Osamu Dazai

 4 Sterne bei 97 Bewertungen
Autor*in von Gezeichnet, No Longer Human und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Der japanische Schriftsteller Ozamu Dazai (eigentlich Tsushima Shūji; 1909–1948) wuchs als zehntes von elf Kindern auf. Er studierte französische Literatur an der Universität Tokio. 1933 veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte unter dem Pseudonym Ozamu Dazai. Der Freitod des Schriftstellers Akutagawa Ryūnosuke (1927), den er sehr verehrte, prägte ihn wesentlich. Nach zahlreichen gescheiterten Selbstmordversuchen ertränkte Dazai sich im Juni 1948. Trotz seines kurzen Lebens hinterließ er ein umfangreiches Werk; indem er tief in die menschliche Psyche, Emotionen und existenzielle Konflikte eintaucht, durchaus auch mit Witz und Ironie, und gleichzeitig soziale Themen behandelt, ist dieses zeitlos und universell.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der Sonne Untergang (ISBN: 9783988040329)

Der Sonne Untergang

Neu erschienen am 01.10.2026 als Taschenbuch bei Angkor.
Cover des Buches Die sinkende Sonne (ISBN: 9783730616543)

Die sinkende Sonne

(2)
Neu erschienen am 12.08.2026 als Gebundenes Buch bei Anaconda Verlag.
Cover des Buches Blüten der Narretei (ISBN: 9783988040305)

Blüten der Narretei

Neu erschienen am 01.08.2026 als Taschenbuch bei Angkor.
Cover des Buches Die sinkende Sonne (ISBN: 9783150208144)

Die sinkende Sonne

(4)
Neu erschienen am 15.07.2026 als Taschenbuch bei Reclam, Philipp.

Alle Bücher von Osamu Dazai

Cover des Buches Gezeichnet (ISBN: 9783944751030)

Gezeichnet

(32)
Erschienen am 01.02.2015
Cover des Buches No Longer Human (ISBN: 9783518474525)

No Longer Human

(18)
Erschienen am 14.08.2024
Cover des Buches Nicht länger ein Mensch (ISBN: 9783328115298)

Nicht länger ein Mensch

(9)
Erscheint am 13.01.2027
Cover des Buches Alte Freunde (ISBN: 9783944751146)

Alte Freunde

(5)
Erschienen am 04.10.2017
Cover des Buches Die sinkende Sonne (ISBN: 9783150208144)

Die sinkende Sonne

(4)
Erschienen am 15.07.2026
Cover des Buches Die sinkende Sonne (ISBN: 9783730616543)

Die sinkende Sonne

(2)
Erschienen am 12.08.2026
Cover des Buches Die Teufel des Tsurugi-Bergs (ISBN: 9783861249153)

Die Teufel des Tsurugi-Bergs

(1)
Erschienen am 01.09.2012
Cover des Buches Das Gemeine und andere Erzählungen (ISBN: 9783891293065)

Das Gemeine und andere Erzählungen

(1)
Erschienen am 01.01.1992

Neue Rezensionen zu Osamu Dazai

Cover des Buches Nicht länger ein Mensch (ISBN: 9783328115298)
Seitenklangs avatar

Rezension zu "Nicht länger ein Mensch" von Osamu Dazai

Seitenklang
Die Befremdung am Menschseins

Osamu Dazais „Nicht länger ein Mensch“ gehört zu jenen Büchern, die längst von einem festen Deutungsrahmen umgeben sind. Man liest sie mit einem kulturellen Vorwissen. Der depressive, entfremdete Protagonist. Der autobiografische Abgrund. Das Vorzeichen des späteren Suizids des Autors. All das ist in diesem Roman zweifellos angelegt. Während des Lesens entstand bei mir dennoch zunehmend das Gefühl, dass das Buch an vielen Stellen größere Zwischenräume öffnet, als es die gängigen Lesarten oft vermuten lassen.

Yōzō erlebt sich früh als fremd unter Menschen. Er versteht ihre Verhaltensweisen, ihre sozialen Rituale und ihre Sprache nicht intuitiv. Zugleich möchte er dazugehören. Seine Clown-Maske entsteht aus dieser Spannung heraus. Im Laufe des Romans verschiebt sich seine Perspektive jedoch zunehmend. Aus dem verängstigten Mitspieler wird ein Beobachter. Die Gesellschaft erscheint ihm stellenweise wie ein rätselhaftes Versuchsfeld menschlicher Verhaltensweisen, deren Regeln alle akzeptieren, ohne sie wirklich zu hinterfragen.

Darin liegt für mich eine der großen Stärken dieses Romans. Dazai seziert gesellschaftliche Sprach- und Verhaltensmuster mit einer Präzision, die bis heute modern wirkt. Immer wieder stolpert Yōzō über Formulierungen wie „man tut dies“, „das verzeiht man nicht“ oder „die Gesellschaft akzeptiert das nicht“. Er reagiert auf solche Sätze fast allergisch, weil er spürt, wie oft sich hinter diesem anonymen „man“ individuelle Moralvorstellungen verbergen, die sich durch die Berufung auf ein Kollektiv objektiver und unanfechtbarer machen möchten. Aus einer persönlichen Haltung wird scheinbar allgemeingültige Wahrheit.

Überhaupt wirkt der Roman stellenweise wie eine Untersuchung menschlicher Kodizes. Höflichkeitsrituale, gesellschaftliche Erwartungen, das Pflichtgefühl des richtigen Reagierens, des Gratulierens, Trauerns, Bewunderns oder Mitspielens erzeugen Ordnung und soziale Stabilität. Gleichzeitig liegt über vielen dieser Szenen ein Moment tiefer Befremdung. Menschen loben öffentlich und spotten privat. Gefühle werden performt. Anpassung erzeugt Zugehörigkeit. Yōzō betrachtet diese Mechanismen mit einer Mischung aus Angst, Sensibilität und Entsetzen.

Unter einem heutigen Blickwinkel lässt sich vieles davon auch als Geschichte eines hochsensiblen Menschen lesen, dessen Wahrnehmung sozialer Zwischentöne so fein geworden ist, dass ihm die gewöhnlichen Vereinfachungen des menschlichen Miteinanders kaum mehr möglich erscheinen. Seine Ehrfurcht vor Liebe etwa wirkt beinahe sakral. Banale oder vulgäre Redeweisen über Gefühle empfindet er als Entweihung. Seine Scham, seine Überreizung und seine Sprachlosigkeit erhalten dadurch eine zusätzliche Dimension, die über eine rein klinische Deutung hinausweist.

Beim Lesen stellte sich für mich immer wieder die Frage, wie sehr Isolation diese innere Fremdheit verstärkt. Menschen halten ihre eigene Wahrnehmung oft erst dann für lebbar, wenn sie erfahren, dass andere ähnlich empfinden. Wer keine Sprache für seine Sensibilität besitzt und niemandem begegnet, der dieselben Zwischentöne, dieselben Abgründe und dieselbe Reizoffenheit kennt, erlebt die eigene Innenwelt schnell wie einen Fehler. In einer rigiden Gesellschaft, deren soziale Formen kaum Raum für Abweichung lassen, kann daraus ein inneres Exil entstehen. Man fragt sich unweigerlich, ob Yōzōs Einsamkeit in einer anderen Zeit, mit Zugang zu Menschen, die seine Wahrnehmung geteilt hätten, eine weniger zerstörerische Richtung genommen hätte.

Hinzu kommt der kulturelle Hintergrund des Romans. Die japanische Gesellschaft jener Zeit war stark geprägt von Rolle, Pflichtgefühl, Scham und sozialer Form. Für einen Menschen wie Yōzō, dessen Identität ohnehin fragil erscheint, wird die Angst vor gesellschaftlichem Ausschluss existenziell. Dass familiäre Zurückweisung in diesem Kontext fast vernichtende Wucht entfalten kann, durchzieht den Roman wie ein dunkler Unterstrom.

Dazai schreibt vieles nur in Andeutungen. Traumatische Erfahrungen bleiben verschattet, als könnten sie sprachlich nie vollständig erreicht werden. Gerade diese Unschärfen machen den Roman so offen für unterschiedliche Lesarten. Manche Szenen lassen sich psychologisch lesen, andere gesellschaftskritisch, philosophisch oder existenziell. Vermutlich liegt darin ein Teil seiner anhaltenden Wirkung. Bücher wie dieses verändern sich mit den Fragen, die ihre Leser an sie herantragen.

Cover des Buches Die sinkende Sonne (ISBN: 9783150208144)
shizu_readss avatar

Rezension zu "Die sinkende Sonne" von Osamu Dazai

shizu_reads
Klassiker

Kazukos Welt ist nach dem Krieg nicht mehr dieselbe. Vorher noch wohlhabend, sind sie und ihre Mutter nun auf die Unterstützung ihres Onkels angewiesen, der die beiden kurzerhand aufs Land verfrachtet. Dort angekommen, kehrt auch Kazukos im Krieg verschollener Bruder zurück und verzecht erst einmal das noch vorhandene Geld. Währenddessen reift in Kazuko ein ungewöhnlicher Gedanke: Sie möchte ein Kind – und zwar von einem Mann, mit dem sie keine Beziehung führt.

Das war eher deprimierende Lektüre, denn Dazai erschafft hier einen Rahmen, der kaum Lichtblicke zulässt. Jede Entwicklung, die ein wenig Hoffnung verspricht, wird gefühlt direkt wieder im Keim erstickt. Das macht natürlich etwas mit einem beim Lesen und bestimmt die gesamte Stimmung des Buches. Und das muss man auch erst einmal hinbekommen: auf gerade einmal 130 Seiten eine solche klamme Atmosphäre und gleichzeitig so viel Tiefe zu schaffen.

Jedes der drei Familienmitglieder bringt seinen eigenen Schmerz und Kampf mit in die Geschichte. Der Fokus liegt dabei auf Kazuko, die geschieden ist und sich von einem anderen Mann ein Kind wünscht. Sie beginnt, ihn zu kontaktieren und diesen Gedanken immer weiterzuverfolgen. Gleichzeitig versucht ihr Bruder, sein Kriegstrauma mit Alkohol zu bekämpfen, während die Mutter schwer erkrankt. Das ist ganz schön viel Inhalt für so wenige Seiten.

Der Schreibstil ist dabei trotz des Alters der Geschichte erstaunlich schlank und kommt ohne große Umschweife aus. Mir gefiel auch der Wechsel zu Briefen und Tagebucheinträgen. Diese sorgen zwar jeweils für einen recht harten Cut in der Geschichte, brechen dadurch aber gleichzeitig die Tristesse ein wenig auf und ermöglichen andere Einblicke in die Figuren.

Auf jeden Fall keine leichte Lektüre. Die Einordnung am Ende hat mir geholfen, das Werk und seinen Hintergrund noch einmal etwas besser zu verstehen und manches Gelesene in einen größeren Zusammenhang zu setzen.

Für Fans japanischer Literatur ist es auf jeden Fall eine gute Wahl – vorausgesetzt, man hat gerade Lust auf eine kurze, aber ziemlich schwere und hoffnungslose Geschichte.

Cover des Buches Die sinkende Sonne (ISBN: 9783150208144)
Karandis avatar

Rezension zu "Die sinkende Sonne" von Osamu Dazai

Karandi
Liegt etwas schwer im Magen


Ich muss ehrlich sagen, ich wollte unbedingt noch einmal ein Buch von Osamu Dazai lesen, weil ich von ihm bisher nur „No Longer Human“ gelesen hatte. Also habe ich mich selbst ein wenig schlaugemacht, welches weitere erfolgreiche Buch von ihm infrage kommen könnte, und dabei wurde mir „Die sinkende Sonne“ vorgeschlagen.


Und das Buch hat Tiefgang. Es geht ans Eingemachte – auf gerade einmal knapp über 130 Seiten. Man kann das Buch wirklich in weniger als zwei Stunden durchlesen. Dabei werden starke gesellschaftskritische Themen angesprochen und gleichzeitig das schwere Schicksal einer Familie im Japan der Nachkriegszeit erzählt.


Eine Familie, die vor dem Krieg noch großes gesellschaftliches Ansehen genossen hat, zerfällt nach dem Krieg. Der Vater ist tot, der Bruder ist drogensüchtig, hat Schulden und ist alkoholkrank. Die Mutter wird schwer krank und die Tochter, um die es in diesem Buch geht, ist in dieser Welt und in dieser japanischen Gesellschaft verloren. Sie weiß nicht, wohin sie gehört. Sie hat bereits in jungen Jahren eine gescheiterte Ehe hinter sich und sucht weiter ihren Platz im Leben.


Tatsächlich wird Rosa Luxemburg für sie zu einem Vorbild, und so fasst sie einen Entschluss, der für die damalige Zeit überhaupt nicht gesellschaftsfähig war: Sie möchte nicht heiraten und sie möchte auch kein klassisches Familienleben. Was sie möchte, ist ein Kind von einem bestimmten Mann. Von ihm sagt sie sinngemäß: „Von ihm möchte ich ein Kind.“


Sie möchte nicht einmal seine Ehefrau sein. Sie möchte einfach nur sein Kind austragen. Und in diesem Kind sieht sie eine Zukunft, eine Hoffnung.


Ich muss allerdings sagen, dass es mir auch aus heutiger Sicht schwerfällt, mir vorzustellen, dass ein Kind allein – ohne den Wunsch nach einer kompletten Familie – eine solche Befreiung geben kann. Aber das sind moralische Vorstellungen, die eben nicht mehr jeder Mensch teilt. Und dieses Buch spielt in einer Zeit, in der es noch weitaus stärker verpönt war, solche Gedanken öffentlich auszuleben, als es heutzutage der Fall ist.


Was ich für mich allerdings als negativ betrachte und weshalb das Buch auch nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat, ist tatsächlich diese starke Depressivität, die es hinterlässt. Das habe ich bereits bei „No Longer Human“ bemerkt. Man ist durchgehend in einer komplett düsteren Welt gefangen, in der es scheinbar keinen wirklichen Lichtblick gibt, und das finde ich doch äußerst gemüts­erdrückend.


Denn selbst in einem schwierigen Leben gibt es doch immer wieder Momente, die einen aufhellen lassen. Aber genau diese lässt Osamu Dazai ganz bewusst aus. Und ich denke, es ist einfach seine Art, etwas zum Ausdruck zu bringen. Die Themen, die er anschneidet, die Charaktere und die Psychologie der Menschen, die er aufgreift, haben nichts Bewundernswertes, nichts, was es wert wäre, nachgeahmt zu werden, und nichts von dem, was man sich unter einem guten Leben vorstellt.


Und ich denke, genau das ist der Kern seiner Geschichten.


Ihm geht es nicht darum, den Leser mit einem Happy End zurückzulassen. Ihm geht es darum, Missstände aufzuzeigen und sie eben nicht vollständig aufzulösen, damit man sie weiterverarbeiten muss, damit man sie nicht als abgeschlossen betrachtet, sondern als weiterhin bestehendes Problem.


Trotz alledem bekommt dieses Buch von mir nur drei Sterne – aus dem einfachen Grund, weil die Stimmung, die es bei mir hinterlässt, nicht die ist, die ich von einem Buch erwarte oder die ein Buch bei mir hinterlassen soll.


Dennoch bin ich mir sicher, dass Osamu Dazai eine Leserschaft haben wird, die vor Kultiviertheit und literarischem Verständnis nur so strotzt.

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Welche Genres erwarten dich?

Community-Statistik

118 Bibliotheken

21 Merkzettel

3 Leser*innen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks