Oliver Rathkolb

 4,3 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Schirach, Die paradoxe Republik und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Oliver Rathkolb

Oliver Rathkolb, geb. 1955 in Wien, Dr. iur. (1978) und Dr. phil. (1982), 1985–2000 wissenschaftl. Leiter der Stiftung Bruno Kreisky Archiv, 1992–2004 Wissenschaftskoordinator des Bruno Kreisky Forums. Seit 2005 Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit sowie Professor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Zahlreiche Publikationen.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Wien (ISBN: 9783852188577)

Wien

Erscheint am 01.01.2022 als Taschenbuch bei Haymon Verlag.
Cover des Buches Die Internationale Stiftung Mozarteum im Nationalsozialismus (ISBN: 9783702510220)

Die Internationale Stiftung Mozarteum im Nationalsozialismus

Erscheint am 01.11.2021 als Hardcover bei Verlag Anton Pustet Salzburg.

Alle Bücher von Oliver Rathkolb

Cover des Buches Memoiren, 3 Bde. (ISBN: 9783218006842)

Memoiren, 3 Bde.

 (2)
Erschienen am 01.01.2000
Cover des Buches Schirach (ISBN: 9783222150586)

Schirach

 (2)
Erschienen am 01.10.2020
Cover des Buches Die paradoxe Republik (ISBN: 9783552057234)

Die paradoxe Republik

 (2)
Erschienen am 23.02.2015
Cover des Buches Trotz des Tosens der Kanone (ISBN: 9783992001354)

Trotz des Tosens der Kanone

 (1)
Erschienen am 01.04.2015
Cover des Buches DIE VERLEUMDUNG (ISBN: 9783950440430)

DIE VERLEUMDUNG

 (0)
Erschienen am 04.03.2019
Cover des Buches Die Macht der Bilder (ISBN: 9783990247105)

Die Macht der Bilder

 (0)
Erschienen am 30.11.2017

Neue Rezensionen zu Oliver Rathkolb

Cover des Buches Schirach (ISBN: 9783222150586)Patnos avatar

Rezension zu "Schirach" von Oliver Rathkolb

Excellent recherchiert, reich illustriert und tiefgründig aufgearbeitet
Patnovor 10 Monaten

Viele von Euch werden Ferdinand von Schirachs Bücher kennen. Ich bin ein großer Fan seiner Schreibkunst und weiß, dass er nur ungern auf seinen Großvater Baldur von Schirach angesprochen werden möchte. Das kann ich gut nachvollziehen. 

Wer war dieser Mann, der als Kronprinz des „Führers“ bezeichnet wurde? 


Er verehrte Adolf Hitler, sprach von Blut und Ehre, vom Wunder der Kameradschaft und von der Kraft der Fahne. Er wollte die größte Jugendbewegung der Welt schaffen, Soldaten von morgen rekrutieren, die sich unerschütterlich für Volk und Vaterland einsetzen und dem „Führer“ treu zur Seite stehen. 


In seinem Werk „Schirach - Eine Generation zwischen Goethe und Hitler“, welches am 01.10.2020 beim Molden Verlag erschienen ist, hat sich Buchautor Oliver Rathkolb mit dem Lebenslauf dieser schillernden Persönlichkeit des „Deutschen Reiches“ auseinandergesetzt. 


Das Buch überzeugt durch ein ansprechendes Cover und eine hochwertige Verarbeitung. Es wirkt sehr edel und ist zudem reich illustriert. 

Baldur von Schirach entstammt einer angesehenen aristokratischen Familie mit US-amerikanischen Wurzeln. Er wächst in Weimar auf, besitzt ein musisch-literarisches Talent. 

Mit 24 Jahren wird Baldur zum „Reichsjugendführer“ ernannt und startet seine steile Karriere in Hitlers Reihen. Später wird er als Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien die jüdische Bevölkerung in Gettos und Todeslager deportieren und sich am Vermögen seiner Opfer bereichern. Er träumt von einem faschistischen Europa unter deutscher Führung. 

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wird Baldur von Schirach 1946 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. 

Dieser Mann setzt sich perfekt in Szene. Er ist ein Karrierist, ein Blender und Selbstdarsteller, der es versteht, die Menschen zu motivieren und seine Ideale zu vermarkten. 

Selbst im Prozess vermag er es, sich ins rechte Licht zu rücken, windet er sich wie ein Aal und entkommt damit der Todesstrafe. 

Heutzutage würde ihm vermutlich ein Platz in irgendeiner Chefetage sicher sein. Für mich ist Schirach eine zwielichtige Persönlichkeit, einerseits skrupellos und kalt, andererseits ein stattlicher Mann, von dem ein gewisser Charme ausgeht. 

Oliver Rathkolb hat excellent recherchiert. Das Ergebnis ist ein eindrucksvolles und tiefgründiges Psychogramm des Baldur von Schirach, untermalt mit vielen interessanten historischen Fakten. Damit lässt der Autor ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden. Sein Buch ist nicht hochwissenschaftlich, sondern gut verständlich  geschrieben. Es ist spannend zu lesen und fesselt. 

Lesenswert! 

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Cover des Buches Trotz des Tosens der Kanone (ISBN: 9783992001354)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Trotz des Tosens der Kanone" von Clemens Hellsberg

Ein Geigenvirtuose als Kanonenfutter ...
Bellis-Perennisvor 6 Jahren

“Four Weeks in the Trenches The War Story of a Violinist”/Fritz Kreisler

Dieses schmale Buch schildert auf beeindruckende Weise die vier Wochen Kriegsdienst des Geigenvirtuosen Fritz Kreisler.
Autor Kreisler, ein Kind aus gut bürgerlichem, jüdischem Haus wird bereits im zarten Alter von sieben Jahren im Konservatorium der „Gesellschaft der Musikfreunde“ (heute Wiener Philharmoniker) als
Schüler aufgenommen. Niemand geringerer als Joseph Hellmesberger und Anton Bruckner unterrichteten das Wunderkind.

Kreisler dient, wie jeder gut Bürgerliche in der k. und k. Armee, und wird nachdem ihm seine Konzertreisen wenig Zeit für die Karriere als Militär lassen, vorerst als Reservist geführt. Im August 1914, er ist bereits seit Jahren mit Harriet Lies verheiratet, meldet er sich freiwillig und rückt abermals ein.

Der Weg seines Bataillons führt in direkt nach Lemberg. Lemberg ist jene Stadt in Galizien, die von der russischen Armee mehrmals eingenommen und von den Österreichern wieder zurückerobert wurde.

Kreisler schildert seine Erlebnisse in beinahe poetischen Worten, spart aber Tod und Grauen nicht aus. Noch ist der Krieg frisch und die Begeisterung spürbar. Noch glauben die Soldaten „zu Weihnachten sind wir wieder zuhause“. Welch tragischem Irrtum sie hier aufsitzen, erkennen sie erst viel später.

Besonders beeindruckend finde ich die Sequenz, in der „sein“ Brigadier den eigenen Sohn sterben sieht und sich nach außen hin nichts anmerken lässt, um die Truppe nicht zu demoralisieren. Nächtens, im eigenen Zelt wird dieser Mann von Weinkrämpfen geschüttelt.

Kreisler berichtet über Versorgungsengpässe und über hungernde, frierende Soldaten. Er schreibt aber auch, dass sich an manchen Tagen ebenso so ausgehungerte Russen wie Österreicher still gegenüberstanden und auch das eine oder andere Lebensmittel austauschten.
„Privater“ Waffenstillstand im Kleinen, also.

Interessant liest sich auch seine Schilderung, dass er – als Musiker mit einem beinahe absoluten Gehör ausgestattet – hören kann, ob die feuernden Kanonen der eigenen oder fremden Armee angehören und ob die Granaten steigen oder fallen. Er spricht sogar mit seinem Vorgesetzten darüber.

Letztendlich wird er nach nur vier Wochen Fronteinsatz schwer verwundet. Er wird als kampfuntauglich aus der Armee ehrenvoll entlassen.

Sobald es ihm möglich ist, nimmt er seine Konzertreisen wieder auf und unterstützt viele Kriegswaisen. Dieses soziale Engagement wird ihm in den USA übel genommen, da er natürlich auch deutschen und österreichischen Kindern hilft. Soviel zur Doppelmoral.

Zum englischen Titel: „trenches“ sind die Schützengräben. Der heißgeliebte „Trenchcoat“ ist jener wasserabweisende Militärmantel, den die Soldaten in den Schützengräben trugen. Erfunden von Thomas Burberry Ende des 19.Jahrhunderts.

Der deutsche Titel ist nicht minder beeindruckend “Trotz des Tosens der Kanonen”.

Ich finde dieses Buch großartig. Die erklärenden Worte von Clemens Hellsberg (ehemaliger Vorstand der Wiener Philharmoniker) und Oliver Rathkolb (österr. Militärhistoriker) ergänzen Kreisler Text.

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