Olivier Bourdeaut Warten auf Bojangles

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Inhaltsangabe zu „Warten auf Bojangles“ von Olivier Bourdeaut

Sie tanzen zu »Mr. Bojangles«, sie mixen sich Cocktails, gemeinsam mit ihrem Sohn reisen sie in ihr Schloss nach Spanien. Sie ist charmant und charismatisch, nimmt alle für sich ein mit ihrer extravaganten Art. Georges liebt sie hingebungsvoll, die beiden feiern das Leben, wann immer es geht, denn sie kennen auch seine dunklen Momente: Georges' schillernde Frau ist manisch-depressiv. Als diese bittere Wahrheit ihr Paradies zu zerstören droht, entführen Vater und Sohn die Frau, die sie lieben, kurzerhand aus der Psychiatrie. In einem englischen Oldtimer nehmen sie Kurs auf Spanien, in der Hoffnung, dort so weiterleben zu können wie bisher. - »Warten auf Bojangles« ist eine originelle und literarische Liebesgeschichte aus Frankreich, traurig und schön zugleich, leichtfüßig erzählt und mit Tiefgang.

Ein leichtfüßiger und tiefgründiger Roman der sich hervorragend als Sommerlektüre eignet.

— Belladonna

Ein Buch über eine wundervolle Beziehung. Ab der Hälfte hat es mich gepackt. Wieso all dem Wahnsinn in der Welt nicht im Wahn begegnen?

— Avatarus

Ein Schelmenroman mit ernstem Hintergrund. Schon nett, wenn man Exaltiertheit und skurril mag, mein Fall ist es aber nicht so richtig.

— wandablue

Trotz tragischer Geschnissen ein Gute-Laune-Buch

— hexhex

Irgendwie war mir das zu exaltiert. Handlung und Geschichte haben durchaus Potenzial- aber irgendetwas hat mir gefehlt....

— naninka

Man verspürt die Sehnsucht sein Leben so zu leben, wie diese Familie.

— KoschkaR

Anfänglich durch wechselnde Perspektive verwirrend, danach wusste ich was kommen wird. Für mich zu bemüht und anstrengend.

— JuliB

Zart und verträumt, stark und traurig: Ein kleines Buch mit besonderer Magie.

— TinaLiest

Die wahre, reine, unvoreingenommene Liebe ?? Gibt es die ?? Ja- dieser Roman beweist es..

— orchidee25

Ich musste lachen, musste weinen. Ein wundervolles Buch über die eine große Liebe, die doch jeder einmal in seinem Leben zu finden hofft.

— LibriHolly

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  • Inspiration aus dem Verrückten

    Warten auf Bojangles

    Gwhynwhyfar

    06. December 2017 um 14:37

    Der erste Satz: »Vor meiner Geburt, hatte mir mein Vater erzählt, sei er mit einer Harpune auf Fliegenjagd gegangen.«Ein Sohn liebt seine Mutter, ein Mann liebt seine Frau, eine verrückte Familie. Der Roman berichtet abwechselnd aus der Sicht von Vater und Sohn über diese Frau, Nina, die Ehefrau, die Mutter. Ein schräges, verrücktes Buch mit viel Humor und Traurigkeit. Schnell merkt man, diese Frau ist anders, exzentrisch, abgerückt von dieser Welt, sie tut, was sie muss, was sie will. Nina siezt ihren Ehemann, ihren Sohn, verlangt, immer neue Vornamen, mehr als zweimal hintereinander darf der Gleiche nicht genannt werden. Das Leben ist eine Party, Nina trinkt den ganzen Tag lang Cocktails und Champagner. Das Haustier ist ein Jungfernkranich namens Taugenichts, der durch die Räume stolziert. George verdient viel Geld in der Automobilbranche, ist wenig zu Hause. Sie wohnen großzügig, es gibt ein weiteres Domizil in Spanien für den Urlaub. Nina möchte aber, dass George zu Hause ist. Sie findet, arbeiten sei eine unnütze Tätigkeit.»In der Schule lief alles schief, wirklich alles, für allem für mich. Wenn ich dort von zu Hause erzählte, glaubten mir weder die Lehrerin noch meine Kameraden, also log ich verkehrt herum.«Der Sohn wird von den Eltern unterrichtet, denn er kommt in der Schule nicht klar. Berichtet er von zu Hause, lachen alle, drum erzählt er dort Lügen, über eine normale Mutter und zu Hause erfindet er Märchen über die Schule, weil die Realität die Mutter irritiert. Doch irgendwann reicht es nicht mehr, umgekehrt zu lügen …»Vater sah zu, wie sie ruhig lächelnd auf die Fragen antwortete, und nahm meine Hand, damit ich ihn nicht alleine ließe. Sein Blick war matt. Die Feuerwehr hatte restlos alles erstickt und gelöscht, auch das Leuchten in seinen Augen.«George bleibt zu Hause und es werden noch mehr Partys gefeiert und es passieren noch mehr verrücktere Dinge. Man weiß ziemlich schnell, dass Nina nicht einfach exzentrisch ist, man merkt, sie hat psychische Probleme, ich vermutete beim Lesen eine Form der Psychose. Und irgendwann ist es soweit: Nina hat einen Zusammenbruch. »Im Flur ließ Maman ihre hohen Schuhe von den Füßen an die Decke fliegen und klaute mir ihre Bommelmütze, um mit mir Walzer zu tanzen. Ihr Seidenschal streichelte mein Gesicht, ihre Hände waren weich und warm, man hörte nur ihren Atem und das rhythmische Klatschen von Papa, der uns selig lächelnd folgte.«Sprachlich passt sich der Roman der wohl manisch depressiven Mutter an, beschwingt, euphorisch, was kostet die Welt, was gehen mich die anderen an?, atemlos in Feierlaune, bis hin zu traurig-depressiven Stimmungen, die den Leser fast zum Weinen bringen. Ein »Gefühlsroman«, der einen Sog beim Lesen entwickelt, ein Gespür zu finden für alles Verrückte auf der Welt, es zuzulassen, sich hineinfallen zu lassen, Verrücktes als normal zu sehen. Aber genau an den Punkten, wo die Familie aufklatscht, schnappt man auch als Leser nach Luft. Nichts Aufgesetztes, kein Kitsch.»Auf dem Gang waren viele Leute, die von außen vollmöbliert und völlig normal wirkten, innen aber fast leergeräumt waren.«Mich hat mich das Buch gepackt, voll begeistert in seiner Verzauberung und seinem Ausdruck. Doch am Ende ließ es ein wenig mich ratlos zurück. Nehmen wir den Roman als ein modernes Märchen, dann ist alles gut. Fange ich an nachzudenken, dann merke ich, einer der beiden Erzähler konnten mich nicht wirklich berühren. Die Affenliebe, des Ehemannes gegenüber Nina, ist irreal. Der Sohn liebt die Mutter, was sonst, sie hat etwas Zauberhaftes für das Kind. Das bringt in der realen Welt allerdings viel Probleme mit sich. Und genau darum isoliert sich die Familie. Den Ehemann konnte ich so gar nicht greifen. Es gibt den Protagonisten mit Namen Schuft, der beste Freund vom Vater, ein Senator aus Frankreich, der dem Vater zu seinem kometenhaften Erfolg verholfen hatte, eine Figur, die mir ein Rätsel bleibt. In der Andeutung liegt die Stärke. Hier ist mir allerdings ein wenig zu viel angedeutet. Ein lesenswertes Buch, sprachlich, entrückt, verrückt … sprachlich ein Zuckerwerk.Dieses Erstlingswerk aus einem kleinen Verlag wurde in Frankreich ein Bestseller, gewann diverse Preise und wurde bereits in zwanzig Sprachen übersetzt.

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  • Verträumt, tragisch, traurig - so viele Gefühle in einem Buch!

    Warten auf Bojangles

    TinaLiest

    18. September 2017 um 13:58

    Hach, dieses Buch ist ein kleiner Goldschatz. „Warten auf Bojangles“ fasst etwa 170 Seiten, diese Seiten haben es aber in sich. Es wird die Geschichte eines Ehepaares erzählt, vorwiegend aus der Sicht deren Sohnes. Von Anfang bis Ende erfährt man von der verrückt-chaotischen Liebe der beiden, von Tanzabenden und Märchengeschichten, von Verrücktheiten und aberwitzigen Ideen. Die beiden machen sich ihr Leben, wie es ihnen gefällt und man kommt als Leser nicht umhin, völlig von den beiden in ihren Bann gezogen zu werden. Doch in die schon eher kitschige Geschichte platzt bitterer Ernst: Demenz. Von da an wird es noch exzessiver, noch wilder im Leben der beiden und ihren Sohn, doch die schlechten Momente fangen an zu überwiegen. Die Geschichte ist verträumt, ein bisschen naiv, und hoffnungslos romantisch. Doch gleichzeitig ist sie stark, tragisch und traurig. Diese ganze Bandbreite an Gefühlen – negativ wie positiv – durchleben dabei nicht nur die Hauptpersonen, sondern auch die Leser. Man schmunzelt, man lacht und man muss vielleicht auch das eine oder andere Tränchen verdrücken. In jedem Fall ist „Warten auf Bojangles“ ein Büchlein, das einen unbeschreiblichen Zauber in sich hat, etwas märchenhaftes und zartes, das aber gleichzeitig stark und eigenwillig ist. Ein bisschen wie die Romane von Mamen Sánchez, nur mit mehr Tiefgang. Zum Blogartikel mit noch mehr Buchempfehlungen auf Revolution, Baby, Revolution.

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  • Meine Rezension zu "Warten auf Bojangles"

    Warten auf Bojangles

    Belladonna

    14. August 2017 um 08:48

    Beschreibung George und seine außergewöhnliche Frau, die jeden Tag mit einem neuen Namen begeht, leben ein schillerndes Leben voller Tänze, Cocktails und funkelnder Abende im Kreise illustrer Freunde. Mitten in diesem bunten Paradies fühlt sich ihr Sohn pudelwohl. Doch genau wie in ihrem Lieblingssong »Mr. Bojangles« verbirgt sich hinter dem fröhlichen Anstrich eine dunkle und deprimierende Seite. Georges Frau ist schwer krank und wird in die Psychiatrie eingewiesen. Als sich die Lage verschlimmert wagen Vater und Sohn unter Anleitung der geliebten Frau und Mutter eine Befreiungsaktion, welche sie schließlich in ihr Wolkenschloss nach Spanien führt. Meine Meinung Dieses gelb leuchtende Cover mit einem Tanzpaar darauf hat mich sofort angesprochen. Die Rede ist von Olivier Bourdeauts Debütroman „Warten auf Bojangles“. Bereits der Klappentext verspricht ein außergewöhnliches Leseerlebnis und genau dieses Gefühl macht sich schon nach den ersten gelesenen Seiten bemerkbar. "Seine Geschichte war wie seine Musik: schön, traurig und zum Tanzen." [Seite 20 (epub Version)] In seinem Erstlingswerk erzählt Olivier Bourdeaut eine berührende Liebesgeschichte der anderen Art. Dabei werden die Ereignisse sowohl aus der Sichtweise des Sohnes, wie auch aus der Sichtweise des Vaters (George) beleuchtet. Hintergrund der Story ist ein kurios gezeichnetes Leben mit einer Mutter die ihren Sohn siezt und einem Vater der sich mit Lügengeschichten auskennt wie sonst keiner. Die Kindheit des Jungen ist dementsprechend in keinster Weise normal, jeder Tag bietet eine Vielfalt an neuen Möglichkeiten – man kommt sich vor wie in ein Kaleidoskop geraten. "Ich sagte mir, dass mir selbst einige Tassen im Schrank fehlten und ich vernünftigerweise nicht einer Frau verfallen sollte, die gar kein Geschirr mehr im Schrank hatte, dass unsere Beziehung die eines Einbeinigen mit einer Gliederlosen wäre und dass diese Verbindung nur hinken und sich tastend in unvorhersehbare Richtungen bewgen könnte." [Seite 27 (epub Version)] Während des Handlungsverlaufs spürt man deutlich, dass sich der kleine Junge weiterentwickelt und durch viel Liebe und Zuwendung zu einem rechtschaffenen Menschen heranwächst. Dieser junge Mensch versteht es dann auch mit der schwierigen Situation, die das Leben für ihn bereit hält, umzugehen. Eine Kernaussage der Geschichte kommt hier ganz deutlich zum tragen – mit Liebe und gegenseitiger Zuneigung ist alles möglich. "Zu Hause log ich richtig herum, in der Schule verkehrt herum, für mich war es kompliziert, aber für die anderen einfacher." [Seite 29 (epub Version)] Mit Leichtigkeit und Humor erzählt Olivier Bourdeaut eine geistreiche Familiengeschichte, die völlig bezaubernd und zugleich herzzerreißend dramatisch ist. Tänzelnd und mit Musik im Ohr schwebt man durch die Buchseiten bis einem der Hintergrund und die Tiefe der Geschichte bewusst werden. „Warten auf Bojangles“ ist für mich ein kleines Kunstwerk das sich vor allem durch seinen originellen Stil auszeichnet. Fazit Ein leichtfüßiger und tiefgründiger Roman der sich hervorragend als Sommerlektüre eignet.--------------------------------------------------------- © Bellas Wonderworld; Rezension vom 14.08.2017

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  • Zu bemüht!

    Warten auf Bojangles

    wandablue

    20. July 2017 um 21:55

    Zu bemüht! Der Roman erzählt von der Konsequenz unbedingter Liebe und hat einen zärtlichen Zungenschlag. Oder einen gewollt naiven. Oder einen zu süßlichen! Erzähler ist ein Knabe, der mit seinen geliebten Eltern ein von Konventionen losgelöstes Leben führt. Es ist eine tragische Geschichte, die ein lustiges Gewand trägt. Es ist die Absicht des Autors, Lebensfreude und Verzweiflung in Übereinstimmung zu bringen. Ich pfeife auf das Schicksal, möchten die Protagonisten schreien, aber natürlich kann das keiner. Der gleichnamige Titel von Nina Simones Song „Mr. Bojangels“ gibt dem Roman seinen Namen. Er ist und bleibt seinem Genre nach ein Schelmenroman und will auch gar nichts anders sein. Schelmenromane tragen dick auf. Sie haben so viel Schminke auf den Seiten. Das muss man mögen. Die maßlosen Übertreibungen, die seinem Wesen entsprechen, amüsieren mich aber nicht, ich finde sie anstrengend und ermüdend. Vielleicht sogar dem behandelten Thema unangemessen. Fazit: Ein Schelmenroman. Sein stimmiges Ende versöhnt etwas mit seiner Exaltiertheit, insgesamt ist mir die Geschichte jedoch viel zu bemüht und gekünstelt. Kategorie: SchelmenromanVerlag: Piper, 2017

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  • Tanz durchs Leben

    Warten auf Bojangles

    YukBook

    03. July 2017 um 18:04

    Dass Franzosen wissen, wie man das Leben genießt, ist allseits bekannt. Georges und seine Familie setzen in dem Roman von Olivier Bourdeaut noch eins drauf: Ihr Leben besteht aus rauschenden Parties, Cocktails und unterhaltsamen Lügengeschichten in illustrer Gesellschaft. Vergnügen, Leidenschaft und Tanz bestimmen ihren Alltag. Die passende Melodie liefert die Sängerin Nina Simone mit ihrem mehrfach gecoverten Lied „Mr. Bojangles“. Es ist die einzige Platte, die in Georges Haus rauf und runtergespielt wird – ein Song, der so fröhlich und zugleich traurig ist wie Maman, heißt es an einer Stelle. Die Geschichte wird nämlich hauptsächlich aus der Perspektive des Sohnes erzählt, abwechselnd mit ein paar Passagen aus der Sicht des Vaters. So erfahren wir, dass Maman jeden Tag anders heißt: nach Lust und Laune mal Marguerite, mal Renée, dann Henriette, Marilou oder Josephine. Georges, der seine extravagante Frau über alles liebt, tut alles, damit sie ihre Verrücktheiten ausleben und ihre manisch-depressiven Phasen bewältigen kann. Die Familie samt exotischem Vogel lebt in ihrer eigenen Welt. Sie siezen sich und haben für sich entschieden, jegliche Konventionen zu ignorieren. Ihre Lebensfreude ist so entfesselnd und ansteckend, dass man am liebsten immer weiter mit dieser Familie durchs Leben tanzen möchte. Als die Mutter in ihrem Wahnsinn zu weit geht, nimmt die Geschichte jedoch einen tragischen Lauf. Poetisch, gefühlvoll und leichtfüßig erzählt der Autor von einer Liebe, die sich durch nichts erschüttern lässt, und hangelt sich geschickt entlang der Grenze zwischen Euphorie und Verzweiflung, zwischen Höhenflug und Absturz. Die erstaunliche Erfolgsgeschichte von Olivier Bourdeaut, der nach unterschiedlichsten Berufen zuletzt arbeitslos war und in nur sieben Wochen diesen Roman verfasst hat, bietet Stoff für einen eigenen Roman. Sein Debütwerk avancierte zum Bestseller, gewann viele renommierte Preise und wird in zwanzig Sprachen übersetzt.

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  • Aufrichtig geliebt

    Warten auf Bojangles

    Bri

    05. May 2017 um 12:14

    „Ein paar Cocktails, einen Tanz, eine wahnsinnige Frau mit Federhut, mehr hatte es nicht gebraucht, um mich verrückt zu machen nach ihr, die mich einlud, ihren Wahnsinn mit mir zu teilen“ Ob es sie gibt, ob man an sie glaubt, an die Liebe auf den ersten Blick, das hängt wohl davon ab, ob man die Wucht der schier unentrinnbaren Anziehungskraft eines Menschen schon jemals ausgesetzt war. Unzweifelhaft gibt es allerdings Menschen, denen man sich nicht entziehen kann, die einen in den Bann schlagen, egal, was sie tun. Sie sind Dreh- und Angelpunkt vieler nicht nur erfundener Geschichten. Sie funkeln und glitzern, sind geistreich und amüsant, unterhaltend und ruhelos, immer in Bewegung – in ihren guten Phasen. Doch ebenso sehr, wie sie zu Höhenflügen ansetzen, können sie unvermutet den Sturzflug antreten – und andere mit sich reißen. Ungewollt. Es liegt einfach in ihrer Natur und ist weder manipulativ noch vorher geplant, es passiert. Denn obwohl sie uns vermeintlich so normalen Menschen zumindest anders, häufig aber leicht ver-rückt  – neben sich sozusagen – erscheinen, sind sie wohl einfach ungehemmt authentisch. Das was man heute als bipolare Störung oder manisch – depressiv veranlagt bezeichnet ist ihre Lebenswirklichkeit. Die Intensität ihrer Gefühlswelt gleicht der eines offen liegenden Nervs, der ständig Reizen ausgesetzt ist. Ein verzweifelter Tanz im Gefängnis. Nach meiner Vorstellung ist das zumindest eines: äußerst anstrengend. Olivier Bourdeauts Debutroman Warten auf Bojangles erzählt von den Menschen, die – wie Mr. Bojangles im gleichnamigen Song – versuchen, ihre Traurigkeit weg zu tanzen und von den Menschen, die mit ihnen tanzen, weil sie sie lieben. Beschäftigt man sich ein wenig mit dem titelgebenden Song und dessen Aussage, kann man nur staunen, wie klug und liebevoll detailliert Bourdeaut seinen Erstling konzipiert hat. Der Roman – der eigentlich nicht nur einer ist, sondern wie eine Matrjoschka nach dem Öffnen noch eine weitere enthüllt – wird zu Beginn aus der Sicht des Sohnes von Georges und dessen Frau geschildert. Für ihn, den Sohn, ist das Leben zunächst wunderbar. Bunt und lustig, ungewöhnlich aber wahr. Seine Mutter, die sich tatsächlich ganz anders verhält als andere Mütter, die ihm beibringt andere Personen zu siezen, wie sie es auch tut, hat einfach immer die besten, wenn auch häufig verrückte Ideen. Nie scheint sie still zu stehen. In der Wohnung der Familie geben sich die Gäste die Türklinke in die Hand und auch ein wieder aufgepäppelter Kranich fand hier sein Zuhause. Die Gesellschaften sind illuster, hat Georges doch aus seinem Leben vor der Hochzeit noch durchaus einflussreiche Freunde. Wie zum Beispiel seinen teuersten Freund, den Senator, von ihm durchaus liebevoll Schuft genannt. Der Alkohol fließt zu jeder Zeit in Strömen und man könnte fast meinen Bourdeauts Vorbilder für Georges und seine Frau – deren Namen niemand wirklich kennt – wären F. Scott und Zelda Fitzgerald und die Geschehnisse ereigneten sich in der Zeit der glorreichen Goldenen Zwanziger des letzten Jahrhunderts. Doch einiges spricht dafür, dass die Verortung in Zeit und Raum eher zeitgenössisch französisch ist. Die große Stärke des französischen Überraschungserfolgs des Literaturjahres liegt aber nicht in der Beschreibung vergangener Extravaganz, sondern im außergewöhnlichen Einfühlungsvermögen, mit dem der Autor uns die Lebensgeschichte zweier (un)glücklich Liebender vor Augen führt. Hier geht es nicht um Obsession, sondern schlicht um tief empfundene Liebe verbunden mit ehrlichen Verantwortungsgefühl.  Wie bereits erwähnt, ist das erste Kapitel aus der Sicht eines Jungen geschrieben, der viele Situationen anders einschätzt, als es ein Erwachsener täte. Dem Leser wird bereits hier klar, dass die vermeintlich lustige und freie Lebensweise dieser außergewöhnlichen Familie einen eher tragischen Hintergrund besitzt. Das durchaus schräge Setting könnte sogar dazu führen, den großen Erfolg des Buches komplett in Frage zu stellen, wäre da nicht der fulminante Einstieg ins zweite Kapitel, das Georges Sicht der Dinge zeigt und auch für den Leser einiges gerade rückt. “ »Nennen Sie mich, wie Sie wollen! Aber bitte unterhalten Sie mich, bringen Sie mich zum Lachen, hier mieft es nach Langeweile«, hatte sie gesagt und nach zwei Champagnerkelchen auf dem Büfett gegriffen. »Ich bin nur hier, weil ich nach meiner Lebensversicherung suche!«, erklärte sie und leerte den ersten Kelch in einem Zug, ihren leicht irren Blick in meinen versenkt. Und als ich gutgläubig meine Hand ausstreckte, um das zweite Glas entgegenzunehmen – ich dachte, es sei mir bestimmt – , hatte sie es auch schon in sich hineingeschüttet. Dann musterte sie mich, strich sich über das Kinn und sagte mit fröhlicher Respektlosigkeit: »Sei sind mit Abstand der hübscheste Programmpunkt dieser trostlosen Galaveranstaltung!«“ Olivier Bourdeaut hat mit Warten auf Bojangles einen ungewöhnlichen, schönen und absolut einnehmenden Roman vorgelegt, der auf nicht einmal 160 Seiten alles auffährt, was ein Leben bereithalten kann und manchmal aushalten muss. Tiefe Liebe ebensosehr wie Verzweiflung über die Unmöglichkeit, jemand anderen zu retten, ihn tanzenderweise aus seinem Gefängnis zu befreien. Glanz und Wahnsinn liegen hier dicht beieinander. Und so sehr Georges und sein Sohn sich bemühen, die geliebte Frau und Mutter in ruhige Gewässer zu geleiten, gelingt es ihnen nicht. Die Kopfchemie spielt einfach nicht mit. Ob mit oder ohne Medikamente. „Leider begann Mamans Gehirn nach einer Weile wieder mit dem Umzug, in Schüben. Wegen nichts und wieder nichts überfielen sie aus heiterem Himmel aberwitzige Wahnanfälle, die nach zwanzig Minuten bis einer Stunde so schnell verflogen, wie sie gekommen waren. Dann war wochenlang nichts […] Papa und ich fühlten uns ganz und gar nutzlos angesichts dieses Zustands. Er konnte ihr sanft zureden und sie trösten, ich konnte sie streicheln und umarmen, aber in diesen Momenten nützte das alles nichts, sie war untröstlich, zwischen ihren Problemen und ihr war kein Fingerbreit für uns, der Platz war uneinnehmbar.“ Ob es verantwortungslos ist, ein Kind in solchen Verhältnissen aufzuziehen – darüber ließe sich trefflich streiten. Bourdeaut stellt sich diese Frage nicht, denn es ist nicht sein Sujet. Sein Punkt ist die Liebe und bei allem Wahnsinn, der in dieser Familie zu Tage tritt, kümmern sich die Eltern doch sehr liebevoll um ihren Sohn. Georges und sein Sohn lieben diese Frau so sehr, dass sie sie weder verlassen noch ruhigstellen lassen können. Das ist für alle gleichermaßen schrecklich und vielleicht deshalb so anrührend. Und hier assoziiere ich wieder die Nähe zu meinem Lieblingsschriftsteller: So ähnlich muss es Fitzgerald und Zelda auch ergangen sein. Auch sie tranken Unmengen von Alkohol, auch sie schmissen große Gelage, auch sie versuchten, eine normale Familie zu sein – und Scott konnte sich genau so wenig wie Georges aus seiner Verantwortung gegenüber seiner Ehefrau davon stehlen. Vielleicht wäre es besser gewesen, möglich war es nicht. Solche Abhängigkeiten sind fatal und gehen selten gut aus, deshalb kann ich die Kritik und Zwiegespaltenheit in mancher Besprechung durchaus verstehen, wenn darauf hingewiesen wird, dass der Roman bei betroffenen Personen als Trigger funktionieren könnte. Der Klappentext lässt nicht darauf schließen, welch Tiefe in dieser Geschichte steckt und das Cover wirkt auch eher unbeschwert. Das aus Le Figaro stammende Zitat  „Eine schöne, eine verrückte, eine traurige Geschichte. Sie hat die Leichtigkeit eines Boris Vian und die Wucht eines J.D. Salinger.“ sehe ich etwas anders. Was Wucht und Leichtigkeit in Kombination angeht, ist Olivier Bourdeaut ein kleines Meisterstück gelungen, das ich nicht zwischen Vian und Salinger, sondern direkt neben Fitzgerald platziere – sicherlich auch dank der wunderbaren Übertragung aus dem Französischen durch Norma Cassau, die die sprachliche Schönheit, die das Original sicher enthält, großartig beibehält. Neben der Sprache sei auch die Konzeption des Romans hervorgehoben, die eine feine Entwicklung über die Darstellung der Geschehnisse aufzeigen. Wirkt das erste Kapitel tatsächlich wie von einem kleinen Jungen erzählt, so reift dieser Junge im Laufe der Geschichte heran und kann den Abschied, der da unweigerlich kommt, wenn auch traurig, so doch gefasst entgegentreten. Und das gelingt ihm nur, weil er sich stets aufrichtig geliebt fühlte. Mit Dank an den Verlag, der mir dieses Kleinod warm ans Herz legte – wo es auch direkt ankam.

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  • Wir packten im Viervierteltakt und irgendetwas vergaßen wir immer, aber wir lachten uns schief dabei

    Warten auf Bojangles

    KoschkaR

    04. May 2017 um 12:11

    Olivier Bourdeaut - Warten auf Bojangles Ein Debütroman, der an einen kleinen Verlag in Frankreich ging und sofort die Bestsellerlisten erklomm. Dieses Buch wurde in 20 Sprachen übersetzt und gewann in Frankreich schon etliche renommierte Preise. Bourdeaut (37) war Immobilienmakler, Hausmeister, Erntehelfer und zum Schluss arbeitslos und dann schrieb er in 7 Wochen dieses Buch. Als ich mich auf eine Buchvorstellung vorbereitet habe, musste ich feststellen, dass ich gar nicht weiß, wie ich diese ganzen großartigen Sätze, Absätze, Situationen und Anekdoten filtern soll und einen repräsentablen Teil finden soll, der einigermaßen den Zauber dieser Geschichte ausdrückt. Es fängt schon mit dem Vorwort an: "Das ist meine wahre Geschichte, richtig herum und falsch herum gelogen, weil das Leben häufig so ist." Ich habe die ersten Seiten gelesen und war sofort gefangen in dieser glücklichen und auch völlig verrückten Familie aus Mutter, Vater und Sohn. Beim vorbereiten wollte ich die ganze Geschichte nochmal lesen, um nochmal eintauchen zu können in dieses rauschende Fest vom Leben voller Originalität, Leichtigkeit und wahnwitziger Ideen. Die Geschichte wird erzählt aus der Sicht des Vaters George, der seine Frau vergöttert und aus Sicht des Sohnes, der seine Maman liebt, weil sie so anders ist als andere Mütter und ihm immerzu das Gefühl gibt besonders und geliebt zu sein. Sie mixen sich Cocktails, sie tanzen zu Nina Simones ‚Mr. Bojangles‘, das dem Buch den Titel gegeben hat. Sie feiern zu dritt und mit vielen Freunden. Sie siezen sich, weil es viel vornehmer ist und erzählen sich die tollsten Phantasiegeschichten um das Leben interessant zu machen. Man verspürt eine Sehnsucht sein Leben so zu leben, wie diese Familie. Ohne sich um die Meinung anderer zu scheren, einfach weil es glücklich macht. Und das ganze in einer wunderschöne Sprache verpackt. Natürlich kann diese Seifenblase aus Glück, die diese Familie umgibt nicht ewig bestehen und man ahnt schon recht bald, dass sie platzen wird und so kommt die Katastrophe. Allerdings muss man sich nicht vor ihr fürchten, weil diese Familie so wunderbar mit der Tragödie umgeht. „Weil Maman ihren abendlichen Aperitif nicht mehr trinken sollte, nahm Papa seinen Cocktail und ging zur Kiefer. Und während er trank, goss er am Fuße des Baumes ein giftiges, explosives Gebräu in die Erde, und der Baum nahm es ahnungslos auf. Als ich Papa fragte, wozu er seinen Aperitif mit dem Baum teile, erzählte er mir eine Geschichte, wie nur er sie sich ausdenken konnte. Er sagte mir, dass er den Aperitif mit dem Baum trinke, um dessen Weggang zu feiern, denn bald werde der Baum frei sein, man erwarte ihn, anderswo. ... Ich fragte mich, woher er all diese Geschichten schöpfte. Ich wusste sehr gut, dass er den Aperitif bei seinem Baum trank, damit Maman nicht noch verrückter wurde, die Kiefer sollte ganz einfach verschwinden. Aber wenn ich mir vorstellte, wie der Baum auf seinem Schiff in der Karibik kreuzte, an Bord Piraten auf Entdeckungsfahrt zu geheimen Inseln, beschloss ich, seine Geschichten zu glauben. Es war wie immer, er log zu schön, aus Liebe." (S. 134ff.) Und ganz zum Schluss schließt sich der Kreis und die Geschichte bekommt nochmal einen ganz anderen Zauber.   Ganz klar jetzt schon mein Buch des Jahres!

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  • Warten auf Bojangles

    Warten auf Bojangles

    JuliB

    30. April 2017 um 13:17

    Wieder gab es eine begeisterte Kollegen-Empfehlung und wieder muss ich sagen, das war leider nicht ganz meins.  Zu Beginn des Romans konnte ich nicht einordnen, in welcher Zeit das Drama rund um eine bipolar gestörte Mutter, die keinen Vornamen hat und von ihrem Mann deshalb beliebig angeredet wird, eigentlich spielt. Das Kind erzählt aus der Perspektive des Kindes ehrenrührig seine Abenteuer, fortwährend angehalten zu lügen, um das Leben bunter und schöner zu machen, als es eigentlich ist. Dann folgt plötzlich ein Tagebucheintrag des Vaters, der auch gern flunkert, aber nur um das Elend zu ertragen, welches sich in seiner Familie am Ende natürlich zu einem tragischen Höhepunkt steigern wird. 3 von 5 Sternen Zu verrückt, zu chaotisch, zu bemüht dramatisch, irgendwie alles schon mal gelesen und das Ende in der Form fand ich selbstsüchtig banal. Vorhersehbar und trist. Man rast beim Lesen förmlich durch den Roman, als wäre man geradewegs im Kopf dieser rastlosen Idee von Mutter, Vater und Kind, dessen Tempo nicht einmal von "Bojangles" gestoppt werden kann. Sorry, das war leider nicht mein Buch.

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  • Braucht denn nicht jeder etwas "Bojangles" im Leben?

    Warten auf Bojangles

    LibriHolly

    04. April 2017 um 15:20

    Dieses Buch hat mich glücklich gemacht, denn es ist ein Glück von einer solch großen Liebe lesen zu dürfen.Dieses Buch hat mich nachdenklich gestimmt, darüber was in unserer heutigen Gesellschaft schon die Worte "normal" und "verrückt" bedeuten.Dieses Buch hat mir etwas beigebracht, nämlich, dass es im Leben auf die Leichtigkeit ankommt. Die Leichtigkeit, das Leben in all seinen Facetten und in vollen Zügen zu genießen.Dieses Buch hat mich wieder an etwas erinnert, nämlich daran, wie es war, mit Kinderaugen diese Welt zu betrachten.Dieses Buch hat mich traurig gemacht, denn manche Geschichten können einfach nicht gut enden.Dieses Buch hat mich zufrieden gemacht, zufrieden als Leser diesen kleinen Schatz für mich entdecken zu dürfen.Und dieses Buch hat mich auf etwas aufmerksam gemacht, manchmal braucht es einfach nur etwas "Bojangles" im Leben. (Natürlich nur in der Version von Nina Simone und mit dem richtigen Partner an der Seite.)

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  • Verrückte Liebe

    Warten auf Bojangles

    RosaEmma

    25. March 2017 um 15:16

    Es gibt Geschichten, die treffen mitten ins Herz. Sie drehen die Welt auf den Kopf und lassen sie für eine kleine Weile stillstehen. Olivier Bourdeauts Debütroman Warten auf Bojangles fällt in diese Kategorie. Er beschwingt, macht glücklich und feiert das Leben und die Liebe. Und doch ist er zuweilen voller Traurigkeit und Melancholie – so wie das Lied Mr. Bojangles, wunderbar interpretiert von Nina Simone, das uns bis zum Ende der Erzählung begleitet. Im Fokus dieser aus zwei Perspektiven geschilderten tragisch-schönen Story steht die bedingungslose Liebe des Protagonisten Georges zu seiner Frau. Als er die extravagante Lady mit dem Federhut zum ersten Mal auf einer Party ekstatisch tanzen sieht, ist es um ihn geschehen. Er verfällt ihr hoffnungslos, obwohl eine innere Stimme ihm sagt, dass etwas mit ihr ganz und gar nicht stimmt. Die Frau mit dem Federhut Doch Georges, dessen Karriere stetig bergauf geht, hat genug von der tagtäglichen Monotonie und entscheidet sich für die Frau, die sein bis dato wohlgeordnetes Leben in ein bodenloses Chaos verwandelt. Er geht ganz auf sie ein und versucht, ihre psychische Instabilität und die damit einhergehenden Phasen zwischen Euphorie und Depression mit einem ausgelassenen, übersteigerten Lifestyle aufzufangen. Er nennt sie nie länger als zwei Tage beim gleichen Namen, feiert mit ihr und vielen Gästen opulente Parties, tanzt mit ihr zu der einzigen Platte, die sie liebt, Mr. Bojangles, mixt spritzige Cocktails und nimmt jede ihrer noch so wahnwitzigen Ideen auf. Als ihr Sohn auf die Welt kommt, wird sie ruhiger, und Georges hofft, dass sich ihre psychischen Probleme dadurch vielleicht von selbst lösen. Doch weit gefehlt: Sie bindet den Kleinen in ihr exzentrisches Leben ein und lässt ihn an allen Events teilhaben. Als er seine Erlebnisse in der Schule erzählt, glaubt ihm niemand. Er wird zum Außenseiter, doch das macht ihm nichts, denn was sind schon die Witze seiner Schulkameraden gegen die tollen Einfälle seiner Maman? Aber auch der kleine Sohn, der seine Mutter bedingungslos liebt, entdeckt mit dem sicheren Instinkt eines Kindes, dass sie nicht so ist wie andere Mütter. Er nimmt ihre oftmals verstörenden Stimmungsschwankungen wahr und versucht, sie, wie sein Vater, vor sich und der Welt zu beschützen. Gefährlicher Wahn Als seine Eltern ihn nach wiederkehrenden Dissonanzen mit der Schulleitung schließlich aus der Schule nehmen, um ihn privat zu unterrichten, ist er glücklich, denn endlich können er und seine Eltern nach Spanien in ihr traumhaftes Domizil, das Wolkenschloss, fahren, wann immer sie wollen. Doch das Leben im Partytime-Modus und das innige Glück der drei ist nicht von Dauer: Vater und Sohn bemerken mit wachsender Sorge, wie ihre geliebte Frau und Mutter immer öfter außer Kontrolle gerät und in ihre eigene Welt versinkt. Darüber hinaus plagen sie finanzielle Probleme, denn Georges‘ sorgloses Geldausgeben fordert seinen Tribut. Doch noch bevor er eine Lösung finden kann, bringt sich seine Frau durch eine abstruse Aktion in höchste Lebensgefahr und setzt damit eine verhängnisvolle Abwärtsspirale in Gang, nach der nichts mehr so ist wie vorher… Ein sehr berührender, warmherziger Roman über eine außergewöhnliche Liebe Es gibt so viele Adjektive, um diesen wunderbaren Roman zu beschreiben – verrückt, amüsant, traurig, rührend, gefühlvoll, romantisch, skurril – jedes passt auf seine ganz eigene Weise. Olivier Bourdeaut beschreibt das durch die Krankheit der Mutter bedingte, täglich wechselnde Gefühlschaos einer in jeder Hinsicht unkonventionellen kleinen Familie sehr eindringlich und bewegend. Aus der Perspektive des Vaters Georges und seines kleinen Sohnes erhalten wir aufschlussreiche Einblicke in das Seelenleben der beiden, in dem Hoffnung und Verzweiflung nahe beieinander liegen. Während Georges tief im Inneren stets hofft, dass es seiner Frau bald bessergeht und alles tut, damit sie nicht völlig die Bodenhaftung verliert, erkennt er mit wachsender Besorgnis, wie sehr ihr Zustand seinem Sohn zu schaffen macht. Die Kapitel, die Bourdeaut aus Sicht des Sohnes erzählt, gehen ganz besonders ans Herz. Der Kleine liebt seine Maman sehr und gibt sein Bestes, um sie glücklich zu sehen. Zunächst genießt er die lustigen Spiele, die tollen Partys und die täglichen Verrücktheiten mit seiner Mutter, die ihn vergöttert und wie einen Mini-Erwachsenen behandelt. Für ihn ist das Leben mit seinen Eltern ein einziges Abenteuer, bei dem er jeden Tag etwas Aufregendes erlebt (dies gilt im Übrigen auch für den Leser, der den dreien schmunzelnd und vergnügt durch ihren amüsanten Alltag folgt). Als die depressiven Phasen seiner Mutter jedoch überwiegen, ist er völlig überfordert. Er kann nicht verstehen, warum seine Maman plötzlich grundlos weint und tröstet sie so gut er kann. Die Szene, wo der Kleine seiner Mutter hilflos übers Gesicht streicht, als sie wieder einmal einen Zusammenbruch hat, ist mir sehr ans Herz gegangen. Bourdeauts Roman hat mich zum Lachen und zum Weinen gebracht. Dies liegt vor allem an der einzigartigen Fähigkeit des Autors, den Menschen tief in die Seele zu schauen und ihre widersprüchlichen Gefühle in liebevolle Worte zu fassen. Warten auf Bojangles ist eine rührende Hymne an die Liebe, die das Leben in all seiner Tragik zu einem grandiosen Ereignis macht. Mein Fazit: D a s literarische Highlight des Jahres – unbedingt lesenswert!

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  • Liebevoll, verrückt und traurig

    Warten auf Bojangles

    himbeerbel

    14. March 2017 um 13:19

    Georges liebt seine Frau hingebungsvoll. Er nennt sie nicht länger als zwei Tage beim selben Namen, die beiden mixen sich Cocktails, sie tanzen zum einzigen Lied, das auf ihrem Plattenteller laufen darf: Nina Simones ‚Mr. Bojangles‘. Ihr Leben ist ein rauschendes Fest voller Originalität und wahnwitziger Ideen.„Fahren Sie schneller, sonst holen Ihre Lügen uns noch ein“, rief sie, die Arme aus dem Cabrio nach oben gestreckt.“ (S. 56)Gemeinsam mit ihrem Sohn machen sie Urlaub in ihrem Wolkenschloss in Spanien; Georges Frau nimmt alle für sich ein, sie ist extravagant und charismatisch.„Die Wahrheit taugt nichts, dabei war sie diesmal sogar lustiger als jede Lüge…“ (S. 9)Das lernt der Namenlose Ich-Erzähler des Romans „Warten auf Bojangles“ schon sehr früh und wächst mit der Verrücktheit seiner Eltern in einer Umgebung auf, in der gefeiert wird, wann immer es geht, wo ein skurriller Umgang miteinander herrscht, weil jeder sich Siezt und wo das Leben daraus besteht, sich gegenseitig phantasievolle Geschichten aufzutischen.Auch aus der Sicht seines Vaters George wird dieser Roman erzählt. Als dieser eines Tages nach Hause kommt, findet er seine Frau völlig verwirrt auf einer Krankentrage vor dem Haus. Mit einer ihrer verrückten Ideen hat sie aus Versehen die Wohnung in Brand gesetzt. Jetzt finden die Ärzte ein eine Diagnose für ihre Verrücktheit.„Hysterie, Bipolarität, Schizophrenie, die Ärzte hatten sämtliche wissenschaftliche Terminologie aufgefahren, um ihren Wahn in Worten festzuhalten.“ (S. 112)Und sie haben auch eine Therapie. Doch die würde bedeuten, dass Georges und seine Frau alles verlieren, wofür sie bislang gelebt haben. Und so entführen Vater und Sohn sie kurzerhand nach Spanien, in der Hoffnung, ihr Leben dort wie bisher weiterführen zu können.„Das Unternehmen Liberty Bojangles war der Tritt in den Arsch der Vernunft, den mein Sohn angeregt hatte. Ich wollte mich nicht damit abfinden, den Roman, der unser Leben war, ohne theatralischen Schlusspunkt zu beenden. Wir mussten doch unserem Sohn ein Ende bieten, das auf der Höhe der Erzählung lag, ein Finale, das es in sich hatte, ein Ende voller Heiterkeit und Gefühle.“ (S. 124)Traurig und schön zugleich, anmutig leicht und doch tief berührend – „Warten auf Bojangles“ war der Überraschungsbestseller des französichen Bücherjahres, wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Vorausschauend heißt es schon gegen Ende dieses Romans so treffend:„Verkehrt herum gelogen, richtig herum gelogen, das Buch meines Vaters eroberte die Buchhandlungen auf der ganzen Welt.“ (S. 156)Mich lässt dieses Buch jedoch zwiespältig zurück. Ich habe den liebevoll verrückten Umgang und die Leichtigkeit, mit der Georges und seine Frau das Leben zu genießen wissen, sehr gemocht. Hier wird man Zeuge einer abgedrehten nicht schnulzigen Liebesgeschichte, die Spaß macht und einem aufgrund der Sprache und der gut gewählten Formulierungen das ein oder andere Schmunzeln entlockt. Doch ab einem gewissen Punkt wurde mir das alles zu viel, weil mein Mutter-Ich überhand nahm und ich nicht damit zurechtkam, dass ihr Junge in verantwortungsloser Umgebung aufwächst, in der Phantasie, Wahrheit und Lüge kaum zu unterscheiden sind. Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los und so konnte ich an diesem Roman bis zum Schluss und erst recht mit dem Schluss keine Freude mehr haben.Hinsichtlich der manisch-depressiven Erkrankung und der Psychiatrie gibt es in diesem Roman nichts zu erfahren. Man merkt im Gegenteil, dass der Autor hier seiner Phantasie freien Lauf lässt. Als von dieser Krankheit selbst Betroffene möchte ich sogar so weit gehen und ebenfalls Erkrankten von der Lektüre dieses Buches eher abraten, da es unter Umständen triggern könnte.Wer jedoch eine liebevoll verrückte und traurige Liebesgeschichte lesen möchte und dabei die vorgenannten Punkte ausblenden kann, dem könnte dieses Buch gefallen – den übrigen sei andere Lektüre empfohlen.

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  • Eine besondere Geschichte voller Emotionen

    Warten auf Bojangles

    buchmagie88

    12. March 2017 um 18:56

    Georges große Liebe ist seine Frau.Für sie würde er alles tun. Mit ihren gemeinsamen Sohn feiert die kleine Familie das Leben. Und wann immer sie können, tanzen Georges und seine Frau zu Nina Simones 'Mr.Bojangles', sie mixen sich Cocktails und genießen jeden einzelnen Tag ihre besondere und schwindelerregende Liebe zueinander. Georges Frau gibt den Takt vor, sie ist schillernd und extravagant, sie erfindet die schönsten Dinge und hat die verrücktesten Ideen. Doch dann kommt plötzlich der Tag, als Georges nach Hause kommt und seine Frau auf einer Krankentrage vor der Wohnung wiederfindet. Eine ihrer verrückten Ideen ist nach hinten losgegangen und hat dazu geführt, dass ihre Wohnung in Brand gesteckt wurde. Und dann sind da noch die Ärzte, die eine Diagnose haben und Therapien vorschlagen. Aber das würde bedeuten, dass alles, worauf ihre Liebe aufbaut, zusammenfallen würde, und das kann Georges nicht zulassen..."Warten auf Bojangles", von Olivier Bourdeaut war der Überraschungsbestseller des französischen Bücherjahres und es ist schon erstaunlich zu beobachten, wie viele Emotionen der Autor auf seinen bloß 158 Seiten vereint hat. Die Geschichte erzählt von der hoffnungsvollen, wunderschönen und zugleich tieftraurigen Liebe Georges und seiner Frau. Unglaublich viele liebevolle Details beschreiben die einzigartige Beziehung, die die beiden zueinander haben, beispielsweise gibt Georges seiner Frau jeden Tag einen neuen Namen, um die Tage frisch und jung zu halten. Aber die wohl interessanteste Figur in der Geschichte ist seine Frau selbst. Sie siezt alle Menschen, sogar ihren eigenen Gatten und ihren Sohn, aus Gründen, die im ersten Moment nur ihrer eigenen Logik entsprechen, aber auf dem zweiten Blick nicht mehr so abwegig sind. Zudem legt sie sich mit jeden ihrer Mitmenschen an, die ihre eigene kleine heile Welt zerstören wollen. Aus diesem Grund nimmt sie ihren Sohn aus der Schule, um ihn, gemeinsam mit ihren Mann, zu Hause zu unterrichten und zwar Dinge, die wirklich sinnvoll sind und die er im späteren Leben gebrauchen kann.Bourdeaut schafft eine eigene kleine Welt für seine Protagonisten. Eine Welt, in der Parties, Cocktails und Tanzen die wichtigsten Rollen spielen und die er mit einem Luftschloss krönt. Das ist ein Haus in Spanien, über den Wolken, das sich die Familie kauft, um dort Urlaub zu machen. Ein Ort, der das Abkapseln der Familie in ihre heile Welt noch einmal unterstreicht und der gerade am Schluss des Buches eine wichtige Rolle spielt. Und in dieses eigene Erschaffen eines perfekten Lebens, in dem nur die wichtigen Dinge zählen, taucht plötzlich ein hässlicher Feind auf, die Realität, in Form von Ärzten, die die Besonderheit von Georges Frau zu einer Krankheit hinabstufen, die es zu behandeln gilt. Erzählt wird "Warten auf Bojangles" abwechselnd aus Sicht des gemeinsamen Sohnes und Georges selbst, von dem man sogar einige Einblicke in die Vergangenheit des Paares bekommt. Wie lautet nun das Fazit?Zwischendurch hat mich das Buch mit seiner großen Anzahl verschiedener Emotionen fast schon etwas überwältigt, weil ich das in dieser Form auch nicht erwartet habe. Zugleich war ich überrascht, wie gut die grenzenlose Lebensfreude und die liebevolle Hoffnung mit der tieftraurigen Melancholie dieser Geschichte kombiniert wurden. Zart zerbrechlich und mit einer poetischen Sprache hat Olivier Bourdeaut ein wirklich besonderes Buch geschrieben. Gekrönt wird das Ganze dann noch mit dem charmanten Flair der zwanziger Jahre, der nicht nur einmal zwischendurch an den großen Gatsby erinnert. 

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