Orhan Pamuk Der Koffer meines Vaters

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Inhaltsangabe zu „Der Koffer meines Vaters“ von Orhan Pamuk

Orhan Pamuk ist ein Augenmensch. Die Bilder eines Bellini faszinieren den in der Türkei lebenden Autor ebenso wie persische Miniaturen. In dieser Sammlung von Essays staunt der Nobelpreisträger für Literatur über die alltäglichen Wunder in New York, huldigt seinen Vorbildern der Literaturgeschichte und gibt Betrachtungen zu Politik und Zeitgeschichte preis. Vielleicht am schönsten sind seine Schilderungen aus dem Alltagsleben - der Tod einer Möwe oder die kindliche Melancholie der kleinen Tochter. Pamuks Essayband ist ein ganzer Kosmos, witzig, verspielt, manchmal provozierend, eine Fundgrube für alle Leser dieses großen Autors.

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  • Rezension zu "Der Koffer meines Vaters" von Ingrid Iren

    Der Koffer meines Vaters
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    19. March 2010 um 08:10

    Tiefgehende Einblicke in die Welt des Orhan Pamuk Orhan Pamuks Essayband "Der Koffer meines Vaters" ist ein wunderbares, persönliches und teilweise auch sehr poetisches Buch, das einen äußerst sympathischen und tiefen Einblick in das private und künstlerische Leben des türkischen Nobelpreisträgers von 2006 gewährt. Die in diesem Buch gesammelten Essays, Reden, Vorworttexte zu türkischen Erstveröffentlichungen und kurze, teilweise autobiografisch inspirierte Prosaminiaturen spannen den Bogen von seiner an seinen Vater und die wichtige Rolle des Vaters im Leben von Orhan Pamuk erinnernden Rede zur Empfangnahme des Nobelpreises für Literatur bis hin zu seinem abschließenden "Paris Review"-Interview. Dazwischen gibt es Essays und Texte, die in folgende Themengruppen unterteilt sind: Leben, Istanbul, Amerika, Lesen und Bücher, Meine Bücher sind mein Leben, Bilder und Texte, Politik und Staatsbürgerschaft, sowie das bereits erwähnte Interview. "Wenn ich an meine vierundfünfzig Lebensjahre zurückdenke, habe ich jemanden vor mir, der ständig voller Glücks- und Unglücksgefühle am Schreibtisch sitzt und arbeitet. Ich habe meine Bücher stets sorgfältig und geduldig und mit besten Vorsätzen geschrieben und immer an sie geglaubt. Erfolg, Ruhm und berufliches Glück ... von selbst gekommen sind sie nicht." Auf ganz wundersame Art und Weise berührt Orhan Pamuk den Leser, wenn er ihn an diesen teilweise sehr privaten Betrachtungen teilhaben lässt. Seine Gedanken zum Aufstehen in stiller Nacht, zum Gefühl, das sich einschleicht, wenn man nicht mehr raucht, zur poetischen Gerechtigkeit, die Bemerkungen über Traum und Schuldgefühl, zur schönsten Uhr und über Frühlingsnachmittage sind funkelnd, geistreich und literarisch von feinstem Schliff, während manche vom Autor selbst illustrierte Miniaturen sich in teilweise sehr reduzierter, direkter, fast naiver Sprache entfalten. "Wenn ich mit meiner kleinen Tochter Rüya an den Strand gehe, bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Und was will der glücklichste Mensch der Welt am allermeisten? Natürlich weiterhin der glücklichste Mensch der Welt sein. Dazu muss er immer wieder das gleiche tun. Also tun wir immer das gleiche." Großartige, stille und entrückte Momente haben die drei Istanbul und die beiden Amerika gewidmeten Essays, die, sich kleiner Geschichten bedienend, tief in die Welt der ganz unterschiedlichen und doch viele Ähnlichkeiten aufweisenden Städte New York und Istanbul eintauchen. Über interessante literarische Essays zu "Tristram Shandy", Victor Hugos Passion für Größe, Albert Camus, zur Romanwelt Thomas Bernhards, zu Ahmet Hamdi Tanpinar und Salman Rushdies "Die satanischen Verse" und der damit verbundenen Freiheit des Autors, führt der Leseweg zum Abschnitt "Meine Bücher sind mein Leben", der den Büchern des Autors gewidmet ist. Überzeugend und spannend, wie Orhan Pamuk hier seinen Schaffensprozess und die Entstehungsmomente seiner Romane, seine Schaffenswerkstatt quasi wie auf den Präsentierteller legt und dem interessierten Leser einen möglicherweise neuen Zugang zu seinen Romanen ermöglicht. Eine feine, schwarzweiß gehaltene Fotoserie aus Kars begleitet den Essay zu "Schnee"; Fotos, die die Schneewelt von Kars und "Schnee" eindringlich näher bringen. Pamuks differenzierte und komplexe Romanwelt als subtil erklärter Mikrokosmos, das ergibt eine spannende literarische Reise. Die etwas weniger interessanten Essays dieses Bandes sind die wenigen, die sich mit Politik beschäftigen, was aber nach Meinung des Rezensenten eine Frage der absoluten Unvereinbarkeit von Politik und Kunst in einer so klaren literarischen Form ist. Obschon Orhan Pamuks Gedanken und politische Ansichten bewundernswert und klar nachvollziehbar sind, fehlt ihnen die literarische Motivation, was sie für diesen Band entbehrlich erscheinen lässt. "Der Koffer meines Vaters" ist ein aufregender und beeindruckender Band, der den Wunsch, weiter in den literarischen Kosmos dieses Autors einzudringen, eindeutig geweckt hat und in dem man jederzeit gerne einzelne oder mehrere Texte wieder lesen möchte. "Ich weiß, dass ich jetzt, im April 2007, im Alter von vierundfünfzig Jahren, schon mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mir habe, aber ich glaube, dass mein bisher zweiunddreißig Jahre währendes Schriftstellerleben erst bei der Hälfte angelangt ist. Vor mir sollten noch einmal zweiunddreißig Jahre liegen, in denen ich Bücher schreiben kann, die meine Mutter und andere Leser überraschen." Möge dieser Wunsch Orhan Pamuks in Erfüllung gehen. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 03/2010)

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