Olivia Manning

 3 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Freunde und Helden, Die gefallene Stadt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Olivia Manning

Olivia Manning wurde 1908 in Portsmouth geboren und wuchs in Nordirland auf. Nach einer Ausbildung als Malerin an der Portsmouth School of Art zog sie nach London und begann zu schreiben. Ihre ersten Bücher veröffentlichte sie unter einem männlichen Pseudonym. Der erste Roman unter eigenem Namen, 'The Wind Changes', erschien 1937. Während des Zweiten Weltkriegs flüchtete sie mit ihrem Ehemann nach Griechenland und danach nach Jerusalem. Ihre dortige Zeit bis 1945 und ihre Erfahrungen im britischen Protektoratsgebiet Palästina verarbeitete sie in ihrem ersten großen Erfolg 'School for Love' von 1951 (dt. erst 2013 als Abschied von der Unschuld).Mannings bekanntestes Werk ist 'Fortunes of War', das aus zwei Trilogien besteht ('The Balkan Trilogy' und 'The Levant Trilogy' –; es zeichnet die Kriegserfahrungen einer Gruppe von Engländern auf, die während des Zweiten Weltkrieges zwischen Rumänien, Griechenland, Ägypten und Palästina hin- und herwandern. Teile des Inhalts wurden zu einer TV-Serie mit Emma Thompson und Kenneth Branagh in den Hauptrollen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Olivia Manning

Neue Rezensionen zu Olivia Manning

Cover des Buches Der größte Reichtum (ISBN: 9783498001490)dunkelbuchs avatar

Rezension zu "Der größte Reichtum" von Olivia Manning

Der weib­li­che Blick auf eine histo­risch äußerst insta­bi­le Situati­on
dunkelbuchvor 2 Monaten

Harriet Pringle fährt mit ihrem Mann im Zug durch ein vom Krieg bedrohtes Europa Richtung Osten. Guy arbeitet seit Längerem in Bukarest, nun nimmt er seine junge Braut mit in diese Metropole zwischen Moderne und orientalischem Durcheinander, eine Stadt, in der sich Spione, Militärs, verarmte russische Adelige, halbseidene Damen, Nazifunktionäre, geflüchtete jüdische Professoren die Klinken der prächtigen und weniger prächtigen Hotels, der Cafés und Nachtbars in die Hand geben. Ungetrübt ist das junge Eheglück ganz und gar nicht. Und obwohl Harriet genug zu grübeln hat über die attraktive Rumänin Sophia und andere verdächtige Kontakte ihres Mannes, geht sie doch mit sehr offenen, für Anzeichen einer drohenden Katastrophe wie für die Schönheit der so verwirrenden Fremde empfänglichen Augen durch die Tage kurz vor dem ganz großen Knall. Alle fragen sich: Werden morgen deutsche Panzer über die Avenuen rollen oder kommt die Rote Armee? Und währenddessen übt die wahrhaft bunte britische Expat Community ein Shakespearestück: Troilus and Cressida – der Fall von Troja.

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Cover des Buches Freunde und Helden (ISBN: 9783498001520)KateRapps avatar

Rezension zu "Freunde und Helden" von Olivia Manning

Briten auf der Flucht
KateRappvor 9 Monaten

Dieser dritte Teil von Olivia Mannings Balkan-Trilogie spielt in Athen, nachdem zunächst Harriet allein und später ihr Mann Guy Pringle aus dem von den Deutschen besetzten Bukarest geflohen sind. Sie arbeiteten dort als britische Expats an der englischen Schule, und als Guy versucht, auch in Athen wieder eine Anstellung zu bekommen, scheitert er zunächst kläglich an der Ablehnung und den Intrigen seiner Landsleute.

Der Krieg kommt jedoch immer näher, es herrschen Hunger und Armut und bei Salat aus Margheritenblättern wird diskutiert, wie das Leben hier überhaupt weitergehen kann. Guy schreibt emsig nicht studierende Englischschüler ein und stellt eine Revue-Aufführung auf die Beine. Harriet fühlt sich von ihm vernachlässigt, sucht sich Arbeit und flirtet mit dem jungen Offizier Charles, bis die Lage sich zuspitzt.

Olivia Manning (1908-1980) beschreibt ironisch und gekonnt die zusammengewürfelte britische Community, die aus abgehalfterten Majors, alten Witwen, verarmten Adligen und jungen Soldaten  besteht und in Clubs oder zu Partys zusammenkommt und sich trotz der drohenden Gefahr nicht wirklich zusammenraufen kann.

Das verwirrende Hin- und Her, die wechselnden sozialen Allianzen und Intrigen der unsicheren Kriegstage schildert Olivia Manning, die selber als Ex-Pat den Krieg erlebte. Ich mag ihrer ruhige Erzählstimme, die nicht spitz aber dennoch ironisch daherkommt, und ihre originellen Figuren, vom behäbigen Lord Pinkrose, über das Schlitzohr Jakimov bis zu den Schwestern Twocurry sehr. Und ihre zwischendurch aufblitzenden Bilder illustrieren perfekt diese festgefahrene, abwartende Atmosphäre: „ein gelbliches Meer, das träge seine Schaumkronen auffächerte, wie ein gelangweilter Bridgespieler ein unbrauchbares Blatt“.

Voll unterschwelliger Psychologie und emanzipatorischer Züge sowie melancholischer Britishness. Ein echtes Vergnügen für lange Leseabende.


Aus dem Englischen von Silke Jellinghaus, Rowohlt 2021


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Cover des Buches Die gefallene Stadt (ISBN: 9783498001506)KateRapps avatar

Rezension zu "Die gefallene Stadt" von Olivia Manning

Glanz und Elend der Briten in Bukarest
KateRappvor einem Jahr

Während des zweiten Weltkriegs leben 1940 Guy und Harriet Pringle in Bukarest und scheinen wie hypnotisierte Kaninchen dem zunehmenden Chaos und der Bedrohung der Stadt zuzusehen. Guy gibt Englisch-Kurse, die mit verzweifelt auf Visa wartenden Juden überfüllt sind, die sich in englischsprachige Länder flüchten wollen. Harriet schwankt zwischen abwartender Distanz der braven Ehefrau und dem Bedürfnis, sofort abzureisen oder aktiv zu helfen. Jaki, ein verarmter russischer Prinz und Schauspieler aus dem ersten Band dieser Trilogie, lebt bei den beiden, dankbar, huldvoll parasitär und spioniert sie aus. Als sie den desertierten Sohn eines verhafteten jüdischen Bankiers bei sich verstecken, wird Harriet zunehmend unruhig. Sie wird von Freundinnen gemieden, von Passanten argwöhnisch beäugt und fragt sich, warum Guy nicht auch mit ihr das Land verlässt. Als der König abdankt spitzt sich die Lage der Briten in Rumänien zu.

Die Sprache von Olivia Manning ist eindrucksvoll, eine Prise Ironie schwingt in ihren Beschreibungen häufig mit, ohne ihre Figuren zu verraten. Harriet ist der ambivalenteste Charakter, Jaki ist ein altes Schlitzohr und nur Guy kommt für mich ein wenig farblos daher. Ich musste mich erst in die gesellschaftlichen und politischen Zusammenhänge einlesen, doch das Chaos der Situation wurde durch meine zeitweise Verwirrung angesichts der zahlreichen Personen und ihrer Positionen bestens transportiert. Wechselnde Allianzen und Verrat sind an der Tagesordnung und das Gefühl der Unsicherheit, wie es weitergeht mit dieser Stadt und wem man vertrauen kann, macht sich von der ersten Seite an breit. Es ist zwar kein spannender Page-Turner aber diese unterhaltsame Lektion in Geschichte, die die Situation Rumäniens im zweiten Weltkrieg aus Sicht britischer Expats erfahrbar macht, hatte mich nach den ersten fünfzig Seiten sicher eingefangen. 

Besonders spannend fand ich, hier eine Autorin zu entdecken, die in den dreißiger Jahren zunächst unter männlichem Pseudonym veröffentlichte und die Exil- und Fluchtsituation aus eigener Erfahrung kannte. Die von ihren Büchern inspirierten Verfilmungen mit Emma Thompson muss ich auch unbedingt noch ansehen!


Übersetzt von Silke Jellinghaus, Rowohlt 2021

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