Oliver Wnuk Luftholen

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Inhaltsangabe zu „Luftholen“ von Oliver Wnuk

Zutiefst berührend, stürmisch und radikal erzählt Oliver Wnuk die Geschichte von Josch, dem Schwimmmeister, dem nur noch eines bleibt: seine zweite Chance.

'Ja, sicher. Ich will mit dir zusammen sein, damit ich nicht mehr so viel mit mir alleine sein muss.'

'Dafür kannst du aber jeden nehmen.'

'Ich hab mir dich aber ausgesucht.'

Ein Roman, der einem manchmal den Atem nimmt - über einen, der die Liebe vor sich sieht, aber nicht weiß, wie er sie packen soll.

Josch ist Schwimmmeister.

Seit er denken kann, hat ihn das Wasser fasziniert. Am Beckenrand kennt er sich aus, hier weiß er, was zu tun ist. Aber in seinem eigenen Leben weiß er das schon lange nicht mehr. Seit seine Frau ihn verlassen und den gemeinsamen Sohn mitgenommen hat, findet er nur noch Halt im Alltäglichen.

Aber als er der 14jährigen Leonie, die jeden Tag ihrer Sommerferien an seiner Seite verbringt, im entscheidenden Moment nicht helfen kann, bleibt ihm keine andere Wahl mehr. Josch muss sich dem Leben stellen. Und so nähert er sich der blinden und lebensfrohen Maria an und begibt sich schließlich mit ihr zusammen auf eine ungewisse Reise: eine Suche nach seinem Sohn, der Wahrheit und dem Leben überhaupt. Endlich geht er den Weg, den er sich nie traute zu gehen.

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  • Eine Geschichte zum Luftholen

    Luftholen

    Maerchenbuch

    24. August 2015 um 18:27

    Oliver Wnuk erzählt in seinem Buch „Luftholen“, die Geschichte von Josh, einem gescheiterten Mittdreißiger, der sein Geld als Bademeister in einem Freibad am Bodensee verdient. Seit ihn seine Frau, samt gemeinsamem Sohn, verlassen hat und an der Cote d’Azur ein neues Leben begonnen hat, ist Josh in seinem morschen Alttagstrott festgefahren. Tag ein, Tag aus, fristet er sein Dasein im Schwimmbad und kümmert sich dort um seine Stammgäste, wobei wir keine heitere Freibad-Atmosphäre vermittelt bekommen sondern eher einen skurrilen und amüsanten Einblick in die Geschehnisse des Schwimmbads erhalten. In seiner Präsenz als Bademeister, hat Josh alles unter Kontrolle, aber darüber hinaus, führt er ein sprödes und unspektakuläres Leben und befindet sich in einem planlosen Ausharren. Die 14jährige Leonie besucht in den Sommerferien täglich das Schwimmbad und freundet sich mit Josch an. Das pubertierende Mädchen schwärmt für den Bademeister und man wirft schon zu Beginn des Romans einen kritischen und fragwürdigen Blick auf die Beziehung, die sich zwischen dem Erwachsenen und dem Kind entwickelt. Man fragt sich wie weit diese Freundschaft geht und welche Absichten Josch wohl hat. Als eines Tages ein dramatischen Unglück im Freibad geschieht, flüchtet Josch vor seiner Verantwortung und macht sich mit seiner blinden aber lebensfrohen Schwimmbadbekanntschaft Maria auf den Weg nach Südfrankreich, um seinen Problemen wieder einmal den Rücken zu kehren. Gleichzeitig möchte er seinen Sohn besuchen, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Oliver Wnuk erzählt sehr glaubhaft und in einem besonders lebensnahen Erzählstil. Die Hauptfigur Josch wird sehr authentisch geschildert und erweckte in mir sowohl Sympathie als auch absolutes Unverständnis für seine Pflichtvergessenheit. Josch fühlt sich stehts in einer Opferrolle und trägt in seinen Augen keine Schuld an seinen trüben Lebensumständen. Er schiebt die Schuld seinen Eltern zu, handelt feig und reagiert auf Kritik aggressiv und stur. Der Autor schafft es, einen fesselnden Spannungsbogen aufzubauen. Der Roman beginnt zunächst locker und harmlos, bis das Buch eine dramatische Wendung nimmt. Bis zu Schluss, fiebert man erwartungsvoll Josch Entscheidungen entgegen, und hofft bis zum Ende, dass er das planlose Chaos seines Lebens in den Griff bekommt.

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  • Luftholen von Oliver Wnuk

    Luftholen

    Bücherwurm77

    10. April 2013 um 11:33

    Der  Roman „Luftholen“ handelt von dem Bademeister Josh, der seinen Job sehr gerne ausübt. Privat läuft es bei Josh allerdings nicht so gut, seine Frau hat sich von  ihm getrennt und zu dem gemeinsamen Sohn hat er schon lange keinen Kontakt mehr. Als dann Leonie in sein Leben tritt, die mit ihren 14 Jahren genauso alt wie Joshs Sohn ist,  und ein ganz großes Unglück geschieht, stellt Josh sein ganzes Leben in Frage. Zusammen mit Maria, seiner blinden Freundin, versucht Josh wieder zurück ins Leben zu finden und er begibt sich mit ihr auf die Suche nach seinem Sohn. Doch hat er nach all den Jahren überhaupt noch eine Chance bei dem Jungen? „Luftholen“ ist der zweite Roman von Oliver Wnuk, allerdings muss ich gestehen, dass ich den ersten Roman von ihm bisher noch nicht gelesen habe. Doch das werde ich in naher Zukunft bestimmt noch nachholen, denn „Luftholen“ hat mich wirklich sehr beeindruckt. Die Geschichte wird sehr authentisch beschrieben. Man hat das Gefühl, das sie genau so passiert sein kann oder passieren könnte. Was mir auch sehr gefallen hat, war mal ein Buch zu lesen, wo nicht hunderte von Charakteren – überspitzt gesagt - eine Rolle spielen. Dadurch hat der Autor nämlich die Möglichkeit sich mehr auf die einzelnen Charaktere zu konzentrieren und diese sehr liebevoll auszuarbeiten. Und der Leser bekommt somit die Chance die einzelnen Personen besser kennen zu lernen und sich besser in sie hineinversetzen zu können. Vor allem Josh hat es mir sehr angetan, auch wenn ich ihn manchmal am liebsten geschüttelt hätte, damit er endlich mal die Augen aufmacht und sein Leben selbst in die Hand nimmt. Die Kapitel des Buches sind durchnummeriert und zum Ende hin immer so spannend, das man einfach weiter lesen muss. Auch vom Schreibstil lässt sich das Buch sehr einfach, leicht und schnell weg lesen. So war es auch kein Wunder, dass ich das Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen hatte. Es ist auf jeden Fall auch ein Buch mit Tiefgang, das zum nachdenken anregt und noch lange in einem selbst nachklingt. Absolute Lesemepfehlung.

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  • Auftauchen nicht vergessen

    Luftholen

    calvin08

    07. April 2013 um 21:20

    Zunächst hat mich der Plot der Geschichte skeptisch gemacht, weil mir dieser, da bin ich ganz ehrlich, wenig zusagte. Aber ich hatte bereits mit großer Begeisterung den Vorgänger "Fast wie im richtigen Film" gelesen und war deshalb der Meinung, dass ich mir den Nachfolger ebenfalls zu Gemüte führen muss. Dann begann ich zu schmökern und stellte als erstes fest, wie schnell ich in der Geschichte eintauchte und mich mit den Charakteren vertraut fühlte. Das ist ohne Zweifel ein Verdienst von Wnuks Fähigkeit, gefühlvoll und lesefreundlich zu schreiben und einen Stil zu entwickeln, dem ich sehr gerne folgte. Hinzu kam, dass meine Befürchtung sich zunehmend als grundlos entpuppte, weil durch die Hauptperson Josch eine Spannung aufkam, die ich nicht vermutet hatte. Da kann ein Großteil der momentan unsäglich, den Markt überschwemmenden Krimis getrost einpacken. Durch die immerwährend neuen Wendungen von Josch hinsichtlich seines Verhaltens und seiner Vergangenheit blieb mir nichts anderes übrig, als am Ball zu bleiben, um zu erfahren, was noch so alles herauskommt. Entscheidend hierbei ist die blinde Maria, an der sich die inneren Vorgänge des bestimmenden Charakters spiegeln. Ein kluger Schachzug des Romanaufbaus, wie ich finde. Zu guter Letzt fesselte mich gerade die Zerrissenheit der Hauptperson, die ich an vielen Stellen gut nachvollziehen konnte, da ich ähnliche Emotionen auch schon erlebt habe, wobei ich anders mit ihnen umgegangen bin. Ich wurde den Eindruck nicht los, als wären dem Autor einige geschilderte Situationen aus eigener Erfahrung vertraut, deshalb das präzise Schilderungsvermögen. Alles in allem ein wirklich toller Roman. Ich bin froh, ihn gelesen zu haben und wünsche jedem anderen Lesefreudigen das gleiche Erlebnis.

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  • Rezension zu "Luftholen" von Oliver Wnuk

    Luftholen

    WinfriedStanzick

    12. March 2013 um 10:06

    In seinem zweiten Roman legt der bekannte und erfolgreiche Schauspieler Oliver Wnuk ein in weiten Teilen sehr überzeugendes Beispiel dafür vor, dass er nicht nur die Texte und Drehbücher anderer gut interpretieren kann, sondern dass er literarisch ansprechende Texte auch selbst schreiben kann. Der spannende Roman, der seinen Leser bis zum Schluss nicht aus seiner Faszination entlässt, erzählt von dem Bademeister Josch. Auf drei Jahrzehnte seines Lebens blickt er zurück, eine Zeit, in der nicht alles zum Besten war und vieles in seinem Leben gescheitert ist. Auch in der Gegenwart hat er durchaus ein Bewusstsein dafür, dass Etliches in seiner Lebensordnung gestört ist und dass er eigentlich so nicht leben möchte. Dieses Schicksal, so glaubt der Rezensent, der solche Phasen in seinem eigenen Leben kennt und sie bewältigen konnte, teilt er mit sehr vielen Menschen dieses Alters, die nicht zuletzt deswegen diesen Roman lieben werden. Zu Beginn des Romans ist er mit einer neuen Tragödie konfrontiert. Ein junges Mädchen hat sich in ihn verliebt. Obwohl er ihre Gefühle nicht erwidert, hat er doch sich mit ihr unterhalten und auch einige Texte von ihr gelesen. Als das Mädchen ihn bittet, ihr das Tauchen beizubringen, lehnt er ab. Wenig später liegt sie tot im Becken und eine neue Katastrophe überschattet Joschs Leben. Doch er nimmt es zum wiederholten Mal in die eigenen Hände und fährt mit seiner blinden Freundin Maria zurück in seine Vergangenheit, wo aus einen früheren Leben ein 15-jähriger Sohn auf ihn wartet. Es sind diese beiden Hauptpersonen, Josch und Maria, auf ihrer Suche nach dem Leben und dem Sinn seiner Brüche und Widersprüche, die dem Buch seine, stellenweise auch philosophische, Tiefe geben. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte, und das vielleicht besonders jüngere Männer ansprechen könnte, die mit ähnlichen Nicht- oder Noch-Nicht- Entscheidungen in ihrem Leben sich konfrontiert sehen. Fazit: es gibt immer eine zweite Chance, in jedem Leben, wie auch immer es bisher verlaufen sein mag. Ermutigend!

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  • Rezension zu "Luftholen" von Oliver Wnuk

    Luftholen

    Kossi

    Wie soll man LUFTHOLEN, wenn einem das Wasser bis zum Halse steht? Diese Frage stellte ich mir ab und zu während des Lesens und ertappte mich selber dabei, dass ich an einigen Stellen dieses Buches fast vergaß, zu atmen. Nachdem ich schon vom Debüt des Autors (Wie im richtigen Leben) sehr begeistert war, freute ich mich, als ich erfuhr, dass es ein neues Buch von ihm gibt. Während mich sein erstes Buch überwiegend durch den Humor bestach, so ist diese Geschichte doch ganz anders. Ich möchte sie eigentlich auch gar nicht 'Roman' nennen, sondern eine Erzählung, die dem Leser Einblick gewährt in das Leben von Josch, der als Bademeister in einem Schwimmbad sein Geld verdient und sich um das Wohlergehen seiner Gäste kümmert. Vor allem um die 14jährige Leonie, die alles dafür geben würde, dass er ihr das Tauchen beibringt. Man spürt, dass die beiden sich mögen und fragt sich ab und zu, wie weit diese Freundschaft wohl geht. Doch Josch scheint keine Hintergedanken zu haben, außer dem, dass Leonie ungefähr so alt ist wie sein Sohn Louis, den er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat, weil seine Ex-Frau Josch mit dem Sohn verlassen hat. Als eines Tages ein großes Unglück passiert, scheint Josch den Boden unter seinen Füßen komplett verloren zu haben und für ihn gibt es keine andere Möglichkeit, als vor all seinen Problemen zu fliehen. Genauso, wie er es anscheinend sein Leben lang bereits getan hat ... doch dann tritt Maria in sein Leben, die trotz Blindheit vielleicht in der Lage ist, ihm die Augen zu öffnen und ihm sein eigenes Leben aufzuzeigen. Besonders imponiert hat mich an diesem Buch, dass die Geschichte ganz leise und zart erscheint, obwohl die Dinge, die darin passieren, alles andere als das sind. Es liest sich wie ein warmer Sommerregen, bei dem man das Gewitter schon erahnt und Angst hat, das schützende Zuhause nicht mehr schnell genug erreichen zu können. Ich fand es ganz wunderbar, dass der Autor Dinge in dem Buch eingebracht hat, über die ich zuvor nie nachdachte, die mich aber jetzt kaum noch loslassen. Als kleines Beispiel möchte ich den Vergleich zwischen Hund und Katze und dem Menschen aufzeigen. Während Menschen immer nach Glück und Erfüllung streben und viele Dinge fast 'totdenken' um ihr Ziel zu erreichen, so ist es für die Tiere nur wichtig, sich das zu holen, was ihnen gut tut. Zitat Seite 137: "Sie [die Katze] handelt nach ihrem Instinkt. Das ist das Natürlichste überhaupt aber für uns stellt sich unser Verstand, unser Ich-Gefühl, als unser schwierigstes Unterfangen heraus. Wir ersticken in der Falschheit unserer Moralvorstellungen." Ich habe lange über diesen Absatz nachgedacht und erkannt, wie stimmig dieser Vergleich doch ist. Von diesen Momenten gibt es so einige im Buch und ich liebe es einfach, wenn Geschichten mich auf Gedanken bringen, die ich zuvor nie hatte. Im letzten Kapitel lief mir eine einzelne Träne die Wange hinunter. Sie lief aus meinem linken Auge, bahnte sich einen Weg über meine Wange und tropfte am Ende auf die letzte Seite dieses Buches. Ich glaube, dass ich Josch diese Träne 'schuldig' war und ich bin mir sicher, dass sie aus meinem Herzen kam und in seines wollte ... und dann konnte ich endlich ... Luftholen!

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  • Rezension zu "Luftholen" von Oliver Wnuk

    Luftholen

    Buecherwurm1973

    06. March 2013 um 11:30

    Josch ist Mitte dreissig und arbeitet als Schwimmmeister in einer Therme. Leonie begleitet ihn täglich auf seinen Touren. Sie himmelt ihn total an und möchte auch ihm nacheifern. Vergeblich versucht sie ihn zu überreden, mit ihr tauchen zu gehen. Da geschieht ein tragisches Unglück. In dieser Zeit, in der so ziemlich alles schiefgeht in seinem Leben, vertieft er seine Freundschaft zur blinden Maria. Er will vor seinen Problemen fliehen, indem er zu seinem Sohn nach Südfrankreich will. Dort ist er eigentlich so gar nicht willkommen, aber dies blendet er einfach aus. Eine Taktik, die er täglich anwendet. Was er nicht sehen und fühlen will, sieht und fühlt er nicht. Er versucht es zumindest. Maria besteht darauf Josch nach Menton zu begleiten. Wird er mit seinem Sohn Frieden schliessen können? Dieser Roman von Oliver Wnuk ist im selben Stil wie sein Erstling geschrieben. Wie auch im ersten Roman habe ich den Autor selbst als Protagonisten vor Augen. Irgendwie schreibt er, wie er sich selbst gibt. Josch hat einen Charakter, wie ich den modernen Menschen im Moment beschreiben würde. Das Leben vor sich hertreiben lassen, den Problemen aus dem Weg gehen, keine Verantwortung übernehmen oder nur scheinbar etc.. Trotzdem muss man Josch zugestehen, dass er immer mehr wächst und an Charakterstärke gewinnt. Fazit: Wer das Erstlingswerk „Wie im Film“ gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch mögen.

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  • Rezension zu "Luftholen" von Oliver Wnuk

    Luftholen

    michael_lehmann-pape

    22. February 2013 um 11:58

    Kein Zugriff auf sich selbst So harmlos lässt Oliver Wnuk seine Geschichte beginnen und über weite Strecken im altbewährten Muster einer vermeintlichen „erwachenden romantischen Liebesgeschichte“ vor sich hin laufen (mit einem dramatischen „Zwischenereignis“), so „bekannt“ entfaltet er mit einigen Stereotypen seine Hauptfigur zunächst als „sympathisch, aber (leicht) gebrochen“, dass es eine Weile dauert, die wirklichen Abgründe im Buch zu erfassen. Und auch diese Erfassung löst Wnuk, wie so vieles andere, sehr, sehr gekonnt auf. Denn es gelingt ihm tatsächlich, zunächst eher unbestimmte, störende Emotionen beim Leser auszulösen, eine Art schleichendem Beginn von Antipathie gegen die hauptsächlich agierenden Figuren, so dass dem Leser erst nach und nach im letzten Drittel des Buches gewahr wird, was das denn genau ist, was ihn mehr und mehr in Distanz zu Josch, dem Bademeister und Maria, der jungen, blinden Frau, bringt. Josch und Maria, die sich einander anzunähern scheinen, sich gemeinsam auf die Reise nach Menton in Frankreich machen, wo Josch seinen Sohn treffen möchte. Um den er sich seit Jahren, vordergründig aus Geldmangel, nicht kümmern konnte. Der bei Joschs ehemaligen Frau ein sorgenfreies Leben lebt, für Josch aber zu einem Fixpunkt des Denkens wird. Jener Josch, der zu Beginn des Buches eine scheinbar intensive Freundschaft zu einem 14järhigen, tauchbegeistertem Mädchen pflegt und durch ein dramatisches Unglück in eine unhaltbare Position gerät. Aber war das wirklich ein Unglück? Geschickt setzt Wnuk einen ersten Bruch in der sympathischen Nähe zu Josch, in dem er ihn einen (vermeintlichen?) Traum träumen lässt, der eines eiskalten Killers würdig wäre. Eine erste Durchbrechung, die der Leser zunächst noch einsortiert und der Dramatik in Josch zuschreibt. Doch Seite für Seite tauchen mehr Zweifel auf. Mehr Zweifel daran, ob da tatsächlich jemand nur aufgrund kleinerer Fehler in eine schwierige Situation gelangt ist und nun „seine zweite Chance“ dringend sucht. In der Liebe. Angesichts seiner angehäuften Schulden. In der Befriedung und Vertiefung seiner Beziehung zu seinem Sohn. Es dauert, bevor der Leser beginnt zu begreifen, dass Josch nicht aufgrund „kleinerer“ Fehler oder unverschuldet da angelangt ist, wo er steht, sondern dass diese auf sich bezogene, emotional autistische Daseinsform viel eher das ist, was sich durch sein Leben zieht. „Für die ganze Familie warst Du echt so etwas wie eine fiese Krankheit. So eine die kommt, stärker wird, alle schlapp und müde macht, sich aber irgendwann doch wieder verzieht“. Und genau hier hat Josch keinen Zugriff auf sich selbst, reagiert aggressiv auf jede noch so gut gemeinte Warnung und Kritik. Eine verdeckte emotionale Egomanie, die deswegen so unlösbar im Buch erscheint, weil Josch sich nicht selber in den Blick nehmen kann. Kleine Hinweise gibt Wnuk darauf bereits zu Beginn über Josch, der in keinen Spiegel zu schauen vermag. Innere Haltungen, Zwänge, die auf der Reise mit Maria nach Menton stärker und stärker in den Blick rücken und, da kennt Wnuk keine Rücksicht, sich auch in dieser so sympathisch, stark angelegten Maria ebenso wiederfinden lassen. Menschen, die sich nicht „heilen“ oder „heilen“ lassen, sondern dann eben an anderem Orte andere Menschen mit ihrer Unmöglichkeit zur emotionalen Einfühlung krank machen. Ein Sein, in dem ihm Maria auf eine ganz andere Weise zwar, aber dennoch wenig nachsteht. Eine treffende Beschreibung auch über das Buch hinaus einer egomanischen Welt, in der jeder so insulär in sich verstrickt seiner Wege geht, dass meist einem selbst gar nicht auffällt, das ein echter, innerer Kontakt, ein Hören und Lernen aus Kritik, eine gemeinsame Entwicklung gar nicht mehr stattfindet. Was nicht passt, wird weggeschoben, mundtot gemacht mit aggressivem Geschrei, oder, wenn es gar nicht anders geht, wird verlassen und weggewichen. „Warum Josch, warum weiß Maria nichts davon? Warum weiß sie so wenig von ihnen“? „Ich würde jetzt, glaube ich, gerne aufbrechen!“ „Sie sind feige, Josch“ Und genau das ist der Punkt. Sprachlich flüssig und emotional hervorragend nacherlebbar gestaltet führt Oliver Wnuk den Leser Schritt für Schritt sehr, sehr hintergründig mitten hinein in eine innere Welt emotionaler Armut und Selbstbezogenheit, die lange nachhallt.

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