Das Verschwinden des Josef Mengele

von Olivier Guez 
4,4 Sterne bei34 Bewertungen
Das Verschwinden des Josef Mengele
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Positiv (32):
hundertwassers avatar

Großartiger und beeindruckender und beschämender Roman mit stilistischen Mängeln.

Kritisch (1):
Kathrin_Schroeders avatar

Wichtiges Thema, langweilig geschrieben. Wird weder Tätern noch Opfern gerecht

Alle 34 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Das Verschwinden des Josef Mengele"

Auf den Spuren des Bösen – der Sensationsbestseller aus Frankreich

1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand. Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein rasanter Politthriller und wahrt zugleich die notwendige Distanz.

"Olivier Guez schuf mit diesem bekannten Verfahren eine phantastische neue Romanform.“
Frédéric Beigbeder in Le Figaro magazine

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783351037284
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Aufbau Verlag
Erscheinungsdatum:10.08.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 31.08.2018 bei Der Audio Verlag erschienen.

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    Maddinliests avatar
    Maddinliestvor 14 Tagen
    Der Todesengel

    Josef Mengele wurde nach seinem Fronteinsatz im Jahre 1943 in Ausschwitz als Lagerarzt eingesetzt. Dort kam er durch seine kalt-blütige und unbarmherzige Art zu dem Titel des Todesengels. Er schickte abertausende Juden in den Tod und forschte mit unmenschlichen Methoden an Behinderten und Zwillingen, um den Theorien der Rassenhygiene neuen Inhalt zu geben. Seine Gräuel-taten kannten keine Grenzen und so wurde er zum gefürchtetsten Lagerarzt des dritten Reichs. Nach dem Krieg tauch Mengele unter und es gelang ihm, wie vielen anderen hochdotierten Nazis, im Jahre 1949 die Flucht nach Argentinien.

    Olivier Guez setzt sich in seinem Buch "Das Verschwinden des Josef Mengele" mit der Zeit, die Josef Mengele in Südamerika auf der Flucht war, auseinander. Er schildert das Leben mit einer solch erzählerischen Kraft und Authentizität, dass es mir beim Lesen schauderte und den Protagonisten real vor Augen führte. Das Gedankengut Mengeles machte mich immer wieder sprachlos, wie emotionslos er über den Tod anderer Menschen sprach und sich selbst noch als aufopferungsvollen und treuen Diener des Staates sah. Seine Flucht entwickelt sich aber zum Trost des Lesers, der es als schreiendes Unrecht empfinden muss, dass dieser Mann für seine Taten nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann, anders als gehofft. Die anfängliche Unterstützung vieler Nazis in Südamerika nimmt zunehmend ab und Mengele vereinsamt. Stets getrieben von Angst und Alpträumen wird sein Leben zunehmend unattraktiver und der Mann, für den Hygiene und Disziplin an erster Stelle stand, muss immer mehr Kompromisse machen, um unentdeckt zu bleiben. Hier beschreibt Olivier Guez sehr schön, wie sehr Mengele unter seinen Lebensumständen und seiner fehlenden Anerkennung leidet.
    Zudem rechne ich dem Autor hoch an, dass er mit Gräueltaten Mengeles nicht inflationär umgeht, um Effekthascherei zu betreiben, sondern wenige teilweise unglaubliche Taten lediglich kurz schildert und so zumindest bei mir eine viel höhere Wirkung erzielt.

    Die historischen Fakten zu dem Buch wirken sehr gut recherchiert und der Autor führt auch im Anhang eine große Anzahl lesenswerter Bücher an, die sein Studium mit der damaligen Zeit begünstigt haben. "Das Verschwinden des Josef Mengele" ist für mich ein äußerst lesenswertes Buch, da es Olivier Guez hervorragend gelingt, das Leben des kaltblütigen Arztes, der sicherlich zu Recht auch als Monster bezeichnet wurde, lebendig zu skizzieren, um so mit dem Mythos abzurechnen und aus den historischen Fakten zu lernen. Ein beeindruckendes und nachwirkendes Buch, welches ich mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.

    Kommentare: 1
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    Andrea-Pehles avatar
    Andrea-Pehlevor einem Monat
    Beklemmend, real und sehr packend!

    Der Journalist und Autor Olivier Guez hat mit fantastischer Recherchearbeit das Leben im Untergrund von Josef Mengele dokumentiert und in einem Roman veröffentlicht.
    Mengele, auch bekannt als "Der Todesengel von Auschwitz" selektierte die Ankömmlinge im KZ an der sogenannten Judenrampe. Er schickte Abertausende Menschen in die Gaskammern und auf Schweiterhaufen. An Zwillingen, Kleinwüchsigen, Zigeunern und beeinträchtigen Menschen, ließ er von einem Team aus 20 Ärzten schauerhafte Experimente ausführen und dokumentierte die Ergebnisse.
    Nach Kriegsende ist er dauerhaft auf der Flucht - hauptsächlich in Südamerika, wo ihm nur zeitweise ein gutes Leben vergönnt ist. Er ist ein Getriebener, der zwar wichtige gesellschaftliche Kontakte, jedoch keine Freundschaften pflegt.
    Beziehungen zu Frauen sind Mittel zum Zweck. Auch nach fast 20 Jahren im Exil hat sich sein krankes Hirn nicht verändert: Er verabscheut beispielsweise die Brasilianer - Mischlinge aus Indianern, Afrikanern und Europäern (Zitat:"Rassenbastards") und bedauert die Abschaffung der Sklaverei.
    Der Tatsachenbericht von Olivier Guez ist zum Teil schauderhaft und beklemmend - zumal die Geschichte in keinem Punkt fiktiv ist.
    Für mich, die abgesehen von Büchern nur die Großeltern als Zeitzeugen ausfragen konnte, ist realistische Literatur über den 2. Weltkrieg sehr wertvoll und noch immer ein Mahnmal.
    Ich kann dieses Buch nur empfehlen.

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    anushkas avatar
    anushkavor 2 Monaten
    Ein wichtiges Buch, das nicht einfach zu lesen ist

    Südamerika, 1949: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte Josef Mengele einige Zeit unbehelligt weiter in Deutschland leben, doch dann wurden die Verbrecher der Nazi-Zeit zunehmend entlarvt und rechtlich verfolgt. Josef Mengeles Verbrechen kamen nach und nach zu Tage und er musste aus Deutschland fliehen. Er floh dahin, wo Nazis noch immer gut und unbehelligt leben konnten: nach Argentinien. Doch die Nazi-Jäger haben sich an Mengeles Sohlen geheftet und sind ihm auf der Spur. Es bleibt ihm nichts übrig als weiter in den Dschungel hinein und durch Südamerika zu fliehen. Von seiner Familie in Deutschland wird er weiterhin unterstützt, er versucht sogar, eine Beziehung zu seinem Sohn und seiner neuen Frau aufzubauen. Er wird zunehmend paranoid, wartet darauf, dass Gesinnungsgenossen wieder an die Macht kommen und seinen Verdienst für das Volk anerkennen. Seinen Opfern wird niemals Genuugtung wiederfahren ...

    Dieses Buch ist in Frankreich laut Verlagsankündigung ein Bestseller. So ganz kann ich das leider nicht nachvollziehen, aber vielleicht hat man dort auch ein anderes Verhältnis zur deutschen Geschichte. Ich habe mich anfangs sehr schwer getan, weil mich der Schreibstil überhaupt nicht erreichen konnte. Lange Zeit war mir der Stil zu beschreibend, Ich hatte eher das Gefühl, eine Biographie zu lesen und nicht einen Roman. Es wurden viele Namen und die jeweiligen Kurzbiographien aufgelistet, sodass es schwer war zu folgen und den Überblick zu behalten. Ich habe eher aus geschichtlichem Interesse weitergelesen. Ich kann gut nachvollziehen, dass man einem Menschen wie Mengele keinerlei Sympathie entgegen bringen und deswegen auch keine Empathie für ihn wecken möchte. Daher habe ich mich einige Zeit gefragt, ob nicht ein anderer Herangang an die Geschichte besser gewesen wäre. Mit fortschreitender Seitenzahl gelang es dem Autor jedoch zunehmend besser, auch mit Distanz ein deutliches Bild von Mengele zu zeichnen: einem überzeugten Übermenschen, herrschsüchtig und in keinster Weise einsichtig. Er tyrannisiert sein Umfeld und hält seinen Forschungen für berechtigt und bahnbrechend. Er leidet zunehmend unter der Situation, wird paranoid, depressiv und krank. Ein wenig Genugtuung verspürt man dann doch. Am Ende wirkte das Buch letztlich doch noch interessant und auch ein wenig spannend bei der Frage, wie nah die Nazi-Jäger Mengele letztendlich kommen werden. Und auch wenn dieses Buch wertvoll und wichtig ist, weil es versucht, einen Einblick in die Psyche eines der schlimmsten Nazi-Verbrecher zu geben und die Frage nach der politischen Deckung von Kriegsverbrechern aufwirft, so war es aufgrund des Stils nicht immer leicht zu lesen, eine Verbindung aufzubauen und an der Geschichte dran zu bleiben.

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Die Geschichte fasziniert und macht gleichzeitig fassungslos, ein Massenmörder und seine Helfer verstecken sich in Südamerika.
    Ein unglaublich wichtiges Buch

    Nach Ende des Zweiten Weltkriegs muss Josef Mengele nach Südamerika fliehen. Als Kriegsverbrecher gesucht, taucht er dort in einer Gemeinschaft aus Alt-Nazis unter, die sich unter dem Schutz von Péron in Argentinien ein angenehmes Leben machen. Doch mit den Jahren nimmt der Druck immer weiter zu, die Gemeinschaft löst sich auf und Mengele fühlt sich immer verfolgter, auch Scheinexistenzen und die Unterstützung seiner Familie aus Deutschland sind kaum noch eine Hilfe. Doch bis zum Schluss zeigt er sich uneinsichtig und sieht sein Handeln als großen Vaterlandsdienst an.
    „Das Verschwinden des Josef Mengele“ ist ein unglaublich spannendes, frustrierendes und gleichzeitig wichtiges Buch. Es zeigt sehr deutlich, wenn auch in fiktionaler Form, dass es in den 40er und 50er Jahren kaum Bemühungen gab, die Nazi-Verbrecher zu fassen, viele wurden sogar direkt wieder in das politische System integriert. Gleichzeitig gibt der Autor Olivier Guez einen Einblick in das mögliche Denken des Kriegsverbrechers Mengele, der zahlreiche grausame Experimente an lebenden Menschen durchführte, nur um sie am Ende direkt umzubringen. Es bedarf schon einer unglaublichen Kaltblütigkeit, um dieses Handeln auch Jahrzehnte später noch immer vor sich selbst als wichtig und nötig zu rechtfertigen. An vielen Stellen lässt einem die Geschichte eine Gänsehaut über den Rücken laufen angesichts des Grauens, oft hat mich das Buch aber auch wütend und frustriert zurückgelassen. Wie leicht wurde es den Mördern gemacht, in Südamerika unterzutauchen, wie wenig wurde getan, um sie einer gerechten Strafe zuzuführen. Auch über 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz müssen wir darüber diskutieren, warum ein Josef Mengele so lange untertauchen konnte, warum so wenig getan wurde, um ihn und viele andere zu finden.
    Dieses so schwierige Thema hat Olivier Guez dennoch auf schon fast leichte Art umgesetzt, seine Sprache ist wunderbar flüssig, auch wenn der Roman stilistisch fast wie ein Sachbuch daherkommt. Doch kleine Elemente genügen, um einen immer wieder von der sachlichen auf die emotionale Ebene zu bringen, so nennt er bei der Einführung neuer Personen häufig eine Zahl von ihnen ermordeter Personen direkt in Klammern hinter dem Namen. Eigentlich eine Kleinigkeit, doch die Zahlen sind in ihrer Nüchternheit so beklemmend, dass man erst einmal durchatmen muss, um weiterlesen zu können.
    Bei der Lektüre von „Das Verschwinden des Josef Mengele“ schwankte ich ununterbrochen zwischen Neugier und Grauen, war gefangen zwischen Spannung und Abscheu und konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen. Ein großartiges Buch, dessen Thema in der heutigen Zeit absolut relevant ist und unbedingt gelesen werden sollte. 

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    lesefreude_books avatar
    lesefreude_bookvor 2 Monaten
    Wo ist der Auschwitz Arzt?

    Oliver Guez begibt sich auf die Spuren des Todesengel Josef Mengele. Diesen Menschen mit einem „Engel“ wenn auch einen Engel des Todes in Verbindung zu setzen, finde ich perfide. Es wirkt wie eine Verniedlichung seiner unsagbaren Verbrechen.

    Viel wurde bereits über den Verbleib von Josef Mengele und vor allem sein Leben in Südamerika spekuliert. In den 60igern erhielt Mengele fast schon Kultstatus und die Jagd auf ihn wurde medienwirksam inszeniert.

    Mit dem umfangreichen Wissen, dass wir nun haben, hat Oliver Guez die Südamerika-Jahre von Josef Mengele in einen spannenden Roman gepackt. Einzelne Szenen, die im Dunklen liegen und Details, um aus den Fakten einen runden, mitreißenden Roman zu manchen, hat der Autor mit literarischer Freiheit ausgeschmückt.

    Das Buch ist in der dritten Person geschrieben. Mengeles schreckliche Taten werden in dem Buch lange Zeit gar nicht wirklich angesprochen. Es gibt lediglich Andeutungen und es wird vom Leser ein gewisses Vorwissen erwartet. Dadurch nimmt man allerdings eine viel zu positive, freundschaftliche Beziehung zu Mengele ein. Der Leser ist mit Mengeles Schwierigkeiten sich in das fremde Land zu integrieren und Anschluss zu finden konfrontiert. Und plötzlich, als er beginnt sich einzuleben und wohlzufühlen, beginnt die Jagd.

    Ich habe mit Mengele mitgefiebert. Wird ihm die Flucht gelingen? Wir der Polizei und dem Nazi-Jäger entwischen? Eine seltsam verquere und falsche Situation und ein schlicht unangenehmes Gefühl.

    Und plötzlich konfrontiert Oliver Guez den Leser mit einigen wenigen Beispielen  – der ganzen Brutalität und Grausamkeit. Angewidert wendet man die Augen ab und kann nur schwer weiterlesen. Hatte dieser Mensch jemals Skrupel oder gar ein schlechtes Gewissen?

    Oliver Guez berichtet von Alpträumen die Mengele in seinen letzten Jahren heimgesucht haben. Offen bleibt ob es sich bei diesen Traumsequenzen lediglich um einen Versuch handelt, Josef Mengele, der in seinen späteren Lebensjahren immer unausstehlicher wurde, so etwas wie eine menschliche Komponenten zu verleihen oder ob tatsächlich derartige Alpträume überliefert sind.

    Oliver Guez gibt dem Leser in „Das Verschwinden des Josef Mengele“ einen gut Abriss über die politischen Entwicklungen in Südamerika. Im Detail in Argentinien, Paraguay und Brasilien. Diese erfordern Aufmerksamkeit vom Leser vor allem, wenn man viele der Namen noch nicht kennt. Dennoch schafft er es die Geschicht und vor allem auch die politischen Interessen um  Nazi-Flüchtlinge aufzunehmen gut darzustellen.

    Zusätzlich zu den vielen Politikern kommen die vielen Nazis, die in Südamerika Unterschlupf gefunden haben und sich regelmäßig treffen. Diese vielen Personen nicht durcheinander zu bringen war eine Herausforderung für mich. Vor allem da ich die Namen der großen Nazi- und SS-Persönlichkeiten nicht derartig verinnerlicht habe.

    „Das Verschwinden des Josef Mengele“ bringt den Leser in eine unbequeme Position. Man fiebert mit Josef Mengele mit und drückt ihm fast schon die Daumen, dass ihm die Flucht gelingt und er endlich ein ruhiges Leben führen kann. Dabei fühlen sich derartige Empfindungen schlicht falsch an. Als Oliver Guez dann auch noch einige wenige, dafür umso grausamere Gräueltaten wiedergibt, fühlt man sich als Leser mit der zarten, entstehenden Sympathie für das Monster Mengele ertappt und schuldig.

    Viele, viele Namen machen es nicht immer einfach der Geschichte zu folgen. Es steckt viel politisches und geschichtliches Wissen in dem Buch. Der Leser erhält einen guten Überblick über Argentinien, Paraguay und Brasilien nach dem Zweiten Weltkrieg.

    NetGalley und der Aufbau Verlag haben mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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    Sikalvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein bemerkenswerter Roman, dem ich viele interessierte Leser wünsche. Gerne vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Der Todesengel von Auschwitz

    Wer kennt ihn nicht? – Josef Mengele, sogenannter Arzt, besser bekannt als Todesengel von Auschwitz, der fröhlich singend Menschen in die Gaskammer schickte, sinnlose Experimente durchführte oder Kinder folterte und sezierte. Doch was passierte nach dem Zweiten Weltkrieg? Wohin flüchteten Kriegsverbrecher und wie verlief ihr weiteres Leben?

     

    Oliver Guez hat hier einen faszinierenden Roman geschrieben, der das „Danach“ des Josef Mengele zum Thema macht. Unter falschem Namen flüchtet er von Deutschland über Südtirol und Italien bis nach Südamerika. Seine erste Station ist Argentinien, dessen Staatsoberhaupt Perón ein schützendes Händchen über Nazis legt. Unterstützt wird er von seiner Familie aus Deutschland, bald kann er sich auch in Südamerika ein Netzwerk an Helfern und Helfershelfern aufbauen. Von seiner ersten Ehefrau trennt er sich und heiratet (ein gerissener Schachzug sozusagen) seine verwitwete Schwägerin. Mit ihr führt er ein Luxusleben, prahlt und trägt seine überzogene Selbsteinschätzung zur Schau. Erst nach dem Sturz Peróns fühlt er sich nicht mehr sicher und sucht das Weite. Doch auch auf seinen weiteren Stationen kann er sich nicht mehr so sicher fühlen, immer wieder muss er untertauchen, vor Denunzianten fliehen. Er versteckt sich wie ein Tier, schafft sich eine Hundemeute an, die ihn beschützen soll, beobachtet von einem Hochsitz aus die Umgebung. Zu seinem Tagesablauf gehört seine ausgeprägte Paranoia dazu, immer mit Angst leben, immer auf der Flucht sein, verfolgt von dem eigenen Schatten.

     

    Der Autor zeichnet hier einen ängstlichen, rastlosen Charakter, der trotzdem herrisch auftritt und sich hinter seinem Machtgehabe versteckt. Auch im Alter kennt Mengele kein Gewissen, sondern fühlt sich immer noch im Recht und plädiert auf Verständnis für seine Taten. Besonders beeindruckend fand ich seinen Sohn Rolf aus erster Ehe, für den es sehr schwer ist, einen solchen Vater zu haben. Er macht sich auf die Suche, fliegt nach Brasilien um letztendlich einen Menschen vorzufinden, der nichts bereut dafür einen Teil der Gräueltaten schildert. Mengele hofft auf Verständnis bei seinem Sohn, was ihm dieser verständlicherweise verwehrt. Letztendlich stirbt Mengele 1979 als Wolfgang Gerhard und wird in Brasilien begraben.

     

    Auch viele andere Kriegsverbrecher wurden nie gefasst und für ihre Taten belangt. Guez schildert in seinem Roman auch, wie es dazu kam, wie sich die Prioritäten im Laufe der Zeit verschoben. Obwohl man während des Lesens immer wieder hofft, dass es nun endgültig klappt, Mengele zu erwischen, weiß man doch, dass dies nie der Fall war.

     

    Ein bemerkenswerter Roman, dem ich viele interessierte Leser wünsche. Gerne vergebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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    miss_mesmerizedvor 2 Monaten
    Olivier Guez - Das Verschwinden des Josef Mengele

    Josef Mengele – Todesengel von Auschwitz, der wohl grausamste und rücksichtsloseste Arzt der Geschichte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges gelingt ihm die Flucht über mehrere europäische Länder nach Südamerika, wo er dank der Hilfe eifriger Unterstützer und mit falscher Identität untertauchen kann. Unter Perón führt er in Argentinien zunächst ein sicheres Leben, die deutsche Community ist gut vernetzt und steht unter dem Schutz des Diktators, doch nach dessen Sturz wird die Lage unbequem. Es folgen Jahrzehnte des Irrens über mehrere Länder, immer wieder auf der Flucht und in Angst vor Entdeckung. Mehrfach sind ihm Israelis wie auch andere auf den Spuren, aber dank eines guten Netzes starker Verbündeter gelingt es dem tausendfachen Mörder immer wieder, sich seiner gerechten Strafe zu entziehen.

    Olivier Guez‘ Roman „Das Verschwinden des Josef Mengele“ zeichnet die Spuren eines der schlimmsten Verbrecher des Nazi-Regimes nach. Dies gelingt dem Autor eindrucksvoll und dafür wurde er 2017 völlig zurecht mit den renommierten französischen Literaturpreis Prix Renaudot ausgezeichnet. Drei Jahre hat er an dem Buch gearbeitet, das auf wahren Eckdaten basiert, in weiten Teilen jedoch fiktiv bleiben muss, da bis heute das komplette Leben des Arztes nicht lückenlos dokumentiert ist.

    In erster Linie besticht der Roman natürlich durch die Person des Josef Mengele. Er ist sicher eine der bekanntesten Figuren des Hitler-Regimes und viel wurde über ihn berichtet und geschrieben. Am beeindruckendsten war für mich jedoch die Haltung, die er bis zum letzten Tag standhaft beibehielt: er leugnete seine Taten nicht, aber die Bewertung dessen, was er getan hat, steht in starkem Kontrast zu Realität. Vermutlich um sich selbst zu schützen und sich nicht dem stellen zu müssen, was er verbrochen hat, sah er sich als Wissenschaftler und Forscher, der der Menschheit einen Dienst erweisen wollte:

    „Was ist denn nun mit Auschwitz, Papa? Mengele weist die Schuld von sich. Er hat gekämpft, um „unbestrittene traditionelle Werte“ zu verteidigen, nie jemanden umgebracht. Im Gegenteil: Indem er bestimmte, wer arbeitsfähig ist, konnte er Leben retten. Er verspürt keinerlei Schuld.“


    Seine grenzenlose Angst gerade von den Israelis entdeckt zu werden, zeigt jedoch auch, dass ihm trotz allem sehr bewusst gewesen sein muss, dass diese nicht nur Rache an ihm walten lassen würden, sondern durchaus mit guten Grund und Recht eine Verurteilung forderten. Womöglich ist das Leben in Angst schon die irdische Strafe, die ihm mehr zusetzt, als man vermuten mag:

    „Nun ist er dem Fluch Kains ausgeliefert, dem ersten Mörder der Menschheit: ein Getriebener, der über die Erde irrt, wer ihm begegnet, wird ihn töten.“

    Aber auch Guez Sprachgewalt ist überzeugend. Die nuancierten Zwischentöne, die die Verachtung seines Protagonisten deutlich hervortreten lassen, sind glänzend platziert. Aber auch die Kritik an den nachlässigen deutschen Behörden, die Mengele schon zeitnah nach Kriegsende hätten auffinden können, wird nachhaltig zum Ausdruck gebracht.

    Man spürt eine gewisse Fassungslosigkeit ob der Haltung Mengeles, aber auch, weil auf Erden die Taten nicht gesühnt wurden. Auch wenn der Text letztlich eine fiktive Erzählung ist, was jedoch dem Erzählfluss zugutekommt, kann er als Mahnmal verstanden werden, das in breiter Masse gelesen werden sollte, damit die Geschichte sich nicht wiederholt.

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    Insider2199vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung fehlt
    Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung fehlt

    Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung fehlt

    Der 1974 in Straßburg, Frankreich geborene Autor ist ein Journalist und studierte dort zunächst Politische Wissenschaften. 2005 erhielt er ein Aufenthaltsstipendium für Berlin. Der vorliegende Roman (erschienen 2018) ist bereits sein 2. Roman, der auf Deutsch veröffentlicht wurde.

    Inhalt (Klappentext): 1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand.

    Dieser preisgekrönte Tatsachenroman von Olivier Guez, der in Frankreich sofort zum Sensationsbesteller wurde, liest sich wie ein rasanter Politthriller und wahrt zugleich die notwendige Distanz.

    Meine Meinung: Dieser Tatsachen-Roman ist zwar sehr gut recherchiert und mit fiktiven Elementen gespickt (zum Beispiel ein Traum Mengeles, der jedoch ein wenig unglaubwürdig anmutet!), aber mir fehlte sowohl Spannung als auch die Sichtweise der Jäger. Wenn man erfahren würde wie die Verfolger die Spur von Mengele aufnehmen und ihm immer näher kommen, dann hätte dies sicher die Spannung um Einiges erhöht. Aber durch die eingeengte Sichtweise von Mengele versteht man manchmal überhaupt nicht, warum er gerade Location 1 verlässt und woanders hingeht oder wie er überhaupt weiß, dass ihm jemand auf den Fersen ist.

    Außerdem ist die Sprache sehr abgehackt und hält den Leser sehr auf Distanz; ich finde man merkt schon sehr stark, dass der Autor Journalist ist und vielleicht mit der Erzählweise in einem Roman nicht so vertraut ist.

    Fazit: Ein gut recherchierter Tatsachen-Roman, dem aber Spannung und sprachliche Finesse fehlt. Dennoch wurde ich gut unterhalten und finde, dass die Qualität etwas über dem Durchschnitt liegt. Somit vergebe ich 3,5 Sterne und kann das Buch nur bedingt weiterempfehlen. Vielleicht wäre man mit einer gut gemachten Dokumentation genauso gut bedient.

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    KirstenWilczeks avatar
    KirstenWilczekvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Der Roman lässt mich aufgewühlt zurück. Vom sadistischen Todesengel zum feigen Jammerlappen ohne Reue. Und ohne Gerechtigkeit für die Opfer.
    Von einem Jämmerling ohne Reue

    Olivier Guez hat gut daran getan, keine Biografie über den KZ-Arzt Josef Mengele zu schreiben, sondern dessen Flucht vor der Verantwortung in Romanform aufzubereiten. Das lässt Guez die Freiheit, die Chronologie der Ereignisse nicht stringent verfolgen zu müssen. Die Wahl ermöglicht es ihm auch, sich von der bloßen Ebene der Faktenwiedergabe zu lösen und in den Charakter des seinerzeit in der deutschen Presse zunächst als „Todesengel“ verklärten Sadisten und grausamen Massenmörders zu schlüpfen.

    Guez verfolgt die Stationen einer über 30 Jahre währenden Flucht. Er erzählt aus der Warte des Täters, was zunächst gewagt erscheint, aber gelingt. Guez lässt Mengele nach seiner Ankunft 1949 unsichere erste Schritte in Argentinien unternehmen, bis er zum Netzwerk der europäischen Faschisten, insbesondere Seinesgleichen aus dem untergegangenen Dritten Reich, vordringt – den Koffer mit einigen Präparaten und seinen Forschungsergebnissen stets dabei. Der argentinische Machthaber Juan Perón bietet Kriegsverbrechern  gerne eine neue Chance, verspricht er sich doch von ihrem Wissen eine Manifestation seiner Macht. So träumt auch er von einer eigenen Atombombe, die ihm erlaubt, seinem Land eine Weltmachtstellung zu erobern – treffender formuliert: zu erpressen. Der Kalte Krieg ermöglicht den in Argentinien gestrandeten Kriegsverbrechern zunächst, fröhliche Urständ‘ zu feiern. Mengele lebt in den 50er Jahren sogar nach seiner Scheidung und erneuten Eheschließung (er heiratet die Witwe seines ihm verhassten Bruders) unter seinem richtigen Namen in Buenos Aires, baut das Familienimperium (die Mengeles sind in Bayern ein großer, erfolgreicher Hersteller von Landmaschinen) um die südamerikanische Vertriebsschiene aus und kommt zu einigem Reichtum, den er auch auslebt, bis die Entführung von Eichmann, der Prozess, das Todesurteil und seine Vollstreckung alles ändern.

    Mengele taucht wieder unter, trennt sich von Frau und Stiefsohn, den er doch so gerne nach seinem Vorbild zu einem gehorsamen Volksgenossen in Warteschleife auf das Vierte Reich erzogen hätte. Er wird zum Gejagten, der das "Unrecht" das ihm, dem treuen Diener seines suizidierten Herrn, geschieht, nicht versteht. Andere ranghohe Nazis haben doch auch wieder Karriere in der Bundesrepublik gemacht, siehe Hans Globke. Mengeles Ehre hieß Treue. Hatte er denn nicht treu gedient, ja sogar akribisch treu die rassehygienischen Kriterien für eine Aufzucht der deutschen Rasse, alle samt dem Ideal des Übermenschen entsprechend, innovativ erforscht? Und dann stoppte ihn so etwas Profanes wie die totale Kapitulation, in deren Folge die Entnazifizierung die in die Köpfe gelegten Eier der kranken Nazi-Ideologie entlausen sollte, gewissermaßen der Versuch einer Rehumanisierung eines verrohten, entzivilisierten Volkskörpers. Und der Volkskörper gehorcht, fällt zu Mengeles Ärger auf Adenauer und die westlich-demokratischen Weichspüler herein, dürstet nicht nach einem vierten Reich, sondern kauft Nierentische, Volkswagen und Fernsehapparate. Und die Mama backt mit Dr. Oetker.

    „Das Verschwinden des Josef Mengele“ zeigt insbesondere im 2. Teil des Romans, betitelt „Die Ratte“, wie der grausame Sadist auf seiner langen Flucht über Paraguay und durch den Dschungel Brasiliens zu einem larmoyanten Jammerlappen mutiert. Unterstützt vom Geld seiner Familie, die nach dem Krieg zuhause scheinheilig eine Trauerzeremonie für ihn, den auf dem Rückweg von Auschwitz verlorenen Sohn, gefeiert hat, ist er abhängig von allerlei halbseidenen Gewährs- und Mittelsmännern. Ohne das nationalsozialistische System ist er zu einem Niemand geworden. Er hält sich für verkannt, krakelt Heftchen mit Selbstmitleid voll, in die Guez nach eigenen Angaben Einblick hatte, und schrumpft vor den Augen des Lesers vom selbstattestierten Übermenschen zum griesgrämigen Gartenzwerg, den man noch nicht einmal in der Version mit Messer im Kreuz im Garten liegen haben möchte. Dieser Mann verkörperte – wie Eichmann – das an die Schalthebel der Macht gelangte intellektuelle Mittelmaß, mit dem entscheidenden Unterschied, dass Mengele kein Schreibtischtäter war, wie der dumpfe, verbeamtete Funktionierer Eichmann. Mengele war ein grausamer Sadist mit antisozialer Persönlichkeitsstörung, dessen Einfälle zu Versuchsanordnungen mit Menschen jede Vorstellungskraft sprengt. Er blühte auf in Auschwitz und fiel im Dschungel Brasiliens heulsusig in sich zusammen. Am Ende war ihm das Leben eine Last, die ihn schließlich im Südatlantik 1979 nach einem Schlaganfall ersäufte. Bereut hat er seine Taten nie. Die Größe, Verantwortung zu übernehmen, besaß er auch nicht. Er hat sich verkrochen über Jahrzehnte. Worauf er gewartet hat? Vermutlich auf ausreichend viele vom Leben Beleidigte, die von Chemnitz mit dauererigiertem Arm nach Berlin ziehen. Das erlebt er nun nicht mehr.

    Man kann Guez vorwerfen, dass das bildreich ausgestellte Selbstmitleid von Mengele den Opfern, ihrem Leid und ihrem Anspruch auf Gerechtigkeit nicht gerecht wird. Es ist auch keine Genugtuung, dass einer der größten Kriegsverbrecher nicht bis ans Ende seiner Tage glücklich und zufrieden in Saus und Braus gelebt hat, sondern unter Einsamkeit etc. gelitten hat. Dennoch entmystifiziert Guez profund und faktenreich den „Todesengel“ und dafür dürfen wir ihm dankbar sein. Derlei Mengeles kann man verhindern, wenn man sich zwischen sie und die Schalthebel der Macht stellt. Sie sind nicht überlebensgroß, nicht unabwendbares Schicksal.

    „Das Verschwinden des Josef Mengele“ ist nicht nur Titel, sondern auch vorläufiges Fazit und bestehenbleibender Auftrag der Biografie eben jenes Josef Mengele und etwaiger Nachfolger.

    Unbedingte Leseempfehlung!

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    Ro_Kes avatar
    Ro_Kevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Mahnmal wider das Vergessen und eine lesenswerte Lektüre, jedoch sollte man keinen spannenden Politthriller erwarten.
    Für die 2. und 3. Generation geschrieben

    Klappentext (Lovelybooks):

    1949 flüchtet Josef Mengele, der bestialische Lagerarzt von Auschwitz, nach Argentinien. In Buenos Aires trifft er auf ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern, unter ihnen Diktator Perón, und baut sich Stück für Stück eine neue Existenz auf. Mengele begegnet auch Adolf Eichmann, der ihn zu seiner großen Enttäuschung nicht einmal kennt. Der Mossad sowie Nazi-Jäger Simon Wiesenthal und Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nehmen schließlich die Verfolgung auf. Mengele rettet sich von einem Versteck ins nächste, lebt isoliert und wird finanziell von seiner Familie in Günzburg unterstützt. Erst 1979, nach dreißig Jahren Flucht, findet man die Leiche von Josef Mengele an einem brasilianischen Strand.

    Meine Meinung:

    Basierend auf einer sehr umfangreichen Recherche, portraitiert Olivier Guez das Leben Josef Mengeles, beginnend mit seiner Flucht nach Südamerika und schmückt es durch fiktives Beiwerk aus.

    Ich hatte anfangs Probleme mit dem sehr distanzierten und „abgehackten Doku-Schreibstil“, durch den mir ein angenehmer Lesefluss, den ich mir bei einem Roman erhoffe, leider verwehrt blieb. 

    Ebenfalls problematisch erschien mir manchmal die Mixtur aus Fakten und Fiktion. 

    Insbesondere die beschriebene Traumsequenz Mengeles wirkte auf mich, nicht nur aufgrund der plötzlich sehr bildhaften Sprache, wie ein Fremdkörper bzw. ein „Hirngespinst“ des Autors.

    Allerdings schafft der Autor es, die Stationen und Weggefährten Mengeles bei dessen Flucht sehr authentisch und greifbar darzustellen und den Schrecken bzw. die unbelehrbare „böse Seele“ Mengeles mit sehr eindrücklichen beklemmenden Worten zu transportieren.

    Fazit:

    Ein wichtiges Mahnmal wider das Vergessen und eine lesenswerte Lektüre, jedoch sollte man keinen spannenden Politthriller, wie angepriesen, erwarten.

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