Orlando Figes Die Flüsterer

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Inhaltsangabe zu „Die Flüsterer“ von Orlando Figes

Viele Darstellungen behandeln die sichtbaren Aspekte der stalinistischen Diktatur: die Verhaftungen und Prozesse, die Versklavung und das Morden in den Gulags. Kein Buch hat jedoch bislang die Auswirkungen des Regimes auf das Privat- und Familienleben der Menschen untersucht, den "Stalinismus, der uns alle ergriff", wie es ein russischer Historiker einmal formuliert hat. Auf der Basis von Hunderten Interviews mit Zeitzeugen und zahllosen bislang unbekannten Dokumenten liefert nun Orlando Figes in Die Flüsterer erstmals einen unmittelbaren Einblick in die Innenwelt gewöhnlicher Sowjetbürger und zeigt an zahlreichen eindringlichen Beispielen, wie Einzelne oder Familien in einem von Misstrauen, Angst, Kompromissen und Verrat beherrschten Alltag um ihr Überleben kämpften. Für die Zeit der Revolution von 1917 bis zu Stalins Tod und darüber hinaus rekonstruiert Figes das moralische Gespinst, in dem sich die allermeisten Russen gefangen sahen: Eine einzige falsche Bewegung konnte eine Familie zerstören oder am Ende womöglich deren Rettung bedeuten. Keiner konnte sich sicher fühlen, nicht einmal die überzeugtesten Anhänger des Regimes. Wahrheit und Wahn, Schuld und Unschuld waren in diesem Unterdrückungssystem immer wieder auf fatal miteinander verquickt. Orlando Figes' neues Meisterwerk - in seiner erzählerischen Wucht und Aufrichtigkeit vergleichbar mit Grossmans Jahrhundertroman Leben und Schicksal - ist das breit angelegte Porträt einer Gesellschaft, in der jeder nur noch flüstert - entweder um sich und andere zu schützen oder um zu verraten. Ein ebenso schonungsloser wie ergreifender Bericht davon, wie schwach - und wie unvorstellbar stark - Menschen in einer von Paranoia geprägten totalitären Gesellschaft werden können.

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  • Rezension zu "Die Flüsterer" von Orlando Figes

    Die Flüsterer
    Thaila

    Thaila

    22. March 2010 um 16:58

    Orlando Figes Buch "Die Flüsterer" ist das Resultat eines riesigen, vieljährigen Projektes. Gemeinsam mit der russichen Organisation Memorial, die sich für die Interessen der Opfer des stalinistischen Terrors bemühen, hat er hunderte von Menschen befragt und ihre persönlichen Dokumente gesammelt. Herausgekommen ist ein fast 1000-seitiger Wälzer, der doch auf keiner Seite langweilig wird. Figes beschreibt den Beginn des Terrors mit der russichen Revolution, die stalinistischen Jahre, aber auch die langfristigen Folgen für die Betroffenen. Sein Hauptinteresse ist dabei psychologischer Art. Was passiert mit Menschen, die ständiger Angst ausgesetzt sind, die täglich befürchten müssen, abgeholt und verschleppt zu werden, die wissen, dass sie darauf keinerlei Einfluß haben. Was passiert mit Menschen, die Aufgrund ihrer Herkunft aus Bürger- oder "Kulacken"-Familie zu Außerseiter werden. Wie verändern sich ihre Beziehungen zu anderen Menschen, zu ihren Familien? Der Blick, den dieses Buch eröffnet, ist ernüchternd. Eigentlich gibt es in Figes Buch keine Helden, höchstens tragische Helden. Die meisten bespitzeln ihre Freunde, veraten ihre Familie, um ihre Haut zu reden, oder auch nur um in der Karierreleiter ein Stückchen hochzuklettern. Figes enblößt die Erbarmungslosigkeit des Stalinistischen Terrorsystems, dass jeden korumpiert und in dem Opfer und Täter sich kaum noch trennen lassen. Brilliant geschrieben, eröffnet einem dieses Buch, was Totalitarimus eigentlich bedeutet.

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