Osamu Tezuka Kirihito, Band 1

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Inhaltsangabe zu „Kirihito, Band 1“ von Osamu Tezuka

Mit KIRIHITO erscheint eines der großen Meisterwerke der Comic-Geschichte erstmals in deutscher Sprache. Osamu Tezuka, als "Gott des Manga" verehrt, entwarf diesen düsteren Thriller zu Beginn seiner späten Schaffensphase und erschütterte damit nicht nur allzu naive Vorstellungen über die menschliche Natur, sondern sprengte auch die Erwartungshaltungen an ihn und seine erzählerischen Limits. Die Geschichte: Der junge Arzt Kirihito Osanai wird mit einer mysteriösen Krankheit konfrontiert, die in einer entfernten Gebirgsregion der Insel Shikoku ihren Ursprung zu haben scheint: sie lässt Gesichter mutieren, erzeugt eine Gier nach rohem Fleisch und scheint Menschen in hundeähnliche Bestien zu verwandeln, bevor sie innerhalb weniger Monate sterben. Eine Rettung scheint nicht in Sicht. Kirihito versucht, hinter die Ursachen zu kommen und den Opfern zu helfen, die von der Gemeinschaft verstoßen und verfolgt werden. Eine Reise um den halben Erdball wartet auf ihn, in die Abgründe menschlicher Verhaltensweisen - mit einem medizinischen Establishment im Nacken, das Kranke nur als Versuchskaninchen betrachtet und für gute Forschungsergebnisse über Leichen geht. KIRIHITO ist eine wahre Achterbahnfahrt in die menschliche Psyche - eine Geschichte, die auch vor den großen philosophischen und subtilen religiösen Fragen nicht halt macht und sich auch nicht scheut, die zynische Brutalität und Gier unmenschlichen Handelns in bisweilen schockierende Bilder zu fassen. Aber zugleich will KIRIHITO aufrütteln - liest sich diese Geschichte doch wie ein Pamphlet gegen alle Rassismen und Diskriminierungen, die menschliche Gesellschaften auch heute noch tagtäglich hervorbringen. Die deutsche Ausgabe von KIRIHITO wird drei Graphic Novel-Bände (Klappenbroschur, Format 14,5 x 21 cm) mit jeweils rund 280 Seiten umfassen und in westlicher Leserichtung erscheinen.

Brillant konstruierter düsterer Thrillerauftakt, der auch knapp 45 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Wirkung verloren hat.

— Elmar Huber
Elmar Huber

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  • Kirihito 1

    Kirihito, Band 1
    Elmar Huber

    Elmar Huber

    22. June 2015 um 13:34

    STORY Die Belegschaft des Universitätsklinikum Tokio sieht sich mit einem außergewöhnlichen Patienten konfrontiert. Der Mann aus dem nahezu unzugänglichen Dorf Inugamisawa entwickelt einen Appetit auf rohes Fleisch, sein Knochenbau verändert sich rapide und er nimmt nach und nach die Physiognomie eines Hundes an. Die Ärzte nennen es die „Monmo Krankheit“. Während der Chefarzt Prof. Tatsugaura von einer ansteckenden Viruserkrankung überzeugt ist, vermutet der junge idealistische Kirihito Osanai eine durch Umwelteinflüsse verursachte endemische (andauernd gehäuftes Auftreten einer Krankheit in einer begrenzten Region oder Population) Ursache. Um weiteres Material zu sammeln soll sich Kirihito für einen Monat nach Inugamisawa begeben. Das bedeutet, dass er seine Verlobte, die sich eine Hochzeit wünscht, so lange alleine in Tokio zurück lassen muss. Obwohl die Dorfbewohner, die keine Fremden gewohnt sind, Kirihito zunächst reserviert entgegenstehen, schicken sie die junge und schöne Tazu in seine Hütte, um mit ihm zu schlafen, Mit dieser Vereinigung des Blutes erlangt er das Recht, im Dorf zu bleiben. Auch Tazus Vater leidet an der Monmo-Krankheit und sie bittet Kirihito, ihm zu helfen. Dieser sieht zunächst nur das willkommene Studienobjekt, entwickelt jedoch mehr und mehr Gefühle für Tazu, die ihm bei seinen Studien behilflich ist. Schließlich zeigen sich auch bei Kirihito erste körperliche Anzeichen der Krankheit. Auf seinem Weg zurück in die Zivilisation wird Kirihito entführt und zum gedemütigten Schauobjekt eines reichen Geschäftsmanns, der sein Vergnügen aus den perversen Attraktionen zieht, die er mit seinem Geld kaufen kann. Gemeinsam mit einer Tänzerin gelingt Kirihito die Flucht. In Tokio wurde Kirihito aufgrund seiner langen Abwesenheit inzwischen als verschollen erklärt und von der Ärzteliste des Universitätsklinikums gestrichen. Niemand ist dort mehr an seiner Rückkehr interessiert, insbesondere da Prof. Tatsugaura seine Theorie der Viruserkrankung vorstellen und damit zum Präsident der Ärztevereinigung werden will. Unterdessen erfährt Kirihitos Tokioter Kollege und Freund Urabe, dass die Monmo-Krankheit auch in Rhodesien, und dort nicht nur an Einheimischen sondern auch an einer weißen Missionarin, aufgetreten ist. Urabe untersucht die Fälle dort und gerät damit in Lebensgefahr. MEINUNG Was wie ein „normaler“ Medizinthriller beginnt entwickelt sich für Titelheld Kirihito schon bald zu einer schonungslosen Tour de Force, gepaart mit der Ungewissheit, wo sein Weg überhaupt hinführt. Dabei vermengt Autor und Zeichner Osamo Tezuka die Thrillerelemente seiner Geschichte mehr und mehr mit Fragen der Ethik, der Philosophie und sogar der Religion. In der Charakterisierung seiner Figuren verzichtet Tezuka auf simple schwarz-weiß-Zeichnung, was der Geschichte eine angenehme Tiefe verleiht ohne den Hauptplot zu ersticken. Nahezu jede Person in KIRIHITO wird von inneren Dämonen – Neid, Gier und Hass – getrieben, die sie mehr oder weniger gut im Griff haben. Beispielsweise ist Kirihitos Freund Urabe seinerseits an dessen Verlobter interessiert und er nutzt die Gunst von Kirihitos Abwesenheit, sich ihr gegen ihren Willen zu nähern. Hier agiert Urabe also moralisch verwerflich, wenngleich er an anderer Stelle voller Überzeugung (und auch aus Loyalität) die Theorie seines Freundes zu beweisen sucht. So wird Kirihitos Reise ins Ungewisse durch immer neu aufkeimende und oft unvorhersehbare Erzählstränge und Parallelhandlungen ergänzt, die insgesamt so brillant miteinander verwoben sind, das KIRIHITO sich schnell zu einem absoluten Pageturner entwickelt, der unaufhaltsam immer tiefer in ungeahnte Abgründe führt. Erzählerische Parallelen zu den Psychothrillern von Jean Christophe-Grangé sind hier nicht von der Hand zu weisen. Die Zeichnungen von Osamo Tezuka, den viele als „Gott des Manga” verehren, wirken zu Anfang humoristisch und teilweise sogar slapstickhaft übertrieben, entwickeln im weiteren Handlungsverlauf aber eine fesselnde und bisweilen symbolträchtige Düsternis. Carlsen Manga veröffentlicht KIRIHITO sehr schön gestaltet als schicke Klappenbroschur unter dem Label „Graphic Novel“ in drei Bänden mit je rund 280 Seiten. Im Gegensatz zu den „üblichen“ Mangaveröffentlichungen wurde das Buch der westlichen Leserichtung angepasst, indem die Seiten gespiegelt wurden. FAZIT Brillant konstruierter düsterer Thrillerauftakt, der auch knapp 45 Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Wirkung verloren hat.

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  • Rezension zu "Kirihito, Band 1" von Osamu Tezuka

    Kirihito, Band 1
    die_Leserin

    die_Leserin

    08. October 2010 um 23:01

    Kirihito Osanai ist ein junger Arzt, der eine mysteriöse Krankheit erforscht. In dem entlegenen und isolierten Dorf Inugamisawa erleben manche Bewohner schmerzhafte Mutationen, die ihnen die äußere Erscheinung eines Hundmenschen geben. Das Gesicht wird spitz, es kommt zu übermäßigen Haarwusch, die Finger verkümmern, während daran Klauen wachsen. Nur wenige Wochen nach Auftreten der Veränderungen, versteben die Kranken. Zur Feldforschung schickt sein Vorgesetzter Kirihito in das Krisengebiet. Er weiß jedoch nicht, dass sein Vorgesetzter darauf setzt, dass er sich dort mit der Krankheit infiziert und an den Folgen stirbt. Kirihito muss tatsächlich sehr bald Symptome der Krankheit an sich feststellen. Ursache ist das örtliche Quellwasser, das durch seltene Sedimentablagerungen sickert und gefährliche Minerale mit sich führt. Indem er nur noch Regenwasser zu sich nimmt, kann er das Fortschreiten der Krankheit verhindern. Sein hundeartiges Aussehen behält er jedoch. Kirihito macht sich auf den Heimweg, um Hilfe bei seinen Kollegen zu suchen. Allerdings stellen sich ihm Hindernisse in den Weg, mit denen er nicht gerechnet hat. So wird er wie eine Kreatur gefangen und misshandelt und wie ein Zootier vorgeführt und grausam gedemütigt. Nicht ein Mensch, von den vielen, die er trifft, ist wirklich gut. Mag sich so mancher von Anfang an als Feind zu erkennen geben, auch jene, die ihm zu nächst helfen, stellen sich bald als verräterisch und eigennützig heraus. Das dreibändige Werk von Osamu Tezuka beschäftigt sich mit Monstren. Ganz gleich wie das Antlitz aussehen mag - es gibt kein schwarz und weiß. Wer gütig ist, muss nicht gut sein und wer grausam ist, muss nicht unbedingt schlecht sein.

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