Ortwin Ramadan Der Schrei des Löwen

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Inhaltsangabe zu „Der Schrei des Löwen“ von Ortwin Ramadan

Der 16-jährige Yoba und sein kleiner Bruder Chioke leben als Straßenkinder in Nigeria. Als Yoba einen Auftrag für den örtlichen Gangsterboss erledigt und plötzlich in den Besitz einer Tasche mit Geld gelangt, ist das ihre große Chance: Sie fliehen und lösen bei einem Menschenschleuser ein Ticket nach Europa. Wie so viele andere wollen sie es auf eines der Flüchtlingsboote nach Sizilien schaffen. Doch der Weg dorthin ist lang - und viel gefährlicher als gedacht.

Die Geschichte ist sehr realistisch und herzerreißend aber der Protagonisten war manchmal ech nervig und naiv. "-_-

— Shiro

Ein topaktuelles Jugendbuch über die aktuelle Flüchtlingssituation.

— Barbara62

Gezwungen durch Schule es zu lesen - am Ende aber sehr dankbar dafür gewesen. Wunderbar und mitreißend geschrieben. Hat mich sehr berührt.

— Vasilisa

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  • Nichts kann die Flüchtlinge aufhalten

    Der Schrei des Löwen

    Barbara62

    28. August 2015 um 08:21

    Wir scheinen uns an das Elend der Flüchtlinge aus Afrika gewöhnt zu haben, denn es ist vermeintlich weit weg. Ortwin Ramadan hat in seinem Buch für alle ab 13 Jahre einem dieser Schicksale ein Gesicht gegeben und macht es damit greifbarer und berührender. Mit seinem autistischen, traumatisierten jüngeren Bruder macht sich der 16- jährige Nigerianer Yoba wie viele Westafrikaner auf den Weg nach Europa. Die Insel Lampedusa ist ihr großes Ziel. Ein Höllentrip durch die Wüste, plündernde Soldaten, skrupellose Schleuser und tote Weggefährten - nichts kann die Verzweifelten auf ihrem gefährlichen Weg aufhalten. Ein zweiter Handlungsstrang erzählt die Geschichte von Julian, einem wohlstandsverwöhnten deutschen Schulabbrecher, der antriebs- und perpektivlos mit seiner Familie gezwungenermaßen Urlaub auf Sizilien macht, wo er plötzlich mit dem Schicksal der Flüchtlinge konfrontiert wird. Der Schrei des Löwen ist ein ausgesprochen spannendes Jugendbuch mit einigen gewalttätigen Szenen, nicht moralisierend, topaktuell und in einfacher Sprache erzählt.

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    Midnight

    24. September 2012 um 11:22

    Inhalt: Der nigerianische sechzehnjährige Yoba und sein kleiner Brud Chioke leben auf der Straße und käpmfen jeden Tag ums Überleben. Ihr großes Ziel: Die Flucht nach Europa. Gemeinsam begeben sie sich auf die gefährliche Reise durch Afrika und stoßen dabei an ihre Grenzen. Meine Meinung: Eine fiktive Geschichte, die sich mit dem Problem der afrikanischen Flüchtlinge beschäftigt. Jugendgerecht (leider nicht unbedingt etwas für Jugendliteratur liebende junge Erwachsene) beschreibt Ramadan die langwierige und gefahrvolle Reise, die die beiden Jungen durch Afrika, durch die Wüste bis hin zum Meer unternehmen. Immer wieder stoßen sie auf realistische Gefahren und treffen auf interessante Menschen. Yoba selbst wird realitätsnah beschrieben und auch den autistischen Chioke kann Ramadan glaubwürdig darstellen. Ich konnte mich gut in die Problematik hineinversetzen. Die Spannung fiel leider zwischendurch immer wieder ab, sodass das “In einem Rutsch Lesen” schwerfiel. Zwischendurch wird immer wieder zum zweiten Strang ds Romans gewechselt: Der deutsche Julian macht Urlaub in Sizilien und lernt dort die hübsche Adria kennen. Julian findet das Tagebuch, welches Yoba akribisch genau während der ganzen Reise führt, und beginnt mit Adria gemeinsam die Suche nach den beiden Jungs. Natürlich verlieben sich die beiden dabei. Diesen Strang konnte ich leider nicht wirklich ernst nehmen. Er reist einen aus Yobas Reise hinaus und wirkt durch die Liebesgeschichte der beiden sehr aufgesetzt – als hätte dr Autor unbedingt noch Liebe mit ins Spiel bringen müssen! Der Schreibstil von Ortwin Ramadan ist einfach und liest sich flüssig. Er versteht es Landschaften detailgetreu vor dem inneren Auge entstehen zu lassen! Fazit: Mich hat die Hintergrundgeschichte zum Roman beeindruckt und ich habe die Reise von Yoba und Chioke gern verfolgt. Den zweiten Strang fand ich leider völlig überflüssig und auch die Spannung lies etwas zu wünschen übrig. Für zwischendurch ganz ok, aber nicht empfehlenswert.

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. August 2011 um 07:51

    Zum Inhalt: Der 16-jährige Yoba und sein kleiner Bruder Chioke leben als Straßenkinder in Nigeria. Als Yoba einen Auftrag für den örtlichen Gangsterboss erledigt und plötzlich in den Besitz einer Tasche mit Geld gelangt, ist das ihre große Chance: Sie fliehen und lösen bei einem Menschenschleuser ein Ticket nach Europa. Wie so viele andere wollen sie es auf eines der Flüchtlingsboote nach Sizilien schaffen. Doch der Weg dorthin ist lang - und viel gefährlicher als gedacht. . Hintergrund: Ortwin Ramadan im Februar 2010: „Überfüllte Flüchtlingsboote vor den Küsten des südlichen Europa sind in den letzten Jahren fast schon zu einem alltäglichen Bild in den Medien geworden. Laut UNHCR, dem Hohen Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen, versuchten allein 2008 rund 36000 Menschen per Schiff Italien zu erreichen. Ein Großteil von ihnen stammt aus Nigeria. (…) So wie die offiziellen Zahlen der Vereinten Nationen. Wie viele Menschen bei dem Versuch, Europa auf dem Seeweg zu erreichen, tatsächlich gestorben sind, verrät die Statistik nicht. Häufig kentern die überfüllten Boote auf See, ohne dass es Zeugen gibt. Unabhängige Hilfsorganisationen wie ‚Ärzte ohne Grenzen‘ schätzen, dass Jahr für Jahr weit über tausend Flüchtlinge im Mittelmeer und Atlantik ertrinken. Ihre Leichen werden nie gefunden“ . Es gibt unzählige, verschieden Gründe, warum die Menschen aus ihrem Heimatland fortgehen und sich einer monatelangen, harten und beschwerlichen Reise stellen. Hunger, Kriege, Armut – um nur drei Beispiele zu nennen. Eines haben alle Personen dennoch gemeinsam: Die Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. Dabei wissen die meisten, dass ohne Papiere und Visum eine Abschiebung wahrscheinlich ist. Falls sie denn überhaupt bis Italien, Spanien, den Kanarischen Inseln, Malte, ect. Kommen. Viele von ihnen werden schon in Libyen, Tunesien, usw. abgefangen und nach Hause geschickt. . Charaktere: Hauptcharaktere sind der Junge Yoba und sein kleiner Bruder Chioke, auch Chi-Chi genannt. Sie flohen eines Tages aus ihrem Dorf in die Stadt Aba in Nigeria, wo sie fortan auf der Straße lebten. Yoba ist ganz der große Bruder: Er sorgt sich aufopfernd für Chioke, da dieser niemals mehr als zwei Wörter sagt und in seiner ganz eigenen Welt zu leben scheint. Yobas unerschöpfliche Hoffnung und sein kämpferisches Löwenherz stechen in diesem Buch besonders hervor. Und dabei ist er auch noch mitfühlend und hilft den Menschen, denen es noch mieser geht als ihm selbst. Er ist ein wirklich liebenswürdiger und sympathischer Charakter. Auf ihrer Reise durch die Wüste treffen die Geschwister sowohl auf neue Freunde, die ebenfalls die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Europa im Herzen tragen, als auch auf gnadenlose und korrupte Soldaten, einen Sklaventreiber und Menschen, denen ein Leben nichts wert ist. . Schreibstil: Der Schreibstil des Autors ist flüssig und leicht zu lesen. Bereits nach den ersten Seiten war ich vollkommen in der Geschichte drin und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Ortwin Ramadan beschreibt Menschen, Orte und Landschaften mit der nötigen Tiefe und Genauigkeit, sodass ich mich richtig nach Afrika versetzt fühlte. . Mein Fazit: „Der Schrei des Löwen“ hat mich einfach nur berührt und schockiert. Der Autor zeigt in diesem Roman die gesamte bittere Härte auf, mit der die Flüchtlinge auf ihrer Reise durch die Sahara und über das Mittelmeer konfrontiert werden. Immer wieder müssen Leute aufgeben, sei es wegen Geldproblemen, Krankheiten oder schlicht und einfach unglücklichen Fügungen des Schicksals. Dabei wird nichts beschönigt, sondern auf den Punkt gebracht. Ich habe sehr mit Yoba, Chioke und all den anderen mitgelitten und ihre Hoffnungen geteilt, obwohl ich natürlich weiß, dass bestenfalls eine Abschiebung, schlimmstenfalls der Tod, auf sie wartet. Ich denke dieses Buch sollten Jugendliche ab 14 Jahren lesen und auch für Erwachsene kann ich es nur empfehlen. Die Geschichte um Yoba und seinen Bruder ist berührend, traurig und zugleich auch noch informierend.

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    traumwald

    08. August 2011 um 17:22

    Eine Flucht voller Gefahren! .. Worum geht es? Es handelt sich bei "Der Schrei des Löwen" um eine sehr traurige, spannende und wirklich gut recherchierte Geschichte. Man begleitet zwei verarmte Brüder aus Nigeria, die über einen Auftrag eines allseits gefürchteten Gangsterbosses an sehr viel Geld kommen und später über dubiose Menschenschleuser nach Europa flüchten wollen. Der Jüngere redet nicht viel und weist verhaltensauffällige Störungen auf. Vermutlich ist es irgendeine Form des Autismus. Die Dorfbewohner, ja selbst der eigene Vater sind der festen Überzeugung, dass böse Geister im Kopf seines Sohnes ihr Unwesen treiben. Yoba ist der Ältere und glaubt nicht an diesen Humbug. Nein, er will mit ihm nach Hamburg, seinen Onkel besuchen und nach Ärzten suchen, die seinen kleinen Chi-Chi eventuell helfen und heilen können. .. Nachdem ich die letzte Seite ausgelesen hatte kam mir der Gedanke, dass vielleicht gerade jetzt, vielleicht genau in diesem Moment, ein überfülltes Flüchtlingsboot an einer Küste im Süden Europas strandet oder meterhohe Wellen es einfach in die Tiefe ziehen. Ich spürte, wie sich die sengende Sonne auf meiner Haut einbrannte, wie mich der Durst nach ein paar Tropfen Wasser quälte. Ein paar Tränen musste ich mir fort wischen, als ich das Buch am Ende zuklappte. .. Der "Schrei des Löwen" beschreibt den Kampf zweier "kleiner Löwen", die während ihrer Flucht vor alles und jedem auf der Hut sein mussten. > Überall lauerten Gefahren, mit denen Yoba zuvor nicht gerechnet hatte. Die beiden Straßenkinder hatten sich die Flucht viel einfacher vorgestellt. Von Nigeria ging es Richtung Niger, weiter durch die brennende Steppe und durchs NICHTS der Wüste, die einem mit all dem Sand und den endlosen Weiten der Dünen, schier endlos erschien. Bilder formten sich und mir war, als würde ich selbst zum Löwen werden. Nichts kann einen so sehr erschüttern, als das eigene Leid. Nichts kann einen mehr Freude bereiten, als die wenigen Glücksmomente, die sich Yoba und Chi-Chi unterwegs teilten. In einem Tagebuch notierte Yoba all seine Träume; die schrecklichen, oft auch schmerzhaften Gedanken. Du liest, siehst und schmeckst die Umgebung, du liest und du fühlst dich hilflos. Du liest, und es wird immer spannender! Atemlos sitzt du auf dem Sofa, schluckst und saugst das Geschriebene in dir auf. .. Lieblingszitat: .. Du hast Glück, mein Junge sagte der Wüstengeist, während er sich über ihn beugte. .. Sprache und Schreibstil: Nach wenigen Kapiteln folgt ein weiterer Handlungsstrang. Er ist, wie beim Ersten, aus der dritten Person heraus geschrieben und im Präteritum. Hier wird eine komplett neue Handlung eingeführt. Viel möchte ich nicht vorweg nehmen, aber es handelt sich um eine deutsche Familie, die gerade ihren Strandurlaub in Italien genießen, bis Julian (Sohn und junger Spund) beim Schnorcheln eine schreckliche Entdeckung macht und Nachforschungen anstellt. .. Der Autor schafft es die Spannung durchgehend aufrecht zu erhalten. Viele Emotionen wurden in mir geweckt, die glücklichen so wie die traurigen. Der Schreib- und Sprachstil ist flüssig und angenehm zu lesen. .. Fazit: Neben den vielen schönen und bewegten Zeilen ist es zu einem Buch geworden, das aufrüttelt, einen beschäftigt und mir stets in Erinnerung bleiben wird. Ein Jugendbuch für JUNG und ALT? .. Ja, definitiv! UNBEDINGT LESEN! .. 5 Sterne + .. Für das Rezensionsexemplar möchte ich mich herzlichst beim Carlsen Verlag bedanken.

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    R-E-R

    Boatpeople oder Good luck, Jonathan! Yoba und sein kleiner Bruder Chioke sind Straßenkinder in der nigerianischen Stadt Aba. Der sechzehnjährige kümmert sich liebevoll um seinen kleinen Bruder, der nicht spricht und auch sonst kaum Anteil an seiner Umgebung nimmt. Die Tage der Geschwister sind von Armut, Hunger und Hoffnungslosigkeit geprägt. Einmal in der Woche essen Sie sich bei Adaeke satt, deren Mutter eine Suppenküche betreibt. Als der berüchtigte Gangster Big Eagle Adaeke und ihre Mutter bedroht, kann Yoba ihnen gegen die Angreifer helfen. Allerdings zu dem Preis nun selber vogelfrei auf der Todesliste der Verbrecher zu stehen. Er muss fliehen und beschließt mit seinem Bruder nach Europa zu gehen. Ortwin Ramadan beschreibt in seinem Buch den abenteuerlichen und gefährlichen Weg der beiden Kinder. Allein auf sich gestellt durchqueren sie drei afrikanische Staaten. Vom Süden Nigerias nach Niger und von dort durch die Wüste Libyens bis an die Küste des Mittelmeeres. Da werden die Flüchtlinge illegal mit Booten bei Nacht und Nebel nach Italien verschifft. Die Flucht der Jungen scheint zunächst unter einem guten Stern zu stehen. Bei dem Angriff der Straßengang gelangt Yoba in den Besitz einer großen Summe amerikanischer Dollar. Das Geld ermöglicht die Reise überhaupt erst. Denn überall muss Schmiergeld, Schweigegeld, Lösegeld gezahlt werden. Dem Treibstoffhändler, damit er sie aus Aba in seinem Laster hinausschmuggelt. Den Grenzposten, damit sie ohne Visum und Pass nach Niger einreisen dürfen. Dem Ticketverkäufer des Schmugglerbootes, damit er sie ohne Eltern mitreisen lässt. Ramadan erzählt flüssig und mitreißend. Die Strapazen und Gefahren werden für den Leser deutlich spürbar. Parallel zu Yoba’s Geschichte berichtet der Autor von einer deutschen Familie die im Süden Siziliens nahe der Insel Lampedusa Urlaub macht. Julian Wegmann, der siebzehnjährige Sohn, stößt bei seiner ersten Tauchstunde im Meer auf den Leichnam eines Farbigen. Später findet er am Strand ein in Folie gewickeltes Notizbuch. Es entpuppt sich als das Tagebuch Yobas indem er sie Erlebnisse der Flucht niedergeschrieben hat. Julian macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach Yoba um ihm seine Aufzeichnungen wieder zurück zu geben. Das ist besonders spannend, weil man bis zum Schluss nicht weiß, ob die Jungen ihre Flucht überlebt haben. Mich hat das Buch sehr beeindruckt. In Aba verdienen die Jungen ihr Geld damit, das sie auf dem Parkplatz einer ausländischen Firma die Autos der Mitarbeiter waschen. Eines Tages dürfen sie den neuen Mercedes des Direktors säubern. “Ehrfürchtig strich er über den schwarzen, staubbedeckten Lack des Kotflügels. Wo derart perfekte Maschinen gebaut wurden, mussten auch die Menschen perfekt sein. Daran bestand für Yoba nicht der geringste Zweifel.” Diese Szene hat mich ergriffen, denn Sie zeigt mit welchen Erwartungen die Kinder ihre Reise antreten und wie wenig wir selbst darüber nachdenken, wie gut es uns in unserem Land eigentlich geht. Auch für Julian, den verwöhnten Schulabbrecher, wird die Begegnung mit dem Tod der Flüchtlinge zu einer Zäsur. Er beginnt über das eigene und den Sinn des Lebens anderer nachzudenken. “Dieser afrikanische Junge. In seinem Tagebuch träumt er davon, dass sein Bruder und er wieder zur Schule gehen dürfen. Deshalb will er nach Europa. Wie kann man sein Leben dafür riskieren, zur Schule gehen zu können? Das kann es doch niemals wert sein, oder?” Gerade wurde in Nigeria der 53jährige Goodluck Jonathan zum neuen Präsidenten gewählt. In der ersten Wahl in der Geschichte dieses Landes, die von unabhängigen Beobachtern als überwiegend korrekt und friedlich bezeichnet wurde. Was der Christ aus dem Süden für die Menschen dieses Landes ausrichten kann, die von Not, Elend, Korruption und Gewalt gebeutelt werden, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Vielleicht hat er die Macht Schicksalen wie dem des Helden aus Ortwin Ramadans “Der Schrei des Löwen” einen anderen Lauf zu geben. Oder zumindest die Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben im eigenen Land.

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  • Frage zu "Schwarze Schwestern" von Chika Unigwe

    Schwarze Schwestern

    Mandel

    "Schwarze Schwestern" von Chika Unigwe ist ein bewegendes Buch, dass von vier Niagerianerinnen berichtet, die ihr Heimatland Afrika verlassen haben, um ein besseres, ein neues Leben zu beginnen. Schlimme Schicksale liegen hinter ihnen und nun prostituieren sie sich, nur um es irgendwann besser zu haben. Kennt Ihr ebenfalls solch ein bewegendes Buch? Mit Schicksalen, die einem tief im Herzen berühren oder schockieren? Bücher, die man unbedingt gelesen haben sollte?

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    Hannali

    19. April 2011 um 13:53

    Die Brüder Chioke und Yoba müssen sich als obdachlose Straßenkinder in Nigeria durch`s Leben schlagen. Hunger und Armut gehören zu ihren täglichen Begleitern. Dabei sorgt sich der 16jährige Yoba sehr um den kleineren Bruder. Dieser ist seit dem Tod der Mutter nicht nur verändert, sondern richtig verstockt geworden. Es ist selten geworden, dass er ein paar Worte von sich gibt. Doch Yoba sieht für die Brüder einen Ausweg. Er möchte zum Zwillingsbruder seiner Mutter, der in Hamburg lebt. Bisher weiß er nur, dass dies irgendwo in Europa liegt. Doch seine Mutter versprach ihm am Sterbebett, dass er ihnen helfen würde.... Fortan zählt nur noch Geld für die Flucht zu verdienen. Die Brüder verdingen sich auf einem bewachten Parkplatz manchmal als Autowäscher. Da dies bei weitem nicht ausreichen würde, möchte Yoba in die Gang eines stadtbekannten Gangsters und Kriminellen, der ganze Straßenzüge in ihrer Stadt kontrolliert, einsteigen. Doch dies geht nur, wenn auch er sich auf kriminelle Geschichten einläßt. Doch Yoba sieht es als einzige Chance an schnelles Geld zu kommen. Aber die Dinge nehmen einen völlig anderen Lauf.... In einem zweiten, im Umfang sehr viel kürzeren Erzählstrang, geht es um den etwa gleichaltrigen Julian aus Hamburg, der mit seinen Eltern in Sizilien die Ferien verbringt. Julian hat Alltagssorgen ganz anderer Art... Eine für die meisten von uns völlig fremde Welt wird in diesem Buch beschrieben. Bitterste Armut und der Drang dem zu entfliehen, bestimmen den Alltag. Kinder, denen eine wirkliche Kindheit verborgen blieb. Völlig mittellos verbringen sie den Tag, ständig auf der Suche den Hunger zu besiegen, Kleidung oder etwas Geld zu organisieren. Was ist dies für eine Welt, in der schon Kinder so existieren müssen? Der Autor Ortwin Ramadan schildert mit dem Schicksal der beiden Brüder das Los vieler Menschen Afrikas. Nichts beschönigend, sehr ausdrucksstark und bewegend sind seine Detailbeschreibungen. Kinder, die mit dem Bewußtsein aufwachsen, dass Hunger ein normaler Zustand ist, sich ein Paar neue Schuhe leisten zu können, schon fast ein an Wunder grenzt... Wer aus solch`bitterer Armut kommt, hat sicher schon so gut wie nichts mehr zu verlieren und dann erscheint der Wunsch vieler dieser Menschen zur Flucht in ein scheinbares Paradies, nämlich Europa, unter mehr als fragwürdigen und lebensbedrohlichen Bedingungen, vielleicht schon gar nicht mehr so abwegig ...Nicht nur ein unbedingt empfehlenswertes Jugendbuch, auch Erwachsenen wird es gefallen. Für mich gehört es in die Kategorie: aufwühlend und bewegend!

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    laurana

    19. April 2011 um 12:31

    sehr mitreissend und gut gemacht, 2 erzählperspektiven, die die geschichte noch überzeugender machen- und ein - leider- realistisches ende!

  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    Kleinstadtkatze

    18. April 2011 um 11:03

    °Autor: Ortwin Ramadan °Titel: Der Schrei des Löwen °Originaltitel: Der Schrei des Löwen °Genre: Jugensroman/Jugendbuch 13+ °Erscheinungsdatum: März 2011 ° CARLSEN Verlag °282 Seiten °ISBN: 978-3-551-31017-0 °Preis: 9,95 € °Der erste Satz: Yoba lehnte mit dem Rücken an der Betonwand. Klappentext: Der 16-jährige Yoba und sein kleiner Bruder Chioke leben als Straßenkinder in Nigeria. Als Yoba einen Auftrag für den örtlichen Gangsterboss erledigt und plötzlich in den Besitz einer Tasche mit Geld gelangt, ist das ihre große Chance: Die Brüder fliehen und lösen bei einem Menschenschleuser ein Ticket nach Europa. Wie so viele andere wollen sie es auf eines der Flüchtlingsbote nach Sizilien schaffen. Doch der Weg dorthin ist lang und viel gefährlicher als gedacht. Ein ums andere Mal gerät ihr Leben in Gefahr, aber für ihren Traum sind sie bereit jedes Risiko auf sich zu nehmen. Worum geht es? In diesem Buch geht es um die zwei Brüder Yoba und Chioke, die beide aus Nigeria kommen und durch einen glücklichen Zufall an viel Geld gelangen. Da Yoba einen Zettel hütet auf dem der Name der Stadt steht, wo angeblich ein Onkel aus ihrer Familie lebt, beschließen die beiden Brüder unter dem Druck von einem Mafiaboss der Extraklasse verfolgt zu werden, nach Europa zu fliehen. Einfühlsam und schonungslos zeichnet Ortwin Ramadan den Weg der beiden Jungen nach Europa. der erfüllt ist von Willkür, Gewalt, Todesangst und einem: Hoffnung. Rezeption: Die Geschichte beginnt sofort ohne jegliche Vorrede mitten in Nigeria. Yoba und Chioke werden vorgestellt. Beide Brüder können nicht unterschiedlicher sein, da Yoba ein aufmümpfiger, charakterlich und moralisch starker und mutiger Junge ist, der kein Blatt vor dem Mund nimmt und die Strasse wie seine (durchlöcherte) Seitentasche kennt. Chioke dagegen ist schwach, ängstlich und ohne seinen Bruder auf der Strasse total aufgeschmissen. Sofort hat man ein Bild von den beiden Jungen, dazu die Lebens-und Straßenverhältnisse, die extreme Armut und so weiter. Man hat also schon am Anfang das klischeehafte (und leider Gottes wahre) Bild von Afrika. Die beiden Brüder werden am Anfang zwar mühevol und herzlich beschrieben und dargestellt, man lernt sie aber erst richtig im Verlauf der Handlung kennen. Der 16jährige Yoba ist ein ganz normaler Junge, der sogar noch das Glück hatte zur Schule zu gehen und lesen und schreiben zu können. Er verliebt sich in die hübsche Adaeke, die seit einem Autounfall behindert ist, und möchte sie später auch mit nach Europa schaffen. Er ist einfühlsam, gerecht und zärtlich. Ich konnte mich sehr gut in ihn hineinversetzen, da ich selbst einen jüngeren Bruder habe und seine Sorge stets nachvollziehen konnte. Chioke hingegen war einfach ein hilfloses Bündel, der seit einem grausamen Ritual, welches man mit ihm vollzogen hat, traumatisiert ist und daher wenig spricht und oftmals unverständlich handelt. Aber durch die Kunst des Autors blieb auch dieser dem Leser nicht verschlossen. Da es ein Jugendbuch ist, verhält sich der Stil und die Sprache des Romans auch eher einfach und alltäglich. Dies tut der Handlung an sich und auch der Überzeugungsfähigkeit bzw. der Authentizität der Geschichte überhaupt keinen Abbruch, da es dennoch oft sehr spannend und atemberaubend ist, welche Gefahren und Abenteuer die beiden Brüder bestehen und noch zu bestehen haben werden. Die Reise der beiden kleinen Helden zieht sich fast durch ganz Afrika..von ihrer Heimat Nigeria, über die Stadt Agadez, die Reise durch die Wüste mit all ihren Gefahren, Oasen und Täuschungen bis schließlich an das große Meer. Endet die Reise hier..oder geht es doch noch weiter? :) Stellenweise folgen Kapitel, die eine andere Geschichte, nämlich die Geschichte des Julien aus Deutschland und dem Mädchen Adria, die gemeinsam auf Sizilien Urlaub machen und hinter die Grausamkeit der Menschenschleuser kommen, einblenden und am Ende sich die beiden Geschichten auf tragische Weise doch noch verbinden... Die Gefühle, die mich fast ausschließlich das gesamte Buch lang begleitet haben, waren: Angst, Schock, Trauer und Aufregung/Spannung. Man merkt, dass dies hier keine seichte Jugendlektüre ist, sondern das Leben in ihren vollsten und wahrsten Zügen. Fazit: Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das zeigt, was sich alles in der Welt abspielt, während wir gemütlich am Strand liegen können und unsre Longdrinks genießen. Das Nachwort verdeutlicht ungemein, für was die EU ihre Gelder noch so ausgibt... . Für diesen Roman vergebe ich 4 von 5 Sternen. Zum Autor: Ortwin Ramadan ist Halb-Ägypter und wurde 1962 in Aachen geboren. Er lebt am Ammersee und arbeitet seit seinem Politik-und Ethnologiestudium als Drehbuchautor und freier Autor.

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    Spatzi79

    17. April 2011 um 14:33

    Zum Inhalt: Yoba und sein jüngerer Bruder Chioke, genannt Chi-Chi, leben in Nigeria auf der Straße. Mehr schlecht als recht schlagen sie sich irgendwie durch. Chi-Chi hat in ihrem Heimatdorf Schlimmes mitgemacht und spricht seitdem kaum noch, Yoba muss sich um ihn kümmern. Ihr großes Ziel ist es, der Armut Nigerias zu entkommen und ihren Onkel im fernen Europa zu finden. Sie wissen eigentlich nichts von ihm, nur dass er in einer Stadt namens Hamburg lebt und sicherlich reich ist – wie alle Menschen in Europa. Als Yoba sich mit einem örtlichen Gangsterboss anlegt, wird es allerhöchste Zeit für die beiden Brüder, aus der Stadt zu verschwinden. Also machen sie sich auf eine gefährliche Reise. Hinaus aus Nigeria, durch den Niger, Lybien, durch die Sahara und dann über das Mittelmeer, so sieht die Route aus. Doch überall lauern Gefahren, Korruption, Bestechung, Diebe, die unbarmherzige Wüste, aber zum Glück auch immer wieder Lichtblicke in Form von Menschen, die ihnen helfen – doch werden sie es am Ende nach Europa schaffen? Parallel werden immer wieder Abschnitte aus Sicht des deutschen Jungen Julian eingestreut, der mit seiner Familie gerade Urlaub auf Sizilien macht. Bei einem Tauchkurs macht er eine entsetzliche Entdeckung. Als er kurz darauf das Tagebuch von Yoba findet, das am Strand angespült wird, machen er und die Tochter des Hotelmanagers Adria sich auf die Suche nach dem Jungen, mit dem Ziel ihm das Buch zurückzugeben. Meine Meinung: Das Buch schildert auf sehr nachdrückliche und doch jugendgerechte Weise das, was wir immer wieder und immer öfter in den Nachrichten sehen. Überfüllte Flüchtlingsboote, voll mit verzweifelten Menschen aus Afrika, die bereit sind, jedes Risiko einzugehen, um aus ihrem hoffnungslosen Schicksal daheim zu entkommen und einen Platz in Europa zu finden. Anhand des Einzelschicksals von Yoba und Chi-Chi beschreibt das Buch, was die Menschen antreibt, so weit zu gehen und so viel zu riskieren. Gleichzeitig wird durch die Perspektive von Julian die Gleichgültigkeit der Europäer gezeigt. Hauptsache, nichts stört den friedlichen Sommerurlaub, schon gar keine toten schwarzen Flüchtlinge. Bis auf Julian und Adria. „Sag mal, warum tust du das eigentlich?“ fragte Adria ihn. „Keine Ahnung. Da gibt es wahrscheinlich mehrere Gründe.“ sagte er nachdenklich. „In manchen Dingen kann ich diesen Yoba gut verstehen. Ich hätte vielleicht auch versucht nach Europa zu kommen. Aber es macht mich wütend und traurig, dass er sein Leben für Dinge riskieren muss, die bei uns selbstverständlich sind. Schule zum Beispiel, oder einen guten Arzt für seinen Bruder.“ Er hielt inne: „Außerdem interessiert sich sonst keiner dafür. Alle wollen bloß schön Urlaub machen.“ (Seite 230/231)

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    antjemue

    16. April 2011 um 11:04

    Stumme Schreie Meine Büchersucht führt mich immer wieder in einschlägige Buchportale. Oft finde ich dann dort Neuvorstellungen, die mich interessieren. Die Kurzbeschreibung des Buches, von dem ich Euch heute berichte: „Der 16-jährige Yoba und sein kleiner Bruder Chioke leben als Straßenkinder in Nigeria. Als Yoba einen Auftrag für den örtlichen Gangsterboss erledigt und plötzlich in den Besitz einer Tasche mit Geld gelangt, ist das ihre große Chance: Sie fliehen und lösen bei einem Menschenschleuser ein Ticket nach Europa. Wie so viele andere wollen sie es auf eines der Flüchtlingsboote nach Sizilien schaffen. Doch der Weg dorthin ist lang - und viel gefährlicher als gedacht.“ sprach mich schon mal an. Die Leseprobe (http://tdb.carlsen.de/carl2_resources/uploads/readSamples/LP-9783551310170.pdf) mit dem kurzen Einstieg in das Elend der nigerianischen Straßenkinder berührte mich tief und weckte in mir den Wunsch weiter zu lesen. Da Rezensionsexemplare zur Verlosung ausgeschrieben waren, kam ich nicht umhin, mich mit Hinterlassen meines Leseeindrucks um ein Solches zu bewerben. Zeitgleich wanderte der Titel natürlich auch auf meine Merkliste. Von dieser konnte ich ihn inzwischen jedoch schon wieder streichen, da ich erneut ein Glückslos hatte. Das Buch des mir bislang unbekannten Autors Ortwin Ramadan wurde mir vor wenigen Tagen vom Verlag zum rezensieren zugeschickt. Obwohl ich eigentlich gerade noch zwei dicke Wälzer aus anderen Genres parallel schmökerte, zog ich das vielversprechende Jugendbuch vor und las es auch gleich in einem Rutsch durch: Dem Elend entfliehen Yoba ist 16, Waise und ein nigerianisches Straßenkind. Er sollte eigentlich selbst noch ein Kind sein. Doch Yoba hat nach dem Tod der Mutter die Verantwortung für seinen 12-jährigen Bruder Chioke übernommen. Chioke ist von jeher anders. Er ist Autist und hat von einem traumatischen Ereignis - einer vom ständig betrunkenen Vater initierte Voodoo-Zeremonie, die seinen bösen Geist austreiben sollte - weitere physische und psychische Verletzungen zurück behalten. Da Yoba Chioke befreit hat, mussten sie aus ihrem Dorf fliehen und können nicht zurück. Seit dem schlagen sie sich in der nigerianischen Stadt Aba durch, kämpfen gegen Hunger und gewalttätige Übergriffe anderer Straßenkinder. Ich begegne den beiden erstmals an einem Morgen, als sie sich von ihrem „erstaunlich guten“ Schlafplatz aufmachen und auf Nahrungssuche begeben. Sie suchen Adaeke auf. Ein Mädchen mit Makel, einem zertrümmertem Bein. Yoba und Chioke hatten Adaeke kennengelernt, als sie Zeugen wurden, wie das Mädchen von einem betrunkenen Okada-Fahrer angefahren wurde, der Fahrerflucht beging und sie dem Mädchen danach halfen. Adaekes Mutter, betreibt eine Straßenküche. Das Mädchen gibt, ohne Wissen ihrer Mutter, den beiden hin und wieder eine kostenlose Mahlzeit. Während sie sich das für sie köstliche Mahl munden lassen, erzählt Yoba Adaeke, in die er sich verliebt hat, von seinen Plänen. Er ist auf der Suche nach seinem Onkel Abeche, der irgendwo in Europa – wo alle Menschen reich wären – leben soll. Kurz vor ihrem Tod, hatte die Mutter sogar den Name des Ortes aufgeschrieben: HAMBURG. Adaeke kann gar nicht lesen, die Mutter kann sich das Schulgeld nicht leisten. Yoba hatte, als seine Mutter noch lebte, das Privileg, wenigsten 5 Jahre die Schule besuchen zu können. Später wurde er vom Vater als Ziegenhirte verkauft und musste selbst Geld verdienen. Er träumt nun davon, in Europa wieder zur Schule gehen zu können und für seinen Bruder einen Arzt zu finden, der ihn heilt, damit auch er zur Schule gehen kann. Bis er sich eine Fahrkarte nach Europa leisten kann, schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs als Autowäscher durch und erledigt hin und wieder auch kleine Jobs für den Gangsterboss Big E. Nun hat er für Big E gerade wieder einen Job erledigt, vor dem er seinen Bruder bei dem brutalen Mann als Pfand zurücklassen musste. Als er mit einer Tasche voll Dollars wiederkommt, sind auch Adaeke und ihre Mutter anwesend. Mit einem Mal geht alles drunter und drüber. Adaeke drohte Gefahr und Yoba rettete sie spontan. Da er damit schon den Zorn des Gangsterbosses auf sich gezogen hat und das Leben von ihm und seinem Bruder keinen Pfifferling mehr wert ist, schnappen sie sich die Tasche mit dem Geld und fliehen. Mit Hilfe eines alten Parkwächters schaffen sie es sogar, unbehelligt aus der Stadt zu kommen und die große Reise ins Ungewisse beginnt. Der 16-jährige Deutsche Julian ist mit Eltern und Schwester in einem Urlaubsparadies auf Sizilien angekommen. Julian ist schwer in der Pubertät, hat auf Schule keinen Bock mehr und der Familienurlaub, zu dem ihn seine Eltern gezwungen haben, ist sowieso das Allerletzte! Zum Glück hat er schon am ersten Urlaubstag die fast gleichaltrige Adria kennengelernt. Eine Halbitalienerin, die in Köln lebt und während der Ferien ihren Vater, den Besitzer des sizilianischen Urlaubsparadieses besucht. Doch da die Eltern Familienurlaub geplant haben, wird von ihm natürlich erwartet, auch in Familie zu machen. So kann er nicht einfach mit dem Mädchen was unternehmen, sondern muss zu einer von der Mutter geplanten Vater-Sohn-Unternehmung, einem Tauchlehrgang. Unerwarteter weise macht ihm das Tauchen anfangs sogar Spaß, bis er sich ein bisschen zu weit von seiner Tauchgruppe entfernt und bei dem Versuch, die Gruppe unter Wasser wieder zu finden, die Leiche eines Schwarzafrikaners entdeckt. Als er dann kurze Zeit später noch ein mit Folie wasserdicht verpacktes Tagebuch findet und die Eintragungen eines gleichaltrigen Jungen namens Yoba gelesen hat, geht eine große Veränderung in seiner Einstellung zum Leben an sich vor. Gemeinsam mit Adria, der er von dem Inhalt des Tagebuches erzählt hat, macht er sich auf die Suche, um es seinen Besitzer zurückzugeben... Gravierende Unterschiede zwischen arm und arm Tief bedrückt bleibe ich nach dem Lesen dieses Jugendbuches mit der Altersempfehlung ab 13 Jahren zurück und versuche für Euch einige meiner Leseeindrücke zusammenzufassen. Von Anfang an ließ sich die Geschichte um Yoba, die vom Autor in Erzählperspektive verfasst wurde, flüssig lesen. Die Spannung wurde hier nicht von irgendwelchen spektakulären Ereignissen getragen, sondern von dem mit einfachen sprachlichen Mitteln so bildhaft dargestellten Überlebenskampf des viel zu schnell erwachsen gewordenen Jungen, mit seinen hehreren Zielen. Dabei fiel gleich von Anfang an auf, dass arm nicht gleich arm ist. Adaeke, die weiß Gott in wesentlich ärmlicheren Verhältnissen lebt, als jeder Mensch in unserem Land, lebt im Gegensatz zu Yoba und seinem Bruder regelrecht luxuriös. Auch wenn der Luxus des Mädchens nur darin besteht, einen Platz zum Schlafen zu haben, nicht hungern zu müssen und täglich saubere Kleidung tragen zu können. Und nur das ist eigentlich auch die Vorstellung Yobas von Reichtum. Somit ist seine Vorstellung, dass alle Menschen in Europa reich sind, gar nicht so abwegig. Oder? Plötzlich und für mich regelrecht unerwartet ändern sich in Kapitel 6 auf einmal die Protagonisten und ich begleite eine deutsche Familie auf ihrer nicht ganz stressfreien Urlaubsfahrt zum Feriendomizil auf Sizilien. Für den ersten Moment kam dieser Einstieg in den zweiten Handlungsstrang für mich abrupt, fast unpassend. War doch Yoba gerade eine Situation, die ihn zutiefst ängstigte ausgesetzt und auf einmal muss ich mir banales Familiengezeter anhören. Doch die Episode war kurz und in einer anderen Schriftart verfasst. Bereits am Ende des zweiten Szenenwechsels begriff ich, dass dieser Teil der Geschichte bereits nach Yobas großer Reise spielen muss. So begebe ich mich nun gemeinsam mit Yoba auf die Reise in die Ungewissheit, in der er größte Strapazen auf sich nimmt, einzig von der Hoffnung getragen, irgendwann keinen Hunger mehr leiden zu müssen, medizinische Betreuung für seinen Bruder zu finden und wieder lernen zu dürfen. Dinge, die für uns so selbstverständlich geworden sind, dass wir sie manchmal überhaupt nicht mehr zu schätzen wissen. Genau diese Erkenntnis beflügelt nämlich Julian auch nach dem Lesen von Yobas Tagebuch, sich auf die Suche nach dem Gleichaltrigen zu machen. Obwohl ich jetzt wahrscheinlich noch seitenweise weitere Leseeindrücke aufführen könnte, möchte ich es, schon um dem interessierten Leser nicht noch mehr von der Handlung zu verraten, dabei belassen, dass ich dem Autor für seine wertfreie und doch so an Herz gehende Geschichte danke. Wertfrei in dem Sinne, dass er im Laufe des Geschehens mehrere Länder und Völkergruppen erwähnt und dem Leser aus jeder gute und schlechte Menschen vorstellt, so dass sich im Leser zwar nach und nach unbändige Wut darüber entwickelt, dass Dinge, die mit Yoba, seinem Bruder und anderen Flüchtlingen geschehen, überhaupt möglich sind, der Leser aber nicht dazu genötigt wird, Wut auf ein bestimmtes Land und dessen Einwohner zu empfinden, sondern erkennt, dass im Allgemeinen großer Handlungsbedarf besteht, Verständnis für die Menschen entwickelt und dass die Zustände vor allem vor Ort verbessert werden müssen. Ortwin Ramadan: Der 1962 in Aachen geborene Sohn eines Ägypters und einer Deutschen studierte Politik und Ethnologie. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin am Ammersee und arbeitet als Drehbuchautor und freier Journalist. Kinder hat er selbst keine, dafür schreibt er u. a. auch Kinderbücher, bei denen er sich überlegt, was ihm als Kind jetzt Spaß machen würde, also für das Kind in sich. Seine Protagonisten sind dabei multikulturell, was wohl daran liegt, dass er selbst in einer solchen Umgebung aufgewachsen ist. (Quellen: Verlagsinfo, merkur-online.de) Schlussbetrachtungen Gefühlte Tausend Mal habe ich in den Nachrichten von den gesunkenen Flüchtlingsbooten vor der italienischen Küste gehört oder auch Bilder von diesen hoffnungslos überfüllten Kähnen gesehen. Schlimm ja, aber irgendwie doch zu weit weg und viel zu schnell verdrängt von unwichtigen Meldungen, um wirklich nachhaltig darüber nachzudenken. Dazu brauchte es bei mir erst eine persönliche Geschichte, ein sehr berührendes Einzelschicksal. Natürlich ist auch in unserem „reichen Land“ nicht jeder Mensch in der Lage, Hilfsorganisationen mit großzügigen Spenden zu unterstützen. Trotzdem gibt es viele kleine Dinge, die jeder Einzelne tun kann. Und wenn dieses Buch nur ein paar Schüler aufrüttelt, ihre vorhandenen Ressourcen zu nutzen und zielstrebiger zu lernen. Oder sie einfach nur, dem Nachbarn der anders ist – egal ob durch eine Behinderung, eine andere Hautfarbe oder nur durch eine andere Lebensweise – zukünftig mit mehr Respekt begegnen. Von mir gibt es für „Der Schrei des Löwen“ jedenfalls eine hundertprozentige Leseempfehlung, sowohl für jugendliche Leseratten, als auch für Erwachsene. Vielleicht gibt es auch ein paar engagierte Deutschlehrer, die dieses Buch in ihren Unterricht mit einbinden. Calsen Verlag 2011 ISBN: 978-3-551-31017-0 288 Seiten Für 9,95 € als Taschenbuch im deutschen Buchhandel erhältlich.

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  • Rezension zu "Der Schrei des Löwen" von Ortwin Ramadan

    Der Schrei des Löwen

    Stephenie

    19. March 2011 um 10:30

    Ein tolles Buch, es wird einem beim lesen manchmal ganz eng in der Brust. Aber das Schicksal der zwei Brüdern ist auch nicht zum lachen. Dadurch das der Autor das Zwischenteil immer mal wieder einen deutschen Jungen/Teenager seine Sicht erzählen lässt (mehr will ich dazu nicht verraten), tritt der "Lebensunterschied" noch deutlicher zu Tage. Am Schluß gings mir dann fast schon zu schnell. Auch für Erwachsene geeignet (& als Schullektüre!)

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