Oliver Storz Die Freibadclique

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Inhaltsangabe zu „Die Freibadclique“ von Oliver Storz

Irgendwo im Schwäbischen: Knuffke, Bubu und die anderen aus der Freibadclique sind fünfzehn, und das verordnete Heldentum hat für sie im Sommer 1944 keine Bedeutung mehr. Sie sehnen sich nach Swing und Bigband-Sound, nach Lore im roten Badeanzug und dem Ende des Marschierens. Ungemein lebendig erinnert sich Oliver Storz an einen denkwürdigen Sommer am Ende des Kriegs und die Wirren der Zeit danach.

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  • Gelungener Erinnerungs-Roman

    Die Freibadclique
    winter-chill

    winter-chill

    28. February 2015 um 18:50

    Sommer im Jahr 1944, irgendwo im Schwäbischen: Der Freibadclique, das sind fünf 15-jährige Jungs, steht der Sinn so gar nicht nach Krieg und Hitlerjugend. Sie interessieren sich für amerikanische Musik, träumen von Freiheit und wollen wissen, wie das so mit den Mädchen ist. Doch bald werden sie zum Volkssturm geholt. In seinem teils autobiographischen Roman erzählt Oliver Storz von einer Jugend im untergehenden Nazi-Deutschland und in der Nachkriegszeit. Was dieses schmale Büchlein vor allem ausmacht, ist die Sprache: irgendwie reduziert, aber trotzdem sehr lebendig, bildhaft und auch poetisch. Die Geschichte ist extrem authentisch und eingängig. Gelungen ist auch die Kombination aus Witz und Wärme auf der einen Seite sowie Melancholie und Schrecken auf der anderen Seite. Ein wirklich sehr gelungener Erinnerungs-Roman, der fesselt und berührt.

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  • Rezension zu "Die Freibadclique" von Oliver Storz

    Die Freibadclique
    philine

    philine

    28. October 2008 um 14:18

    Fünf pubertierende Jungs im Zeitraum 2. Weltkrieg Ende und danach. Sie wurden zwangsweise von der HJ eingezogen. In ihren Köpfen geht es nur um Mädchen und Liebe, doch sollen sie um ihr Leben kämpfen. Was ist Krieg eigentlich? Auf jeden Fall war es im Freibad schöner. Zungenkuss und Hosenmacher sterben, Knuffke macht gefährliche Geschäfte mit Amerikanern und Bubu und Oliver dersertieren. Und was wird aus ihrer zu Beginn noch so engen Freundschaft? Der deutsche Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Oliver Storz erzählt autobiographisch mit einfachen Worten und aus einfacher Sicht, wie er den Krieg mit seinen Freunden erlebt hat.

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  • Rezension zu "Die Freibadclique" von Oliver Storz

    Die Freibadclique
    HeikeG

    HeikeG

    27. August 2008 um 20:50

    Freischwimmen . Oliver Storz erzählt von einer Jungenfreundschaft zwischen den Welten, zwischen Krieg und Nachkrieg, zwischen Kindheit und Erwachsensein, mitten im Chaos zwischen Untergang und Aufbruch. . "Wir waren die, die dazwischenhingen auf immer und ewig: aus der militanten Tradition des Konservativ-Nationalen herausgefallen wie unflügge Jungvögel aus dem Nest und für die Rückkehr in die reinlichen Behausungen des Bürgerlichen zu viel Dreck gesehen, selbst zu dreckig geworden. Weder Krieger noch Honnêtes hommes, wir verachteten beide. Wir hassten den Krieg, aber kaum weniger den Frieden, der da kommen würde mit Schule, Tanzstunde und Hausmusik. Wohin mit uns? Wir passten nirgendwo rein." . Diese beinahe letzten Worte in Oliver Storzs Roman "Die Freibadclique" sind bezeichnend für die "Neunundzwanziger", die Jungs um "Zungenkuss", "Bubu", "Hosenmacher", dem "großen Knuffke" - einem ausgebombten Berliner und gleichzeitig faszinierendsten Charakter des Romans - und dem namenlosen Ich-Erzähler - das Alter Ego des Autors. Im Sommer des Jahres 1944 treffen sie sich jeden Tag im Freibad eines nicht benannten Städtchens in der Nähe von Mannheim (alles deutet darauf hin, dass es sich um den Heimatort des Autors - Schwäbisch Hall - handelt). Drei von ihnen werden das nächste Jahr jedoch nicht überleben. Das teilt Oliver Storz (ein erfolgreicher Filmemacher) schon auf den ersten Seiten mit. . Ein heißer (Kriegs)Sommer des Erwachens für die Pubertierenden . Doch noch tangiert das Kriegsgeschehen die Fünfzehnjährigen nur beiläufig, in Form von silbernen Fliegerstaffeln am sonnenklaren Himmel oder den Luftwaffenfähnrichen des benachbarten Fliegerhorsts. Sie setzen andere Prioritäten: "Lore, eine Nachrichtenhelferin vom Fliegerhorst, blitzblankblau wie die Söderbaum im Kino, aber nicht so tränenkeusch, eher mit sündigen Augen - mag aber auch sein, dass unsere Augen den ihren das Sündige nur andichteten, weil wir inmitten von Appellen und Endsiegverkündigungen gern ein bisschen Sünde gehabt hätten." Für die Neunzehnjährige mit dem leuchtendroten Badeanzug stürzen sie sich kühn vom Zehnmeter-Turm. Für einen Blick auf vage angedeutete nackte Frauenhaut im erst ab 18 freigegebenen Film "Münchhausen", diskutieren sie strategische Vorgehensweisen, um unbemerkt ins Kino zu gelangen. . Doch bald kommen auch ihre Sehnsucht und ihre Träume zum Erliegen und die Gegenwart bricht mit voller Wucht über ihnen herein. Nichts nützt es, wenn Lale Andersen im Radio singt: "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei". Nach dem Attentat auf Hitler wird das Leben, "also der Krieg eben", auch für sie jugendfrei. "Heilige Pflicht der Juuugend, dem frevlerisch-frechen Vordringen des jüdisch-plutokratischen Bösen Einhalt zu gebieten mit dem Spaten in der Hand - Ausbau von Auffangstellungen für die heldenmütig kämpfende Wehrmacht, die vielleicht, aber nur vorübergehend, hinter den Rhein ausweichen müsse...", agitiert Bannführer Seidebrant. Sie folgen, denn immerhin sollen auch kriegsdienstverpflichtende Mädels ganz in der Nähe sein. Die erwachenden Lenden sind allgegenwärtig. "Eros und Thanatos, die alte Sache, ein Schutzmechanismus." Man blendet das Grauen einfach aus. . Oliver Storz - ein vielfach ausgezeichneter Filmregisseur - weiß dies professionell in Szene zu setzen. In kurzen Sequenzen, ohne großes Getöse und viel Tamtam, beinahe wie in einem Stummfilm und mit viel Weichzeichner, lässt er die Geschehnisse der letzten Kriegsmonate am Leser und der "Freibadclique" vorüberziehen. Tote und die näher rückende Front im Schwäbischen gleiten wie flüchtige Schatten vorbei. "Auffällig im Rückblick auf diese Jugend sind die Leerflächen", sinniert der Ich-Erzähler, "auf denen kein Gedanke, keine Empfindung mehr zu finden ist, Brachland, immer schon, oder versteppt unter der Strahlung der Jahrzehnte." . Die "Freibadclique" ist erwachsen geworden . Und schon breitet sich der Duft von amerikanischem Kaffee und Natrongebäck aus. Fürs Wundenlecken bleibt da keine Zeit. "Als es vorbei war und wir wieder zu Hause, fing eine Zeit an, die uns aufgesaugt hat, (...), die 'Goldgräberzeit', wie wir sie später nannten. Keiner (...) ist auf die Idee gekommen, rückblickend Ordnung zu bringen in den Ablauf dieser Irrfahrt Richtung Crailsheim und zurück." Sogar der stotternde Studienrat "Ströh-Ströhle" knüpft in der ersten, wieder aufgenommenen Schulstunde an, als wäre nichts passiert: "Weiß je-jemand, wo wir ste-stehen geblieben waren?" . Bei Oliver Storz hingegen ist ein deutlicher Wandel zu spüren. Sein Duktus hat sich verändert. Der anfänglich stakkato-, rapportartige, forsche und wortreiche Ton - offensichtlich ein Stilmittel des Autors für die Nazi-Realität - verliert sich in der Nachkriegszeit völlig und weicht einem deutlich nuancierteren, feinsinnigeren Schreibstil, der viele eigene Reflektionen des Ich-Erzählers offenbart. . Letztendlich trifft man sich wieder im Freibad, denn die Mädels sind doch eigentlich das, was das Leben ausmacht. Aber etwas fehlt: "Ein Rot (…), ein ganz bestimmtes Rot, das es nur einmal gegeben hat auf der Welt, ein Badeanzugrot, das nie mehr leuchten wird oder nur im Traum." Die übrig gebliebenen Jungs haben ihre kindliche Unschuld verloren und sind erwachsen geworden - zu schnell vielleicht. . Fazit: "Die Freibadclique" ist ein thematisch überzeugender und packender Zeitroman ohne Einschränkung und ein Dokument der dramatischsten Umbruchsphase und den Wirrnissen der jüngeren deutschen Geschichte. Eine Melange aus feinsinnig-eleganter, zeitweilig jugendlich ungestümer, verbal-derber und mit Ironie garnierter Lesekost, mit vielen lebendigen Dialogen und voller Nachdenklichkeiten.

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