Olivier Adam Die Summe aller Möglichkeiten

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Inhaltsangabe zu „Die Summe aller Möglichkeiten“ von Olivier Adam

»Das ist das Problem mit dem Leben, dachte Antoine. Dasjenige, das man hat, ist immer zu eng, und das, das man gern hätte, ist zu groß, um es sich auch nur vorstellen zu können. Die Summe aller Möglichkeiten ist das Unendliche, das gegen Null tendiert.« »Olivier Adam ist einer der spannendsten Schriftsteller der letzten fünfzehn Jahre.« Niklas Bender, Frankfurter Allgemeine Zeitung »Olivier Adam ist Meister darin, nichts zu beschönigen, nichts zu versprechen und doch weht Hoffnung und Sehnsucht in das Erzählte.« Sylvie-Sophie Schindler, Galore, Juni 2017 Was bleibt vom Zauber der Côte d‘Azur, wenn die Touristen abreisen? Der Amateurfußballer Antoine wird beinahe tot geschlagen, seine Heimat, ein kleiner Badeort, von einem Sturm verwüstet. Am Strand taucht eine junge Frau auf, sie spricht kein Wort, und mehrere Männer verschwinden spurlos. Der Fußballtrainer, die Sozialarbeiterin, der Kommissar, Antoines Freunde und Familie, seine Mannschaft und deren Gegner, seine Feinde – sie alle versuchen zu ergründen, was geschehen ist. Sie sind auf sich selbst zurückgeworfen, kreisen um Träume, Pläne, die Liebe. Olivier Adam zeichnet das Panorama eines Frankreichs in der Krise und empfiehlt das Gegengift: Mitgefühl.

Clevere Konstruktion und scharfe Beobachtung ergeben einen überzeugenden Roman.

— miss_mesmerized
miss_mesmerized

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  • 2,5 Sterne - Sehr anstrengend erzählt

    Die Summe aller Möglichkeiten
    raven1711

    raven1711

    01. August 2017 um 13:58

    Rezension Olivier Adam - Die Summe aller Möglichkeiten Klappentext:Was bleibt vom Zauber der Côte d‘Azur, wenn die Touristen abreisen? Der Amateurfußballer Antoine wird beinahe tot geschlagen, seine Heimat, ein kleiner Badeort, von einem Sturm verwüstet. Am Strand taucht eine junge Frau auf, sie spricht kein Wort, und mehrere Männer verschwinden spurlos. Der Fußballtrainer, die Sozialarbeiterin, der Kommissar, Antoines Freunde und Familie, seine Mannschaft und deren Gegner, seine Feinde – sie alle versuchen zu ergründen, was geschehen ist. Sie sind auf sich selbst zurückgeworfen, kreisen um Träume, Pläne, die Liebe. Olivier Adam zeichnet das Panorama eines Frankreichs in der Krise und empfiehlt das Gegengift: Mitgefühl.Meinung:Ein Sommer an der Cote D'Azur ändert das Leben vieler Menschen, als ein schwerer Sturm über den Küstenort zieht. Menschen sterben, verschwinden oder tauchen plötzlich auf. Und jedes Leben wird mehr oder weniger durch die anderen und die daraus resultierenden Ereignisse beeinflusst.Ich mag Episodenromane unheimlich gerne. Hier erhält jedes Kapitel eine eigene Stimme und Sichtweise. Nach und nach setzt sich so wie ein Puzzle eine Gesamtheit der Ereignisse und Schicksale zusammen. Grundsätzlich funktioniert diese Art der Erzählung immer gut, um Spannung zu erzeugen. Leider ist sie in diesem Fall reichlich langatmig geraten. Das ist aber auch zum Teil dem Sprachstil geschuldet, der zwar die typischen französischen Poesie mitbringt, oft aber in lange, verschachtelte Sätze gipfelt, die sich sehr ermüdend lesen lassen und die ganze Aufmerksamkeit des Lesers fordern. Auch sind mir des öfteren Wörter über den Weg gelaufen, die merkwürdig oder veraltet wirken und das Lesen zusätzlich anstrengten. Ob das dem Übersetzer oder dem Original geschuldet ist, kann ich aber leider nicht beurteilen.Somit zeigt sich hier schon, dass Die Summe aller Möglichkeiten kein Buch für mal eben zwischendurch ist, trotz seiner relativen Kürze. Für die kurze Zeit, in denen sich die Protagonisten hier vorstellen, bekommt man aber ein sehr gutes, detailliertes Bild von ihnen. Die Thematik an sich ist sehr interessant und hat hauptsächlich dafür gesorgt, dass ich in diesem Roman durchgehalten habe. Denn trotz aller Kritik und Längen, war ich doch schon neugierig, wie es für die Beteiligten ausgehen wird. Fazit:Die Summe aller Möglichkeiten hat eine interessante Thematik beinhaltet, die leider in der Umsetzung recht zäh, langatmig und ermüdend geraten ist. Dieses Buch sollte man mit voller Aufmerksamkeit lesen, möchte man nicht den Faden verlieren.Von mir gibt es 2,5 von 5 Punkten.Vielen Dank an Klett Cotta für das Rezensionsexemplar.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1704
  • Olivier Adam - Die Summe aller Möglichkeiten

    Die Summe aller Möglichkeiten
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    11. July 2017 um 16:05

    Zweiundzwanzig Figuren, deren Wege sich im L'Estérel im Hinterland der Côte d'Azur kreuzen. Antoine, großes Fussballtalent, der jedoch an seinem unkontrollierten Temperament immer wieder scheitert und beruflich sowie im Privatleben nicht auf einen grünen Zweig kommt. Mit Baseballschlägern niedergeknüppelt und beinahe tot wird er ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Freund Jeff scheint etwas zu wissen, ist aber selbst vor Angst wie gelähmt. Antoines Schwester Louise hat andere Sorgen, sie will nicht mehr länger die Ersatzmutter für ihn spielen. Die Mutter seines Sohnes Nino, Marion, ist zwar in einer neuen Partnerschaft, kann jedoch die noch vorhandenen Gefühle für ihren Ex nicht leugnen. Im Krankenhaus liegt auch Paul, der gerade seine geliebte Hélène verloren hat, dabei wollte er doch mit ihr in den Tod gehen. Ebenso wie Léa, deren Eltern sie seit Monaten vergeblich suchten. Die Polizei hat viel zu tun, nicht nur der Überfall auf Antoine wirft Fragen auch, auch ein Einbruch und das mysteriöse Verschwinden gleich mehrerer Bewohner stellt sie vor Rätsel.Die Figuren geben sich buchstäblich den Staffelstab in die Hand. Nacheinander begegnen sie sich und erzählen ihre Geschichten und Sichtweisen. Antoine beginnt, bevor er an Marion übergibt, die bei ihrem Job im Hotel dem alten Ehepaar Paul und Hélène begegnet. So setzt sich die Geschichte fort, bis sie wieder mit Antoine beschlossen wird. Durch die unterschiedlichen Perspektiven ergeben die einzelnen Kapitel erst zusammen eine vollständige Geschichte."Das ist das Problem mit dem Leben, dachte Antoine. Dasjenige, das man hat, ist immer zu eng, und das, das man gerne hätte, ist zu groß, um es sich auch nur vorzustellen. Die Summe aller Möglichkeiten ist das Unendliche, das gegen null tendiert." Alle Figuren haben in ihrem Leben ihre Träume nicht verwirklichen könne. Sie haben Entscheidungen für und gegen etwas getroffen und sinnieren darüber nach, wie es auch, womöglich besser hätte sei. können. Zum Beispiel als erfolgreicher Fußballer, oder mit einem anderen Partner, oder ohne einen Schicksalsschlag. Das Leben, das sie ihres nennen, führt zu Frustration, Langeweile, Verzweiflung. Doch einen Ausweg gibt es nicht, sie haben nur das eine. Und andere Möglichkeiten bieten sich nicht mehr, dafür ist zu viel passiert. Neben einer Sozialstudie des gesellschaftlichen Randes, der Kriminellen, der Gescheiterten, derjenigen mit mehreren Jobs, um zu überleben, bleibt auch eine gewisse Spannung nicht aus, denn die Frage, was mit Antoine geschehen ist, wer ihn aus welchem Grund beinahe ermordet hätte, zieht sich durch das Buch, wenn sie auch nicht stringent verfolgt wird. Die Auflösung ist symptomatisch für das Leben der Figuren und daher ausgesprochen passend und logisch. Der Roman überzeugt aufgrund zweierlei Aspekte: die Form der Konstruktion ist ungewöhnlich und erfordert einen exakten Plan, um am Ende in dieser Weise aufzugehen und stimmig zu werden. Die Figurenzeichnung schafft die Balance, den einzelnen Charakteren eine Stimme zu verleihen ohne Mitleid zu erregen, obwohl die meisten in irgendeiner Form Verlierer sind, und ohne sie für ihr Leben zu verachten, auch wenn sie für vieles an ihrer aktuellen Situation selbst Verantwortung tragen. Alles in allem hat Olivier Adam erneut die hohen Erwartungen erfüllen können.

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  • Nachdenklicher, düsterer Roman

    Die Summe aller Möglichkeiten
    Fornika

    Fornika

    11. July 2017 um 15:05

    In einem französischen Touristenstädtchen an der Côte d‘Azur wird Antoine, der Spielemacher der örtlichen Fußballmannschaft bei seiner Arbeit auf dem Campingplatz zusammengeschlagen. Dieser Vorfall hat Auswirkungen auf die Leben seiner Bekannten, Freunde und Feinde. Olivier Adam hat mich mit seinem Roman fasziniert. Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer anderen Person geschrieben, jedes Kapitel liefert neue Einblicke in das Geschehen. Egal ob es sich dabei um Personen handelt, die Antoine sehr nahestehen oder ob es zufällig ausgewählte Touristen sind: jeder ist irgendwie in das große Ganze verstrickt. Der Autor verwebt diese einzelnen Episoden sehr geschickt, nach anfänglichen Schwierigkeiten findet man sich als Leser schnell zurecht. Man erkennt, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, denn quasi alle Figuren erleben gerade eine persönliche Krise, einen Schicksalsschlag. Somit ist der Ton meist eher düster und oft eher melancholisch. Die Unruhe und aufgewühlte Stimmung umrahmt der Autor mit einem Sturm, den er über das kleine Dorf ziehen lässt. Ein rundum gut durchdachter Plot. Sprachlich beschränkt sich Adam oft auf kurze Sätze, die umso prägnanter formuliert sind. Seine Szenarien wirken authentisch und geben eine ansprechenden Gesellschaftsstudie wider. Vom Stil her eher anspruchsvoll geschrieben, thematisch düster und nachdenklich machend, hat mich dieser Roman doch in der Summe sehr gut unterhalten.

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  • Tiefes Ausleuchten der Figuren und Beziehungen

    Die Summe aller Möglichkeiten
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    07. July 2017 um 13:43

    Tiefes Ausleuchten der Figuren und BeziehungenWie in „an den Rändern der Welt“ kommt auch in neuen Roman von Olivier Adam der „Gestrandete“, der, der „alleine steht“, von Frau (und Kind) verlassene Mann nicht zu kurz.In der Person Antoine´s. Eine lokale, leider aber nur provinzielle Fußballgröße, der zu sehr an seinem Temperament scheitert. Und dafür ordentlich vom Leben zurückbekommt. Austeilen und einstecken bestimmt dieses Leben.Einen Gegner auf dem Feld verprügelt, die Arbeit verloren, weil der Joint für ihn dazu zu gehören hat, die Lebensgefährtin ausgezogen (zu einem anderen), weil Antoine einfach nur das Bild eines stetig „herunterrutschenden Mannes“ zeigen kann. Das Kind mit ausgezogen und dann noch grün und blau geschlagen. Warum und womit das zusammenhängt und was das damit zu tun hat, dass, wie in einem Kriminalroman, einige Menschen einfach so „verschwinden“ und die Frage nach den Motiven dieser verschiedenen „Verschwindenden“ sich als ein roter Faden durch das Buch zieht. Ein roter Erzählfaden, den Adam nicht immer im Vordergrund hält. Vielmehr nutzt er die äußeren Ereignisse vor allem, um „die Summe aller Möglichkeiten“ von verglühenden, gestrandeten Leben, von jenem Leben „da unten“ (mit verschiedenen Hintergründen) Seite für Seite mit großer Ruhe und Tiefe darzustellen.Was Adam dabei für eine Bildkraft entwickelt und wie nahe er seinen vielen Figuren (und damit auch dem Leser kommt), das zeigt sich zu Beginn gar nicht so sehr bei Antoine oder Marion, seiner ehemaligen Lebensgefährtin (auch diese werden von Adam sorgfältig eingeführt und durch ihr Handeln in ihren Emotionen erkennbar), sondern vor allem im Kapitel über Paul und Helene. Ein alterndes Ehepaar am Rande des “Endes aller Möglichkeiten“.Intensiv kehrt Adam hier das Innere nach außen, kann schon einmal über anderthalb Seiten auf einen Punkt verzichten und damit fast atemlos beschreibende Relativsätze in hohem Tempo aneinanderreihen und eindringlich jene Melancholie und Traurigkeit damit setzen, die ein „leeres Haus“ hinterlässt, wenn die Kinder ausgezogen sind, „die Kleine“ auch schon 40 wurde und nur zu Feiertagen noch „echtes Lebens“ ins Haus zurückkehrt.Unprätentiös und dennoch tieftraurig, diese „Nabelschau“ vor allem Pauls, der den Tod seiner Helene kommen sieht, greifbar schon im Raum spürt.„“Die körperliche, fast animalische Vertrautheit einer Meute, eines Einzellers, von dem nur Spuren übrigbleiben, ein hartnäckiges Gefühl des Vermissens, das man kaschieren muss, eine Sehnsucht“.Bei allem, was das dann zweisame Leben noch an Genuss zu bieten hatte, dennoch, wie Paul erkennt, dass er sein „Alter“ oft und oft übertrieben vorgeschoben hat, um sich dem Leben zu entziehen und nun jede verlorene Sekunde bereut, das ergreift den Leser.Wie es Adam durchgehend gelingt, seine Personen in der Tief zu beschreiben und seelisch zu sezieren. Und damit auch ein gutes stückweit die moderne Welt seziert und abbildet, die schnell und hektisch ihren Gang geht, das Verbindende dabei aber leicht auf der Strecke bleiben kann und mehr und mehr auf der Strecke auch bleibt.Und natürlich gab es Wendepunkte, Kreuzungen in all diesen Leben, die Adam aus den verschiedenen Perspektiven heraus je kapitelweise erzählt. Momente, Situationen, in denen falsche Entscheidungen getroffen wurden und auch kleine Momente große Auswirkungen haben konnten.So entsteht eine durchgängig melancholische Atmosphäre, die sich hier und da zu breit über die Figuren legt und die Lichtblicke, Momente des „wieder Tritt Fassens“ und später auch der möglichen guten Verbindungen überlagert. Ebenso braucht es für den ein oder anderen Leser wohl auch Pausen bei der Lektüre. Denn aufgrund der ruhigen, langsamen Erzählweise und der eher schleppend vonstattengehenden Entwicklung der äußeren Ereignisse muss die Vielzahl der Informationen über die Personen und Beziehungen hier und da auch einfach erst einmal sinken, um bei diesen vielen auftretenden Personen nicht auch den Überblick zu verlieren.Insgesamt ein beeindruckender Roman über das langsame „Aussieben“ von Menschen in der modernen, auf Effizienz getrimmten Welt, in dem die Kräfte weniger und weniger werden, um den eigenen Kopf dauerhaft über Wasser zu halten.

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  • Die Summe aller Möglichkeiten

    Die Summe aller Möglichkeiten
    dubh

    dubh

    02. July 2017 um 18:59

    'Das ist das Problem mit dem Leben, dachte Antoine. Dasjenige, das man hat, ist immer zu eng, und das, das man gern hätte, ist zu groß, um es sich auch nur vorstellen zu können. Die Summe aller Möglichkeiten ist das Unendliche, das gegen Null tendiert.'Olivier Adam legt mit "Die Summe aller Möglichkeiten" einen komplexen, fast demoralisierenden Roman vor, der mehr als Studie einfacher Menschen zu verstehen ist. Und das ist keinesfalls negativ gemeint. Aber der Reihe nach.Die Geschichte startet mit Antoine, einem nicht mehr ganz jungen Mann, der sich jedoch schwer tut, erwachsen zu werden. Er setzt in seinen Augen alles daran, mit seiner Leidenschaft Fußball erfolgreich zu werden. Am Tag nach einem Fußballspiel, in dem eine Kopfnuss einen Rolle spielte, wird Antoine halbtot gefunden - sein Kopf mit einem Baseballschläger zertrümmert...Doch Antoine ist nur der Anfang, denn Olivier Adam erzählt noch von weiteren Personen, die allesamt Bewohner desselben Badeortes sind und mehr oder weniger mit dem schwer verletzten Fußballspieler zu schaffen haben. Der Ort an der französischen Küste zieht die Schönen und Reichen an, doch die Personen, die wir kennenlernen, stehen auf der anderen, der Verliererseite.Olivier Adam zeigt ein Frankreich, in dem der Front National teilweise sehr einfaches Spiel hat, da die Bevölkerung durch und durch frustriert ist - wenn nicht gar noch Schlimmeres. Menschen, denen ein Vollzeitjob nicht genügt, um sich über Wasser zu halten. Menschen, deren Kinder von Anfang an dazu verdammt zu sein scheinen, ein Leben in der zweiten Reihe zu leben, da sie sich eine ausgezeichnete Bildung gar nicht leisten könnten. Menschen, die sich abgehängt und nicht verstanden fühlen. Menschen, die sich in einer kontinuierlichen Abwärtsspirale befinden."Die Summe aller Möglichkeiten" ist wahrlich kein leicht zu lesender Roman. Der Stoff ist düster, der Stil anspruchsvoll. Ich musste mich an der ein oder anderen Stelle motivieren, weil mich die Geschichte der Figuren bedrückt hat und ich stellenweise fast keinen Ausweg mehr gesehen habe. Aber es gibt eben auch keinen aus diesem Roman, den ich als wichtig erachte. Er zeigt auf, was eine Wirtschaftskrise und das ständige Abstrampeln im täglichen Hamsterrad mit Menschen machen... Wir müssen dringend Lösungen finden, damit sich diese Menschen nicht abgehängt fühlen, Ressentiments entwickeln und der restlichen Gesellschaft eins auswischen wollen. Zum Glück konnte ich mich dann an Emmanuel Macron und den vielleicht reichlich übertriebenen Optimismus erinnern - das ist doch zumindest etwas, oder? Mit der aktuellen Situation lässt sich doch was anstellen! Ich mag gar nicht daran denken, was mit Marine Le Pen passiert wäre...Olivier Adam zeigt mit diesem Roman etwas sehr Wichtiges: jedes Leben ist wichtig, jedes Leben ist irgendwie interessant. Und so ergeben die über 20 Puzzleteile einzelner Leben ein großes Ganzes. So wie eine Gesellschaft die Summe all ihrer Menschen ist.

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