Oscar Martinez Eine Geschichte der Gewalt

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Inhaltsangabe zu „Eine Geschichte der Gewalt“ von Oscar Martinez

In den Staaten Zentralamerikas herrscht das organisierte Verbrechen. Die strategische Lage hat Länder wie Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua zu wichtigen Transitländern des internationalen Drogenhandels gemacht und ihnen die höchsten Mordraten der Welt gebracht. Das staatliche Machtvakuum in diesen Ländern haben längst organisierte Banden wie die Mara Salvatrucha oder Barrio 18 besetzt – hier herrscht das Gesetz von Klingen und Kugeln.
Óscar Martínez’ preisgekrönte Reportagen führen uns direkt in das Chaos Zentralamerikas – er berichtet von Brunnen, die sich mit Leichen füllen, von Kronzeugen, die der Staat vergessen hat, von jugendlichen Killern, die für einen Beutel Gras töten und von dem profitablen Geschäft der internationalen Kartelle mit Kokain und Migranten. Er schreibt über die Sisyphusarbeit des einzigen Gerichtsmediziners in El Salvador, über die Herren der Grenzen im Dschungel Guatemalas, über mexikanische Bordelle, in denen die zentralamerikanischen Flüchtlinge verkauft werden. Das Bild, das sich aus seinen Reportagen ergibt, ist erschreckend: eine Region, die von Angst und Perspektivlosigkeit beherrscht wird und aus der die Menschen zu Millionen fliehen.

Beeindruckende Reportagen aus Ländern, in denen soziale Spannungen und kriminelle Banden für eine Atmosphäre der Gewalt sorgen.

— Gulan

In Zentralamerika gibt es Orte, in denen der Staat nichts mehr zu suchen hat. In denen das Verbrechen regiert. Und aus diesen Orten ...

— Splashbooks

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  • Einsamkeit, Wahnsinn und Flucht.

    Eine Geschichte der Gewalt

    Gulan

    16. July 2016 um 10:33

    In dem Brunnen liegen Leichen. Vielleicht zehn, vielleicht zwölf, vielleicht sogar zwanzig. Bestimmt nicht weniger als vier. Wir befinden uns in der Gemeinde Turín im Westen El Salvadors. Man fahrt über eine ungepflasterte Straße, an Bahngleisen entlang, an Lehmhütten vorbei, und dann, hinter einem Maisfeld, da gibt es einen Brunnen, und tief unten, auf dem Boden des Brunnens, liegen Leichen. (S.119) El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua – vier Länder Mittelamerikas, die aktuell nicht unbedingt im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen. Das war mal anders als im Kalten Krieg die Amerikaner mit allen Mitteln ihren „Hinterhof“ sauber halten wollten und rechte Militärs im Kampf gegen linke Guerillas und Oppositionsgruppen unterstützten. Der Kalte Krieg ist vorbei, die Abhängigkeit von den Gringos ist geblieben, die Probleme auch. Alle diese Länder haben nach wie vor große soziale Probleme und hohe Kriminalitätsraten, denn sie liegen strategisch günstig an den zwei lukrativen Transitstrecken von Drogen und Flüchtlingen Richtung USA. Óscar Martínez gilt als einer der renommiertesten investigativen Journalisten Zentralamerikas. Er schreibt zurzeit bei ElFaro.net. Die Internet-Zeitung mit Sitz in El Salvador bezeichnet sich selbst als die erste Online-Zeitschrift Lateinamerikas ("El primer periódico digital latinoamericano"). Laut englischem Wikipedia-Eintrag ist „El Faro“ eher der politischen Linken bzw. den Antiautoritariern zuzuordnen und bildet damit einen Gegenpart zu den traditionell konservativen Medien El Salvadors. Einer der Schwerpunkte der Zeitung ist der investigative politische Journalismus („El Faro“ gehörte u.a. zu der globalen Medienkooperative bei den „Panama Papers“). In „Eine Geschichte der Gewalt“ fasst Martínez seine wichtigsten Reportagen (insgesamt 14) zusammen. Er hat sein Buch in drei Teile aufgeteilt: Einsamkeit, Wahnsinn und Flucht. Im Vorwort erläutert er die dahinterliegende Intention. 'Einsamkeit' „handelt von der Abwesenheit des Staates“ in Gebieten, die vom organisierten Verbrechen kontrolliert werden. 'Wahnsinn' „beschreibt die Sinnlosigkeit der extremen Gewalt“. „Flucht“ erzählt „von denen, die dem Wahnsinn entfliehen wollen“ und dabei meist auch wieder in die Fänge verbrecherischer Organisationen geraten. Drogenhändler in schwachen Staaten wie denen Zentralamerikas gleichen Ersatzspielern in einem Team. Einer stirbt oder wird an die Vereinigten Staaten ausgeliefert, und ein anderer tritt an seine Stelle, bis auch er stirbt oder ausgeliefert wird. Der Kampf gegen die Drogen ist endlos. In diesem Krieg – wie der ehemalige Präsident Mexikos, Felipe Calderón, genannt hat – gibt es eine lange Warteliste, die immer wieder aufgefüllt wird. (S.167) Martínez' betreibt für seine Reportagen einen hohen Aufwand, recherchiert vor Ort, befragt Ermittlungsbeamte, Kronzeugen, Täter und Opfer. Er benutzt Einzelfälle, um Gesamtzusammenhänge aufzuzeigen. Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme in das Buch hereinzukommen wegen der Vielzahl an Personen, Bandennamen und Orten. Manchmal merkt man auch, dass die hier veröffentlichten Reportagen unabhängig veröffentlicht wurden, so dass hier und da Redundanzen vorkommen und ein etwas stringenterer roter Faden hilfreich wäre. Jedoch wird man durch die einzelnen Reportagen entschädigt. Beeindruckend ist beispielsweise der Beitrag über die Gefängnisrevolten rivalisierender Banden. Oder die Geschichte von den Leichen in einem Brunnen und dem verzweifelten Gerichtsmediziner, der sie nicht bergen kann. Martínez beschreibt schonungslos und desillusioniert die Machtlosigkeit der Staatsapparate, sei es durch Korruption, Ineffizienz oder Inkompetenz. „Eine Geschichte der Gewalt“ ist insgesamt eine interessante Zusammenstellung von teilweise hervorragenden journalistischen Beiträgen über den scheinbar hoffnungslosen Kampf einiger Länder, die sonst eher selten in Europa wahrgenommen werden, gegen die organisierte Kriminalität und die allgemeine Perspektivlosigkeit.

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  • Eine Geschichte der Gewalt. Leben und Sterben in Zentralamerika, rezensiert von Götz Piesbergen

    Eine Geschichte der Gewalt

    Splashbooks

    26. May 2016 um 09:23

    "Eine Geschichte der Gewalt: Leben und Sterben in Zentralamerika" lautet der Titel von Óscar Martínez erschütternder Reportage. Der Kunstmann-Verlag bringt dieses ergreifende Buch jetzt hier in Deutschland heraus. Und wer schon immer hautnahe Berichte darüber haben wollte, wie der Krieg gegen die Drogen in Zentralamerika aussieht, der sollte, so viel sei jetzt schon verraten, sich diesen Band holen. Der Autor wurde 1978 in El Salvador geboren und arbeitet als Journalist bei ElFaro.net, einer der ersten Online-Zeitschriften Südamerikas. Er ist einer der bekanntesten Vertreter seiner Zunft in Zentralamerika. Mit seinen Berichten, die mehrfach ausgezeichnet worden sind, hat immer wieder für Aufsehen gesorgt. Wenn es um Zentralamerika und das Thema Verbrechen geht, ist die Rede immer wieder von Mexiko. Das Land ist ein Paradebeispiel dafür, wie schwer es ist, gegen das organisierte Verbrechen und den Drogenhandel anzukommen. Wiederholt hört man von Geschichten, die deutlich machen, wie korrupt einige staatstragende Behörden sind. Die Story um den Bus mit den ermordeten Studenten macht dies besonders deutlich. Und doch ist Mexiko im Vergleich zu seinen südlicheren Nachbarn noch verhältnismäßig gut dran. Denn, uns dies zeigt Óscar Martínez in seinem Buch besonders eindrücklich, dort ist es teilweise wesentlich schlimmer. Besonders gut zeigt dies die Geschichte eines Zeugen, dem es im Zeugenschutzprogramm wesentlich schlechter geht, als in seinem vorherigen Leben als Krimineller. So wird besonders deutlich gemacht, wie wenig es wichtigen Behördenvertretern daran liegt, die großen Fische zu schnappen. Rest lesen unter:http://splashbooks.de/php/rezensionen/rezension/23663/eine_geschichte_der_gewalt_leben_und_sterben_in_zentralamerika

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