Oskar Negt

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Lebenslauf von Oskar Negt

Oskar Negt, geboren 1934, gilt als einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler Deutschlands. Er studierte bei Max Horkheimer, promovierte bei Theodor W. Adorno in Philosophie. Er legte zusätzlich sein Diplom in Soziologie ab. 1962 bis 1970 arbeitete er als Assistent von Jürgen Habermas. Von 1970 bis 2002 war Negt Professor für Soziologie in Hannover. Seine Schriften erschienen 2016 zusammengefasst in einer zwanzigbändigen Werkausgabe im Steidl Verlag. 2011 wurde Oskar Negt für sein politisches Engagement mit dem August-Bebel-Preis geehrt.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Politische Philosophie des Gemeinsinns

Neu erschienen am 05.09.2019 als Hardcover bei Steidl GmbH & Co. OHG.

Alle Bücher von Oskar Negt

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Cover des Buches Gesellschaftsentwurf Europa (ISBN:9783869304946)

Gesellschaftsentwurf Europa

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Erschienen am 01.03.2012
Cover des Buches Philosophie des aufrechten Gangs (ISBN:9783869307589)

Philosophie des aufrechten Gangs

 (1)
Erschienen am 24.03.2014
Cover des Buches Kant und Marx (ISBN:9783865211668)

Kant und Marx

 (1)
Erschienen am 01.06.2005
Cover des Buches Der politische Mensch (ISBN:9783865215611)

Der politische Mensch

 (1)
Erschienen am 09.06.2010
Cover des Buches Werkausgabe Bd. 14 / Die Faust-Karriere (ISBN:9783869308890)

Werkausgabe Bd. 14 / Die Faust-Karriere

 (1)
Erschienen am 01.08.2014
Cover des Buches Überlebensglück (ISBN:9783958292123)

Überlebensglück

 (0)
Erschienen am 30.05.2017

Neue Rezensionen zu Oskar Negt

Neu
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Rezension zu "Erfahrungsspuren. Eine autobiografische Denkreise" von Oskar Negt

Ein beeindruckendes Leben voller „Erfahrungsspuren“
WinfriedStanzickvor 4 Monaten


In diesen Tagen im Juni 2019 wurde der weltweit geachtete Philosoph Jürgen Habermas 90 Jahre alt. Einer seiner Schüler war der zehn Jahre jüngere Oskar Negt, der hier den zweiten Band seiner autobiographischen Spurensuche vorlegt.

 

Wie schon im ersten Band seiner Erinnerung , der 2017 unter dem Titel „Überlebensglück“ erschienen ist und von den Erfahrungen seiner durch die Flucht geprägten Kindheit und den ersten Jahren nach dem Krieg bis zu Negts Hochschulreife handelte, wechselt er auch in dem hier vorliegenden Band „Erfahrungsspuren“ zwischen biographischen Erinnerungen tiefgehenden philosophischen und politischen Reflexionen.

 

Nun, da er in Oldenburg sein Abitur abgelegt hat, zieht es ihn nach Frankfurt, wo in der sogenannten Frankfurter Schule die Philosophen Horkheimer, Adorno und Habermas  eine große Schar junger Menschen anziehen, die wie Negt nach Wahrheit suchen und die Gesellschaft verändern wollen.  Dort beginnt eine in dem Buch beschriebene beeindruckende „Denkreise“, die auch in der Gegenwart bei dem mittlerweile 80-jährigen Negt längst nicht an ihr Ende gekommen ist.

 

Oskar Negts bewegte Studienzeit endet damit, dass er als noch sehr junger Mann von Jürgen Habermas zum Assistenten gemacht wird. Neben dem Beginn eigener Lehrveranstaltungen tritt Oskar Negt in diesen Jahren weit mehr als seine philosophischen Lehrer in der sich bildenden außerparlamentarischen Opposition mit Vorträgen und Kampfschriften auf und wird einer ihrer viel beachteten Wortführer. Wie kaum ein anderer sucht er schon sehr früh die politischen Auseinandersetzungen mit der RAF, deren Weg er für verhängnisvoll und für die Befreiung der Gesellschaft, der auch er sich verpflichtet weiß, kontraproduktiv hält.

 

Mit 36 Jahren erhält er 1970 einen C 4 Lehrstuhl an der Universität Hannover, wo er bald schon eine neue Gruppe von Schülern um sich schart, unter anderem den genialen Detlev Claussen, bei dem ich als Student in vielen selbstorganisierten Seminaren eine Menge gelernt habe.

 

Aber Negts Arbeit beschränkt sich nie nur auf die akademische Lehre, deren Praxis er in dem Buch zusammen mit seiner Ehefrau Christine Morgenroth reflektiert, sondern er engagiert sich in der gewerkschaftlichen Bildungs- und Kulturarbeit und begleitet sie mit vielen Publikationen, die noch heute lesenswert sind. Mit dem Projekt „Glocksee“ zählt er mit seinem Kollegen Thomas Ziehe zu den Gründern eines alternativen Schulmodells, das zu gleichen Teilen auf soziale Integration und individuelle Förderung setzt. Noten werden erst in der zehnten Klasse vergeben. An der Schule lernen bis heute etwa 210 Schüler.

 

Ich konnte als in den 70 er Jahre politisch sozialisierter Zeitgenosse, der das Wirken von Oskar Negt auch über das damalige Sozialistische Büro in Offenbach immer aufmerksam verfolgt hat, in dem Buch von einer Mange interessanter Begegnungen und lebenslangen Freundschaften lesen und mich gefangen nehmen lassen von einer nach wie vor unerschütterlichen Wahrheitssuche und Veränderungshoffnung.

 

Am Ende des Buches schreibt er: „Wir dürfen nicht warten, bis das Gemeinwesen verrottet ist und die moralische Verkrüppelung ein gesellschaftliches Klima geschaffen hat, das die Mühe um Anstand und politische Urteilskraft immer beschwerliche rund vielfach aussichtslos werden lässt.“

 

Ein beeindruckendes Leben voller „Erfahrungsspuren“.

 

 

 

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Rezension zu "Gesellschaftsentwurf Europa" von Oskar Negt

Rezension zu "Gesellschaftsentwurf Europa" von Oskar Negt
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

Eine Lücke will er füllen mit seinem neuen Text zu Europa, sagt der Philosoph Oskar Negt, eine Lücke, die ihm schon lange ein Ärgernis gewesen sei: „Wie schon die Wiedervereinigung der staatlichern Nachkriegsfragmente aus der ‚Portokasse’ bezahlt werden sollte, was sich schnell als fataler Irrtum herausstellte, so gerät jetzt ein viel größeres Vereinigungsprojekt in Verruf, weil im verengten Horizont der mit diesem epochalen Projekt Beschäftigten die Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen in den einzelnen Ländern nicht vorkommen… die nationalen Eigentümlichkeiten und der kulturelle Eigensinn der einzelnen Länder haben harte Prägungen hinterlassen,
die durch Geld und institutionelle Vereinbarungen nur schwer aufzubrechen sind.“

Ohne eine soziale Bewusstseinsbildung, so Negt, entstehe eben keine solidarische Ökonomie, eine Ökonomie, bei der es nicht nur um die Rettung von Banken geht, sondern die eine echte Ausgleichsbewegung zwischen Schwachen und Starken möglich macht. Dies müsse erreicht werden, ohne „in die Mottenkiste vorurteilsbeladener Abgrenzungen zurückzugreifen.“

Er beschreibt kollektive Lernprozesse, die nötig seien und die die Alltagserfahrungen der Menschen einbeziehen. All das, das kann man an den Protesten in Griechenland und Spanien aktuell beobachten, ist bisher überhaupt nicht geschehen.

Sein kleines Buch ist eine Streitschrift, die weit ausholt in die Geschichte zurück bis zum Westfälischen Frieden, um deutlich zu machen, welchen hohen, auch friedenspolitischen, Stellenwert der „Gesellschaftsentwurf Europa“ hat. Er will nichts anderes, als anzuregen, sich mit der in den vorherrschenden Europadiskursen häufig unterschlagenen Wirklichkeit auseinanderzusetzen.

Insofern ist dieses Buch ein wichtiges und nötiges politisch-philosophisches Korrektiv auch zu Thilo Sarrazins neuem Buch, der ja hautsächlich ökonomisch argumentiert. Kann man diese beiden Ansätze zusammenbringen, oder schließen sie sich aus?

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Rezension zu "Der politische Mensch" von Oskar Negt

Rezension zu "Der politische Mensch" von Oskar Negt
WinfriedStanzickvor 8 Jahren

Oskar Negt ist neben Jürgen Habermas der wahrscheinlich wichtigste, wenn auch nicht bekannteste Intellektuelle unseres Landes. Über viele Jahrzehnte hat der von 1970 bis 2002 in Hannover Soziologie Lehrende mit seinen Büchern und Aufsätzen zuerst die Studentenbewegung, später die neuen Bewegungen in Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und Politik beeinflusst und geprägt.

Unvergessen seine voluminösen und eigensinnigen Veröffentlichungen mit Alexander Kluge, einem anderen oft verkannten Intellektuellen, etwa „Geschichte und Eigensinn“, das nur bei Zweitausendeins erhältlich war und leider bis heute nicht in die Werkausgabe des Steidl-Verlags aufgenommen ist.

Das vorliegende, neue und in die Werkausgabe Oskar Negts als Band 4 integrierte Buch stellt so etwas da wie die „Summe seiner denkerischen und praktischen Beschäftigung mit Bewusstseinsbildung und Wissensgesellschaft“.

Man kann dieses schwergewichtige Buch auch in einzelnen Teilen lesen und gleich, wo man anfängt, man verliert sich schnell in einer verständlichen, dialogisch angelegten Sprache, die zum Selberdenken auf fast jeder Seite einlädt und spüren lässt, warum Denken und Philosophie wichtig ist und Freude macht.

Ein großes Werk.

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