Olivier Roy

 3.6 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Heilige Einfalt, Der islamische Weg nach Westen und weiteren Büchern.
Olivier Roy

Lebenslauf von Olivier Roy

Oliver Roy ist am 30. August 1949 in La Rochelle geboren. Er studierte Philosophie, persische Sprache und Kultur und Politikwissenschaften in Paris. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze über den politischen Islam, islamistischen Terrorismus und den Mittleren und Nahen Osten. Oliver Roy war Forschungsdirektor am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) und lehrte in Paris einige Jahre an der der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales und an der Sciences Po. Heute arbeitet er als Professor am Robert Schuman Zentrum des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz.

Alle Bücher von Olivier Roy

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Heilige Einfalt

Heilige Einfalt

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Erschienen am 11.07.2011
Der islamische Weg nach Westen

Der islamische Weg nach Westen

 (4)
Erschienen am 10.05.2006
"Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod"

"Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod"

 (1)
Erschienen am 04.09.2017
Der falsche Krieg

Der falsche Krieg

 (0)
Erschienen am 16.03.2010
Holy Ignorance

Holy Ignorance

 (0)
Erschienen am 01.11.2010
The Politics of Chaos in the Middle East

The Politics of Chaos in the Middle East

 (0)
Erschienen am 01.10.2009

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Rezension zu ""Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod"" von Olivier Roy

Der menschliche Kern des Dschihad
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Der menschliche Kern des Dschihad

Ob die Beweggründe vor allem junger, islamischer „Fanatiker“, „Terroristen“ und/oder „Gotteskrieger“ auf eine gemeinsame „Grundformel“ zu bringen sind, dass darf auch nach der Lektüre dieses (mit erfrischend anderem Zugang zum Thema versehen als viele andere „Verstehens-Ansätze) Werkes bezweifelt werden. Was aber in der Natur der Sache begründet liegt. Zigtausende von Menschen haben sich dem „radikalen Dschihad“ verschreiben, aus vielfach verschiedenen Prägungen und mit durchaus auch verschiedenen Motiven.

Dennoch aber, die Grundthese Roys fordert zu Recht Beachtung und führt zu einer neuen Sichtweise auf das, was im Titel so schlagwortartig formuliert wird.

Wer für sich selbst in die Verneinung sich bewegt, eine „gute Zukunft“, Möglichkeiten der konstruktiven Veränderungen für das eigene Leben nicht sieht, nicht sehen will und negiert, der wird, wie in allen Jahrhunderten und „Kriegsbewegungen“ (bis hin zum Willen, ein ganzes Land und Volk zu „zerstören“, wenn es den „Kampf nicht siegreich gestalten kann“ wie im dritten Reich), sich dem Ideal des Opfers, des Märtyrers, des „höheren Ziels“ der „Vernichtung des (jedes) Feindes“ deutlich leichter und mit deutlich mehr Vehemenz verschreiben, als Menschen, die bewegt werden durch Hoffnung auf ein Licht am Horizont. Zunächst des eigenen, dadurch aber auch des gemeinschaftlichen Lebens (zumindest im persönlichen Umfeld).

Dieser psychologische Befund, diese „moderne „Disposition mancher Persönlichkeiten“ führt zu einer neuen Qualität des Kampfes, der in früheren Jahrhunderten und terroristischen Aktionen zwar vereinzelt ebenfalls vorhanden gewesen sein mag, sich nun aber in der Moderne in radikaler Breite zeigt.

„Neu ist, dass Terrorismus und Dschihadismus sich mit dem Todeswunsch des Attentäters verbinden“. Dass eine Negierung des eigenen Lebens, so schlimm diese in einen darauf zulaufenden Suizid bereits in sich sein mag, nun mit einer plakativen Verachtung des Lebens anderer (durch krude Argumente und Schlagworte als „Schuldige“ gekennzeichnet), verbindet.

„---und sie tun dies, ohne einen ernsthaften Fluchtversuch zu unternehmen und dass ihr Tod für die Durchrührung der Taten (Roy meint hier terroristische Anschläge nicht durch Selbstmordattentäter per se) zwingend nötig sei.

Was Roy durchaus zurecht die Möglichkeit eröffnet, auch einen Blick auf politische Attentäter wie den engen Kern der Baader- Meinhof Gruppierung zu werfen, die ebenfalls weder ihren Kampf noch das Opfer ihres eigenen Lebens ab einem gewissen Zeitpunkt in Frage stellten.

Was Roy zu der interessanten und aktuell noch wenig beleuchteten These führt, dass nicht der Islam radikalisiert und zu „Selbstmördern“ jedweder Form „erzieht“, sondern dass eine gewisse Neigung zur Radikalität samt Negierung des Wertes des Lebens anderer und gar des eigenen bereits psychologisch-pathologisch in zahlenmäßig beachtenswerten Teilen der „Jugend der Welt“ vorliegt. Diese Haltung, Neigung, Disposition dann ist es, die sich einen „Überbau“ schafft, die Versatzstücke aus Ideologien und Religionen sich für das eigene „Weltbild“ fast noch „zurecht zimmern“, im ihren radikalen Bruch mit der Welt und sich selbst zu begründen. So mag es auch aus dieser Haltung heraus so überaus schwierig sein, über anderes Aspekte des Islam mit „Islamisten“ zu diskutieren. Denn nicht das Gesamte und dann differenziert Betrachtete zählt, sondern eher die Schlagworte, die der vorher bereits verankerte emotionalen Haltung als Schlagworte Ausdruck verleihen.

Dabei verhehlt Roy keineswegs die mörderische Strategie des IS auch in Bezug auf „Gehirnwäsche“ und den ständigen Versuchen, maximale Angst in der „saturierten Welt“ zu erzeugen.

Betrachtet man die Dinge aber durch Roys Augen, dann wird es nicht reichen, den „äußern Terroristen“ zu bekämpfen. Selbst wenn es gelingt, den IS und andere „religiöse Terrorgruppen“ vollständig zu zerschlagen, änderst dass nichts am Vorhandensein des dafür notwendigen „Nährbodens“ in den, vor allem, jungen Menschen weltweit.

Ohne eine Lösung fertig „anzubieten“, legt Roy damit den Finger auf eine offene Wunde aller modernen Gesellschaften.

Das Versagen, den Menschen, vor allem den Jungen, gegenüber, Ideale, Perspektiven und Instrumente an die Hand zu geben, das eigene Leben mit einem tieferen Sinn zu füllen als nur mit der Teilnahme am Konsum. Das nämlich stand für nicht wenige radikalisierte Islamisten zuvor durchaus im Bereich der Möglichkeiten, hat aber eben nicht jene Antworten geboten, die Lust am Leben und Respekt vor dem Leben an sich genügend tief verankert hätte.

Eine interessante Blickrichtung, die eines vertieften Nachdenkens und einer breiten Diskussion wert ist. Auch wenn nicht jeder alles an Roys Analysen und Folgerungen unterstreichen würde.

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Rezension zu "Der islamische Weg nach Westen" von Olivier Roy

Rezension zu "Der islamische Weg nach Westen" von Olivier Roy
StephanSchwarzvor 7 Jahren

Ein auf den ersten Blick sehr provozierender Titel, ein Titel den ich zuerst einmal als unmöglich abgelehnt habe. Der Islam auf den Weg nach Westen? Islam und westliche Werte passen nach landläufiger Meinung in ihrem Erscheinungsbild nun so gar nicht zusammen. Und genau darin liegt schon der erste Fehler, wie Olivier Roy sehr überzeugend darstellt. Er beweist, das wir falsch liegen, wenn wir im Westen annehmen, dass Demokratie und die Trennung der Religion vom Staat immer in ein Gesellschaftsmodell wie das unsrige führt. Laut dem Autor ist bei uns die Modernisierung und die Demokratie durch einen Wechsel vom Kollektiv zum Individuum getragen wurden, in den islamischen Ländern kann es aber ganz anders laufen, da kann die Individualisierung des Glaubens auch zum Fundamentalismus führen, als weiteres Beispiel hierfür nennt er hier die amerikanischen Protestanten und Freikirchen. Man mag das jetzt leichtfertig als französisch gefärbten Antiamerikanismus abtun, ich hingegen finde, das dieser Gedanke lohnt verfolgt zu werden.

Roy sieht viele Parallelen zwischen konservativ christlichen Werten und Forderungen von Imamen, die im Westen wirken. Wenn ein solcher Imam die Scheidung verurteilt, dann ist das eher westlich als islamisch geprägt und ruht nicht mehr auf dem Konzept der Scharia, wo die Scheidung auf Antrag des Ehemanns eine der traditionellen Säulen dieses Konzepts darstellt. Roy stellt fest, dass der Neofundamentalismus den Islam an moderne Individualisierungsmodelle und den freien Markt anpasst. Indem er vorgibt, jeden kulturellen Kontext zu ignorieren, und einen Verhaltenskodex zur Verfügung stellt, der in jedem Teil der Welt auf ähnliche Weise funktioniert, ist er ein perfektes Werkzeug der Globalisierung. Roy beschäftigt sich auch mit den Wurzeln des islamistischen Terrornetzwerkes, der Al Qaida.

Seiner Meinung nach sind die Terroristen entwurzelte Pessimisten, die wissen, das die sogenannten islamischen Staaten nicht ihrem Idealbild entsprechen. Ihr Kampf dient nicht mehr der Verteidigung eines Territoriums, sondern der Erschaffung einer neuen globalen und virtuellen Umma. Der Kampf ist jetzt eher eine spirituelle Reise, ja er ist der ultimative Beweis des reformierten Selbst. Als Beispiel führt Roy Mohammed Atta auf, der in seinem Testament festlegte, das er nicht auf die traditionelle Art beigesetzt werden wollte. Die Neofundamentalisten werden durch ihre Sorge um die Reinheit des Islams gezwungen das reale Leben, die bestehende Politik und die sie umgebenden Gesellschaften zu ignorieren. Die Religion wird objektiviert, als geschlossenes und ausdrückliches Set von Normen und Werten betrachtet, welches völlig losgelöst ist von der sie umgebenden und gelebten Kultur. Säkularisierung bedeutet also keinesfalls das Ende der Religion sonder nur das sich die Religion von den anderen Sphären des gesellschaftlichen Lebens trennt. Somit begünstigen die Neofundamentalisten die Trennung von Religion und Staat und damit sind sie auf dem Weg in den Westen.

Ein anspruchsvolles Buch, das einem die Augen öffnet und auch über das Wirkungsbild unserer eigenen Kultur im Rest der Welt reflektieren hilft. Unbedingt lesenswert!

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Rezension zu "Heilige Einfalt" von Olivier Roy

Rezension zu "Heilige Einfalt" von Olivier Roy
Beltschazarvor 8 Jahren

Roy - ein französischer Politologe - beschreibt in diesem Werk die Gefahr von religiösen Strömungen, Sekten und Kulten, die sich von Kultur loslösen. In der Globalisierung sieht er er eben diesen Prozess.
Was ich in diesem Werk bemängeln "kann" ist die oberflächliche Recherche über das Christentum. Roy stellt Konvertiten wie Käufer in einem Schuhgeschäft dar, die sich eine Religion suchen, die zu ihnen passt. Allerdings sind in vielen Kreisen meist missionarische Bemühungen oder persönliche spirituelle Erfahrungen die Gründe für eine Konversion. Roy sieht Religionen, die lediglich auf spirituelle Erlebnisse aus sind und dabei das Denken ausklammern als gefährlich für die säkulare Gesellschaft an. Dieser Gedanke ist sicherlich korrekt, jedoch erlebt man besonders im europäischen Christentum einen sehr starken Rückgang des christlichen Fundamentalismus (auch in der Pfingstbewegung). Mit der notwendigen Bildung würde er auch im internationalen Christentum abnehmen. Damit seien nur einige Beobachtungen genannt.
Freilich ist die akribische Darstellung der einzelnen religösen Strömungen auch nicht das Ziel dieses Werkes. Daher halte ich das Werk für notwendig und sehr bereichernd. Mir hat es neue Horizonte eröffnet. Seine Sprache und Erläuterungen finde ich einleuchtend, würde es für "meinen Verhältnisse" jedoch nicht als leichte Kost bezeichnen.

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Olivier Roy wurde am 30. August 1949 in La Rochelle (Frankreich) geboren.

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