Olivier Adam Nichts was uns schützt

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Inhaltsangabe zu „Nichts was uns schützt“ von Olivier Adam

Marie lebt mit ihrem Mann, einem Schulbusfahrer, und ihren beiden Kindern in einer nordfranzösischen Vorstadt. Früher war sie Kassiererin im Supermarkt, jetzt ist sie Hausfrau und lebt selbstverloren vor sich hin, zunehmend zermürbt durch ihr eintöniges Leben. Eines Tages wird sie durch Zufall auf ein Flüchtlingslager aufmerksam, sie schließt sich den freiwilligen Helfern an und teilt an Asylbewerber Essen aus. Mehr und mehr vernachlässigt sie ihre Familie, sie wird zu einer Aktivistin der Gestrandeten und gerät mit der brutalen Polizei in Konflikt. Denen, die gar nichts haben, gibt Marie alles. Und droht schließlich, ihre Kinder, ihren Mann und sich selbst zu verlieren. Olivier Adam hat mit »Nichts was uns schützt« ein kraftvolles und einfühlendes Buch geschrieben.

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  • Ein wichtiges Buch!

    Nichts was uns schützt
    CosmoKramer

    CosmoKramer

    20. January 2017 um 22:01

    Eine Mutter, welche ihren Job als Kassirerin in einem Supermarkt verloren hat, findet sich perspektivlos als Hausfrau wieder. Solange bis sie in der Flüchtlingshilfe Fuß fast und mithift. Ihr Engagement für Flüchtlinge bringt Eheprobleme mit sich. Nicht nur mit ihrem Mann nein auch mit ihren Kindern bekommt sie Stress und droht diese zu verlieren. Und trotzdem steigert sie sich mehr und mehr in ihre soziale Hilfsbereitschaft hinein bis es schlieslich eskaliert. Durch zufall bin ich in der Bücherei auf dieses Werk aufmerksam geworden. Da ich nicht wusste was ich ausleihen sollte, griff ich einfach blind ins Regal und zwang mich das Buch das ich rauszog mitzunehmen. Also dieses. Und ich wurde nicht enttäuscht. Dieses Werk behandelt ein wichtiges Thema. Es ist aktuell und wird es wohl auch für eine sehr lange Zeit bleiben. Durch seine Kürze von nur etwas mehr als 200 Seiten ist es sehr intensiv. Die Handlung ist sehr dicht und zeigt keine unnötigen längen. Sprachlich ist es gut zu lesen, da es eine spannende Story erzählt, welche mitreist und fesselt. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und sind auch sehr tief beschrieben. Alle Hauptpersonen zeigen ein sehr intensives Gefühlsleben geprägt durch ihre Handlungsweisen. Gerade dies ist ein echtes Plus dieses kleinen Romans. Die Handlungsweisen sind Nachvollziehbahr und fühlen sich echt an. Genauso könnte es sich tatsächlich in der grossen weiten Welt irgendwo abspielen. Das Buch regt zum Nachdenken an und beschäftigt auch nach beendigung noch eine Zeitlang. Aktuelle Medienberichte in Ferneshen oder Zeitungen, zu diesem Thema, rütteln Erinerrungen an dieses Buch wach. Ich kann, nein muss, dieses Buch empfehlen, da es ein wichtiges Thema behandelt, welches ja auch unseren diesjährigen Wahlkampf bestimmt. Einwanderung und Flüchtlingspolitik beschäftigt unser Land gerade wie noch nie zuvor und ein jeder von uns hat dazu eine Meinung, da ein jeder von uns beruflich oder privat oder beides, damit konfrontiert wird. Dieses Buch lädt wunderbar zum diskutieren ein. Es ist grosse Kunst im kleinen!

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  • Rezension zu "Nichts was uns schützt" von Olivier Adam

    Nichts was uns schützt
    pinketuerklinke

    pinketuerklinke

    15. August 2010 um 19:33

    Marie lebt mit ihrer Familie in einer Stadt in Nordfrankreich. Nachdem sie ihre Arbeit als Kassiererin verloren hat, lebt sie als Hausfrau selbstverloren und ohne konkrete Ziele vor sich hin. Ihr eingängiges Leben greift ihr Seelenheil immer stärker an. Durch Zufall kommt sie an einem Flüchtllingslager vorbei und schließt sich den Helfern an. Sie wird zu einer aktiven Kämpferin für die Asylanten, gerät mit der örtlichen Polizei in Konflikt und vernachlässigt ihre Familie noch mehr. Sie gerät in einen Sog in dem sie alles zu verlieren droht, ganz besonders sich selbst. Maries tatsächlicher Zustand am Beginn des Buches steht im Widerspruch zu dem Bild, was der Klappentext von ihr vermittelt. Sie ist keine „einfache Frau, die an ihrem aufopferungsvollen Engagement für illegale Immigranten zerbricht“. Vielmehr wird schnell deutlich, dass die Auswirkungen ihrer Aktivität nur Tropfen auf den heißen Stein sind. Sie leidet schon längere Zeit an einer schwerwiegenden Psychose, im Grunde genommen ist sie schon zu Beginn der Erzählung eine gebrochene Persönlichkeit, die dringend Hilfe benötigt. Der Autor beschreibt Maries Gedankengänge unglaublich eindrucksvoll und plastisch. Stakkatoartige, teilweise atemlose Sätze ohne Kommata lassen den Gedankenfluss der Ich-Erzählerin sehr real wirken. Es gibt so viele denkwürdige Stellen an denen man immer wieder durch die Intensität der vermittelten Eindrücke die Luft anhalten muss, dass man sie gar nicht alle notieren kann. Marie lebt in keinem guten Umfeld für eine psychisch labile Frau. Sie fühlt sich nutzlos, unwichtig. Manchmal hat man den Eindruck, dass sie gar nicht richtig in der Realität anwesend ist und alles durch eine Art Nebel sieht. Die Hilfsarbeit wird für sie zu einem Ersatz, sie fühlt sich endlich wieder gebraucht. Aber anstatt das er ihre Probleme löst, macht dieser Einsatz alles nur noch schlimmer. Adam zeichnet ein umfassendes Bild von Maries Leben, ihrer verwirrten Mutter, dem frühen Tod ihrer Schwester. Der Leser lernt also einzelne Details aus Maries Leben kennen, die zu ihrem psychischen Problem beigetragen haben könnten und verwendet dabei mehr als deutliche Worte. „Nichts was uns schützt“ hat mich sehr aufgewühlt und ich war erschreckt übern den unglaublichen Hass den die Bevölkerung im Roman den Flüchtlingen gegenüber hegt. Adams Darstellung von Maries Kindern haben mich immer wieder zu Tränen gerührt. Auch in der realen Welt spüren und verstehen Kinder viel mehr als man manchmal glaubt. Das Buch hat mich sehr betroffen gemacht und ich hatte, nachdem ich es fertig gelesen hatte, Probleme einzuschlafen, weil mich Maries Leben so beschäftigt hat.

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  • Rezension zu "Nichts was uns schützt" von Olivier Adam

    Nichts was uns schützt
    HeikeG

    HeikeG

    11. March 2009 um 18:55

    Die kümmerlichen Regungen des Lebens . Tragödien aller Art bestimmen zunehmend die Berichterstattung der Medien und damit unseren Alltag. So konnte man in den letzten Monaten immer wieder Artikel über den "Dschungel von Calais" lesen. Hier auf der französischen Seite des Ärmelkanals, wo das verlockende England nur 30 km entfernt liegt, strömen sie zusammen - Auswanderer aus der Armut, Flüchtlinge vor Krieg und Elend, Hoffnungsvolle, die ein besseres Leben in Europa suchen: Pakistanis, Afghanen, Kurden, Afrikaner. . Halbe Kinder sind teilweise darunter, auf die Reise geschickt von ihrer Familie, die darauf vertraut, dass sie sich durchschlagen und irgendwann Geld nach Hause schicken. Sie haben wochen- und monatelange Strapazen hinter sich. Sie sind hager und misstrauisch geworden. Sie wollen nach England, weil es dort angeblich einfacher ist, schwarz zu arbeiten. Viele haben bereits Kontakt zu Landsleuten, die es nach Großbritannien geschafft haben. Wer sich auf einen Lastwagen schmuggeln will, muss eine nicht unerhebliche Summe Geld an einen Schlepper zahlen, der wiederum die Lastwagenfahrer besticht. . Aber die Grenze ist eine der am besten gesicherten in Europa. Der Hafen von Calais ist mit seinen 2,50 Meter hohen Stacheldraht- und Elektrozäunen und zahlreichen Kameras kaum noch erreichbar. Die Lastwagen werden mit hochsensiblen Geräten überprüft, die Herzschläge entdecken oder den CO2-Gehalt messen, der menschlichen Atem verrät. . Diesem Thema hat sich der vielfach preisgekrönte französische Schriftsteller Olivier Adam, der bereits mit "Am Ende des Winters" den Prix Goncourt für Jugendliteratur erhielt und mit seinem Debüt in der zeitgenössischen Belletristik, seinem letzten poetisch, starken Text "Klippen" 2005 auf der Liste der vier Finalisten stand, in seinem neuestes Buch "Nichts was uns schützt" angenommen. . Als fragiles, bindendes Glied zwischen den Migranten und der immer wieder brutal agierenden französischen Polizei hat Adam die zerbrechliche Marie, eine psychisch labile, junge Frau, gesetzt. Durch Zufall wird sie eines Tages auf ein Flüchtlingslager aufmerksam und schließt sich als freiwillige Helferin an. Indem sie Essen und Kleidung an die illegal Eingereisten austeilt, findet die bis dato ziel- und antriebslos in den Tag hinein lebende, depressive Hausfrau ("ein pappiger Film aus Alltag und Ärger überzog alles um uns herum [...] machen wir uns nichts vor, für die wenigsten Leute hat das Leben viel mehr zu bieten.") Halt und so etwas wie innere Bestätigung und einen Lebenssinn ("... das alles hatte für mich eine verborgene Bedeutung, einen unerklärlichen Sinn. Etwas Ernstes, Entscheidendes, das ich nicht greifen konnte."). Doch zunehmend verliert sie in der Hilfe für diese Gestrandeten die Kontrolle über sich und vernachlässigt ihre Familie (ein Ehemann und zwei Kinder) mehr und mehr. . Wie schon in seinem letzten Roman "Klippen" berichtet ein Ich-Erzähler - hier in Gestalt der Protagonistin Marie - in einem lückenhaften Fluss der Erinnerungen von seinen Gedanken, Erlebnissen und Empfindungen. "Das Leben hatte Wände hochgezogen um uns herum, dahinter lief etwas vorbei, uns reichte es gerade noch, den Kopf in den Nacken zu legen, uns zu recken und ein ganz vages Bild zu erhaschen von dem, was uns entging, was wir hier verpassten. Ich weiß nicht, was. Wahrscheinlich nur etwas, das doch von vornherein gar nicht für uns bestimmt gewesen wäre." . In seiner typisch einfachen, aber wunderschönen Diktion - schnörkellos-karge, klare, von Zeit zu Zeit stakkatoartige Sätze ohne Punkt und Komma, in beinahe puristischem Stil - skizziert Olivier Adam seine Figuren. Eine simple Linie, ein Strich genügt zur Beschreibung einer Situation von ungeheurer Dramatik. Diese feinfühligen, intelligenten, doch niemals "pathosgetränkten Bilder" und rührseligen Dramatisierungen der seelischen Disharmonien Maries, die nahe am Wahnsinn gelagert sind ("Ich fühlte mich alleine und verloren, von innen durchgefroren, völlig, unterkühlt") oder aber der zeitweise brutalen, düsteren Skizzierung der Flüchtlingsleben, wechseln sich mit Passagen atmosphärisch dichter Landschaftsbeschreibungen, der rauen, aber eindrucksvollen Küste ab. So entstehen vor dem inneren Auge des Lesers Bilder, Porträts und Landschaften, die man fast atmen und schmecken kann. Und immer wieder das Meer als zentrales Element, als Magnet im Roman: "ein Gefühl des Verlorenseins. Des Versinkens. Eine Sintflut. Das Ende der Welt." . Oliver Ilan Schulz wiederum ist es mit seiner Übersetzung aus dem Französischen großartig gelungen, diese beinahe visuelle, ungeheuer eindrucksvolle und nachhaltige Sprache des Autors dem deutschsprachigen Publikum ohne Verlust zugängig zu machen. . Fazit: Gewalt, Depression, Migration, Hilfe, Verzweiflung und Desillusionierung sind die Themen in Olivier Adams neuem Roman "Nichts was uns schützt". Erneut legt der vielversprechende junge französische Autor ein Buch über die Schwächsten vor, Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und die die Härte des Lebens besonders schwer trifft. Bedrückende, dunkle, aber ungeheuer substanzhaltige, großartige Literatur.

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