Oliver Hilmes

 4.4 Sterne bei 122 Bewertungen
Autor von Berlin 1936, Witwe im Wahn und weiteren Büchern.
Autorenbild von Oliver Hilmes (©Maximilian Lautenschläger)

Lebenslauf von Oliver Hilmes

Oliver Hilmes wurde 1971 in Viersen geboren. Er studierte Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris-Sorbonne und Potsdam. Er promovierte über Geschichte des 20. Jahrhunderts und arbeitet für die Stiftung Berliner Philarmoniker. Nebenbei ist Hilmes tätig für die Öffentlichkeitsarbeit verschiedener Kulturinstitute. Außerdem schreibt er Biografien, z.B. über Cosima Wagner und Ludwig II., welche regelmäßig auf der Spiegel-Bestsellerliste stehen. Hilmes lebt in Berlin.

Neue Bücher

Das Verschwinden des Dr. Mühe

Erscheint am 31.08.2020 als Hardcover bei Penguin.

Alle Bücher von Oliver Hilmes

Sortieren:
Buchformat:
Cover des Buches Berlin 1936 (ISBN: 9783328101963)

Berlin 1936

 (45)
Erschienen am 11.12.2017
Cover des Buches Witwe im Wahn (ISBN: 9783570551127)

Witwe im Wahn

 (31)
Erschienen am 03.05.2010
Cover des Buches Herrin des Hügels (ISBN: 9783328101604)

Herrin des Hügels

 (16)
Erschienen am 13.06.2017
Cover des Buches Liszt (ISBN: 9783570551707)

Liszt

 (12)
Erschienen am 26.11.2012
Cover des Buches Ludwig II. (ISBN: 9783570552728)

Ludwig II.

 (10)
Erschienen am 11.05.2015
Cover des Buches Cosimas Kinder (ISBN: 9783570551325)

Cosimas Kinder

 (2)
Erschienen am 15.11.2010
Cover des Buches Das Verschwinden des Dr. Mühe (ISBN: 9783328601388)

Das Verschwinden des Dr. Mühe

 (0)
Erscheint am 31.08.2020

Neue Rezensionen zu Oliver Hilmes

Neu

Rezension zu "Berlin 1936" von Oliver Hilmes

Unterhaltsames gelungenes Kaleidoskop
Viv29vor 6 Monaten

"Berlin 1936" ist ein unterhaltsames Kaleidoskop aus verschiedenen Schicksalen, die sich während der Olympiade jenes Jahres in Berlin abspielten. Jedem der 16 Olympiatage ist ein eigenes Kapitel gewidmet, das stets mit dem Wetterbericht und einer Fotografie beginnt. Dies sind die einzigen Konstanten, ansonsten erwartet uns in jedem Kapitel eine unterhaltsame, stetig wechselnde Mischung.

Der Text berichtet über eine Vielzahl von Menschen und dem, was sie an jenem Tag erlebten, verwebt dies mit Informationen über bekannte Berliner Hotels, Bars oder Restaurants und einem allgemeinen Stimmungsbild. Durchsetzt ist dieser Text von gelegentlichen Tagesmeldungen der Polizei, internen Anordnungen, Zitaten aus Zeitschriften- oder Zeitungsartikeln und anderem - diese originalen Wortlaute sind ausgesprochen erhellend. Ich fand die Mischung gut gelungen und unterhaltsam, weil auf diese Art so viele unterschiedliche Eindrücke aufeinandertrafen. Durch diese abwechslungsreiche Erzählweise und den eingängigen Schreibstil läßt sich das Buch gut lesen.

Auch die Personen, von denen wir hier erfahren, sind gänzlich unterschiedlich. Es sind die ganz normalen Bürger der Stadt, ausländische Gäste, Sportler, Naziprominenz, Personen des Nachtlebens. Ich hätte mich gefreut, wenn der Fokus etwas mehr auf den ganz normalen Menschen gelegen hätte, aber das ist wahrscheinlich auch eine Frage der vorhandenen Quellen. Ein wenig gestört hat mich allerdings, daß dem Schriftsteller Thomas Wolfe so unverhältnismäßig viel Platz gewidmet wurde. Sicher ist seine innere Reise vom unkritischen Touristen zu jemandem, der die Monstrosität der braunen Diktatur allmählich begreift, interessant. Aber es ist bei weitem nicht die interessanteste Geschichte in diesem Buch und sie wird zudem mit unnötiger Detailfreude und viel Nebensächlichem erzählt. Auch die Abstecher nach Spanien, wo die Nazis sich auf ihren brutalen Eingriff den dortigen Konflikt vorbereiten, hielten sich mit nebensächlichen Details auf und waren für ein sich auf Berlin konzentrierendes Buch unnötig. Die zahlreichen Empfänge und Feiern der Naziprominenz glichen sich ein wenig zu sehr, um so ausführlich beschrieben zu werden. So gab es also einige Abschnitte, die mich weniger fesselten, dafür aber sehr viele, die ich ausgesprochen interessant und unterhaltsam fand.

Oliver Hilmes gelingt eine gute Balance zwischen unterhaltsamen Betrachtungen, amüsanten Anekdoten und der dunklen Seite des Regimes. Auch die damaligen Aussagen über Geschehen und Leute sind aufschlußreich. So schüttelt es einen, wenn der massenmordende Diktator mehrfach als gütig aussehend beschrieben wird oder wenn Amerikaner, die vor der Olympiade untersuchen sollen, ob deutsche jüdische Athleten von der Olympiateilnahme ausgeschlossen werden, sich selbst als Antisemiten - und "nebenbei" noch Rassisten - erweisen und ihren Auftrag halbherzig bzw. gar nicht ausführen. Dann liest man das Lob der Berliner Zeitungen, die die olympischen Spiele als "die schönsten Spiele aller Zeiten" bejubeln und hat das Gefühl, gerade einen Tweet Trumps gelesen zu haben...

Man lernt in diesem unterhaltsamen Buch richtig viel über Berlin, über die so unterschiedlichen Menschen und Schicksale und auch über die Sorgfalt, mit der die menschenverachtende Diktatur sich von einer bewußt harmlosen Seite zeigte, um erfolgreiche Augenwischerei zu betreiben. Im Anhang wird über das weitere Schicksal der erwähnten Menschen berichtet, auch dies war ausgesprochen lesenswert. Jesse Owens, der vom amerikanischen Präsidenten für seine fulminanten Olympiaerfolge nicht mal ein lobendes Wort erhielt und aufgrund seiner Hautfarbe zu seinem eigenen Festbankett mit dem Lastenaufzug fahren mußte, berührt hier sehr. Thomas Wolfe nimmt leider auch in dieser Aufzählung viel mehr Raum ein als andere mit beeindruckenderen oder interessanteren Lebenswegen - dieses Ungleichgewicht ist doch ein Wermutstropfen.

Insgesamt ist "Berlin 1936" ein absolut lesenswertes, originelles Buch, das die Balance aus Unterhaltung und Wissensvermittlung ausgezeichnet meistert und uns zudem zeigt, was Verharmlosung und Propaganda anrichten können.

Kommentare: 1
3
Teilen

Rezension zu "Ludwig II." von Oliver Hilmes

Interessante Neuigkeiten vom bayrischen Märchenkönig
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

Worum es geht

Nach dem unerwarteten Tod Maximilian II. von Bayern im März 1864 tritt sein erst 18-jähriger Sohn als Ludwig II. die Nachfolge an. Der unreife Jüngling, der in einer Zeit des politischen Umbruchs auf den Thron gelangt, ist auf sein Amt denkbar schlecht vorbereitet. Seine schwärmerische Verehrung für Richard Wagner, zu dessen Mäzen er sich auserwählt sieht, seine angeborene Menschenscheu und seine homoerotische Neigung belasten die ersten Regierungsjahre, und lassen den jungen König immer wieder von Abdankung sprechen.
Reichskanzler Bismarck hingegen kommt der schwache junge König für seine hochfliegenden Pläne sehr gelegen. Zur Gründung eines deutschen Nationalstaates unter preußischer Vorherrschaft braucht er einen verlässlichen Partner im Süden des Reiches, weshalb er den Bayernkönig zu einem militärischen Bündnis zwingt. Als Dank für Ludwigs Zustimmung zur Reichsgründung 1870 sollte dieser eine dauerhafte großzügige finanzielle Zuwendung aus dem sog. "Welfenfond" erhalten (dieser beinhaltet das konfiszierte Vermögen des unter Bismarck aufgehobenen Königreichs Hannover). Damit konnte der König seiner Baulust frönen, die schließlich exzessive Ausmaße annehmen, letztlich aber auch seinen Untergang beschleunigen sollte.

Wie es mir gefallen hat
Wer kennt ihn nicht den bayrischen Märchenkönig im hermelinbesetzten, nachtblauen Mantel? Wer hat nicht wenigstens eines seiner Schlösser besucht, oder einige der Mythen gehört, die noch immer vom "Kini" erzählt werden? Und doch werden die wenigsten von der Tragödie wissen, die Ludwig zum Getriebenen machte, ihn in eine irreale und einsame Welt verbannte. Zur unglücklichen genetischen Disposition (Ludwigs Bruder Otto vegetierte jahrezehntelang in geistiger Umnachtung dahin) kommt auch noch die zu jener Zeit problematische homosexuelle Komponente, außerdem Ludwigs absolutistischer Machtanspruch, seine schwärmerische Natur, und seine Abneigung gegen ein Leben in der Öffentlichkeit. Sicher litt der König auch unter dem teilweisen Souveränitätsverlust durch den "eisernen Kanzler". Im Bau seiner Schlösser versuchte er sich wohl eine Parallelwelt zu schaffen, zu der nur er Zutritt hatte.
Im Laufe der Jahre zog sich Ludwig immer mehr in seine Traumwelt zurück, sodass die Bayern ihren "Schattenkönig" überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekamen. Aber auch des Königs engste Mitarbeiter durften ihm letztlich nicht mehr unter die Augen treten, und die Tag- Nachtumkehr machte den Umgang mit ihm nicht leichter. Ludwigs Leibdiener hatten unter der zunehmenden moralischen Enthemmung ihres Königs, der auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschreckte, derart zu leiden, dass sich für diese Aufgabe keine Bewerber mehr fanden. Deshalb mussten junge Soldaten zur Bedienung des Königs rekrutiert werden. Kleinste, oder auch nur vermeintliche Fehler waren für Ludwig Grund genug, sich in Gewaltphantasien gegen den "Übeltäter" zu ergehen. Als sich das Ministerkollegium keinen Rat mehr wusste, und das Land vor dem Bankrott stand, wurde Ludwigs Entmachtung aufgrund seines Geisteszustandes gezielt betrieben.
Oliver Hilmes geht in seinem beeindruckenden Buch den vielen Gerüchten, die sich um die Person Ludwigs ranken mit akribischer Genauigkeit nach, und klärt so manche Frage, weil er in bisher nicht zugängliche Dokumente Einsicht nehmen konnte. Außerdem wurde erst in den letzten Jahren bekannt, dass Ludwig an einer degenerativen Erkrankung des Frontallappens litt, die viele seiner Verhaltensmuster erklärt. Morbus Pick gehört zwar zur selben Gruppe wie die Alzheimererkrankung, doch bleibt im Gegensatz dazu die Gedächtnisleistung nahezu unverändert; und der König galt ja auch bis an sein Lebensende als uneingeschränkt geschäftsfähig.
Weiterhin im Dunkel bleiben hingegen die genauen Umstände seines Todes beim abendlichen Spaziergang am Starnbergersee mit dem Psychiater Bernhard von Gudden. Die Antwort auf diese Frage fand ich persönlich genauso einleuchtend wie unspektakulär. Für dieses Meisterwerk unter den "Ludwig-Biografien" gebe ich sehr gerne eine unbedingte Leseempfehlung.

Kommentieren0
4
Teilen

Rezension zu "Witwe im Wahn" von Oliver Hilmes

Eine aufschlussreiche Biographie - lesenswert
Sikalvor 2 Jahren

Alma Maria Schindler, verwitwete Mahler, geschiedene Gropius, verwitwete Werfel … aber alles der Reihe nach. Der Klappentext gibt bereits einen kleinen Einblick in das Leben dieser ungewöhnlichen Frau - immerhin bewegen wir uns in der Zeit Ende 19. und Anfang 20. Jahrhundert:

 

„Die Reihe ihrer Liebhaber liest sich wie ein „Who is who“ der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer war die Frau, die mit Gustav Mahler, mit Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet war, die eine wilde Liebesaffäre mit Oskar Kokoschka hatte und der Gerhart Hauptmann zu Füßen lag? Oliver Hilmes zeichnet in seiner umfassenden Biografie, die sich auf bisher noch nicht ausgewertete Briefe und Tagebücher stützt, das facettenreiche Bild einer Frau, die hysterisch, antisemitisch, herrschsüchtig war – aber auch inspirierend, klug und leidenschaftlich.“

 

Alma (1879 – 1964) wird als Tochter des Malers Emil Jakob Schindler und der Sängerin Anna Sophie Bergen geboren. Bereits früh beginnt Alma zu komponieren, entdeckt ihre Liebe zur Musik (und auch zu den Männern, u.a. zu Gustav Klimt).

 

Als der um vieles ältere Gustav Mahler sie zu umwerben beginnt, lässt sie sich nach einigem Zögern zu einer Ehe mit ihm hinreißen – doch von Romantik und Verliebtheit ist nicht lange was zu spüren (Er hat ihr vor der Ehe bereits vorgeschrieben, wie er sich das Zusammenleben gestalterisch vorstellt.) Mahler hat ein Problem mit der Selbständigkeit seiner Frau, will nicht, dass auch sie komponiert. Immerhin ist ER der Künstler in der Familie, will umhegt und gepflegt werden. Während er in seiner Musik aufgeht, fühlt sich Alma mehr und mehr vernachlässigt, beginnt sich der Männerwelt hinzugeben (u.a. Walter Gropius).

 

Ihre Beziehungen zu Gropius und Kokoschka geben viel über ihren Charakter preis. Manipulativ, ohne Empathie, dem Antisemitismus zugeneigt … Eine Frau, die sich als das Zentrum der Welt sieht und von anderen erwartet, sich ausschließlich ihren Bedürfnissen zu widmen (die sich leider oft innerhalb kürzester Zeit ändern). Sie äußert sich oft dermaßen abfällig über ihre Liebhaber, dass man nur den Kopf schütteln kann. Ein Beispiel aus ihrem Tagebuch über Gropius:

 

„Ich weiß genau, was mir ist – ich liebe W.G.,habe seit 14 Tagen nichts von ihm gehört und bin darum krank vor Sehnsucht.“ – nach 2 Tagen: „Heute habe ich von W.G. einen direkten, bösen Brief bekommen. Ich war tief erregt – und tief erschrocken – aber immer mehr fühle ich, dass dieser Mensch nicht mein Leben bedeutet. Seine Eifersucht auf O.K. ist grenzenlos. … O.K. darf rücksichtslos sein. Dieser Mensch nicht, dieser kleine gewöhnliche Mensch!“

 

Auch als Werfel in ihr Leben tritt, benimmt sie sich sehr geschmacklos, überhäuft ihn mit antisemitischen Äußerungen, die manches Mal in wüste Beschimpfungen ausarten. Doch auch Werfel profitiert von der Beziehung zu Alma, sie ermuntert ihn (oder manipuliert ihn dahingehend), Romane zu schreiben und „organisiert“ auch noch den passenden Verlag für Werfel. Als die beiden 1938 vor den Nazis fliehen, führt sie eine Odyssee über Frankreich, die Pyrenäen bis nach Amerika, wo Alma bis zu ihrem Tod auch bleibt. Erst dann kommt sie wieder nach Wien zurück, um dort begraben zu werden.

 

Der Autor Oliver Hilmes hat hier ein sehr aufschlussreiches Porträt geschrieben. Man erfährt einiges über Almas Persönlichkeit. Sie hat sich während ihres Lebens immer ihren Tagebüchern anvertraut, aus dem schlüssige Interpretationen erfolgen können. Man erkennt ihren Hang zu Drama und Theatralik, sie manipuliert durch geschickt eingesetzte Sequenzen ihr Umfeld. Besonders tragisch fand ich, dass sie absolut keine Beziehung zu ihren Kindern aufbauen konnte, sogar deren Tod ließ sie irgendwie kalt. Auch hatte sie kein Bedürfnis an Begräbnissen teilzunehmen und so blieb sie immer wieder einfach zu Hause, während andere um ihre Kinder oder Männer trauerten…

 

Oliver Hilmes entkräftet das Bild Almas als Muse der Künstler, er zeigt auch ihren Wahn, ihre Selbstgefälligkeit, ihre gestörte Selbstwahrnehmung und ihr Bestreben, als „Grande Dame“ gesehen zu werden. Mehr Schein als Sein, kann man hier wohl sagen.

 

Eine sehr aufschlussreiche Biographie, die ich sehr gerne gelesen habe. Natürlich gibt es fünf Sterne dafür.

Kommentare: 1
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Cover des Buches Witwe im Wahn
Wir wollen "Witwe im Wahn" zusammen lesen und laden auch andere Leserinnen und Leser herzlich dazu ein. Jede(r) liest mit eigenem Exemplar. Es gibt keine (!) Leseexemplare zu gewinnen. Gemeinsam zu lesen macht einfach mehr Spaß!
66 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  Wedmavor 2 Jahren

Zusätzliche Informationen

Oliver Hilmes wurde am 01. Januar 1971 in Viersen (Deutschland) geboren.

Oliver Hilmes im Netz:

Community-Statistik

in 189 Bibliotheken

auf 39 Wunschzettel

von 5 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks