Oliver Henkel

 3.8 Sterne bei 19 Bewertungen
Autor von Kaisertag, Die Fahrt des LEVIATHAN und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Oliver Henkel

Cover des Buches Kaisertag (ISBN:9783864021053)

Kaisertag

 (8)
Erschienen am 30.12.2013
Cover des Buches Die Fahrt des LEVIATHAN (ISBN:B007RNJMO8)

Die Fahrt des LEVIATHAN

 (4)
Erschienen am 04.04.2012
Cover des Buches Im Jahre Ragnarök (ISBN:9783941258051)

Im Jahre Ragnarök

 (2)
Erschienen am 12.06.2009
Cover des Buches Die Zeitmaschine Karls des Grossen (ISBN:9783831116614)

Die Zeitmaschine Karls des Grossen

 (1)
Erschienen am 01.01.2001
Cover des Buches Wechselwelten (ISBN:9783833415357)

Wechselwelten

 (1)
Erschienen am 01.07.2004
Cover des Buches Die Zeitmaschine Karls des Großen (ISBN:9783864020865)

Die Zeitmaschine Karls des Großen

 (2)
Erschienen am 15.04.2013

Neue Rezensionen zu Oliver Henkel

Neu

Rezension zu "Kaisertag" von Oliver Henkel

Kaisertag in Lübeck (1988)
karatekaddvor 3 Jahren

Im Oktober 2014 schrieben wir eine Rezension zu einem Buch, welches für den Deutschen Phantastik Preis nominiert war.  Es ging um Zeitreisen im Zusammenhang mit der deutschen Geschichte im sogenannten Dritten Reich.

Mich hat das Thema wieder eingeholt. Zum einen mit dem eBook WALKÜRENRITT von Heiger Osttag und zum anderen mit KAISERTAG von Oliver Henkel.  Um das letztgenannte Buch aus dem Jahr 2014, welches den Deutschen Science-Fiction-Preis gewonnen hat geht es hier, WALKÜRENRITT sei schon mal angekündigt.

Wir bleiben damit schön in der zeitlichen Reihenfolge, denn KAISERTAG spielt zwar 1988, die Rückblenden reichen bis zum 1. Weltkrieg zurück. Was wäre gewesen, wenn der habsburgische Thronfolger, Erzherzog Ferdinand. gar nicht Opfer des bekannten, scheinbar den ersten Weltkrieg auslösenden Attentats geworden wäre?

Also ich gehe mal davon aus, dass es dann ein Paralleluniversum ohne diesen mörderischen Krieg gegeben hätte. Nein, nein, ich glaube eigentlich nicht an solche Fantastereien. (Übrigens, es geht nicht um Zeitreisen.) Ob Oliver Henkel daran glaubt weiß ich nicht, aber eins ist sicher, wir haben es mit einer etwas anderen Art von Science-Fiction zu tun.

Science-Fiction [ˌsaɪəns ˈfɪkʃən̩] (engl. science „Wissenschaft“, fictionFiktion“) ist ein Genre der Literatur und des Films, aber auch anderer Bereiche wie etwa der bildenden Kunst oder der Videospiele, das den Einzelnen, die Gesellschaft oder die Umwelt in (oft radikal) alternativen Konstellationen betrachtet. Science-Fiction entwirft – häufig in die Zukunft verlegte, teilweise auch räumlich entfernte – Konstellationen des Möglichen und beschreibt deren Auswirkungen. Dabei werden reale wissenschaftliche und technische Möglichkeiten mit fiktionalen Spekulationen angereichert. [1]

Zukunft. Aha. Meist jedenfalls. Wir aber schauen mit Henkel zurück. Zuerst einmal in das Jahr 1914. Also. Ferdinand ist nicht ermordet wurden, Weltkrieg 1 und 2 fanden nicht statt. Das Dritte Reich war auch kein Thema, dafür regiert im Jahr 1988 Kaiser Wilhelm V. – ziemlich jung auf den Thron geraten, Vater, älterer Bruder und Großvater segneten zu schnell das Zeitliche.

Das Kaiserreich hat sich ziemlich langsam entwickelt. Es gibt noch Autos mit mechanischen Blinkern, äh, Winkern. Kutschen, Pferdefuhrwerke sind auch noch allgegenwärtig. Die Soldaten tragen immer noch den unbequemen Waffenrock und die Pickelhaube. Das Offizierskorps scheint immer noch ziemlich abgehoben zu sein. Zeppeline sind das Reisemittel, z.B. in die Kolonien.

Den Privatdetektiv Friedrich Prieß sucht eine junge Dame auf, deren Mann, ein Oberst des Reichsministeriums für Aufklärung (Militärgeheimdienst) sich das Leben genommen haben soll. Sie glaubt nicht richtig dran und da das Entgelt ansprechend ist, sagt Fritz zu.  Der Hamburger muss also nach Lübeck. Und diese Hansestadt weist eine Besonderheit auf. Sie hat nämlich eine Polizeipräsidentin. Unverheiratet. Protegiert von einem Senator. Alexandra ist die Ex-Verlobte von Fritz. Und wegen der endete seine Militärkarriere bereits als Leutnant. Denn (zukünftige) Offiziersgattinnen hatten, bzw. haben nicht zu arbeiten. Punkt. Andernfalls müsse er den Dienst quittieren. Er quittiert, denunziert von einem Kameraden.

Wie gesagt, das Deutsche Kaiserreich ist ziemlich entschleunigt wurden. Die Polizeipräsidentin, in der Beschreibung verfügt sie aber nur über den Personalbestandes eines kleinen Reviers, hat eine gewaltige Aufgabe: Der KAISERTAG steht bevor. Seine Majestät besucht die Freie und Hansestadt Lübeck. Und plötzlich steht der Fritz wieder vor ihr. Der erste Abend geht schrecklich aus. Da der Oberst aber wohl tatsächlich ermordet oder zum Selbstmord gezwungen wurde, kommt es zu einer Zusammenarbeit der beiden, die nicht so richtig in die vorherrschende Gesellschaft zu passen scheinen. Das ungleiche Pärchen sticht in ein Wespennest: Zwei geheime Gruppen bekämpfen sich im Deutschen Kaiserreich, das gerade mitgeteilte, dass es die Atombombe entwickelt hat. Testgebiet – man hat ja Kolonien. Und Krieg ist der Vater aller Dinge. Oder so. Und Großmachtstreben gibt’s auch.

Was kann ich noch verraten?

Diverse Namen kommen schon vor. Ein E. Presley leitet die New Yorker Philharmonie. Generalfeldmarschall Erwin Rommel ist ein Graf von Kai-Feng, er hat den Großen China-Krieg gewonnen. Das war im Jahr 1944. Der greise Held tritt selten in die Öffentlichkeit. Alexandra Dühring vernimmt einen gewissen Feldmann, der durch Bildergeschichten das deutsche Handwerk „verunglimpft“. Freunde würden ihn „Brösel“ nennen, erklärt er in der Vernehmung. Die Bildergeschichten sind in der Jugend ziemlich beliebt…

Arno Wyzniewski[2] spielt im Kino immer den Großen Friedrich, ein Bürokopierer kostet 4000 Mark. Soviel wie ein Opel-Benz. Nein, ich habe mich nicht verschrieben. Autos sind teuer, die Bürger sollen nicht so viel rumkutschen. Geschickter Weise hat Henkel das Jahr 1988 gewählt. Computer waren damals noch nicht so sehr verbreitet ;) – Hier verzichten wir gleich mal ganz darauf.

Ein General Göring hat vor Jahrzehnten das Maul zu voll genommen, so gewann der militärisch-industrielle Zeppelin-Komplex das Rennen und Jagdflugzeuge braucht man zwar, aber besonders wichtig scheinen sie nicht. Bomben kann man auch mit Luftschiffen. 

Und diverse weitere Anspielungen, die einen schmunzeln lassen.

 

* * *

Am Ende ist es ein spannender Spionagekrimi und weniger ein Science-Fiction-Roman der Marke WAS WÄRE WENN? Aktuell der Umstand, die Türkei mischt ein klein wenig mit. Für Verschwörungstheoretiker ist das Buch auch eine Fundgrube. Antisemitismus diverser unangenehmer Personen ist gelegentlich vorhanden.

Verblüffend ist letztlich, dass, so wie die Gesellschaft beschrieben wird, diese Alexandra Dühring tatsächlich Polizeichefin einer Hansestadt werden kann. Vorbotin einer neuen Zeit ist sie damit noch nicht. Da fällt auch schon mal der Begriff „Suffragette“. Das Ende erinnert an Robin Hood. Den mit Sean Connery als König Löwenherz.

Oliver Henkel hat sich auch schön selbst auf die Schippe genommen. Der Friedrich Prieß findet bei der Alexandra einen Roman. Von Richard Harris. Vaterland. Und schüttelt den Kopf ob der Frage, wer sich denn solch abstrusen Unsinn ausdenken konnte: „Ein Regime massenmordender rassistischer Wahnsinniger, angeführt ausgerechnet von einem messiasartig verehrten österreichischen Postkartenmaler, der nicht nur den [2.] Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, sondern auf dessen Befehl hin auch Millionen von Menschen in monströsen Tötungslagern ermordet worden waren.“ (Seite 182)

Aber auch wenn dies auf dieser Zeitebene nicht stattgefunden hatte: Verbrechen sind auf der Skala nach oben wohl keine Grenzen gesetzt. Auch nicht unter Wilhelm V. im Jahr 1988.

So eben fand ich in der Beschreibung eines weiteren Buches von Oliver Henkel, Die Fahrt des Leviathan, einen Begriff, den wohl der Atlantis-Verlag für solche Bücher geprägt hat: Alternativwelt-Roman. Das gilt auch für den Roman Die Zeitmaschine Karls des Großen. Ebenfalls von Henkel. Der Verlag hat sich auf Science Fiction und Fantasy spezialisiert und ist bestimmt eine Fundgrube für Liebhaber solcher Geschichten.

Wenn Geschichte auf SF oder Fantasy stößt, dann finde ich dies schon mal interessant. Hier zum Beispiel. Und hier.

Henkel wurde im Jahr 1973 in Lübeck geboren. In der Informatikbranche arbeitend verblüfft die Computerlosigkeit seiner Geschichten. Zweimal wurde er mit dem Deutschen-Science Fiction-Preis ausgezeichnet. Seine Bücher handeln alle in derartigen Alternativwelten. Sicher eine seltene Form von Geschichtsrezeption, aber diese könnte mir gelegentlich gefallen.

 

► DNB / Atlantis-Verlag / Stolberg 2014 / ISBN: 978-3-86402-105-3 / ca. 366 S.

 

© KaratekaDD


[1] Seite „Science-Fiction“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. Juli 2016, 06:23 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Science-Fiction&oldid=156492562 (Abgerufen: 1. August 2016, 14:16 UTC)

[2] Das hat er auch in „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ getan

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Rezension zu "Wechselwelten: Sieben Ausflüge in Welten, die vielleicht beinahe existiert hätten" von Oliver Henkel

Intelligente Alternativweltgeschcihten
ralf_boldtvor 5 Jahren

Im Atlantis-Verlag ist diese im Juli 2004 als Book on Demand erschienene Kurzgeschichten-Sammlung zehn Jahre später noch einmal in einer schönen Ausgabe verlegt worden (gibt es natürlich auch fürs Kindle). Die Collection enthält sieben Stories, die sich mit Henkel Lieblingsthema, den Alternativwelten, beschäftigen. Von Alexander über Columbus und Lincoln bis hin zu Adolf Hitler spannt sich der Bogen. Alexander stirbt nicht als junger Mann, sondern möchte noch weitere Teile der bekannten Welt erobern. Columbus sucht Geldgeber für seine Ideen und macht dabei einen folgenschweren Fehler. Lincoln legt sich mit den falschen an und Adolf Hitler kann in Amerika nicht wirklich Fuß fassen.
Die Ideen, die Oliver Henkel entwickelt, regen immer zum Nachdenken an. Meist sind es nur kleine Unterschiede in der Historie, eine andere Entscheidung, die unsere bekannte Wirklichkeit mal mehr, mal weniger verändert. Hätte sich die Geschichte aber wirklich so verändert, wie er es beschreibt? Die Wahrscheinlichkeit besteht und diese Gedankenexperimente machen dem Leser immer Spaß. Funktioniert die Realität wirklich so? An einer Stelle entscheidet sich eine Person und die Historie nimmt einen anderen Lauf als wir ihn kennen. Henkel ist hier sicher ein Meister seines Faches, was solche Momente und Situationen angeht.
Die Geschichten sind zum Teil kurz, aber nichtsdestoweniger immer gut ausgearbeitet und in sich logisch. Henkels Stils ist vielschichtig und ermöglicht dennoch einen guten Lesefluss. Für Liebhaber dieses Genres bedeutet dies, dass gute Ideen auch noch gut umgesetzt werden. 

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Rezension zu "Wechselwelten" von Oliver Henkel

Rezension zu "Wechselwelten" von Oliver Henkel
Zebrafinkvor 10 Jahren

Sieben Erzählungen, die einen veränderten Geschichtslauf erzählen. "Was wäre wenn". Gut geschrieben und für Leute mit Geschichtskenntnissen sehr interessant. Ich hatte stellenweise Probleme, weil ich mich mit der Geschichte nicht wirklich auskenne und so die Unterschiede nur schwer feststellen konnte..

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