Oliver Storz Als wir Gangster waren

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Inhaltsangabe zu „Als wir Gangster waren“ von Oliver Storz

Seine Abgebrühtheit hatte er so bewundert, als Sechzehnjähriger. Eines Tages jedoch, im Sommer nach dem Krieg, sieht er seinen Freund Elmar in heller Panik über den Hof rennen. Ein amerikanischer Schuss fällt, und Elmar bleibt liegen, eine verrenkte Gliederpuppe. Was war dem vorangegangen? Wie hätte man ihn schützen können? In seinem gewohnt coolen, poetischen Sound schildert Oliver Storz eine Freundschaft in einer Ausnahmezeit, einer Zeit der Anarchie: Die Väter waren abwesend oder hatten an Autorität verloren, Schule war Nebensache, Kirche und Partei galten nichts mehr. Zuhälterei und Schmuggeln gehörten zum Tagesgeschäft, auch in den „besseren“ Kreisen.

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  • Rezension zu "Als wir Gangster waren" von Oliver Storz

    Als wir Gangster waren
    HeikeG

    HeikeG

    Weltsicht im privaten Erleben . Das Gedächtnis, so meinte Oliver Storz, ein vielfach ausgezeichneter Filmregisseur, der im Juli 2011 starb, komme im Alter in Lawinen - die Lawine will lange nicht kommen, aber dann nimmt sie urplötzlich Fahrt auf und wird riesig... . Diese Lawine hat Dominik Graf in nur zwei Monaten, von April bis Juni 2011, versucht aufzufangen. Seine auf der Berlinale 2012 gezeigte Dokumentation "Lawinen der Erinnerung", eine gefilmte Liebeserklärung an seinen Kollegen, ist ein Bild- und Klangkunstwerk, "ein Lehrstück des respektvollen Porträts und ein Musterbeispiel dafür, was eine Fernsehproduktion erreichen kann.", wie die F.A.Z. zutreffend feststellte. Dieser Film zeigt einmal mehr, wie kostbar Erinnerungen eines Zeitzeugen sind. Das vorliegende Buch ist gleichfalls eine Erinnerung. Es enthält neben den schönsten Erzählungen aus dem Nachlass von Oliver Storz auch die Romanfragmente aus seinem unvollendeten Roman, mit dem er an sein Buch "Die Freibadclique" anknüpfen wollte. Erneut wird seine unverwechselbare Melange sichtbar: eine feinsinnig-elegante, zeitweilig jugendlich ungestüme und mit Ironie garnierte Lesekost, durchsetzt mit vielen lebendigen Dialogen und voller Nachdenklichkeit. Storz erzählt von einer Jungenfreundschaft zwischen den Welten, zwischen Krieg und Nachkrieg, zwischen Kindheit und Erwachsensein, mitten im Chaos zwischen Untergang und Aufbruch. Dabei offenbart er dieses besondere Understatement, "dieses leidenschaftliche Bloß-nicht-Übertreiben und dieses Bloß-nicht-so-tun-als-ob-man-Bescheid-wüsste. Und trotzdem toben allüberall in seinem Werk die großen Empfindungen herum. Lebenswut. Arbeitswut. Sehnsucht.", stellt Dominik Graf in seinem Vorwort treffend fest. . Auch wenn der Roman unvollständig blieb und sein Ende allzu abrupt abbricht, so ist trotz alledem der Duktus von Oliver Storz spürbar: dieses Tastende, wunderbar Unsichere und "Erinnerungsforschende", das zuweilen von ganz harmlos erscheinenden Gesten oder Momenten ausgelöst wird. Von Bildern, die scheinbar in keinem Zusammenhang stehen und trotzdem ein Ewigkeitsmoment gemeinsam haben. Storz' Sätze klagen nicht an, übertreiben nicht, aber ihnen wohnt stets ein ganz spezieller Atem des Zweifelns und des Fragens inne - eine Weltsicht im privaten Erleben. Denn wie äußerte sich der 16-jährige Ich-Erzähler so treffend: "Wir alle waren ja Sturzgeburten des Chaos. (...) [Aber] niemandes Jugend wollten wir sein. Nie mehr. (...) Wir waren nur so da, frei, zu nichts berufen, nutzlos, jedoch durchaus tauglich für die Erfordernisse der Stunde..." . Der nuanciertere, sensitive Schreibstil von Oliver Storz zeigte sich bereits uneingeschränkt in seinem, dem Band als Epilog, mit Faksimile des Originals, beigefügten frühen Text "Das grüne Band", den er als 19-Jähriger verfasste und der zutiefst berührt: Ein kleiner Zigeunerjunge wird zum lächerlichen, ja, beschämenden Bild des Opportunismus. Gleichsam bezeichnend für die Erzählungen des Autors sind die stete Nähe von Sehnsucht und Grauen, von Friedfertigkeit und Schrecken, von Eros und Thanatos. Da mündet der beschauliche Weg durch die Wälder seiner Heimat, an der Seite der angebeteten Inge, in den ersten Kuss, nachdem man zuvor in den Ästen eines Baumes der Hinrichtung eines jungen Polens, eines "Schädlings und Verräters des deutschen Wirtsvolkes", hinter den Mauern des Hofes einer Gewerbeschule beigewohnt hatte. Storz verwebt den sinnlichen mit dem kühl registrierenden Blick. . Letztendlich bleiben seine Protagonisten immer "enthüllt" zurück, ohne Namen, Rang und Zweck, "hingegeben ans reine Sein, das sich einen glückhaften Moment lang unverborgen zeigte (sich 'entbarg', hätte Heidegger gesagt). (...) Und mir wurde wunderbar leicht. 'Ja', hätte ich sagen können. Ja zu allem, nicht anders als Molly Bloom am Schluss des Ulysses: 'Ja.'"

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  • Rezension zu "Als wir Gangster waren" von Oliver Storz

    Als wir Gangster waren
    Clari

    Clari

    14. May 2012 um 15:00

    In Memoriam Oliver Storz. Schon um des schönen Vorwortes Willen, das Dominik Graf verfasst hat, lohnt es sich, das kleine Büchlein mit dem Romanfragment und einigen Erzählungen von Oliver Storz zu lesen. Umreißt D. Graf doch in wenigen Worten, wie ehrlich, zuverlässig, ungeschönt und authentisch Oliver Storz war und schrieb. „Menschen wie er haben eigentlich Sterbeverbot. Wir brauchen sie heute so sehr, in den allerdümmsten Zeiten, die unser Land seit dem Weltkrieg erlebt hat.“ Soweit Dominik Graf über den Filmregisseur und Schriftsteller Oliver Storz, der 2011 verstorben ist. In der Titelgeschichte „Als wir Gangster waren“ beschwört Oliver Storz noch einmal die ersten Jahre nach Kriegsende in Deutschland herauf. Schüler an der Altergrenze derer, die noch kurz vor Kriegsende hätten eingezogen werden können, erleben den Schwarzmarkt, die ersten Annäherungsversuche zwischen Deutschen und Amerikanern und die Gefahr der Nähe zum Militär. Ein adliger Junge mit Namen Elmar von Grottenau, Ostflüchtling, stößt zur Schulklasse des Icherzählers. Der adlige Junge ist Autorität und mit seinem herrischen Auftreten einschüchternd. Charaktere wie dieser waren früh aufgrund von Hierarchien festgelegt und wurden nicht infrage gestellt. Man lebte in der amerikanisch besetzten Zone irgendwo im Schwäbischen zwischen dem Schwarzmarkt und der geheimen Furcht vor Entdeckung. Es herrschte eine Art von Anarchie, denn die gewohnten Strukturen waren zerbrochen. Väter waren entweder nicht vorhanden oder kehrten als gebrochene und kranke Männer heim. Die Zeit vor dem Beginn des Aufbruchs in die Nachkriegszeit ist einerseits aufregend und andererseits gefährlich. Der Freund Elmar kommt um, erschossen von den Amerikanern, denn er plante die Befreiung von SS Angehörigen aus dem Gefängnis. Die ganze Unwägbarkeit dieser unsicheren Nachkriegsjahre wird aus den Zeilen Storzes sichtbar und atmosphärisch packend wiedergegeben. In den weiteren Erzählungen handelt es sich um Essays und einen Schulaufsatz, indem die Pracht des Herbstes eingefangen ist. Mit klugen Spotlights umreißt der Autor heiße Sommertage und das häusliche Milieu, das aus väterlicher Autorität, mütterlicher Fürsorge und ersten scheuen Liebesannäherungen eines Pubertierenden an Klassenkameradinnen und Nachbarinnen besteht. Es ist gut, dass dem Graf Verlag mit diesen Erzählungen ein Erinnerungsbuch an den Autor geglückt ist, das aus zahlreichen Impressionen und eindrucksvollen Erinnerungen besteht. Oliver Storz, 1929 -2011, war ein erfolgreicher Drehbuchautor, Regisseur und Schriftsteller.

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