Oliver Nachtwey

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Oliver NachtweyDie Abstiegsgesellschaft
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Die Abstiegsgesellschaft
Die Abstiegsgesellschaft
 (1)
Erschienen am 08.05.2016
Oliver NachtweyWeltmarkt und Imperialismus
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Weltmarkt und Imperialismus

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Rezension zu "Die Abstiegsgesellschaft" von Oliver Nachtwey

Die absolute Verwirtschaftlichung des Lebens
michael_lehmann-papevor 2 Jahren

Die absolute Verwirtschaftlichung des Lebens

An der Jugend ist es abzulesen. Ohne dabei ins gleiche Horn zu stoßen, wie so viele Generationen, dass die Jugend zu anders, zu verrückt wäre, in Schranken gehalten und gewiesen muss.

Gerade aber auch, dass dieser Reflex der „Älteren“ nicht mehr zu spüren ist, zeigt, dass nicht alles in Ordnung ist mit den eben ja auch kreativen Reibungen zwischen Jung und Alt.

„Hauptsache ruhig und sicher“.

Nach neuesten Umfragen ist dieser der Lebenswunsch (fast) einer ganzen Generation derer, die man aktuell jung nennt.

Das Wagnis, auch im Beruf, das Risiko im Leben, Avantgarde zu sein, all das verschreckt eher, als dass es als positiver und (für das eigene Leben und das der Gesellschaft) wichtiger Aufforderungscharakter verstanden wird.

Wie es dazu kommen konnte, welche Kräfte „die Welt regieren“, in dem Sie das Denken der Menschen manipulieren, das ist die eine Frage, der Nachtwey sorgfältig nachgeht und was tun bildet die weitergehende Frage dieses Buches.

Kühl, mit Fakten untermauert, klar auf den Punkt gebracht und mit seiner Wertung dabei nicht hinter dem Berg haltend, was viele zumindest „irgendwie spüren“ belegt Nachtwey präzise aus dem Blick auf die jüngere Vergangenheit.

Jener „fundamentalistische gesellschaftliche Wandel, der sich in den meisten westlichen kapitalistischen Staaten vollzieht“.

Mit drastischen Folgen für das innere und äußere Erleben der „Bürger“ und mit Risiken behaftet, deren Negation durch die führenden Markkräfte keinesfalls wirklich beruhigt. Zu Recht nicht, wie Nachtwey aufzeigt.

In strukturiertem Aufbau legt Nachtwey dabei zunächst die Blaupause der langen Erfolgsgeschichte der sozialen Moderne eindringlich vor Augen. Um dann an dieser jene destruktiven Veränderungen durch zu deklinieren, die aus dem „Sozialen Menschen“ den zwar umworbenen, aber mit System unmündig erzogenen „Kunden“ und „Konsumenten“ geformt hat.

Vorzufinden im aktuellen „Problemfall“ des „Kapitalismus (fast) ohne Wachstum“ und all den überaus nervösen Erscheinungen, die dies mit sich bringt. Wobei Nachtwey beileibe hier nicht nur die „großen Linien“ einfach nachvollzieht, sondern teils sehr kleinteilig und damit praktisch und überzeugend, Die „Investitionsschwäche“ deklariert er so nicht „nur so“, sondern bietet Statistiken und Diagramme, die solche Thesen auf ein solides Fundament stellen. Eine Arbeitsweise, die bei allen Themen sich durch das gesamte Buch zieht.

Was ebenso für seine differenzierte und, in ihren Folgen für die Gesellschaft, entlarvenden „Reformen“ der Politik gilt, die Nachtwey nicht nur „regressiv“ nennt, sondern deren „Rückschrittlichkeit“ hinter längst sicher geglaubte soziale Errungenschaften und Werte im Einzelnen aufzeigt und nachvollzieht.

Was zur Folge hat, und hier schließt sich sein Gedankenkreis, dass ein Punkt erreicht ist, an dem all dies nicht mehr hinnehmbar ist. Und ein Aufbegehren findet ja bereits statt, wie Nachtwey ebenso sachlich konstatiert. Allerdings noch in zu geringem Ausmaß (siehe oben die Sache mit der Sicherheit und des in Ruhe leben wollen).

Es bleibt zu wünschen, dass trotz der wissenschaftlich orientierten Sprache und der manchmal mit Mühe zu lesenden Kleinteiligkeit der Darstellung und der Hintergründe dieses Buch weite Verbreitung findet (nicht nur in „der Jugend). Denn ohne große Anstrengung ist dem Buch zu entnehmen, auf welche klippen hin das „Schiff Staat“ in vielen Ländern mit zunehmender Geschwindigkeit Kurs nimmt. Und alle dabei mit an Bord hat. 

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