Das Verschwinden des Josef Mengele

von Olivier Guez 
4,4 Sterne bei21 Bewertungen
Das Verschwinden des Josef Mengele
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Positiv (19):
alascas avatar

5 Sterne plus! Bewundernswert sachliche Auseinandersetzung mit der Verführbarkeit des Menschen. Ein Mahnmal.

Kritisch (1):
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Wichtiges Thema, langweilig geschrieben. Wird weder Tätern noch Opfern gerecht

Alle 21 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Das Verschwinden des Josef Mengele"

Auf den Spuren des Bösen – der Sensationsbestseller aus Frankreich

1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand. Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein rasanter Politthriller und wahrt zugleich die notwendige Distanz.

"Olivier Guez schuf mit diesem bekannten Verfahren eine phantastische neue Romanform.“
Frédéric Beigbeder in Le Figaro magazine

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783351037284
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Aufbau Verlag
Erscheinungsdatum:10.08.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 31.08.2018 bei Der Audio Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    lesefreude_books avatar
    lesefreude_bookvor 11 Tagen
    Wo ist der Auschwitz Arzt?

    Oliver Guez begibt sich auf die Spuren des Todesengel Josef Mengele. Diesen Menschen mit einem „Engel“ wenn auch einen Engel des Todes in Verbindung zu setzen, finde ich perfide. Es wirkt wie eine Verniedlichung seiner unsagbaren Verbrechen.

    Viel wurde bereits über den Verbleib von Josef Mengele und vor allem sein Leben in Südamerika spekuliert. In den 60igern erhielt Mengele fast schon Kultstatus und die Jagd auf ihn wurde medienwirksam inszeniert.

    Mit dem umfangreichen Wissen, dass wir nun haben, hat Oliver Guez die Südamerika-Jahre von Josef Mengele in einen spannenden Roman gepackt. Einzelne Szenen, die im Dunklen liegen und Details, um aus den Fakten einen runden, mitreißenden Roman zu manchen, hat der Autor mit literarischer Freiheit ausgeschmückt.

    Das Buch ist in der dritten Person geschrieben. Mengeles schreckliche Taten werden in dem Buch lange Zeit gar nicht wirklich angesprochen. Es gibt lediglich Andeutungen und es wird vom Leser ein gewisses Vorwissen erwartet. Dadurch nimmt man allerdings eine viel zu positive, freundschaftliche Beziehung zu Mengele ein. Der Leser ist mit Mengeles Schwierigkeiten sich in das fremde Land zu integrieren und Anschluss zu finden konfrontiert. Und plötzlich, als er beginnt sich einzuleben und wohlzufühlen, beginnt die Jagd.

    Ich habe mit Mengele mitgefiebert. Wird ihm die Flucht gelingen? Wir der Polizei und dem Nazi-Jäger entwischen? Eine seltsam verquere und falsche Situation und ein schlicht unangenehmes Gefühl.

    Und plötzlich konfrontiert Oliver Guez den Leser mit einigen wenigen Beispielen  – der ganzen Brutalität und Grausamkeit. Angewidert wendet man die Augen ab und kann nur schwer weiterlesen. Hatte dieser Mensch jemals Skrupel oder gar ein schlechtes Gewissen?

    Oliver Guez berichtet von Alpträumen die Mengele in seinen letzten Jahren heimgesucht haben. Offen bleibt ob es sich bei diesen Traumsequenzen lediglich um einen Versuch handelt, Josef Mengele, der in seinen späteren Lebensjahren immer unausstehlicher wurde, so etwas wie eine menschliche Komponenten zu verleihen oder ob tatsächlich derartige Alpträume überliefert sind.

    Oliver Guez gibt dem Leser in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ einen gut Abriss über die politischen Entwicklungen in Südamerika. Im Detail in Argentinien, Paraguay und Brasilien. Diese erfordern Aufmerksamkeit vom Leser vor allem, wenn man viele der Namen noch nicht kennt. Dennoch schafft er es die Geschicht und vor allem auch die politischen Interessen um  Nazi-Flüchtlinge aufzunehmen gut darzustellen.

    Zusätzlich zu den vielen Politikern kommen die vielen Nazis, die in Südamerika Unterschlupf gefunden haben und sich regelmäßig treffen. Diese vielen Personen nicht durcheinander zu bringen war eine Herausforderung für mich. Vor allem da ich die Namen der großen Nazi- und SS-Persönlichkeiten nicht derartig verinnerlicht habe.

    „Das Verschwinden des Josef Mengele“ bringt den Leser in eine unbequeme Position. Man fiebert mit Josef Mengele mit und drückt ihm fast schon die Daumen, dass ihm die Flucht gelingt und er endlich ein ruhiges Leben führen kann. Dabei fühlen sich derartige Empfindungen schlicht falsch an. Als Oliver Guez dann auch noch einige wenige, dafür umso grausamere Gräueltaten wiedergibt, fühlt man sich als Leser mit der zarten, entstehenden Sympathie für das Monster Mengele ertappt und schuldig.

    Viele, viele Namen machen es nicht immer einfach der Geschichte zu folgen. Es steckt viel politisches und geschichtliches Wissen in dem Buch. Der Leser erhält einen guten Überblick über Argentinien, Paraguay und Brasilien nach dem Zweiten Weltkrieg.

    NetGalley und der Aufbau Verlag haben mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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    Sikals avatar
    Sikalvor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Ein bemerkenswerter Roman, dem ich viele interessierte Leser wünsche. Gerne vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Der Todesengel von Auschwitz

    Wer kennt ihn nicht? – Josef Mengele, sogenannter Arzt, besser bekannt als Todesengel von Auschwitz, der fröhlich singend Menschen in die Gaskammer schickte, sinnlose Experimente durchführte oder Kinder folterte und sezierte. Doch was passierte nach dem Zweiten Weltkrieg? Wohin flüchteten Kriegsverbrecher und wie verlief ihr weiteres Leben?

     

    Oliver Guez hat hier einen faszinierenden Roman geschrieben, der das „Danach“ des Josef Mengele zum Thema macht. Unter falschem Namen flüchtet er von Deutschland über Südtirol und Italien bis nach Südamerika. Seine erste Station ist Argentinien, dessen Staatsoberhaupt Perón ein schützendes Händchen über Nazis legt. Unterstützt wird er von seiner Familie aus Deutschland, bald kann er sich auch in Südamerika ein Netzwerk an Helfern und Helfershelfern aufbauen. Von seiner ersten Ehefrau trennt er sich und heiratet (ein gerissener Schachzug sozusagen) seine verwitwete Schwägerin. Mit ihr führt er ein Luxusleben, prahlt und trägt seine überzogene Selbsteinschätzung zur Schau. Erst nach dem Sturz Peróns fühlt er sich nicht mehr sicher und sucht das Weite. Doch auch auf seinen weiteren Stationen kann er sich nicht mehr so sicher fühlen, immer wieder muss er untertauchen, vor Denunzianten fliehen. Er versteckt sich wie ein Tier, schafft sich eine Hundemeute an, die ihn beschützen soll, beobachtet von einem Hochsitz aus die Umgebung. Zu seinem Tagesablauf gehört seine ausgeprägte Paranoia dazu, immer mit Angst leben, immer auf der Flucht sein, verfolgt von dem eigenen Schatten.

     

    Der Autor zeichnet hier einen ängstlichen, rastlosen Charakter, der trotzdem herrisch auftritt und sich hinter seinem Machtgehabe versteckt. Auch im Alter kennt Mengele kein Gewissen, sondern fühlt sich immer noch im Recht und plädiert auf Verständnis für seine Taten. Besonders beeindruckend fand ich seinen Sohn Rolf aus erster Ehe, für den es sehr schwer ist, einen solchen Vater zu haben. Er macht sich auf die Suche, fliegt nach Brasilien um letztendlich einen Menschen vorzufinden, der nichts bereut dafür einen Teil der Gräueltaten schildert. Mengele hofft auf Verständnis bei seinem Sohn, was ihm dieser verständlicherweise verwehrt. Letztendlich stirbt Mengele 1979 als Wolfgang Gerhard und wird in Brasilien begraben.

     

    Auch viele andere Kriegsverbrecher wurden nie gefasst und für ihre Taten belangt. Guez schildert in seinem Roman auch, wie es dazu kam, wie sich die Prioritäten im Laufe der Zeit verschoben. Obwohl man während des Lesens immer wieder hofft, dass es nun endgültig klappt, Mengele zu erwischen, weiß man doch, dass dies nie der Fall war.

     

    Ein bemerkenswerter Roman, dem ich viele interessierte Leser wünsche. Gerne vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor 14 Tagen
    Olivier Guez - Das Verschwinden des Josef Mengele

    Josef Mengele – Todesengel von Auschwitz, der wohl grausamste und rücksichtsloseste Arzt der Geschichte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gelingt ihm die Flucht über mehrere europäische Länder nach Südamerika, wo er dank der Hilfe eifriger Unterstützer und mit falscher Identität untertauchen kann. Unter Perón führt er in Argentinien zunächst ein sicheres Leben, die deutsche Community ist gut vernetzt und steht unter dem Schutz des Diktators, doch nach dessen Sturz wird die Lage unbequem. Es folgen Jahrzehnte des Irrens über mehrere Länder, immer wieder auf der Flucht und in Angst vor Entdeckung. Mehrfach sind ihm Israelis wie auch andere auf den Spuren, aber dank eines guten Netzes starker Verbündeter gelingt es dem tausendfachen Mörder immer wieder, sich seiner gerechten Strafe zu entziehen.

    Olivier Guez‘ Roman „Das Verschwinden des Josef Mengele“ zeichnet die Spuren eines der schlimmsten Verbrecher des Nazi-Regimes nach. Dies gelingt dem Autor eindrucksvoll und dafür wurde er 2017 völlig zurecht mit den renommierten französischen Literaturpreis Prix Renaudot ausgezeichnet. Drei Jahre hat er an dem Buch gearbeitet, das auf wahren Eckdaten basiert, in weiten Teilen jedoch fiktiv bleiben muss, da bis heute das komplette Leben des Arztes nicht lückenlos dokumentiert ist.

    In erster Linie besticht der Roman natürlich durch die Person des Josef Mengele. Er ist sicher eine der bekanntesten Figuren des Hitler-Regimes und viel wurde über ihn berichtet und geschrieben. Am beeindruckendsten war für mich jedoch die Haltung, die er bis zum letzten Tag standhaft beibehielt: er leugnete seine Taten nicht, aber die Bewertung dessen, was er getan hat, steht in starkem Kontrast zu Realität. Vermutlich um sich selbst zu schützen und sich nicht dem stellen zu müssen, was er verbrochen hat, sah er sich als Wissenschaftler und Forscher, der der Menschheit einen Dienst erweisen wollte:

    „Was ist denn nun mit Auschwitz, Papa? Mengele weist die Schuld von sich. Er hat gekämpft, um „unbestrittene traditionelle Werte“ zu verteidigen, nie jemanden umgebracht. Im Gegenteil: Indem er bestimmte, wer arbeitsfähig ist, konnte er Leben retten. Er verspürt keinerlei Schuld.“


    Seine grenzenlose Angst gerade von den Israelis entdeckt zu werden, zeigt jedoch auch, dass ihm trotz allem sehr bewusst gewesen sein muss, dass diese nicht nur Rache an ihm walten lassen würden, sondern durchaus mit guten Grund und Recht eine Verurteilung forderten. Womöglich ist das Leben in Angst schon die irdische Strafe, die ihm mehr zusetzt, als man vermuten mag:

    „Nun ist er dem Fluch Kains ausgeliefert, dem ersten Mörder der Menschheit: ein Getriebener, der über die Erde irrt, wer ihm begegnet, wird ihn töten.“

    Aber auch Guez Sprachgewalt ist überzeugend. Die nuancierten Zwischentöne, die die Verachtung seines Protagonisten deutlich hervortreten lassen, sind glänzend platziert. Aber auch die Kritik an den nachlässigen deutschen Behörden, die Mengele schon zeitnah nach Kriegsende hätten auffinden können, wird nachhaltig zum Ausdruck gebracht.

    Man spürt eine gewisse Fassungslosigkeit ob der Haltung Mengeles, aber auch, weil auf Erden die Taten nicht gesühnt wurden. Auch wenn der Text letztlich eine fiktive Erzählung ist, was jedoch dem Erzählfluss zugutekommt, kann er als Mahnmal verstanden werden, das in breiter Masse gelesen werden sollte, damit die Geschichte sich nicht wiederholt.

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    Insider2199vor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung fehlt
    Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung fehlt

    Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung fehlt

    Der 1974 in Straßburg, Frankreich geborene Autor ist ein Journalist und studierte dort zunächst Politische Wissenschaften. 2005 erhielt er ein Aufenthaltsstipendium für Berlin. Der vorliegende Roman (erschienen 2018) ist bereits sein 2. Roman, der auf Deutsch veröffentlicht wurde.

    Inhalt (Klappentext): 1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand.

    Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein rasanter Politthriller und wahrt zugleich die notwendige Distanz.

    Meine Meinung: Dieser Tatsachen-Roman ist zwar sehr gut recherchiert und mit fiktiven Elementen gespickt (zum Beispiel ein Traum Mengeles, der jedoch ein wenig unglaubwürdig anmutet!), aber mir fehlte sowohl Spannung als auch die Sichtweise der Jäger. Wenn man erfahren würde wie die Verfolger die Spur von Mengele aufnehmen und ihm immer näher kommen, dann hätte dies sicher die Spannung um Einiges erhöht. Aber durch die eingeengte Sichtweise von Mengele versteht man manchmal überhaupt nicht, warum er gerade Location 1 verlässt und woanders hingeht oder wie er überhaupt weiß, dass ihm jemand auf den Fersen ist.

    Außerdem ist die Sprache sehr abgehackt und hält den Leser sehr auf Distanz; ich finde man merkt schon sehr stark, dass der Autor Journalist ist und vielleicht mit der Erzählweise in einem Roman nicht so vertraut ist.

    Fazit: Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung und sprachliche Finesse fehlt. Dennoch wurde ich gut unterhalten und finde, dass die Qualität etwas über dem Durchschnitt liegt. Somit vergebe ich 3,5 Sterne und kann das Buch nur bedingt weiterempfehlen. Vielleicht wäre man mit einer gut gemachten Dokumentation genauso gut bedient.

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    KirstenWilczekvor 17 Tagen
    Kurzmeinung: Der Roman lässt mich aufgewühlt zurück. Vom sadistischen Todesengel zum feigen Jammerlappen ohne Reue. Und ohne Gerechtigkeit für die Opfer.
    Von einem Jämmerling ohne Reue

    Olivier Guez hat gut daran getan, keine Biografie über den KZ-Arzt Josef Mengele zu schreiben, sondern dessen Flucht vor der Verantwortung in Romanform aufzubereiten. Das lässt Guez die Freiheit, die Chronologie der Ereignisse nicht stringent verfolgen zu müssen. Die Wahl ermöglicht es ihm auch, sich von der bloßen Ebene der Faktenwiedergabe zu lösen und in den Charakter des seinerzeit in der deutschen Presse zunächst als „Todesengel“ verklärten Sadisten und grausamen Massenmörders zu schlüpfen.

    Guez verfolgt die Stationen einer über 30 Jahre währenden Flucht. Er erzählt aus der Warte des Täters, was zunächst gewagt erscheint, aber gelingt. Guez lässt Mengele nach seiner Ankunft 1949 unsichere erste Schritte in Argentinien unternehmen, bis er zum Netzwerk der europäischen Faschisten, insbesondere Seinesgleichen aus dem untergegangenen Dritten Reich, vordringt – den Koffer mit einigen Präparaten und seinen Forschungsergebnissen stets dabei. Der argentinische Machthaber Juan Perón bietet Kriegsverbrechern  gerne eine neue Chance, verspricht er sich doch von ihrem Wissen eine Manifestation seiner Macht. So träumt auch er von einer eigenen Atombombe, die ihm erlaubt, seinem Land eine Weltmachtstellung zu erobern – treffender formuliert: zu erpressen. Der Kalte Krieg ermöglicht den in Argentinien gestrandeten Kriegsverbrechern zunächst, fröhliche Urständ‘ zu feiern. Mengele lebt in den 50er Jahren sogar nach seiner Scheidung und erneuten Eheschließung (er heiratet die Witwe seines ihm verhassten Bruders) unter seinem richtigen Namen in Buenos Aires, baut das Familienimperium (die Mengeles sind in Bayern ein großer, erfolgreicher Hersteller von Landmaschinen) um die südamerikanische Vertriebsschiene aus und kommt zu einigem Reichtum, den er auch auslebt, bis die Entführung von Eichmann, der Prozess, das Todesurteil und seine Vollstreckung alles ändern.

    Mengele taucht wieder unter, trennt sich von Frau und Stiefsohn, den er doch so gerne nach seinem Vorbild zu einem gehorsamen Volksgenossen in Warteschleife auf das Vierte Reich erzogen hätte. Er wird zum Gejagten, der das "Unrecht" das ihm, dem treuen Diener seines suizidierten Herrn, geschieht, nicht versteht. Andere ranghohe Nazis haben doch auch wieder Karriere in der Bundesrepublik gemacht, siehe Hans Globke. Mengeles Ehre hieß Treue. Hatte er denn nicht treu gedient, ja sogar akribisch treu die rassehygienischen Kriterien für eine Aufzucht der deutschen Rasse, alle samt dem Ideal des Übermenschen entsprechend, innovativ erforscht? Und dann stoppte ihn so etwas Profanes wie die totale Kapitulation, in deren Folge die Entnazifizierung die in die Köpfe gelegten Eier der kranken Nazi-Ideologie entlausen sollte, gewissermaßen der Versuch einer Rehumanisierung eines verrohten, entzivilisierten Volkskörpers. Und der Volkskörper gehorcht, fällt zu Mengeles Ärger auf Adenauer und die westlich-demokratischen Weichspüler herein, dürstet nicht nach einem vierten Reich, sondern kauft Nierentische, Volkswagen und Fernsehapparate. Und die Mama backt mit Dr. Oetker.

    „Das Verschwinden des Josef Mengele“ zeigt insbesondere im 2. Teil des Romans, betitelt „Die Ratte“, wie der grausame Sadist auf seiner langen Flucht über Paraguay und durch den Dschungel Brasiliens zu einem larmoyanten Jammerlappen mutiert. Unterstützt vom Geld seiner Familie, die nach dem Krieg zuhause scheinheilig eine Trauerzeremonie für ihn, den auf dem Rückweg von Auschwitz verlorenen Sohn, gefeiert hat, ist er abhängig von allerlei halbseidenen Gewährs- und Mittelsmännern. Ohne das nationalsozialistische System ist er zu einem Niemand geworden. Er hält sich für verkannt, krakelt Heftchen mit Selbstmitleid voll, in die Guez nach eigenen Angaben Einblick hatte, und schrumpft vor den Augen des Lesers vom selbstattestierten Übermenschen zum griesgrämigen Gartenzwerg, den man noch nicht einmal in der Version mit Messer im Kreuz im Garten liegen haben möchte. Dieser Mann verkörperte – wie Eichmann – das an die Schalthebel der Macht gelangte intellektuelle Mittelmaß, mit dem entscheidenden Unterschied, dass Mengele kein Schreibtischtäter war, wie der dumpfe, verbeamtete Funktionierer Eichmann. Mengele war ein grausamer Sadist mit antisozialer Persönlichkeitsstörung, dessen Einfälle zu Versuchsanordnungen mit Menschen jede Vorstellungskraft sprengt. Er blühte auf in Auschwitz und fiel im Dschungel Brasiliens heulsusig in sich zusammen. Am Ende war ihm das Leben eine Last, die ihn schließlich im Südatlantik 1979 nach einem Schlaganfall ersäufte. Bereut hat er seine Taten nie. Die Größe, Verantwortung zu übernehmen, besaß er auch nicht. Er hat sich verkrochen über Jahrzehnte. Worauf er gewartet hat? Vermutlich auf ausreichend viele vom Leben Beleidigte, die von Chemnitz mit dauererigiertem Arm nach Berlin ziehen. Das erlebt er nun nicht mehr.

    Man kann Guez vorwerfen, dass das bildreich ausgestellte Selbstmitleid von Mengele den Opfern, ihrem Leid und ihrem Anspruch auf Gerechtigkeit nicht gerecht wird. Es ist auch keine Genugtuung, dass einer der größten Kriegsverbrecher nicht bis ans Ende seiner Tage glücklich und zufrieden in Saus und Braus gelebt hat, sondern unter Einsamkeit etc. gelitten hat. Dennoch entmystifiziert Guez profund und faktenreich den „Todesengel“ und dafür dürfen wir ihm dankbar sein. Derlei Mengeles kann man verhindern, wenn man sich zwischen sie und die Schalthebel der Macht stellt. Sie sind nicht überlebensgroß, nicht unabwendbares Schicksal.

    „Das Verschwinden des Josef Mengele“ ist nicht nur Titel, sondern auch vorläufiges Fazit und bestehenbleibender Auftrag der Biografie eben jenes Josef Mengele und etwaiger Nachfolger.

    Unbedingte Leseempfehlung!

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    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Mahnmal wider das Vergessen und eine lesenswerte Lektüre, jedoch sollte man keinen spannenden Politthriller erwarten.
    Für die 2. und 3. Generation geschrieben

    Klappentext (Lovelybooks):

    1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand.

    Meine Meinung:

    Basierend auf einer sehr umfangreichen Recherche, portraitiert Olivier Guez das Leben Josef Mengeles, beginnend mit seiner Flucht nach Südamerika und schmückt es durch fiktives Beiwerk aus.

    Ich hatte anfangs Probleme mit dem sehr distanzierten und „abgehackten Doku-Schreibstil“, durch den mir ein angenehmer Lesefluss, den ich mir bei einem Roman erhoffe, leider verwehrt blieb. 

    Ebenfalls problematisch erschien mir manchmal die Mixtur aus Fakten und Fiktion. 

    Insbesondere die beschriebene Traumsequenz Mengeles wirkte auf mich, nicht nur aufgrund der plötzlich sehr bildhaften Sprache, wie ein Fremdkörper bzw. ein „Hirngespinst“ des Autors.

    Allerdings schafft der Autor es, die Stationen und Weggefährten Mengeles bei dessen Flucht sehr authentisch und greifbar darzustellen und den Schrecken bzw. die unbelehrbare „böse Seele“ Mengeles mit sehr eindrücklichen beklemmenden Worten zu transportieren.

    Fazit:

    Ein wichtiges Mahnmal wider das Vergessen und eine lesenswerte Lektüre, jedoch sollte man keinen spannenden Politthriller, wie angepriesen, erwarten.

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    Yolandes avatar
    Yolandevor 23 Tagen
    Kurzmeinung: Erschreckend und beklemmend - ein wichtiges Buch, über eine Zeit, die niemals in Vergessenheit geraten darf
    Das Böse überlebt

    Autor (Klappentext):

    Olivier Guez, 1974 in Straßburg geboren, ist Autor und Journalist. Er arbeitete unter anderem für Le Monde, die New York Times und die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Für das Drehbuch von "Der Staat gegen Fritz Bauer" erhielt er den deutschen Filmpreis. Olivier Guez lebt in Paris.

    Inhalt (Klappentext):
    1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Ausschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell weiter von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand.

    "Nehmen wir uns in Acht, der Mensch ist ein formbares Geschöpf, nehmen wir uns vor den Menschen in Acht."

    Das Buch ist spannend und interessant geschrieben. Es handelt sich um eine Mischung aus Tatsachen und Fiktion, in Romanform geschrieben, wobei die wichtigsten Punkte wirklich passiert sind und genau das ist es, was dieses Buch so erschreckend, beklemmend und wichtig macht. 
    Wie immer stehe ich fassungslos vor den Ereignissen dieser Zeit. Ich bin in den 1960er Jahren geboren und in den 1970er und 1980er Jahren zur Schule gegangen. Zu dieser Zeit wurde das Thema "Nationalsozialismus" und "Holocaust" intensiv behandelt. Was mir aber nicht klar war ist, wie schleppend diese Aufklärung und Aufarbeitung in den ersten 20 Jahren nach dem Krieg war. Wie viele willfährige Helfer und fanatische Anhänger der Nazi-Ideologie noch unbehelligt weiterleben konnten und aktiv an dem Untertauchen dieser Verbrecher beteiligt waren. Deshalb ist dieses Buch wichtig, denn die Geschehnisse dieser Zeit dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Wenn man die Tendenzen der heutigen Zeit sieht, muss man erkennen, dass man nicht schweigen darf, sondern sich lautstark und aktiv gegen diese rechtsradikalen Strömungen stellen muss!

    "Immer nach zwei oder drei Generationen, wenn das Gedächtnis verkümmert und die letzten Zeugen der vorherigen Massaker sterben, erlöscht die Vernunft, und Menschen säen wieder das Böse."



    Fazit: Erschreckend und beklemmend - ein wichtiges Buch, über eine Zeit, die niemals in Vergessenheit geraten darf




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    Priseas avatar
    Priseavor einem Monat
    Lesenswert

    Das Verschwinden des Josef Mengele
    Roman
    von Olivier Guez
    Aufbau Verlag GmbH & Co. KG
    Cover:
    Nachahmung einer verbrannten Fotografie
    Rezension:
    "Auf den Spuren des Bösen – der Sensationsbestseller aus Frankreich
    1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt."
    Mit seinem sachlichen Stil erinnert das Buch auf fiktionale Art und Weise an die Ereignisse jener Zeit. Es gibt wenig Dialoge und auch die Schreibweise erinnert stellenweise eher einem guten Sachbuch als einem Roman. Jedoch erhält man auf jeden Fall eine Möglichkeit dem Geschehen und dem Werdegang dieser Menschen in jener Zeit zu folgen. Die Recherchearbeit hinter dieses Buch ist wirklich beachtenswert und muss jede Menge Zeit in Anspruch genommen haben und wartet nicht nur mit Fakten sondern auch mit der einen oder anderen Überraschung auf. Dennoch darf man nie vergessen es handelt sich trotz allem um einen Roman und der Leser sollte sich dessen bewusst sein, dass er selbst immer noch zwischen der Realität und der Fiktion im Buch unterscheiden können muss. Nicht jeder wird dies können, denn nur ganz wenige sind in dieser Materie so bewandert und haben das nötige Hintergrundwissen um diese Unterscheidung machen zu können. 
    Ein gut recherchierter, bedrückender Tatsachenroman, der mich von Anfang bis Ende gefesselt und mich noch eine ganze Weile beschäftigt hat. 4/5 Sterne
    Danke an Netgalley und den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar. 

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    snowbells avatar
    snowbellvor einem Monat
    Kurzmeinung: eine erschütternde historische Spurensuche
    Medizin ohne Menschlichkeit

    In seinem Tatsachenroman folgt Oliver Guez den Spuren von Josef Mengele, eines deutschen Mediziners und Anthropologen. 1949 flüchtet der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand.

    Das Cover wirkt nichtssagend, aber es greift das Spiel mit wechselnden Identitäten auf. Wenn man ganz genau hinschaut, erkennt man eine Portraitaufnähme von Dr. Josef Mengele. Sie scheint in Flammen aufzugehen. Nichts von der alten Identität soll übrig bleiben, seine Spur soll sich im Nichts verlieren. Übrig bleibt ein weißes Stück Papier.  Der Todesengel von Auschwitz wird zu einem scheinbar unbeschriebenen Blatt, das in einem weit entfernten Land weiterhin existieren konnte, ohne für seine Verbrechen jemals zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Auch der Titel ist bewusst zurückhaltend gewählt worden. Durch seine signalrote Farbe fällt er ins Auge und weist auf das vergossene Blut von unschuldigen Opfern hin.

    Oliver Guez schreibt in einer einfachen, klaren, schlichten Sprache. Er fühlt sich in die Psyche eines Kriegsverbrechers ein, wahrt aber eine kritische Distanz. Nichts an diesem Buch ist reißerisch aufgemacht. Trotzdem wird es jeden Leser erschüttern, der sich mit diesem Werk auseinandersetzt.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führte Dr. Josef Mengele ein banales, unauffälliges Leben, finanziell unterstützt von seiner vermögenden Familie in Deutschland, geschützt durch ein gut funktionierendes Netzwerk in Südamerika, verborgen von geldgierigen Sympathisanten und weitgehend unbehelligt von seinen Jägern, die seine Fährte aufgenommen, ihn aber im Gegensatz zu anderen Kriegsverbrechern nicht gestellt und vor Gericht gebracht hatten. Sein Denken kreiste ausschließlich um ihn selbst; für andere Menschen fehlte ihm jegliches Einfühlungsvermögen und Verständnis.

    Was bleibt von Josef Mengele? Die Erinnerung an einen egozentrischen, feigen, jähzornigen, unbelehrbaren Menschen, der sich Selbstmitleid suhlte und nicht imstande war, seine Fehler zu erkennen, sich seiner Verantwortung zu stellen, für seine Verbrechen zu büßen und seine Opfer um Vergebung zu bitten.

    Mich hat diese längst überfällige historische Spurensuche tief beeindruckt. Aus diesem Grunde vergebe ich fünf Sterne und spreche eine klare Lese-Empfehlung aus.



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    Kathrin_Schroeders avatar
    Kathrin_Schroedervor einem Monat
    Kurzmeinung: Wichtiges Thema, langweilig geschrieben. Wird weder Tätern noch Opfern gerecht
    Wichtiges Thema, langweiliges Buch

    Oliver Guez, Das Verschwinden des Josef Mengele
    Erscheinungsdatum: 17.08.2018, gelesen dank Netgalley als ebook (Kindle)
    Genre: Historischer Tatsachenroman, Zeitgeschichte
    Der Klappentext vermerkt reißerisch: "Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein rasanter Politthriller und wahrt zugleich die notwendige Distanz. "Olivier Guez schuf mit diesem bekannten Verfahren eine phantastische neue Romanform.“ Frédéric Beigbeder in Le Figaro magazine".
    Diese Zusammenfassung kann ich nicht nachvollziehen, denn ich finde zwar die Distanz, weit über das Notwendige hinaus aber nicht den rasanten Politthriller.
    Ich lese das öde Untertauchen eines Verbrechers, der von seiner Ideologie nicht lassen kann, von der Familie mit nahezu unbegrenten Mitteln unterstützt wird und in ständiger Angst vor dem Gefundenwerden darunter leidet, dass er nicht die ihm zustehende Anerkennung erhält. Zusätzlich enthält dieses Buch Namen über Namen von mehr oder weniger bekannten Nazigrößen, manchmal mit, manchmal ohne die lapidare Anmerkung der verübten Greueltaten. Das Buch wahrt Distanz, indem es sich nicht zu sehr auf die Gedankenwelten einläßt, listet diese und die entsprechenden Netzwerke dann aber doch auf. Mengele findet Aufnahme in Argentinien, Paraguay und Brasilien, mal unter einem fremden, mal unter dem eigenen Namen, doch egal was geschieht und wie es ihm ergeht, das Buch strahlt für mich nur grundlegende Langeweile aus und wird weder dem Täter noch den Opfern gerecht.
    Das Beste an dem Buch ist meiner Meinung nach das fantasievolle Cover mit dem halbverbrannten Foto Mengeles.
    Vom Lesen des Buches kann ich nur abraten!
    #DasVerschwindendesJosefMengele #NetGalleyDE #OliverGuez #KathrinliebtLesen

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