, dass der Autor schon einige Krimipreise erhalten hat. Auch dieses Buch hat meiner Meinung nach eine Auszeichnung verdient. Unbedingt lesen!

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Daniliesings avatar

    Ein Krimi, der euch nicht mehr loslassen wird!


    Oliver Bottini ist zurück! Am 8. November erscheint der neue Kriminalroman des schon vierfach mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichneten Autors. Seid bei unserer Leserunde zu "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens" dabei und begleitet Kripo-Kommissar Ioan Cozma bei seinen Ermittlungen in einem brutalen Mordfall!

    Mehr zum Buch:

    Banat/Rumänien 2014: Ioan Cozma hat abgeschlossen mit der Welt. Der Kripo-Kommissar lebt allein, es sind nur noch ein paar Jahre bis zu seiner Pensionierung; wenn er nicht groß auffällt, wird auch niemand in seiner Vergangenheit wühlen. Es ist besser so. Doch die Welt will ihn nicht in Ruhe lassen. Ausgerechnet Cozma wird die Ermittlungsleitung in einem brutalen Mordfall übertragen: Die junge Lisa Marthen, eine Deutsche, wurde erstochen aufgefunden. Ihrem Vater gehört ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, und der Verdacht fällt auf einen seiner jungen Feldarbeiter, der in Lisa verliebt war und seit ihrem Tod verschwunden ist. Als eine Spur nach Mecklenburg führt, macht Cozma sich auf den Weg – und muss feststellen, dass er dort nicht der Einzige ist, der für Gerechtigkeit sorgen will …

    >> Leseprobe

    Zusammen mit dem DuMont Buchverlag suchen wir 25 Testleser für Bottinis neues Werk! Wer sich mit Kommissar Cozma auf Ermittlungen begeben möchte, der sollte sich direkt bewerben und dabei folgende Frage beantworten:

    Welche Art Ermittler gefallen euch in Krimis am besten? Wie müssen sie sein, damit es wirklich spannend wird?


    Ich bin gespannt auf eure Antworten und drücke schon jetzt die Daumen!

    PS: Unter allen, die bis zum 30. November auf LovelyBooks.de eine Rezension zu "Der Tod in den stillen Winkeln des Lebens" schreiben, verlosen wir ein tolles Bottini-Backlist-Paket. Verlinkt uns dazu einfach rechtzeitig eure Rezension.

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