Orlando Figes

 4.4 Sterne bei 28 Bewertungen
Autor von Die Flüsterer, Die Tragödie eines Volkes und weiteren Büchern.

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Orlando FigesDie Flüsterer
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Die Flüsterer
Die Flüsterer
 (7)
Erschienen am 04.09.2010
Orlando FigesDie Tragödie eines Volkes
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Die Tragödie eines Volkes
Die Tragödie eines Volkes
 (6)
Erschienen am 09.08.2008
Orlando FigesNataschas Tanz
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Nataschas Tanz
Nataschas Tanz
 (5)
Erschienen am 05.04.2011
Orlando FigesSchick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne
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Schick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne
Orlando FigesKrimkrieg
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Krimkrieg
Krimkrieg
 (1)
Erschienen am 01.10.2011
Orlando FigesRussland. Die Tragödie eines Volkes
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Russland. Die Tragödie eines Volkes
Russland. Die Tragödie eines Volkes
 (1)
Erschienen am 10.11.2014
Orlando FigesHundert Jahre Revolution
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Hundert Jahre Revolution
Hundert Jahre Revolution
 (0)
Erschienen am 23.02.2015
Orlando FigesSchick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne
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Schick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne

Neue Rezensionen zu Orlando Figes

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MilaWs avatar

Rezension zu "Nataschas Tanz" von Orlando Figes

fundierter Überblick
MilaWvor 9 Monaten


Orlando Figes ist einer der bedeutendsten europäischen Russlandexperten. Hier legt er in mehr als 600 Seiten eine umfassende Erzählung über die russische Kulturgeschichte (Literatur, Musik, Tanz, Kunst) vor. Dabei geht er auf die großen Gegensätze in der russischen Gesellschaft ein (z.B. arm-reich, Stadt-Land, Ost-West) und zeigt auch Verbindungen zur europäischen Entwicklung auf.


Meine Meinung:
Figes listet nicht bloß Ereignisse auf, sondern wählt historische oder literarische Anekdoten, um darum seine Erkenntnisse zu gruppieren. Das macht es gut lesbar, aber eventuell für komplette Neulinge verwirrend (wenn beispielsweise die Kenntnis der Handlung von „Krieg und Frieden“ vorausgesetzt wird).
Die Kapitel sind auch unabhängig voneinander verständlich, man kann also das lesen, was gerade interessant ist und auch mal springen ohne komplett den Faden zu verlieren. Einige der erwähnten Malereien sind als farbige Abbildungen enthalten, aber leider nicht alle.
Leider wird die Sowjetzeit recht kurz abgehandelt und die Entwicklung nach ihrer Auflösung fällt größtenteils unter den Tisch. Gut, da das Buch 2002 erschien, ist das tatsächlich sehr nahe Geschichte, deren Schwerpunkte sich noch erweisen müssen. Ein kleiner Ausblick hätte mich dennoch interessiert. Aber irgendwo muss sich jeder Autor mal beschränken und da das Buch tatsächlich gut unterhält und sehr lesbar ist ohne platt und verkürzend zu sein, gebe ich trotzdem volle Punktzahl. Ein kenntnisreich und kurzweilig erzählter Überblick über die russische Kulturgeschichte.

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Betsys avatar

Rezension zu "Schick einen Gruß, zuweilen durch die Sterne" von Orlando Figes

Die Macht des geschriebenen Wortes
Betsyvor 3 Jahren

Dieses Buch erzählt die Geschichte von Lew und Sweta anhand ihrer geschriebenen Briefe. Beide lernen sich an der Universität in Moskau kennen und lieben, doch der 2. Weltkrieg trennt die beiden und nach dessen Ende wird Lew wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen für 10 Jahre in ein Arbeitslager (Gulag) in Sibirien geschickt. Trotz der Gefahren gelingt es beiden ihre Beziehung durch Briefe aufrecht zu erhalten.

Der Einstieg fiel mir etwas schwer und ich habe mich kurz auf Wikipedia bezüglich den Revolutionen in Russland schlau gemacht (Februar&Oktoberrevolution), da dieses Hintergrundwissen zu Beginn des Buches nicht weiter vertieft wurde. Gewöhnungsbedürftig auch die vielen unterschiedlichen Namen und die manchmal nicht unbedingt chronologische Abfolge der Briefe zwecks passender Eingliederung. Dies stört nicht wirklich, wenn man sich einmal eingelesen hat, weil alles nachvollziehbar bleibt.
Der Autor schafft es gekonnt um die einzelnen Briefpassagen die gesamte Geschichte der Beiden zu erzählen und lockert die zeitweise doch etwas schleppend vorangehende Erzählung mit Originalfotos der Personen auf, sodass man von den wichtigsten Leuten auch ein Bild vor Augen hat.

Obwohl man einen Einblick in das Leben im Gulag erhält, wird in den Briefen und bei den Ergänzungen des Autors, eher sachlich über alltägliche Probleme und Abläufe dort geschrieben. Hauptsächlich geht es um das hoffen, warten, bangen und die Lasten des täglichen Alltags, aber auch die Leute aus dem Gulag und die Familie von Lew und Stewa werden immer wieder erwähnt. Besonders der Mut und die Hilfe einzelner Personen die die Briefe hinein- und hinausschmuggeln (zu der Zeit bestand eine Briefbeschränkung und Zensur) wird in Lews Briefen sehr deutlich. Ohne deren Hilfe hätte diese Liebe wohl keine Chance gehabt.

Es wird gleich zu Beginn klar, wie wichtig diese Briefe für beide sind, da sie sich damit gegenseitig aufbauen und die Hoffnung nicht verlieren, doch noch ein gemeinsames Leben führen zu können.

"Wenn ich meinen Namen auf dem Umschlag sehe und er Deine Handschrift trägt, überkommt mich immer die gleiche Empfindung: eine Mischung aus Unglauben, Erstaunen, Freude und schließlich Gewissheit, sowie ich begreife, dass er wirklich für mich ist und wirklich von Dir." (Lew an Sweta)

Für mich eine der schönsten Liebeserklärungen, die ich je gelesen habe und die mich wirklich zu Tränen gerührt hat:

"Der Sinn von alledem ist, dass ich dir bloß drei Worte sagen möchte. Zwei von ihnen sind Pronomen, und das dritte ist ein Verb (zu lesen in allen Zeitformen gleichzeitig: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft). (Sweta an Lew)

Während Sweta sich ansonsten doch etwas schwerer tut ihre Gefühle auszudrücken, ist an Lew ein wahrer Poet verloren gegangen. Er weckt die Sehnsucht, selbst wieder von Hand geschriebene Liebesbriefe zu bekommen, denn er schreibt einem direkt ins Herz.

"Ich stimme Dir zu, dass die Welt, egal wer ihr angehört, ein guter und interessanter Ort ist, jedoch nur im allgemeinsten Sinne. Nichts davon ist nämlich wahr, sofern es Dich betrifft, Sweta. Swet, die Welt ist fraglos gut, aber sie ist so viel schöner, wenn sie von Dir erleuchtet wird, dass ich sie mir nicht und niemals ohne die Helligkeit ansehen möchte, die Du ihr verleihst."

Es gab so viele schöne Textstellen, dass ich gar nicht wusste, welche ich zitieren soll um einen kleinen Einblick in ihren Briefverkehr zu vermitteln, denn die außergewöhnliche Lebens-&Liebesgeschichte der Beiden ist einfach wirklich unglaublich und ein seltenes Beispiel dafür, dass wahre Liebe trotz körperlicher Trennung und widriger Umstände aufrecht erhalten werden kann.

Fazit: Eine wirklich zu Herzen gehende Liebesgeschichte, die besonders durch die Briefe der beiden zeitweise wirklich zu Tränen rührt. Leider mit einigen Längen, da nicht wirklich viel aufregendes im Verlauf der Geschichte passiert. Besondere Konzentration erfordern außerdem die vielen russischen Namen, die oftmals ein wenig anders sind, aufgrund von Abkürzungen oder Spitznamen. Trotzdem für jeden empfehlenswert, der auf außergewöhnliche und wahre Geschichten steht und sich ein wenig in die Probleme Russlands, vor, während und nach dem 2. Weltkrieg anhand zweier Menschen hineinversetzen lassen will, ohne durch zu intensive brutale Schilderungen des Gulags abgeschreckt zu werden.
Für die Geschichte von Lew und Sweta sollte man sich auf alle Fälle Zeit nehmen.

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M

Rezension zu "Russland. Die Tragödie eines Volkes" von Orlando Figes

Ausführliche, fundierte und hervorragend zu lesende Darstellung
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Ausführliche, fundierte und hervorragend zu lesende Darstellung

Es war bei Weitem nicht so, dass es dem russischen Volk in den letzten Jahrzehnten des Zarenreiches gut ging.

Bittere Armut war weit verbreitet, eine vom Volk stark distanzierte Oberschicht regierte und ließ es sich, leger gesagt, äußerst gut gehen. Eine Phase der russischen Geschichte, in der vielfach die Wurzeln für den Umsturz zu finden sind. Eine Phase, die Orlando Figes in seinem bekannt flüssigen Stil zunächst im Buch ausführlich betrachtet.

Wobei Figes es nicht dabei bewenden lässt, einen kurzen Blick auf den Hof des Zaren oder die Leibeigenschaft zur richten, sondern vor allem die „unsicheren Stützten“ dieses Reiches sind es, die Figes intensiv vor Augen führt. Diese „dünne Schicht der Zivilisation“, die das Zarenreich eher zu einem „Völkergefängnis“ machte denn zu einer aufgeschlossenen Kultur der Moderne.

Was Wunder, dass unter dem stark spürbaren Drang die Ideen von Marx, die 1872 unerwartet die Zensur in Russland passierten, auf Widerhall trafen. Langsam, aber stetig verbreiteten sich die komplexen Inhalte des „Kapitals“ im Land.

„Die wissenschaftliche Natur der marxistischen Theorie berauschte Russlands radikale Gemüter“.
Was alleine nicht ausgereicht hätte für den massiven Umsturz und die dabei entfesselten Kräfte der Wut des Volkes, was aber dennoch ein bedeutendes Puzzleteil im großen Ganzen der Entwicklung darstellt, wie Figes überzeugend herausarbeitet.

Eine fundierte Ausführlichkeit im Übrigen, die (wieder einmal bei Figes) dieses gesamte Werk auszeichnet und die ob der lebendigen Sprache des Historikers nie zu lang geraten wirkt.

Die vorhergehende „Krise der Autorität“ führt Figes minutiös aus, bevor er sich in über 200 Seiten dem Kern des Geschehens, der Zeit vom Februar 1917 bis zum März 1918 zuwendet.

Mit einem ausgeprägten Sinn für die Darstellung der Atmosphären, für den auch emotionalen Aufruhr der Ereignisse, für das Verständnis der Erhebung des Volkes, aber auch für die Darstellung der Folgen der „entfesselnden Kräfte“ (mit den „Waisenkindern der Revolution“) greift Figes hierbei nicht nur sattsam bekannte einzelne „Meilensteine“ der gesellschaftlichen Umwälzung in Russland auf, sondern fügt diese ein in die größeren Zusammenhänge der vielfachen Völker im Land, der alltäglichen Lasten, Mühen und Bedrückungen und der „Änderung der Welt“ um Russland herum im Verlauf des ersten Weltkrieges und der vielfach aufzüngelnden Umsturzversuche.

Dabei entsteht das Bild eines radikalen Umsturzes, einer Revolution in Russland, deren entscheidende Protagonisten nicht in einzelnen Personen zu finden sind (so herausragend ein Lenin für die Ereignisse auch war), sondern in dem der Funke „im Volk“ entstand und sich weiter entfachte. Ein Funke und ein Feuer, mit dem auch die obere Ebene der erfolgreichen Revolutionäre umgehend in Konfrontation gerieten.

So spricht Figes an mehr als einer Stelle im Buch zu Recht von der „Niederlage im Sieg“ und weist die entscheidenden Weichenstellungen für die mittelbare und unmittelbare Zeit nach der Revolution in Russland auf, die mit dem Tode Lenins das „Zarentum“ noch lange nicht wirklich beendet haben. Nur dass sich die darauffolgenden „Zaren“ einen anderen Titel gegeben haben. Blutige Diktatoren und misstrauische Alleinherrscher verblieben durchaus an der Spitze des Reiches, nachdem die Revolution einen Großteil ihre Kinder gefressen hatte.

Auf dem Rücken des einfachen Volkes, vorher wie nachher. Was Figes unnachahmlich und hervorragend als einen fast unausweichlich aufeinander aufbauenden Prozess der Entwicklungen herausstellt.

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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