Olivier Guez

 4,1 Sterne bei 116 Bewertungen

Lebenslauf

Ein Franzose erkundet die deutsche Geschichte: Olivier Guez ist ein französischer Journalist und Schriftsteller. Er wurde 1974 in Straßburg geboren und studierte dort zunächst Politische Wissenschaften. 1996 schloss er das Studium im Fach „Internationale Beziehungen“ an, ließ aber sofort verschiedene Aufbaustudien folgen, um 1998 seinen Master an der Universität Brügge abzulegen. Anschließend wurde er als Beobachter für die OSZE zu den Wahlen nach Bosnien-Herzegowina entsandt. Von Brüssel aus berichtete er sodann für die französische Tageszeitung Liberation über Europa, Lateinamerika und den Nahen Osten. Im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit erhielt Guez ein Aufenthaltsstipendium für Berlin. Dort recherchiert er zwischen 2005 und 2006. Für sein anschließend erschienenes Buch über die Rückkehr der Juden nach Deutschland erhielt er 2007 einen französischen Literaturpreis. 2011 wurde der Band auf Deutsch unter dem Titel „Heimkehr der Unerwünschten“ veröffentlicht. Zuvor war bereits sein Tatsachenroman über den Berliner Mauerfall unter dem Titel „Die Mauer fällt“ im Piper Verlag erschienen (2009). Inzwischen hat Olivier Guez auch einen zweiten Roman auf Deutsch veröffentlicht, der sich ebenfalls der deutschen Geschichte widmet: „Das Verschwinden des Josef Mengele“ wurde 2018 vom Aufbau Verlag herausgegeben.

Alle Bücher von Olivier Guez

Cover des Buches Das Verschwinden des Josef Mengele (ISBN: 9783746636672)

Das Verschwinden des Josef Mengele

(93)
Erschienen am 18.02.2020
Cover des Buches Die Welt in ihren Händen (ISBN: 9783462008357)

Die Welt in ihren Händen

(7)
Erschienen am 16.04.2026
Cover des Buches Koskas und die Wirren der Liebe (ISBN: 9783351034801)

Koskas und die Wirren der Liebe

(5)
Erschienen am 18.02.2020
Cover des Buches Lob des Dribbelns (ISBN: 9783351039721)

Lob des Dribbelns

(2)
Erschienen am 20.09.2022
Cover des Buches Das Verschwinden des Josef Mengele (ISBN: 9783742407566)

Das Verschwinden des Josef Mengele

(6)
Erschienen am 31.08.2018
Cover des Buches Das Verschwinden des Josef Mengele (ISBN: B07GXKJZLM)

Das Verschwinden des Josef Mengele

(1)
Erschienen am 31.08.2018

Neue Rezensionen zu Olivier Guez

Cover des Buches Die Welt in ihren Händen (ISBN: 9783462008357)
Alriks avatar

Rezension zu "Die Welt in ihren Händen" von Olivier Guez

Alrik
Eine Frau, die Geschichte in den Händen hielt

Was für eine Frau. Gertrude Bell stapft hier nicht einfach brav durch die Geschichte, sie reitet, forscht, verhandelt, liebt, leidet und mischt in einer Männerwelt mit, in der sie eigentlich nur dekorativ hätte danebenstehen sollen. Pustekuchen.


Olivier Guez erzählt ihr Leben mit viel Atmosphäre und einem richtig starken Blick für Mesopotamien nach dem Ersten Weltkrieg. Sand, Politik, Machtspiele, verletzte Eitelkeiten und dieser ständige Gedanke: Meine Güte, wie viel von dem Chaos damals wirkt bis heute nach?


Besonders spannend fand ich, wie widersprüchlich Gertrude Bell gezeigt wird. Sie ist mutig, klug und ihrer Zeit oft weit voraus, aber eben auch Teil eines Empire, das meinte, die Welt nach eigenen Vorstellungen sortieren zu dürfen. Das macht sie nicht zur einfachen Heldin, sondern zu einer Figur, über die man nach dem Lesen noch länger nachdenkt.


Manchmal hätte ich mir allerdings mehr Nähe zu ihr gewünscht. Mehr Herzklopfen unter dem staubigen Reisehut, mehr Innenleben, mehr Gertrude pur. Guez bleibt oft sehr historisch, sehr politisch, sehr groß im Panorama. Das ist beeindruckend, aber zwischendurch auch ein bisschen so, als würde man mit Notizbuch durch die Wüste laufen.


Trotzdem: Dieses Buch hat Wucht. Es ist klug, bildstark und öffnet den Blick auf eine Frau, die viel zu lange unterschätzt wurde. Kein leichter Wohlfühlroman, eher ein intensiver Kaffee mit ordentlich Nachhall.

Cover des Buches Die Welt in ihren Händen (ISBN: 9783462008357)
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Rezension zu "Die Welt in ihren Händen" von Olivier Guez

wandablue
Reiche Schnepfe goes Orient

Wer war Gertrude Bell? Und wie wurde aus Mesopotamien das heutige Irak? Diesen Fragen geht der Autor Olivier Guez in diesem Roman nach, der den Prix Jean d'Ormesson 2025 abräumte. 

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Das Unternehmen ist löblich, Frauen, die in ihrer Zeit bekannt waren und für ihre Zeit sogar außergewöhnlich gewesen sind, genauso sichtbar zu machen wie man dies bei Männern tut, denen man bereitwillig Denkmäler aufstellt. Was soll man auch sonst mit den vielen Steuereinnahmen anfangen? 

So macht auch Olivier Guez Gertrude Bell (1868 – 1926) sichtbar, eine Frau, von der ich in der Tat noch nie etwas gehört habe. Es mag mit daran liegen, dass sie schon lange tot ist, aber nicht nur. Auch Napoleon ist tot und Winston Churchill und trotzdem weiß ich, dass Napi Hämorrhoiden hatte und Churchi gerne auf dem Klo Briefe diktierte oder in der Badewanne Besucher empfing, am liebsten weibliche. Eine seltsame Vorstellung, dass diese unangenehmen Burschen von irgendjemandem geliebt wurden. Wahrscheinlich von ihren Müttern. 

Mit der Liebe hatte Gertrude Bell so ihre Schwierigkeiten. Ohne Zweifel war ihre engste Bezugsperson zeitlebens ihr Vater. Dieser leitete mehrere Unternehmen, die sich mit der Stahlerzeugung befassten. Er war wohlhabend und reich, aber auch gebildet und er hatte ein besseres Herz als sein eigener Vater (also Gertrudes Großvater), der diese Werke gründete und mit unerbittlicher Hand leitete, was heißt, dass er, wie in der englischen Frühindustrie üblich, die Arbeiter schuften und knechten ließ und sie bei kargem Brot und unmenschlichen Arbeitsbedingungen früh ins Grab brachte. Obwohl Vater Bell für seine Zeit ein guter Sozialist war, vielleicht sogar ein guter Mensch, und für seine Arbeiter ein ganzes Dorf errichten ließ, Gnade Gott, er hätte selber mit angefasst, darf man sich kein X für ein U vormachen lassen: Der Bellsche Reichtum fußte auf Schweiß und Blut von ausgebeuteten Menschen. Erst gegen Ende von Gertrude Bells Leben, sie starb zwei Tage vor ihrem 58. Geburtstag unter nicht ganz geklärten Umständen, ist es mit dem unermesslichen Reichtum aus der Stahlindustrie Sense und man muss sich bescheiden. Fehlentscheidungen und Dummheit haben zu dieser Situation geführt. Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen. 

Auf dem Hintergrund des Familienvermögens konnte die Bellsche Tochter die Welt erobern, sprich bereisen. Dumm war sie nicht. Ganz im Gegenteil. Sie beherrschte mehrere Sprachen, hatte eine schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis, hatte als erste Frau in Oxford Zeitgeschichte studiert und mit Summa cum laude abgeschlossen. Den Doktortitel verwehrte man ihr nur deswegen, weil sie eine Frau war. Skandal! Obwohl Gertie auch später noch öfters wegen ihres Frauseins diskriminiert wurde, war sie keine Anhängerin ihres eigenen Geschlechts. Bis zum Schluss war sie gegen das Frauenwahlrecht und verachtete die Suffragetten, die in England unmenschlich leiden mussten, um uns die politische Mitbestimmung zu erkämpfen! Obwohl sie selbst mancherlei Ketten sprengte, war sie in ihrem Herzen konservativ, sie huldigte Königs (schlimmes Vergehen), neigte zu Rassismus und dem üblichen snobistischen Verhalten der besseren britischen Gesellschaft. Der Imperialismus wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt: „Als (Königin) Victoria starb, herrschte Großbritannien über ein Viertel des Erdballs und über ein Drittel der Menschheit“. 

 Anderseits war Gertrude auch eine Systemsprengerin, sie arbeitete für den britischen Geheimdienst, wurde dafür bezahlt und unterhielt ein eigenes Büro - sie begann den Orient zu lieben. Sie reiste viel und wurde eine leidenschaftliche Bergsteigerin, auch Pferde und Ausritte mochte sie, doch immer im Damensattel (sagt der Autor). Bell trotzte dem heißen Wüstenklima und war maßgeblich daran beteiligt, den Irak zu einem Nationalgebiet zu vereinen; sie war die Königsflüsterin, auf ihren Rat hin wurde Faisal I aus haschemitischer Dynastie 1921 inthronisiert. Doch erst 1932 erlangte der Irak die formelle Unabhängigkeit von Großbritannien und wurde Mitglied im Völkerbund. Das erlebte sie nicht mehr. 

 Malerische Passagen geben Atmosphäre: „Seitdem der Dampfer Basra Anfang Juni verlassen hat, gleitet er mit bedrohlicher Stille durch die brütende Hitze. Schilf, vereinzelte Obstgärten, Palmen so hoch wie die Häuser in New York, die Füße im Wasser , die Krone im Wind zerzaust und der steinige Boden des gefallenen Eden soweit das Auge reicht, oder ist es vielleicht doch der dattelbraune Fluss, denn es ist nicht leicht, den Hochwasser führenden Euphrat von den kümmelfarbenen Ebenen zu unterscheiden, die ihn unentschlossen rahmen“. Die Gemütszustände Gertrudes, wenn sie verliebt ist, sind jedoch nah am Kitsch: „Sie befindet sich in einem Schwebezustand, träumerisch, seltsam betäubt.“ Gertrude war zweimal sterblich/unsterblich verliebt und beide Male unglücklich. Beide Lover sterben lange vor ihr. 

Gertrude war eingebildet, kompliziert,autoritär und doch autoritätsgläubig (ja, ein Mensch voller Widersprüche), rassistisch und imperialistisch, ein Kind ihrer Gesellschaftsklasse – und dann doch wieder ganz anders, bot sie gediegenen Männern die Stirn und hielt nicht damenhaft den Mund, wie man es von ihr erwartete und war „ihren“ Arabern zugewandt. So ganz bekommt man sie als Leserin nicht zu fassen. Die Quellenlage mag nicht allzu üppig sein. Sie war groß und mager, keine Schönheit, aber auf ihre Art apart. 

 Leider geht bei der vom Autor gewählten Erzählweise, man springt in der Chronologie zackig vor und zurück, die Übersicht über die Historie verloren. Es war eine spannende, schlimme und verrückte Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die altbewährten Ordnungen wankten, das Osmanische Reich zerbrach, Türken und die Deutschen bildeten eine Allianz, Briten, Franzosen und Russen lieferten sich erbitterte Schlachten um die Vorherrschaft im Mittleren Osten. Es gab Schlachten, Gallipoli, Kut, Bagdad brannte … Churchill reiste an, um die Kosten des Militärs zu deckeln, um sich die Ölvorkommen in Basra unter den Nagel zu reißen, und und und. Ich bin nicht ganz durchgestiegen, muss ich sagen. Ganz allgemein ging es um Selbstbestimmung der Völker/Stämme im Mittleren Osten „Ganz Ägypten lehnte den Status als Protektorat ab, den London ihm 1914 aufgezwungen hatte und forderte die versprochene Selbstbestimmung“ auf der einen Seite und um die Interessen der Besatzungsmächte (Ausbeutung in Bezug auf Manpower und Bodenschätze, vornehmlich Öl) auf der anderen Seite. Ich wette, bei einer normalen Abfolge der Chronologie wäre ich besser mit den Gegebenheiten zurechtgekommen. 

Zusammenfassung: Ein opulenter Roman, der eine bemerkenswerte weibliche Persönlichkeit sichtbar macht, die außergewöhnlich für ihre Zeit Ausgrabungen leitete, Sachbücher und Artikel schrieb und in der Weltpolitik mitmischte.
Doch bezüglich der komplizierten Gemengelage des Orients nach dem Ersten Weltkrieg hätte ich mir weniger Erzählung, weniger lyrische Details aus Gerties Liebesträumen gewünscht und mehr detaillierte Erklärungen favorisiert.  

Fazit: Einerseits andererseits. Ich mags nicht, wenn ich bezüglich der Historie „schwimme“ und mir vieles aus Wikipedia zusammensuchen muss. Andererseits habe ich doch sehr viel erfahren und als historischer Roman kommt Guez Text trotz seiner Redundanzen nicht so süsslich rüber wie viele andere historische Romane. 

Kategorie: historischer Roman
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2026
Auszeichnungen: Prix Jean d'Ormesson 2025



Gut recherchiert aber trocken

Der Klappentext hat mich sehr faszinieren können, denn ich selbst bin eine heimliche Abenteurerin und bewundere starke Frauen die ihre Träume leben und fremde Länder entdecken. Und damals war dies ja noch deutlich schwerer als in der heutigen Zeit. Ich war deshalb guten Mutes, dass mir dieses Hörbuch richtig gut gefallen wird!


Die Geschichte dreht sich um die Archäologin, Abenteurerin, Agentin des Britischen Empire: Gertrude Bell, diese war mit Lawrence von Arabien seelenverwandt, eine enge Vertraute von Winston Churchill und die einzige Frau unter den mächtigen Männern Mesopotamiens. Sie liebte den Orient und wollte diese Region um jeden Preis befrieden. Bell war die missverstandene Tochter einer reichen viktorianischen Familie. Sie verlor viel zu früh ihre Mutter, kämpfte gegen die Erwartungen des Vaters und ging fast an einer tragischen Liebe zugrunde.


Leider muss ich sagen, dass ich mit dem Schreibstil nicht so gut zurechtgekommen bin. Er ist leicht zu verstehen aber hat mich leider überhaupt nicht mitreißen können. Für war das Hörbuch zwar geschichtlich sehr interessant, da der Autor sehr gut und genau recherchiert hatte, aber leider war es auch sehr trocken und ohne Spannung für mich und ich musste mich oft „zwingen“ weiterzuhören weil es sich mehr wie eine Aneinanderreihung von historischen Ereignissen und Fakten angehört hat, als eine abenteuerliche Reisegeschichte einer taffen Frau-
Die Protagonistin ist mir leider nicht nahe gekommen. Ich weiss jetzt zwar mehr über diese Persönlichkeit, aber mehr wie in einem Geschichtsbuch über jemanden zu lesen. Nahe gekommen bin ich ihr leider nicht.


Fazit: Sehr genau und gut recherchiert aber für mich viel zu trocken und langatmig. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass viele das Hörbuch mögen, denn man lernt auf jeden Fall viel über die Länder damals und natürlich über die Person Gertrude Bell.

Die Sprecherin hatte jedoch eine sehr angenehme Stimme und hat gut gelesen. Sie hat noch das meiste das ging, rausgeholt.

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15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.

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Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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