Oskar Panizza

 3.8 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor von Die Menschenfabrik, Das Liebeskonzil und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Oskar Panizza

Oskar Panizza, geboren 1853 in Bad Kissingen, war Nervenarzt, Schriftsteller, entschiedener Antikatholik und einer der größten Kritiker des autoritäten wilhelminischen Staats. Seine Texte wurden im Deutschen Kaiserreich zensiert und verboten. Für Das Liebeskonzil, seine Satire auf die katholische Kirche, wurde Panizza 1895 wegen Majestätsbeleidigung und Blasphemie verhaftet und zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Nach seiner Haft lebte er in Zürich und Paris. Per Steckbrief international gesucht, kehrte er 1901 nach Bayern zurück, wo er von 1904 bis zu seinem Tod 1921 in verschiedenen Nervenkliniken untergebracht war. Zu den Unterstützern Panizzas und begeisterten Lesern seines Werks gehörten prominente Zeitgenossen wie Walter Benjamin, George Grosz, Kurt Tucholsky oder Frank Wedekind.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Oskar Panizza

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Cover des Buches Die Menschenfabrik9783455005813

Die Menschenfabrik

 (8)
Erschienen am 05.02.2019
Cover des Buches Das LiebeskonzilB00507T40K

Das Liebeskonzil

 (6)
Erschienen am 10.05.2011
Cover des Buches Das Liebeskonzil9783854764809

Das Liebeskonzil

 (1)
Erschienen am 23.11.2015
Cover des Buches Das Wirthshaus zur Dreifaltigkeit9783944342894

Das Wirthshaus zur Dreifaltigkeit

 (0)
Erschienen am 01.08.2016
Cover des Buches Der teutsche Michel und der römische Papst9783935877909

Der teutsche Michel und der römische Papst

 (0)
Erschienen am 01.03.2003
Cover des Buches Vreneli's Gärtli9783857918124

Vreneli's Gärtli

 (0)
Erschienen am 15.09.2016

Neue Rezensionen zu Oskar Panizza

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Rezension zu "Die Menschenfabrik" von Oskar Panizza

Tiefgründig seit 130 Jahren
SophiesBooksvor 5 Monaten

Unser namensloser Protagonist findet sich in einer Situation wieder, die einen an einen klassischen Horrorroman erinnert: Man ist allein, das nächste Dorf ist noch ein paar Meilen entfernt, man ist erschöpft, das einzige Gebäude in der Nähe ist eine seltsame Fabrik und, wie sollte es anders sein, man ist allein. Eine nicht gerade praktische Ausgangssituation.
Was sich zunächst ziemlich klischeehaft anhört, ändert sich in innerhalb von zwei Seiten augenblicklich! Denn es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Gebäude um eine Menschenfabrik handelt (wie der Titel schon andeuten lässt ;)).
Der Dialog zwischen dem Direktor und dem Protagonisten, der darauf folgt und sich über das gesamte Buch erstreckt ist unglaublich tiefgreifend und greift eine Problematik auf, die uns heute wichtiger als denn je erscheint: Inwiefern ist es moralisch vertretbar, dass Leben künstlich zu beeinflussen, gar zu kreieren?
Allerdings unterhalten sich die beiden nicht über CrispR oder sonstige Gentherapie Methoden, sondern lediglich um das Prinzip der künstlichen Rasse. Letztendlich wurde das Buch vor 130 Jahren geschrieben und es ist kaum vorstellbar wie Panizza es schafft den heutigen Kern der Zeit zu treffen, obwohl er relativ weit in der Vergangenheit lebte.
Dieses Buch ist ein Indiz dafür, dass künstliche Intelligenz die Menschen schon lange bewegt und stets mit kritischen Augen verfolgt wird. Besonders interessant ist Panizzas dialektische Betrachtung der ethischen und kapitalistischen Position, welche den Leser zum eigenen Nachdenken auffordert.

~Eine Empfehlung für die, die sowohl auf klassische Literatur als auch auf KIs und Zukunftsspekulationen stehen. Oder aber eine kurze Lektüre für den Nachmittag brauchen ;)

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Rezension zu "Die Menschenfabrik" von Oskar Panizza

Was Menschen ausmacht
Annejavor einem Jahr

Auch wenn ich weder den Autor noch seine Geschichten kannte, faszinierte mich der Klappentext so sehr, dass ich mich in diese Erzählung stürzen musste. Daran hinderte mich auch nicht die Geschichte selbst, welche trotz ihres fast 130-jährigen Bestehens, nicht an Aktualität verloren hatte, sondern eher der Schreibstil. 

 

Aber erst einmal zur Geschichte, welche wie ein klassischer Horrorroman begann. Ein Auto bleibt liegen, der Fahrer irrt daraufhin durch die Gegend und stößt auf ein Gebäude, welches sich als Fabrik entpuppt und bei der er nach klopfen und klingeln von einer kleinen schwarzen Gestalt hineingebeten wird. Mein erster Gedanke war natürlich das Handy, aber hey, ich befand mich in einer Zeit, in welcher diese Errungenschaft noch nicht existierte und musste somit erleben, wie der namenlose Protagonist in die Fabrik eintrat. 

 

Was er zu sehen bekam? Menschen. Menschen, die aus Lehm geformt wurden und denen nach Wunsch Merkmale wie Religion, Hautfarbe oder Kleidung gegeben, aber nie wieder genommen werden konnten. Wo es den gemachten Menschen an Aktualität bezüglich ihres Aussehens nicht mangelte, fehlte ihnen doch eine wichtige Sache und das war das Denken. Wieso, weshalb und warum, erfuhr man zum Glück im Buch.

 

>>kenn´ ich, weiß ich, wir sind vollständig orientiert über die Bedürfnisse des Jahrhunderte, wir wissen, wo es unserer Rasse gebricht, wir haben das Neueste!…<<

 

Wenn mir dieses Buch eines gab, dann genug Stoff zum Nachdenken. Besonders die Unterhaltung zwischen dem Direktor und dem Mann zeigte auf, wie unterschiedlich die Ansichten über diese Art der Menschen waren. Während der Mann kein Verständnis für die Produktion hatte und auch nicht verstand, wieso man Menschen produzieren müsse, zeigte der Direktor mehrere Gründe auf, weshalb diese einen entscheidenden Vorteil hätten. Hier möchte ich das Wort „Kapitalismus“ in die Runde werfen, welches ab Beginn der Unterhaltung förmlich, als Überschrift, darüber schwebte. 

 

Neben der Interpretation des Textes war es jedoch der Schreibstil selbst, bei welchem ich ein wenig aneckte. Dieser wirkte fast durchgehend eintönig und kantig, da man auf Details überhaupt nicht einging und dem Protagonisten nicht einmal einen Namen gab. Besonders irritiert hatte mich jedoch das Ende, welches ich bis jetzt nicht verstehe. Wer diese Art von Texten zu schätzen weiß, wird seine Freude haben, für mich war er leider etwas zu kryptisch.


Mein Fazit

 

Oskar Panizza war seiner Zeit weit voraus und erschuf eine Geschichte, die auch aus der heutigen Zeit stammen könnte. Der Wert von Menschen gegenüber Robotern oder Maschinen wird auf faszinierende Weise dargestellt, irritiert mich aber auch aufgrund seiner sehr philosophischen Erzählweise. Trotzdem ist dies ein Werk, das wohl locker nochmal 130 Jahre überleben wird und dabei nicht an Präsenz verlieren wird. 

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Rezension zu "Die Menschenfabrik" von Oskar Panizza

Die Menschenfabrik
killmonotonyvor einem Jahr

Bereits 2016 erschien bei Hoffmann & Campe eine äußerst schicke Neuauflage eines echten dystopischen Klassikers: “Die Maschine steht still” von E. M. Forster. Jetzt ist eine weitere Noelle in dieser schicken Aufmachung erschienen und da wurde ich doch direkt neugierig: Oskar Panizzas “Die Menschenfabrik” ist bereits vor knapp 130 Jahren erschienen und widmet sich Künstlicher Intelligenz, der (titelgebenden) Herstellung und Zucht von Menschen und den Schrecken der Technisierung, eingebettet in eine leicht gruselige Geschichte: Unser namenloser Protagonist verläuft sich bei einer Wanderung und sucht Unterschlupf für die Nacht, da es unmerklich doch ein wenig spät geworden ist. Glücklicherweise ist da ein großes Fabrikgebäude, er klingelt und wird prompt von einem “kleinen schwarzen Männchen” in Empfang genommen, das ihm nicht nur Unterschlupf gewährt, sondern ihn auch willig durch die Fabrik führt – bei der es sich seiner Aussage zufolge um eine Menschenfabrik handelt. Unser Protagonist glaubt, er habe sich verhört und überlegt im Geiste, wie das Gesagte verstanden werden könnte. Doch ehe er zu einem Schluss kommt, beginnt die Führung und er kommt aus dem Staunen und Erschrecken gar nicht mehr heraus.

Da ich nun keinen Grund hatte, anzunehmen, daß in diesem merkwürdigen Haus andere grammatikalische Regeln herrschen als in den übrigen deutschen Landen, so verstand ich unter »Menschenfabrik« eine Fabrik, in der Menschen fabriziert werden.

Der namenlose Protagonist versteht nicht, wozu in dieser Fabrik Menschen hergestellt werden sollen, werden diese doch täglich “zu Hunderten” kostenlos geboren. Dass es dabei tatsächlich einen logischen, wirtschaftlichen Hintergrund geben könnte, widerstrebt ihm sehr. Und dass gar Menschen verschiedener Hautfarben in der Fabrik hergestellt werden, da diese “jetzt sehr beliebt” sind, empört ihn noch mehr. Unser Protagonist wendet sich in seiner Wut und seinem Zorn dabei oft an den Leser selbst, was ich stilistisch sehr gelungen finde. Auch lässt er sich bei der Führung nicht nur berieseln in Gedanken an einen warmen Platz zum Schlafen, sondern empört sich lautstark über die “Machenschaften”, die in der Fabrik ihren Lauf nehmen.

Panizzas “Menschenfabrik” wirft dabei verschiedenste Thematiken auf, von Religion über Kapitalismus bis hin zu Kritik am Zeitgeschehen. Besonders die Religion spielt in der Novelle eine wichtige Rolle, denn das “kleine schwarze Männchen”, das zugleich der Direktor der Fabrik ist, backt die Menschen aus Lehm – da ist der Vergleich zur Bibel nicht weit hergeholt. Den so entstandenen Lehmgolems fehlt es an Intelligenz und ihre Daseinsberechtigung liegt nur in der Bespaßung der Menschen, die sie kaufen.

»Tun Ihre Menschen denken?« — »Nein!«

Fazit: Diese Novelle ist aktueller denn je, denn Begriffe wie Gewinnmaximierung sind uns natürlich nicht fremd. Auch künstlich erschaffene Lebewesen, wenn auch nicht unbedingt Menschen, sind heutzutage längst möglich – zumindest in der Theorie! Oskar Panizza hat also bereits 1890 ersonnen, wie es einmal sein könnte, in dieser dunklen Zukunft, und dabei unerwartet ins Ziel getroffen. Ein wunderbar zu lesender Klassiker, der toll gealtert ist und in seiner neuen Aufmachung mächtig was hermacht im Regal.

Mehr unter: https://killmonotony.de/buecher/rezension/oskar-panizza-die-menschenfabrik

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Oskar Panizza wurde am 12. November 1853 in Bad Kissingen (Deutschland) geboren.

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