„In Syrien bin ich mit Krieg und Gewalt aufgewachsen. Frieden wurde deshalb für mich schon früh zu etwas besonders Wertvollem.“
Kann ein Buch wirklich etwas verändern – vielleicht sogar unsere Sicht auf die Welt? Ja, wenn es uns zum Nachdenken bringt, Fragen stellt und zeigt, dass Frieden nicht irgendwo weit weg beginnt, sondern genau hier. Bei dir, bei mir, bei uns.
„Frieden ist unsere Superkraft“ von Omar Khir Alanam, wundervoll illustriert von Amir Abu Roumié, ist kein klassisches Lesebuch und auch keine durchgehende Geschichte. Es ist vielmehr ein philosophisches Mitmach-, Denk- und Gesprächsbuch, das große Fragen stellt und dabei immer wieder ganz nah an unserer eigenen Lebenswelt landet.
Das Buch nimmt uns mit auf eine Reise – von Frieden in der Welt über Frieden im Internet und Frieden im Klassenzimmer bis hin zu Frieden in mir selbst. Und genau diese Reise macht das Buch so besonders.
Schon das Buch selbst macht Lust aufs Entdecken. Ist das Buch ein echtes Schmuckstück. Das wundervoll gestaltete Cover ist typisch für den leykam Verlag. Modern, hochwertig und mit einer geriffelten Oberfläche, die dem Buch eine besondere Haptik verleiht. Es fühlt sich einfach gut an, das Buch in die Hand zu nehmen.
Mit 25 Euro für 144 Seiten gehört „Frieden ist unsere Superkraft“ allerdings definitiv in den kostenintensiveren Bereich. Das sollte man bei der Anschaffung durchaus berücksichtigen – insbesondere, wenn man das Buch für eine Schule, Bibliothek oder pädagogische Einrichtung kaufen möchte.
Gleichzeitig bekommt man dafür aber deutlich mehr als einfach nur bedruckte Seiten. Starke Inhalte, intensive Illustrationen, Übungen, Denkanstöße, historische Geschichten, Menschenrechtswissen und jede Menge Gesprächsimpulse. Und gerade für den Ethikunterricht oder die pädagogische Arbeit ist der große Vorteil, dass man das Buch immer wieder zur Hand nehmen kann. Es ist kein Buch, das man einmal durchliest und anschließend ins Regal stellt.
Omar Khir Alanam weiß, wovon er spricht. Er selbst hat Krieg und Flucht in Syrien erlebt und lebt heute in Österreich. Seine persönlichen Erfahrungen geben vielen Themen eine besondere Tiefe, ohne dass das Buch dabei schwer oder bedrückend wird. Im Gegenteil. Immer wieder blitzt Hoffnung auf.
Der Leitgedanke „Morgen ist schöner“ zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Denn Veränderung beginnt nicht erst bei den großen politischen Entscheidungen. Sie beginnt mit unseren Gedanken, Worten und Gesten. Vom Weltfrieden bis zum Frieden mit mir selbst.
Schon der Einstieg macht neugierig. Friedenstaube, Peace-Zeichen, Victory-Zeichen, Origami-Kraniche, Blumen als Widerstandssymbol, Salam und Shalom, Friedenspfeife, weiße Helme, rote Hand oder Kerzen im Fenster – die Symbole des Friedens werden kurz und verständlich erklärt.
Danach geht es mitten hinein in die großen Fragen. Was bedeutet Frieden eigentlich? Was heißt es, in einem fremden Land anzukommen? Was können Sprache, Vergebung und Begegnung bewirken? Warum ist Demokratie so wichtig? Was bedeutet Flucht? Und wie können Menschen aufeinander zugehen, anstatt ständig nach dem zu suchen, was sie voneinander unterscheidet?
Dabei begegnen uns auch historische Geschichten und Menschen, die sich für Frieden eingesetzt haben – von Henry Dunant über Mahatma Gandhi, Rosa Parks, Nelson Mandela und Martin Luther King bis hin zu Malala Yousafzai und Narges Mohammadi.
Das Buch fordert nicht einfach dazu auf, diese Menschen zu bewundern. Es fragt, Wann warst DU schon einmal ein Friedensheld oder eine Friedensheldin? Und plötzlich wird aus Geschichte persönliche Verantwortung.
Auch die digitale Welt wird nicht ausgespart. Hass, Mobbing, Cybermobbing, Radikalisierung und Gewalt im Netz werden verständlich erklärt – ohne erhobenen Zeigefinger.
Das Buch zeigt, wo Betroffene Hilfe bekommen können und ermutigt dazu, sich Vertrauenspersonen zu suchen und nicht allein zu bleiben. Auch Angebote wie HateAid, RESPEKT, Nummer gegen Kummer und Rat auf Draht werden aufgegriffen.
Besonders gelungen finde ich die kleinen Übungen und Denkanstöße. „Schreibe fünf Dinge auf, die du gerne machst – ganz ohne Handy, Internet, Computer oder Konsole.“
Eine einfache Frage – und plötzlich denkt man über das eigene Leben nach.
Auch Schule wird von einer anderen Seite betrachtet. Schule kann Spaß machen – aber sie kann auch Angst machen. Gruppen können einschüchtern, Mobbing kann verletzen und Wegschauen kann Konflikte verschärfen.
Das Buch erklärt Kinderrechte, Mobbing und Zivilcourage und macht deutlich, für andere einzustehen ist keine Schwäche. Es ist Stärke.
Und dann kommen diese kleinen, wunderschönen Ideen, die Frieden ganz praktisch machen:
eine Blume schenken, einen Brief schreiben, zuhören, Zeit miteinander verbringen oder einfach sagen: „Danke, dass es dich gibt.“
Genau solche Impulse machen das Buch für pädagogische Arbeit so wertvoll. Besonders berührend ist die Geschichte von Sadako und den tausend Kranichen, die mit Hiroshima, dem Atombombenabwurf von 1945 und Sadakos eigener Erkrankung an Leukämie verbunden ist. Eine Geschichte über Krieg und Leid – aber gleichzeitig über Hoffnung, Erinnerung und den Wunsch nach Frieden.
Frieden in mir. Vielleicht ist das für mich der stärkste Teil des Buches.
Denn Frieden beginnt eben nicht nur zwischen Staaten. Er beginnt auch in uns selbst. Es geht um Selbstachtsamkeit, Gefühle, Grenzen, Würde, Menschenrechte, Wut und die Frage Wie kann ich mit mir selbst Frieden schließen. Die Übungen sind dabei wunderbar niedrigschwellig. Eigene Körpergrenzen markieren, Gefühle Farben zuordnen oder Gefühle ohne Worte darstellen – das sind Impulse, mit denen man direkt arbeiten kann.
Auch der Umgang mit Wut wird nicht verteufelt. Alle Gefühle dürfen da sein. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen.
Und dann kommt noch eine wichtige Botschaft, Fehler sind menschlich – und Fehler können sogar Helfer sein. Was für ein schöner Gedanke!
Und dann diese Illustrationen! Die Illustrationen von Amir Abu Rumia sind für mich ein echtes Highlight. Der reduzierte Comic-Stil, kombiniert mit wenigen, aber unglaublich intensiven und ausdrucksstarken Farben, passt perfekt zum Charakter des Buches. Die Bilder sind nicht einfach nur schmückendes Beiwerk. Sie geben den Themen eine eigene Sprache und machen das Buch gerade für Kinder und Jugendliche sehr zugänglich.
Für mich ist „Frieden ist unsere Superkraft“ deshalb ein echtes Goldstück und besonders interessant für Ethik- und Deutschunterricht, Projektunterricht, Klassenstunden, Workshops oder pädagogische Gruppenarbeit.
Man kann einfach ein Kapitel aufschlagen, eine Frage herausgreifen und schon ist man mitten im Gespräch. Es geht nicht darum, Kindern fertige Antworten vorzusetzen. Es geht darum, gute Fragen zu stellen. Und genau darin liegt die Stärke dieses Buches.
Es nimmt uns mit von den großen Konflikten dieser Welt über Krieg, Flucht, Menschenrechte, Hass und Gewalt bis zu den ganz persönlichen Fragen: Wie gehe ich mit anderen um? Wie gehe ich mit Konflikten um? Wie gehe ich mit mir selbst um? Und was kann ICH eigentlich tun?
Ein wundervoll gestaltetes, mutiges und gleichzeitig hoffnungsvolles Buch, das zeigt, Frieden ist kein Zustand, auf den wir einfach warten müssen. Frieden ist etwas, das wir jeden Tag ein kleines Stück mitgestalten können.
Der Preis von 25 Euro ist sicher kein Schnäppchen und dürfte manchen zunächst schlucken lassen. Aber wer ein Buch sucht, das nicht nur gelesen, sondern immer wieder als Gesprächs- und Arbeitsgrundlage eingesetzt werden kann, bekommt hier ein wirklich vielseitiges Gesamtpaket.
5 von 5 Friedensraketen mit Tauben drauf! Denn dieses Buch liest man nicht einfach durch – man nimmt Gedanken daraus mit. Und vielleicht verändert genau einer dieser Gedanken ein kleines Stück unserer Welt.
„Frieden ist unsere Superkraft“ zeigt, Du musst nicht die ganze Welt verändern – manchmal reicht es schon, wenn du die Welt eines einzigen Menschen ein kleines bisschen besser machst.
Große Veränderungen beginnen mit kleinen Gesten. Ein Wort. Ein Lächeln. Ein Zuhören. Ein Friedensschritt. – Morgen ist schöner.
„Denn für mich seid ihr die wahren Heldinnen und Helden des Friedens!“











